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Full text of "Mittheilungen der Kaiserl. königl. centralcommission zur erforschung und erhaltung der baudenkmale ... Neue folge"

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Mittheilungen 
der Kaiserl. 





önigl. 
central -com 
zur ... 





Zentral-Kommiss.. 
für Denkmalpflege 
in Wien, Karl ... 




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MITTHEILUNGEN 

DER 

K. K. CENTRAL -COMMISSION 

KÜR 

ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKKALE. 

HERAUSGEGEBEN UNTER OER LEITUNG 

SEINER EXCELLENZ DES PRÄSIDENTEN DIESER COMMSSION 

D- JOSEPH ALEXANDER EREIHERRN VON HELFERT. 

XXIV. JAHRGANG. 

NEUE FOLGE 

DER XITTREIUIKGEN DER l l. CENTRAl-COMlSSlöll 2UR ERFORSCHUNG DSD ERHALTUNG TOM BAUDEItmLE* 

REDACTEUR: D» KARL LIND. 



WIEN, 1898. 
IN COMMISSION BEI WILHELM BRAUMÜLLER. 

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 



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.'.."•'i- I..«. * l<r''. I Iii', l), 



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INHALT 

Ü ES XXIV BANDES DER MITTHEILUNGEN. NEUE FOLGE 



Inhalt. 

Afitiww-, it'üiiimtt . Irr : /v/ei 1'rer.co Kalei-.der in den 
Huknwincr Klofterktrchcn Wuronclz und Suczawit/a au* 
dem Iii. Jahrhundert. (Mit 5 Tafeln 1 

AfjirnUa, Htinritii. Confeivator, TtoMTnr Ncuefte Omlning' 



Krucbnifife aus 


,\r|illleja 


M.r 1 Tatet and 


S TrillUu- 




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(Schluß, i Mi! 2 


Tafeln,: 


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Jrnuy S OinfcrvatHr kni Rata ] 1 r Bauliche l * 1: * »crr'_-3 tt' 
v* n ] Iri^nmiii ni l'Mit I Tafeln iit-i] ; Texl-Ill nflr.itiinuii 

Kir/ekntr, AJa.t, Miifvut»t-Cuft<<r) t »•<• l»ec»n»lkirche> zr. 
Außig n d Klli*.- 'Mit 5 T«xt-1lluHratiuncn 

'.. . 1 1 1 1 1 i . . I ! 1 r \ . I . , 1 1 . : I . : I Ii.. ' ' r ' 

rt.pli in Kannen Mit l 'Cafe 
Ltt kuer, A'ir.'. irr, /.nr Ba'le.c 



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il>--( 'iy.r Ht- 



ml Iti.mr zu OliiiUl 



Lechnt* , K\tr> I 'f : f.irahtirnkiiia'c ni iVt Harrkirc In t\\ 
Hrciicn» .11^ i'1'vrn'. Mit 2 Text -I Hilft r;it i' -in-Ti 

'roftMToi : IiifWiriliu. au* AIl-U!nnU 



I "Ittel \ . . 

Xtum^rtn, lt',. l'i<-fclT' 



Aiu einem IW-rii, hu- tU\<> 



lftQ7 xi\ >\ie Ccntr.i"fC<Jtnn>illL'jti t , , , - , , 

(s'r urf'i r , i'auL 1'onlVrvjTor : \>\m Kirchen t'-.\ Wx\ la-J'cich; 



um! an. \ llrioh>hcr^t in Karmc:-. Mit 13 |l. t irtrai..iiii:n 



MuiA, Af . Mr : Kruh^fi-r-tit.hilicln-' l-umic a;i> <le» öltirrretclu 

KVi \;_ i-i!..-!. :it;i 'M: 1 l F..v' 1 ml Tu 1.1 -T"ti ft 1 . 

Uhthmi. , . , 

ÄV.-A/v, /IrmrüA, Cnnlcn af"r : ArcItnuliJgjicLiL* I-hiuIl aua ilen 
Idicciiff ili l^iüiaru. Mir 1 J cxt-lUuftra;iun ... ... 

H'finziVrJ!, f\\'bfrt Alfter v#rt, *. ^ttfcrvalor 1 Ücricht iil»cc die 

Auv^rahiingcn auf ilctn L.i- l>i»c-ürah.cUlc in I.au^-Ujertl. 



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(Mit I Talrl 



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Seit« 

.WuuiaH'i. U >,'.<! fY<fc(T-.>i Iii • An% einem Berichte de»- 

fellic-u an die k k. t cnu.t]-t nimnilTi'.Mi. II. . , . , . I(x> 

iltmn, Ar«»:, < .'iiiifervwor ("rufeffi"' Dr : Kunflgcfchiilitlichf 
H^trathrunyen üIkt ttie Kirche /.u -St Marein im I-nvane- 
tiinle :n Kartitcti. < N! lt i 'lexl-llliillralwn. i . . .... . . 105 

Leckner A'.ir/. IH ■ Alte Graljfleine in der ITankixcIie ^ il* 

'Mit : Text-Iiliiflraliiiiicii 1 lt>S 

Mulirr . fcitiU'lph, Ünntc'rvaior : l'^t^r i-inigc Kniirtaltt-rthumer 

im N'itrdi-n von höhln^n. I \lit J Txleln und 2 Texlbtldem.) 191 

Sitirr, AJf*ii>ns : Itericht üher die Redaurirun^stechnik in 

I'c[li</aiiv.i mit bclonüorcT lterllckl'ichti^tiiti; dt» Kre-co . . 199 

iitttfhfr, faul. < A>nf< rvutiir Die Koftnkranikirche in Maria 
Wi.rth und die Kirthc in ZcWchnch (Mit I Tafel und 
15 im Texir und auf einer Tnfc! verlheilten IJluflrft- 
tinnen 1 203 

Lind, Karl, \ \\ ■ Kiii aites ijlat^cniaide in der SnmmUing de* 

\1iif: um- J' ratuifct" t arolinum ti\ Linz. 'Mit 1 Tafel j . Joif 

.\feiuht; , I>tt*phü: Dir Malerei Heltanrirung in der Kiichc 

iL Taillen ... 210 

Kiüßrunk, fruit: Der Thurm zu Vellicii (Mit 1 Tafel und 

j Tcxt-Illufirntionrii ) 113 

iioudik . V , 4.-tirrel|viHilent : Km Speculnni hunianae salvatio. 
rn> iler NeureUcher S , .ift>liililioIhek (Mit i z Texl Ulullr»- 
luiiieii, 1 , . . 215 

Ritat. Cuiiferv.itoi , !k-re;rath: Uerti- einci altchriftlichen 
ILiiilica im limlvn Celejn s. 1 Mit S Text IILuflrationen und 
; Tafeln 1 . . . 219 

T*Mt*s*>ez. Stamifoui vtn, CuulvtVMOi l>r Zwei in letzter 
Zeit reflnumte ajterthdmliche Hitufer in Krakau, (Mit 
I Tatet und 3 Trxi llliiftrntioncn ) 325 

Notizen t — 34 'Mit I Tafel und ij Text llluftratiunen. 1 , . . 57 

Kutizen 55 in. (Mit 1 Tafel und 14 Tcxl-lllnrtratumen 1. . . . 109 

Nuti/eu (ji -107 (Mit ti Il.uilraiioncit. theils im Texte. tlicitt 

auf einem Uciblatte < 170 

Notizen. i«S — 141 (Mit 30 Text-lHuitraEjuncn.l 229 

Kegifter der l'erbuien . Ort\ und Sacimamen 248 

Druckfehler Verlieft. runi;. 



(Zuiammc • 25 Tafeln und 151 im Texte und auf ttciia^ru vertlieilte K.uflraiiunen. 



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J- A I •: 0 . ' \ 



MITTHEILUNGEN 



DER 



K. K. CENTRAL-COMMISSION 



FÜR 



ERFORSCHUNG MD ERHALTUNG DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE. 



H K K A U SC« C K B B N UNTER OKR L. K I T O N C 

SEIlfER EXCELLENZ DES PRÄSIDENTEN DIESER COMMISSION 

D"- JOSEPH ALEXANDER FREI HERRN VON HELFERT. 



REDACTEUR KARL LIND. 



VIERUNDZWANZIGSTER BAND, ERSTES HEFT. 



NEUE FOLGE 

DM MTTHE1LUKGEN tEÄ l. I. CESTSAL-OMKISSIOX FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG »OH BAUDENKRALEI». 

1898. 



(MIT » TAffcLS UND 1» AUF OEI-. A(iEN l N „ | N „nx, TKX T VKKTHMI.TEN II.I.USI 'KATIONEN ) 



WIEN und LEIPZIG. 



IN COMMISSiON BEI WILHELM BRAUMÜLLER, 

K- :. HOF UND U.VIVfcRSlTiTS BUCHHÄNDLER. 



AUS Dt* KAIS KÜX. HOF- UND STAATSUKUCKKREI. 



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( DEC 9 1920 ) 

VERZEICHNIS 

der Einzel- und Separat -Publicationcn der k. k. Central-Commiffion. 



Die Colonien und militärifchen Standlager der Römer in Dacien, im heutigen 

Siebenbürgen. Von M. J. deiner. Preis per Exemplar — fl. 60 kr. 

Die römifchen Alterthümer und deutfehen Burgen in Siebenbürgen. Mit einer 

Ueberilchtskarte. Von M. J. Ackner — 

Kärntens alterte kirchliche Denkmalbauten. Von Gottlieb Freih. z/. Ankershofen „ 00 „ 

Trajans fteinerne Donaubrücke. Von Jof. Afchbach — H 50 (1 

Atlas kirchlicher Denkmäler des Mittelalters. 18 Lieferungen mit 100 Tafeln 

in Folioformat 18 „ — 

Aufnahme, ftenographifche, der III. und IV. Confervatoren- und Correfpon- 

denten-Confercnz in Wien und Krakau — 

Der Schatz der Mctropolitan-Kirche zu Grar ' *<rarn. Von F. Bock. (Mit 

3 Tafeln und 18 Holzfchnitten) 1 „ 40 „ 

Die älteflen Glasgemhlde des Chorherren-Stiftes Klo •'-st und die Bitd- 

niffe der Ciftercienfer- Abtei Heiligenkreuz. (Mit 27 Tafeln und 2. ->itten) 3 n — n 

Neu entdeckte Fresken aus dem Leben der heil. Apoftel Cy. '°thud 

in Ron). Von Dr. B. Dudik. (Mit 3 Holzfchnitten und 1 Tafel) — „ 50 , 

Cividale in Friaul und feine Monumente. Von Prof. Rudolph Eitelberg^ 

Edelberg *» „ 

Die Entwicklung des Pfeiler- und Gewölbe-Syftems in der kirchlichen Bau- 
kunft vom Beginne des Mittelalters bis zum Schluffe des 13. Jahrhunderts. Von A. Effen- 

wein. (Mit 79 Holzfchnitten) 1 „ 60 „ 

Gefchichte der Salzburger Bibliotheken. Von Dr. Karl Foltz 2 „ — „ 

Die Kunft des Mittelalters in Böhmen. Nach den beflehenden Denkmalen 

gefchildert. Von Bernhard Grueber. I. bis IV. Theil 16 „ — „ 

Charakteriftik der Baudenkmale Böhmens. Von Bernhard Grueber — „ 50 „ 

Kunftdenkmale des Mittelalters. Von Karl Haas — „ 70 „ 

Mittelalterliche Kunftdenkmale in Salzburg. Von Dr. Guftav Heider 1 „ 80 „ 

Liturgifche Gewänder aus dem Stifte St. Blafien im Schwarzwalde, dermalen 
aufbewahrt im Stifte St. Paul in Kärnten. Von Dr. Gurtr.v Heider. (Mit 10 Tafeln und 

6 Holzfchnitten) 2 50 „ 

Römifche Sonnenuhren aus Aquileja. Von Dr. Fri L i-' ' , nuer. (M> r •; T ... 

llluftrationen) — „ 80 „ 

Neue römifche Funde in Wien. Von Dr. Friedr -1 Jänner. (Mit 7 Text- 

llluftrationen) , . 1 „ 20 „ 

Das Wappen der Stadt Wien. Von Dr. Karl Lind . . — „ 80 p 

Die öfterreichifche kunfthiftorifche Abtheilung der Wiener Weltausftellung. 

Von Dr. Karl Lind 2 „ 80 ,, 

Blätter für ältere Sphra* /on Dr. Karl Lind .... 2 „ 80 „ 

Das vorgefchichtliche ' . oergwerk auf dem Mitteler;; 'Salzburg). Von 

Dr. M. Much 1 „ — „ 

Die Kupferzeit in Fu nd ihr Verhältnis zur Cuitui idogermancn. 
Von Dr. M. Much 2 „ 50 „ 



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Zwei Fresco - Kalender in den Bukowiner Klofterkirchen 
Woronetz und Suczawitza aus dem 16. Jahrhundert. 1 

Von Di. WtaJimi> Mititwut. 

< 

(Mi; i Tafeln.) 



^FR Norden ift für die Entwicklung der Kunft 
von Natur aus weniger günftig. Der Menfch 
kann an die Kunft nur dann denken, wenn er 
ohne große Sorgen leben kann. Im Norden war aber 
der Itctc Kampf mit der rauhen Natur feine Lebens- 
aufgabe, und dabei konnte fich fein Kunftfinn nicht 
entwickeln. Außerdem fehlten hier die erften Hedin 
gungen zur Entwicklung der Kunft. Schon aus dem 
Grunde, dafs ihm jene Farbenpracht unbekannt ift, die 
die Natur im Süden entfaltet, mußte der Mcnfch hier, 
mitten in der rauhen Natur, crl\ auf eine kunftlichc 
Weife zu der Schaffung der lebensfrohen Kunft erzogen 
werden. Außerdem fehlte ihm hier zur Schaffung der 
erften dauerhaften Cultur das geeignete Material. Im 
Süden findet der Menfch überall den härteften Granit, 
den fehönften Marmor und Porphyr und anderes Edcl- 
geftein in Fülle. Was fein Geifl daraus fchuf, das blieb 
durch Jahrtaufende beftehen. Der Norden war reich an 
Holz und der Menfch bediente fich hier vorzüglich diefes 
Materials, um feinen fchaffenden Genius zu befriedigen. 
Aber wahrend die fteinernen Kunftdenkmalc des Südens 
Jahrtaufende überdauerten, verfaulten die ohnehin nicht 
lehr zahlreichen Kunftfchatze des Nordens mit dem 
Holze Die Stein-Cultur ficgte über die Holz-Cultur. Der 
Stein erwies fich als ein fichcrercr Culturträger und 
durch ihn wurde der Aufschwung und die Verallgemei- 
nerung der Cultur ermöglicht. Urft in der Zeit, als man 
auch im Norden begann den Steil» dem Holze vor- 
zuziehen, blieb die Cultur am Lande haften und mehrten 
fich die Kunftfchatze. Aber der Menfch, welcher die 
Kunft fchuf, war auch ihr gcfahrlichitcr Feind. Unend- 
lich viel ift nämlich durch die Menfchcnhand vernichtet 
worden. 

An den großen Vcrkchrsftraßcn konnten fich in 
alten /.eiten die Kunftfchatze nur fchwer erhalten. 
Wenn das kunftfehaffende Volk flark genug war, um 
die Gränzen des Landes zu fchützen, fo blühte auch 
die Kunft, fo häuften fich die Kunftfchatze War aber 
der Granzwall durchbrochen und ergolTcn fich die 
Schaarcn der Froherer über das Land, fo wurden die 
Kunftfchatze vernichtet, fo wurde alles dem Boden 
gleichgemacht, befotiders das, was an der großen 
Straße lag. Wenn Italien und Griechenland, um deren 
Bcfitz fo viele Volker kämpften und fie auch lo viele 
Male zertraten, wenn diefe Lander heute noch fo viele 
Kunftfchatze befitzen, fo verdanken fie das nur dem 

' Maierial fiir die enrlteirciide Srudle luti« ii.h auf n>cti.e/ Reife in der 

Huknw in -i »«^«nJ der I" ctienrc;t der _Ulue» iE . ,6 Ä tUi' iueU- lief> e» luv) nm^LtL-l. 

war. dicTell« t-3 Kndc xh führen. .1«»" verdanke i'di nur de, licbeuiwürdinen 
li«ftt>eundl'< liafl i!rr cc.ftlirlie^ Herrers in :iu:rA>*il/ft und W*,rj|ieU llrr 
linomrtir ver«,iAt». Artllimamlrit Mitr. |:l„>r ILar-nn PI. .1 |;,„. :: r . Klarier 
vnlftelicr i« Smcmw,«.. wie wl Her. Pui:r, Md.., Z^.^d.,.,k. in W.. r .M.,r> 
turderlcu meine Studien in ;hnnlL..-li Her ttrife. wnfur i< Ii hier .Leo» nniS l.eheuder. 
,i,n den getnr.nten [Irner, .iffrntli Ii meiner. Dunk al>r ufla;ren mir erlaube 

XXIV. N. K 



Umftande. dafs dort die eigentliche Heimatftatte der 
Kunft war. difs fie eine folche Fülle von Kunftfchätzcn 
befalen, dafs, trotzdem vieles verloren ging, noch 
vieles übrig blieb. Aber im Norden merkt man fchon 
die Verwüftiing. Fs war hier wenig und diefes wurde 
zum großen Theile vernichtet. Nur hie und da in ent- 
legenen Schlupfwinkeln, wohin feiten eine feindliche 
Schaar vordringen konnte, erhielt fich etwas, was an 
der großen Straße gewifs der Vernichtung anheim- 
gefallen wäre. Zu dielen Gegenden gehört auch 
die Bukowina und befonders ihr füd-weftlieher Theil. 
Diefes an Kunftfchätzcn fonft arme Land befitzt doch 
zwei bedeutende und feltene Kunftdenkmalc, welche 
auch einem kunftrcichcrcn L uide zur Zierde dienen 
könnten. Es lind dies die zwei Klofterkirchen Woronetz 
und Suczawitza. Beide in entlegenen Gcbirgstbälern 
gelegen, wurden fie vor der Vernichtung gerettet, von 
welcher das Land fonft oft heimgefucht wurde. Nicht 
die Architektur ift es, die den genannten Kirchen einen 
Werth verleiht, fondern die Malerei. Beide Kirchen 
find nämlich von innen und von außen bis auf das letzte 
Plätzchen bemalt.' Und was ihren Kunftwerth noch 
befonders erhöht, ift der Umftand, dafs wir willen, 
wann die Kirchen gemalt wurden. 

Das Woronctzer Klofter wurde um das Jahr 1488 
erbaut. Der Gründer des Klofters, Stephan der Gute 
hat das Klofter reichlich dotirt. Unter den Wojwoden 
Peter Rarefch 1 1527— 1 546) und Johann Elias ( 1 546 bis 
1551I um das Jahr 1546 wurde eine Vorhalle zugebaut 
und die ganze Kirche bemalt. Wie die Infchrift auf 
einer in der Kirchenwand eingemauerten Steinplatte 
befagt i f. Taf. V), gefchah dies Dank, der Mühewaltung 
des Metropoliten Gregor. F.s war Gregor 11., Bruder des 
Wojwoden Peter Rarefch. Wie die Gcfchichte des 
Landes, fo ift auch die Gcfchichte diefes Klofters noch 
nicht ganz erforfcht — aber das liegt uns hier auch fern. 1 

Das Klofter in Suczawitza wieder ift erft im letzten 
Dcccnnium des 16 Jahrhunderts unter dem Wojwoden 
Jeremias Mogila erbaut und ausgemalt worden. Die 
Fürftcn aus dem begabten Gcfchlcchtc der Mogila 
waren alle Gönner der Kunft und der Wiffenfchaft. 
Das Klofter, das fie geftiftet und zu ihrer Grabftätte 
gewählt haben, wurde auch furftlich ausgeftattet. 

Wir wiffen aber, dafs die gricchifchc Kunft das 
größte Gewicht auf die Malerei legte. Die Bilder, gegen 

1 Ei o>L- ei[,ch mehrere beiu*lr.e kirvSieii m Bukowina. nenii;llen( finden 
Tieli MAlereircfte im der Kluftctkuilie \V M tr.i Mtrddaniir.4. in Suirawa fmuM ,n 
der SuKU-fr CmjiciIc alt *uJi in der Mn.nit/ kir. de in lUde-jir utnl anderen. 

: L'eter die l.efikiclilr dicke Kl. Il.il.r. Iir Ilde I) V. I ,*A.i»,'rr lir. 
!"■ linkte der Klofter Woranctr ur.d l'utrMi , <:rr-n.. w il* r^e-- . Kiiir veiLiUln de 
Slci/ec ttl.cr die Kl.-* liei.l.a-.ilen liefen« il'*x in der .OrÜerrei. Iiif. kto 

Revue" Wim iS'.n unser dem Titel .Oic U"e' liifi Ii oritmalifi lirn Kurilen 
hauten in der B .k.-iwia»- : fchnne Anficht en der B.ii..win»ee Kirchen l elrrlr 
,Y.,,I »,iiAi/,r .n .len Miithriliingrn de. I. ein r.i. <_ ,jm, ini iii -m |S.„; .m -I m ,-. 
und in i : er Allgemeinen B .im itin. g i*yf in dem AuUjl/e _l>ie e. r kUi.il" li- 
byri-iinif.-be ll-i nk unft J . 



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welche vergeblich eine Reihe der tüchtigfien byzanti- 
nifchen Imperatoren kämpfte, wurden vielmehr zum 
unentbehrlichen Bcllandtheilc des Cultus. Den Ton 
gab aber die Mönchswelt an, befonders jene Mönchs- 
republik auf Athos, welche das Glück hatte, fern von 
dem Getriebe der Welt, von allen, auch von den 
Türken refpeclirt zu werden. 

Jene Mönche auf dem heil Berge, wie Athos 
fchlcchtwcg genannt wurde, haben alfo die Angelegen 
heiten der griechifchen Kirche, den Glauben wie den 
Cultus überwacht und geleitet. 

Waren nicht die bilderllürmenden Kaifer gewefen, 
fo hatte man im Orten die Bilder vielleicht nicht mehr 
und nicht weniger verehrt als im Werten, aber gerade 
durch die Verfolgung der Bilder erftarktc in» Orten 
der Btldercultus. Athos fchritt voran. Im i;. Jahr- 
hundert waren fchon auf Athos Kirchen, welche vom 
Bildci fchmuck prangten. Von außen und innen wurden 
die Kirchen ganz ausgemalt. Das mußte in anderen 
Ländern des Oftens Nachahmung finden. Die Moldau 
ftand mit Athos in keinem geringeren Verkehre als 
andere Lander. Wir begegnen auf Athos oft den 
Namen der Fürften von Moldau, welche felbrt nach 
Athos pilgerten und die eine oder die andere Kirche 
dort reich befchenkten. Selbftverftandlich waren am 
Ende des Mittelalters die Athos-Kirchcn in jeder Be- 
ziehung Müller für das ganze Morgenland, und fo hatten 
die moldauifchen Fürften, die Bifchöfe und die frommen 
Leute keinen belferen Wunfeh, als die Kirchen ihres 
Landes fo auszuftatten, wie fic es auf Allros gefchen 
hatten. So müßen wir für die älteren Kirchen der Mol- 
dau das Muftcr auf Athos fuchen. Und wir können 
nachweifen, dafs die Kirchen des moldauifchen Landes, 
fogar was die Architektur betrifft, nach dem Müller 
der Athos-Kirchcn gebaut wurden. Vollends gilt das 
in Betreff der Malerei. Selbftverftandlich verdanken 
auch unlcrc beiden oben genannten Kirchen ihren 
Kunrtfchmuck der Anregung von Athos. In beiden 
Kunftdcnkmalen fteckt diefclbe Idee. Die altere Woro- 
netzer Kirche diente dann fozufagen zum Mufter für 
die Suczawitzcr, obwohl die letztere ficli in Einzel- 
heiten von der Woronetzcr unterfcheidet. Wir mußen 
fic daher beide xufammen befprechen. Der Zweck der 
vorliegenden Arbeit ift jedoch nicht, alle Malereien in 
den genannten Kirchen zu befprechen, vorderhand hc- 
fchränkc ich mich blos auf die Darftcllungcn des Ka- 
lenders, welcher fowohl in der Woronetzcr wie auch 
in der Suczawitzer Kirche die ganze Vorhalle ausfüllt 
und meiner Anficht nach den wicht igften Kunllbclland- 
theil der Kirche bildet. 

1. 

Ich beginne mit der Woronetzcr Kirche. Die 
ganze Vorhalle nimmt der Kalender ein. An der 
Wölbung begann der Künlller, und zwar mit dein 
Monate September, welcher zuoberft am Plafond 
zwei parallele Reihen einnimmt. An der Oilwaud be- 
ginnt dann der Monat Oftober, zieht lieh in der Rich- 
tung nach recht* und nimmt einen Streifen ein ringsum 
an allen vier Wanden. Dann folgen die weiteren 
Monate bis nach unten. Die unterfte Reihe ill alfo vom 
Monate Augtift eingenommen. Die Tage find durch 
Linien voneinander getrennt. Jedes Plätzchen ift da 



ausgenutzt worden, fo dafs fogar die Fenfternifchen 
bemalt wurden. 

Von einem Farbenreichthum ift hier keine Rede, 
der Maler operirtc mit nur etwa fieben Farben. Jede 
Tages-Rubrik ift auf diefclbe Weife behandelt worden. 
Zucrft hat der Kuniller den Grund gegeben, und zwar 
die obere Hälfte wurde mit blauer und die untere mit 
grüner Farbe beftrichen. Die obere foll den Himmel, 
die untere die Erde darrteücn. In die Himmclsrcgion 
hat er immer ein Paar Sterne in Gold hineingemalt. 
Ursprünglich hatte er augenfeheinlich die Abficht, den 
Anfang jedes Monats mit einer Mondfichel anzu- 
deuten, was er aber nur bei September und Oclobcr 
that, weiter aber es zu thun unterließ, wahrfcheinlich 
wegen Raummangel und wegen Koftenerfparnis, weil 
die Goldfarbe, in der die Mondficheln gemalt wurden, 
theuer war. Für die hineinzumalendcn Sterne hat er 
zucrft Krcife gezeichnet, in welche die Sterne hinein- 
gemalt werden folltcn, wohl um fie alle gleich zu 
machen Manche Krcife find auch leer geblieben, weil 
der Künftlcr vergefi'en hat, einen Stern hineinzumalen. 
Die meiden Tagcs-Rubrikcn enthalten auch als Hinter- 
grund ein Gebäude oder Gebirge. Beide find typifch ge- 
halten, fo wie man fic auch im 7. und 8. Jahrhunderte dar- 
gcftellt findet. Der Suczawitzer Kuniller hat manchmal 
beide«, alfo Gebäude und Gebirge als Hintergrund ge- 
bracht, nämlich dann, wenn die Tages-Rubrik zwei Dar- 
llellungcn enthalt. In dem Falle foll man es fo verliehen, 
dafs das Gebäude zu der einen, das Gebirge zu der 
anderen Darftcllung als Hintergrund gehört. Bei der 
Erklärung habe ich es aber mit wenigen Ausnahmen 
untcrlaffcn auf diefc Zugehörigkeit hinzuweifen und 
nur einfach das Vorhandenfcin des Hintergrundes ver- 
merkt. Der Maler hat nur dann untcrlaffcn, den Hinter- 
grund zu malen, wenn in die Tages-Rubrik eine einfache 
Hciligcngcflalt hineinkommen Tollte. Was nun die Dar- 
ftellungen i'clbft betrifft, fo war der Künftlcr beftrebt 
in der althergebrachten Form — was bei der byzanti- 
nifehen Kunft immer betont werden muß — das Tages- 
bild darzuftellcn, war es nun ein Kirchenfcll oder ein 
Heiliger. Bei den Heiligen bringt er immer das Mar- 
tyrium des Heiligen zur Darftelluug oder etwas anderes, 
was dir den betreffenden Tagcshciligcn charakteriftifch 
ill. Und man muß fagen, dafs dem Künftler die Hcili- 
genlegendcn wohl bekannt waren. In der Beziehung 
bieten uns fowohl der Woronetzcr als auch der Sucza- 
witzer Kalender eine Fülle von Darftcllungcn, welche 
uns das Recht gibt, die beiden Kalender als illuftrirtc 
oder bildliche Martyrologien , richtiger Synaxare zu 
bezeichnen, Die Darllcltungeii felbftflnd manchmal wohl 
gelungen, wenn man von der fchlechten Perfpeclive ab- 
licht, die man aber von der damaligen Schule nicht ver- 
langen darf. Eine gewiffe Kunllfertigkeit kann man 
unterem Maler nicht ahfprcchcn, was er wollte, das hat 
er ziemlich gut dargeftellt Jede Rubrik enthalt außerdem 
das Tages-Datum in cyrillifcben Buchftabcnzahlcn und 
dann den Namen dcsTage>hei!igen oder des Tagesfeftcs 
in der lapidaren eyrillifchcn Schrift, welche mit weißer 
Farbe ausgeführt wurde. Dasfelbe gilt auch von dem 
Suczawitzer Kalender. Auch hier nimmt die Darftellung 
des Kalenders die Vorhalle ein. Der Monat September 
beginnt oben in den Wölbungsbögcn, und zwar an der 
Sudwand. Wet'. er aber in den vorhandenen vier Wöl- 
bungsbögen den ganzen Monat nicht hineinbringen 



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3 - 



konnte, To fetzte er dcnfclben etwas niedriger auf der 
Oftwand (gegen den Altar zu] fort. Auch er hat die 
gleiche Anordnung getroffen und in gleicher Weife 
alles durchgeführt. Die Darftellungen ziehen fich eben- 
falls rings um die Wände hemm. Nur ficht man fofort, dafs 
hier alles größer und fchöner ausgefallen ifl als im 
Woronctzer Kalender. Die erfte Rubrik eines jeden 
Monats enthalt das Monatsbild, zunächft den Mond und 
zwar den Vollmond in Gold gemalt, dann ein Monats- 
bild. In der September-Rubrik bringt er als Monatsbild 
die Weinlefe, in der Üclober-Rubrik einen Mann auf 
dem Weinfaß fitzend mit dem Becher in der Hand. In 
den weiteren Monaten aber bringt er neben der Dar- 
ftcllung des Vollmondes immer das entfprechende Bild 
aus dem Thierkreifc. Nur zweimal hat er das Zodiacal- 
Bild nicht clargcftcllt, fondern fofort in diefe Rubrik die 
Darfteilung der Tagesheiligen gebracht. Die Bilder des 
Thicrkrcifcs find noch einmal im Atrium zufammen 
dargcftellt. Die Zeichen des Zodiak hatten eine aftro 
logifch-abcrglaubifchc Bedeutung. Ks wäre nun intcr- 
effant zu wiffen, ob unferem Künftler diel'elbe bekannt 
war, oder ob er nur aus der Vorlage ohne Vcrftandnis 
diefe Zeichen copirt hat. Das letztere fcheint das wahr- 
fcheinlichcre zu fein; denn er bringt anfangs in der Sep- 
tember- und Oclober-Rubrik die Monatsbilder, in der No- 
vember-Rubrik gar nichts, dann erft in weiteren Rubri- 
ken die Zodiakal Bilder, welche er nun ftatt der Monats- 
bilder hineingemalt z.u haben fcheint. Die unterftc 
Reihe ift den Darftcllungen aus dem Martyrium des 
heil. Georg gewidmet. An der Decke find die Darftcl- 
lungen der ockumenifchen Conanen, und zwar alle mit 
Ausnahme des fechfteii. Diefe Concilien-Darftcllungcn 
gehören zu den heileren in der ganzen Kirche (Tal. I). 

Wenden wir uns jetzt wieder dem Woronctzer 
Kalender zu. Vorher fei es gefagt, dafs wir bei der Be- 
fchreibung der Darftcllungen immer daran denken müßen, 
welchen Zweck der Künftler dabei verfolgte. Man wird 
nämlich bei der Betrachtung feiner Bilder fofort die 
Wahrnehmung machen, daf> er die Tagesfefte und die 
Martyrien der Heiligen auf die alhrdnfachftc Weife dar- 
zuftellcn beftrebt war, nicht fowohl. weil es für ihn fo 
leichter war, fondern aus Rücklicht auf das ,lefciu!e 
Publicum". Außerdem war er bei feiner Arbeit durch 
althergebrachte typilche Darftellungen gebunden, wel- 
che ihm nicht erlaubten, fich freier zu bewegen. Aus 
diefen Gründen erklart es fich, warum unfer Künftler 
fich bei feinen Darftcllungen fo oft wiederholt und 
warum er weniger auf die Kunft als auf den hiftorifchen 
Kern der Darftcllungen bedacht war. Hat man nun 
eine feiner Bildcrrcih.cn durchgefchen. fo kann man 
dann im voraus errathen, wie diefe oder jene Scene 
aus dem Martyrium des Hciligcn oder der Heilige felbft 
dargcftellt ift. So find abgefchen von den uberlieferten 
typifchen Darftcllungen manche dcrfelbcn fchon bei 
ihm typifch geworden. Zu den von ihm übernommenen 
alfo beibehaltenen Typen gehören vor allem die Hcili- 
gengcftalten. Auch hier wie bei dem Lemberger Kaien 
der' ift von den Vorfchriftcn der I Icrmcncia keine Spur 
zu entdecken. Um den Gefichtsausdruck und andere 
individuelle Eigenth.imlichkcitcn handelt es fich ihm 

1 Siebe in den MiuSeiluniicr. iler Cell O in Ihu». jir i^.yi dir 
AUtMKUuaf unter den 1-1=1 ,1» iii>r,! nifliitlier auf Holl iem* lei Kniender 
»••» <««« Zeil um teW den immer unter der Bir.oi. ») .1 »ml>rr c rr 

Kalender* «iliir.. »erde 



felbftvcrftandlich nicht; auch auf andere Accidcntien, 
wie zum Bcifpicl auf Barte hat er im Gegenfatze zu 
der altern Kunft kein Gewicht gelegt. Jeder Heilige 
füllte zunächft durch feine Kleidung charakterifirt 
werden, ob er ein Bifchof, ein Diacon, ein Mönch, 
ein Soldat, ein Eremit, ein Konig, ein Prophet, ein 
Apoftcl etc. war. Und bei diefen Darftcllungen fand er 
nun alte geheiligte Typen, die er behalten mußte. Sie 
find im Lemberger Kalender fixirt und ich werde mich 
immer auf diefclben berufen. Außer diefen Geflalten- 
Typen hat er fich noch anderer alten typifchen Dar- 
ftcllungen bedient. Hieher gehören, wie fchon oben 
gefagt wurde, die Darftcllungen der Gebirge, der Ge- 
bäude, der Sonnenftrahlen etc. Nehmen wir noch dazu, 
dafs die Säulcnhciligcn (Stilites), die Kreuzigung, die 
Ertränkung, die Steinigung, die Enthauptung, die Auf- 
hangung der Heiligen etc. nach alten Typen dargcftellt 
wurden, fo werden wir verftehen, dafs dem Künftler — 
wenn er es auch nicht wollte — wenig Spielraum für 
freie Darftellungen übrig blieb Und auch bei diefen 
freien Darftcllungen mußte er, wie oben gefagt wurde, 
fich wiederholen und lbzufagen eigene Typen fchaffen. 
So kam er zum Beifpicl oft in die Lage, gekrönte Pcr- 
fonen in der Kirche oder im Palafte ftehend darzu- 
ftetlcn. Weil er nun, wie gefagt, die Gcfetze der Per- 
fpetlive nicht verftand, fo hat er, wenn es galt einen 
königlichen Palall oder eine Kirche darzuftellen, über 
dem Kopfe des Betreffenden ein Baldachin gemalt. 
Freilich kann man bei ihm das Innere der Kirche 
nicht unterfcheiden, alles ift gemalt als ob es Hinter- 
grund wäre. So hat alfo ein Dach über einer Perfon 
gefetzt bei ihm zu bedeuten, dafs fie im Gebäude 
fich befindet. Freilich können wir nicht beurthcilen, 
ob das feine eigene Erfindung oder auch herkömm- 
lich war und von ihm fchon vorgefunden wurde. 
Kbcnfo verhalt es fich mit den von ihm dargeftclltcn 
Soldaten. Wohl find ihre Geftalten typifch, aber ihre 
Schwerter find echte türkifche Säbel, fo auch bei man- 
chen die türkifchen Kopfbedeckungen, und das ift bei 
ihm wenn nicht individuell, doch wenigftens landesüb- 
lich. Dadurch haben die Darftellungen ein fpeciellcs, 
fagen wir moldauisches Colorit bekommen. Ferncrmacht 
er von dem Spruchband einen reichen Gebrauch, was 
als ein Charakteriftikon feiner Zeit gelten muß. In der 
altern Zeit hat man den Hciligcn zur Bezeichnung 
ihrer Prophetengaben oder den Apofteln Rollen in die 
Hand gegeben. Spater wollte man deutlicher fein, die 
Rollen wurden nun in aufgerolltem Zuftande den Hei- 
ligen in die Hand gegeben und auf die Rollen fchrieb 
man die Worte aus ihren Schriften, aus ihren Prophc^ 
zeiungen, dann auch andere Sentenzen. Diefen Brauch 
findet man fchon im 13 Jahrhundert ausgebildet, fo 
auf den Mol'aike» in den römifchen Kirchen S. Maria 
Maggiorc (Apfis) und S. Paolo fuori Ic mura. Aber auch 
früher, fo im y., jafogar im 0. Jahrhunderte wurden einige 
Heilige mit befchriebenen Pergamentftrcifcn gemalt, 
wie überhaupt die Schrift zur Erklärung der Bilder je 
jünger, je mehr in Anwendung gebracht wurde. Ja man 
wurde, wie es mit der Verkeilung von Wurden und 
Titeln gewöhnlich der Fall ift. auch mit der Vertheilung 
der Pliilofophenrollcn, nunmehr Spruchbandern, frei- 
giebiger und ertheiltc fie auch Heiligen, die eigentlich 
keinen Anipruch daraufhaben konnten, hcfondcrs gc- 
fchah dies mit den neueren Heiligen. Aber auch an 

i* 



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deren Perfonen ift diefe Ehre zutheil geworden, fo 
erfchcint auf dem Bilde zum 25. Dcccmbcr fogar ein 
Hirt mit der Rolle in der Hand. Man fieht wie das Ver- 
ständnis diefer Dinge abhanden gekommen war. Die 
Heiligen halten nun diefe Pergamentftreifen fo, dafs 
dicfclbcn entweder nach unten hangen oder nach oben 
aufgerichtet find. Die Rollen aber find hier immer mit 
einer Schnur gebunden dargeftcllt. Was die Sentenzen 
betrifft, welche die Spruchbänder enthalten, fo find fic 
nur feiten vollfbndig. oft fehlerhaft bis zur Unkenntlich- 
keit, ein Beweis, dafs fie ganz einfach ohne Verftändnis 
copirt wurden. Ks trifft fich, dafs ein oder das andere 
Spruchband unbefchrieben geblieben ift, wohl aus Ver- 
geffenheit des Malers. Ich habe nur bei dem Sucza- 
witzer Kalender auch die Sentenzen abgeschrieben, und 
zwar hauptfachlich zu dem Zwecke, um die Sprache zu 
conftatiren und auch das Mittel an die Hand zu geben, 
die Vorlage, wenn eine folche je gefunden werden 
follte, leichter beftimmen zu können. Sie find ohne 
Veränderung wiedergegeben worden, die notwendigen 
Ergänzungen ftchen in Klammern. 

Alle I Iciligcngeftalten erfcheinen mit Nimben, 
welche in Gold gemalt find. 

Wenn fich der Maler eine Freiheit erlaubt hat, fo 
betrifft das vor allem zwei Din<*c: den architcktoni 
fchen Hintergrund und folche Perfonen, welche die 
Diener, Soldaten, Schergen, kurz die nicht Heiligen dar- 
Mellen. Der architektonifche Grund variirt fehr; denn 
man kann mit Sicherheit behaupten, dafs, wenn auch 
der Künftler aucli hier an die gegebene Ucberlieferung 
fich hielt, doch in den meiften Fallen in Ermanglung 
einer Vorlage einen architektonischen Hintergrund fich 
fclbft fchaffen mußte. 

Welche Macht die überlieferten Formen hatten, 
kann man auch hier mit Staunen conftatiren, und ich 
will blos auf ein Reifpiei hinweifen. Sehr verbreitet 
find zum Bcifpiel die Bilder des heil. Antonius von 
Padua. Nun kann man conftatiren, dafs feine Kirche in 
Padua faft in derfclben Form auf allen feinen Bildern 
fich findet, und ich konnte zu meiner Uebcrrafchung 
auch auf der Woronetzer Kirche ein Bild nach den 
Formen der Kirchenkuppcl erkennen, dafs dies zum 
Bildcr-Cyclus des heil. Antonius gehören konnte. Somit 
durfte man fich auch in der Beziehung auf die Treue 
der Ucberlieferung verlaflfen, vorausgefetzt, wenn eine 
Vorlage beftimmt anzunehmen ift. Aber anderfeits ift 
auch hier die größte Vorficht geboten; denn die 
Künftler jener Zeiten haben dicfclbcn Kirchen, dasfelbc 
Gemäuer auch für einen andern Heiligen adaptirt. So 
kann man zum Bcifpiel die Formen der Sophien-Kirche 
bei verfebiedenen Darftellungen conftatiren, wenn auch 
freilich mit kleineren Abweichungen. Wenn nun einige 
Herren, welche die Darfteilungen aus dem Leben des 
moldauifchcn Heiligen Johannes Novus von Suczawa, 
deffen Gebeine aus Trapezunt um das Jahr ] 40:? nach 
Suczawa gebracht worden find, 'tudirten, der Meinung 
find, dafs das in diefen Bildern dargeftelltc Schloß 
von Suczawa das wirkliche ehemalige Furflcnfchloß 
von Suczawa darfteilt, fo kannte man fich gewaltig 
irren. Man kann nämlich bei vielen Darftellungen der 
Translatio der Gebeine irgend eines Heiligen confta- 
tiren, dafs die Kunftler nach einem alten Schema vor- 
gegangen find und dask-lbe Gebäude malten, welches 
iie anderswo bei der Tran>latio eines andern Heiligen 



vorfanden, denn auch eine jede Translatio wurde 
lypifch, alfo auf dicfclbc Weife dargeftcllt. So befteht 
die Freiheit des Künftlers, was die Darftcllung der 
architektonifchen Thcile betrifft, hauptfächlich wohl 
darin, dafs er dasfelbe Recept für alle möglichen Falle 
anwendet. Man muß aber zu den Darftellungen in 
Woronetz und Suczawitza bemerken — nur weiß ich 
nicht zu cntfchcidcn, ob ihren Kiinftlern dies zum 
Ruhme gereicht oder nicht — , dafs fic fich auch von 
anderen Vorbildern becinflußen ließen. Und zwar ift 
es keine Seltenheit, dafs zum Beifpiel ein Thurm die 
Form eines türkifchen Minarets tragt, wie die Schwerter 
oft die Form der türkifchen Säbel haben. 

Daraus erficht man, dafs der Künftler auch von 
den Einflüßen feiner Umgebung fich nicht emaneipiren 
kann Und dadurch bekommen ,dic Darftellungen ein 
localcs Colorit. Noch freier waren die Künftler in der 
Darfteilung der nicht heiligen Perfonen, befonders der 
Diener, der Schergen, der Soldaten etc. Bei Soldaten 
find nämlich nur fehr fchwachc Spuren von einem rö- 
mifchen legionarius zu finden, alles wurde fchon moder- 
nifirt. Aus dem Grunde bezeichne ich immer diefe 
Perfonen mit den Worten Diener, Scherge oder Soldat, 
haben fie nun Mützen, Sturmhauben, Hüte oder auch 
keine Kopfbedeckung. 

Unter den Martyriums-Darftellungen findet fich 
vorwiegend die Enthauptung fowohl in dem Woro- 
netzer als auch in dem Suczawitzcr Kalender. Dies ift 
auch das richtige. Denn wer die Legenden kennt, der 
wird wiffen, dafs die Heiligen aus den mannigfachen 
Martern unverfchrt herausgekommen find. Die wilden 
Thiei e, heißt es oft, blieben vor den Heiligen ftehen, 
ja fie leckten oft ihren Körper. Der brennende Ofen, 
der Scheiterhaufen brachte ihnen keinen Tod, fie 
blieben in den Flammen unverfchrt, ja die Flammen 
verbrannten, heißt es, eher die Umftehenden, aber auf 
den Körper des Heiligen hatten fic keine Wirkung. 
Das WalTer brachte fie oft wieder an das Ufer. Die 
Martcrer, die Diener wurden von den Schlägereien 
mtide und der Heilige lachte, fang Pfalmen, ja forderte 
feine Quäler auf nicht zu ermüden. Erft wenn alles 
nichts half, vielmehr viele Heiden durch Statthaftigkeit 
des Heiligen und die Wunder, die fich ereigneten, be- 
kehrt wurden, da griffen, heißt es, die Chriftenverfolgcr, 
die Imperatoren und ihre Vertreter voll Verzweiflung 
und Wuth zu der ultima ratio, zu der Enthauptung. Die 
Todesarten 1 äffe 11 fich aber aus dem romifchen Rechte 
auf natürliche Weife erklären. Schon das 1 2. Tafelgcfctz 
beftrafte die Magier — und manche Thrillen wurden der 
Magicrkunft befchuldigt - mit dem Feuertode (ipsi 
autem magi vivi exuruutur 1, die des Verbrechens laesae 
inaiestatis Befchuldigtcn folltcn aber geköpft werden, 
und diefcs Verbrechens wurden die meiften Chriftcn 
angeklagt, weil fie den Imperatoren und heidnifchen 
Göttern nicht opfern wollten. Daher die vielen Enthaup- 
tungen. Aber die fpäteren Lcgendariften haben es nicht 
mehr vciftandcn und erklarten die Todesarten auf ihre 
Weife durch Wunder. Alle Enthauptungen nun wurden 
von den Kiinftlern in derfelben Weife fehcniatifch dar- 
geftellt. Gern Hellen die Kunftler die Enthauptung fo 
dar, dafs der Heilige die Hände vorftreekt, um den 
abgehauenen Kopf fclbft auf die Erde zu legen. Sieht 
man das. fo kommt einein unwillkürlich (iie Redensart 
des flavifchen und deutfehen Volkes in den Sinn, 



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welches jeden freiwilligen Tod mit den Worten: Kr hat 
feinen Kopf gelegt (poiozy w hoiowu swoju) bezeichnet. 
Kntftand diefe Redewendung von dem Anfchau.-u 
folcher Bilder oder, was wahrfcheinlichcr ift, hat der 
Künfller feine Darftellung diefer Redeweil'e accoinodirt, 
kann man nicht entscheiden. 

Beide Kalender bringen nieiil den letzten Mar- 
tyriumsadt. nämlich den den Tod bringenden zur Dar- 
flellung, wiewohl auch befondere Wunder dargeftellt 
wvirden. In einer Beziehung nntcrfchcidcn fich, was die 
Darfteilungen betrifft, beide Kaiendtr von einander. Der 
Woronctzcr ift viel einfacher, er bringt nämlich zumeift 
zu einem Tage nur eine Scene zur Darftellung, diefe, 
welche durch die Uebcrfchrift angekündigt wurde. Da- 
bei ift er aber verläfslich, nämlich feine Darftellungen 
entfprechen der Krzählung der Legende. Anders ift 
der Suczawitzcr Künfller vorgegangen. Weil an einem 
und dcmfclben Tage das Andenken mehrerer Heiligen 
gefeiert wird, fo wollte er auch diefe zur Darftellung 
bringen. Gewohnlich alfo enthält bei ihm eine Tages- 
Rubrik Sccnen, welche fich auf das Martyrium zweier 
oder mehrerer Heiligen beziehen, was man gewohnlich 
genau beftimmen kann. Nur feiten kommt es vor, dafs 
mehrere bildliche Sccnen auf ein Feft fich beziehen. 
Deshalb ift der Suczawitzcr Kalender reichhaltiger und 
mannigfaltiger. Dafür ift er aber im Gegenfatze zu dem 
Woronctzcr weniger verläfslich, indem er fich nicht 
mehr fo genau an den Legetuleninhnlt hielt. Freilich 
ift diefer Vorwurf zum Thcil problematifch, weil man 
doch auch vermuthen kann, dafs ihm andere Legenden, 
die uns unbekannt find, zur Grundlage feiner Darftellun- 
gen dienten. Aber in den meiften Fallen kann man mit 
Beftimmthcit conftatiren, dafs er in feinen Darftellungen 
nicht genau war, vielmehr oft frei coneipirte. Schon 
die Titel, die er über den Darfteilungen fetzte, bc- 
weifen, dafs er fchablonenartig vorging. Gewöhnlich 
kündigt er nämlich die Darftellung des Tageshciligcn 
und feiner Leidcnsgenoflen an. gleichviel ob welche 
waren oder nicht. Einige Kcifpicle feien angeführt. Zum 
3. Mai zum Beifpiel lefen wir: ükatmh mSxihhk Th.hoaia, 
MJK c» NHMK, das heißt: Der heil Märtyrer Timothhus 
und die mit ihm, oder wie ich das h>k c* hiimx immer 
überfetzi habe: und Genofleii. Der heil. Timoihäus 
und feine Gattin Maura wurden nach der Legende 
gekreuzigt und Aarben am Kreuze. Nun ftellt er auch 
die Kreuzigung beider dar, aber daneben ift noch eine 
zweite Scene, welche die Enthauptung zweier Märtyrer 
darftellt. Wir können nicht angeben, welche Heilige 
darunter gemeint fein follten, denn an die fem Tage 
kommen keine folchen Heiligen vor. Man muß alfo 
fagen, dafs die obige Darftellung die Worte m:« rx 
hhmx (GcnofTen) illuftrircn foll. Es ift alfo eine ficlive 
Darftellung. 

Und folcher Kalle finden (ich mehrere. Ja er 
bringt manchmal fogar verschiedene Martyrienarten 
zur Darftellung, welche auf «Jen betreffenden Heiligen 
nicht bezogen werden können. Manchmal ift die 
freie Compofition ganz evident. Zum 1. Mai bringt 
er zum Beifpiel die Enthauptung eines Heiligen zur 
Darftellung. Der Prophet Jeremias aber, deffen An- 
denken an dem Tage gefeiert wird und dclTcn Namen 
er in der Ueberfchriit bringt, wurde von den Juden ge- 
fteinigt ; fomit paf-t die Darfteilung auf den Tages- 
heiligen nicht. Auch dieler Fall ficht nicht vereinzelt 



da, ähnlich zum Beifpiel zum 17. December. Außerdem 
kann man ihm andere Fehler nachweifen. In der Rubrik 
zum 2i. April lefen wir: Crathc mKmihhka 0i»,yu>p.i, 
ii:k cji hhm — der heil. Märtyrer Theodor und GcnofTen. 
Die Darftellung zeigt aber eine Heilige. Und richtig 
foll das die heil. Theodora fein und nicht der heil. 
Theodor. Noch deutlicher fpricht für die freie Compo- 
fition unfercs Künftlers der zum 25. Octobcr von ihm 
begangene Fehler. Er las in der Vorlage: C«*Tuy 
mS<i«hhk h HOTipiH <Hif>Ki«tM H lU.tpTHpU. Weil er das 
Wort Notare für einen Eigennamen hielt, fo brachte 
er auch die Enthauptung dreier ftatt zweier Heiligen 
zur Darftellung, was gewifs nicht der Vorlage, 
fondern ihm zur Lait fallen muß. Manche von diefen 
Fehlern ließen fich erklären, obwohl nicht cntfchul- 
digen. Es kommt nämlich in den Kalendern auch oft 
vor, dafs das Feft eines Heiligen um einen Tag ver- 
fehoben wird. Dies (lammt in manchen Fällen noch von 
den geschriebenen Codices her, in welchen oft für den 
Namen eines Heiligen in der ihm gebührenden Tages- 
Rubrik kein Platz mehr war und fein Name in die 
nächfte Rubrik eingetragen werden mußte. Obwohl der 
betreffende Schreiber wufste, ob ein Name in die 
vorhergehende oder in die nachfolgende Tages-Rubrik 
gehöre, fo konnten die fpäteren Benutzer des Codex 
dies nicht mehr willen. Und fo gefchah es, dafs in einem 
Codex der Name eines Heiligen in diefer und in einem 
andern in einer andern Tages-Rubrik ftand und fein 
Andenken auch vcrfchicdcn gefeiert wurde. So bildete 
fich in der Beziehung in verfchiedenen Kirchen ver- 
fehiedener Brauch aus. Dasfclbe kann auch in unferen 
Kalendern conftatirt werden. Nicht nur dafs beide oft 
differiren, auch die Darfteilungen geriethen auf diefe 
Weife in die unrechte Rubrik Es liegt mir fern, jeden 
einzelnen Fall zu conftatiren, denn die Mühe ftünde 
in keinem VerhältnilYe zu dem Nutzen, den man even- 
tuell davon haben könnte. Ich will nur einen Fall an- 
fuhren, nämlich die Darfteilung zum 11. April. Der 
Heilige wurde in einem kupfernen Stier zu Tode ge- 
brannt. Dies war der Fall mit dem heil. Antippus, deffen 
Andenken am 10. April gefeiert wird und nicht mit 
dem heil. Artemon, der am 11. April in unferem 
Kalender genannt wird. Die betreffende Darftellung 
findet lieh aber in der Rubrik des 1 1 . April. Das nächft 
liegende ift alfo an eine Verfchiebung zu denken 
Auf diefe Weife könnte man, wie gefagt, fo manche 
Fehler unferes Kalenders erklaren und ihre Zahl ift 
nicht gering. Aber auch abgefchen davon, (teilt es feft, 
dafs viele Darftellungen im Sue/.awitzer Kalender fingirt 
find. Die Kirche wurde reich dotirt, der Maler gut be- 
zahlt, wenn es nicht ein Klofterbruder war, er wollte 
alfo mit den Darftellungen nicht geizen. Der Zweck 
der Bilder war die (itlliche Erbauung der Gläu- 
bigen, ihre Sinne follten durch den Reichthutn der 
Darftellungen gefangen genommen werden. Auch 
wollte man überhaupt eine Schon gemalte Kirche 
haben. Die Genauigkeit war Nebenfache. So haben 
alle Darftellungen einen fchabloiunartigcn Charakter. 
Demcntfprcchend habe ich fie auch befchrieber. in 
knappen kurzen Worten. Unftreitig war auch der Sucza- 
witzcr Maler ein größerer Künfller als der Woronctzcr. 
Freilich kennt er auch nicht die l'crfpeclive und wenn 
er jemanden im Gebäude drinnen darftcllcn wollte, fo 
traf er es nicht. Einen im Kerker Sitzenden malt er am 



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Boden liegend in einem ummauerten Räume, ohne Dach 
— anders war er es nicht im Stande darzuftcllcn. 

Da war fchon der Woronetzer Kunftler gefchickter 
in diefer Beziehung, denn er malte in dem Falle den 
Heiligen als hinter dem Gitter Itehend, was um vieles 
verfländlicher ift. Sonft verfagte dem Suczawitzer die 
Kunft nicht. Er war imftande, jede Gemüthserregung 
zum Ausdrucke zubringen: den Schrecken, das Weinen, 
die Verwunderung etc. Manche Darftellungen find auch 
fehr gelungen und haben fclbft einen kiinftlcrifchen 
Werth. 

Vielemale bringen beide Kalender ftatt einer 
Martyriums-Darftellung einfach die Geftalt des Heiligen. 
Dies gefchieht, wenn der betreffende Heilige eines 
natürlichen Todes ftarb oder wenn den Künftlern die 
Lebensgefchichtc des Heiligen unbekannt war. Diefes 
Moment wäre auch für die Beftimmung der Vorlage 
fehr wichtig. 

Es kann kein Zweifel darüber beliehen, dafs der 
Suczawitzer Künlller die Kirche in Woronetz gefchen 
hatte, ehe er an fein Werk ging. Er behielt ja diefclbc 
Einthcilung, diefelbe Methode. Aber iüchlsde,ftoweiiiger 
können wir mit aller Bcftimmthcit behaupten, dafs bei 
der Ausführung einzelner Darflellungen er ganz unab- 
hängig von dem Woronetzer vorging. Die vielen ähn- 
lichen Darftellungen find auf ihre genieinfchaftliche 
Quelle, auf die Typen, an welche beide gebunden 
waren, zurückzufuhren. Sonft machte er alles anders. 
Nicht blos, dafs beide oft ganz andere Tagesheilige zur 
Ausführung bringen, auch das Martyrium eines und 
desfelben Heiligen haben beide anders dargeftellt, zum 
Beifpiel zum 2. September und viele andere. Es ifl 
fchon oben betont worden, dafs der Woronetzer 
einfacher aber wahrheitsgetreuer ift, wahrend der 
Suczawitzer fich fogar foweit frei bewegte, dafs er fich 
von den Legenden entfernte und fictive Darftellungen 
fchuf. Anders wurde von beiden auch die Natur be- 
handelt, wobei beide ihren oben gekennzeichneten 
Standpunkt behalten. Ausgenommen das Gebirge, 
welches von beiden typifch dargeftellt wurde, eher 
aufgethürmten Felfenblöekcn als einem Berge ähnlich, 
wie wir es auch im frühen Mittelalter dargeftellt finden, 
behandelt der Suczawitzer die Landfchaft mehr in 
moderner Weife. Er malt ziemlich gut die Hügel und 
ziemlich naturgetreu die Baume. Anders der Woro- 
netzer. Diefer malt die Baume fo wie er fie in feiner 
Vorlage gefunden hat, wie man fie alfo noch in alt- 
chriftlichcr Zeit dargeftellt hatte und wie man fie noch 
in den älteftcu Codices dargeftellt findet. Auch in 
diefer Beziehung achtete er die Tradition und behan- 
delte fie pictätsvoll, wie es faft jeder Künlller der orien- 
talifchen Kirche thal, indem er aus Rückficht auf die 
Heiligkeit der Bilder feinem eigenen Schaffen Schranken 
fetzte und fein künftlerifehcs Ich befcheiden in den 
Hintergrund zurücktreten ließ. Schaut man feine Bilder 
an, fo glaubt man die älteften Darftellungen vor fich 
zu haben. Die Darftcllung der Natur ift fo jämmerlich 
ausgefallen, wie fie nur in der altchriftlichen Ikono- 
graphie dargeftellt zu finden ift. ganz im Sinne der 
chriltlichen Lehre, welche der Natur als der Creatur 
den letzten Platz einräumt und fich mit ihr nicht viel 
befchaftigt. Man kann nicht zweifeln, dafs er es hätte 
heflfer thun können, aber er wollte es nicht. Die Tradi- 
tion ftand ihm, dem Sohne der örtlichen Kirche, hoher 



als die Kunft. Anders der Suczawitzer Künftlcr. Wo er 
mir konnte, dort emaneipirte er fich von der Tradition. 
Nur einmal an der äußeren Nordwand brachte er eine 
Darftcllungsreihe über Adam und Eva, dafs man fagen 
kann, fie fei von ihm rein typifch behandelt worden. 
Diefe Bilderreihe flicht auch von allen Bildern fo fehr 
ab, dafs man fie auch einem anderen Künftlcr zufchreiben 
könnte. Freilich wagte auch er nicht zu weit zu gehen, 
und abgefehen von den typifchen Darftellungen merkt 
man überall das Alter der Tradition. Uebcrall malt er 
zum Beifpiel die römtfehen Päpfte mit der einfachen 
bifchöflichen Mitra und nicht mit der Tiara, welche erft 
fpäter aufkam. Oder nehmen wir ein anderes Beifpiel. 
Alle Heiligen, welche einen heiligen Gcgcnftand zu 
halten haben, halten denfelben ftets durch das Gewand, 
wie es auch in den Darftellungcn des Lemberger 
Kalenders der Fall ift. Dies rührt von dem Glauben 
her, dafs der Menfch das Heilige nicht berühren foll, 
fonft wird es verunreinigt. Wenn er aber, wie oben ge- 
fagt wurde, die tüikifchcn Säbel und die türkifchen 
Minarcts malt, fo muß das auf das Kerbholz der 
Landes-Tradition gefchrieben werden. 

Die Malereien in den beiden genannten Kloftcr- 
kirchen haben für die Kunftjjefchichte eine große Be- 
deutung, nicht nur wegen ihrer Reichhaltigkeit, fondern 
auch, was fchon gefagt wurde, weil wir ihreEntftchungs- 
zeit wiffen und weil zwifchen ihnen ein Zeitraum von 
kaum fünfzig Jahren liegt. Man kann leicht die Unter- 
schiede fludiren und den Fortfehritt conftatiren. 

Was die Farben betrifft, fo operiren, wie gefagt 
wurde, beide Künftlcr mit ca. fieben oder acht Farben, 
die auch zu den gcwöhnlichflen Grundfarben gehören, 
wie überhaupt beide Kalender, was die Technik betrifft, 
hinter dem Lemberger zurückftehen. Die Farben haben 
auch keine Bedeutung, ausgenommen bei manchen 
Gcgcnftänden, wie der Kopfbedeckung beim Typus Ii, 
] 3. Dem Suczawitzer paffirtc es zum Beifpiel einmal, 
dafs er den Blitzftrah! mit rother Farbe malte, viel- 
leicht weil er fich ihn als Flamme dachte. Daher kommt 
es, dafs unfere Künftlcr wie auch viele andere, fo 
manches in der Vorlage nicht verftanden haben. Es 
war zum Beifpiel Regel, dafs die Mönche, die Einficdlcr 
(Skity — Okiitw) weiß angezogen herumgingen. Selten 
findet man das abgebildet, und unfere Künftlcr haben 
es auch nicht gethan und haben oft einen weißen 
Chiton einem Heiligen gegeben, dem er nicht gebührt. 
Sic wcchfeltcn die Farbe, um nicht eintönig das Bild 
erfcheinen zu laffcn, haben es aber nicht mehr ver- 
ftanden, dafs die eine oder die andere Farbe der Klei- 
dung eines Heiligen gebührte. Nur bei bekannten Dar- 
ftellungcn, zum Beifpiel der Diacone, haben fie weiße 
Farbe gebraucht. 

Jetzt bleibt uns nur mehr iibri^, die Ucbcrfchriftcn 
zu befprechen. was für die Erforfchung des Denkmals 
von größter Bedeutung ift. 

Es geht uns um die Schrift und um die Sprache. 
Auch darin unterfcheiden fich beide Denkmäler, ob- 
wohl fic fich derfelben Schrift bedienen, nämlich der 
alten cyrillifchen. Die Buchftabcn i, V, ft, kl. * und * 
wurden verwendet, befonders macht der Suczawitzer 
von den Buchftabcn * einen reichen Gebrauch, welchen 
er ftatt A oder 0^ gebraucht, woraus man auf eine bul- 
garifche Redaktion bei ihm fchließen könnte. Wollten 
wir darnach entfcheiden, fo mußten wir auch den 



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- 7 - 



Woronetzer einer bulgarischen Gruppe zuweilen, und 
zwar auch wegen des oft gebrauchten welches bei 
ihm keinen Lautwcrth mehr hat, und aus anderen 
Gründen. Aber fo fcharf wollen wir nicht unterfcheiden, 
denn beide Kalender ftcllcn ein Gcmifch von füdflavi- 
fchen Sprachen und Orthographien dar, welches fich 
im Laufe der Zeiten gebildet hat. Man merkt nur, dafs 
ihnen beiden das Verftändnis für den Lautwerth aller 
oben angeführten Zeichen mit Ausnahme von 1 abhan- 
den gekommen ift. Das cyrillifche v (iiyca) hat bei dem 
Woronetzer Kalender den Werth von (flavifch h], aber 
auch den Lautwcrth eines n (flavifch S), wie zum Bei- 
fpiel zum 21. April, wo er Proculus mit üpeKt'A wiedergab 
oder zum 21. Juni, wo er Ivmm fchrieb. Auch mit dem 
Lautwcrth des griechifch-cyrillifchen fl fcheint er nicht 
ganz im Keinen gcwclen zu fein, denn ftatt (iv^Hjfü 
(zum 9. April Eupsichius) fchrieb er <Ji-finxii (Euxy- 
chius), vorausgefetzt, dafs das kein Schreibfehler ift. 
Die Buchftaben m. a, * gebraucht er überall auch 
dort, wo fie nicht flehen folltcn. Auch zwifchen H und 
■k hat er keinen Unterfchied gekannt, er fehreibt 
np-kuiciHi« im fo gut wie npHHKfiiTr, wenn von der 
Ucbcrtragung (der Translatio) der Gebeine die Rede 
ift. Dasfelbe gilt von dem Suczawitzer Kalender. 
Daraus könnte man fchlicßcn, dafs beide Künftlcr keine 
Slaven waren. Aber das ift noch kein genügender 
Grund, fie für Nichtflaven zu halten, denn auch den 
geborenen Slaven ift das Verftändnis für diefe Laut- 
zeichen abhanden gekommen, und weil felbftdie Slaven 
grammatifchc Fehler machten. Wichtiger und fehwerer 
wäre der Einwand, dafs beide auch grobe Sprachfehler 
begangen haben. Der Woronetzer fehreibt /.um 20. Juni: 
ck. A1»A»A" M..T4pkCKH oder zum 2. Juli: IkAoxiMi 
•uch'ü pH3K, oder zum 20 Juli: Oi-hinccn* RurxoKAom 
np«pcK HaTm, zum 2 1. Juli: ck. Ghmiioh Hap^OKiH liatt 
lopd.VHKMM. und viele andere. Dasfelbe -4 i 1 1 vom Sucza- 
witzer Kalender. Auch er hat zum Beifpiel zum 4. Fe- 
bruar: cMvrujf Cha«P irHASciHCKiro und andere Stellen, 
obwohl er die Sprache entlchicdcn beller beherrfcht. 
Auch diefe Fehler könnten durch Nachlaffigkcit und 
fclavifches Fefthalten an der Vorlage erklärt werden. 

Aber durch ein anderes Moment unterfcheiden (ich 
die Kalender ftark von einander. Der Woronetzer bringt 
die Namen der Heiligen mit wenigen Ausnahmen ftets 
in der Nominativform, fo wie es in der römifchen 
Kirche der Brauch war und er bringt fie in der rumäni- 
fchen Form: Garath, IIiHKp4Tl<, ten, refpeclive I«nk etc. 
Hcrückfichtigt man noch folchc Stellen wie: fKATWjr 

KHpHK H O^AIIA ftatt CKATHf KttpUKA H Ü^MHTU Und 

andere, fo wird man den Woronetzer Künftler kaum 
für einen Slaven halten können, fondern fagen, dafs er 
auch die flavifche Sprache lernte, wie es in der Moldau 
der Fall war, wo das Kirchcnflavtfche fo wie im Wellen 
das Lateinifche gelernt werden mußte. Anders liegt 
die Sache mit dem Suczawitzer Kalender. Die Sprache 
ift mit wenigen Ausnahmen rein, die Namen war er 
beftrebt, in der Genetivform zu bringen, wie es in den 
f lavifehen Kirchen überall durchgeführt wurde. Aber 
man merkt es, dafs er zwifchen beiden Formen noch 
fchwankt, denn viele Namen brachte er noch in der 
Nominativform. Und man kann, was die Scliriftzcichen, 
Namensforinen und die Sprache betrifft, auf eine bul- 
garifche Vorlage bei ihm fehließen, nur, wie gefagt, 
kann dies immer nur mit einiger Rci'ervc behauptet 



werden. Der KunfUer felbft muß aber der flavifchcn 
Sprache machtig, alfo Slave gewefen fein. Für die 
alte bulgarifche Redaction fogar beider Denkmäler 
würde auch der Nafalismus (brechen, welcher in den 
Namenformen vorkommt, zum Beifpiel: A«MfirriA, 

AlfAIMTlH. BfrHM+JHTIM, flll,VptilH, ,\AA<«AIIT, ftatt ^«MITIH, 

Ati/MTiii, Rohh^atIh, Hapimh, Aaam.it. Der bulgarifche 
Einfluß lafst fich auch gefchichtlich erklären, da be- 
kanntlich die Moldau lange Zeit hindurch dem bulgari- 
fchen Patriarchate von Ochrida untcrftellt wurde. Je- 
doch können wir auch nicht unerwähnt lafTcn, dafs in 
dem Suczawitzer Kalender der Buchftabe * oft den 
Werth des lateinifchen H hat, was auch auf eine ruffifche 
Redaction fehlicßen ließe. Daher ift es beffer, von einer 
gemifchten bulgarifch-ruffifchcn Rcdaftion zu fprechen. 

Noch auf eine Eigcnthümüchkcit will ich auf- 
merkfam machen, nämlich auf die Namensformen, wie 
H.wohcih (zum 4. September) ftatt A!»hciii, flpiMA-kHHHA 
ftatt PTma1<hhha (zum 29. Februar) und andere, vielleicht 
auch Anikethas. Es ift höchft intcreffant zu conftatiren, 
wie er das A vor manche Namen fetzt. Freilich ift diefe 
liigcnthümlichkcit des Suczawitzer Kalenders fchwer 
zu erklären. Nur fo viel kann man fagen, dafs diefcs A mit 
der Conjunclion a in der Bedeutung „und u nicht identifch 
ift, wie es in manchen flavifchen Sprachen der Fall ift. 

Aus diefen Gründen, weil nämlich diefe Ueber- 
fchriften für die Forfchung fo wichtig find, habe ich fie 
ohne jede Veränderung beibehalten, fo wie auch die 
Worte: Stratilatcs, Tiro, Thaumaturgos, Xenodochos, 
Archiftrategos etc., welche obwohl griechifch im Sla- 
vifchen eingebürgert waren. Auch find in der vor- 
liegenden Abhandlung die Namen der Ortfchaften fo 
beibehalten, wie fic uns in den Legenden vorkommen. 

Weil viele Stellen im Woronetzer Kalender ver- 
wifcht find, fo habe ich die betreffenden Stellen mit 
Punkten bezeichnet, damit fie fofort kenntlich find. Auch 
ift das Wort ,np<no,\OKUkiH* welches fo viel als ehr- 
würdig bedeutet, aber nicht recht überfetzbar ift. nicht 
überfetzt, fondern ebenfalls durch Punkte angedeutet. 

Außer dem eigentlichen Kalender befinden fich 
noch fowohl in der Woronetzer wie in der Suczawitzer 
Kirche viele Bilder, welche die MartyriumsGcfchichtc 
einzelner Heiliger ausführlich behandeln. So finden wir 
noch in beiden Kirchen die Darftellungcn der Lebens- 
und Leidensgefchichte des heil. Georgius (Suczawitza), 
des heil. Antonius (Suczawitza und Woronctz), des 
heil. Pachomius (Suczawitza), des heil. Johannes Novus 
aus Suczawa (Suczawitza und Woronctz), des heil. De- 
metrius (Woronetz) und auch die Darftellungcn einzel- 
ner Tagesfcftc und Tagcshciligcn, wie zum Beifpiel die 
Ermordung der heiligen Märtyrer in Sinai und Raiphu, 
Maria Schutz (Pokrow), Transfiguratio Chrifli, Assump- 
tio, Geburt Chrifti, der heil. Pachomius etc. und fchlicß- 
lich viele Hciligcngeltalten, welche fich wiederholen. 
Weil alle die erwähnten Darftellungcn nur mittelbar mit 
dem Kalender zufammenhangen, fo konnten fie in der 
vorliegenden AbhandlungkcincBeriickfichtigung finden. 

II. 

Fresco-Kalender in Suczawitza. 

Stftcmbcr. 

„<H-fct/An> CitiTiKpi'H." Bilder: Mond und unten als 
Monatshild die Weinlese dargtllellt. Die Diener tragen 
die Tiaubcn in Butten in die Faßer und prefl'cn fic. 



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I . „Clt AT WH ÜHAMtVH CTAXI1HHK H «UTI,1H flrC llUpAH, 

h>k c* hhm * Der heil. Symeon Stylitcs und feine 
Mutter Martha und Gcnoflcn. Zwei Darftetlungcn : 

a) Symeon auf einer ummauerten Säule ftchend, die 
Darftcllung ift typifch (vide Lemberger Kalender), mir 
kommt hier ein neues Moment hinzu, nämlich: vor der 
Säule kniet ein Weib (Typus 20} (Vergleich zum 24. Mail. 
Ks ift feine Mutter Martha, welche ihn fchen wollte. Als 
er fic aber nicht vorließ, ftarb fie bald und wurde, als 
man fic todt vor die Säule getragen hatte, durch Gebete 
wieder zum 1 .eben gerufen. Sic wurde auch dann bei feiner 
Säule begraben, b) Die Darftellung zeigt die Enthaup- 
tung zweier Heiligen. Ks können nur zwei von den drei 
Brüdern, nämlich Knodus, Kahlstes und Hermogcnus 
gemeint fein, deren Andenken an dem Tage gefeiert 
wird und die auch enthauptet wurden. Was die Säulen- 
heiligen betrifft, fo mochte ich nur auf das ältetlc Bei- 
fpiel einer folchen Anwendung der Columne hinweifen. 
Asconius in feiner Schrift auf Cicero's Rede „Divinatio 
in Vcrrem" erzählt, dafs ein geviffer Maenius, als er 
fein Haus den Cenforen Cato und Flacco verkaufte, fich 
und feinen Erben eine Columne refervirte, über die er 
ein Dach gab, um dort fitzen zu können und den Gladia- 
toren-Kämpfen zuzufchauen. 

2 „Gkatmh M»<miHK Mammi-im." Der heil. Märtyrer 
Mamant. Der Heilige ift mit Händen und Füßen an eine 
Säule angebunden, fo dafs der Körper fast an den 
Händen hängt. Zwei Männer ziehen ihm um den Ober- 
leib eine Schnur, wahrfcheinlich, um denfelben an die 
Säule zu binden. Die Säule feheint bcfchricbcn zu fein. 
Die Legende erzahlt, er hätte unter Aurelian den 
Martyrertod erlitten, und man habe unter anderem ihn 
an eine Säule angebunden und den Körper abgefchabt. 
Dies will wahrfcheinlich unfer Rild darftcllen. Mcta- 
phraftes 1 Infst ihn (CXV 574) mit dem Dreizack durch- 
bohren. 

3. „GKATkiy (Iah« h Öiwktiktj." Die Heiligen 
Anthymus und Theoktyftos. Gebirge im Hintergründe. 
Zwei Darftellungen: a) Ein Heiliger nach Typus 2. F.s 
ift Thcoktift, LeidcnsgenoiTe des heil. Euthymius. bi Ein 
Heiliger nach Typus 6 wird geköpft. Wird wahrfchein- 
lich Anthymus gemeint fein. Er war ßifchof in Niko- 
media und wurde nach der Legende auf Befehl des 
Kaifers Maximian enthauptet. Nach dem Tode wuchs 
ihm das Haar auf dem Kopfe, was aber bekanntlich 
etwas ganz natürliches ift. 

4. „CiATArA K.1RHAA flMOHCI.«. MJK c* iihmk." Der 

heil. Babylas und Mofcs mit Gcnoffen. Im Hintergrunde 
Gebirge und Gebäude. Zwei Darftclhnigcn: a) Stellt 
die Enthauptung von vier Heiligen dar. Es ift der 
heil. Babylas, Patriarch von Antiochia gemeint, welcher 
nach der Legende fammt feinen drei Schülern auf 
Befehl des Kaifers Xumerian enthauptet wurde. Fr 
wollte den Kaifcr nicht in die Kirche hincinlaffcn. 

b) Ein Heiliger nach Typus 10, außerdem weiße Mutze 
mit rother Spitze, fleht crfchrockcn da. Gemeint ift 
Mofcs, der Prophet, welcher über feine große Sendung 
erfchrack. 

5. ,3jKajiiT» 3jr.ipTiuiOKj " Die Erftechung Zacha- 
riae. Architektonifcher I Iintergrun<l. Zacharias (nach 
Typus Iii kniet vor dem Opfertifch (Bundcsladc- v die 
Hände find vorgel treckt, wird von rückwärts von einem 

1 tlit HeitigeilVgf'Mfc-a r-ti M»:.|.V*ltr< rnrr :«n;r r,:..;t| ,|- r 

A i-«il,» von Mi f K* i'JliJogi» l^a't». 



Soldaten in den Hals geflochcn. Auf dem Opfer- 
oder heiligen Tifchc, wie die griechifchen Väter den 
Altar nannten, ein Buch, hinter dem Tifchc ein Engel 
mit der ausgeft reckten rechten Hand, in der Linken die 
Fahne. Im Tempel viele Leute. Eine fcltene Darftellung. 
Die Legende erzählt: Zacharias habe dem Herodes 
feinen Sohn Johannes nicht ausliefern wollen; die Sol- 
daten haben ihn darauf auf Befehl des Herodes beim 
Altare erfchlagcn, fein Blut, heißt es, wurde zum Steine. 
Als die Leute den andern Tag in den Tempel kamen 
und Zacharias lang nicht erfchien, gingen fie zu dem 
Altar, fanden wohl fein Blut, aber feinen Körper nicht. 

6. „HlO.V« APJTAMI lAJ iW H JfAHA.» H CKATjtr* 6«%V«KHM.' 

Wunder des Erzengels Michael und des heil. Eudoki- 
mus. An dem Wunderquell, welcher hier nicht fichtbar 
i(t, ficht eine Kirche, vor ihr kniet ein Heiliger (Archip- 
pus) und nähert fich der Kirche, hinter ihm geht ein 
anderer Oben erfcheint der Erzengel, aber ohne Drei- 
zack. Die Legende erzählt: Die heidnifchen Griechen 
haben die Wäffcr auf die durch Wunder berühmte 
Kirche geleitet, um fie und mit ihr den Archippus zu 
vernichten. Auf Bitten des Archippus befahl Erzengel 
Michael den Wäffern, ftehen zu bleiben und in das 
frühere Bett zu treten Das Bild ftellt nun die Scene 
dar, wie Archippus dem Rufe des Erzengels gehorchend, 
wieder in die von Fluthcn bedrohte Kirche geht. Eine 
bis zum Himmel reichende Feuerfäute erfchien damals 
und eincStimnie hörte er vom Himmel, er follefich nicht 
furchten. Was den Namen des zweiten Heiligen betrifft, 
nämlich des Eudokimus, feheint hier ein Fehler vorzu- 
liegen ftatl Eudokfius, de (Ten Andenken an dcmfelbcn 
Tage gefeiert wird, wenigftens ift mir keine andere 
Legende bekannt. 

7. .Gratai-» MSmiiHKA G*3*hta.* Der heil. Märty- 
rer Sozon. Gebirge im Hintergründe. Der Heilige wird 
enthauptet. Die Legende erzählt: Er hätte einer heidni- 
fchen Gottcrftatue die goldene Hand abgebrochen und 
unter die Armen vertheilt. Darauf wurde er nach einer 
Legende gcfchlagen u. f. w.. nach einer anderen 
Legende zuletzt enthauptet. Das erftc ftellt der W010- 
netzer Kalender dar. 

8. „ P«k.v,ictr* iipKKATiiA Eor»po,v"M,Ä " Geburt 
Marias. Kj n Haus, Anna liegt im Bett, ein Weib (nach 
Typus 21. hier wohl die Hebamme vorftellcnd) reicht 
ihr ein Gefäß. Bei Tifch, welcher mit verfchiedenen 
Speifen befetzt ift, fitzen Gäftc. Links fchafft ein Weib 
einen Stuhl herbei, wahrfcheinlich (ür die Gafte. Es ift 
eine etwas abweichende Compofition. Die Sccnc ftellt 
das Fcft dar, welches Joachim vcranftaltete, als Maria 
geboren wurde. Oben ift Joachim dargeftellt mit der 
Infchrift: TuMKHAt, neben ihm ein Engel. Den Joachim 
ftellt unfer Kduftlcr wahrfcheinlich dar, als er in der 
Wurte mit (einer Herde war und betete und dort eine 
Verkündigung der Geburt einer Tochter erhielt. Nach 
der Legende hat der Engel ihm und der Anna die 
Geburt eines Kindes verkündet. 

9. „GnA-rur iipas»AHhjy Rcrwriu> Iwakham h iIhhu. " 

I )ie heil Eltern Gottes Joachimus und Anna. Beide 

fitzen im runden Sitzplatz, Exedra (vide die Abbildung 
eines folchen Sitzes im Lemberger Kalender S. 208}, 
er nach Typus 10, fie nach Typus 20, beide im Gcfprä- 
che. Die Darfteilung entspricht liier dem Sinne der 
Kirchcnlehrc von der immaculata coneeptio Annac. 
Vide hier und im Woronetzcr Kalender zum 9.Dcccmbcr. 



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10. „GkATMJT MtfMIHHUk AlHHC^WpH H lRHTpO,i,WpH 

m HHMk^'A'P» " Die heil. Martyrcrincn Minodora. 
Mitrodoraund Nymphodora. Architektonifcher Hinter- 
grund. Alle drei Martyrcrincn liegen ganz nackt auf 
der Erde, die eine, Minodora, wird mit dem Schwerte 
gehauen, zwei andere ließen auf der andern Seite, der 
einen ftößt ein Soldat das Schwert in den Mund. Es 
waren drei Schwellern, Jungfrauen aus Bithynien, 
lebten unter Maximian. Ihr Martyrium erzahlt die Le- 
gende anders, nämlich, dafs die Minodora zunächlt mit 
dem Stock gefchlagen wurde. 

11. „IIpfiieA*KtMro oTu.4 »uiuiro 6k$p«chhi» h 

npino.voRHkJA Oi«,\cpu " Unfer Vater Euphro- 

finius und die Theodora. Er nach Typus 2, fie 

nach Typus 21. Die heil. Theodora aus Alexandria 
ging als Mann verkleidet in cinKloftcr. Den hcil.Euphro- 
finius finde ich an dem Tage nicht. 

12. „GKATAre mS'imhka flKT^iicA».»." Der heil. Mär- 
tyrer Autonomus wird mit dem Schwerte gehauen. 
Dargcftellt nach Typus 6. Bifchof in Italien unter Dio 
clctian, hat in Bitynien eine Kirche erbaut und wurde 
dort getüdtet (Viele Taf. I, erfte Bilderreihe unter dem 
Concil). 

13. „GKATAre ,M»M»MIIK^ KcpHHAÜ «THNKA.* Der 

heil. Märtyrer Cornelius, centurio. Dargeftellt nach 
Typus 1 (!) mit dem Kreuze in der Hand Wurde von dem 
Apoflel I'ctcr bekehrt und bekehrte dann andere, war 
Bifchof in Caesarea in Palaltina (Vide Taf. 1). 

14. BftCfAuipuct m;i,vkh>kihU mictiiaiv H whkotko- 
pAUJirc KpicTj." Kreuzerhebung. Architcktonifchcr 
Hintergrund. Dargcftellt ift ein großes Kreuz (in Gold), 
links ftcht der Kaifer und die Kaiferin. rechts der 
Patriarch mit der Goiftlichkcit (Vidc Taf. I). 

15. „Ckatai'o mSmimhka HncitTki(!)." Der heil. Mar 
tyrer Niketas. Im Hintergründe Gebirge und Gebäude. 
Der Heilige ift an eine Säule gebunden, unter ihm wurde 
Feuer gelegt. Mctaphraftcs erzählt, er wäre ins Feuer 
geworfen worden (Vide Taf. I). 

16. „Ckatua iWSiihhu,* (!k$iia\Tä " Die heil Mär- 
tyrerin Euphemia. Gebirge im Hintergrunde. Die Hei- 
lige, nackt, liegt auf der Erde, ein Lowe zerreißt fic. 
Sie lebte im 3. Jahrhunderte. Mctaphraftcs erzählt, man 
hatte fie auf verfchiedenc Weife gemartert, ftets blieb 
fie aber unverfchrt. Zuletzt ließ man fic vier Löwen und 
drei Bären vorwerfen. Die Bedien begannen ihre Fuße 
zu lecken „erft eine Bärin hat fic leicht", heißt es, „ver- 
wundet", worauf die Heilige ftarb. Dies ftcllt auch 
richtiger dar der Woronctzcr Kalender (Vide Taf. I). 

17. „ C ttiAi|if iih$iM8m<hhk (:v»ihT»". Der Märtyrer 
Presbyter F.umenius. Nach Typus 6. Der Woronetzer 
Kalender bringt den Namen am 18. Er war Bifchof auf 
Kreta im 7. Jahrhunderte. 

18. „Gkatmh mS*mhhk Giiahu'H.* Der heil Märtyrer 
Silion. Architektonifcher Hintergrund. Der Heilige ift 
gekreuzigt, Hände und Füße an das Kreuz angebunden, 
zu beiden Seiten fleht je ein Soldat mit der Lanze. 

19. .ÜKiATklH MSKHHK A,OpHA\IIITa, MM» CK HHAtk.* 

Der heil. Märtyrer Dorymedon und Genoffcn. Ks 
waren Trophimus und Sabathius. Im Hintergründe 
Gebirge und Gebäude. Zwei Darftellungen: a) Ein 
Heiliger liegt nackt, nur um die Hüften bedeckt, auf 
der Erde und wird gepeitfchl. Ks ift vielleicht der heil. 
Sabathius gemeint, welcher nach Mctaphraftcs unter 
Kaifer Probus mit Ochfenfehnen zu Tode gefchlagen 

XXIV N f. 



wurde, b) Zwei Heilige werden geköpft. Hier find viel- 
leicht die Heiligen Trophimus und Dorymedon gemeint, 
welche auch unter Kaifer Probus nach vielen Martern 
enthauptet wurden. Vidc den Woronctzcr Kalender. 
Es ift aber auch möglich, dafs die erfte Darfteliung, 
wie es in unferem Kalender gewohnlich der Fall ift, 
auf den Heiligen Dorymedon fich bezieht, die zweite 
aber fchabloncnartig ift und das „hjk cx HHAt" iGe- 
noffen; illuftriren foll. 

20. .Cratwm mSmuihk Tp».^hma, 11% t* hiiai." Der 
heil. Märtyrer Trophymus und Genoffen. Im Hinter- 
gründe Gebirge und Gebäude. Das Bild zeigt die Ent- 
hauptung dreier Heiliger. Es find zweifellos diefelbcn 
drei Heiligen genannt, welche am 19. genannt wurden. 
Hier wurde ihnen ein anderer Tag eingeräumt, wahr- 
scheinlich weil mit Trophimus die Reihe beginnt, wie 
es auch bei Mctaphraftcs der Fall ift. Hierin wie auch 
in der Darftellungsart ftimmt diefer Kalender mit dem 
Woronetzer, nur läfst diefer den heil. Trophimus und 
Gcnofft n am 19. feiern. Auch Mctaphraftcs fetzt das 
Martyrium des Trophimus und Dorymedon zum 19. 
September. 

21. „CKATjro MltalHHKA JUlOtTCAJ KoHApJTi " Der 

heil. Märtyrer Apoftcl Conradus (Codratius). Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Der Heilige wird geköpft. 
Conradus einer von den 70 Apofteln, fchrieb eine 
Apologie des Chriftcnthums und überreichte dicfclbc 
dem Kaifer Hadrian, war nach dem ZeugnifTe des heil. 
Hieronymus Bifchof in Athen und ftarb im Kerker den 
Hungertod. Die Darfteliung ift alfo fiktiv. 

22. „Cr at Are iipcpcKA Iwiu.* Der heil. Prophet 
Jonas. Architektonifcher Hintergrund. Die Darfteliung 
zeigt zwei Pcrfoncn, die eine im Waffer watend, die 
andere am Ufer fitzend. Ob die eine den ins Meer ge- 
worfenen und die andere den aus dem Fifche heraus- 
gekommenen Jonas darfteilt, bleibe dahingeftellt. 

23 .BAdron-kniiHii ÜJfApTiiNOKe " Verkündigung 
Zachariae. Das Bild zeigt Zacharias im Tempel (Ty- 
pus ii) vor dem Opfertifche, auf welchem ein Buch 
liegt. Ein Engel erfcheint vor ihm, welcher ihm die 
Geburt eines Sohnes (Johannes des Taufers) verkündet. 
Vide den Lemberger Kalender, wo das Fcft Conceptio 
Johannis genannt wird, wie auch im Woronetzer Kalen- 
der, welcher auch das Feft als Conceptio darftcllt. 

24. .Gkatw* iip*K©A\8mMHHÄ 0IKAU.' Die heil. 
Protomärtyrcrin Thekla. Im Hintergrunde Gebäude 
und Gebirge. Die Heilige liegt auf der Erde ganz nackt, 
ein Löwe neben ihr. Die Legende erzählt, fie wäre 
nackt den Löwen zweimal vorgeworfen worden, aber 
diefelbcn wagten nicht, die Heilige anzufallen, fondern 
leckten ihre Fuße. Dies ftcllt unfer Bild dar. Meta- 
phraftes erzählt, Tic hätte fich fclbft von einem l'clfen 
geflürzt und den Tod gefunden. Sie lebte zur Zeit des 
Apoftcl Paulus. 

25. »Ckataa (:4>P»chhki (!) * Die heil. Euphrnfmc. 
Nach Typus 22. 

26. , llp-kcTAKAiirff ck. Iw(ahj) serorAtRA." Der Tod 
des Johannes Thcologus. Eine I.andfchaft im Hinter- 
gründe. Der Heilige liegt im offenen Sarge, an der 
Fuß und an der Kopffeite fleht je ein Heiliger. Ueber 
ihm halten zwei Engel eine Mirandola. 

27. .GltATAPC MSlIHHKA ItAAHCTpATA, WX. <% HHM." 

Der heil. Märtyrer Kalliftratos und Genoffen. Im Hinter- 
gründe Gebäude und Gebirge fichtbar, Drei Heilige 

2 



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IO — 



werden von zwei Soldaten geköpft Nach Metaphraftes 
war er ein Soldat und bekehrte viele Soldaten, von 
denen 49 mit ihm den Märtyrertod erlitten. 

28. ,llptii»,v?CH4r« «tha \*ApHT»H4.* Der . . .Vater 
Chariton. Nach Typus 2 mit Schiina. Gründete einige 
Klofter, war aus Lykaonien gebürtig, Metaphraftes. 

29. ,II|)<ii«A^GHjiro OTU,a Khphaka.' Der . . . Vater 
Cyriacus. Nach Typus 2 mit Schima. Cyriacus Ana- 
choret war Mönch in der Laura des heil. Kuthymus zur 
Zeit Leo des Großen Metaphraftes. 

30. ,I>ir*pT4 UAHICUA flpMfiiiÄ* Gregorius von 
Groß Armenien. Nach Typus 6. Biographie bei Meta- 
phraftes. 

Oclober. 

«M-fecAii Oktokpii.' Bilder: Mond und unten als 
Monatsbild ift ein Mann dargeftcllt auf einem Faß 
fitzend, den Becher in der Hand in die Höhe gehoben. 
October ift alfo als Weinmonat gedacht. 

[. «CttATaro auccTOAd flMÄhu.* Der heil. Apoftel 
Ananias. Gebirge im Hintergrunde fichtbar Der 
Heilige liegt nackt, nur um die Hüften bedeckt auf der 
Erde, zwei Soldaten fteinigen ihn. Sein Andenken 
wurde auch am 25. Januar gefeiert. Ananias, einer von 
den 70 Apofteln, flammte aus Antiochia, war Bifchof in 
Damascus, taufte den heil. Paulus, wurde nach Meta- 
phraftes CXfV p. lOto gefteinigt. 

2. „CKATMrO CKAUiiHH0A\$MfHHK4 KlWpiAHA H CKATHA 

A*RM Hwctmhw.' Der heil. Märtyrer-Presbyter Cypria- 
nu; und die heil. Jungfrau Jurtina. Beide werden ge- 
köpft. Waren gebürtig aus Antiochia und enthauptet 
auf Befehl des Kaifers Claudius. Metaphraftes bringt 
ihre Legende im Monate September, cxv, p. 347. 

3. »G&ATjre CK/ftl|INIH*Al$'lfHilK4 ,\,iwnHc'ia apiwiia- 
rHTA. * Der heil. Märtyrer Bifchof Dionyfius Areopa- 
gites, Mitglied des athenifchen Areopags. Architckto- 
nifcher Hintergrund, ein Tuch hängt von einem Dache 
zum andern. Der Heilige wird geköpft, eine Heilige 
ftcht dabei im Begriffe, feinen Kopf zu nehmen. Die 
Legende erzählt, er hatte nach feiner Enthauptung 
feinen Kopf in tüe Hände genommen und noch zwei 
Meilen weit getragen und dann einem Weibe namens 
Katulla übergeben, dann erft fiel der Rumpf auf den 
Boden. Er war Schüler des heil. Paulus, dann Bifchof 
in Athen. Nach Metaphraftes. 

4 ,Ckä'|II IH« (!) Itp0£f4 «MHCKOlla AAHHKCKAr*.' 

Der heil. Märtyrer Bifchof Hicrotheus, Bifchof von 
Athen. Gebirge im Hintergründe. Der Heilige nach 
Typus 6. 

5 ,GK«vra<ft M$«i»MMM> XapHTMiiw.* Die heil. Mar 
tyrerin Charitina. Architcktonifcher Hintcrgnind. Die 
Heilige nach Typus 20, wird von einem Soldaten und 
zwei Schergen gefteinigt. Märtyrerin unter Diocletian 
War eine Sclavin. Von ihrer Steinigung weiß Meta- 
phraftes nichts; nach ihm erbat fic fich von Gott den 
Tod, als fie gefchandet werden follte. Anders die 
Mineen. 

6. .Ckatai'* JiifrCT*A4 ö*.m.» " Der heil. Apoftel 
Thomas. Im Hintergrunde Gebirge und Gebäude. Der 
Heilige, nach Typus 10, wird von zwei Schergen ge- 
köpft. Er ift nach der Legende nach Indien gegangen, 
hat dort gepredigt und auch die königliche Familie be- 
kehrt, worauf ihn dann der König todten ließ. Er 



wurde auf einen Berg geführt und mit vier Lanzen 
durchbohrt. 

7. aGKATMjf MttafHHK GiprL* M PiAKjfA.* Die heil. 
Märtyrer Sergius und Bacchus. Architcktonifcher 
Hintergrund. Zwei Darftellungen: aj Ein Heiliger, nackt, 
nur um die Hüften bedeckt, liegt auf der Erde, an bei- 
den Fußen und an beiden Händen find Hölzer angebun- 
den, er w ird von einem Manne mit dem Hammer ge- 
fchlagen. Es ift wahrfcheinlich Sergius gemeint, wel- 
chem eiferne Schuhe mit Nägeln angezogen wurden. 
Nach Metaphraftes wurde Bacchus mit Ochfenfehnen 

zu Tode gcfchlagen. b) Beide Märtyrer unter 

Maximiamis. Nach Metaphraftes wurde Sergius ent- 
hauptet. 

8 .npino.voRHUÄ AUTipi Hjtiif (!) IliMriÄ.* Unfcrc 
.... Mutter Pelagia. Eine Landfchaft als Hintergrund. 
Die Heilige dargeftellt nach Typus 20. Ein Soldat halt 
ihr mit der einen Hand den Kopf, mit der andern 
ftößt er ihr das Schwert in die Kehle. Hier ift augen- 
fcheinlich nicht die heil. Mutter Pelagia aus Antiochien 
(vide Woronetzer Kalender), welche im Klofter ftarh, 
gemeint, fondern wahrfcheinlich die Jungfrau Pelagia 
aus Tarfos in Kilikien, Märtyrerin unter Diocletian ; nur 
würde dann die Art des Martyriums auf fie nicht paffen, 
denn fic wurde nach der mir bekannten Legende in 
einem kupfernen Ochfen zu Tode gebraten. 

9. -OKATarO AflOCTCAA IaK*KA (Ia^iWKA h npino.v^E- 
hapo owna HJUiiro flHAP«"HK.s * Der heil. Apoftel Jaco- 
bus, Sohn des Alfeios und unfer. . . Vater Andronicvis. 
Architcktonifcher Hintergrund. Zwei Dai ftcllungcn: 

a) Ein Heiliger, gekreuzigt. Hände und Füße an das 
Kreuz angebunden, fo dafs der Körper hangt. Es ift 
Jacobus, Bruder des Evangcliftcn Matthäus, wurde 
gekreuzigt. Andere Legenden erzählen anders, zum 
Beifpiel, dafs er mit dem Schwerte getödtet wurde. 
bj Ein Heiliger, nach Typus 2 mit Schima, wird von 
einem Soldaten mit der Axt crfchlagen. Wird alfo 
Andronicus dargeftellt fein. Er war Abt, gebürtig aus 
Antiochia. Seine Frau Athanafia wurde, als fie als 
Mann verkleidet ins Klofter ging, auch Abt. 

10 .Gkmtiijc AiS'iniHKh C» a.i,\MiIa 11 O uamo*." Die 
heil. Märtyrer Eulampius unil Eulampia. Zwei Parltel- 
lungen: aj Ein Heiliger, nackt, nur um die Hüften be- 
deckt und eine Heilige nach Typus 20, ftehen im bren- 
nenden (Ken. Es waren Gcfclnviftcr in Nikomcdia, 
lebten zur Zeit Kail'er Maximian s und wurden in einen 
fiedenden KelTel (kohckk), dann aber in einem brennen- 
den Ofen hineingeworfen, zuletzt wurden fie enthauptet. 

b) Drei Heilige werden geköpft. Es werden wahrfchein- 
lich diejenigen 200 Märtyrer gemeint fein, welche, 
durch die Wunder des Eulampius bekehrt, enthauptet 
wurden. Die Zahl 3 bedeutet ja die Menge, in welchem 
Sinne fie im Lemberger Kalender oft bei den Darltel- 
lungcn gebraucht wurde. 

I 1. ,Gk*TAI'C dll*CT\>AA <t>M,\HIU CT CI,Wkll A^K««H. 4 

Der heil. Apoftel Philippus, einer von den ficben Dia- 
conen. Dargeftellt typifch als Diacon: weiß angezogen 
(Stickerei), Orar, in der Rechten ein Wcihrauchgcfaß. 
in der Linken eine Kirche, die er durch das Gewand 
hält. Er war aus Cacfarea in Paläftina, einer von den 
70 Apofteln, Bifchof in Ti alles in Lydien. 

12. ,GHATM\' AXSlHIIIKk HpCKJ. Tapp II fllUpOHHIU.* 

Die heil. Märtyrer Prohns, Taraehos und Andronikos. 
Eine Landfchaft im Hintergrunde, Die Seme ftellt die 



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I 



Enthauptung dreier Heiligen dar. Alle drei Märtyrer 
unter Dioclctian, wurden aucli nach der Legende nach 
verfchiedenen Martern enthauptet. 

13 .Gkatmx awiiiihk KapiM h ILuihaa • Die heil. 
Märtyrer Carpus und Papilius. Gebirge im Hinter- 
gründe. Zwei Heilige im brennenden Ölen. Märtyrer 
unter Diocletian aus Pergamum. Carpus war Bifchof, 
Papilius fein Diacon. Nach der einen Legende wurden 
fie in den Ofen geworfen und fanden dort den Tod, 
mit ihnen aber auch die Schwerter des Papilius Aga- 
thonika, welche hier nicht dargcftellt wurde Daraus 
erficht man, dafs der Künftler nicht die großen Legen- 
den, Tündern andere Vorlagen benützte. Nach einer 
anderen Legende wurde das Feuer durch den Regen ge- 
löfcht und die Heiligen blieben unverfchrt, fie wurden 
dann enthauptet. An diefe Verfion hält fich der Woro- 
netzer Kalender. So auch Metaphrase* CXV, p. 126 

14. „GniÄTMjf mSmihiikk HasApia, TipKacu 11 Kiacu 
H iipHW.VCKHaa IHsTKM.* Die heil. Märtyrer Nazarius, 
Gervafius und Cclfius und . . . Paraskeva (PetkaPiat- 
nycia). Zwei Darftellungen: a) Drei Heilige werden ge- 
köpft. Es find die drei Genannten, welche in Rom 
unter Nero enthauptet wurden. Mit ihnen erlitt den 
Märtyrertod auch Protafiiis, welcher gewöhnlich mit 
genannt wird, b) Eine Heilige, dargcftellt nach Typus 
20, das Kreuz in der Hand. Es ill die heil. Parasccva, 
eine heil. Eremitin aus Serbien. Ihre Lcbensgefchichte 
hat der große bulgarifche Patriarch Euthymius aus 
Trnowo gefchrieben. Urifcrem Kiinftler war waltrfchein- 
lich diefe Biographie nicht bekannt, weshalb er fie ein- 
fach dargertellt hat. 

I3. »GllATjr© MttalHHKJ rtSKI.UH llp4.3KHTfpA H 

npinw^cKiuro 6t'AiiAvU lleiuro.* Der heil. Märtyrer 

Lucian Presbyter und der Euthymius Novus. 

Gebirge im Hintergrunde. Zwei Darflcllungen : aj Ein 
Heiliger dargcftellt nach Typus 2{'.). Es ift Euthymius 
gemeint. Er war Diacon in ThelTaloniche, lebte im 
IX. Jahrhundert, b) Ein Heiliger, nackt, nur um die 
Hüften bedeckt, liegt in einem ummauerten Räume, 
welcher den Kerker darftcllcn foll. Es ift der heil. 
Lucianas, dargertellt wie er den Hungertod flirbt. 
Er war aus Antiochia. 

16. .Gkatkij .«Skhmkk itarrmiA cxtmmka.* Der 
heil. Märtyrer Longinu.s Ccnturio. Gebirge als Hinter- 
grund. Das Büd ftellt die Enthauptung des Heiligen 
dar. Er wurde auf Befehl des Kaifers Tibcrius ent- 
hauptet. Sein Kopf wurde nach Jerufalcm gefchickt 
und in einem Mifthaufen verdeckt. Ein blindes Weib 
fand denfelbcn und gewann das Augenlicht wieder. 

17. ,G«AT4ro ii0*(t»KA OcTÄ." Der heil. Prophet 
Ofias. Dargcftellt nach Typus 10 mit dem Spruchband 
(ift unbefchrieben). 

18. „Gkatji-o aiiorrtAA 11 ivaxriAHCTU i\Skw ' Der 
heil. Apoftel und Evangelift Lucas. Dargcftellt nach 
Typus 10. Buch in der Hand. 

19. a GKATArO II0O0OM Iu'HAA H CK. AVtS'IIHHKA Oyj0A.' 

Der heil. Prophet Joel und der heil. Uarus. Der erfle 
dargertellt nach Typus 10, mit dem utibefchricbcncn 
Spruchband in der Hand, der zweite nach Typus 1 
mit dem Kreuze in der Hand. 

20. .Gr*tai-<> a\S>iihiika 110Ti«Ta.* Der heil. Mär- 
tyrer Artcmius Architektonifcher Hintergrund Der 
Heilige dargertellt nackt, nur um die Hüften bedeckt, 
auf der Erde liegend, ein Mann hält ihn beim Bart, 



1 — 

zwei andere fchlagcn ihn mit Stöcken. Er war Befehls- 
haber von Alexandria, wurde, wie Metaphraftes er- 
zählt, mit Ochfenfchncn gcfchlagcn, fchlicßlich ent- 
hauptet. Es war unter Kaifer Julian. Die Darftellung 
rtimmt alfo zu der Erzählung des Metaphraftes nicht. 

21 ~,n0fH9,V«KN4r« OTItA IIAUIfl'O rtApHWHA." Utlfer 

.... Vater Larion (Hilarion). Dargcftellt nach Typus 2. 

22. „Otm MAüiir« flK<0K?A. * Unfer Vater Averkios, 
nach Typus 6. War Bifchof von Ilicrapolis. 

23. .Gkat.u'o aii^ctcaa Fak^ra K|»ata rcxia 110 
iiartm, IHK c* hhaix." Der heil. Apoftel Jacobus, leib- 
licher Bruder Chrirti und Genoffen. Architektonifcher 
Hintergrund. Dargcftellt find drei Heilige, enthauptet 
von zwei Soldaten. Metaphraftes CXV, 215, erzählt, 
man habe ihn vom Giebel des Tempels hinunterge- 
worfen und dann gefteinigt und zuletzt mit einer Stange 
crfchlagcn. 

24. .Grata™ a\S<uhhka fl(t«AU. hx: c* nun.' Der 

heil. Märtyrer Arcthas und Genoffen. Architektoni- 
fcher Hintergrund. Die Scene ftellt die Enthauptung 
von vier Heiligen dar. Der eine ftcht noch und betet. 
War Befehlshaber einer Stadt, wurde fammt feinen 
340 Genoffen (nach einer anderen Verfion 4252) ent- 
hauptet. 

25. „Gratujt ai$<hhh>: Hhotap'i'h, jMapkiaha m 
«Ä A0TH0IA. * Die heil. Märtyrer Notarius, Marcianus und 
Martirius. Architektonifcher Hintergrund. Die Scene 
rtellt die Köpfung dreier Heiligen dar. Dem Kunftler 
ift hier ein Irrthum unterlaufen. Es ftand in der Vor- 
lage: Die heil. Märtyrer und Notare (h HtTApiu) Marci- 
anus und Martirius und er hat das Attribut Notar 
für einen Eigennamen gehalten und demgemäß auch 
die Enthauptung dreier Heiligen dargcftellt. Marcia- 
nus und Martirius wurden auf Befehl des Kaifers 
Conftantius (des Ariancrs) enthauptet. Metaphraftes. 

26. „GXATAI-O CAARHAI*» Kf AHKCMSMIHIIKA AHMHTpMV 

Der heil, berühmte Großmärtyrer Demetrius. Architek- 
tonifcher Hintergrund, viele mofcheenähnliche Thürme. 
Der Heilige dargertellt fitzend auf einem Stuhl i, Thron), 
roth angekleidet, wird von mehreren Soldaten mit 
Lanzen durchbohrt. Neben ihm fteht ein Jüngling. Ein 
Engel kommt von oben und fetzt ihm die Märtyrcrkronc 
auf. Die Legenden vom heil. Demetrius lind zahlreich, 
waren auch überall verbreitet und in vcrfchiedcnc 
Sprachen überfetzt. Es gab und gibt auch viele ihm 
geweihte Kirchen. Die berühmtefte vielleicht war die 
in Theffalonike, wo er geboren und als Stadt-Patron 
verehrt wurde. Er lebte im 4. Jahrhundert. Bei Migne 
CXVI, findet (ich die Biographie; bei den Bollan- 
(ii/h-it Acta SS. zum S. üclober. 

27. .Gkatai"* AtS'HNHKA HlitTopA.* Der heil. Mär- 
tyrer Ncftor. Die Darftellung zeigt die Enthauptung 
eines Junglings dar. Von ihm ill die Rede in der Vita 
s. Demetrii. Er war es, welcher den riefenftarken 
Gladiator Lio tudtete, worauf ihn der Kaifer ent- 
haupten ließ. 

28. .GKAThjr AVSMIIIHKk TtßlHTIA H Hltt'IIIIAH.* Die 

heil. Märtyrer Terentius und Neonila. Die Scene zeigt 
die Enthauptung einiger Heiligen. Wurden unter Dacius 
in Syrien fammt ihren lieben Kindern enthauptet. 

2<J. ,GKATMA AVSMIIIHIlÄ flllAtTAflA II IlfllllO.VOKlUrc 

CTU4 iiAUKro !1k0AAA\Ta * Die heil. Märtyrerin Anaftafia 
und unfer . . . Vater Awraamius. Zwei Darrtclhmgcn: 
ai Ein Heiliger nach Typus 2. Irt der hei!. Abraamius 



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gemeint, welcher nach Mctaphraftes CXV, 75, als 
Eremit ftarb. b) Ein Heiliger wird enthauptet. Die heil. 
Anaflafia aus Rom war Nonne, wurde enthauptet unter 
Diocletian. Metaphrafles. 

30. .Okatkijt a\$hihhk Bhho&ia h 3hhokiä." Die 
heil. Märtyrer Zenobius und Zenobia. Er und fic im 
Keffel, unter dem Kcffcl brennt es. Es waren Ge- 
fchwiftcr aus Aegae, litten unter Diocletian, wurden, 
nach Metaphraftcs im Waffer (im Kcflcl) gekocht, 
fchließlich enthauptet, was wieder im Woronctzcr 
Kalender zur Darftcllung gebracht wurde. 

31. .Cpoätaic mSmihhka <;iiha\axa.' Der heil. Mär- 
tyrer Epimachus. Der Heilige ifl an eine Säule ange- 
bunden. Zwei Männer fchleudem von einer Anhöhe 
Steine auf ihn. Märtyrer aus Aegypten. Nach Mcta- 
phraftes wurde er an eine Säule gebunden und mit 
Steinen beworfen. 

November. 

,<tl-fccAHk Hmmkpmi.' Bilder: Mond aber kein Mo- 
natsbild. In derfclben Rubrik befindet (ich ftatt dcfTeu 
die Darfteilung der Tagcshciligcn vom 1. November. 

1. .GnATMjf KVsma h AaaOaha ." Die heil. Cosmas 
und Damianus. Beide nach Typus 1 und halten Kirchen 
in der Hand. Siehe hier /.um I.Juli wie auch den VVoro- 
netzer Kalender zum 1. November. 

2. .(JkATMX MSmHHK flKMM,\HMA M UhI-ACJ, HJK CX 

mhav" Die heil. Märtyrer Akendinos, Pigas und Gc- 
nolTcn. Das Bild zeigt mehrere Märtyrer im brennenden 
Ofen, alle nackt, nur um die Hüften bedeckt, zwei 
Diener hauen fic mit Stöcken. Es find Märtyrer in 
Perficn unter dem König Sapor. Es werden noch ge- 
nannt Anempodiftos, Aphthönios und Elpidephoros. 
Sie wurden mit anderen mehreren, zufammen 28 Pcrfo- 
nen, darunter auch die Mutter des Königs, welche fich 
ihrer annahm, in den Ofen geworfen. Metaphraftcs weiß 
aber nichts davon, dafs fic auch mit Stöcken gehauen 
worden wären. 

3. „OkATMJMSHINHK 1k<\|-T<M4, IwCM+A, H>K C* HHAth." 

Die heil. Märtyrer Akepfimos, Jofephos und Gcnoffcn. 
Es war noch Aithal. Architektonifcher Hintergrund. 
Zwei Darltellungen. a) Z wei Märtyrer, beide auf einem 
Baum an den FüQcn aufgehängt, beide nackt, nur um 
die Hüften bedeckt. Es ilt Jofeph gemeint, welcher auf 
diefe Weife gemartert wurde. Metaphraftcs CXVI, 851. 
b) Das zweite Bild zeigt einen Heiligen nackt, nur um 
Hüften bedeckt^ am Boden liefen, wie er von zwei 
Soldaten gefteinigt wird. Nach Metapbraftes wurde 
Aithal gefteinigt, ibidem p. 858, unter dem Monate 
Aprii. Alle waren Märtyrer in Perfien unter Sapor. 
Akepfimus wird auch Akephimos genannt, 

4. ,llptMO,vcRH.tr» <«tm iiAiiifr* Iwahhkia RMiiK.tr«, 
MM c* HH.M ,• Unfer Vater Joannicius der Große 
und GenolTen. Gebirge im Hintergründe. Zwei Darftcl- 
lungen. a) Ein Heiliger nach Typus 2. b) Zwei Märtyrer 
liegen am Boden und werden von zwei Schergen mit 
Hammern gcfchlagen. Beide nach Typus 6. Es find 
dargeftellt die „Genoffcn'. Johammius war aus Bithy- 
nien, wurde Mönch im Olympifchen Kloftcr, Harb 846. 

5. .OkATMX MS'IMHK I*AA.IKTN1VII H 6llHCTHA\»l. * Die 

heil. Märtyrer Galaktion und Epiftymia. Beide an 
eine Säule angebunden, nackt, nur um die Hiiften be- 
deckt, u-iti-r der Säule brennt das Ecuer, außerdem 
werden die Märtyrer von zwei Soldaten mit Stocken 



gefchlagen. Es war nach Metaphraftes ein Ehepaar aus 
Phonicien. Man ließ fic mit Stöcken fchlagcn, dann 
Hände, Füße und Zunge abhauen, zuletzt enthaupten. 
Unfer Künftlcr muß aber eine andere Legende vor 
Augen gehabt haben. 

6. ,11*; ks cKATujf wnid iiAiiiire IIakaa HcncK'feA" H " 
i:a.* Unfer heiliger Vater Paul confessor. Gebirge im 
Hintergrunde. Der I Iciligc nach Typus 2 ift dargeftellt, 
wie er, die Schnur um den Hals, von einem Schergen 
an derfclben gcfchlcppt wird, während ein zweiter 
Scherge ihn von rückwärts flößt. Es ift Paulus, Bifchof 
von Conftantinopcl, welcher unter Kaifer Conftantius, 
dem Ariancr, vertrieben und nach Armenien gefchickt 
und dort in der Nacht mit einer Schnur erwürgt wurde. 
Nach einer andern Vcrfion, die auch mehr bekannt ift, 
wurde er nach Kukuz, einer Stadt in Cappodocien 
gefchickt, und dort während des Hochamtes von den 
Ariancrn mit eigenem Omophor erwürgt. 

7. .Gkatux Ar a\S«hhmk h;i; kk Miaictuhij • Die 
heiligen 33 Märtyrer in Meleftina (Melitene). Zwei Dar- 
ftcllungcn. a) Auf einem auf einer Säule angebrachten 
Querbalken {Doppelgalgen) hängt an den Balkenenden 
je ein Heiliger an den Händen aufgehängt. Der eine 
von diefen wird von einem Soldaten mit dem Schwerte 
durchbohrt, b) Viele Märtyrer werden geköpft. Wahr- 
fcheinlich ift hier das Martyrium s. Hieronis in Melitene 
und feiner 32 GcnofTcn gemeint. Migne cxvi, p. 110. 

8. .GjUSWph RKIIAVrilUX ApXHCTpATHPA «IIhXAHAA II 

HfK»iTnx " Die Schar der (körperlofen) Engel des Archi- 
ftrategen Michael Dargeftellt ifl der Erzengel Michael, 
weißen runden Schild haltend, um ihn die Engelsfchar. 
Aehnlich der Lemberger Kalender. Das Bild enthalt 
zwei Fehler, erftens fehlt in der Infchrift nach dem 
Worte siciMKTHMX das Wort chak, zweitens der runde 
weiße Schild hatte eigentlich ein Marienbild fein, oder 
einen fechsflügcligcn Seraphim darftcllcn follcn, was 
der Künftler nachzumachen vergelten hat. 

9. .GKMTklf MgUHHKk OhHCI<4">P4> H3K C% IIHAlk.* 

Die Heiligen Onifiphoros und feine Genoffen. Gebirgcals 
Hintergrund. Das Bild zci.^t vier Pcrfoncn, darunter ein 
Weib, welche geköpft werden. 

1 o. , Gkatwx JiicrTOAR Oah.ugm, G pacta h P*aTwna. 4 
Die heiligen Apoftel Olympus, Eraftcs und Rodion 
(Irodion). Architektonifcher Hintergrund. Alle drei 
werden von Pferden zu Tode gefchleift, alle nackt, nur 
um die Hüften bedeckt, find bei den Füßen an eine 
Stange gebunden, an die Stange ift vorn ein Pferd 
angefpannt, ein Heiter fitzt und treibt das Pferd, zwei 
andere Diener werfen Steine auf die Märtyrer. Alle drei 
von den 70 Apofteln. Rodion oder Irodion wird auch 
zum 8 April genannt (Vide Taf. I, zweite Bilderreihe 
unter dem Concil). 

11. .Gkatmx ahJ'hhhk AIiihm h Rmktopa, ii:k c% 
HH.Uh. * Die heil Märtyrer Mina und Viclor und Genof 
fcn. Das Bild enthält vier vcrfchiedcnc Darftcllungen: 
a) Ein Heiliger ilt mit den Füßen auf einem Baum auf- 
gehängt, ifl nackt, nur um die Hüften bedeckt, ein 
Scherge fchlägt ihn mit dem Stocke, b) Ein Märtyrer, 
nackt, nur um die Hüften bedeckt, ift mit einem Fuß 
auf dem einen, mit dem andern auf dem zweiten 
Baume aufgehängt, c) Eine Märtyrerin (nach Typus 20} 
liegt in einem ummauerten Orte, welcher den Kerker 
darltellt. d) Eine Heilige wird geköpft. Typus 20. An 
dem Tage wird auch das Andenken der heil. Stcpha- 



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- 13 - 



nida und des Märtyrers Diacons Vincentiiis gefeiert. 
Der Großmärtyrer Mina aus Aegypten lebte zur Zeit 
Dioclctian's, wurde nach vielen Martern enthauptet und 
dann fein Körper verbrannt. Victor aus Italien lebte 
zur Zeit des Kaifers Antoninus im 2. Jahrhunderte, 
wurde in Damascus auf einem Raum an den Füßen 
aufgehängt und ihm die Haut heruntergezogen. Die 
Chriftin Stephanida, welche das iah, wollte auch den 
Martyrertod (lerben, fie wurde auf zwei Feigenbäumen 
aufgehängt und von diefen zerriffen und Victor dann 
enthauptet. Vincentius wurde auf einem eifernen Bette 
zu Tode gebrannt. Die Darstellung entfpricht alfo diefen 
Legenden nur zum Teile (Vide Taf. I, weiter). 

12. .CKATir© OTUA MJUJir« IwAHHA «HAOCTHKArO H 

fi(i«noA«-Kit<«ro Hmaa.* Unfer heil Vater Johannes der 
Barmherzige und der ehrwürdige Xilos. Der erfle nach 
Typus 4, der zweite nach Typus 2. Johannes, Patriarch 
von Alexandria, lebte im 7. Jahrhunderte (Vide Taf. 1). 

13. „Cratm™ cti;j Hauitro Iwaim SaatoSctiII'*. * 
Unfer heil. Vater Johannes Chryl'oftomos. Im Hinter- 
grunde eine Kirche fichtbar, es wird wahrfcheinlich die 
Sophienkirche gemeint fein. Johannes ift dargeflellt 
nach Typus 4, vor ihm knien Männer und Weiber. Fr 
ift alfo als Kirchenlehrer dargeflellt In der Ferne fieht 
man das Meer und die Schiffe fcgeln, und eine Stadt 
am Ufer. Johannes ftarb 407. Im 5. Jahrhunderte fand 
auch die Ucbcrtragung der Gebeine nach Conftanti 
nopcl ftatt, was unfer Bild auch vorteilen wird (Taf 1). 

14. .ÜKATjro aiwctoaa 4>hamiia. - Der heil. Apoftcl 
Philippus. Das Bild enthält zwei Darftcllungen: aj Der 
Heilige, nackt, nur um die Hüften bedeckt, ift mit den 
Füßen an einen Baum aufgehängt. Der Scherge fleht 
auf der Leiter, die an denfclben Baum angelehnt ift, 
auf welchem der Märtyrer hängt. Nach Mctaphraftes 
CXV, p. 195, wurde er gekreuzigt und dann aufge- 
hängt, mit ihm Bartholomäus. Beide von den zwölf Apo- 
fteln. Als fie aufgehängt wurden, entftand ein Erdbeben, 
worauf die Umftehcndcn ihn vom Baume herunterneh- 
men wollten, was er nicht gemattete. Dies Hellt unfer 
Büd dar. b) Das Bild zeigt einige Fcrfonen in Flam- 
men, welche aber durch ein Wunder nach unten 
greifen, um die Schergen fclbft zu verbrennen (Taf 1). 

15. .Gkatkih AiSuiHHK PiSaTa.* Der heil. Märtyrer 
Gurias. Das Bild zeigt den Märtyrer fo zwifchen zwei 
Säulen aufgehängt, dafs die linke Hand und der linke 
Fuß an die eine, die rechte Hand und der rechte Fuß 
an die andere Säule angebunden find. Unter ihm wurde 
das Feuer gelegt. Die Erzählung bei Metaphraftcs 
flimmt mit diefer Darflellung nicht überein. An dem 
Tage werden drei Heilige gefeiert : Gurias, Samonas 
und Abibus, Zwei wurden geköpft, Abibus wurde an 
eine Säule gebunden und mit einen» eifernen Haken 
zerfleifcht, dann auf einem Scheiterhaufen verbrannt. 
Vielleicht ift alfo hier das Martyrium des Abibus dar- 
geflellt. Alle waren Märtyrer unter Dioclctian (Taf. I). 

IG. .GrataPi» aiioctoaa I ikaiii'iahcta (Mataw * Der 
heil. Apoftcl und Kvangelill Matthaeus. Das Bild zeigt, 
wie er von einem Manne von einer Anhöhe auf ein 
unten gelegtes Feuer hinabgeworfefi wird. Die Legende 
erzahlt, man hätte ihn an die Erde angenagelt (Hände 
und Füße) und dann um ihn Feuer gebrannt Die Dar- 
flellung fol^t aber wahrfcheinlich einer anderen Vcrfion 

17. ,«K*T.\r$ «tiia lumn o I>iro(ü.i M«,v©t«;**m, 
h;k c* hhaik.' Unfer heil. Vater Grcgorius Thaumatur- 



gos und Genoffen. Das Rild zeigt zwei Geflalten, eine 
nach Typus 6, die andere nach Typus 2. Grcgorius war 
Bifchof von Ncocaesarea, lebte im 3. Jahrhundertc. 

18. .Ckatmh attuHNK IIaatoii, HiK cx hhai. * Der 
heil. Märtyrer Piaton und GenoiTen. Architektonifcher 
Hintergrund. Zwei Darftcllungen: a) Zwei Märtyrer 
werden geköpft, b) Ein Märtyrer liegt auf der Erde, ein 
Diener hält ihn, ein anderer reißt ihm die Zahne aus. 
Vide den VVoronctzer Kalender. Piaton aus Ancyra in 
Galaticn wurde unter Dioclctian nach großen Martern 
enthauptet. 

19. .GkATMII HfWpOK (Ik\\a. HK CX HHAt ." Der 

heil. Prophet Audias und Genoffen. Architektonifcher 
Hintergrund. Zwei Darftcllungen: aj Ein Heiliger nach 
Typus 2. Vielleicht ilt hier Audias gemeint, ein Zeit 
genofle des Propheten Jeremias, b) Ein Märtyrer hat 
zwei zufainmengefchlagene Hölzer („Gcigc a ) um den 
Hals, zwei Diener fchlagen mit den Hämmern drauf. 

20. ,npino,v»KHAro r|rir»au, hx ck iiH.uk.' Der 

Grcgorius und Genoffen. Arcliitektonifcher 

Hintergrund. Zwei Darftcllungen: aj Ein Heiliger nach 
Typus 2. Gregorius aus Dekapolis in Ifaurien, deshalb 
Dckapolites genannt, ftarb 820 in Conftantinopcl. 
bj Zwei Märtyrer werden geköpft. Wahrfcheinlich die 
Active Darftclhmg des .iiK er. HHAih*- Genoffen. 

21. ,K*RfAfiiit NA{<iHiTUA kaa,\ii>ihhä. * Einfuhrung 
Marias in den Tempel. Das Bild zeigt einen Tempel. 
Der Oberpriefler fleht darinnen bei dem Opfcrtifchc 
(Bundcsladc), auf welchem ein Buch liegt. Die kleine 
Maria fleht vor ihm, hinter ihr ihre Eltern und Volk. 
Rechts davon ift eine Stiege lichtbar, oben auf der 
letzten Stufe fitzt Gott Vater, ein Engel kommt vom 
Himmel zu ihm. Der heil. Hieronymus erzählt: Rings 
um den Salomonifchen Tempel waren cntfprcchcnd den 
15 Gradual-Pfalmcn 15 Stufen angebracht, auf jeder 
von diefen Stufen wurde ein Pfalm gefungen. Die drei- 
jährige Maria w urde auf die erftc Stufe geftellt, aber zum 
Staunen aller ging fie allein hinauf bis auf die letzte 
Stufe, was als ein gutes Zeichen galt. Das Bild ftellt 
nun diefe Stufen dar. 

22. .GkATJIO 4M0CT4A4 4>HAHA10HA, HiK CK MM«.* 

Der heil. Apoftcl Philcmon und GcnolTcn. Zwei Dar- 
flellungen: a) Eine Heilige liegend in einem ummauer- 
ten Räume (im Kerker), b) Zwei Märtyrer werden ge- 
köpft. Siehe zum 19. Februar. 

23. „Gkmtmm flA\h$HAO{?a.* Der heil. Amphilochio», 
Typus 6, Bifchof von Ikonium, ftarb 395. 

24 .Gkataa aMSmihhiiä (ikjtiöiiiu. * Die heil. Mär- 
tyrerin Katharina. Architektonifcher Hintergrund. Sie 
kniet, die Krone auf dem Haupte, wird geköpft. Vide 
den Woronet/.er Kalender zum 25. November. 

25. .GKAHMHOAiltafHHK.i lUfAUHitTA. * Der Märtyrer- 
Priefter Clemens. Nach Typus 6. Bifchuf von Rom, 

26. ,Hp«l«.V«ßHJrO OTiyi HiUlICO flAHMIIIA ctajuimiika." 

Unfer .... Vater Alympios, Stylitcs. Gewohnlich dar- 
geflellt wie Symeon. 

2-. .GKATAI'O MSmIMHKA l.tKOKA II((>iHuiHN4-* Der 

heil. Märtyrer Jakob von Perficn. Architektonifcher 
Hintergrund. Das Bild zeigt den Heiligen nackt, fitzend. 
Ein Scherge halt ihn bei der Hand und fchwingt mit 
der andern ein Schwert. Jakob lebte im 4. Jahrhun- 
derte, ihm wurden die Finger, dann Hände und Fuße, 
dann der Kopf abgehauen. 



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28. .Hpill«,V«EM4r* oriia H4Ulir» CT<^4Hd H«sjr«.' 

Unfer . . . .Vater Stephan der Neue. Der Heilige liegt 
nackt auf der Erde, das Buch in der Hand. Ein Scherge 
fchleppt ihn an den Füßen mittclft einer Schnur, ein 
anderer durchbohrt ihn mit der Lanze, ein dritter haut 
auf ihn mit dem Schwerte. Er lebte im 8. Jahrhundertc. 
Wegen Bilderverehrung ließ ihn Konftantinos Kopro- 
nymos martern. Er wurde auf den Straßen herumge- 
fchlcppt, mit Stocken gefchlagen, bis einer ihn auf den 
Kopf fchlug und tödtete. 

29. .Gkat.ii-* a«$miiihka II.tp4MwHji.* Der heil. Mär- 
tyrer Paranion. Architcktonifchcr Hintergrund. Der 
Märtyrer kniet. Zwei Diener halten ihn beim Kopf, der 
eine fchlagt ihn mit dem Hammer, und zwei andere 
durchbohren ihn mit den Lanzen. Paramon im 3. Jahr- 
hunderte wurde unter Decius mit anderen 370 getödtet. 
Er wurde mit der Lanze durchbohrt. 

30. ,CKAT4re anocTOAj npKKoaiMHiMro flmvApu * 
Der heil. Protoapoftel Andreas. Architektonifcher 
Hintergrund. Mit dem Kopf nach unten an ein Kreuz 
gebunden, nackt, nur um die Hüften bedeckt. Ein 
Scherge durchbohrt ihn, ein anderer fchlagt ihn mit dem 
Hammer. Andreas wurde um das Jahr 70 in Patrae 
gekreuzigt. 

Deccmbcr. 

,<H-kfAU> ,\hhkP»-* Bilder . Mond, unten als Mo- 
natsbild die Darflellung des Jagers aus dem Thierkreife 
mit der Infchrift: rTpfeAiiik. 

1. »Ckatai'O npopoiu HaSAU * Der heil. Prophet 
Naum. Dargcftellt nach Typus 10 mit dem Spruchband, 
auf dem gefchrieben (lebt: II k»(h)ua«X' moh h 

2. „ORATaro upepoKi flxMKSKSM* ."(!) Fehler, ftatt 
AkiukSaxj der heil. Prophet Habakuk. Architcktonifchcr 
Hintergrund. Der Prophet nach Typus to mit dem 
Spruchband in der Hand, auf dem die Worte feiner 
Prophezeiungen zu lefen find : I'ocho.vh cyctHUMr tAi% 
tkom h c^-KW4r> ca. Vom I limmel ein weißer Sonnen- 
ftrahl lichtbar. 

3. , Okatjtc np«p»KJ CwiJiwHa." Der heil. Prophet 
Sophonios. Architcktonifchcr Hintergrund. Dargcftellt 
nach Typus 10 mit dem Spruchband, worauf gefchrie- 
ben fteht : P.111 Cf 3-kA* ,vxiuh Gnu/H'fc npenefK'fc.va) Er hat 
die gottliche Gnade prophezeit \%um ift ein Fehler 
ftatt A1H4JH I.Tochtcr). 

4 .Gkatua mSminhum RapKiipM. lutina Amucku- 
Hi.* Die heil. Märtyrerin Barbara, Johannes Damas- 
cenus. Architcktonifchcr Hintergrund. Zwei Darfteilun- 
gen: a) Ein Heiliger nach Typu* 3 mit dem unbefchric- 
benen Spruchband in der Hand. Wird wohl Johannes 
gemeint fein, b) Eine Märtyrerin wird geköpft, auf den 
Schergen fallt eine Fcucrflammc vom Himmel. Nach 
der Legende bei Metaphraftes wurde die heil. Barbara 
von ihrem eigenen Vater geköpft. Ein Blitzftrahl er- 
fchlug diefen. als er nach der That vom Berge herunter 
ging. Auch der Richter wurde vom Blilz erfchlagcn. 
Dies ftellt alfo unfer Bild dar. 

5. .Npiiio.voKiuro otim nainir« GiKM * Unfer 

Vater Sabas Im Hintcrgmndc <.ine Landlchatt mit 
Haufern fichtbar. Der Heilige nach Typus 2. 

6. .GkatuH llHKOa« " Der hei!. Nicolaus, Archi- 
tektonifcher I Untergrund. Der Heilige nach Typus 6. 



7. .Ckatmh diWRpocTa." Der heil. Ambrofius. Archi- 
tcktonifchcr Hintergrund. Dargeftellt nach Typus 2 ;!/. 
War Er/bifchof von Mailand. 

8. .Gkatuii HimtU.' Der heil. Hypatius. Archi- 
tcktonifchcr Hintergrund. Er nach Typus 3 mit dein 
Spruchband, auf dem es fteht: A\(a) ao.vSui" mki aa 
»S... Wahrfcheiulich liegt hier «in Fehler vor ftatt 
Potapius. Vide den Lemberger Kalender. 

9. ,3.w<rrif KoroAUTipi Umiim " Conccptio deimatris 
Annac. Das Bild zeigt eine Landfchaft, drinnen einen 
Brunnen. Bei dcmfclbcn fteht Anna, ein Engel kommt 
mit der vorge-ftreckten rechten Hand ihr die conccptio 
verkündend, fie ftreckt die Hantle gegen ihn aus, was 
ihre Verwunderung und Freude andeuten fotl. 

10. „Ckatmx a\9*i(hhk iUhhu, hjk c* hum." Der 

heil. Märtyrer Mcnas und GcnolTcn. Im Hintergrunde 
Gebirge und eine Stadtmauer mit neun Thiirmen ficht- 
bar. Zwei Darftcllungcn: a) Ein Heiliger, weiß ange- 
zogen, ein Diener ftoßt ihn zur Erde, ein anderer 
fchwingt fein Schwert um ihn zu hauen. Es wird wohl 
Mcnas gemeint fein. Die Scene zeigt, wie er nach 
großen Martern vor die Versammlung gefuhrt wird, 
um enthauptet zu werden. Metaphraftes: ..Mit ihm 
ftarben noch den Märtyrertod Hermogcnes und Eu- 
graphos." b) Einige Märtyrer werden von einem 
Schergen zu Boden geworfen. 

11. .Ckatuh A'i'HiU-' Der heil. Daniel. Darge- 
ftellt gewöhnlich als Stylites. 

12. „Ckatuh GiiHpH,\,0H.* Der heil. Spiridion. 
Nach Typus 6 mit einer bifchoflichen Mitra auf dem 
Kopfe. Bifchof von Triniphontes im 4. Jahrhunderte. 

13. , CftATklf i M&KHIIK (iKCTpATIA, HM C* MM*.* 

Die heil, fünf Märtyrer Euftratios und Genoffen. Es 
waren: Auxentius, Eugenius, Mardarius und Oreftes. 
Fünf Darftclhmgcn: aj Ein Märtyrer liegt nackt auf 
einem Bett, unter welchem ein Feuer gelegt wurde. Ein 
Scherge, im Hemd, in beiden Händen Ruthen, prügelt 
ihn. Es konnte der heil. Euflratius gemeint fein. Nach 
Mataphraftcs wurde er auch unter Diocletian auf dem 
Feuer gebrannt und mit Ruthen gefchlagen. Durch 
Wunder wurde er aber hergeftellt. Es fcheint aber, dafs 
hier der Märtyrertod des Oreftes, welcher auf einem 
eifernen Bett verbrannt wurde, dargcftellt ift, umfomehr 
als ihm andere im Tode folgten, b) Ein Märtyrer wird 
geköpft. Der Scherge wifcht mit einem Tuch das 
Blut vom Schwerte ab. c) Ein Märtyrer fteht nackt im 
Feuerofen Wird wahrfcheinlich Euflratius gemeint fein, 
welcher nach Metaphraftes verbrannt wurde, dj Ein 
Märtyrer liegt auf der Erde, nackt, nur um die Hüften 
bedeckt, ein Mann fchlagt ihn mit der Ruthe, e) Ein 
Märtyrer mit den Füßen auf einen Baum aufgehängt, 
nackt, nur um die Hüften bedeckt, ein Mann fchlagt 
ihn mit dem Stock. Scheint Mardarius gemeint zu fein, 
welcher auf diefe Weife gemartert wurde. 

14. .CkATMJT .uS'UHHK ttapCA, lllKKM HSK CK HHMk * 

Die heil. Märtyrer Thyrfos, Lcukios (Lucius) und Ge- 
Hoffen. Es waren Kallinikos, Philemon, Apollo u. a. 
Gebirge im Hintergründe. Zwei Darftclhmgcn. a) Der 
Märtyrer liegt auf einer Steinplatte, nackt, nur um 
die Hüften bedeckt, ein Soldat und ein Scherge fc Wa- 
gen ihn mit Stöcken, b) Der Heilige wird von einem 
Soldaten geköpft. Nach Metaphraftes wurde Kallinikos 
geköpft, Thyrfos in einer Mafchine umgebracht. 



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- i 5 - 



15- .Cratum II*ka,\.*(!) Der heil. Paulus, nach 
Typus 6. 

16. .CicATjre iipopcw fluria " Der heil. Prophet 
Aggacus. Architektonifcher Hintergrund. Kr nach 
Typus io mit dem Spruchband, worauf die Worte 
flehen : H buct ca»ro rorno.vm n% p*n« rturia. 

I/. .GnAThir TpTljf WTpfrK H CKATiirO llfK>p«Kj 

.VaimiiU.' Die heil, drei Jünglinge und der heil Prophet 
Daniel. Architektonifcher Hintergrund, viele Thurme 
fichtbar. Zwei Darftcllungcn: a) Drei Jiijiglingc (nach 
Typus 13) werden geköpft, ihre Hände find zuiammen- 
gebunden. bj Kin Heiliger wird geköpft, die H.inde 
zusammengebunden. Die Darftellung pafst zu dem 
Tagcsfcftc nicht, richtig hat der Woronctzcr Kalender 
An diefem Bilde fieht man am bellen, w ie die chriftliche 
Ikonographie der fpätcren Jahrhunderte von der alt- 
chrifllichen fich entfernte, »vie die Tradition verfiegte, 
weil ihre Hüter nicht mehr auf der Hohe des Willens 
und ihrer Aufgabe Händen. Die typifchen nackten Ge- 
walten der drei Jünglinge, in den Flammen flehend, 
denen man fchon auf den altchriftlichen Sarkophagen 
begegnet, wurden fo dargcftcllt. dafs der in der Mitte 
flehende feine Hunde auf die Schultern beider anderen 
legte. Jetzt wurde das vollftändig modcrnillrt (wie im 
Lembcrger und Woronctzer Kalender 1 , ja man hat auch 
irrthümlicherweife Daniel in die Darftellung hincin- 
bezogen, obwohl Daniel dabei nicht w ar, und diefe vierte 
Perfon höchftens den Kngel darftcllcn follte. Unfer 
Kalender hat aber die altcTradition vollftändig ignorirt; 
wie fo vieles andere ftelit er auch hier dicfes Martyrium 
fchabloncnartig als Enthauptung dar. Dies ift bei ihm 
die ultima ratio artis. Auch das beweift, wie vorfichtig 
wir den hiftorifchen Kern feiner E)arftellungen be- 
urtheilen follen. 

18. . OitATirc ,M8<i«iuiKa OixacTÜHj." Der heil. Mär- 
tyrer Sebaftian. Architektonifcher Hintergrund, viele 
Thürrnc ficht bar. Der Heilige ift mit Händen und 
Fußen an eine Säule gebunden, zwei Schergen fchießen 
auf ihn Pfeile ab. Märtyrer unter Dioclctian. Nach 
Metaphraftes wurde er mit Pfeilen erfehoflen, durch 
ein W'under aber erhielt er wieder das Leben und 
wurde dann mit Nägeln zcinflcn. 

19 „GKATaro mSmiiihka Kohh+JMTU * Der heil, 
lioniphatios Im Hintergrunde eine Landfchaft mit Hau- 
fern lichtbar. Der Heilige wird von zwei Männern mit 
Schwertern gehauen. Nach Metaphraftes CXV, 242, 
wurde er im KefTel im Pech gekocht, blieb aber unver- 
fchrt, die Flammen ergolTcn ("ich vielmehr auf die Um- 
flehenden. Zuletzt wurde er enthauptet. Kr war aus 
Tarfos in Küikicn. 

20. ,OKATk-H IIthatTa K*r«n«cH4ro. * Der heil. Igna- 
tius Thcophor, Im Hintergründe Gebirge fichtbar. Der 
Heilige liegt auf der Erde, ein Lowe zerreißt ihn. Kr 
lebte im l. Jahrhunderte, wurde im Circus von zwei 
Löwen zerriffen. 

21. .GkATMÄ .«SmIHMII.* IS.AI.IIU. M!K CK IlklA.* Die 

heil. Märtyrerin Julianne und Genoffen Line Landlchaft 
im Hintergründe. Zwei Darftelhmgcn; aj in Heiliger, 
nackt, im brennenden Gebäude, bj Zwei Märtyrerinnen 
(beide nach Typus 20I werden geköpft. Nach Meta- 
phraftes CXIV, p. 1446, wurde Julianne nach vielen 
Martern enthauptet. Sic war aus Nikomcdia. 

22. ,CKATklÄ A\»M»IIHU> flllJCT.tCU, WK CK IIMA.- 

Die heil. Märtyrerin Auaftalia und GenolTcn Ks waren 



Agapc, Irene, Chionia und andere. Zwei Darftcllungen: 
a) Eine Märtyrerin nach Typus 20, auf einem eifernen 
Bette liegend, unter welchem Feuer gelegt wurde. Nach 
Metaphraftes wurde Anaftalla an drei Pfahle gebunden 
und fo langfam verbrannt. Sie war in Rom geboren, 
litt unter Dioclctian. bj Zwei Märtyrer werden geköpft. 
Der Scherge wifcht das Blut vom Schwerte ab. 

23. ,Gkatmx 1' «S-iiiiMKK h:k bx KpiT*.* Die 
heil, zehn Märtyrer auf Kreta. Architektonifcher Hinter- 
grund. Die zehn Märtyrer werden von zwei Soldaten 
geköpft. Ks waren Märtyrer unter Decius. Wurden auch 
geköpft. Metaphraftes. 

24. .Gkatma mSmiiihiia Gmii'u, hk ck hma.° Die 
heil. Märtyrerin Eugenia und GcnolTcn. Drei Heilige 
werden geköpft. Ks werden Protas, Hyacinthus und die 
hcil. Eugenia gemeint fein, welche alle geköpft wurden. 
Metaphraftes. 

25. „ P«:«,v»rTK* XpHCTeao.* Geburt Chrifti. Die 
Mutter Gottes mit der üblichen Bezeichnung rtÄP QX, 
nach Typus 20 liegt im Bette, neben ihr das Kind Jefu 
mit der Bezeichnung IG — XC in der Wiege, welche aber 
einem offenen Sarkophag ähnlich ausficht. Neben der 
Wiege flehen Oclis und Pferd. Links ficht man drei 
Magier mit Gcfchenken, weiße Miitzcn mit rothen 
Spitzen auf dem Kopfe, fich dem Gebäude nähernd, 
rechts davon ficht man einen Hirten, die Schafe weidend, 
in rother Kleidung und mit rothem Hut, eine Rolle in 
der Hand, die Schafe trinken WalTcr aus dem Brunnen. 
Von oben der ftrahlende Stern fichtbar, welcher den 
Königen und Hirten zur Huttc den Weg zeigte. Auch 
ein Engel erfcheint von oben. Zu diefer in der ganzen 
chrifllichen Kirche fchr belichten Darftellung muß 
bemerkt werden, daf> in der örtlichen Kirche nicht die 
drei Könige, wie es im Werten Brauch wurde, darge- 
ftcllt wurden, fondern drei Magier, wie es ausdrücklich 
in der heil. Schrift heißt, weshalb fie hier nicht mit den 
Kronen als Kunige, fondern mit Prophetenmützen 
(Typus 1 1) erfcheinen. Die Tradition der örtlichen Kirche 
hat fich alfo in der Kunft lange rein erhalten. Krrt in der 
neueren Zeit ift die weltliche Tradition von den drei 
Königen zunächft durch die von der weltlichen Kirche 
genommenen oder nach wertlichen Müllern verfafsten 
Kirchenlieder in die örtliche Kirche eingedrungen, in 
der man nun auch von den „drei Königen" (Tpi» i^P") 
zu fingen begann Ferner muß zu dem Fefte der Geburt 
Chrifti bemerkt werden, dafs, wie fo manches andere, 
auch hier die kirchliche Tradition zum großen Theile 
auf die apokryphen Kvangelien der Gnortiker zurückzu- 
führen ift, zum Beifpiel die Erzählung vom Ochs und 
dem Fiel, vom Bade des neugeborenen Kinde«, was auf 
den Bildern gern dargcftcllt wurde u. a. 

26 , Cxuepk np-ktKATMÄ R«r«po.vttiiÄ. * Die thro- 
nende Maria. Eine Kirche im Hintergründe. Maria, 
fitzend auf einem Throne auf zw ei Poldern, welche die 
alte Sackform haben, das Kind Jefu auf dem Schöße, 
Schemel unter den Fußen, umgeben von einer Kngel- 
fchar. Die Darftellung ift nach alt. n Muftern gemacht. 

27. „ÜK/f.Tdre iip*rt©,\\Smniii;.i h jprl.viaKoiM Gt(- 
4uiu h npfite r v#ciur« ©tua ttiw.vopa.* Der heil Proto- 
märtyrer und Archidiacon Stephan und der . . . . Va- 
ter Theodor. Im Hintergründe Gebirge und Gebäude. 
Zwei Darrtellungen: a> Stephan, weiß gekleidet, mit 
dem ürar. von der Mauer i'chlcudcrn zwei Soldaten 



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Steine auf ihn. b) Theodor nach Typus 2. Er wurde 
genannt Graptos, fo genannt nach der Tatowirung. die 
er auf dem Kopfe hatte. 

28. „GKATMr iMS'IIMHKk a** T*Avk.* Die zwei 
Schaaren Märtyrer. Alle in einem brennenden Gebäude. 
Es waren ihrer 20.000, welche in Nikomedia unter 
Dioclctian verbrannt wurden, fo nennt fic auch der 
Woronetzer Kalender. 

29. ,GK<*TWr AtAAA'HKlk. H!K KU ElAAMAVk C\"RUillUJf 

©t Hpw.ya TkKAi|ik Die von Herod in Bethlehem 
erfchlagenen 14.000 Kinder. Im Hintergründe Gebirge 
und Gcb.iudc. Herodes fitzt auf feinem Throne auf Pul- 
ftern, die Krone auf dem Haupte, hinter ihm die Sol- 
daten, feine Garde. Vor ihm zeigt die Daiftellung die 
Soldaten, welche die Kinder todten oder fpießen. Die 
Kindcrlcichcn liegen haufenweife auf der Erde. Hin 
Weib — es ift die Maria — ergreift mit dem Kinde die 
Flucht, das Kind (Jcfu) weiß angezogen, ein bewaffne- 
ter Soldat verfolgt fie. 

30. .Gkatma mSmihhiu llniiici» ." Die heil. Märty- 
rerin Annifia. Architektonischer Hintergrund. Die Mär- 
tyrerin nach Typus 20 wird mit der Lanze durchbohrt. 
Auf dem Dache des gegenüber flehenden Haufes fteht 
eine nackte Gcftalt mit gehobenen Händen, wohl eine 
heidnifche Gottheit. Annifia war aus Theffalonike, 
wurde nach Metaphraftcs von einem Soldaten durch- 
bohrt, als fie, von ihm in den heidnifcheu Tempel zu 
gehen aufgefordert, ihm nicht folgen wollte. Das Haus 
mit der oben flehenden Statue wird wohl diefen heidni 
fchen Tempel darft eilen { Taf. II, erfte Bilderreihe). 

31. .Ilpfno,v«KHiJ* flliAAMiA.* Ehrwürdige Melania 
Typus 22. Aus kom. Metaphraftcs (Taf. II, ebenda}. 

Januar. 

»Al'kcAiih rrHS.tpü." Bilder: Mond und als Monats- 
bild die Darfteilung des Nockes aus dem Thierkrcife 
mit der Infchrift: Koswpwrk (Taf. II, ebenda). 

1. .Osp-ksAiiTi rocuo.va K©ra h maca Hauiir« h-cScx. 
XpMCTj h tKATar© KacHaia l-MHKAro. " Die Bcfchncidung 
Chrifti und Bafilius der Große. Architektonifcher 
Hintergrund. Zwei Darftcllungcn: aj Im Altarratirne 
fteht der Oberpriefter [Typus 1 1) vor dem Opfertifch, 
auf dem ein Buch liegt (khhi'a 34R-RTA — die Darftellung 
wiederholt (ich hier), er hiilt das Meffcr in der Hand, 
vor ihm fteht Maria mit dem Kinde auf den Händen, 
hinter ihr Jofcph bj Ein Heiliger dargcftcllt nach Ty- 
pus. 6, wohl Bafilius der Große (Taf. II) 

2. .Gkatuh GiiAiiKicTpa nanu puauKaro. ' Der heil. 
Sylvefter, römifchcr Papft. Nach Typus 6 ;Taf II). 

3. .GKavrar© np«poKa MaAarTa.' Der heil. Prophet 
Malachias. Nach Typus 10 mit dem Spruchbande, auf 
dem die Worte flehen: IlpiHA'T kx \'PAA\ ck©m rocn©Ak, 
«r© jki. Er hat prophezeit die Ankunft Johanne des 
Täufers und Jcfu Chrifti mit den Worten (Cap. I v 11): 
M nocurta» am-wa A»©ir© 11 ©hx npnr©T©KHTx. nSTk upi 

AOAtHO» H RII'SAIIH© lipiHA>TX KU JfpA.WX CK©fl I ©CII#AI- 

K©T©p©r« kki Hi|irTi etc., welche hier geftrichen find. 

4. , llpiiio.i.OKHAr© OioiiravTa 11 <4<whm.* Die heil 
Thcopcmptos und Theonas. Gebirge im Hintergründe. 
Zwei Darftellungen : aj Der Heilige wird vom Fclfen 
geftürzt Es ift Theonas gemeint. Er war ein Magier, 
wur<le durch die Wunder des Thcopcmptos bekehrt und 
dafür in eine Grube geworfen und verfchuttet. />: Ein 
Heiliger [Typus 6) wird geköpft. Dargcftcllt ift hier 



der heil. Thcopcmptos, wie er enthauptet wurde Er 
war Bifchof von Nikomedia zur Zeit Diocletian's. 

5. „ripin»AAEHAro fl«*KTMCTa.* Der ... Thcoktis- 
tos. Nach Typus 19 mit einem T-Stabe in einer Hand 
und dem Spruchbandc in der andern, darauf die 
Worte: Mko \*ut* Ai|ii ca©r© HAiaT, a>aa hm. 

6. ,ri»r©Ar.Aiutf.' Epiphania. Gebirge im Hinter- 
grunde. Chrillus fteht im Waffer mit nacktem Ober 
leib, mit dem gricchifchen Nimbus, Spruchband in der 
Hand mit dop Worten: pxKwiiHcaHii Aaaa\. Auf dem 
Ufer fteht Johannes der Taufer, auf dem entgegen- 
gefetzten Ufer warten die Engel. Vom Himmel fallt 
ein Sonncnftrahl. 

7. .Gkaytmh Iw(h) kp«tiit»a.* Johannes der 
Taufer. Nach Typus 10, mit dem Spruchband, worauf: 
IIokahti ca np?KAM2KH e« tt napcrs© (iifEfCH©i). Dicfe 
Worte predigte Johannes. 

8. ,npmoA6KHU* maTipi iiauia\ ^©miihku." Unfcre 
Mutter Dominica. Nach Typus 22. 

9. ,G«ATaro AVtafiiHKa floAiiiKirra. ' Der heil. Mär- 
tyrer Polycuktos. Architektonifcher Hintergrund. Der 
Heilige wird geköpft. Märtyrer unter Dccius, in Mcli- 
tenc in Armenien, wurde er geköpft. Stephan ift der 
erfte, Philoromos aus Alexandria der zweite und 
Polyeuktos der dritte Märtyrer (Taf. II, Schluß der 
erften Reihe). 

10. »Gr AT wh rpHr©pTa HHCKar©. ' Der heil Gre- 
gorys von Nizza. Einer von den drei großen Kapa- 
dokiern. 

1 1. ,IIp(nOA©EHar» GiwAOcia KMH©E.Tapjfa. * Der heil. 
Kloftervorfteher Theodofms. Nach Typus 2 mit dem 
Spruchband, worauf: n©pai;©TMKk nAXTk 11 ck©r©ah a*uim. 

Er war der erfte, welcher das convcntuale Leben in 
den Klöftcrn einführte. Die obigen Worte find aus 
feinen Reden an die Mönche genommen. 

12. .Gkatua A>«q»HHn* Tatühhh. hx ex tm.uk * 
Die heil. Märtyrerin Tatiana und Gcnoffcn Architek- 
tonifcher Hintergrund. Zwei Darftellungcn: aj Tatiana, 
weiß angezogen (Jungfrau), fteht auf dem brennenden 
Scheiterhaufen, b) Zwei Heilige werden geköpft. Es 
find wahrfcheinlich die Diener, welche bei ihrem Mar- 
tyrium ftch bekehrt hatten — nur waren ihrer acht. Die 
obige Darftellung feheint aber nur die Worte h)K cx cx 
iiH.Hk zu illuftriren, alfo fchabloncnartig zu fein. 

13. . GftATUJf AtSqfllllKK (ipMHAA H GTpATSHHK.l. * 

Die heil. Märtyrer Hermilius und Stratonikos. Gebirge 
im Hintergründe. Beide haben Steine um den Hals 
angebunden und ftürzen kopfüber ins Waller. Keine 
Diener fichtbar. Nach Metaphraftcs wurden fie unter 
Licinius in den Fluß lfter geworfen. Anders der Woro- 
netzer Kalender. 

14. ,llpm©A©RMkix ©Tink, 11» kx Ghhah h Paha*-' 
Die . . . Vater in Sinai und Raetha erlchlagcn. Die 
dargcftcllte Scene ift älter und intcreffant. Auf einem 
ummauerten Platze, welcher das Klofter darftcllen foll, 
werden viele Heilige mit Acxtcn und Schwertern gc- 
todtet, die Todteuden haben eine turbanartige Kopf- 
bedeckung (in welcher auch die Saracenen gernalt 
werden, wie wir es auf der Woronetzer Kirche fchen). 
Die Mönche, welche am örtlichen Gertade des rothen 
Meeres in Sinai, Choreu und in der Wufte Raetha 
wohnten, wurden einmal c. 3 II bis 3 1 3 von den Arabern 
überfallen und getodtet, das zweitemal gefchah dies 
im 5. Jahrhunderte. Uni'er Bilil Hellt dies dar. Vor dem 



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- i 7 - 



Thore der Stadt aber licht mau die Saraccncn auf 
Kamcelcn angekommen, die Kamecle ftehen gcfattelt 
und warten, der eine Heißt herunter und nähert fich 
zu Fuß dem Stadtthorc, aus welchem einige Perfonen 
ausgehen. Dies ftellt die Saracenen dar, wie Tic nach 
dem Uebcrfall das Kloftcr verlaflcn. 

15. ,llplll»A.OKHMV- »Tin> [IjRAA HlK«HCK4l 0 .' Der 

Paul von Theben. Nach Typus 1, ein Bild in der 

Hand. 

16. „UoKAOMfHM MkCTHWJf(!) K*pHld* CKATAr» JHdf- 

toaa Hrrpa. ' s. Petri ad vineula. Architektonifcher Hin- 
tergrund. Petrus in einem Kerker. Ein Engel erfcheint 
auf der Mauer, nimmt ihn bei der Hand, um ihn hinaus- 
zuführen, ein Stück Kette auf der Krde fichtbar. Ge- 
wöhnliche Darftcllung. 

17. .npfiio.vcKiMro «tu* «IhtohIi lUrtHKarc • Der 

Vater Antonius der Große. Nach Typus 2 mit 

Spruchband, darauf: Or*:rk drrmu «MpcKO» MÄ.vpS. . . 

18. 1 ÜKATkJH <\&Allint UAHKAr» H KvpHAd.' Der 

heil. Athanafms und Cyrillus. Beide nach Typus 6. 
Athanafius, Erzbifchof von Alexandria, lebte im 4. Jahr- 
hundertc. 

19. ,nplllOA«KIUrO WTiKA <HaKdpld ßmiTfeHHHa * 

Der Vater Makarius von Aegypten. Im Hinter- 
gründe Gebirge und Gebhude. Zwei Darftcllungeti : 
aj Der Heilige nach Typus 1 fitzt, vor ihm fteht ein 
nackter wild ausfeilender Mann mit einem Stabe, an 
dem kleine Gegenftände hangen, welche auch an feinen 
Kleidern angehängt find und von uberall auf die Erde 
fallen b) Auf der andern Seite ein Heiliger, ein Eremit, 
nach Typus 17. Es ift der heil. Makarius gemeint und 
fein Schiller, ebenfalls Eremit. Die Legende erzählt, er 
wäre, als er in der Wüfte lebte, eines Verhalt niffcs mit 
einem Mädchen unfchuldigcrweife verdachtigt worden. 
Das Mädchen war aus einem vornehmen Haufe. Al> 
dann auch ein Kind wirklich zur Welt kam, hat man 
dem Heiligen des Spottes halber verfchiedene Gegen- 
ftändc, es heißt, befonders kleine Töpfe an die Kleider 
angehängt und ihn fo unter Holm und Gelächter des 
Volkes herumgeführt. Dies wird wohl unfer P>i!d dar- 
ftcllcn. Die Vita S. Macarii ift abgedruckt bei den 
Bollandiftcn zum 15. Januar p. 1007. Makarius ftarb 
c 390 als Eremit in hohem Anfehen. 

20. .Gkatmh 6»'AH«u KMiiKiro." Der heil. Euthy- 
mius der Große. Nach Typus 2. Rolle in der Hand. 
War Abt in Jcrufalcm. Mctaphraftes C.XIV p. 586. 

2 1 . .Gkatuh (Mainau Htiwk'kAi'HK-' " Der heil. Ma- 
ximus confeffor. Das Buch in der Hand. Er ftarb c. 662, 
war Abt, kämpfte mit Schrift und Wort Regen die 
Monotclcthcn. Wir haben von ihm einige Schriften. 

22. „GKATaro aiwnvAA Tii,woaia h ÄhactacTa lliprfc- 
11HMA-* Der heil. Apoftel Tliimothaeiis und Anaftadus 
aus Perfien. Im Hintergründe eine Landfchaft. Zwei 
Heilige werden von einem Soldaten geköpft. Der 
heil. Apoftel Tliimothaeiis war Bifchof in Ephefus und 
wurde von einigen Heiden zur Zeit des Kaifers Domi- 
tian erfchlagen. Mctaphraftes CXIV, 77. Anaftafius, ein 
Perfer, lebte im 7. Jahrhunderte, wurde im Fluße er- 
trankt, den Kopf hat man dann dem Kail'er gezeigt. 
Metaphrafl.es, ibidem p. 806. Die Darftcllung pafst 
nicht zu unterer Legende, mit ihr ftimmt der Wor»- 
netzer Kalender ubcreiii. Nach Makarij wurde er von 
dem Perfcrkonigc Chosroes zuerft erwürgt, dann ent- 
hauptet. 

XXIV. N. t. 



23. .GKATAfO .WtfHIHHKd KAT,UIHkTA t HK t* HH.W * 

Der heil. Märtyrer Clemens und Genoffen Architekto- 
nifcher Hintergrund. Zwei Darftellungen:«; Der Heilige, 
nackt, nur um die Hüften bedeckt, ift mit einer Hand 
auf dem Galgen aufgehängt, an der zweiten Hand und 
an den Füßen hängen Steine. Die Darftcllung pafst zu 
der Erzählung bei Metaphraftes CXIV S15 nicht. 
Clemens wurde mit noch zwei Clcrikcrn, Chrirtophoros 
und Chariton, c 312, enthauptet, b) Zwei Märtyrer 
werden geköpft. Nach Mctaphraftes wurden mit 
Clemens noch zwei, Chrillophoros und Chariton, ge- 
köpft. Clemens war Bifchof von Ancyra und wurde 
unter Diocletian enthauptet. 

24. .Gkatua 0fNif.* Xenia. Nach Typus 22. War 
Nonne in Karien in Milas. 

25. .Gkatuh Ppurepia liorocACBh.* Der heil. Gre- 
gorys Theologus. Nach Typus 4. 

26. .Gkatuh §iH?$0HTa h ap**hhm Der 
heil. Xenophon und Genoffen, oder beffer: und feine 
Familie. Der Heilige nach Typus 2, eine Heilige nach 
Typus 22, und zwei Kinder mit leeren Spruchbändern. 
Xenophon aus Conftantinopel, feine Frau Maria und 
zwei Söhne, Johannes und Arcadius, wurden Eremiten. 
Metaphraftes, CXIV, 10 12. 

27. „RlSKAAipilMl MOUifAVk, IHK U CKATkljr »TI(A 

Hauiire Iwahha iiaATfrStTaro" Die Rückkehr der Reli- 
quien des heil. Johannes Chril'oftomos. Die Darftellung 
ill gelungen, fchon und feiten. Sie zeigt ein .Meer, darauf 
Schiffe gegen eine Stadt fcgeln, das erfte Schiff fuhrt 
den Sarg mit Reliquien, die jedoch nicht fichtbar find. 
Aus der Stadt kam der Patriarch an der Spitze des 
Clerus und des Volkes heraus und erwartet die Ankunft 
der Reliquien am Ufer. Inder Ferne jenfeits des Meeres 
ift eine Stadt fichtbar, von wo die Reliquien kamen. 
Seine Vita bei Metaphraftes, CXIV, p. 1046. 

28. .Gkatmh 6$p<.» OrplAHiiHA.' Der heil. Eplircm 
der Syrer. Nach Typus 3. 

2<j. ,R* <iKpAI|IIHII Mtt|l«Atk CKATdl'O »8MIIIHKA HrilA- 

tia lieroiioenA * Die Rückkehr der Reliquien des heil. 
Märtyrers Ignatius Thcophoros. Architektonifcher 
Hintergrund. Ein Diacon tragt auf dem Kopfe den Sarg 
in die Stadt. Der Patriarch an der Spitze des Volkes em- 
pfangt diefelbcn. Er war Bifchof von Antiochia und 
dorthin find leine Gebeine übertragen worden. Meta- 
phraftes, CXIV, 1270. 

30. „Grata™ .wSmihhka I'ihioahtta nanu pHAttKAre.* 
Der heil. Hyppolitus, römifcher Papft. Gebirge im Hin- 
tergründe Der Heilige wird mit gebundenen Händen 
ins Waffer geworfen. H. Gegenbifchof, wurde verbannt 
auf Sardinien. 

31. .Gkatux 'iie,v*TK«piu. KVpa 11 Iumnha* Die 
Thaumaturgen Cyrus und Johannes. Architektonifcher 
Hintergrund. Beide werden geköpft. Cyrus war aus 
Alexandria in Aegypten gebürtig, Johannes aus Edessa, 
beide wurden unter Diocletian enthauptet. Vide zum 
28. Juni. 

Februar . 

.«U-kcAiiK 4"Bp*Ap'id ." Bilder: Mond und als Mo- 
natsbild die Darftellung der Waffcrmanns mit der In- 
fchrift: KOACAAH. 

1. .Gkatmjc .«Smiiiiika Tpiia\ona. wx. c* iinav' Der 

heil Tryphon und Genoffen. Zwei Darllellungen: <i,' Eini- 
ge Heilige liegen auf der Erde, zwei Männer binden iie 

3 



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— [8 - 



mit einer Schnur zufammcn, ein dritter fchlägt fie mit 
zwei Stöcken, die er in beiden Händen hat. b) Ein Mär- 
tyrer, nackt, nur um die Hüften bedeckt, ift an ein Pferd 
gebunden, ein Diener, reitend, treibt das I'ferd. Tryphon 
war aus Apamea in Phrygicn, tollte nach Metaphraftcs 
CXIV, 1312, enthauptet werden, ftarb aber unmittelbar 
vor der Enthauptung. Die Darftcllung pafst zu der Er- 
zählung bei Mctaphraftes nicht, auch weiß er nichts von 
feinen GcnolTcn. 

2. .OptTiHii r«rno,vm.* Purificatio, wörtlich: das 
ZufammentrcfTen Chrifli (mit Symcon'. Das Bild (teilt 
eine Kirche dar. Symeon (einfach, nach Typus 1 1, fit/t 
di innen, feine Fuße auf dem Schemel, das Jcfukind 
auf den I landen. Maria fteht vor ihm, hinter ihr Jofeph. 

3. .CnATAr* Ghaiwhj coroiipi'iAUtA* Der heil. 
Symeon, welcher Chrillus auf die Hände nahm. Archi- 
tcktonifchcr Hintergrund. Symeon, einfach, im langen 
Kleid, vor ihm lieht ein Weib nach Typus 20, vermut- 
lich Maria, beide gefticulirend. 

4 .Graytuh Gii.vop riMASfTHCKjr«.* Der heil. Ifidor 
aus Pclufium in Aegypten, nach Typus 2. Architektoni- 
scher Hintergrund. 

5. .Gratu* aiSmimhui (!) »li'AA», m>k tx hm*.* Die 
heil. Märtyrerin Agatha und Gcnoffcn. Zwei Darftcl- 
lungcn: aj Ein Heiliger liegt geköpft, b) Die Heilige 
liegt in einem ummauerten Raum (im Kerker). Diefe 
Darftcllung pafst zur Erzählung bei Melaphraftcs CXIV, 
1340, dafs lie im Kerker ftarb. Sic war aus Panormus 
(Palermo) geburtig. 

6. .Gkavtmh dSKW.* Der heil. Lucas nach Typus 6, 
mit Spruchband, darauf: rAaroAAiiii s*, rko 4Aciä pÄ. 
Er war Mönch in Griechenland. Er ftarb mit den Worten 
im Munde: „In deine Hände übergebe ich meinen Gcift", 
was auch auf dem Spruchband gcfchricbcn ftchen foll. 

7. .O mit wh fiSK»A4.* Der heil. Wukol, nach 
Typus 2. 

8. „ÜRATjrO A\SMIIIHKJ 6»WA«pA fTpATM.lATJ II CKAV 

TAro npopoKA SAjrapii-* Der heil. Märtyrer Thcodorus 
Stratilatcs und der heil. Prophet Zacharias. Im Hinter- 
grunde eine Landfchaft. Zwei Darficllungcn: aj Der 
Heilige, vermuthlich Zacharias (npneKii.vtn,K), nach 
Typus 1 1 mit dem Spruchband: Gack« ia\jkT pc;«,M • • • 
b) Ein Heiliger wird geköpft. Thcodorus, Märtyrer 
unter Licinius. 

9. «GkATAr» A'S'UKHKA HlKI^CpA, H:K CK HHMk." Del' 

heil. Märtyrer Nikcphoros und Genoflen. Architekt oni- 
feher Hintergrund. Drei Heilige werden geköpft. Nach 
Mi taphraftes CXIV, 1370. war Nikcphoros Presbyter in 
Antiocl i,i. wurde unter Valett.mus gel öpft. Von den 
Gcnoffcn des Märtyrers we ß Metaphraftcs nichts, es 
wird alfo eine ficlive Darftcllung fein. 

10. „GRATArO A\$HflHK.t VjpUAJA»hKa, M>K (X HHMk.* 

Der heil. Märtyrer Charlampius und Gcnoffcn. Archi- 
tektonifther Hintergrund. Zwei DarAellungcn: o) Der 
Heilige, nackt, nur um die Hüften bedeckt, ift an eine 
Säule mit H.indcn und Eüßen gebunden, zwei Soldaten, 
auf einein Ti:ch flehend, durchbohren ihn mit Schwei ■ 
tern. bj Drei Heilige werden geköpft, wohl eine naive 
Darftcllung Der heil. Charlampius war Bifehof in Mag 
nefia. wurde unter Scptimius Severus enthauptet. 

11. .Gkatai-» ckauiihms.mS'iiiiiiiika Kajiim, mk ck 
hiiav' Der heil. Märtyrer Presbyter Ulaiius und Gen- (Yen. 
Eine Landfchaft im Hintergründe. Drei Märtyrer werden 
geköpft. Nach Metaphraftcs wurde er mit zwei Knaben 



inSebaftac in Kappodocicn enthauptet. Er war Bifehof 
in Sebaftae c. 316. 

12. „CsAvraro otu,a HAiiuro AIiaihictTa.'- Unfer 
heil. Vater Mclctius. Nach Typus 6. Erzbifchof von 
Antiochia c. 361. 

13. ,Hpm»,V.OKHArO «TU,A HAHIir» AlApTHMHAHA 

Unfer Vater Martinianus. Nach Typus 2, fteht in 

Flammen, Kofenkranz in den Händen. Vor ihm fteht 
eine vornehme Fraucnsperfon im Style des ausgehen- 
den 16. Jahrhunderts gekleidet, auf dem Kopfe als 
Aufputz eine kleine Kappe mit einer fich etwas abhe- 
benden fchwarzfeidenen Spitze, um den Hals ein weißer 
Spitzenkragen. Beide gefticulirend. Die Legende er- 
zahlt folgendes: Ein Frauenzimmer bemerkte einmal: es 
wäre keine Kunft, in der Wüfte ein heiliges Leben zu 
führen, aber unter den Menfchen wäre der Heilige wie 
jeder andere, und um dies zu beweifen, ging fie zu ihm 
in einer fturmifchen Nacht in die Wüfte, verkleidet, und 
bat um Herberge. Als er fie aufnahm, zog fic fich fehön 
an und vernichte ihn vom heil. Leben abzubringen. Sic 
wurde aber von ihm bekehrt und wurde heilig. Dies 
ftctlt unfer Bild dar. 

1 4. . ITpi ncACBHare flRfttHTia M ckatato KYpiAA £hac- 
co^a.* Der ehrwürdige Auxentius und der heil. Cyril- 
lus philosophus. Der eine nach Typus 6, der andere 
nach Typus 2. Architektonilcher Hintergrund. Meta- 
phraftcs, CXIV, p. 1378. Auxentius war aus Syrien. 
Cyrillus der Slavcn-Apoftcl. 

15. .Gkatai'« Aiiec-reAA Ohichau.* Der heil, Apo- 
fiel Onefimu». Architcktonifchcr Hintergrund. Die 
Dächer zweier Häufer find mit einem Tuch verbunden, 
fo dafs es von einem Dache zum andern reicht. Die 
Darftcllung zeigt den Heiligen nackt, nur um die 
Hüften bedeckt, auf der Erde liegend, drei Schergen 
find mit ihm befchaftigt. der eii:e hält ihn beim Kopf, 
der andere hält ihn mit einer Hand bei den Füßen, 
welche an eine Steinplatte gelehnt find, mit der anderen 
Hand fchwingt er eine Axt in die Hohe, ein dritter 
fchwingt ebenfalls die Axt. Onesymus war Sclave, 
entfloh dann nach Rom, als der heil Paulus dort pre- 
digte, fchloß fich ihm an und wurde dann Bifehof in 
Ephefus. Im Jahre 109 wurde er nach einer Legende 
gefteinigt. 

16. .GKATArO A\S<r<HHKA IhAW + IAij. HSK tX IIHAth.' 

Der beil. Märtyier Pamphilius und GenofTen. Archi- 
tcktonifchcr Hintergrund. Drei Darftellungen: et/ Ein 
Gekreuzigter, die Hände und Fuße find aber nur ange- 
bunden, bj Ein anderer ift an eine S.iulc angebunden 
mit Händen und Fußen, c) Zwei Märtyrer werden ge- 
köpft und außerdem mit einem Stock von einem zweiten 
Schergen gcfchlagcn. An dem Tage w erden zwölf Mär- 
tyrer gefeiert. Pamphilius, ein Gelehrter, wurde ent- 
hauptet. Theodulos wurde gekreuzigt, Porphyrie aufge 
hängt und unter ihm Feuer gelegt. Alle unter Dioclctian 
in Caesarea (in Paläftinn), 

17. „GKATAro KIAIIK*AV><|f||HKJ ttlW.\«pA. TMp*MA.* 

Der heil. Großmärtyrer Thcodorus, Tiro. nach Typus I, 
Hebt in Flammen, ein Mann fchtirt das Feuer, ein Engel 
kommt zu ihm von oben herab. Er lebte unter Dioclc- 
tian, wurde c ;,o6 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 

|S. „Ckatapo ditt'MTiA riAiiM pH.ncKArc* Der 
heil. Leo, romifchcr Paplt. Nach Typus 4, nur noch 
eine Mitra (nicht die drciglicdcrige Tiara) auf dem 
Kopfe. 



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- i 9 - 



19- , Chat are aiioctoaa flprwiA, h»c r* mi.n.* Der 

heil Apoftcl Archippus und GcnofTen. Zwei Darftel- 
lungen: aj Ein auf einem Baume Gekreuzigter, welchen 
noch ein Scherge mit dem Stock Tcblägt. b) Zwei Mär- 
tyrer werden gefteinigt und mit Schwertern geköpft. 
Archippos oder Arcliipa, einer von den 70 Apofteln, 
war Bifchof in Coloffä in Phrygien. wurde nach einer 
Legende mit Mcffcrn zerfchnitten. Zwei GcnofTen, Phile- 
mon und die Apfia, gefteinigt. Alle drei Märtyrer unter 
Nero. 

20. ,OK*TAr*o «tha <1m*hta Katahckap*. 1 Der 

heil. Vater Leo von K.itana. Nach Typus 6. Er war 
Bifchof in Katana im 8. Jahrhunderte. 

21. „npfciio.veeHMjr ot«h HAnmr TT a\*A«a * Unfer 
ehrwürdiger Vater Thimothacos. Eine Landfchaft im 
Hintergrund, er nach Typus 2. 

22. „OKp-kTiHTf A\«qiH,n (!) cratm\* m$<miihk. m* r* 
ÜKrwTH.* Die Auffindung der Reliquien der heil Mär- 
tyrer in Eugenia. Im Hintergrunde Gebirge und Ge- 
bäude. Das Bild ftellt einen Bifchof ( Typus 6) dar, 
welcher an der Spitze des Volkes Särge entdeckt. Die 
Gebeine find fichtbar 

23. „OräTAI* CRAI|MH»itttMllHHKA I|0AKA(»1IA." Der 

heil. Märtyrer Bifchof Polykarpos. Im Hintcrgunde 
Gebirge. Der Heilige nach Typus 6 lieht in Flammen 
und wird außerdem von zwei Männern mit Ruthen ge 
peitfeht. Er war Bifchof von Srayrna, wurde c. 167 
unter Marcus Antoninus auf dem Scheiterhaufen ver- 
brannt. 

24. „ÖKp-kTIHI» MKHUA rAARM fKATAI'« IwAHA lIplA" 

timä h K(HCTMTM-k.* Die Auffindung des ehrwürdigen 
Hauptes des heil. Johannes des Taufers. Architektoni- 
fcher Hintergrund, zwifchen zwei Dächern flattert ein 
Tuch, welches auf beiden Dächern angenagelt ift. Die 
Darftellung zeigt einen Diacon, eine Schiiffel mit dem 
Haupte des Johannes auf feinem Kopfe tragend, hinter 
ihm fchreitet ein Bifchof (Typus 6) an der Spitze des 
Volkes, der Zug bewegt (ich in die Kirche. 

25. .CKATAr* TAjIAtU ApjftinHCKOIIA KOIICTABTMIIA 

r>»,VA.* Der heil. Tarafios, Erzbifchof von Conftantino- 
pcl. Nach Typus 4. 

26. „CKATAro ilop^TpT.» mHCKenA tasckaa.* Der 
heil. Porphyrius. Bifchof von Gaza. Nach Typus 6. 

27. ,npinoA«EHAr« »tha iiauiire UpcKoiiHA HrneRt- 

AHHKA, H5K CR iiha\." Unfer Vater Procopius con- 

fcssor und GcnofTen. Architcktonifchcr Hintergrund. 
Vier Darftclluiigen: a) Ein Heiliger nach Typus 2. 
bj Ein Heiliger in einen Brunnen (gemauerten) hinein- 
geworfen, cj Ein Märtyrer mit einem Fuß an einen 
Baum, mit dem andern an einen zweiten Baum aufge- 
hängt, nackt, nur um die Hüften bedeckt, d) Mehrere 
Märtyrer werden geköpft. Procopius ans Decapolis am 
galiläifchen Meere war Mönch, wurde wegen Bilderver- 
ehrung unter Leo dem Ifaurier verfolgt. Die obigen 
Darftcllungen beziehen fich offenbar auf etwas anderes, 
wenn Tie nicht fiftiv find, denn auch Procopius ftarb 
eines natürlichen Todes. 

28. ,nptii*A'CH4r« KaciaTa * Der . . Bafilius. Nach 
Typus 2. Schima fichtbar. 

29. . npMie.v.t'KHarc K.kiaiia rt,u.wA-knwiM '(!) Der 
. . . .Caffianus der Romer. Nach Typus 2 mit dem 
Spruchband, darauf: Iii mhcam «Paaoa\ci;uh. Er ftarb im 
5. Jahrhunderte und hinterließ viele Schriften. 



Mars, 

, Al-kc.Ai|> AiapT*.* Bilder: Mond und unten als 
Monatsbild die Darftellung des Fifchcs aus dem Thier- 
kreife mit der Infchiift: pw;a. 

1. .npwo vckmwjv A»ATipH Ii juiA (Sra* 1 ^*.* Unfere 
. . . Mutter Eudokia nach Typus 20, wiid geköpft. Sie 
war aus Heliopolis, wurde Nonne, c. 150 geköpft. 

2. .Cratai » cr*i|iihmoa»<iiiimica öio.vota kip'ihTa, 
ckatuii aukoh llapAWH.' Der heil. Märtyrer Presbyter 
Theodotus von Cirinea, der heil Diacon Parmenius. 
Architcktonifchcr Hintergrund. Zwei Darftellungen: 
aj Ein Heiliger nach Typus 6. Es ift Theodotus, 
Bifchof von Cirinea auf Cypern zur Zeit des Licinius 
gemeint. Er wurde gemartert, ftarb aber eines natür- 
lichen Todes, b) Ein Heiliger, wahrfcheinlich Parme- 
nius in der rothen Dalmatica mit dem Orar, Buch in 
der Hand. 

3. .OiuATUjf AtSmHHK 6rrp«n»iA, Kaiiwhmka h Kam- 
ahcka. 1 Die heil. Märtyrer Eutropius, KIconikos und 
Bafiliscus. Im Hintergrunde Gebirge und Gebäude. 
Drei Darftcllungen: aj Ein Heiliger fitzt in einem um- 
mauerten Räume (im Kerker), b) Ein Heiliger, ge- 
kreuzigt, Hände und Füße an das Kreuz blos angebun- 
den, nackt, nur um die Hüften bedeckt, cj Ein Heiliger, 
gekreuzigt, Hände und Füße an das Kreuz ange- 
bunden, nackt, nur um die Hüften bedeckt, wird von 
einem Soldaten mit dem Stock gcfchlagcn. Märtyrer 
aus dem 3. Jahrhundert, vide zum 22. Mai. 

4. ,ll,i»ne.vcRHar<> cnia nauuro l ipiciwu " Unfer 
. . . Vater Gerafim. Im Hintergrunde Gebirge und Ge- 
bäude Tichtbar. Der Heilige dargcftcllt nach Typus 2, 
fit/.end auf einem Felfen, ein Lowe (itzt auf den Hinter- 
pfoten vor ihm Der Heilige nimmt feine Vordertatze 
in die Hand und fehneidet ihm mit der andern aus der 
Pfote etwas aus. Gerafim aus Lykicn, ein Eremit, lebte 
im 5. Jahrhundert. Die Legende erzählt, ein Lowe fei 
einmal zu ihm gekommen, der eine Wunde im Fuße 
hatte, der Heilige verband ihm diefelbe, worauf der 
Lowe ihm immer folgte und auch auf feinem Grabe 
ftarb. 

5. „Grataiv aiSmimhka K*hoha.* Der heil. Märtyrer 
Konou. Im Hintergrunde Gebirge und Gebäude ficht- 
bar. Der Heilige wird von zwei Soldaten in Stücke ge- 
hauen. Konon der Ifaurier im 2. Jahrhundert, gilt in 
Rufsland als ein Heiliger der gegen Blattern hilft Auch 
Konon Gradar (der Gärtner) wird an dem Tage ge 
feiert. 

6. .ÜRATIIf A\R AV$<I«HHK, HSK RR IlMOplH.* Die heil. 
42 Märtyrer in Aniorion. Architcktonifchcr Hinter- 
grund mit vielen Thiirmcn Die Sccne zeigt, wie drei Sol- 
daten viele Heilige köpfen, der eine wifclit fich das Blut 
vom Schwerte ab. Es war zur Zeit des Kaifers Tltco- 
philos, als im Jahre 845 Amorion von den Mohame- 
danern überfallen wurde und 42 höhere Officiere des 
griechifchen Heeres gefangen genommen, dann als fie 
den Mohamcdanismus nicht annehmen wollten, ge- 
köpft und in den Euphrat geworfen wurden. 

7. .Or*twj a\»i»iihk EjcTaia, 6 {phaia. h;k c* hii.u. " 
Die heil Märtyrer Bafilius, Ephremus und Genoffen. 
Im Hintergründe Gebirge. Vier Darftcllungen : «j Ein 
Heiliger vom Felfen gefturzt, ein Soldat fchlägt ilin mit 
dem Schwerte, b) und cj Zwei Märtyrer, nackt, nur 
um die Hütten bedeckt. Hai: de und F : üf>e gebunden, 

i' 



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— 20 — 



werden an den Füßen von einem Soldaten gcfchlcppt. 
d) Zwei Märtyrer liegen enthauptet. 

An dem Tage feiert man das Andenken der fieben 
Bifchöfc von Chcrfon Bafilius, Ephrcmus, Eugcnius. 
Elpidius, Agathodor, Kpherius und Kapiton, welche von 
dem Patriarchen von Conftantinopcl zur Zeit Conflan- 
tin des Großen dorthin gefchickt wurden, das Evange- 
lium zu predigen. Bafilius wurde in Chcrfon von den 
Juden gelleinigt, Ephrem wurde von den Barbaren an 
Her Donau enthauptet, drei andere ebenfalls von den 
Barbaren erfchlagen, Epherius ftarb eines natürlichen 
Todes, Kapiton wurde auf einer Fahrt von Conllanti- 
nopel mit feinem Schiffe vom Sturme in die Mundung 
des Dnicpr getrieben und dort von Barbaren ertrankt. 

8. .Grat Ar« ftiiv^HAAKTA.' Der heil. Thcophylak- 
tos. Nach Typus 6. Er war Bifchof von Nikomedia. 

9- „OcATWjf mmsmihhk." Die heil. 40 Märtyrer. Die 
Scenc zeigt viele nackte Gcftalten. nur um die Hüften 
bedeckt, liebend im Waffer, die Hände kreuzweife auf 
die Brufl gelegt, einer geht in einen hohen Thurm 
hinein, welcher vier hohe Rauchfange hat, aus denen 
es raucht. Uebcr ihnen find 40 goldene Kronen gemalt 
— es find die Märtyrerkronen. Zu oberll das Bild 
Chrifli mit IC-XG. Es waren Soldaten, Märtyrer unter 
Licinius c. 320. Sic wurden nackt, in einer kalten 
windigen Nacht in den mit Eis bedeckten See hinein 
getrieben. Am Ufer Hand ein warmes Bad vorbereitet, 
damit derjenige, welcher Chriftus leugnen wird, heraus- 
gehen und dort lieh warmen kann. Einer that dies, 
ftarb aber an der Schwelle des Haufes. Ein Wächter 
bemerkte in dem Augenblicke, wie alle 39 Märtyrer 
vom gottlichen Lichte umftrahlt wurden und über ihnen 
fah er 39 lichte Kränze (Krönen). Wo ill der vierzigfle, 
fragte er und gleich fah er ein, warum ihrer nur neun- 
unddreißig waren. Er wollte nun der vierzigfle fein und 
trat in den See an Stelle des Abtrünnigen. 

IO. „CKATArO MKHiHHKA K CHARTA, II* CK MMM.* 

Der heil. Märtyrer Kondratos und Genoffen. Architek- 
tonifchcr Hintergrund. Drei Heilige werden von einem 
Soldaten geköpft. Kondratos, Märtyrer unter Decius. 
Mit ihm wurden viele getödtet, unter anderen Satori- 
nus und Rufinus. 

11 .Gtwvrar« Go$poHh (!) ap^hiiihckoiia «pocamax- 
c kai"«.* Der heil. Sophronius, Erzbifchof von Jerufaleni. 
Architcktonifcher Hintergrund. Er nach Typus 6. 

12. ,llpm«.v«RWAr« Otw^AHA HtnoK-fc^HMKA.* Der 
Thcophancs confessor. Architektonifchcr Hinter- 
grund. Nach Typus 1 mit dem Spruchband, worauf: 
lli|if KT« a»kiit cKpKBfc n«c<vfc . . . Theophancs war Abt, 
lebte im 8. Jahrhundert unter Kaifer Conftantinus 
Kopronymos, wurde wegen Bilderverehrung auf die 
Infel Samothrake ins Exil gefchickt, wo er auch ftarb. 

13. „GkATAP« «T^A IIAMIir« llHKH4>«pa 'IIHCK«I1A 

K«hctahthha rpAA*-' Unfcr heil. Vater Nikcphoros, 
Bifchof von Conftantinopel. Architektonifchcr Hinter- 
grund Typus 6. 

14. .ÜKATUf AVSMfMHK RlMiAHKTA, MJK CK MHA».* Der 

heil. Märtyrer Bcncdiftus und GcnolTcn. Architcktoni- 
fcher Hintergrund. Zwei Darftcllungcn: aj Ein Heiliger, 
Kette um den Hals, Hände nach rückwärts gebunden, 
wird von einem Manne an der Kette gefuhrt. Zwei 
Soldaten mit gehobenen Schwertern folgen ihm nach. 
b) Drei Heilige werden geköpft. Die Dai Heilung pafst 



nicht zu dem Fefte. Benedict von Nurfia, Gründer des 
Benedi£tincr-Ordens, Abt in Monte Cassino, ftarb 543. 

15. .GfcATMH MtMlfHHK (IrAIIIA, HJK CK MHA\." Der 

heil. Märtyrer Agapius und Genoffen. Im Hintergrunde 
Gebäude und Gebirge. Die Darftcllung zeigt die Ent- 
hauptung dreier Heiligen. Agapius, Märtyrer unter Dio- 
clctian in Caefarea in Palailina, wurde mit fieben an- 
deren enthauptet, 

16. .GkATMJT AtlHtHHK GaKHIIA, MJK CK MMM." Der 

heil. Märtyrer Sabinus. Zwei Darrt ellungcn: aj Ein Hei- 
liger, den Stein um den Hals, wird ins Waffer geworfen, 
die Hände find rückwärts zufämmengebunden, ein 
Soldat floßt ihn mit der I.an/.e vom Ufer, b) Ein Hei- 
liger im Hemd ift an eine Säule mit Händen und Füßen 
gebunden. 

17. .GrATAI'« flAfftlA MIACK-kKA COXilA * Der heil. 

Alexius, der Mann Gottes. Nach Typus 19. Alexius, 
geboren in Rom, lebte im 4. Jahrhundert, foll 41 1 gc- 
florben fein. Seine Lebcnsgefchichte war llark ver- 
breitet in griechischer, lateinifcher, fyrifcher und in 
flavifchen Sprachen. 

18. .Otha Ki'füAA. * Der Vater Cyrillus nach Ty- 
pus 6, Patriarch von Jcrufalcm. ftarb 386. 

19. .GKATMX* MSMINMK XpICAHAA h AApfa, mjk c» 
HHMk * Die heil. Märtyrer Chrifanthos und Daria und 
Genoffen. Zwei Darftellungen: a) Ein Heiliger und eine 
Heilige flehen im Waffer in einer Grotte, zwei Diener 
gießen aus Krügen Waffer auf fie. Das Ehepaar Chri- 
fanthos und Daria lebte im 3. Jahrhundert, wurde in 
einen Brunnen geworfen und mit Erde und Steinen ver- 
fchüttet. Mit ihm wurden mehrere geköpft, b) Vier 
werden geköpft. 

20. ,llp<n«A«RHMX «T«lt> WAIIIHf, MJK KS IVKHTfcAH 

cRiftTAr« Gaku SKUfHMjr.* Unfere im Klofter des heil. 
Sabas getödteten . . . Väter. Architektonifchcr Hinter- 
grund. Die Scene zeigt die Enthauptung vieler Mär- 
tyrer in einem ummauerten Hofe, welcher das Klofler 
darftellcn foll. Die Soldaten tragen turbanartige Kopf- 
bedeckungen. Das Klofter des heil. Sabas wurde 796 
von den Saraccnen überfallen, einige wurden geköpft, 
die meiften flüchteten fich in eine Grotte, wurden aber 
durch das vor der Grotte gelegte Feuer im Rauche er- 
ftickt. Die Darllellung ift typifch und entfpricht der 
Legende nicht. 

21. .Gratai*« Iakwka iiihckoiia ' Der heil. Bifchof 
Jacobus, nach Typus 6, lebte im 8. Jahrhundert, als 
Ikonodule ftarb er im Exil. 

22. „Grata™ a»h<iimmka Raciiam iipiaRMTipA. * Der 
heil. Märtyrer Bafilius. Presbyter. Architektonifchcr 
Hintergrund. Zwei Darflellungcn: a) Ein 1 Iciligcr, nackt, 
nur um die Hüften bedeckt, mit den Füßen auf einen 
Baum aufgehängt. Ein Diener zieht an der Schnur, ein 
anderer fclilägt ihn mit dem Stock. Bafilius, Märtyrer 
unter Julian, wurde blutig gefchlagen und feine Wun- 
den mit glühendem Eilen (Schwert) gebrannt, b) Drei 
Heilige werden geköpft. 

23. .llpfM»A9EHAr« «THA HAIIlfl'« HhKOHJ. HJK CK 

mmm." Unfer . .. Vater Nikon und Genoffen. Die Scenc 
zeigt die Enthauptung vieler Märtyrer. Nikon aus 
Neapel wurde unter Decius mit 199 Mönchen ent- 
hauptet, nachdem er früher gemartert worden war 

24. . llpk A,«pA3,VIHC TK« K.AAI «K-kl|lllÜ J Kcr«p«A M| t* " 

Das Vorteil der Verkündigung Marias. Die Darllellung 
bezieht fich aber uahrftheinlich nicht auf das Fell 



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— 21 — 



felbfl, fondern bringt vielleicht zwei Tagesheilige. Der 
eine ift nach Typus 6, der andere nacli Typus 2 dar- 
geflellt. 

25. , l'i/uroit-ki|iiim Ker?p*AHu>A.* Annunciatio. 
Architcktonifcher Hintergrund. Ein Tuch hangt von 
einem Dach zun» andern. Maria mit AM* B£ ficht in 
der Kirche auf einem Schemel, vor ihr ein Engel mit 
der Lanze, über ihm die Infchrift fln» = arriA. Aelm- 
lich im Lemberger Kalender. Die gefchichthchc Dar- 
flcllung der Marienfelle hatte für die Gcfchichtc und 
Culturgcfchichtc die größte Bedeutung, denn in ihnen 
fpiegelt ficli am bellen die Entwicklung der chrilllichcn 
Lehre wieder. Es gibt auch Auffatze von franzölifchen 
Gelehrten, die fich fpecicll mit den Darftellungcn der 
Annunciatio und der Assumptio Mariae befalTcn. Diele 
Arbeiten flehen aber leider nicht auf der Hohe der 
Aufgabe. Man muß diefes Thema mehr vom Stand- 
punkte der Gcfchichtc als der Kunfl betrachten, wie 
überhaupt die chriftliche Kunll, wie auch andere Disei- 
plinen damals ancillae theologtae waren, Man darf ja 
nicht vergessen, dafs die Kunll erfl in unferer Zeit das 
geworden ill, was fie ift, eine Kunll für fich fclbfl, ein 
unabhängiger Culturzweig, welcher fich felbll Zweck ifl- 
Iin Alterthum fland die Kunfl im Dienflc des Staates 
und der Religion, im Mittelalter fafl ausfchließlich im 
Dienftc der letzteren. Das ift die wesentliche Charak- 
terillik der mittelalterlichen Kunfl, fie ill mehr Gc- 
fchichtc als Kunfl. Und es wäre nun die Aufgabe jener 
Gelehrten gewefen, die Entwicklung der Marienfelle, 
richtiger gefagt des Mariencultcs im Lichte der 
Gefchichte darzullellen, w ie auch andere Darllellungen 
mehr vom Standpunkte der Gefchichte zu beurlheilcn, 
denn die Kunfl war die llluflration zur Gefchichte. 
Nehmen wir als Beifpiel die Kreuzigung Chrifli. 
Die Paffionsgcfchichte Chrifli .wurde erfl fpät zum 
Gegenflande der Kunll, in der alt-chriftlichen Kunfl 
findet fie fich nicht. Die fogenannte älteftc Darllellung 
der Kreuzigung auf der hölzernen Thür in S. Sabina in 
Rom gehört fichcr nicht dem 4 Jahrhunderte an, wie 
die Dominicaner und vielleicht ihnen zu Liebe die 
Kunfthiftorikcr (auch Kraus) behaupten. Sie flammt 
aus fpaterer Zeit. Warum kamen aber die Paffions- 
fecnen erfl fpatcr zur Darflclhmg? Weil, fo antworten 
die Kunfthilloriker, den alten Chriflen die Lcidcnsfccncn 
ein Grnucl waren, weil fie fich dadurch an ihre Unter- 
drückung und Verfolgung erinnerten und fie lieber den 
Gedanken der Aufcrftchutig auf verfehiedene Weile 
(durch Lazarus-, Jonas-Scenen u. a.) zur Darllellung zu 
bringen bemüht waren, weil das für fie ein Troft war. 
Wenn an dem angegebenen Grund etwas wahres ift, 
fo lag die Urfachc nicht in den alten Chriflen, fondern 
in der alten gricchifch-römifchcn Kunfl, welche das 
Leiden als folches nie darzuficllen lernte und nur das 
Leben und die Lebensluft verherrlichte. An fie lehnte 
fich aber und aus ihr entwickelte lieh die alt-chrifllichc 
Kunfl und konnte fich daher nicht fo leicht an die Dar- 
llellung der l'affionsfccnen wagen, weil keine Vorbilder 
waren. Aber außerdem ifl der Grund deiTen auch anders- 
wo zu fuchen. Zunachll tiarin, dafs das Leben der alt- 
chrifllichcn Kirche in einem fehr befcheidenen Kreife 
der Vorflellungen lieh bewegte, fo dafs die vorhandenen 
Muftcr zum Ausdrucke ihrer religiöfen Anfchamingen 
volllländig genügen konnten. Spater, als die ehiflliche 



Religion nicht nur das Privat-, fondern auch das ganze 
fociale und llaatliche Leben bchcrrfchtc, hatte fie andere 
Bedürfniffe und trat fie auch mit größeren Forderungen 
an die Kunfl heran. Der Hauptgrund liegt aber unter 
anderem in der Gefchichte des Chriftenthums, und das 
ifl es, was man immer vergifst. Man foll fich nämlich 
immer gegenwärtig halten, dafs die chriftliche Lehre erft 
im Laufe der Zeit ausgebildet und codificirt wurde und 
dafs anfangs über viele Punkte die Chriflen felbft keine 
oder keine klare Vorftellung hatten. Die Entwicklung 
der chiifllichcn Lehre ging aber langfam und unter 
fteten Kämpfen der Parteien vor fich. Ueber einen Punkt 
wurde oft Jahrhundertc lang gcflritten, bis die Frage 
auf einer Synode in einem oder dem andern Sinne ent- 
fehieden wurde. Wie konnte alfo die Kunfl fchöpferifch 
auftreten, wenn der Gegenftand ihrer Darftellung noch 
nicht fpruchreif war? Und zu diefen flrittigen Punkten 
gehörte die Perfon Chrifli felbll. Seit Chrifli Zeiten 
wurde feine Divinität beftritten, und zu Anfang des 
4. Jahrhunderts, als Arius auftrat, wurde defl'en Lehre 
fo flark verbreitet, dafs es zweifelhaft war, ob der 
Arianisnuis, d. h. die Lehre von der Menfcheit. Chrifli 
oder der Glaube an die Gottheit Chrifli den Platz 
behaupten werden. Die nikänifche Synode 325 wurde 
gegen die Ariancr berufen und auf dcrfelbcn die Lehre 
von der Gottheit Chrifli für orthodoxe Lehre erklärt. 
Dennoch dauerten die Kämpfe darüber noch Jahr- 
hunderte lang und auf den Thron von Byzanz kamen 
Kaifer, welche fclbfl zum Arianismus fich bekannten. 
Inter arma silent musae, und in diefem Falle war die 
Kunfl die Mufc. Es ill nun intereffant, die Darflcllungcn 
Chrifli zu verfolgen. Anfangs tritt er bel'cheiden auf als 
Hirt oder als Philofnph mit Rolle, wie jeder andere 
Philoloph oder Apoflel. Nach und nach wird aber fein 
Rang, feine Majeftät immer mehr betont und Chriftus 
erfcheint fpäter dargeflellt im größten Glanz als König 
der Konige und werden ihm alle Attribute eines 
Königs, wie Suppcdancum, Reichsapfel etc., und eine 
Engelfehaar zu Dienten gegeben. Jetzt erfl mußte 
es doppelt effektvoll erfcheinen, wenn man darzullellen 
begann, wie diefer Konig der Könige für die Mcnfchheit 
freiwillig litt und lieh demüthigen ließ. Jetzt kam alfo 
die Bitithezeit für die Pamons^DarltcIlungcn. Im Sinne 
diefer Idee von der Herrlichkeit und Majcllät w urden 
auch alle Darflcllungcn aus dem Leben Chrifli ge- 
fehaffen. Wenn Chrillus anfangs als ein armer Mann 
und häfslich gedacht und gefchildcrt wurde, fo trat 
fchon im 4. Jahrhunderte Chryfoftomos mit der Bc- 
hauptuug auf, Chriftus wäre das Ideal der männlichen 
Schönheit gewefen. Wenn anfangs die Geburt Chrifli 
in einer ärmlichen Hütte gedacht wurde, fo begegnet 
man fpatcr Darllellungen feiner Geburt, auf denen man 
von der Aermtichkcit gar nichts mehr bemerkt. Wenn 
es anfangs hieß, drei Magier kamen vom fernen Ollen 
mit Gcfchcnkcn, um feine Geburt zu begrüßen, fo fagte 
man l'pater, es feien drei Könige gewefen und Hellte 
drei Könige dar und fo fort. Dasfelbc, nur vielleicht 
noch in größerem Maßllabe, gilt nun von den Marien- 
feften und ihren Darllellungen. Naturgemäß mußte 
nämlich die Frage aufgeworfen werden, welcher Rang 
der Mutter Gottes gebühre. Als Göttin wollte man fie 
nicht anerkennen; man fprach ihr aber göttliche Attri- 
bute zu. man nannte fie die Königin des Himmels und 
der himmlifchen Machte. Schon im 13. Jahrhunderte 



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22 — 



begegnen wir Bildern, welche die Krönung Marias dar- 
ftcllcn Auf einer Synode wurde ihr officicll der Titel 
„Ggotoxia, Muttcrgottcs" zuerkannt. Und wieder wurden 
alle Darliellungen aus dem Leben Marias in dio'cm 
Sinne gefchaflen. Als Beifpiel delTen wird uns die Dar- 
ftcllung der Annunciatio dienen. Anfangs tritt Maria 
befcheiden. als eine wahre ancilla domini auf. Und es 
ift höchft intereffant zu beobachten, wie die Kimfller 
im Sinne der Lehre fie immer herrlicher auftreten 
lafTcn. Die Frage trat nämlich an de heran, wie fie den 
Kngel in diefer Darftcllung erfcheinen laffen füllen. Und 
nun ftellte man es anfangs fo dar. dafs Maria und Engel 
einander gcgcnübcrftchcn, Maria in refpecTivoller 
Haltung. Ks kommen auch Üarftclhingen vor, dafs 
Maria beim Erfcheinen des Engels auf die Kniee fallt. 
Später änderte fich das. Der Engel erfcheint vor feiner 
Himmelskönigin in rcfpe&vollcr Verbeugung, ja fogar 
knicend verkündet er ihr die Botfchaft. So find zum 
Beifpiel die Darftcllungen der Annunciatio von F. Lippi 
(t 1469' oder Albertinelli (t 151 5), beide in der Mün- 
chener Pinakothek. DieRaphaelifche Annunciatio (Pina- 
kothek im Vatikan) Hellt Maria fitzend auf der Stiege 
dc< Tempels dar, als der Engel refpccTvoll herannaht. 
In der griechifchen Kunft ftellte man beide, den Engel 
und Maria, ftehend dar, aber doch ftcht fie fpater auf 
einem Schemel, Suppcdaneum, welcher als Zeichen der 
Majeftät galt. Dies ilt auch auf unferem Hilde der Fall. 
Sclbftvcrftändlich wurde auch die Kleidung Marias 
reiaher dargeftcllt. fchr oft erfcheint fie im Purpurkleid. 
Freilich Hellt jeder Künfller anders dar; denn alles 
hängt fchließlich von der individuellen Aufladung ab, 
und fo mancher zog die alten Typen vor. In der Coro- 
ninifchen Bildergalerie zu Rom ift eine Darftellung der 
Annunciatio aus der Zeit c. I4OO, wo der Engel mit 
einer Palme in der Hand knieend vor der thronenden 
Maria erfcheint. 

26. ,0*RWp ApXUTftATHIM l"aKp?H.M * Die Ellgel- 

fchar des Archiftrategen (Erzengeb) Gabriel. Dar- 
geftellt ein Engel mit Lanze (Taf. II, zweite Bilderreihe). 

27. „GkatuA ,w$«mhmu,ä Matpohij.* Uic heil. Mär- 
tyrerin Matrona. Nach Typus 22. Siehe den Woronetzer 
Kalender (Taf. II, zweite BilJerrcihe, geht bis 4. April . 

28. , llpillO.VOEIMrO OT<|aHd ItCAtTKOpIlA, H* c» 

HHMlt. * Der . . . Stephan Thaumaturgos und Gcnoffcn. 
Architektonifchcr Hintergrund. Ein Tuch hängt von 
einem Dach zum andern. Zwei Darftcllungcn: a) Ein 
Heiliger wird geköpft, bj Ein Heiliger liegt im Molter, 
die Schweine freffen ihn. 

29. ,NpfiioA«KiMro AlApKa imikk^m m Khpmaa 
i:»iu." Der . . . Marcus Bifchof und Cyrillus Diacon. 
Architektonifchcr Hintergrund. Zwei Darftellungen: 
a) Ein Heiliger wird geköpft. Wahrfchcinlich ilt hier 
Cyrillus Diacon aus Heliopolis in Phönicien, welcher 
unter Julian getödtet wurde, gemeint, b) Ein Heiliger 
wird zwifchen zwei Brettern zerdrückt. Es ilt eine höl- 
zerne Vorrichtung, der Märtyrer liegt auf einem zwifchen 
zwei Pfählen angebrachten Brett, das zweite Brett 
zwifchen die zwei Pfahle eingelegt, kann nach Belieben 
von oben nach unten gefchoben werden. Zwei Diener 
treiben nun in die Pfahlöffnungen mit Hammern Keile 
hinein, um das obere verfchiebbare Brett nach unten zu 
drucken. Von beiden Pfählen hängen nach der Außen- 
feite große hölzerne Hammer, mit denen man die Keile 
hincmfchlagen kann. Der Heilige wird nun zerdruckt. 



das Blut riefelt auf die Erde. Ein dritter Diener fchlägt 
noch mit einem Handhammer darauf. Es ift fraglich, 
ob hier Marcus, Bifchof von Arethufa in Syrien, zur Zeit 
Julian'sgemeint fei. Von feinem Martyrium fchrcibtGrc- 
gorius Naxianzenus. Er ftarb eines natürlichen Todes, 
wurde aber freilich gemartert. 

30. „npillO.VOBHAr* llVAMHA A*CTKHMMMKA.* Der . . . 

Johannes Kiimakteros. Nach Typus 2 mit Spruchband, 
darauf die Worte: llqu c* t*a* hi iich(Aft) R* 
<H\)- Johannes lebte im 6. Jahrhundert, Autor einer 
Schrift „KÄi'fji«^^ Leiter genannt. 

3t. .UptnoAtKHAro otu,4 MimtTa.* Der .... Vater 
Hypatius. Architektonifcher Hintergrund. Zwei Dar- 
ftellungen: uj Hin Heiliger nach Typus 6 fitzt, vor ihm 
ftcht ein Löwe, b) Ein Heiliger wird geköpft. Hypatius, 
Bifchof von Gangrac in Sicilicn, nahm an der erften 
Synode in Nikaca theil, wurde von den Heretikem er- 
fchlagen. 

April. 

, iU-kf*iih jnpHAh.* Bilder: Mond und als Monats- 
bild die Darftellung des Hirfchen aus dem Thicrkrcifc 
mit der Infchrift : wkihh (Taf. II, zweite Bilderreihe). 

1. „llpinoAeeiMj iM.ipTÄ GrHiir-kHNN-k. * Die 

Maria die Acgypterin. Gebirge im Hintergründe. Maria 
als Kremitin dargeftcllt. nur in einem langen Kleid, ein 
Heiliger reicht ihr ein Gefäß. Als fie in der Wüfte als 
Kremitin lebte, kam zu ihr der alte Presbyter Zofymus, 
der fie auf ihre Bitte mit Leib und Blut Chrifti com- 
municirte. Dies rtcllt unferc Sccnc dar. 

2. ,np<uoA*K>*'ro oth4 MAUiir* THTa.* Unfer. . . . 
Vater Tytus. Nach Typus 2 mit dem Spruchband, 
worauf: !li|H ip-kte ckch iihtmihh wcp&aho. 

3. .llptnc-AOEiure ctiv» luunrs HmkTtu ." Unfer . . . 
Vater Niketas. Nach Typus 2 mit dem Spruchband, 
darauf: piMi rocnoAk. hhc» jrouirr n» AAwk htm, \& wtkpk- 
*mt. . Niketas aus Caesarea in Kappadokicn, confeffor, 
Abt eines Kloftcrs in Bithynien, ftarb c. 824. 

4. , llpf iu>AOEHjro WT144 Hamir» riwprT*.* Unfer. . 
Vater Gcorgius. Gebirge im Hintergründe. Zwei Dar- 
ftcllungen: a) Ein Heiliger liegt auf der Erde, nackt, 
nur um die Hüften bedeckt, ein Löwe zerreißt ihn. 
bj Zwei Heilige, Steine um den Hals, werden ins Waffer 
geworfen (Taf. II, Schluß der zweiten Bilderreihe). 

5. ,Clt<ATUf M$MH4MKk tf«\V.SA4, HJK CR IIH.Wh * Die 

heil. Märtyrer Theo<lulos und Genoffen. Architektoni- 
fchcr Hintergrund. Die Sccne zeigt die Enthauptung 
einiger Heiligen. An dem Tage feiert man die Heiligen 
Agathopod Diacon und Theodulos Leflor bei der Kir- 
che in Theffalonike, fie wurden unter Diocletian cinge 
kerkert und dann, Steine um den Hals, im Meere 
ertränkt. Die Darfteilung palst alfo zu der Legende 
nicht. Andere der Woronctzcr Kalender, wo auch 
Agathopodus Gapodas genannt wird. 

6. .GK«T*r» oTU,ä iMiuiro PrTiijriJ, m;k « hh.u.' 
Unfer. .. .Vater Eutychios und Genoffen. Zwei Dar- 
ftcllungcn: a) Kin Heiliger nach Typus 6, vermutlich 
Kutychios, Patriarch von Conftantinope), ftarb c. 582. 
bj Viele Perfoncn im brennenden Haufe 

7. .CKATkij ««mimm 1 : rtwMTa.' Der heil. Märtyrer 
Lonia. Architektonifchcr Hintergrund. Die Scene 
zeigt einen Gekreuzigten, mit dem Kopfe nach unten, 
feine Hände und Füße an das Kreuz angebunden, ein 
Weib kniet und umarmt das Kreuz. Der Name ift 



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- 23 - 



fehlerhaft angegeben, flau Kalliopius wahrfcheinlich 
wollte er Lopia fehreiben. Kalliopius war Sohn eines 
Senators, wurde zum Tode auf dem Kreuze verurthcilt 
und auf Bitte feiner Mutter Thcoklia, einer Chriflin, mit 
dem Kopfe nach unten gekreuzigt, weil fie ihn nicht 
für würdig hielt, fo gekreuzigt zu werden, wie C'hriftus 
war. Das dargeflellte Weib wird feine Mutter fein. 

8. .Gkatmjt antrroAk Hpo.vJoHa, flvMA, P*aa h hk 
t% HHMM * Die heil. Apoftel Irodion, Agab. Rufus und 
Genoffen. Es find drei von den ;o Apofteln. Drei Gewal- 
ten, zwei nach Typus 6, eine nach Typus lo. Irodion, 
Bifchof von Patrac, ein Verwandter des heil. Paulus, 
wurde fammt dem heil. Apoftel Olympus enthauptet. 
Agab, Prophet aus Judaca. Rufus war Bifchof von 
Theben 

9. .CftA-rar« mSiihhka OnPurTA. h* e* mua*." Der 

heil. Märtyrer Eupfychius und Genoffen. Im Hinter- 
grunde Gebirge. Zwei Darftclhingcn : a) Drei Mär- 
tyrer, alle nach Typus 1 in Flammen. Kupfychius 
wurde unter Julian geköpft, b) Einige Heilige werden 
geköpft, der eine Sc! lerge köpft, ein anderer (vielleicht 
ein heidnifcher Priefter) fticht mit dem Dreizack. 

10. .CKATJre CKAlJlfHNOAllS'MHHKA flMTmj, H>K CX 

hhai * Der heil. Märtyrer Bifchof Antippos und Ge- 
nofTcn. Architcktonifchcr Hintergrund Die Scene zeigt 
die Enthauptung einiger Heiligen Antippos, zum 
Bifchof von Pcrgamum vom heil. Johannes Theologus 
geweiht, wurde nach der Angabe bei Ccdrenus in 
einem kupfernen Stiere zu Tode gebrannt. Sein Anden- 
ken wird fonfl am 11. April gefeiert, wahrfcheinlich ge- 
hört auch der Tagcsheilige zu der nächften Darftcllung. 

1 1. .CkaiimhhomS'i'iihka flpTiAt^HA. * Der Märtyrer- 
Bifchof Artimon. Architcktonifchcr Hintergrund. Der 
Heilige, dargcftcllt nach Typus 6, flehend in einem 
Ochfen. Vielleicht gehört die Darftcllung zu dem vor- 
hergehenden Tage. Artetnon nämlich wurde unter 
Diocletian c. 303 geköpft. 

12. , lIp^MICIIIU MfrTHAI'O ii»aca nptCKATkH K»r»p^- 
AHU«." Der Gürtel Marias. Architcktonifchcr Hinter- 
grund. Ein Bifchof (nach Typus 6) an der Spilzc der 
Gcifth'chkcit tragt auf den Händen durch das Gewand 
eine kleine Kille in die Kirche. Vidc den I.emberger 
Kalender zum 31.Au.gurt, welcher das richtiger darflellt. 

13. ,0«ATar» OTiia mahhio AIapthha nanu pw.v- 
cKaro." Unfcr heil. Vater Martin, romifcher Papft. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Zwei Darflellungcn: ,tj Mar 
tinus nach Typus 4, Mitra auf dem Kopfe (nicht Tiara!;. 
bj Drei Heilige werden von zwei Soldaten geköpft. 
Der heil. Martinus wird am 14. gefeiert. 

14. .CxATjre anecr<Mj ilpurrapx'a, 11»; cx mm«.* 
Die heil. Apoftel Ariftarchos und Genofi'en Es waren 
Pudus und Trophymus. Als Hintergrund Gebirge und 
Gebäude. Zwei Darftellungen: aj Zwei Heilige werden 
enthauptet, bj Ein Heiliger, weiß angezogen, wird ent- 
hauptet Ariftarch war Bifchof in Apamea in Syrien, 
Trophymus aus Kphcfus Apoftel, Pudus Apoftel war 
Senator. Alle drei Apoftel wurden c. 64 unter Nero 
enthauptet. 

Ii. r ÜKATklH ,MSM«HHI: npMCMII.Ta, HJK Cf, IIHA\ ' Der 

heil. Märtyrer Pryspent I Cresceritiusl und Genoffen. 
Gebirge im Hintergründe. Zwei Darftellungen: a/ Ein 
Soldat hält eine Märtyrerin heim Hals und ftoßt iiir ein 
Meffcr in die Kehle, bj Ein Heiliger im brennenden 



Ofen. Ein Diener fchiirt das Feuer mit einer Stat gc. 
Siehe zum 30. Juli. 

16. ,Dpfn*A*BHAro Gmawwma, KXfl HHAth. * Unfcr 
.... Vater Symeon und Genoffen. Zwei Heilige, Steine 
an den Hals gebunden, im WalTer. Eine Perfon fehießt 
vom Ufer einen Pfeil auf den Schergen ab, der die 
Heiligen ins Waffcr geworfen hat. Es ift auch möglich, 
dafs diefer Heilige zum nächstfolgenden Tage gehört. 

17. .4}K*TM}' AltfMfHHK GfAMWH, HJKCX NHAt THCÄl|lb 

MMiiy. " Der heil. Märtyrer Symeon und taufend andere 
mit ihm. Im Hintergrund eine Landfchaft, vorn ein 
Baum. Die Scene zeigt viele geköpfte Heilige. Zwei 
Schergen hinter einer Anhöhe fichtbar. Es ift wahr- 
fcheinlich Symeon, Bifchof von Ekbatana und Selcukia 
in Pcrfien gemeint. Unter König Sapor im 4. Jahr, 
hunderte entftand eine große Chriftcnverfolgung, bei 
der 1 1 50 Chriften umgekommen fein follen. Das Fcft 
wird aber „die taufend Märtyrer" genannt. 

18. .Gratai« AiSif hhka Ga«A l oTA-kHMMa.* Der 
heil. Märtyrer Sabas der Gothe. Eine Landfchaft im 
Hintergrunde, vom WalTer, ein Heiliger, einen Baum- 
ftamm um den Hals gebunden, wird ins Waffcr gewor- 
fen, Hände auf dem Kucken zufammengebunden. ein 
Mann ftoßt ihn mit einer Stange ins Waffcr, ein anderer 
fleht mit einem Stocke in der Hand. Märtyrer im 
4. Jahrhunderte. Die Heiden haben ihn fortgefchleppt, 
mit Stöcken und Schwertern gefchlagen, den anderen 
Tag in einem Fluße ertrankt. Vidc zum 24. April. 

IQ. .GRATA! - « AtSUHHKA HwHA RITJf IA, HJK CX MHAV* 

Der heil. Märtyrer Jonas der Alte und Genoffen Archi- 
tcktonifchcr Hintergrund. Drei Darftellungen: aj Ein 
Gekreuzigter nach Typus 1, Hände und Fiißc ange- 
bunden, bj Zwei Heiiigcnköpfc liegen, der eine (Weib) 
mit weißer Kopfhaube, cj Drei Heilige werden geköpft. 
Siehe den Woronetzcr Kalender zum 29. März. 

20. .Grata™ BiwAoea TpTrTHU, H* r* hhauk * Der 
heil. Thcodoros Trichinös und Genoffen. Im Hinter- 
grunde eine Landfchaft. Drei Darflellungcn: <iy Ein 
Eremit im einlachen (härenen) Gewände, daher Trichi- 
na genannt. Kopfhaube nach Typus 3, es ift die Schima. 
b) Ein Soldat köpft einige Heilige, c) Zwei Heilige im 
brennenden Ofen, ein Diener fchurt das Feuer. 

21. .ÜKATaro AiSMfMiiKA A(%\vu'pa, mjk ex hm».* Der 
heil. Märtyrer Theodor und Genoffen. Architcktonifchcr 
Hintergrund. Zwei Darflellungcn: aj Ein ummauerter 
Ort, drinnen liegt eine Heilige (die Theodora) mit der 
Krone auf dem Kopfe. Iiier alfo hat der Kalender, 
machcr auch einen Fehler begangen, b) Gebirge im 
Hintergründe. Drei Märtyrer werden geköpft. Ficlive 
Darftcllung: 

22. ,llpiiio,vcKHjro Oiw.vc-ra Ohkiiwta h »ATaro 

anccTOAA Gma»*MA * Der Theodor Sikiolcs und der 

heil. Apoftel Symeon. Architcktonifchcr Hintergrund. 
Zwei Darflellungcn: aj Ein Heiliger nach Typus 3 mit 
Spruchband, darauf: GTApiM> pi«n. .. Es ift wahrfchein- 
lich der Apoftel Symon gemeint, bj Ein Heiliger, ein- 
fach in langem Kleid (als Eremit), hält einen Gegenftand 
in der Hand. Es ift der heil. Thcodoros von Sykcon in 
Galaticn gemeint, ein Eremit, dann Bifchof von Ana- 
flafiopolis, dann wieder Mönch. Er gründete ein KJofter. 
Der Gegcnftand wird wohl ein Kelch fein, Die Lcgcndc 
crzahlt, er habe einen Diaeon nach Cot ftantinopel ge- 
fehickt, einen Kelch /.u kaufen Der Heilige wollte dielen 
Kelch nicht annehmen, weil < r ihm gtllunken hat. Mau 



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- 2 4 - 



trug ihn zurück und erfuhr, dafs diefer Kelch aus einem 
Silbcrgcgcnftand gemacht worden war, welcher früher 
einem Weibe gehörte, das ihn auf eine unehrliche 
Weife erworben hatte. 

23. „GKATAfO «A*«l»MHKA H IIOK-fc.V,OHCei|A YpHCTOKA 

riwpn*.'' Der heil. Märtyrer und Siegreiche Held Chrifli 
Georgius. Architektonifcher Hintergrund Der Heilige 
wird von vier Schergen auf-- Rad geflochten. In dem- 
felben Naos diefer Kirche befinden fich in der unterften 
Reihe viele Daiftcllungcn aus der Martyriumsgefchichtc 
des heil. Georg. 

24- .Grata™ mS'ifiiiiKA Gakm CT(WTM*aT.>.' Der 
heil. Märtyrer Sabas Stratilates. Im Hintergrunde Ge- 
birge und Gebäude. Der Heilige wird mit gebundenen 
Händen, den Stein an den Hals, ins Waffer geworfen. 
Viele zum 18. April. 

25. «GKATArO AIWCT«A4 H IMHHAHCTA AlapKA • Der 

heil. Apoftel und Evangclift Marcus. Architektonifcher 
Hintergrund. Der Heilige, an den Hals des Pferdes mit 
den Fußen angebunden, wird zu Tode gefchleift, ein 
Diener treibt das Pferd mit der Peitfche. Vide den 
Woronetzcr Kalender. Nach der Legende wurde er 
von den Menfchcn, die Schnur um den Hals, in den 
Galten herumgcfchleppt und gefchlagen. 

26. .CsATitro mSmihhka I'iACHaTa.* Der heil. Mär- 
tyrer Bafilius. Nach Typus 6 Rad litis war Rifchof in 
Amafia unter Conftantin und Licinius, wurde ent- 
hauptet. 

2/. , Gr ATAI*© AtS'IIHHKA GtlMtWItA CftpW,VIHKA rc~ 

ciuwut .* Der heil. Märtyrer Symeon, Anverwandter 
Gottes. Architektonifcher Hintergrund. Der Heilige ift 
gekreuzigt, Hunde und Füße angebunden, hat Mantel 
und Epitrachclion an. Symeon, Rifchof von Jerufalem, 
Sohn des Apoftels Kleopas, des Bruders von Jofeph, 
tlem Bräutigam Marias, wurde c. 106 gekreuzigt. 

28 ,Gratu\- aiöcto.ix Iac*ha h GtriiiiATpA 11 cr. 
aiSuhhka (Hafllau. • Die heil. Apoftel Jafon und Sofi- 
patcr und der heil. Märtyrer Maximus. Dargeftcllt find 
drei Heiligengcftalten, die in der Mitte nach Typus 6, 
die zwei anderen nach Typus 10, beide mit Rollen. 

29 ,IFp»u©.\cBHar«' (Uiawkmu qkfAfTKCrtiia " Der 
. . .Memnon Thaumaturgos. Nach Typus 2. 

30. .GRATArO AHSCTCAA laKWRA GpATA lU'AHA KOIV- 

caora.* Der heil Apoftel Jacobus, Bruder des Johannes 
Theologus. Im Hintergründe Gebirge und Gebäude. 
Der Heilige wird knieend enthauptet. So auch die 
Legende. 

Mai. 

,A\-fccAH> mah." Bilder: Mond und unten als 
Monatsbild die Darftellung des Stieres aus dem Thier- 
kreifc mit der Infchrift: *n<u,h. 

1. „Gratai'0 (ipcptKA lip.MMÄ.' Der heil Prophet 
Jeremias. Im Hintergründe Gebäude und Gebirge. Der 
Heilige wird geköpft, Hände zufarnmcngeb'.indcn. Die 
Darftellung paf-t nicht, denn der Prophet wurde von 
den Juden gefteinigt. 

2. „Gkatijh tlAAiiam aai ftjH.vpxcKare * Der heil 
Athanafias von Alexandria. Nach Typus 4 Vide zum 
18. Januar. 

3. ' „Gratwh mUmimmk Thalia, hm c* hha\k ." Der 
heil Märtyrer Timothaeos und Genoffen. Archilekto- 
nifcher Hintergrund. Zwei Darliellungen : a) Zu ei Ge- 
kreuzigte, Handc und h.ilic .111 das Kreil/ angebunden. 



der eine nackt, nur um die Hüften bedeckt, die Heilige 
im weißen Hemd. Ks find Timothaeos und feine Gattin 
Maura gemeint, welche c. 286 unter Dioclctian eines 
vis -a-vis dem andern gekreuzigt wurden, b) Zwei Mär- 
tyrer werden geköpft. 

4 „Gkatmä AiSmiiHit« IIiAArlÄ.* Die heil. Märty- 
rerin Pelagia. Nach Typus 20 mit dem Kreuze in der 
linken Hand. Peiagia aus Tarfos, Märtyrerin unter 
Dioclctian. 

5. ,Gkatmä mSmihhiia (!) IfpkiiikJ " Die heil. Mär- 
tyrerin Irene. Dargeftcllt mit der Krone auf dem Kopfe, 
das Kreuz in der Rechten. Lebte um das Jahr 100, gilt 
aber als eine ferbifche Heilige. 

6. «Grataiv h iiaariahaiv Iwra.' Der heil, ge- 
rechte Job. Nach Typus 1 mit der Rolle. 

7. .K&CrtOMHIUHTl HSK HA IIIBICH QRASIIiarOC ailAMIHU 

•iicthai'o KpiCTA rx CRATk.uh PpA.vfc. " Erinnerung an die 
Erfcheinung des heil. Kreuzes in der hei! Stadt (Jeru- 
falem), Architektonifcher Hintergrund. In der Mitte 
ein großes Kreuz (in Gold). Von beiden Seiten fteht das 
Volk, vorn der Kaifcr und der Patriarch und zeigen 
einander die Erfcheinung des Kreuzes. Vide den Lem- 
berger Kalender zu demfelbeti Tag. 

•S. .Grata™ AiiecTOAj i iv.»rriAHCTA lwAHnaliororAoi:.i 
h iipincAC'Kluro flpciHi'a Kiahkai'».* Der heil. Apoftel 

Evangelift Johannes Theologus und Arfcnius 

der Große. Zwei Hciligengeftalten, die eine nach Ty- 
pus 10 mit dem Ruche in der Hand, in welchem paar 
Worte geschrieben ftehen: ,rx HAiAA-k K-k ca»ro", An- 
fang vom Evangelium Johannes, die andere nach Ty- 
pus 2 mit dem Spruchband, worauf: .tipATU npiH v/kri 
KXCK»(rk ha. . Vide zum 26. September. 

9. »(»rat Ar* iipepeKA Icaii».* Der heil. Prophet 
Jefaias. Architektonifcher Hintergrund. Der Heilige, 
nackt, nur um die Hüften bedeckt, ift an eine Säule 
gebunden und wird von vier Dienern entzweigefägt. . 
Er wurde auch nach alter Tradition auf Befehl des 
Königs ManalTia zwifchen zwei Brettern entzweigefägt. 

lO- » G.RAT APO AtlOCTVAA GlAtU'HA 3hA0TA. 4 Der 

heil. Apoftel Symeon Zelotes Architektonifcher Hin- 
tergrund. Zwei Darftellungen: a) Ein Heiliger gekreu- 
zigt, Fuße und Hände an das Kreuz angebunden, ein 
Soldat fchwingt das Schwert, um dem Heiligen die 
Fuße abzuhauen. Symeon wurde auch Kananites ge- 
nannt, weil er aus dem galilacifchcn Cana (lammte, und 
Kana heißt hebraifch Eifer — Ct,).o;, daher Zelotes 
genannt, wenn es überhaupt kein griechifches Wort ift 
und nicht den „Eiferer - ' bedeutet. Wurde gekreuzigt. 
b) Zwei Heilige werden geköpft. Fictive Darftellung: 
1 1. ,Gr*tai'o aiS'hiihka iUokia, h* ex HH.«k 4 Der 
heil. Märtyrer Mokios. Zwei Darftellunge-.;: a) Ein Hei- 
liger liegt nackt auf der Erde, nur um die Hüften be- 
deckt, ein Low e fpringt auf ihn. Eine Legende cr/.ahlt: 
die wilden Thiere wollten ihn nicht zerreißen und wurde 
er enthauptet- /'.; Ein Heiliger, im Hemd, liegt auf der 
Knie, zwei Männer fchlagen ihn mit Ruthen. 

12 ,GKAThl\' (SFIH^AhTi H PipAUKA ApffinMCKOMA 

Kmi ctahthiia rpA,\a-' Architektonifcher Hintergrund. 
Zwei Gcftaltcn, eine nach Typus 6. die andere nach 
1 ypu> 4. Epiphanios, Bifchof von Cypr im 4. Jahr- 
hunderte, German, Patriarch von Omflantinopel, feit 
7 1 3 bis 740. 

13. .Gkatw-* m$'i«Hiiit.A TahkipTa." Die heil. Mär 
tyrerin Giykeria. Architektonifcher Hintergrund. Zwei 



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- 25 - 



Darftellungen: a) Im Gebäude fitzen bei Tifch die Hei- 
lige und ein Engel, auf dem Tifche liegt Brot und 
andere Sachen, b) Kin Heiliger, nackt, nur um die 
Hüften bedeckt, liegt auf der Erde, ein Mann durch- 
bohrt ihn mit einer Lanze, ein Lowe fpringt auf ihn. 
Dem Künftlcr ift ein Fehler unterlaufen. Dies wird 
Glykeria fein, eine Jungfrau aus Trajanopolis, wurde 
unter Anton inus in Hcraklca einer Löwin vorgeworfen 
und zerrifTen. 

14. .GKATAr© AtSMfllHKA lcH,\,OpA, H»; Cft HIIAXh.* Der 

heil. Märtyrer Ifidor und Genoflen. Architektonifcher 
Hintergrund. Zwei Darftcllungen: a) Ein Heiliger wird 
geköpft. Wahrscheinlich Ifidor von Chios gemeint, 
welcher c. 251 geköpft wurde, b) Eine Heilige wird 
gefteinigt. 

1 5. .IIfMM«A*CH<*re ©tu,a HJiuir© Hajcmia EiAHKAr©.* 

Unfer. .Vater Pachomius der Große. Im Hintergrunde 
eine Landfchaft. Der Heilige, dargcftcllt als Eremit 
{nach Typus 19). Vor ihm fleht ein Engel als Mönch 
angezogen, weil er dem Heiligen zeigen wollte, wie die 
Mönchsklcidung befchaffen fein foll, in der Hand das 
Spruchband, darauf: flmAk ■•©cn«A«Hk pi«o k» UAr©A\I< : 
chu»h(m) «B(tAacM ii».. (foll weiter flehen: no.v«KA»T 
hh©k©m o.vkBATM c*). Dasfelbe Bild befindet fich auch 
auf der Außenwand an der Südfcitc. Pachomius war 
aus Aegypten, gab neue Klollerregcl. Er hatte eine 
Vifion, die eben dargcftcllt ift. Seine Wunder und 
Scenen aus der Lebensgefchichte, worunter auch das 
eben bcfprochcnc Bild, befinden fich dargcftcllt an der 
nordlichen Wand. 

16. ,llpin©A©BHAr« ©tiia 6i«a©Pa, hxc ch hh«.' Der 

Vater Theodor und GenofTcn. Architcktonifcher 

Hintergrund. Viele Heilige werden geköpft. Thcodorus 
aus Aegypten, Schüler des heil. Pachomius ftarb c. 368 
im Kloftcr, wurde alfo nicht geköpft. 

17. ,CKATAr« jnfCTOAA flHAP©HHKA, H!K (% HHMk. * 

Der heil. Apoftel Andronicus und GenofTcn. Archi- 
tektonifchcr Hintergrund. Zwei Gellalten, beide nach 
Typus 6. Andronicus, Bifchof in Syrmicn in Pannonicn, 
feine Gattin Junia wurde vom heil. Apoftel Paulus auch 
Apoftel genannt. Vielleicht ift auch fie dargcftcllt. 

18. „CnAVTArO Al&lfMHKA 0IW,VATA, HJK C* HHiW. * Der 

heil. Märtyrer Theodatus und GcnofTen. Im Hinter- 
gründe Gebirge und Gebäude fichtbar. Zwei Darftel- 
lungen : a) Ein Heiliger wird enthauptet. Thcodot aus 
Ancyra wurde c. 303 enthauptet, b) Ein Heiliger, den 
Stein an den Hals angebunden, wird ins WalTer. gewor- 
fen. Damals zur Zeit des Thcodotus lebten in Ancyra 
fiebcn Jungfrauen, unter ihnen eine Namens Euphrafia, 
alle wurden mit den Steinen an den Hals im See 
ertränkt, Thcodotus zog fie heraus, beerdigte fie, wofür 
er auch nach vielen Martern enthauptet wurde. Dies 
wird unfer Bild darfteilen. 

19 .Gtuvraro HatphkTa iiihckoiia.* Der heil. Bifchof 
Patrikios. Nach Typus 6. 

20. 'Gkatai*© .wSmiiHKA Oamma * Der heil. Mär- 
tyrer Thalclaeus. Architcktonifcher Hintergrund. Zwei 
Märtyrer werden geköpft. Thalelaeus, ein Jüngling, Arzt 
in Egal in Cilicicn, wurde lammt den Soldaten Ale- 
xander und Afterius, welche ihn enthaupten folltcn und 
bekehrt wurden, unter Numcrian enthauptet. 

21. .Oratmx* Kcmctamtmma h (;aihw.* Die heil. 
Conftantin und Helena. Beide dargeflelit wie gewohn- 
lich, mit den Kronen, beide ein Kreuz haltend, welches 

XXIV. N. F. 



zwifchen beiden fteht. E ; ne geläufige Darftellung, 
welche jedoch eigentlich nur auf das Fcft der Kreuz- 
erhebung fich beziehen follte. Sie wurde beliebt, weil 
fie in finnreichcr Weife zeigt, dafs Conftantin derjenige 
war, welcher die Verehrung des Kreuzes angeordnet, 
dasfelbe gleichfam als eine von allen zu verehrende 
Standarte aufgeftellt hatte. 

22. .GkMTAI© MtfMIHHKA EAfHAUCKA, HJK C* HHAtfc.* 

Der heil. Märtyrer Bafiliskos und GenofTcn. Architckto- 
nifcher Hintergrund. Zwei Darftellungen: a) Ein Heili- 
ger nach Typus 6 halt den Kopf über dem Feuer, b) Ein 
Heiliger nach Typus 19, ein Diener hält ihm den Kopf mit 
dem Mund nach oben, ein zweiter gießt ihm etwas aus 
dem Krug in den Mund, während ein dritter ihm mjt 
der Lanze die Kehle durchficht. Ein anderer Diener 
bringt einen vollen Krug auf dem Kopfe herbei, auf dem 
Boden aber fteht über dem Feuer ein Kcffel, in welchen 
er die Flüßigkcit aus dem Krug hineingießen wird, um 
fie zum Sieden zu bringen. Eine fchr iiitcrcfiantc und 
feltenc Darfteilung, welche auch vom Standpunkte der 
Kunft zu den belferen gehört. Der heil. Bafiliskos, Soldat, 
wurde mit Eutiopius und Callinieus geköpft. Es war 
unter Maximian. Ihre Enthauptung ftcllt auch der 
Woronetzer Kalender dar. Der Suczawitzer Kalender 
hält fich offenbar an eine andere Legende. 

23. .liptn»A»BH4r© /Hhx"AH<»a " Der Michael. 

Architcktonifcher Hintergrund. Der Heilige ift darge- 
flelit nach Typus 2 mit dem Buche in der Hand. Es wird 
wahrfcheinlich der Bifchof von Synnad gemeint fein. 

24. „ ITpiM© AORi'Ar© ©tiia Ghamwiia ." Der. . . .Vater 
Symcon. Architcktonifcher Hintergrund. Dargeflelit als 
St> lites, wie zum 1 September. (Taf. ILdritte Bilderreihe). 

25. .TpiTM WBp-kTIHM IhCTHUA TAAKU lipi,V,TIKKU. * 

Die dritte Auffindung des Kopfes des heil. Johannes 
des Täufers. Im Hintergründe Gebäude und Gebirge. 
Die Darftellung ift gewöhnlich, wie auch in dem Lem- 
berger Kalender. Ein Bifchof [Typus 6) an der Spitze 
der Geifllichkeit und des Volkes findet in der Erde 
das Haupt (Taf. II, dritte Bilderreihe, reicht bis 1. Juni}. 

26 .CnATAro anecTOAA KiipiM." Der heil. Apoftel 
Carpus, nach Typus 6, 

27. ,GRATAr« ArtWHHKA 0»pAn*MTA." Der heil. Mär- 
tyrer Therapontcs. Architcktonifcher Hintergrund. Der 
Heilige liegt nackt, nur um die Hüften bedeckt, auf der 
Krde. Drei Soldaten fchlagen ihn mit Stöcken. Wahr- 
fcheinlich ift hier Therapontcs, Bifchof von Sardcs 
gemeint, welcher aber c. 259 enthauptet wurde. 

28. „npin©A«RHAr« ©Tita HAUiiro IIhkTtw." Unfer 
. . .Vater Nikctas. Architcktonifcher Hintergrund. Der 
Heilige nach Typus 6. fteht auf dem Scheiterhaufen, 
ein Soldat fchürt das Feuer. 

29. .OkmtkiA MÜMfHMHÄ 6i©a©cIaV" Die licil. Mär- 
tyrerin Theodofia, wie Tyi >us 1 °h"e Kopfbedeckung';!). 

30. , npinoA^CHar© «tha irAiutr© Hcjma ' Unfer. . . 
Vater Ifaakios. Nach Typus 2 mit der Holte. 

31. .Chat Ar© aiioctoaa tSpMÜ. hjk r* hiiax • Der 
heil. Apollel Hermes Jeremias) und GenofTcn. Gebirge 
im Hintergrunde- Zwei Darftcllungen: a) Ein Heiliger 
kniet, ein Scherge hält ihn von rückwärts, ein anderer 
flicht ihm die Augen aus. Hier ift Jeremias der Mär- 
tyrer, nicht aber der Apollel dargeflelit. Ihm wurden 
die Augen ausgeftochen, die Haut vom Gcfichtc herun- 
tergezogen, worauf er enthauptet wurde. Siehe den 
Woronetzer Kalender, bf Viele Heilige im brennenden 

4 



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- 26 - 



Gebäude. Dies ift wahrfcheinlich die fictive Darftcllung 
des .mjk cx hhm* und Genoffen. So hat der Künftler 
einen Heiligen oben gefchrieben und das Martyrium 
eines andern gleichnamigen dargcftcllt. 

Juni. 

,<H'fcrAU> I«hTi.' Bilder: Mond und unten als 
Monatsbild die Darfteilung der Zwillinge aus dem Thier- 
kreife mit der Infchrift: eah3h«u,k (Taf. II, dritte Reihe). 

1. .GrATAI - « AMVlIHHKA ItfCTHHA MJK CX MMM. * Der 

heil. Märtyrer Juftinus und Gcnoflen. Im Hintergrunde 
Gebirge und Gebäude. Die Darftellung zeigt die Ent- 
hauptung einiger Heiliger. Juftinus der Phiiofoph, 
fchrieb eine Apologie des Chriftenthums, wurde c. 166 
unter Marcus Aurclius enthauptet (Taf. II, Schluß der 
dritten Reihe}. 

2. .Grat Are öth<j HAitnre Hhkü£«pa nACTpiApxA.* 
Unfer heil. Vater Patriarch Nikephoros. Nach Typus 4. 
Der Patriarch von Conftantinopel. 

5. „Grat Are mSwhhka iÜkhaiaha, mn cx hhmi».* 
Der heil. Märtyrer Luciiianus und Gcnoflen. Architek- 
tonifcher Hintergrund. Zwei Darftellungcn: u) Ein Hei- 
liger, gekreuzigt, Hände und Fuße an das Kreuz an- 
gebunden. Es ift Luciiianus aus Nikomedia, war ein 
heidnifcher Priefter, wurde unter Aurelian gekreuzigt, 
und zwar wurde der ganze Körper mit Nägeln ange- 
l'chlagcn. bj Einige Heilige werden geköpft. Es find 
wahrfcheinlich die vier Jünglinge Claudius, Hypatius, 
Paulus und Dionyfius und die Jungfrau Paula gemeint. 

4. .Grata™ ©tua hau»™ AlHTpt^ANA.' Unfer heil. 
Vater Mitrophancs. Nach Typus 6. 

5. .Grata™ mSmihhka A*P*AM ' Der heil Mär- 
tyrer Dorothacus. Nach Typus 6. 

6. ,npinoA»RHaro otha hauiip« HaapTcha H«ra™.* 
Unfer . . . Vater Hilarion der Neue. Nach Typus 2 mit 
Rolle. War aus Kapadokien, dann Abt des Dalmatos- 
Klofters, ftarb 845. 

7. „G MIT Ar*0 MSlIHHKA &IO\iTi, MJK t% NHAl.* Der 

heil. Märtyrer Thcodotus und Gcnoflen. Architektoni- 
fchcr Hintergrund. Die Scene zeigt die Enthauptung 
zweier Heiliger. Vidc zum 18. Mai. 

8. .Grata™ mKmihhka 9<oa°P' ctpathaata.* Der 
heil. Märtyrer Theodor Stratitalcs. Architektonifcher 
Hintergrund. Der Heilige ift dargcftellt nach Typus 1, 
in der Rechten das Kreuz als Zeichen feines Martyriums, 
in der Linken das Schwert als Zeichen feines Soldatcn- 
ftandes. Vide zum 8. Februar. 

y. „Grata™ otha haku™ KvpiAA, h>k cx hhau» • 
Unfer heil. Vater Cyryllus und GenoiTcn. Zwei Dar- 
ftellungen: a) Ein Heiliger, dargcftcllt nach Typus 4. 
Es ift Cyryllus, Patriarch von Alexandria. Er ftarb 444. 
b) Einige Heilige werden von einem Soldaten geköpft. 
Der Teufel kommt herangeflogen von oben und fetzt 
dem Soldaten einen Hut auf den Kopf. 

10. .Grata™ M8miiiiKA Thmca«a iip»cKaro iok rx 
MH*k.* Der heil. Märtyrer Timotheus aus Bruiia (in 
Hithynicn) und Gcnoflen. Architektonifcher Hinter- 
grund. Zwei Darftellungcn : a) Ein Heiliger wird ge- 
köpft. Es ift Timotheus, Bilchof von BrulTa in Hithy- 
nicn. wurde c. 362 enthauptet, h) Zwei Heilige aul dem 
Scheiterhaufen, ein Diener fchurt das Feuer. 

I I „GKATHg AII*<TfA* RaPAn"Av«MIA II ÜApUAKA.' Die 

heü. Apoftcl Bartholomaus Lind Barnabas. Architekto- 



nifcher Hintergrund. Zwei Darftellungen: a) Ein Heili- 
ger, nackt, nur um die Hüften bedeckt, ift gekreuzigt, 
Hände und Füße an das Kreuz angebunden. Es ift 
Bartholomacus gemeint, welcher zweimal gekreuzigt 
wurde, fchließlich wurde er enthauptet, b) Ein Heiliger, 
dargcftcllt nach Typus 6, wird gefteinigt, vor ihm kniet 
ein anderer. Es ift der heil. Barnabas, einer von den 
70 Apoftcln, wurde in Salamina gefteinigt, der zweite 
ift wahrfcheinlich Johannes Marcus, welcher ihn be- 
erdigte. 

12. , TIptncA 01 ' HAro OHgippTa h IIiTpA aaohcka™.' 

Der Onuphrios und Peter von Athos. Gebirge als 

Hintergrund. Zwei Darftcllungen: a) Eine Grotte ficht- 
bar, drinnen der Heilige nach Typus 17 wie gewöhnlich. 
b) Vor einer Grotte fitzt ein Heiliger, Eremit, ebenfalls 
nach Typus 17. Beide alfo gleich dargcftellt. Peter 
war ein Grieche, diente beim Militär, wurde dann 
Mönch auf Athos, ftarb c. 734. 

13. .CrATUÄ MltalHHU,* flKTAHHM, MX fR IIHMfc ' 

Die heil. Märtyrerin Akilina und GcnofTcn. Zwei Dar- 
ftellungcn: a) Die Heilige wird enthauptet, fie ift dargc- 
ftellt nach Typus 20- Akilina lebte im 3 Jahrhunderte. 
Nach der Legende ftarb fie vor der Enthauptung b) Die 
Scene zeigt die Enthauptung vieler Heiligen. 

14. «GrATAro npcpoKA Gahma.' Der heil. Prophet 
Elifacus. Architektonifcher Hintergrund. Der Heilige 
ift dargcftellt nach Typus 10 mit dem Spruchband, 
darauf: Pim Bahcih kx Iamh: a* R*A rr A*X k >khkx t . ■ 
Als Elias zu dem Elifacus fagte: „Bitte von mir, was dir 
erwünfeht wäre", da fagte der letztere: „Dein Gcift foll 
in doppelter Kraft auf mich ubergehen*, und diefe 
Worte enthält fein Spruchband. 

15 .Grata™ npopoKA flMOca.* Der heil. Prophet 
Arnos. Architektonifcher Hintergrund. Der Heilige 
dargeftellt nach Typus I mit dem Spruchband, darauf: 

ExBUU/fcTf A* B P* A m 3Aa > HK * A* XMRfT* H RAA»T 

tak».. Worte aus dem Buche feiner Prophezeiungen. 
Er lebte zur Zeit des Königs Jeroboam II. von Israel. 

16. ,GRATAroi»A«Tsepu,A Tmxoha.' Der heil. Thau- 
maturgos Tycho. Nach Typus 2. Architektonifcher 
Hintergrund. Tycho war Bifchof in Amathunta auf 
Cypcrn, Harb c. 425. Er cultivirtc den Weinbau. Weil 
fein Name im Ruffilchcn (TMjffr-) •ruhig" 1 bedeutet, fo 
gab das Anlafs zur Bildung von Legenden und Aber- 
glauben. Es heißt nämlich, dafs am Tychos-Tage 
alles ruhig wird. Die Mutter Erde wird ruhig, die Sonne 
fchrcitet ruhig am Himmel, die Vögel, die Sänger 
verdummen etc. (P8cck1A RicTHHKX 1872. Buch 8). 

t7. .GkATM^ MtJMIHHKfc AlAH*HAA, GARIAA, HtMAHAA.' 

Die heil. Märtyrer F.manucl, Sabelius, Ismael. Alle drei, 
nach Typus 1 3, werden von zwei Soldaten geköpft. Es 
waren Brüder aus Perfien. Als fie unter Kaifer Julian, 
erzählt die Legende, geköpft werden folltcn, entdand 
ein Erdbeben und die Erde verbarg fie. 

lS .Grata™ mSmihhka dm-M-ru. * Der heil. Mär- 
tyrer Lcontius. Der Heilige liegt auf der Erde, nackt, 
nur um die 1 lüften bedeckt, an jeder Hand und an den 
Füßen find kleine Bretter angebunden, zwei Soldaten 
hauen ihn in Stücke, der eine mit dem Snbcl, der 
andere mit einem Hammer. Leontius, ein Grieche, war 
Befehlshaber in Tripolis in Phönicicn, wurde nach einer 
Legende bei den Füßen aufgehängt und fein Körper 
zcrfchnilten, nach einer anderen Legende auf vier Stan- 
gen hingeftreckt und zu Tode gefehlagen. 



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- 2" ~ 



19- .OnATare ahoctc-aa \t\u eoata rocnoAMt " 

Der heil. Apoftel Judas. Bruder Chrifti. Nach Typus 10 
mit Rolle. 

20. ,Gr*tjmv mnHihhka M<a«aTa, hx ck hhav* Der 
heil. Märtyrer Methodius und Genoffen. Im Hinter 
gründe Gebirge und Gebäude Die Darfteilung zeigt 
die Enthauptung einiger Heiligen. Wahrscheinlich ift 
hier Methodius, Bifchof von Patara gemeint. Seine 
Lebcnsgcfchichte ift wenig bekannt Er wurde unter 
Maximinus enthauptet. 

21. „G&ftTAr« M$<MHHtU I8AIAMA OapCIHCKAr«, H3K CK 

HHMk.* Der heil. Märtyrer- Julianus aus Tharfos und 
Genoffen, Gebirge im Hintergründe. Zwei Darftcllungcn: 
a) Ein Heiliger wird im Korb vom Ufer ins WafTer 
hinuntcrgelaffen. Julian aus Tarfos in Kilikien wurde 
unter Dioclelian in einem Sack voll Sand und Schlangen 
ins Meer geworfen, b) Zwei Heilige werden geköpft. 
Sind wahrfcheinlich feine Mutter und fein Sohn gemeint, 
wenn die Darftclhing nicht fiftiv ift 

22. .Okatato mBmihhka Greift!*, WM CK HHM * Der 
heil. Märtyrer Eufcbius und Gcnoficn. Zwei Darftellun- 
gen: a) Ein Heiliger nach Typus I wird geköpft Eufc- 
bius, Bifchof von Samofata, wurde zur Zeit Gratian's 
von einer Arianerin erfchlagen. welche ihm den Kopf 
mit einem Gefäß cinfehlug. Unfer Kalender ftellt das 
typifch dar als eine Köpfung. b) Zwei Heilige auf dem 
Scheiterhaufen zwei Manner fehütten aus Krügen 
Waffer auf fie. 

21- «GftATUA M*<MHHU,A fll'pilllHHU, M* CK MM.W-' Die 

heil- Märtyrerin Agrippina und Genoffen. Gebirge im 
Hintergründe. Die Sccne zeigt die Enthauptung 
mehrerer Heiligen durch zwei Soldaten. Agrippina, 
eine Römerin, Märtyrerin unter Diocletian; fie wurde 
mit Stöcken gefchlagen, dafs die Knochen gebrochen 
wurden. 

24 ,Po;kaict«o ■ticTdaro nptpeKA npiA/rwk Kp»erM- 
TiAt [waiiha* Die Geburt des ehrwürdigen Propheten, 
des Vorläufers des Taufers Johannes. Architektoni- 
fcher Hintergrund, ein Tuch hängt über zwei Dächern. 
Das Bild zeigt die Bewirthung der Gaftc im Haufe des 
Zacharias und der Elifabeth. Auf dem Tifchc fteht ein 
großer Blumentopf. Ungewöhnliche Darfteilung. Anders 
in Woronetz. 

25 «ClATklA npinoA^KHOMSMfHMU* 4>mpoiMA * Die 
heil Märtyrerin Febronia. Typus 22. 

26. .npiiio.vcKiuro * Der. . . .David. Nach 
Typus 2 mit der Rolie. 

27. Jlp»noA*6HAro GammI'vha crpAHenpTiMiia * Der 

Samfon Xenodochus. Nach Typus 2. War in 

Conftantinopcl, gebiirtig aus Korn. 

28. . RKSRpaujmTi AieiiitAi cratm^ KicpttspKHHK Kvpa, 
Iwahha.* Die Rückerwerbung der Reliquien der Heiligen 
Cyrus und Johannes. Zwei Heilige dargcflellt, der eine 
nach Typus 2, der andere nach Typus 6. hinter ihm 
flehen Leute. Keiner von beiden war Bifchof. Vide zum 
3 1 . Jänner. 

29. .(iRATUJC AnotTCAalTiTpa hTIakiU * Die heil. Apo- 
ftel Petrus und Paulus. Architcktonifcher Hintergrund. 
Zwei Darftellungen: a) Hin Heiliger, nackt, nur um die 
Hüften bedeckt, ift gekreuzigt, mit dem Kopfe nach 
unten, Hände und Füße an das Kreuz angebunden. Es 
ift der heil. Petrus gemeint, b) Ein Heiliger liegt auf der 
Erde, nackt, nur um die Hüften bedeckt, wird mit dein 



Schwert von einein Schergen gehauen. Der heil. Paulus 
wurde enthauptet. 

30. ,C*Ewp CKATkiy diiccTOAX ki.* Die zwölf Apo- 
ftcl. Architcktonifcher Hintergrund, Dargeftellt zwölf 
Geftalten nach Typus io. 

Juli 

,Al-fccAVi »Alf.» Bilder: Mond und unten als Monats- 
bild die Darfteilung des Krebfes aus dem Thierkreifc 
mit der Infchrift: pAK. 

1 .OHATWX KICplBpKMMK M <*»A«Tt«plU. KC3MA H 

,\d.uiAii.' Die heil, armen Thaumaturgcn Kosmas und 
Damian. Werden gefteinigt von zwei Schergen. Es 
waren Aerztc, welche im 3. Jahrhunderte lebten und 
unentgeltlich heilten, weshalb man fie K<srpiRp«HHHKH 
nannte; aus Neid hat fie dann ein heidnifcher Arzt 
unter einem Vorwand hinausgelockt undgefteinigt. Vidc 
hier zum 1. November. 

2. „ricAOKIHII •KCTH-kll pH.rfc K«ropoAmt/ft(!) • Die 
Aufbewahrung des ehrwürdigen Gewandes der Mutter 
Gottes. Architektonifcher Hintergrund, die Kirche dar- 
ftellcnd. Der Patriarch (Typus 4) und der Kaifer {mit 
der Krone) legen ein Gewand in eineKifte. Hinter dem 
Patriarchen flehen viele Perfonen. Vide den Lember- 
ger Kalender. 

3. ,G&/ftT«rO M8HIMHKJ Iak?HAJ(')> H3K CK HHM.' Der 

heil. Märtyrer Hyacinthus. Vide zum 18. Juli. Zwei 
Darftellungen: a) Ein Gebäude mit Thürmen, innerhalb 
des ummauerten Raumes liegt ein Heiliger. Es ift der 
heil. Hyacinthus gemeint, welcher zur Zeit Trajan's 
lebte, er wurde in den Kerker geworfen, wo er den 
Hungertod Harb, b) Zwei Heilige werden geköpft. 
Schabloncnartigc Darftellung des ,iuic c* mhm* = und 
Genoffen. 

4- ,Gn*T4r© «t ha HAUiiro J1ha«a* (ftatt: i1hap<a). 
Unfer heil. Vater Andreas. Nach Typus 6. Architekto- 
nifcher Hintergrund. Andreas war Erzbifchof von Kreta, 
ftarb 7 1 3. 

5- .flpfnOAOBHAr« C-TU.A HAUtir* AaAHAcTa AAOUh- 

CKAI'C>. " Unfer . . . Vater Athanalius von Athos. Archi- 
tcktonifcher Hintergrund. Der Heilige dargeftellt nach 
Typus 3 mit dem Spruchband, worauf: Mko iiamaa» 
oath (ftatt: iiäth) khkota, hk npii. . Er war Klofter- 
gründer auf Athos, ftarb c. 980. 

6. ,<)TUA HAIIIil'« GmCOJ EfAHKArO, H)K CK HHAV * 

Unfer Vater Sisoc der Große und Genoffen. Zwei Dar- 
ftellungen: aj Gebirge im Hintergründe, auf der Erde 
liegt ein offener Sarg, in dem der Korper fich befindet. 
Vor dem Sarg fteht ein Heiliger. Die Sccne ftellt dar, 
wie er vor feinem Tode mit den anderen Klofterbrüdern 
über die Vifionen fprach, die er hatte, bi Ein Heiliger 
wird geköpft. Eine fictive Darftellung. 

7. f HpinC-AtCHMf C-TlUk HAUlHJf 0OA\M, HJK KK «KaAIH.* 

Uni'ere. ..... .Vater Thomas aus Malca Dargeftellt 

nach Typus 2 mit der Rolle, die er durch das Gewand 
hält. Thomas, ein Münch auf Athos. Er lebte im Vor- 
gebirge Malca, dem örtlichen Theile von Athos. Starb 
im 10, Jahrhunderte. 

8. ,GKAT4rO MAHKC-AtttmHHKA I1p«K«nU, H5K CK IIH.M.* 

Der heil. Großmärtyrer Procopius und Genoffen. Im 
Hintergründe eine Landfchaft. Ein Heiliger wird ge- 
köpft, der andere kniet und betet. Procopius aus Jeru- 

4« 



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falcm wurde c. 303 enthauptet, vor ihm noch feine 
Mutter. 

9. .CKATAr» CBAI|IIHN*At1$1<HMK4 UtHK^iTU, HÜC CK 

hh.h * Der heil. Märtyrer- Presbyter Pancratius und 
Genoffen. Zwei Darftcllungcn: a) Ein Heiliger nach 
Typus 6 im brennenden Ofen. Ks wird kaum der heil. 
Pancratius gemeint fein. Kr lebte im I. Jahrhunderte, 
war Hifchof von Taormina in Sicilien, wurde in eine 
Bergkluft geworfen und mit Steinen verfchüttet. b) Ge- 
birge im Hintergründe. Drei Heilige werden geköpft. 
Kicftive Darftcllung. 

10. .GkATMX Ml MBHfHHK, H3K KU HllKWIOAll * Die 

heil. 45 Märtyrer in Nikopolis (Armenien). Im Hinter- 
grunde eine gebirgige Landfchaft. Das Bild enthält 
verschiedene Sccnen, welche jedoch wahrfcheinlich nur 
auf die genannten 45 Märtyrer Bezug haben, fo dafs 
alles nicht in einzelne Darftellungen zu gliedern, fondern 
als ein Ganzes zu betrachten ift. Man ficht zunächft viele 
Häufer in lirand, zwei Heilige, einer nach Typus 6, der 
andere nach Typus 3, ftchen und jammern. Weiter unten 
werden einige geköpft; zu unterft lieht man zwei Heili- 
ge, nackt, nur um die Hüften bedeckt, auf der Krde am 
Rücken liegen. Alle Märtyrer unter Licinius. Meta 
phraftes CXV p. 340, weiß nur von ihrer Verbrennung, 
erzahlt aber auch, dafs ihnen früher die Glieder abge- 
hauen worden find. Dies dürfte unfer Bild darftcllcn. 

11. .Gkatua m»m»hhu,a H^imia.' Die heil. Mär- 
tyrerin Euphemia. Architcktonifcher Hintergrund. Kin 
offener Sarg liegt auf dem Tifchc, welcher die Todten- 
bahre darftcllcn foll. Im Sarge liegt die Heilige, ange- 
zogen, Rolle in der Hand, eine andere Rolle bei den 
Fußen. Viele Heilige, Bifchöfe und Clcrus umftchen die 
Todtenbahre. Ein Eremit (Typus 19) fteht neben ihr, 
einige Perfonen zeigen ihm mit den Händen, wohin er 
gehen foll. Die Darftellung gehört auch vom Stand- 
punkte der Kunft zu den belferen.' Euphemiawar Märty- 
rerinunter Diocletian. Das Bild ftcllt aber ein Wunder dar, 
welches zur Zeit des ökumenifchen Concils zu Calcc- 
don 451 fich durch die Heilige ereignet haben foll. Die 
auf dem Concil verfammeltcn Väter haben zwei Glau- 
bensbekenntnilTe, ein orthodoxes und ein häretifches in 
den Sarkophag der I Iciligen gelegt. Das häretifchc fand 
man fpäter zu den Füßen der Heiligen liegen, wahrend 
fic das zweite in der Hand hielt, welches nun als das 
orthodoxe angefehen wurde, wovon die Kirchenväter 
dann nach Rom berichteten. 

12. . Oratio x mSmihhkk Ilp*KJU h rtapTA.' Die 
heil. Märtyrer Proclus und Larion (Hilarion). Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Zwei Darftcllungc : a) Ein 
Heiliger, mit Händen und Füßen an eine Säue gebun- 
den. Ein Soldat fc hießt Pfeile gegen ihn ab. I'roclus 
aus der Gegend bei Ancyra, Märtyrer unter Trajan, 
wurde yekreuzigt und mit Pfeilen erfchoften. Hilarion 
wurde nach Auspeitfchung geköpft. l>) Zwei Heilige 
werden geköpft. Fiftivc Darftellung. 

1 3. ,llpmc>A.»EM,iro «tu,a hauim-o Oti+aha Garahta.' 
Unfer.. . Vater Stephan der Sabaitc (war im Klofter 
des heil. Saba*). Nach Typus 2, ftarb 794. 

14. , Gratai** tinocroAit (Ikiau, hm ck iiH.uh.* Der 
heil. Apollcl Achilleus und GenofTen. Zwei Darftellun- 
gen: a) Ein Heiliger im brennenden Ofen, ein Diener 
fchürt das Feuer, b) Zwei Heilige werden geköpft. 
Acillas (Achilleus) war einer von den 70 Apoftcln, 
wurde vom heil. Paulus zum Bifchof von Heraklea 



bcftellt und dann von den Heiden crfchlagen, feine 
Gattin hieß Priscilla. b ift fiktive Darfteilung. 

15- .GrATKIJT A\$q||IHK Kt'plKA H (JyAHTA.* Die 

heil. Märtyrer Kyrikos und Julita. Architcktonifcher 
Hintergrund. Ein Tuch % hängt zwifchen den Kuppeln 
zweier Kirchen. Zwei Darftcllungcn: a) Ein Heiliger, 
nur im weißen Hemd, wird von einem Diener gehalten, 
von dem andern mit dem Hammer gefchlagen. b) Ein 
Heiliger wird geköpft. Julita mit ihrem dreijährigen 
Sohne Kyrikos lebten zur Zeit Diocletians. Sic wurde 
enthauptet, das Kind auf den Boden geworfen und fo 
erfchlagen. Die Darfteilung pafst nicht dazu. 

16. „GftATMff MOlfHHKk flHAlHeri'Hj, HiK CK MHM. , 

Die heil. Märtyrer Anthinogcnus und GenofTen. Gebir- 
ge als Hintergrund. Einige Heilige werden geköpft. 
Anthinogcnus war Bifchof in Pidachthoa (in der Provinz 
Sebastac), lebte unter Maximinus und wurde 3 1 1 
fammt zehn anderen enthauptet. 

17. .Gkatua m8<iihhu,a iHapi.iij * Die heil. Mär- 
tyrerin Marina. Architcktonifcher Hintergrund. In 
einem ummauerten Räume köpft die Heilige einen 
Teufel, Marina war Tochter eines heidnifchen Pricftcrs 
aus Antiochia in Pifulien, wurde im 3. Jahrhundert ent- 
hauptet. Die obige Darftcllung pafst aber zu der ange- 
führten Legende nicht. 

18 .Grata™ m$<iihhra ümhaTaha h J1kThaa(!)-* 
Die heil. Märtyrer Emilianus und Hyacinthus (vide zum 
3. Juli). Zwei Darftcllungcn: a) Ein Heiliger im brennen- 
den Ofen fitzend, ein Mann fticht ihn mit der Lanze 
und haut mit dem Schwerte. Emilianus aus Siliftria 
wurde unter Julian auf dem Scheiterhaufen verbrannt, 
mit ihm mehrere andere, unter denen aber ein Hyacin- 
thus nicht genannt wird. Hyacinthus ftarb im Kerker. 
bj Ein Heiliger liegt auf dem Bette, unten brennt es. 

19. . Ilpi n>w«SHAiv *tu,a MAUJir* \U-' Unfer 

Vater Dias. Nach Typus 2, lebte unter Thcodofius dem 
Großen. 

20 .GBATAro npopcKJ HaTa.' Der heil. Prophet 
Elias. Im Hintergrunde eine Landfchaft. Elias (nach 
Typus 2!}, Rolle in der Hand, fitzt in einem zweiraderi- 
gen Feuerwagen, welcher von drei geflügelten ebenfalls 
Feuerpferden (rothe Feuerfarbe) auf den Wolken gezo- 
gen wird und wirft einem auf der Erde flehenden 
Manne mit der rechten Hand feinen Mantel zu. Es war 
der Prophet Elifaeus, fein Nachfolger, welcher feine 
Prophetengabe dadurch erbte. In Bezug auf die Rolle, 
welche der Mantel feit jeher fpielt, will ich nur auf das 
ältefte Bcifpiel hinweifen, nämlich auf die Herculesfage, 
welche erzählt, dafs Hercules, als er einmal opfern (tspoop- 
Y»tv) wollte, fich'das Kleid (chiton freilich) aus Trachis 
(in TherTalien) holen ließ. Die UeberlafTung des Mantels 
bedeutete bei den Propheten und den heidnifchen Philo- 
fophen auch die Uebertragung des Wittens und der 
Lehrgabe, was auch im Chriftcnthumc fich erhielt. So 
übergab der heil. Athanafius feinen Mantel dem heil. 
Antonius. Wir brauchen alfoin unferem Falle nicht an ein 
Wunder zu denken, fondern an eine Uebertragung des 
Amtes durch ein äußeres Zeichen, wie zum Beifpiel der 
Hcrrfchcrgcwalt durch eine Krone, hier alfo des Pro- 
phetenftandes durch einen Mantel- Das Prophetenthum 
war nämlich auch ein Amt, eine Volks-lnftitution. Dic- 
felbe Bedeutung erhielt dann in der chriftlichen Kirche 
das Pallium. Die ältefte Darftellung des Palliums in 
diefer Bedeutung findet fich auf einem Sarkophag aus 



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dem 4 Jahrhunderte in Mailand. Auch die Himmelfahrt 
Elias ift eine Wiederholung der heidnifchen Tradition, 
welche feine Heroen, zum Hcifpicl Hercules unter die 
Götter aufnehmen läfst. Vier Menfchenkorper find nach 
der Tradition des Chriftenthums in den Himmel aufge- 
nommen worden : Der de* Chriftus, der heil. Maria, des 
Klias und des Mofes, deffen letzteren Köqicr man nicht 
finden konnte. Deswegen erfchienen, heißt es, am Tage 
der Verklarung Chrifti (6., refpedive 18. Auguft) mit 
Chriftus Elias und Mofes. 

21. , lipillO^OEH.II'O «TU,a IM Hilf© HeAHMA H Itpfll^A*"' 

hjp© Giiamwhj n;ts Xphcta /Ä|>#A"iur«>(!).' > Unfer 

Vater Johannes und der Symcon, der 

Chrifto zu Liebe Bofc. Dargeftellt find zwei Heilige, 
beide nach Typus 2, beide haben die Schima. 

22. ,GKATMA AtHp©H©f HI\A ffijpiA Aljr AAAHNkl H 

aiSmihhka ttOKM.* Die heil. Märtyrerin Maria Magdalena 
und der Märtyrer Phokas. Zwei Darftcllungcn: a) Maria 
Magdalena nach Typus 20, pelgcfaß in der Hand, als 
eine von den drei Marien, die am Tage der Auferftehung 
Chrifti in der frühen Stunde zum Grabe Chrilti fich be- 
geben hatten, um ihn zu balfamiren. So wird fic immer 
dargeftellt. b) Gebirge im Hintergründe. Ein Heiliger 
fteht im brennenden Ofen, ein Soldat fehießt einen 
Pfeil auf ihn ab. Dies wird der heil, l'hokas fein, geboren 
in Sinopc, wurde unter Trajan in einen brennenden 
Ofen geworfen. An diefem Tage feiert man eigentlich 
die Uebertragung feiner Gebeine aus I'ontus nach 
Conftantinopel, welche im Jahre 404 ftattfand. 

23. „GKATkir AttfUHHK Tp©j|MM4, OfO^HAa, H3K C* 

HHAt.' Die heil. Märtyrer Trophimus, Theophilus und 
Genoffcn. Gebirge im Hintergründe. Das Bild ftellt die 
Enthauptung einiger Heiligen durch zwei Schergen dar. 
Märtyrer unter Dioclctian, wurden in Lycicn aufge- 
hängt, dann enthauptet 

24 .Gkataa MtflMtHiVft XpHfTHHU. * Die heil. Mär- 
tyrerin Chriftina. Architcktonifcher Hintergrund. Die 
Heilige kniet und wird von zwei Schergen mit Lanzen 
durchbohrt. Jungfrau Chriftina unter Scptimius Severus 
c. 202 enthauptet. 

2;. .Oycilflli» CKATUÄ flHHM AMTipf K»r©p©AHu,H.* 

Entfchlafung Annas, der Mutter Maria's. Architek 
tonifcher Hintergrund, ein Haus darllcllend, drinnen 
liegt die Heilige auf der Todtcnbahre, viele Leute um- 
flehen fie und weinen Ein Mann (Diakon) liest aus dem 
Buche. Joachim ftarb in Nazarcth, Anna in Jcrufalem, 
79 Jahre alt. Ihr Entfchlafen wird fo dargeftellt, wie das 
Entfchlafen Maria's. 

26. ,Gr*TMH MStIHMK 6pAtOAJf M)K CK HH.Wk * Der 

heil. Märtyrer Krmolaus und GenolTen. Im Hintergründe 
Gebirge und Häufer. Zwei Heilige werden geköpft. 
HcnnolauH, Presbyter in Nikomedia, wurde mit Her- 
mippos und Hermokrate- 305 enthauptet. Siehe zum 27. 

27. ( Gratuh a\$iihmk IliHTiAtHM^H. * Der heil. Mär- 
tyrer Pantalcjmon. Nach Typus 1. In der Linken halt 
er ein Buch durch das Gewand, in der Rechten einen 
Griffel. Nach Metaphraftcs CXV, p. 450 geboren in 
Nikomedia, lebte er unter Maximian, war als Arzt 
berühmt, wurde 305 enthauptet. Er war von Hermolaus 
(zum 26.) bekehrt worden. 

28 .Grata™ aii©ctoaa Ilp©)f©p4.* Der heil. Apoftel 
Prochorus. Nach Typus 10. Buch in der Hand. Pro- 
chorus, Jünger des Apoftels Petrus. 



29. „GsA-raro aiSmimhka Kaamhhka litte* hhav" Der 

heil. Märtyrer Kallinikos und Genoffen. Gebirge im 
Hintergrunde. Zwei Darftcllungcn: a) Ein Heiliger, 
Eremit, nach Typus 19 liegt auf der Erde und wird von 
einem Manne mit der Lanze durchbohrt, b) Ein Hei- 
liger auf dein brennenden Scheiterhaufen. Nach Mcta- 
phraftes CXV, 480 wurde Kallinikos im Ofen verbrannt. 
Er war aus Kilikicn (Taf. II, vierte Bilderreihe, reicht 
bis 4. Auguftj. 

30. „Gkatujt anorroAk Ghau h GhaSaha * Die 
heil. Apoftel Silas und Silvanus. Architcktonifcher 
Hintergrund. Dargeftellt find zwei Heilige, einer nach 
Typus 6, der andere nach Typus 9. Beide von den 
70 Apofteln. Silvanus war Bifchof in Salonichi. An dem 
Tage wird noch das Andenken der heil. Apoftel Cres- 
centius, Epinctus, Andronicus gefeiert. 

31. , Grata™ npARiANJro 6i-.vokh.wj. ■ Der heil. 

Eudokimos. Nach Typus 1. Architcktonifcher 

Hintergrund. Eudokimos Stratilates aus Cappadocien, 
lebte im 9. Jahrhunderte unter Kaifcr Thcophilos. 
Mctaphraftes CXV, 490. 

Augufl. 

,Al-kcAii AurScTR." Bilder; Mond und unten als 
Monatsbild die Darftellung des Löwen aus dem Thier- 
kreifemit derlnfchrift: ,a«r' (Taf II, vierte Bilderreihe}. 

1. .GKATMJf 3 iMU'IIHHKK MjKARIH M AUTlpl MJ G«A©- 

AtoiiH.' Die fieben Märtyrer Makabaecr und ihre Mutter 
Salomona. Drei Darftellungen: al Ein Heiliger mit 
Händen und Füßen an eine Säule angebunden, ein 
Mann fchlagt ihn mit dem Stock. Es wird der alte 
Eleasar, der Vater gemeint fein, b) Mehrere Heilige 
(fieben) wie eine Garbe zufammengebunden, nackt, nur 
um die Hüften bedeckt, werden am Spieß über dem 
Feuer gebraten, ein Mann dreht den Spieß. Hier ift wahr- 
fcheinlich das Martyrium der fieben Brüder dargeftellt, 
obwohl fie einzeln gemartert wurden. Der ültcfte der 
Brüder wurde auch am Spieß gebraten, c) Eine Heilige 
auf einem eifernen Bette liegend, unter ihr brennt es. 
Hier ift das Martyrium der Mutler, der Salnmonia 
(Salomen, Salomonida), dargeftellt. 

2. ,np-kH(C<H?« AtOI|lfM CKATAC© npSR©A\$NfHHK4 H 

AprlAUKciM Gti^uiia.* Translatio protomartyris et 
archidiaconi Stephani. Architcktonifcher Hintergrund, 
eine Kirche darftcllcnd, mit vielen Thürmcn. Vor der 
Kiche flehen Bifehufe an der Spitze des Clerus und des 
Volkes, um die Reliquien zu empfangen. Von der ande- 
ren Seite kommen zwei zufammengebundene Pferde 
einherangerannt, auf ihren Rücken der Sarg mit den 
Reliquien. Zwei Diener hinterher treiben mit den 
Peitfchen die Pferde. , 

3. ,nptnoAOKHUX' ©tiu> HAiiiHjf HcjkTa, .Vaaauta h 

4»AKMCTA." Unfere Vater Ifaakios, Dalmatos und 

Fauftus. Drei Mönche zur Zeit Theodofius des Großen. 

4. ,Gratu£ 3 «Tp«K, hk kl 6$ic-k.' Die heiligen 
fieben Jünglinge in Ephcfos. Gebirge im Hintergrunde. 
Das Bild zeigt fieben nackte Geftalten in einer Grotte. 
Nach Metaphraftcs (CXV, 4 501 haben fie gcfchlafcn vom 
Kaifer Dccius c. 250 bis Theodofius II. c. 430. Unter 
diefem entftand eine Seele, welche die Auferftchungder 
Todten laugnelc und das Wunder folltc zu ihrer Be- 
kehrung dienen (Taf. II, Schluß der vierten Bildcrrcihe). 

5. .Gkatai» mShihhka 6i'cii'HiA.* Der heil. Mär- 
tyrer Eufcgnius. Architektonifcher Hintergrund Der 



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- 30 — 



Heilige wird geköpft. War Soldat, wurde unter Julian 
enthauptet. 

6. „ IIjvk<>Ef>4>KiH?< rocno.vi B*rA 11 ciiaca tuuiiro feve 
XpNrrA.* Transfiguratio. Verklärung Chrifti. Die Dar- 
ftellung- wie in Woronctz. Chriftus in den Sonncnftrah- 
len (Mirandola), Mofes nach Typus 1 1. Es ift die typi- 
fche Darftellung. Später traten andere Motive hinzu. 
Mofes wurde mit den Gefetzestafeln und Elias mit dem 
Spruchband dargcftcllt. Vidc zum 20. Juli. Dicfcs Feft 
ift im Werten erft feit dem 15. Jahrhunderte allgemein 
geworden. 

7. , On*T4r« mSnihhka Aoamhtiaha. " Der heil. Mär- 
tyrer Dometius. Gebirge im Hintergrunde. Der Heilige 
liegt auf der Erde, nackt, nur um die Hüften bedeckt, 
ein Mann wirft auf ihn Steine, ein anderer hebt in die 
Höhe fein Schwert, um ihn zu enthaupten. Domitius, 
ein I'erfcr, lebte im 4. Jahrhunderte. Die Legende 
erzählt, dafs Kaifcr Julian, als er gegen die Perfer zog, 
die Grottt, in welcher der Heilige lebte, mit Steinen 
verlegen ließ, fo dafs diefer dort ftarb. 

8. .CKAT4IV AtSMIHHKA (:MHA44AHA, H5K {% HIIAt * Der 

heil Märtyrer Emilianus und Gcnoffen. Architckoni- 
fcher Hintergrund. Drei Darflellungen: aj Ein Mann 
fclilcppt, die Schnur auf der Schulter, zwei Heilige bei 
den Fußen, die beiden Heiligen find nur im weißen 
Hemd, b) Ein Heiliger nach Typus 6. Vielleicht der 
heil. Emilianus confessor, Bilchof von Cyzikus, welcher 
im 9. Jahrhunderte lebte und im Exil Itarb. c) Drei 
Heilige im brennenden Ofen. 

9. ,C«<AT4r» aiicct»aa <Uatai<*." Der heil. Apoftcl 
Mathaus. Architektonifchcr Hintergrund. Zwei Dar- 
flellungen: a) Ein Gekreuzigter, Hände und Fuße an 
das Kreuz angebunden, bj Ein Heiliger wird enthauptet. 
Der Apoftcl Mathäus wurde gelteinigt. 

10. , (iH*T4ro MftHIHHKA A'AKOHA AaRPIHtTa.* Der 

heil. Märtyrer Diakon Laurentius. Dargcftcllt als Dia- 
kon, über dem Stichar eine rothe Dalmatica, darüber 
Orar, in der Rechten das Wcihrauchgcfaß, in der 
Linken hält er durch das Gewand eine Kirche, welche 
wahrfcheinlich diejenige Kirche in Rom vorftcllcn foll, 
bei der er Archidiakon war. Er lebte im 3. Jahrhun- 
derte und wurde nach der einen Legende im eifernen 
Käfig verbrannt, nach einer andern auf einem eifernen 
Bett gebraten. Eine der alterten ihm geweihten Kirchen 
ift die in Rom, genannt S. Lorenzo fuori le mura. In 
diefer Kirche befinden fich werthvolle Frcsco-Malcrcien 
aus dem 15. Jahrhundertc, welche unter anderem auch 
Darftcllungcn aus dem Leben des heil. Laurentius ent- 
halten. Hier wird Laurentius dargeftellt als auf einem 
.eifernen Bett gebraten. Auch dieälteftcn Darftellungen 
haben es fo, unter anderem die auf Goldgläfern. Auch 
fonft wurde im 16. Jahrhunderte feine Verbrennung 
auf dem eifernen Bett dargeftellt, wie zum Beifpiel in 
der Kirche S. Stcphano Rotondo in Rom. 

I t. „GrATMX MftMIHHKk (iniAJ, H5K CK IIHMh.* Di r 

heil Märtyrer Euplus und Genoffen. Zwei Darflellun- 
gen : tij Ein Heiliger wird geköpft. Nach Metaphraftcs 
CXV, j2,S wurde Euplus geköpft unter Diocletian, an 
den Hals wurde ihm das Evangelium gebunden. Er war 
Diakon, bj Mehrere Heilige im brennenden Ofen. Solche 
Lcidcnsgenoffcn des Euplus kennt Metaphraftcs nicht. 
Es könnten aber Maximus und Claudius gemeint fein, 
Märtyrer aus, dem 3. Jahrhundertc, welche unter Diocle- 



tian verbrannt wurden und deren Andenken an dem- 
felben Tage gefeiert wird. 

12. .CdATUjf MümHHKk 4>«tTa h Uhiikitta.* Die 
heil. Märtyrer I'hotius und Aniketas. Architektonifcher 
Hintergrund. Die Heiligen im brennenden Haufe. Nach 
der Legende wurden Tic unter Diocletian im brennenden 
Ofen verbrannt. 

13 .npHHKIHTl AIOI|lHMh(!) CKATArO AlAgHMA HCfl»- 

s-ki,HHKi.' Translatio der Gebeine des heil. Confcssors 
Maximus. Architektonifchcr Hintergrund. Diakone 
tragen einen Sarg. 

14. .(JaATare npep»KA AlHpA., Der heil. Prophet 
Michäas. Die Darfteilung zeigt, wie zwei Diener den 
Heiligen von der Mauer ftiirzcn. Michäas ftarb eines 
natürlichen Todes. Vielleicht ift hier der ältere Prophet 
Michäas gemeint, welcher l 50 Jahre früher lebte und 
unter König Achab den Märtyrertod ftarb. 

I7. .OyCHMlTf IlfWMHCTUA KAA^HMHIIA NAUI* BOrOpO- 

AiiiV»," Entfchlafung Marias. Architektonifcher Hinter- 
grund, ein Haus darftcllend, drinnen Maria auf dem 
Bette liegend, um fie flehen Apoftel und weinen (was 
in unferer Darftellung neu ift). Chriftus in der Mirandola 
hält Maria auf den Händen (weiß angezogen — vide den 
Lemberger Kalender). Ucber der Mirandola erhebt fich 
ein fcchsflügeliger Seraphim (kommt auch feltener vor). 
Vom fleht ein Engel mit dem Schwerte, im Begriffe, 
einen vor ihm knicendcn Mann zu tödtcn. Die Legen- 
den über Assumptio find im 14. Jahrhunderte von 
Nikcphoros KaUiftcs gcfammelt. Vide den Lemberger 
Kalender. Nur eines muß hier bemerkt werden. In der 
örtlichen Kirche wurde der alten Kirchen-Tradition ge- 
mäß das Entfchlafen Marias dargeftellt und dement- 
fprechend %v\irpn, «YcniMii genannt, ohne dafs auf dem 
Bilde auch die Himmelfahrt, assumptio angedeutet 
worden wäre. Es ift die ältefte Darftellungswcifc. Später 
und wahrfcheinlich fchon im 14. Jahrhunderte hat man 
begonnen, zugleich mit dem Entfchlafen Marias auch 
ihre Assumptio darzuftellen Es wird alfo gewöhnlich 
fo dargeftellt, wie über der Todtcnbahre, auf welcher 
Maria tod liegt, fie in kleiner weißer Geftalt erfcheint 
und wie Chriftus fie in feine Hände nimmt. Diefc Sccnc 
heißt nun deshalb Assumptio, während die erftere 
obdormitio ilt. Die örtliche Kirche legte das Haupt- 
gewicht auf die obdormitio «ycniMli, und hatte nicht ein- 
mal einen technifchen Ausdruck für assumptio, während 
die weftliche umgekehrt auf die Auferftehung, alfo 
Himmelfahrt, Assumptio, Gewicht legte und dies auch 
zur Darftellung brachte. Nur in der «ertlichen Kirche 
finden fich Bilder, auf welchen bloß die Himmelfahrt 
Mariac dargeftellt wurde, ohne die Scene der Entfchla- 
fung. Diefc Darftcllungcn find auch feiten. Dies beweist 
wieder, wie die örtliche Kirche ihren epifchen Charakter 
bewahrte und die weltliche didaktifch wurde. Intereffant 
ift die Darftellung der Himmelfahrt Mariae in der 
untern Kirche des S. Clement« in Rom, eine Frese o- 
Malerei, wie man behauptet aus dem II. Jahrhun- 
derte fr). Maria fleht oben mit ausgebreiteten Händen, 
über ihr Chriftus in der Mirandola, welche von zwei 
Engeln getragen wird. Unten flehen die Apoftel, welche 
zur Maria hinauffchanen. Mit der Zeit hat fich nämlich 
in der Kirche eine Beftrcbung gezeigt, die Marienfefte 
den Chriftusfcftcn analog darzuftellen, alfo Mariae 
Geburt wie Chrifti Geburt, Mariae Himmelfahrt wie 
Chrifti Himmelfahrt. Unrichtig dachte de Roffi und 



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3« 



nach ihm andere, zum Beifpicl Kraus, als er fagte, die 
kleine weiße Geftalt Mariae oder anderer Perforiert 
bedeute die Seele, alfo die Unftcrblichkcit der Seele. 
Ks ifl vielmehr die Auferftehung des Leibes, es ift die 
Darflcllung der Assumptio Mariae in unferem Falle. 

16. «Grata™ mS<mhhka \1wnm fi.it, hjk t% hhm*.* 
Der heil. Märtyrer Diomydius und Genoffcn. Gebirge 
im Hintergründe. Zwei Darftellungen: a) Viele Heili- 
ge im brennenden Gebäude, b) Ein Heiliger wurde 
geköpft, der Soldat halt den Kopf in der Hand, im 
Begriffe denfelben auf die Erde zu fchleudern. Ks 
wird wahrfcheintich Diomydius gemeint fein, Arzt aus 
Tarfos in Cilicien. Als Diocletian ihn zu fich nach 
Nikomedia fuhren ließ, ftarb er unterwegs. Die Soldaten 
haben ihm aber den Kopf abgehauen, um ihn dem 
Kaifer zu zeigen, wurden dafür mit Blindheit gefchlagcn. 
haben aber das Augenlicht wieder gewonnen, als fic 
den Kopf mit dem Rumpfe vereinigten. 

17 .Gratai-» aiSm'nhka (Uupoi'A, hjk c% hhm.* Der 

heil. Märtyrer Miron und Genoffen. Gebirge im Hinter- 
grunde. Zwei Darftellungen: ai Ein Heiliger ftcht im 
brennenden Gebäude und betet, fein Gebet bewirkt es, 
dafs das Feuer durch die Oeffnungen hinausdringt und 
auf die Erde f;illt, um die dort flehenden Schergen zu 
verbrennen. Miron, Presbyter in Achaia, wurde unter 
Dccius in einen brennenden Ofen geworfen, aber er 
blieb unverfehrt, wahrend die Flammen die Umftc- 
henden, an 150 Leute, verbrannten, worauf der Heilige 
geköpft wurde, b) Ein Heiliger wird geköpft. Wird 
wahrscheinlich die Enthauptung Miron's gemeint fein, 
wenn die Darflcllung fich nicht auf ,H)K <% i<m*A' 
bezieht, alfo nicht fiftiv ift. 

18. „Grataiv aaSmiiihka *a«pa h AMps. m Die 

heil. Märtyrer Phlorus und Laurus. Zwei Märtyrer 
wurden in einen Brunnen geworfen, nur die Köpfe ficht 
man noch, der Eimer wurde in die Hohe gehoben, 
damit der Brunnen frei wird. Es waren zwei Brüder, 
Steinmetzer, lebten im 2. Jahrhunderte, fie waren in 
Illyricn befchäftigt und wurden dann in den trockenen 
Brunnen hineingeworfen und verfchüttet. 

19. .GlMklMrO iHSMIHHKA (lH,\fli CTpATMAATA H H:K 

ex hhav' Der heil. Märtyrer Andreas Stratilates und 
Genoffen. Zwei Darftellungen: aj Kin Heiliger von zwei 
Soldaten gehalten, deren einer mit dem Schwerte ihm 
auf den Kopf, der andere auf die Füße hauen will Nach 
einer Verfion foll Andreas Stratilates odertribunus, wie 
man ihn nannte, zuletzt enthauptet worden fein, vorher 
feine Soldaten. Hier wäre alfo feine Enthauptung darge- 
ftcllt. b) Die Enthauptung vieler Heiligen. Nach Meta- 
phraftes follcn auch alle feine Soldaten enthauptet 
worden fein. Aus demBlutc entftand eine Wunderquellc. 
Oben über den Darftellungen befinden fich die Buch- 
ftaben : >k $ ic r. Sic bezeichnen die Zahl, man fieht es 
nach den oberen Abkürzungszeichen, nur ift hier ein 
Fehler gemacht worden, denn ftatt c, welches mit dem 
Schwänzchen ohnehin nichts bedeutet, füll ein flehen, 
denn die Zahl der unter Andreas Befehlen flehenden 
Soldaten-Märtyrer betrug nach einer Legende 2593. 
was auch die obigen Zahlen bedeuten. 

20. .Grata™ iipopeKA GaA\$HAA.* Der heil. Prophet 
Samuel. Der Heilige, dargeftellt als Apoftel. nur noch 
auf dein Kopfe weiße Mütze mit rother Spitze (nach 
Typus ll), in der Rechten das Horn (welche» Oel 



enthielt, mit dem Samuel den König falbtc), in der 
Linken das Spruchband. 

21. .Grat«** jnorrtAa hik (t hhm.' Der 
heil. Apoftel Thaddäus und Genoffen. Architektoni- 
fchcr Hintergrund. Zwei Darftellungen: a) Ein Heiliger 
nach Typus 6. Thaddäus gilt als Bifchof von Edessa. 
b) Drei Märtyrer und eine Märtyrerin werden geköpft. 
Wahrfcheinlich ficlive Darfteilung. 

22. , Grata™ mI'iihhka (IrAAOHHKA, 11* ck hhm.' 
Der heil. Märtyrer Agathonikos und Genoffen. Archi- 
tcktonifcher Hintergrund. Drei Heilige werden geköpft. 
Es werden noch genannt: Zolicus, Theoprepius, Zenon, 
Scverianus, Akindinus. Alle zur Zeit Dioclctians. 

23. ,GkATAIV Atf'lfHHKA 6vTTjfTA, HK CÄ HHAIk.* 

Der heil. Märtyrer Eutychios und Genoffen. Einige 
Heilige werden geköpft. Eutychios aus Paläftina. 
Schüler des Johannes Thcologus. Bifchof von Scbasto- 
polis. Sein Andenken wird eigentlich am 24. gefeiert. 

24. »Gkatato Iwaha R*™caora.* Der heil. Johannes 
Thcologus Gebirge im Hintergrunde. Der Heilige 
liegt auf der Erde, nackt, nur um die Hüften bedeckt, 
zwei Diener fchlagen ihn mit Ruthen. 

25. .K*SKpAI|llllTl MOU/IMh. (RATAro AlttCTCAA EA0A«- 

a*m»a.* Die Rückfendung der Reliquien des heil. Apo- 
ftcls Bartholomäus. Das Bild zeigt eine am Meere 
liegende Stadt. Ein Schiff, auf dem ein Sarkophag ficht- 
bar ift, nähert fich dem Ufer, aus der Stadt kommen 
die Bifchofe an der Spitze des Clerus und des Volkes, 
um die Reliquien zu empfangen. Siehe zum 1 1. Juni. 

26. .ORATwr mSmihhk* (Imapühha m Hataaia, h* 
cr iih.w.* Die heil. Märtyrer Hadrian und Natalia 
lammt Genoffen. Zwei Darftellungen: a) Drei Heilige, 
zufammengebunden, nackt, nur um die Hüften bedeckt, 
liegen auf der Erde, zwei Männer hauen fic mit Acxlcn. 
/>} Ein Heiliger, nackt, nur um die Hüften bedeckt, 
liegt auf der Erde, zwei Schergen haben ihm einen Fuß 
auf die Bank gcftellt. um ihm denfelben abzuhauen, ein 
Mann hält dem Heiligen den Kopf. Es wird der 
heil. Hadrian gemeint fein, welcher unter Maximian in 
den Kerker geworfen wurde und dort mit Hämmern 
gefchlagen, dann enthauptet wurde, feine Gattin 
Natalia ermunterte ihn zum Martyrium. 

27. .np<ll«A 0KH <l r * *TU,A HAUIflV UltiMHHJ ' Ullfcr 

Vater Pimcn. Der Heilige ift dargeftellt fitzend 

an der Schwelle eines I laufes, ein Weib und ein Mann 
nähern fich ihm. Die Legende erzählt, feine Mutter 
kam, um ihn zu fehen, er aber wollte fich nicht zeigen. 
Das Bild ftcllt alfo dar, wie die Mutter vor das Kloftcr 
geführt wird. Er lebte im 4. Jahrhunderte und war aus 
Aegypten. 

28 .npinO.VOEHATO OTIIA HAIIliro AleiKM iMtfplHA.' 

Unfer Vater Mofcs der Mohr. Dargeftellt als 

Eremit nach Typus 19 mit Schima. Er war aus 
Acthiopicn, lebte um das Jahr 400. 

29 ,0\*C*kKHeKIHTl UICTHUA l'AAKhl CRATAE flVAHHA 

KpfCTHTM-k. a Die Enthauptung Johannes des Taufers. 
Architektonifcher Hintergrund, das Haus des Johannes 
darfteilend. Er tritt aus dem Haufe und wird an der 
Thurfchwelle enthauptet, er fclbft halt mit feinen 
I landen den abgehauenen Kopf. 

30. .GkATMJT H.tTpiApJC flAl{jAHA(W II lU'AHUA H flAKAA 

II»kji*o.* Die heil. Patriarchen Alexander, Johannes und 
Paul der Neue. Es find die Patriarchen von Conftanti- 
nopel. Hier alle drei dargeftellt nach Typus 4. 



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31. »IIOAOXCIHTf MffTHirO IfVAti llpfCKATMA RffCpO 

AHUA.* Die Aufbewahrung des heiligen Gürtels der 
heil Mutter-Gottes. Architektonischer Hintergrund, die 
Kirche darftellend, in der Kirche viele Leute, der 
Patriarch und der Kaifer legen den Gürtel in eine 
Kifte. Viele den Lemberger Kalender. 

III. 

Fresco-Kalender in Woronetz. 

September. 

1. Der erftc Tag des Jahres wurde hier durch eine 
Mondfichel angedeutet, welche, wie beim Wachten der 
Mondtehcibe, nach oben gekehrt ift. Sie bedeutet 
nicht das beginnende Jahr, fondern bloß den Heginn 
des Monates. Auf der für dieten Tag beftimmten Bild- 
fkiche befindet fich oben in der Ecke ein kleines 
Marienbild mit dem Jefu-Kinde Das Hauptbild ift das 
des heil. Symcon des Stylites Kr ift wie gewöhnlich 
dargeftellt, in einer Ummauerung flehend. L'eber ihm 
die Infchrift: ck. G«mhoii. An dcmfclbcn Tage wird auch 
das Andenken eines Marienbildes gefeiert, welches von 
den Ikonoklaften in einen See namens Asurkos hinein- 
geworfen, felbft wieder au* dem Wafler emporgeftiegen 
war. Das oben erwähnte Bild in der Ecke foll nun dictes 
Feft andeuten i Vide Tafel III). 

2. ,0«. AIjamht.* Der heil. Mamant. Architcktoni- 
fcher Hintergrund. Ein Scherge durchbohrt den Hei- 
ligen mit einer Lanze, der Heilige ift nackt, nur um die 
Hüften bedeckt. Nach der Legende wurde ihm auf 
Befehl ein Dreizack von einem heidnifchen Pricftcr in 
den Bauch hineingeftoßen. Der Dreizack {TpiäftEii^x in 
den flavifchen Quellen genannt] erfcheint nach den 
Legenden als eine Waffe der heidnifchen Priefter. Dafs 
hier kein Dreizack, fondern eine Lanze gemalt ift, 
beweift, dafs dcrKünftlcr entweder eine andere Legende 
zur Darftellung brachte oder, was wahrscheinlicher ift, 
dafs er fchabloncnartig vorging nach den Typen. 

3. ,Ok. flNAHMk.' Heil. Anthimus als Bifchof 
angezogen, wird von einem Soldaten geköpft. Archi- 
tektonischer Hintergrund. Vide die Erklärung im 
Suczawitzer Kalender. 

4. ,0k. RaKHAa * Heil. Babylas. Architektonifcher 
Hintergrund. Der Heilige als Bifchof angezogen, wird 
geköpft, lein Kopf liegt bereits, außerdem liegen links 
von ihm drei kleine Köpfe. Vide die Erklärung im 
Suczawitzer Kalender. 

5. .Gk. 3ajfA piA ' Zacharias Als architektonifcher 
Hintergrund eine Kirchcnkuppcl Sichtbar. Zacharias 
kniet, fein Gewand ill mit Infchriften bedeckt, ein 
Soldat kniet hinter ihm und ftoßt ihm das Meficr in den 
Hals. Vide den Suczawitzer Kalender. 

6. »M»A* * K^iWCiy.* Wunder in Kolossä (Chonae) 
in Phrygien. Ein Gebäude im Hintergrunde lichtbar, 
rechts eine Kirche, vor welcher ein Heiliger ftcht, ünks 
ein Engel, wohl der Erzengel Michael, rührt das 
Waffer mit dem Dreizack. Vide die Erklärung im 
Lemberger und Suczawitzer Kalender. 

7. ,OK.G«30IITh.* Sozontes. Der Heilige liegt 
nackt auf einer Bank und wird von zwei Schergen 
blutig mit Stocken geprügelt. Vide den Suczawitzer 
Kalender. Seine Leiden*gefchichte ift bei Symcon Meta- 
phraftes befchrieben. Migne CXV, p. Ü34. Märtyrer 
unter Maximian. 



8. «Poxjv«™ Kercp^AK't"-" Geburt Mari'ens. Anna 
liegt im Bette, welches nicht eine an den Ecken abge- 
rundete Form aufweift, wie gewöhnlich in diefer Kunst- 
gattung, fondern eine eckige, die Bettdecke reicht bis 
zum Boden. Auf der einen Seite des Bettes ftehen drei 
Diener, ihr mit Brot, Wein und anderen Sachen 
aufwartend, auf der andern befindet Sich ein Wafch- 
becken, in welchem zwei Weiber die kleine Maria 
baden. Eine geläufige Darftellung. Die Geburt Mariens 
wurde mit der Zeit ikonographifch fo behandelt, wie 
die Geburt Chriili, ähnlich wie der Tod Anna's der 
Mutter Marias mit der Zeit fo wie Assumptio Mariae 
ikonographifch dargeftellt wurde. 

y. ,0k. Ahiia cr. Ho4KHAth- * Anna, Joachim. 
Gewöhnliche Darfteilung. 

10. „GBATdA (HüHOAC-ßA, AlMTpOA^P'> Umm4»A*M'* 

Heil. Minodora, Mitrodora, Nymphodora. Architektoni- 
fcher Hintergrund. Das Bild zeigt drei gekreuzigte 
Perfonen, und zwar Manner. Die Darfteilung pakt zu 
der mir bekannten Legende nicht. Sic wurden hängend 
gefchlagen. Vide den Suczawitzer Kalender. 

11. .Gk. 6»»a«(M-* Heil. Theodora. Typus 22. ein 
Kreuz in den Händen. Ucbcr ihr Martyrium fichc 
Metaphraftcs. 

12. .flrroHCAM.* Autonomos. Architektonifcher 
Hintergrund. Er wird von zwei Männern gefteinigt. Er 
war in Bithynien, unter Diocletian, wurde von den 
heidnifchen Prieftern gefteinigt. Anders der Suczawitzer 
Kalender. 

13. ,Cs. KopHiia.' Cornelius. Architcktonifcher 
Hintergrund. Nach Apoftcltypus ■!}. Vide den Sucza 
witzer Kalender. 

14. .EeSAKHXiHif." Krcuzcrhöhung. Architcktoni- 
fcher Hintergrund. Der Patriarch hält das Kreuz über 
feinem Kopfe, rechts der Kaifer, links die Kaifcrin mit 
den Kronen auf den Hauptern. 

15. ,Ok. IImkhtj.* Nikctas, nackt, ftcht auf dem 
brennenden Scheiterhaufen. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

W>. ,Ok. (ict>HMli-* Euphemia, Typus 70, ift auf die 
Kniec gefallen, ein Bär fprang auf fie und zerflcifcht fie. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

1;. ,0k. AI. R-kpa, Amck«. Haaiskaa-' Die heil. Mar- 
tyrerinen Fides, Spes, Charitas. Architcktonifcher 
Hintergrund, vier weibliche Perfonen in geftreckter 
Lage (die vierte wohl ihre Mutter Sophie) werden 
geköpft. Die Darftellung ift infotern unrichtig, als die 
Sophie nicht den Märtyrertod ftarb, nur ihre drei 
Tochter. Es war unter Kaifer Hadrian. 

18. ,Ok. ökmihIi * Eumcnius als Bifchof. Typus 6. 

19. ,Ok. Tpo^H,\(, GjutIi, ^op^MiAOHk.' Trophi- 
mu«, Sabathius, Doroniedon. Architektonifcher Hinter- 
grund- Drei hingeftreckte Perfonen werden geköpft. 
Die Darftellung i(i hier nicht ganz wahrheitsgetreu, 
denn nur zwei wurden geköpft. Vide Suczawitzer 
Kalender zum 19. und 20. 

20. ,0k. <Skct.itm. ' Kufthatius. Im Hintergrunde 
ein Gebirge. Vorn ftcht ein Ochs, hinter ihm einige 
Geftaltcu, alle nackt, im Vordergründe ein Mann 
iKuftliatiu-) und ein Weib (feine Gattin). Euflhatius 
unter Trajan und Hadrian wurde mit feiner Galtin Theo- 
pistia (Tatiaiina:) und zwei Söhnen Agapius und Theo 
pistus in einem kupfernen Stier gebraten. Dies deutet 



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unfer Bild an. Vergleiche eine ähnliche Darftcllung im 
Suczawitzcr Kalender zum 

21. .np«pOK Hoim.* Jonas, Prophet. Als Apoftel 
mit dem Spruchband. Jonas wird fonft am 22. September 
gefeiert. 

22. ,0a. 4>«Ka.* Phokas. Architcktonifcher Hinter- 
grund. Der hingcftrccktc Märtyrer wird geköpft. Er 
war aus Sinope, ein Gärtner, wurde unter Licinius 
c. 320 enthauptet. Kr galt als Patron der Seeleute. 

23. „34<UTi» Iwamobo.* Conceptio Johannis I (refp. 
Elifabcth!) Zacharias nach Typus 11, fein Mantel ift 
mit Infchriften bedeckt, Elifabeth nach Typus 20, beide 
umarmen fich. Vide den Suczawitzcr Kalender. 

24. .Ob. OiKiU.' Thekla. Typus 20, betend, ein 
Kreuz in der Hand. 

25. ,640*ciH. • Euphrofinia. Typus 22, ein Kreuz 
in der Hand. 

26. .üp-kcTjiuiHif l«4H«(a) RcrorAOBf».* Tod 
Johannes des Theologen. Im Hintergründe ein Gebirge 
fichtbar. Zwei Männer legen in einen offenen Sarg den 
Körper des Heiligen, zwei andere Geftalten flehen 
dabei. Siehe den Suczawitzcr Kalender. 

27. .Ok. KaAHCTpATX.' Kaliiftratos. Gebirge im 
Hintergründe. Der hingcftrccktc Märtyrer wird ent- 
hauptet. Der Soldat halt einen Gegenftand in der 
Hand (eine Blume oder Palme?). Vide den Suczawitzcr 
Kalender. 

28. ,Cb. Xaphtoh.» Chariton. Typus 2. Ein 
Antoniuskreuz in der Hand. 

2g. ,0b. Kh^Iak.* Kyriakos. Typus 2 mit dem 
Spruchband. Siehe den Suczawitzer Kalender. 
30. ,0*. Pplropif.' Gregorius. Typus 6. 

Oflobcr. 

1. „diMNA.' Ananias. Auf dem Bilde erfcheint die 
zweite Mondftchel, aber umgekehrt 3, weu der Monat 
zu Ende ift. Später hat der Künfller unterlaffen, den 
Mond zu malen, obwohl dies zur leichteren Orientirung 
viel beigetragen hätte, und malte nur immer ein paar 
Sterne auf den blauen Grund, welcher den Himmel bei 
ihm bedeuten foll. Im Hintergrunde ficht man ein Ge- 
birge, vorn zwei Perfonen, die eine hält die Hände nach 
rückwärts. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

2 Vielleicht ftand „KHnpHAH", weil Kypryan 

ein Bifchof war und hier ebenfalls ein Bifchof nach 
Typus 6 gemalt ift. Man ficht den architcktonifchcn 
Hintergrund und den Heiligen, welcher mit einem 
zweiten enthauptet wird. Zwei Köpfe liegen bereits am 
Boden. Siehe den Suczawitzer Kalender 

3 Vielleicht ftand ,,\,MOHMcin*, Dyonifius ein 

Bifchof, und ein folchcr ift hier gemalt nach Typus 6. 
Architcktonifcher Hintergrund. Er wird enthauptet. 
Siehe den Suczawitzcr Kalender. 

4 Wahrfchcintich ftand .lipo^H", Jerothcus. 

ein Bifchof, hier gemalt nach Typus 6. 

5. . . .Wahrfchcintich ftand » XApHTHHA* , Charitina. 
Sichtbar ift der architektonifche Hintergrund. Sie wird 
gefteinigt. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

6 Wahrfchcinlich ftand ,t>o<\u\ Thomas. 

Architektonifcher Hintergrund. Der Heilige fitzt und 
wird von zwei Soldaten mit Lanzen durchbohrt. 
Typus 10. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

XXiv. N. F. 



7. . . . Wahrfchcinlich ftand .Giprif" und .Bakjtv", 

Sergius und Bacchus. Architektonifcher Hintergrund, 
zwei Heilige werden getödtet. Der eine wird enthauptet, 
der andere, nackt, fällt auf den Boden, wahrscheinlich 
durchbohrt. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

8. .... Wahrfcheinlich .IIiaaiMv', Pclagin, nach 
Typus 22, hat Orar. Sie wurde nämlich zur Diakoniffc 
erhoben, war aus Antiochien, früher Dirne, nach der 
Bekehrung ging fie in ein Klofter als Mann verkleidet. 

9. .... Wahrfchcintich ,Iakob', Jakobus. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Das Bild fteltt einen Gekreu- 
zigten dar. Vide den Suczawitzcr Kalender. 

10. . . . Wahrfcheinlichrtand ,ßKA<MiilH.(>KAA<wiiiA 4 , 
Eulampios, Eulampia. Architektonifcher Hintergrund, 
zwei Heilige werden enthauptet, Mann und Weib, zwei 
Köpfe liegen bereits am Hoden. 

11 Wahrfcheinlich „<t>HAMnn*', Philippos, 

dargeftellt als Diakon nach Typus 16. 

12. ,C«. IIp*iu, Tjpkjfk, fliiAP*HHK*.' Probus, 
Tarachus, Andronicus. Architcktonifcher Hintergrund. 
Das Bild etwas verwifcht, man fieht nur einige Köpfe 
liegen, es ift alfo eine Enthauptung dargeftellt. Siehe 
den Suczawitzer Kalender. 

13. „Gk. KipiiK . . . im . . * Wahrfcheinlich Carpus 
und Papylus. Architektonifcher Hintcrgund, der Hei- 
lige, nach Typus 6 dargeftellt, wird geköpft, fein Kopf 
liegt am Boden Vide den Suczawitzer Kalender. 

14. ... Wahrfcheinlich Nazarius.Gervafius, Cclfius. 
Architektonifcher Hintergrund. Drei Heilige werden 
geköpft, drei Kopfe liegen, ein Kopf links. Weiter in 
der linken Ecke ein kleines Bild (Paraskcwa?). Siehe 
den Suczawitzer Kalender. 

15. ... Wahrfcheinlich ftand ,ck. A*KÜhh*. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Der Heilige fitzt hinter einem 
Gitter. Vor dem Haufe ift eine Perfon fichtbar. Er ftarb 
den Hungertod im Kerker. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

16. ,0b. rtorHNh.' Longinus Architektonifcher 
Hintergrund. Wird enthauptet. Der Kopf liegt am 
Boden. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

17 . ,0k. OciA npep«K, es. fln.\piM • Ilonas, Prophet, 
heil. Andreas. Der eine dargeftellt als Apoftel mit dem 
Spruchband, der andere mit der Kopfhaube und dem 
Spruchband. Es ift wahrfcheinlich Andreas aus Krctha, 
Märtyrer unter Conftantin. 

18. ,Cb. A$k« iKAHriAHCTV* Lucas, Evangclift. 
Architektonifcher Hintergrund. Lucas ift dargeftellt 
als Apoftel nach Typus 10, fitzend vor einem Pult, w ie 
er das Bild der Mutter Gottes malt. Viele Bilder werden 
ihm zugefchriebcn. 

19. ,0b. Hohav* Joel, nach Apoftcltypus mit dem 
Spruchband. 

20. .flpTMii«.* Arthcmius. Architektonifcher Hinter- 
grund Der Heilige wird enthauptet. Siehe den Sucza- 
witzcr Kalender. 

21. „AapHPii.* Hilarion nach Typus 2. 

22. ,(I(B)ipKli h cb. 3 «Tp»Kh.* Avercius und die 
ficben Jünglinge. Im Hintergründe links ein Gebäude, 
rechts ein Gebirge fichtbar. Der Heilige nach Typus 6, 
das Huch hält er durch das Gewand. Im Gebirge in der 
Hohle iitzen fiebcn Jünglinge. Avercius, Bifchof von 
1 lierapolLs in I'hrygien ; die ficben Jünglinge find die 
in Ephcfus fchlafcndcn. 

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23. „Gr. flfKOBfc.' Jacobus als Apoftel, Rolle in 
der Hand. 

24. ,Ck. flprrj h ap$*him ir©.' Arethas vind feine 
Gefährten. Architcktonifcher Hintergrund. Viele Mär- 
tyrer werden geköpft. Siehe den Suezawitzer Kalender. 

25. .Gr. ALipKHAii.' Marcianus. Drei Männer werden 
enthauptet. Siehe den Suezawitzer Kalender. 

26. .Gr. ^HMHTpii.* Demeter. Architektonifcher 
Hintergrund. Aus dem Stadtthore treten Leute hervor. 
F.r fitzt glcichfam an der Thiirfchwclle und wird von 
zwei Soldaten mit den Lanzen geftochen. Siehe den 
Suezawitzer Kalender. 

27. .Gk. ÜMCT.-pk.' Neftor. Architektonifcher 
Hintergrund, er wird geköpft. Typus 2. Siehe den 
Suezawitzer Kalender. 

28. ,Cr. TifMHTM. . . " Tcrcntius. . . Architektoni- 
fcher Hintergrund. Viele werden enthauptet. Siehe den 
Suezawitzer Kalender. 

29. ,<Wct«Ii." Anaftafia. Architektonifcher Hinter- 
grund. Wird enthauptet. Es war unter Diocletian. Siehe 
den Suezawitzer Kalender. 

30. Zenobius. Architektonifcher Hinter- 
grund. Wird enthauptet. Siehe den Suezawitzer 
Kalender. 

31. .HapKHS.* Narkyffos. Architcktonifcher Hinter- 
grund. Wird geköpft. Einer von den Jüngern, war 
Bifchof in Athen. Das Andenken aller 72 wird am 
4. Januar gefeiert. 

November. 

1 „cr. ,\AMHAHk\ Damian. An erfter Stelle 

muß der Name .er Kcham*, Cosmas, geftanden haben. 
Architektonifcher Hintergrund, beide nach Typus 2. 
Siehe den Suezawitzer Kalender. 

2. „Gk. (iKiHAHHk hwi c* HHMk * Akendinos und 
Genoffcn. Architektonifcher Hintergrund. Das Bild 
ftellt mehrere Perfoncn in den Flammen dar. Siehe den 
Suezawitzer Kalender. 

3. „CiATkirk f1(KtH) / i,HNK, ÜHrjcif. Aha»»'!* ' Aken- 
dinos, I'igas, Anthonius. Architektonifcher Hinter- 
grund. Drei Perfoncn werden von zwei Schergen ge- 
fteinigt. Hier liegt ein Fehler vor, nämlich die Heiligen- 
namen vom vorhergehenden Tage wurden wiederholt. 
Siehe den Suezawitzer Kalender. 

4. „Cr. famiKii.' Joannikius, nach Typus 2. Archi- 
tcktonifcher Hintergrund. 

5. ,Gr. rAAaKTH^H, BnHeTMMH." Galaktion, Epifti- 
mia. Architektonifcher Hintergrund. Beide werden ent- 
hauptet. Siehe den Suezawitzer Kalender. 

6. ,Cr IUriaii.* Paul. Architektonifcher Hinter- 
grund. Er wird von zwei Schergen erwürgt mit dem 
Omophor. Vidc den Suezawitzer Kalender. 

7. .GRAT-kjf Ar mSmikhkx." Heil. 33 Märtyrer. 
Architektonifcher Hintergrund. Viele werden geköpft. 
Siehe den Suezawitzer Kalender. 

8. „GftKopk JpyaHrirth • Erzengels Schaar(Michacls). 
Dargcftcllt find viele Engel. Der im Vordergrunde 
flehende trägt ein Marienbild auf der Bruft. 

9. „0ioktmctj • Theoktiita, Nonne, nach Typus 22. 
Geboren in Methymne auf der Infel Lcsbos lebte im 
9. Jahrhundert, wurde von den Arabern auf Faros 
gebracht. 

10 Wahrfeheinlich ,1Mh.«iiW * Gebirge im 

Hintergrunde. Der Heilige ift nackt und .... 



11. .Cr. EuKTOp. " Viftor. Architektonifcher 
Hintergrund. Er wird enthauptet Siehe den Sueza- 
witzer Kalender. 

12. .Gr. Ioahk. ' Johannes nach Typus 6. 

13. ,Git. I«4HH* BMTOtfCTR.' Johannes Chryfofto- 
mos. Er fleht in der Kirche als Patriarch, vor ihm 
ftehen oder knieen viele Leute, eine Perfon hält in der 
Hand ein Gefäß? Hinter ihm flehen weibliche Gcftalten. 
Siehe den Suezawitzer Kalender. 

14. .Gr. «HAHnns.* Philippus, Apoftel. Das Bild 
zeigt, wie er mit dem einen Fuße an einen Baum- 
wipfel und mit dem andern an einen zweiten Baum- 
wipfcl angebunden wird, um dann von den losgelaffe- 
nen Baumen entzweigeriffen zu werden. Vidc den 
Suezawitzer Kalender, welcher eine andere Darftel- 
lung bringt. 

15. „Gk. rspli * Wahrfeheinlich ftand weiter 

Gjmoh, Arhax, Gurias, Samon, Avithus (Abibus). Alle 
drei werden geköpft. Siehe den Suezawitzer Kalender. 

16 ,<Uaa«h.* Mathäus, Apoftel, ftcht in Flammen. 
Siehe den Suezawitzer Kalender. 

17. .Gr. rpHropii.' Grcgorius, nach Typus 6. 

iS. .n.wrroHh <k atm.' Piaton, der Heilige. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Der Heilige wird enthauptet. 
Plato aus Amyra wurde nach Mctaphraftcs CXV 
p. 426 enthauptet. 

19. .IlpopeKflRAiH.'ProphetAudias. Architcktoni- 
fcher Hintergrund. Der Heilige als Apoftel nach Ty- 
pus 10 mit Spruchband. 

20. .Gr. Ppirepif.* Grcgorius, nach Typus 6. 

21. „B*R»A<ni'.* Einfuhrung Maria's in die Kirche. 
In der Kirche fleht der Erzprieftcr Zacharias (nach 
Typus 6) auf dem Throne und empfangt die Eintreten- 
den. Vorn fleht die kleine Maria, hinter ihr ihre Eltern 
und andere Pcrfonen. Dies ift die gewöhnliche Dar- 
ftellung. Rechts aber von der Kirche befindet fich eine 
Treppe, ganz oben auf der letzten Stufe fitzt Gott 
Vater, dem ein Engel zu Dicnftcn wartet. Siehe den 
Suezawitzer Kalender. 

22. ,Gr. $hammoh hski cr HHM&." Philcmon und 
feine Gefährten. Architektonifcher Hintergrund. Drei 
Märtyrer werden geköpft. Die Darftcllung ift anders. 
Siehe den Suezawitzer Kalender zum 19. Februar. 

21. ,Gk. flAM^tMe^H." Amphilochios nach Typus 6. 

24. ,Gk. rpHrepti ArpArdHCKu. * Gregorius (Bifchof) 
von Agrigcntum. Architektonifcher Hintergrund. Drei 
Heilige ftehen, der eine nach Typus 6, die zwei anderen 
nach Typus 2. Biographie bei Metaphraftcs. Im Sueza- 
witzer Kalender kommt er nicht vor. 

25. .Grata* KATipHiM. * Architektonifcher Hinter- 
grund. Oben ein Baldachin fichtbar, der den Königs- 
ftuhl bei ihm bedeuten foll. Zwei weibliche Gcftalten, 
eine mit der Krone auf dem Haupte, werden geköpft. 
Katharina war aus einem königlichen Gefchlechte. Ihr 
Feit wird verfchieden gefeiert, am 23, 24. oder 25. No- 
vember. Mit ihr haben nämlich den Martyrertod er- 
litten: Die Mutter des Kaifers am 23, Porphyrius am 
24- und Katharina felbft am 23. November, daher der 
Untcrfchicd in den Angaben. Dies ereignete fich nach 
Metaphraftcs unter Kaifer Maximmus. Der Suezawitzer 
Kalender bringt ihr Fcft zum 24 November. 

26. ... Wahrfeheinlich ftand .cr. {Iahmohi*. Alim- 
pius. Architektonifcher Hintergrund. Dargeftellt wie 
Symeon Stylites /.um 1. September. 



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~ 35 - 



27. ... Wahrfchemlich ftand .cr. Mkok*. Jacobus. 
Architektonifcher Hintergrund. Der Heilige liegt nackt 
auf dem Boden. Ein Scherge haut ihm Füße und Hände 
ab. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

28 Vcrfchmiert. 

29 Verfchmiert. Architektonifcher Hinter- 
grund. Einige Heilige werden geköpft. Siehe den Sucza- 
witzer Kalender. 

30 Architektonifcher Hintergrund. Der Hei- 
lige wird gekreuzigt mit dem Kopfe nach unten. Wohl 
Andreas der Apoftcl gemeint. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

December. 

1. .npcpoK Hitak.' Prophet Naum. Architektoni- 
fcher Hintergrund. Er als Apoftcl dargeftellt nach 
Typus 10 mit Spruchband. 

2. flp»p«K iluicoM.' Prophet Habakuk. Ebenfo. 

3. .Dpopoic Go^ohW." Prophet Sophonius. Ebenfo. 
4 „Cr. RaptApA.' Barbara. Architektonifcher 

Hintergrund. Sic wird enthauptet. Links aus der obern 
Ecke der Bildflache ift ein rother Streifen fichtbar, 
welcher von oben auf den Schergen fällt. Siehe den 
Suczawitzer Kalender. 

5. .Gr. Garj.« Sabas, nach Typus 2. Architek- 
tonifcher Hintergrund. 

6. ,Gk. Hhkoaj«.' Nicolaus. Architektonifcher 
Hintergrund. Er nach Typus 6, nur noch Kopfhaube. 

7. .Gr. flMRpecii.* Ambrofius. Architektonifcher 
Hintergrund, Typus 6. 

8. .Gr. liATaiiii* Potapius. Architektonifcher 
Hintergrund. Nach Typus 2 mit dem Spruchband. 

9. ,3amatIi flHHii«.' Conccptio Annae. Architek- 
tonifcher Hintergrund. Zacharias und Anna umarmen 
fich. 

10. .Gkatux <Hhhu, <:p.«»r»u, (:itrp4$a.' Mina, 
Hermogen, Eugraph. Drei Heilige werden enthauptet. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

11. .Ct. . . .* Wahrfchcinlich ftand .j^HiHA*. Dar- 
geftellt als Stylitcs, wie Symeon zum 1. September. 

12. .CnHpHA'Hk.* Spiridion, nach Typus 6. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

13 «Cd. (SllCTpATil, flft«Mh(Ti») ) GKrfHil, AlapAApil 

M Op»cT*.* Euftratius. Akfentius, Eugenius, Mardarius, 
Oreftes. Architektonifcher Hintergrund. Zwei werden 
geköpft, einer an den Füßen aufgehängt, ein anderer 
in rothen Kleidern auf die Erde fallend, hinter ihm ein 
Scherge, welcher von rückwärts ihn bei dem Hälfe 
packt, als ob er ihn erwürgen wollte. Ein anderer 
wieder liegt auf einem Bett, unter dem das Feuer ge- 
legt wurde, welches von einem Manne gefchürt wird. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

14. .Cr. O(Mpc), AirkW.* Thyrfus, Lcucus. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Der eine wird enthauptet, 
der andere fitzt nackt auf einem Stuhl gebeugt und 
wird von zwei Dienern entzweigefägt. Siehe den Sucza- 
witzer Kalender. 

1 5. .Gr. Atftipif.* Lcphcrius (Eleutherius). Typus 6. 
Architektonifcher Hintergrund. Ein Römer, Bil'chof 
von Illyrien, unter Hadrian enthauptet 

16. .... flrito." Prophet Ageas, Typus 10 mit 
Spruchband. Architektonifcher Hintergrund. 

17 .TpH »TpoKH kx imihh.* Drei Jünglinge im 
Feuerofen. Der Ofen, gemauert, ficht herdartig aus, 



drinnen drei Jünglinge, welche fich mit den Händen 
zufammcnhaltcn, rechts ,llp«poK AahIhav Prophet 
Daniel, wie Edelknabe in Stahlfchuhcn nach Typu«. 13, 
außerdem mit dem hier üblichen Spruchband. Bei 
Metaphraftes CXV, 371. Vide den Suczawitzer 
Kalender 

18. ,G«. GfKiCTHANx h ,vp8xcHHd ar$." Sebaftian 
und feine Gefährten. Architektonifcher Hintergrund. 
Er wird von einem Soldaten mit der Lanze durchbohrt, 
andere werden enthauptet. Vergleiche den Suczawitzer 
Kalender. 

19. ,Ck. Rriin^ahtI«.' Bonifatius, nach Typus 6, 
wird enthauptet. Architektonifcher Hintergrund. 

20. ,Ck. HrHATii.* Ignatius. Nach Typus 6. Im 
Hintergründe das Gebirge, zwei Löwen zerreißen ihn. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

21. .Gr. I$ah*ha.* Juliannc, Typus 16, wird ent- 
hauptet. Architektonifcher Hintergrund. Siehe den 
Suczawitzer Kalender. 

22. ,Cr. UmactacU ' Anaftafia, Typus 20, hält 
durch den Mantel ein Gefäß und ftcht in Flammen. 
Vergleiche den Suczawitzer Kalender. 

23 ,Gk<atm£ \ amSiihhk Hau r KpHTfc.* Die zehn 
Heiligen auf Kreta. Einige werden enthauptet. Archi- 
tektonifcher Hintergrund Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

24 .Grata* ÖRriHiM.' Eugenia. Typus 22. 

25. .Pojkvvictk» XpHCTCK«*. Geburt Chrifti. Die 
Darftellung ift gewöhnlich. Maria liegt im Bette von 
abgerundeten Ecken. Links drei Magier, Typus 11, 
nähern fich ihr. Oben die Engel fichtbar. Unten links 
zwei Pcrfonen, die eine mit Nimbus fitzt, die andere im 
Schafspelz und mit l lirtenftock ftcht vor ihm und erzählt 
ihm das Gcfchcne. Rechts fteht ein Wafchbecken, zwei 
Frauen baden das Kind, hinter ihnen ein Mann fichtbar. 
Gewöhnliche Darftellung. ' 

26. .(lpIcHAf RH örHlirrk.' Er kam nach Aegypten. 
Architektonifcher Hintergrund. Maria mit dem Kindlcin 
auf einem weißen F.fcl, welchen ein Engel (hier ohne 
Flügel dargeftellt!) bei den Zügeln fuhrt. Hinter dem 
Efel fchreitet Jofeph (Typus 10) mit dem Stabe in der 
Hand. Eine in den Kalendern und auch fonft fcltcncre 
Darftellung. 

27. .Cr Gn^AHk.* Stephan. Typus 16. nur ohne 
Weihrauchgefaß, wird gefteinigt. Architektonifcher 
I lintergrund. 

28. .Cr. k tmcaiii m$m<hhk mmm kr HhkomhaIh.* 
Viele in Flammen fichtbar. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

29. .Gr. awm,v""u>- • -A' rurkiuh Vielleicht fland 
weiter «t Hp0,VJ Sbwimwv.* Die von Herodes getödteten 
Kinder. Viele Soldaten köpfen und fpießen die Kinder. 

30. .Cr. Ahmcma * Anifia, wird mit der Lanze von 
einem Soldaten durchbohrt. Vide den Suczawitzer 
Kalender. 

• 3' Verfchmiert. 

jrnnuar. 

i- .OKpiraAHll r«ciloA'«-" Befchneidung Chrifti. 
Vordem Altar, über welchem einBaldachin lieh erhebt, 
ficht ein Priefter, der den Befchneidungsact vollzieht. 
Jofeph halt den kleinen Chriftus auf den Händen. 
Hinter Jofeph lieht Maria. Das Gewand des Priellers 



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- 36 - 



und ift bcfchrieben. Weiter ift dargeftellt der 

heil. Bafilius mit der Infchrift: ,cr. E.tri/dr' Typus 6. 

2. ,GiA(R»CT0h iuim.* Sylvefter, Papft, nach 
Typus 6. Er fteht mit ausgebreiteten I landen, in der 
Linken das Buch. Architektonifcher Hintergrund. 

3. , llpopeKX <Ua<U£h<* * Prophet Malachias Typus 2 
mit Spruchband. Architektonischer Hintergrund. 

4 ,C(c Öickthctx h 6t«n«iMnTk h öioHk.' Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Der eine nach Typus 2, die 
zwei anderen werden geköpft. Thcoktiftos wird fonrt 
am 5. gefeiert, fo im Suczawitzer Kalender. 

5. „Gk. ÜAKMk.* Paulus, als Eremit nach Typus 19, 
umgurtet 

6. ,RoroAbWHU.* Kpiphania. Gebirge im Hinter- 
grunde. Chriftus, nackt, bloß um die Hüften bedeckt, 
ftcht auf einem Stein im Waffcr. ein Strahl vom 
Himmel fallt auf ihn, links Engel, rechts Johannes der 
Täufer im härenen Gewände. 

7. .Gr. Um».* Nach Typus 1 mit dem Stab in 
der einen und dem Spruchband in der andern Hand. 

8. .Gkatm A* mhhk 4 * Dominika. Typus 22. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

9. .HoAHMCTh.' Polyeukt, Typus 2, wird enthauptet. 
Architektonifcher Hintergrund. 

10. .Gk. (rpHropfi).* Gregorius. Typus 6. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

1 1. ,Gk. 8ioA«fl» * Theodofius. Typus 2. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

12. .Gr. TatIah*.' Tatiana, wird geköpft. Die 
Darftellung ift fchablonenartig. Vide den Suczawitzer 
Kalender. 

1 3. „Gr. BpMH Ak M Gtimtohmk. " Krmilius (Hcrmilius) 
und Stratonikos. Beide werden mit der Lanze durch- 
bohrt. Architektonifcher Hintergrund. 

14 .Gr. <>Tink SCHfHHjf kr Ohhah.* Die in Sinai 
getodteten heil. Vater. Zwei Heilige werden geköpft. 
Architektonifcher Hintergrund. 

15. ,0k- IljRMk.* Paulus. Typus 2. 

16. „noKA6Mi*(!)<!<CMHAKff>Hr(!).* S.Pctriad vineuia. 
Paulus wird von einem Kngel bei der Hand aus einem 
Kerker ausgeführt, zu den Füßen des Petrus liegt ein 
Stück der zerbrochenen Kette. Ein Soldat mit Sturm- 
haube und Axt (Hellebarde 1 zieht die Kette. 

17. ,0k. Hm^ommi ." Antonius. Typus 1 mit dem 
Spruchband. Architektonifcher Hintergrund. 

18. .Ok. fl£4Mjcl4(!), ck. KHpHAk.* Athanafius und 
Cyrillus. Der erfte nach Typus 6, der zweite ebenfalls, 
nur noch mit einer Kopfhaube. Architektonifcher 
Hintergrund. 

19. .Gk. ffiAKAplf, CR. AlipW* Macarius und Marius, 
beide nach Typus 2. Architektonifcher Hintergrund. 

20. (iAHMil rmhkh. * Euthymius der Große. 
Typus 2 mit dem Spruchband. Architektonifcher 
Hintergrund. 

21. .Gr. AliigiMk.* Maximus, Typus 2 mit dem 
Spruchband. Architektonifcher Hintergrund. . 

22 ,Gr. Thmoa*h * Timothaus, liegt am Boden, 
zwei Schergen fchlagen ihn mit Stocken. Architektoni- 
fcher Hintergrund. Vide den Suczawitzer Kalender. 

23. .Gr. Kammmtv" Clemens. Dargeftellt find 
zwei Heilige, die geköpft werden. Architektonifcher 
Hintergrund. Vide den Suczawitzer Kalender. 

24. .Ckavtaa BftiHl*.' Kfcnia. Typus 22. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 



25. .Gr. PpMropii £*r*M«R*." Gregorius Thcologus. 
Typus 6. Architektonifcher Hintergrund. 

26. „Gr. <$HMO$oirr. * Xcnophon, Typus 2, mit ihm 
find drei weibliche Geftalten dargeftellt. Vide den 
Suczawitzer Kalender. 

27. . UpfcHICtMit MOIUIM CKMTWt l«4H4 3A4T«gtTOro. ' 

Translatio s. Johannis Chrisostomi. Viele Diaconc in 
weißer Kleidung und mit Orar tragen einen zugedeckten 
Sarkophag. Zwei fchrciten voran. 

28. .Cr. ts^piM Gahphh.' Ephrem der Syrer. 
Typus 2, mit dem Pcrgamentftreifcn. Architektonifcher 
Hintergrund. GaHpHH ift wohl ein Fehler Aatt GHpHN. 

29. .UpfeHiciHi* Meuif« PhatIa.' Translatio Ignatii. 
Architektonifcher Hintergrund. Drei Geiftliche, wohl 
Diacone, jeder mit Orar und in weißer Stychar, tragen 
einen zugedeckten Sarkophag. Vide den Suczawitzer 
Kalender. 

30- ,Bn«AMTk" Hypolithus, Typus 6, wird ins 
Waffcr geftürzt. Gebirge im Hintergründe. 

31 Das Bild zeigt eine Enthauptung. Wahr- 
scheinlich waren dargeftellt Cyrus und Johannes. 

Februar. 

1. .Gr. TpH+OH." Tryphon, wird enthauptet. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Vide den Suczawitzer 
Kalender. 

2. .OrptTinii. " Begegnung Chrifti, Purificatio. 
In der Kirche lieht der alte Symeon vor einem Tifche 
{der Bundesladct und empfangt von der Mutter Gottes 
iHP-ftX das Kind Jefu. Hinter Maria ftcht Jofcph. 

3. .Gr. GiMfOH' . . . Symeon (Anna). Architektoni- 
fcher Hintergrund. Er als Apoftcl Typus 10, fic ftcht 
ihm gegenüber. 

4 .Gr. GM.\«pk * Ifidor. Typus 2 mit dem Spruch- 
band. Architektonifcher Hintergrund. Siehe den Sucza- 
witzer Kalender. 

5. ,Gk. rir4$ij-' Agathia, fitzt hinter einem Gitter. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

6. .Gr. R«k»aa * Wukol. Typus 6 Architektoni- 
fcher Hintergrund. 

7. ,Ck- n<ipA«id'-" Parthenios, Typus 6. Archi 
tektonifcher Hintergrund. War Bifchof in Lampfakos 
am Hellcspont. Metaphraftes, CXIV, p. 1350. 

X. .Gr. Tto^VAH CTpjTHAAT. * Theophancs Stratilatcs. 
Hier fand eine Verwechslung mit Theodor Stratilates 
ftatt. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

9. ,Ck. HttKH^ep-* Nikephoros, wird geköpft. 
Architektonifcher Hintergrund. Das Bild ift etwas 
verwifcht. Vide den Suczawitzer Kalender. 

10. .Gr. XipAAAtnif.' Charlampius, wird geköpft. 
Architektonifcher Hintergrund. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

11. .Gk. KAHcif.* Blafius, Typus 6, wird geköpft. 
Architektonifcher I Untergrund. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

12. .Gr. MfMU-rit.' Melethius. Typus 6. 

13. .Gr. Al4pTHHii*u. * Martinianus. Typus 2 
Architektonifcher I Untergrund . 

14 .Gr. flKkriHTii.* Auxcnthius. Typus 2 mit dem 
Spruchband. Architektonifcher Hintergrund. 

15. ,Gr OHtKHMk ." Onefimus. Architektonifcher 
Hintergrund. Der Heilige liegt am Boden mit gebun- 



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- 37 - 



denen Füßen, zwei Schergen prügeln ihn. Vide den 
Suczawitzer Kalender (Taf. IV, erfte Bilderreihe, erftes 
Bild). 

16. ,Ck. ILia^ha!» Hau ck hhm * Pamphilius und 
feine Gefährten. Archttektonifeher Hintergrund. Zwei 
Reihen der Märtyrer am Boden hingeftreckt nach 
entgegengefetzten Seiten, werden von zwei Soldaten 
geköpft. Siehe den Suczawitzcr Kalender. 

17. .Gr. tho,\,oph THp«H * Theodor Tiro. Architek- 
tonifcher Hintergrund. Der Heilige liegt auf einem 
eifernen Bett, unter welchem Feuer gelegt wurde, 
welches ein Diener fchürt. Siehe den Suczawitzcr 
Kalender. 

1«. .Ct. rtioHTii.« Lcontius, Typus 4. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

19. ,Cr. flpfHUV' Archippos. Architcktonifchcr 
Hintergrund. Drei Heilige werden geköpft. Eine fiftive 
Darfteilung. Siehe den Suczawitzcr Kalender. 

20. ,Gr. <W»htIa ' Leontius, Typus 6. Architektoni- 
fchcr Hintergrund. 

21. .Gk. Thmoa'H.' Thimotheus, Typus 2. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

22. .OsptTiHii M«i|iiAt ckatu.u (r tfRrmlw).* Die 
Auffindung der Gebeine der Heiligen (in Kugenia). 
Architcktonifchcr Hintergrund. Das Bild zeigt einen 
offenen Sarkophag, in welchem ein Leib fichtbar ift. 
Beim Sarkophag fleht ein Mann ohne Nimbus in 
gebeugter Stellung. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

23. ,Gt. IleAHKApiiit.' Polykarpos. Typus 6, Acht 
in Flammen. Architcktonifchcr Hintergrund. Siehe den 
Suczawitzer Kalender. 

24. .OBp-knHl» hkhU riUBM * Die Auffindung 

des Hauptes Johannes des Täufers. Im Hintergrunde 
ficht man eine Stadt und Gebirge, in diefem nun finden 
zwei Männer den Kopf des heil. Johannes in der Erde. 
Siehe den Suczawitzcr und den Lemberger Kalender. 

25. ,Gr. TApAcli.* Tharafius, Typus 6. Architck- 
tonifchcr Hintergrund. 

26. ,Gr. I1op$Hplt.' Porphyrius, Typus 6. Archi- 
tcktonifchcr Hintergrund. 

27. ,Ck. I)p»Konif .vnunoAHT.* Procopiusdekapolitcs. 
Ein Soldat köpft ihn. Archttektonifeher Hintergrund. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

28. ,G* * Wahrfcheinlich ftand Baftlius. Der 

Heilige nach Typus 2 mit dem Spruchband. Archi- 
tcktonifchcr Hintergrund. 

29. .Gr * Bloß architcktonifchcr Hintergrund 

fichtbar. 

März. 

1. „Grata* ÖHAOKi*.* Eudokia, Typus 22, wird ge- 
köpft. Architeklonifcher Hintergrund. Siehe den Sucza- 
witzcr Kalender. Zu bemerken ift, dnfs der Künftler in 
dem Namen Eudokia ein lateinifches u gebrauchte. 

2. „Gr. 9t«\«T.' Thcodot, er liegt auf der Erde, 
ein Scherge haut ihm die Füße ab. Architcktonifchcr 
Hintergrund. Siehe den Suczawitzcr Kalender. 

3. ,Gr. örrpwiii." Eutropius. Architcktonifchcr 
Hintergrund. Drei Heilige »erden geköpft. Siehe den 
Suczawitzer Kalender zum 3. März und zum 22. Mai. 

4. .Gr. üaym H OfAHAUA.' Paulus und Juliana 
werden geköpft. Architcktonifchcr Hintergrund. Gc- 
fchwifter aus Ptolemais in l'honicien, wurden unter 
Aurelian enthauptet. 



5. .G*. KcMOHk.* Konon, Typus 2. Architekloni- 
fcher Hintergrund. Wird im WafTcr ertränkt. Siehe 
den Suczawitzer Kalender. 

6. ,Gr. mSiihhki MR.* Die 42 Märtyrer. Architek- 
lonifcher Hintergrund Viele Märtyrer werden geköpft. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

7. „G«. (5+piMk mjki c* HHAth." Ephremos und feine 
Gcnoflcn. ArchitektonifcherHintcrgTund. Einige werden 
geköpft. Siehe Suczawitzcr Kalender. 

8. .Gr ' Erkenntlich Typus 6 und architck- 
tonifchcr Hintergrund. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

y, ,Gk. mümihhkx m. * Die 40 Märtyrer (in Scbaftac). 
Das Kilcl ftcllt eine Menge Perfonen, jede mit nacktem 
Oberleib, nur in Hofen, alle flehen im Waffer, nur einer 
geht durch eine Thür in ein Gemach. Oben über ihnen 
find 40 Striche in acht Lagen zu fünf, welche zufammen 
die Zahl der Heiligen andeuten follcn. Sonft (auch im 
Suczawitzer Kalender) find 40 Kronen gemalt. 

10. ,Gk. KohaPata M*i ck HHMh " Conradus oder 
Quadratus. Architcktonifchcr Hintergrund. Einige 
werden geköpft. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

1 1. .Gr. G«4p«Hif.* Sophronios. Typus 4. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

12. ,Gt. T»c»4 ÄM -* Theophanos. Typus 2 mit 
dem Spruchband. Architektonifchcr Hintergrund. 

13. .npfeHfCiiib m«i|iim c«. IlHKH^tp*.' Translatio 
s. Niccphori. Architcktonifchcr Hintergrund. Die Dar- 
ftcllung wie gewöhnlich. Gciftliche in weißen Gewän- 
dern (Diacone) tragen den Sarg. Einer mit dem Cibo- 
rium (Kirche oder Rcliquiar?) fchreitet voran. Siehe 
den Suczawitzer Kalender. 

14- .Gr. flAi&AHApk." Alexander. Wird von einem 
Soldaten geköpft. Architcktonifchcr Hintergrund. Er 
war aus Pydna in Maccdonien, trat in Anwesenheit des 
Kaifers Maximian eine heidnifche Statuette mit Füßen, 
wurde dafür geköpft. Sein Andenken wird am 13. ge- 
feiert. 

1 5. .Gr. flranli HXf » HHAtk.' Agapius und feine 
Gcnoffen. Einige Märtyrer werden geköpft. Architck- 
tonifchcr Hintergrund. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

16. .Cr. 11.1. . . . " Vielleicht fland ILmm, der heil. 
Papas. Gebirge im Hintergründe. Er ift aufgehängt mit 
den Füßen an den Wipfeln zweier Bäume, die ihn ent- 
zweireißen follcn. Papas, Märtyrer unter Diocletian. 

17. ,Gr. flAiftli * Alexius. Architcktonifchcr Hinter- 
grund. Er als Eremit in einem langen Kleide, barfüßig 
(Typus 19), nur umgürtet. Siehe den Suczawitzcr Ka- 
lender (Taf. IV. zweite Bilderreihe, zweites Bild). 

i.V. ,Cr. KnpHAh * Kyrillos. Architektonifcher 
Hintergrund. Er nach Typus 4 mit ausgcflrccktcn 
Händen, in der linken das Buch. Siehe den Sucza- 
witzcr Kalender. 

19 ,Cr. XpHCAAk h Chrifanthos. Daria. 

Architektonifchcr Hintergrund. In der Mitte das Ge- 
birge fichtbar, darin befinden fiel» beide und flehen 
mit vorgelircekten Händen, links von ihnen ein Mann 
mit einem Spaten, rechts ein zweiter mit der Axt , 
Siehe den Suczawitzcr Kalender. 

20. ,Gr. TipACHM.' Hcrafymus, Typus 2 mit 
Spruchband. Ein Löwe fteht neben ihm. Architcktoni- 
fchcr Hintergrund. Siehe den Suczawitzer Kalender 
zum 4. Marz. 



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21. ,G«. KupHAk." Kyrillos. Typus 6. Architektoni- 
fchcr Hintergrund. War Bifchof in Catana auf Sicilien, 
lebte im I. Jahrhundert. 

22. .Ol. BachaI«.* Bafilius als Eremit gekleidet, 
liegt am Hoden mit gebundenen Füßen und wird von 
einem Soldaten mit zwei Lanzen geftochen. Es waren 
glühende Eifen. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

23. ,G«. Hhk«h hwi c* hhmk.' Nikon und feine 
Gcnoflen. Ein Soldat köpft mehrere. Architektonifcher 
Hintergrund. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

24. ,Ck. IÜkcu.' Jacobus. Typus 2 mit dem 
Spruchband. Architektonifcher Hintergrund. Siehe den 
Suczawitzer Kalender zum 21. März. 

25. .GiureK-kqiiHii.' Annunciatio. Architektoni- 
fcher Hintergrund, das Haus Marias darfteilend. Auf 
der rechten Seite fleht auf einem Schemel die heil. 
Maria (UP — 9S>", vor ihr ein Engel mit einem Stäbchen 
(Lanze). In der Mitte ein Blumentopf. Siehe den Sucza- 
witz.cr Kalender. 

26. ,fl(i(jriMciA) IXupiHA).' Erzengel Gabriel. Ein 
Engel. Architektonifcher Hintergrund. 

27 ,C«. AlATpoHA.* Matrona, fitzt hinter einem 
Gitter. Sic lebte im 2. Jahrhundert, war Sclavin einer 
Jüdin in Salonichi, wurde auch von ihr nach blutigen 
Schlagereien im Zimmer eingefperrt, wo fie ftarb. 

28. ,Gk. Haaphohk* Hilarion. Typus 2 mit dem 
Spruchband. Architektonifcher Hintergrund. War Abt 
im Pelekitos-Kiofter am Hellcfpont. 

29. ,G«. Hoha h RaaxU ." Jonas und Blachius, beide 
{n.ich Typus 2) knien, ein Scherge hält dem einen die 
Hand vor dem Mund, als ob er ihm etwas hincinftopfen 
wollte. Vgl. den Suczawitzer Kalender zum 19. April. 

30. ,C*. l«Mk." Johannes. Typus 2 mit dem 
Spruchbandc. Architektonifcher Hintergrund. Siehe den 
Suczawitzer Kalender. 

31 .Ck « Vielleicht HmatI». Typus 6. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

April. 

1. „Ck. iIAapha.* Maria. Architektonifcher Hinter- 
grund. Maria fleht nackt, nur ein Tuch hat fic umge- 
worfen. Ein Heiliger. . ,(3»)chm* reicht ihr etwas, viel- 
leicht einen Stock. Es ift Zofymos. Siehe den Sucza- 
witzer Kalender (Taf. V, erfte BiUkrreihe). 

2. .Ck. THTk.' Titus, Typus 2. Architektonifcher 
Hintergrund. 

3 .Ck. Hmcmta. * Nikctas, Typus 2. Architektoni- 
fcher Hintergrund. 

4. ,Ck. H l'*n#A | » ■" Thcodulos. Gapodus. 
Im Hintergrunde ein Gebirge. Beide, in je einen Sack 
eingenäht, werden ertränkt. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

5. ,Ck. KajkA'« ' Claudius wird geköpft. 

6. „Gr. GktTi.* Vielleicht Fehter ftatt 6RTHfii, 
Eutychios. Typus 4. Architektonifcher Hintergrund. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

7. ,Gk. r«oprii.' Georgius, Typus 2, mit dem 
Spruchband. Architektonifcher Hintergrund. War 
Metropolit von Mitylene, ftarb wegen Bilderverehrung 
im Exil 816. 

8. ,G«. iWrroAkl * E)ic Apoftcl. Dargeftcllt viele 
Apoftol. Es find die 72 gemeint. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 



9 »G«. 6vftH]fTi(l).* Euxychios, irrthümlich ftatt 
Eupfichios. Wird geköpft, der Soldat hat eine Sturm- 
haube. Architektonifcher Hintergrund. Siehe den Sucza- 
witzer Kalender. 

in. ,Gk. TipiHhTiH hki » HMMk." Terentius und 
Gcnoffcn. Es waren Africanus, Maximus, Pompius und 
40 GenolTen. Einige werden geköpft. Architektonifcher 
Hintergrund. Märtyrer unter Decius, wurden nach 
Metaphraftes geköpft, CXV, p. 95. 

11. .Ck- fliiTHfid. 4 Antippos, Typus 6. Architek- 
tonifcher Hintergrund. Siehe den Suczawitzer Kalender 
zum 10. April. 

12. ,Gk. BAtMAi'«.* Balilius, Typus 6. Architektoni- 
fcher Hintergrund. Wahrfcheinlich Bafilius, Bifchof von 
Kjezan in Rufsland gemeint. 

13. ,Gk. AÜApTMMk. " Martinus, nach Typus 4, 
ausgeftreckte Hände, in der linken das Buch. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

14. »Ck. flpHCTApffh Haue« HHMh.* ArifUrchos und 
Genoffen. Einige werden geköpft. Der Heilige wird 
gewohnlich am nächften Tage gefeiert. Siehe den 
Suczawitzer Kalender. 

15 ,Ck. KpMfKtHTk.* Crescentius. Der Heilige 
fleht in Flammen. Architektonifcher Hintergrund. Siehe 
den Suczawitzer Kalender. 

16. ,Grata(!) drAiita, BpHiiA h XhcmTm.* Agapia. 
Irena, Chionia. Alle drei in Flammen. Drei Schwertern 
aus ThefTalonichc, wurden auch nach Metaphraftes 
CXV, p. 80, verbrannt {Taf. V, dritte Bilderreihe). 

17. ,Gk. GHMitHk 1*1 ex HHMk.« Symeon und 
Gcnoflen. Architektonifcher Hintergrund. Vier Märtyrer 
werden geköpft. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

18. ,Gk. Cara.* Sabas. Gebirge im Hintergrunde. 
Der Heilige wird ertränkt. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

19. .Ck. 9«»A(cpk) HXf kr IlfpriH.* Theodor in 
l'ergae. Das Bild ftellt einen Gekreuzigten dar. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

20. ,Gk. Of»,\opk TpH£M a. • Theodor, Trychinos 
genannt, Typus 2 mit dem Spruchband. Architektoni- 
fcher Hintergrund. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

21. ,Gk. DpOKVAA hjki t% hhm.* Proculus. Einige 
werden geköpft. Architektonifcher Hintergrund. An 
dem Ta^e wird das Andenken des heil. Januarius, des 
Bifchofs von Campana, feiner Diacone Proculus, Soflius 
und Fauftus und noch drei anderer gefeiert, welche alle 
zur Zeit Diocletian's enthauptet wurden. 

22. .Ck. 6<«a»P<>-* Theodor, Typus 2. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

23 .Gk. Ff^prii.' Gcorgiu«, wird von einem Sol 
daten geköpft. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

24. ,Gk. Cam.* Sabas. Gebirge im Hintergründe. 
Er wird ertränkt. Siehe den Suczawitzer Kalender und 
hier auch zum 18. April. 

25. ,Gk. AljpKe.* Marcus. Eine Capelle im Hinter- 
gründe. Er wird an den Fiißen gebunden von einein 
Schergen gefchleppt. Es wurde ihm nach Meta- 
phraftes eine Schnur um den Hals gelegt und die 
Diener fchleppten ihn und fehricen: r Zichen wir den 
Ochfcn in den Ochfenftall." Auf fein Gebet hin ftarb er 
Anders der Suczawitzer Kalender. 



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26. .Gr. RacUm.* Bafilius, Typus 6, wird geköpft. 
Architektonifchcr Hintergrund. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

27. .Gr. G»MCHk(»)." Symcon. Gekreuzigt. Archi- 
tektonifchcr Hintergrund. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

28. ,Gk. IjccHh, ck. GcciinaTpti. 1 Jafon, Sofipater, 
Apoftel, beide mit Rollen. 

29. „Gr. lUfMiioiiik.' Mcmnonios, Typus 2, mit dem 
Spruchband. Architektonifchcr Hintergrund. 

30. „Gr. M(aflMAt). . . Wird geköpft. Architektoni- 
fchcr Hintergrund. 

Mai. 

1. ,6piMla\ npepoK.' Jeremias Prophet, wird gc- 
Dcinigt. Vergleiche die unrichtige Darftellung im Sucza- 
witzer Kalender (Taf. V, zweite Bilderreihe). 

2. „[Ip-kmoHii MOiniMk ck. fTUuHAclA« Translatio 
s. Athanasii. Gewöhnlich, wie zum 29 Januar und 
13. Marz. 

3. ,Gk. Thm»a<h m no.vpsxH ir« MjKpH * Timotheos 
und feine Gattin Maura. Beide gekreuzigt, die Hände 
find, wie unfer Künfllcr gewöhnlich darftellt, an den 
Balken gebunden. Siehe den Suczawitzcr Kalender. 

4. ,Gk. OakW." Olbius, Typus 6, fleht in Flammen. 
Architektonifchcr Hintergrund. 

5. „Gr. 6pHH4.' Irene mit der Krone, wird geköpft. 
Architektonifchcr Hintergrund. Siehe den Suczawitzcr 
Kalender. 

6. „Gr. H«Rfc.* Job. Als Eremit, Typus 19, um- 
gürtet. Architektonifchcr Hintergrund. 

7. „Gr. fltCAKi». ' Acacius, wird geköpft. War aus 
(Jappadocicn, wurde zur Zeit des Maximinus unter den 
Mauern von Byzanz enthauptet. Metaphraftcs CXV, 
p. 238. 

8. „Cr. Ioh Verfchmiert . . . Apoftcl-Typus. Archi- 
tektonifchcr Hintergrund fichtbar. 

9. » Ic aha ripopOK.* Jcfaias, Prophet. Sitzend, nach 
Typus 19, ein Scherge hält eine Schnur. Siehe den 
Suczawitzcr Kalender. 

10. ,G«. Ghmohk.' Symcon. Gekreuzigt. Hände 
und Füße auch angebunden. Architektonifcher Hinter- 
grund. Siehe den Suczawitzcr Kalender. 

11. „Gr. AloKii.* Mokios, wird geköpft. Archi- 
tektonifchcr Hintergrund. Siehe den Suczawitzcr 
Kalender. 

12. ,Gk. 6nH$AHi<.' Epiphanios, Typus 4. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

13. .Grataa FAUKfpU ' Glykeria, ein Bär fpringt 
auf fie ( im Begriffe, fic zu zerreißen. Siehe den Sucza- 
witzcr Kalender. 

14. „Gk. Gha«(H» * Ilidor, wird geköpft. Archi- 
tektonifchcr Hintergrund. Siehe den Suczawitzcr 
Kalender. 

15 .Gk. IFax»*»!«, cr. Of«A°P h * Pachomius, Theo- 
doros, beide nach Typus 2. Der eine mit dem Spruch- 
band. Architektonifchcr Hintergrund (Taf. IV, vierte 
Reihe). 

16. Gk. Haikcah.vp ' Alexander, Typus f> Archi- 
tektonifcher Hintergrund (Tat IV, vierte Bilderreihe). 

17. .Gr. flHApcHHK, ck. H#Hia " Andronikos, Jonia 
als Apoftel, beide mit Rollen. Siehe den Suczawitzcr 
Kalender. 



18. .Graxtaa f?.f p »<•<• ' Euphrafta, wird ertränkt. 
Im Hintergrunde das Gebirge fichtbar. Siehe den 
Suczawitzcr Kalender. 

19. ,C*. TlaTpHKii H-Mi cr HMA».' Patrikios und 
Genoffen. Einige werden geköpft. Architektonifcher 
Hintergrund. Patrikios, Bifchof von Bruffa, wurde unter 
Kaifer Julian enthauptet, 

20. .Gr. Öaaiaim." Talliläus, wird geköpft. Archi- 
tektonifchcr Hintergrund. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

21. .Gr. K»CTAMT«Hh, CKATAJ 6aim.* Conftantin 
und Helena. Beide mit Kronen auf den Köpfen 
halten zufammen ein Kreuz. Typifche Darfteilung. 

22. .Gr. RACHAHCKk. * Bafilius, wird geköpft, Archi- 
tektonifcher Hintergrund. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

23. ,G*. AIhx"aha.« Michael, Typus 6. Architektoni- 
fcher Hintergrund. 

24. „Gr. G*M»»Hh." Symcon, Typus 2. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

25. „TprrM «bp*tihmi 'iicmLa ia arm * Die dritte 
Auffindung des Kopfes des heil. Johannes des Täufers. 
Architektonifcher Hintergrund, vorn das Gebirge ficht- 
bar, in welchem zwei Männer den Kopf finden. Wie 
zum 24. Februar. 

26. „Gr. Rapiik * Karpos, als Apoftel mit der Rolle. 
Architektonifcher Hintergrund. 

27. .Gk. e«pan©HTH * Thcrapontes, liegt am Boden 
und wird von zwei Dienern mit Stöcken gefchlagcn. 
Siehe den Suczawitzcr Kalender. 

28. ,Gk. 6*aaI» " Helladios. Typus -6. Archi- 
tektonifchcr Hintergrund. 

29. „Gk. 6f»A*c'4' * Theodofia, wird ertränkt. 
Gebirge als 1 Untergrund. Theodofia, Jungfrau aus 
Tyrus, wurde unter Diocletian ins Meer geworfen. 

30. ,Gr. (sVTMjf ha. ' Eutychios, als Apoftel mit 
Rolle. Architektonifchcr Hintergrund. 

31. .Gr. Gpi.wlA.* Jeremias. Das Bild ift etwas 
verfchmiert. Sichtbar ift der architcktonifchc Hinter- 
grund und Enthauptung des Heiligen. Hier ift wahr- 
scheinlich nicht der Apoftel Hermes, fondern der 
Märtyrer Jeremias aus Comanae in Cappadocien ge- 
meint, welcher im 2. Jahrhunderte nach fehweren 
Martern enthauptet wurde. Siehe den Suczawitzcr 
Kalender. 

Juni. 

1. „(Gr. Ov)cTMHk. J Juftinus als Apoftel mit dem 
Spruchbande. Architektonifcher Hintergrund (Taf. V). 

2. ,Gk. HHKH^op.* Nikcphoros. Typus 6- Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

3. .Gr. ABKiAHk.* Lucian, wurde gekreuzigt mit 
dem Kopfe nach unten. Architektonifchcr Hintergrund. 

4 „Gr. rtliiTpo+AM * Mitrophancs. Typus 4 mit 
ausgcltrcckten Händen, in der linken das Buch. Archi- 
tektonifcher Hintergrund 

5. „Gk. Octaah«.* Euftaphios. Typus 6. Architek- 
tonifchcr Hintergrund. 

6. ,Gk. \t$9fi.m.' Dorothacus. Typus 6. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. In anderen Kaiendarien wird 
cr am 5. gefeiert. 

7 „Gk. B««A»■»■h.• Theodotos, wird geköpft. Archi- 
tektonifcher Hintergrund 



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- 4© — 



8. ,Gr. 9i»A«0*> ctpathaat. * Thcodoros stratilates, 
wird geköpft. Architcktonifcher Hintergrund. Siehe 
den Suczawitzer Kalender zum 7. Juni und zum 18. Mai. 

9. „Gr. Khphak". Kyrillos. Typus 4. Architektoni- 
fcher Hintergrund. 

10. .Gimitwj fliUKfdHAP« * Verwifcht. Ale- 
xander, und weiter ftand wahrfcheinlich ,HwT*MiA\' 
feine Frau. Zwei Gcftaltcn, Mann und Weib, beide in 
Flammen. Märtyrer unter Diocletian, wurden ver- 
brannt. 

11. .(Cr. R<»p)a«aoa»«h.* Bartholomaeus, ge- 
kreuzigt. Architcktonifcher Hintergrund. Siehe den 
Suczawitzer Kalender. 

12. „Gr. ONO^pir.* Onuphrios. Typus 17. Archi- 
tcktonifcher Hintergrund. 

13. „Grata* IIkhahha.* Akilina, wird geköpft. 
Architektonischer Hintergrund. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

14. .... Wahrfcheinlich ftand .Bamcih', Elifaeus, 
weil der Heilige nach dem Apoftcltypus dargcftcllt ift 
mit dem Spruchband. 

15. .IIpopoK flM«ct>. 4 Prophet Arnos, ebenfo. 

16. „Gr. Tt»jr©N.' Tychon. Typus 4. Architcktoni- 
fcher Hintergrund. 

17. .Gr. «Uahoha, Gaawha, Hsmaha.' Manuel, 
Samuel, lsmacl. Drei Märtyrer werden geköpft. Archi- 
tcktonifcher Hintergrund. Der Name Cam»ha ift ein 
Fehler ftatt Gakia. Siehe den Suczawitzer Kalender, 
welcher die Namen richtig gibt (Taf. IV, fünfte Reihe). 

18. .Gr. AwmtT».* Leontius, liegt nackt auf dem 
Stuhle und wird von zwei Schergen mit Hämmern gc- 
Schlagen. Architektonifcher Hintergrund. 

19. ,Gr. Sccmaa.* Sofymus, wird geköpft. Archi- 
tektonifcher Hintergrund (Taf. 4, fünfte Bilderreihe). 

20. „Gr. AIiaoa** iiATAptcKH.' Methodius von 
Patara. Typus 6, wird geköpft. Architektonifcher 
Hintergrund. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

21. ,Gr. IIvahah.* Julian, wird ertränkt. Gebirge 
im Hintergrunde. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

22. ,Gk. (»KctRfi.* Eufebius, Typus 6, wird mit der 
Keule erfchlagen. Architcktonifcher Hintergrund. Siehe 
den Suczawitzer Kalender. 

23. „Grataa flrpHnHHA.* Agripina, liegt am Boden 
und wird von zwei Dienern mit Stöcken gefchlagcn. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

24. .Poxaktr» Io(a)hok(o).' Geburt des Johannes. 
Elifabeth liegt im 'Bett, oben Zacharias nach Typus 1 1. 
Zwei Diener bringen der Wöchnerin Elifabeth Spcifcn 
und Getränke. Unten links baden zwei Weiber das 
Kind im Wafchbeckcn. Geläufige Darftcllung. 

25 ,G«. 4>irp»hIav* Febronia, wird geköpft. Archi- 
tcktonifcher Hintergrund. Die heil. Frau aus Syrien, 
wurde unter Diocletian enthauptet. 

26. „Gr. A'MMV* Dawid, dargcftcllt als Stylites 
wie Symcon zum 1. September. Die Legende erzählt, 
er habe unter einem Baume gelebt. 

27. „Gr. GAAtceHk.' Samfon. Typus 2 mit einer 
Rolle: Architektonifcher Hintergrund. 

28 Ganz verfchmierl. 

29. ,Gr. II»Tp, cr. Daria " Petrus Paulus, als 
Apoftel. Architcktonifcher Hintei grund. 

30. .GiRop cr. aiuctc-ak.* Dargcftcllt find viele 
Apoftel. 



Juli. 

1. „Gk. K«<3MA h Aaa^hw * Kosmas und Damian 
werden gefteinigt. Architcktonifcher Hintergrund. 
Sicheden Suczawitzer Kalender zum 1. Juli und zum 
1. November (Taf. V, vierte Bilderreihe). 

2. .lleAeiKiiiiit iichTa pMÄk." Die Beilegung des heil. 
Gewandes. Das Bild ftellt eine Kirche dar, in welcher 
der Patriarch mit dem Kaifer das heil. Gewand in eine 
Truhe legen. Hinter dem Kaifer ftcht ein Mann, wahr- 
fcheinlich ift da einer von denjenigen gemeint, welche 
das Gewand aus Jcrufalcm brachten. Vidc den Lem- 
berger und den Suczawitzer Kalender. 

3. „Gr. Iakhhaa.* Iliakynthos, fitzt hinter einem 
Gitter. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

4. „Gr. flMAA»H KpHTCRH.' Andreas von Kreta. 
Typus 6. Architektonifcher Hintergrund. (Imaaih ift 
ein Fehler ftatt HhaP'H. 

5. ,Gk. Aaaaeaaa.* Lampadius. Typus 2 mit 
dem Spruchbande. Architektonifcher Hintergrund. 
Lampadius Thaumaturgus aus Ironopolis in Isauricn, 
lebte im 10. Jahrhundert. Wenig bekannt 

6. „Gk. Ghcoi." Sifoc, ebenfo. 

7- „G«. 0OAIA. 4 Thomas, ebenfo. 

8 „Cr. IIpc(Konii).' Die Stelle ift verfchmiert, 
Procopius wird geköpft. Architektonifcher Hinter- 
grund. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

9. „Cr. IIahkpatW.' Pankratius. Typus 6. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

10. „Gratux am mjSmimhkh hjk« m Hhkc-opa apAvfcH- 
CT-kMh." Die 45 Märtyrer in Nikopolis in Armenien. 
Viele Märtyrer in Flammen ftehend. Siehe den Sucza- 
witzer Kalender. 

1 1. „Gkavtaa (Sahmhav* Euphemia. Das Bild ftctlt 
eine Kirche dar. Dort liegt die Heilige im Sarkophag 
und find ihr zwei Rollen beigegeben, eine in die Hand, 
die zweite liegt zu den Füßen. An der Kopffcitc flehen 
zwei Bifchöfe, zu den Füßen ein Mann. Siehe den 
Suczawitzer Kalender. Der Mann ftellt den Häretiker 
dar. 

12 Sichtbar zwei Perfonen, die eine wird 

enthauptet, die andere an den Pranger gebunden, mit 
Pfeilen durchfchofTen. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

13 ,Gk. CTf$AH * Stephan. Typus 2 mit Rolle. 
Architektonifcher Hintergrund. 

14. „Ivcthh.* Juftinus, als Eremit Typus 19 mit 
dem Kreuze in der Hand, fteht in Flammen. 

15. „GiiiATkix KiipHK 11 Otf aha * Kyriakos und Ulil, 
das ift Julita. 0)'aha wird wohl ein Schreibfehler fein. 
Das Bild zeigt einen Mann, welcher von der Mauer ge- 
worfen wird, und ein Weib, welches geköpft wird. Siehe 
die Erklärung im Suczawitzer Kalender, welche zu 
diefer Darftcllung palst. 

ift „Cr. fluAHHoriN.* Anthinogenos, Typus 6. 
wird geköpft. Architcktonifcher Hintergrund. Siehe 
den Suczawitzer Kalender (Taf. IV, feclifte Bilderreihe). 

17 „Gkataa AIaphha.' Marina, wird geköpft. 

18. „Gr. Rmhamah.* Emiliatius, ftcht in Flammen, 
das Kreuz in der Hand. Architektonifcher Hintergrund. 
Sielte den Suczawitzer Kalender. 

19. .Gk. A'av* Dios. Typus 2 mit Rolle. Archi- 
tektonifcher Hintergrund. 

20 „OrHiHOCH« KftCXOKAfwit np»p«K Hai'-a. ' Die 
I liiimiclfalirt des Propheten Elias auf Fcuerwolkcn. 



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•11 



Elias fitzt im Feuerwagen, Hände zum Ausdruck der 
Verwunderung etwas v««rgeflreekt, der Wagen wird von 
zwei flammenfarbigen Pferden gezogen, das linke wird 
von einem Engel geritten, welcher den Wagen und die 
Pferde auf den Wolken fuhrt. Die übliche 1 larftcllung. 
Vergleiche eine abweichende und belfere Darllcllung 
im Suczawitzer Kalender. 

21. ,G*. Ohmhch Ha(ia or ' m - * Symeon. Jo- 
hannes, beide nach Typus 2 mit Rollen. Architekt««- 
nifcher Hintergrund. HapAOslH wird ein Fehler fein flau 
icp<> v VHKUH. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

22. .Gkataa HA&piA (Harh^AAMii.* Maria Magda- 
lena, ein dreiarmiges Kreuz in der Hechten. Architek- 
tonischer Hintergrund. Siehe den Suczawitzer Ka- 
lender. 

23. ,llp-fcHic»Hii mci|iia\ ck*top« $oku.* Translatio 
des heil. Phokas. Wie gewöhnlich dargeftellt. Siehe 
oben zum 27., 29. Jänner etc. 

24. „OKATA4 XpHCTHH* ' Chrillina, liegt, die Hände 
gebunden und wird mit zwei Lanzen durchbohrt. Siehe 
den Suczawitzer Kalender. 

25. ,Gkataa (Ihha aiatii B«r©(iOAHHH " Anna die 
Mutter der heil. Maria. Typus 20. Architcktonifcher 
Hintergrund. 

26. .ÜK- 6pat*A Hitc ex NHAt." Hermolaus und Gc- 
noflfen. Drei Märtyrer werden geköpft. Architcktoni- 
fchcr Hinlergrund. Siehe den Suczawitzer Kalender. 

27. ,Ck. II4(iitaaihmoh) Iverfchmicrt).* Pantalei- 
mon. Der architektonifche Hintergrund und die Ent- 
hauptung find erkennbar. Siehe den Suczawitzer 
Kalender. 

28 Das Bild etwas verwifcht, man fieht nur, 

dafs der Heilige im Feuer fteht, welches von zwei 
Dienern gefchürt wird. 

29 Ebenfo. 

30 Gmaa. «k. Gmamau».* Silas, Syloam, 

Apoftcl, beide mit Köllen. Architcktonifcher Hinter- 
grund. 

31. ,G«. (3ka«khm." Eudokimos, Typus 2, einen 
Stab in der Linken. Architcktonifcher Hintergrund. 
Siehe den Suczawitzer Kalender. 

Augltfl. 

1. (G&ATMJf AlaKABIH: ßAIMSApk, GoAOMOHH.V^ II 
flüTOMMH, llftHMh, V$ftU. ßAMASAph, ÜKSOII, GjMOM, 

illapKiA. * Die heiligen Makabäer: Elcafar, Solomonida 
und ihre Kinder: Antoninus, Avimus, Gurias, Elcafar, 
Eufonius, Snmo, Marcellus. Im Ganzen find nenn Per- 
fonen gemalt, alle mit Nimbus und in Sandalen, vier 
davon haben Kreuze in den Händen, Eine Darllcllung, 
die nicht gar oft vorkommt. Zu bemerken ift nur, dafs 
ftatt Samo, eines von den oben angeführten Makabäcrn, 
gewöhnlich Olimus genannt wird (Taf. V, fünfte Reihe}. 

2. ,Ck. Gti+iAMI» .* Stephanus, als Diakon nach 
Typus 16. In der Rechten da* Weihrauchgefaß, in der 
Linken ein Relifjuiar, welches die L'ehertragung der 
Reliquien bedeuten foll, w elche an diefem Tage gefeiert 
wird. 

3. ,Gk. \tMs*HT." Dalniatus, Typus 2 mit dem 
Spruchband. 

4. »Gkataa... Wahrfcheinlich Hand Eudokia, h.ilt 
ein Kreuz in der Rechten. 

XXIV N F. 



5. ,Ck. 6t*(inili.* Eufcgnius, Typus 1. 

6. „ llp'keGpA/Kiiili rccil<>,V>«'* Traiivfiguratio Chrifti. 
Auf einem Berge licht Chriftus, weißgekleidet, mitten in 
der rothen Mirandola, aus welcher rothe Strahlen 
herausgehen, rechts von ihm Prophet Elias (.Iaia*), 
links ,rtlcMC*, Moies mit dein Buche in der Hand. Am 
Fuße des Berges zwei ,!; Apoftcl, einer fchlafend, der 
andere fchon wach. 

7. .Gk. ,A,OAWHTi<.* Dometius, Typus 2 mit dem 
Spruchband. 

8 ,Gk. (iMHAHAH.' Emilianus, Typus 6. 

9. ,Gk. aiicctca jUaaih.' Mathia>, als Apoftcl, 
Typus 10. 

10. ,Gk. iUkimhtIi.' Laurentius, Typus* 1. 

11. .Gr. Gkraj • Euplus, Typus 1 

12. ,Gk. 4»«t1».* Pliotius, Typus 1. 

13. ,Gk. <Ha$i*av* Maximus, Typus 1. 

14. ,Ck. iHHjfu. - Michaeas, Prophet, mit dem 
Spruchband. 

15. .Oy'ciiMii« Koropo.vHitH.' Assumptio Mariae. Die 
Darftelhmg ift gewohnlich. Maria liegt auf dem Todten- 
bettc. rechts liehen die Apoftcl, und ein Diakon mit dem 
Rauchgefaß. Unten lieht ein Enge) mit dem gezückten 
Schwerte, mit welchem er einem Manne die Hände 
abgehauen hat. Da>fclbe Motiv findet lieh im Sucza- 
witzer Kalender. Üben ifl Chriftus da-rgeftellt, wie er 
Maria (weiß angezogen) in feine Hände empfangt. 

16. ^Vmsawt-* Diomydus, Typus 1. 

17. ,Gr. AlHpeii-* Miron, Typus 1, ein Kreuz in 
der Hand. 

18. .Gr. *Aopfc.* Florus, Typus 2. ein Kreuz in 
der Hand. 

19. ,Gk. fliUfUH.' Andreas, Typus 1, ein Kreuz in 
der Hand. 

20 ,Gr. Gamcha.' Samuel, Typus 2, mit Rolle, 
Prophet. 

21. ,Gk. anocTOAh ea,v»n ' Apoftcl Thaddaeus 
mit Rolle. 

22. „Gk. fliMAOHMK.* Agathonikos, Typus 1, ein 
Kreuz in der I land. 

23. ,Gk. IsKTHjrii.* Eutychius, Typus 6. 

24. .Gk. 4fi»cTCAh Bapaoacaiih. ' Apoftcl Bartholo- 
maeus, Typus 10. 

25. ,Gk. AiiocTOAk Thtv* Apoftcl Titus mit Rolle. 
2ö .Gk. flHAPtAH.' Adrian als Ritter, das Kreuz 

in der Hand. 

2". .Gk. Nhmih ." Pinien, Typus 2. 

28. ,Gk.*. . . Ganz verwifcht. 

29 Verwifcht. Man ficht nur, dafs das Bild 

eine Enthauptung darftcllt. Es ift die Johannes des 
Täufers. 

30. ,Gk. [Iakia HoKiM." Paulus Novus. Typus 4. 

31. JloAeKiiili hcmato no<*f A-* Die Aufhebung des 
heiligen Gürtels. Die Kaifcrin ruht auf einem Scffcl in 
der Kirche, der Patriarch ubergibt ihr den Gurtel 
Marias, links von der Kaifcrin licht der Kaifer. 

Weiter davon ift das Bild des heil. Daniel. Typus 2. 
Er war «1er erfte Mönch und der erfte Igumcn des 
Kloflers Woronet/. Seine Abbildung findet fich auch 
an einer antlern Stelle auf tler Kirchenmauer. Hier 
fchlicßt er nur das Jahr. Wahrfcheinlich wunle an 
diefem 'Tage fein Amleukc-n im Klofter gefeiert- Die 
Infchnft Iii : „cr. ,\aniHA. * 

6 



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- 42 - 



IV. 

Es find oben allgemeine Bemerkungen über die 
Befchaffenheit beider Kalender vorausgefchickt worden, 
jetzt mochten wir nur Witten, wer die Künftler waren. 
Weder von dem einen, noch von dem andern ift 
etwas bekannt; nur von dem Suczawitzer Künftler 
wird berichtet, er wäre vom Gerüft heruntergeftürzt 
und todt liegen geblieben, bevor er die Bemalung der 
Kirche zu Ende geführt habe. Mit diefer Nachricht, 
wenn fie auch wahr wäre, ift uns nicht gedient. Leider 
ift uns über die Pcrfoncn, wie getagt, nichts mehr 
bekannt. Man kann zwar nicht daran zweifeln, dafs 
durch die Publicirung des noch liegenden hiftorifchen 
Materials auch darüber Licht verbreitet werden wird, 
für jetzt mußen wir aber darauf verzichten. Lbcnfo find 
uns die Vorlagen nicht bekannt, nach denen beide 
gearbeitet haben. Dafs die Anregung dazu wciiigftcns 
mittelbar vom Athos kam, dafs dort vielleicht auch die 
Mufter dazu vorhanden waren, ift oben, wie auch bei 
Gelegenheit der Bcfprcchung des Lemberger Kalenders 
gefagt worden. Jetzt müßen wir diefe Frage im allge- 
meinen befprechen. Es war eine in der Kirche allge- 
mein verbreitete Anficht, dafs das Volk in der chrift- 
lichcn Lehre nur mit Zuhilfenahme der bildlichen Dar- 
Heilungen mit Erfolg unterrichtet werden kann. Als 
Zweck der Bildcrcyklcn wurde alfo die Erbauung und 
Belehrung des Volkes hingeftellt. Die erfte Kirche, von 
der wir wiiTen, dafs fie zu dem Zwecke von innen und 
von außen bemalt wurde, war die Felix Kirche in Nola 
in Italien. Bifchof Paulinus von Nola, welcher in der 
erften Hälfte des 5. Jahrhunderts dort thätig war, 
erzählt uns davon in feinen Schriften und befchreibt, 
wie die Kirche ausgefchen hatte. Er fagt in einem 
herben Tone in feinem XXVI. Gedichte, dafs er die 
ganze S. Felix Kirche mit Gemälden bedecken ließ, 
um die Gläubigen vom Trinken abzuhalten. Solcher 
Kirchen gab es fichcr mehrere. Der heil. Nilus (f 450), 
der Schüler des heil. Chryfoftomus, erzählt auch, dafs 
man die Kirchen inwendig ausgemalt hatte mit Scenen 
aus dem alten und neuen Tcftament. Und diefer Brauch 
verbreitete fiel» immer mehr, befonders im üften, wo 
der byzantinifchc, refte romanifche Styl der Kirchen- 
bauten für Malereien den günftigen Boden bot. Mit der 
Einführung des gothifchen Styls im Weftcn mußte die 
Ausmalung der Kirchen, weil dergothifchc Styl für die 
Wandmalereien nicht günftig war, zum großem Theile 
wegbleiben. Im Orient lebte aber diefer Brauch weiter 
fort, auf Athos erreichte er feine Bluthe. Ift aber Athos 
das einzige Mufter für unfere Bukowinaer Kirchen gc- 
wefenf Ich kenne nicht die Athos-Kirchcn aus eigener 
Anfchauun«; und konnte daher diefe Frage in ihrem 
vollen Umfange mit einem abfohlten Ja nicht beant- 
worten. Soweit mir aber die Athos-Kirchen aus Abbil- 
dungen und Werken bekannt find, kann man das im 
großen und ganzen mit Gewifsheit behaupten; ob das 
aber für alle Einzelheiten gilt, das ift fehr fraglich. Es 
ift fchon oben bemerkt worden, dafs zum Beifpiel der 
Suczawitzer Künftler Darftcllungen bringt, welche, wie 
zum Beifpiel der gekrönte Chriftus oder die gekrönte 
Maria, den Traditionen der oricntalifchen Kirche fremd 
waren und nur auf den Einfluß der weltlichen, alfo 
italicnifchcn Kunft zurückzuführen find. Aber wirkönnen 
noch weiter gehen. In der Kirche S Lorciuo fuori !e 



mura in Rom finden fich aufbeiden Seiten derEingangs- 
wand die fchon erwähnten FrescoMalcrcien aus dem 

13. Jahrhunderte, welche, was die Eintheilung und die 
Darftellungsmethode betrifft, den Darftcllungen in 
nnferen Kirchen ganz ähnlich find. Sie ftellenMartyriums- 
fecnen einiger Heiligen dar, ganz in dcrfclben Manier, 
wie unfere Künftler. Diefelbe Eintheilung in Rubriken, 
derfelbe halb blaue, halb grüne Untergrund, diefelbe 
Farbe, diefelbe Technik, diefelbe Auffaffung. Die ita- 
lienifche Kunft im 13. Jahrhundert ftand ftark unter 
dem Einfluß der byzantinifchen, was auf den Bildern 
von Cimabuc und der ganzen Umbrifchcn Schule be- 
fonders zum Ausdrucke kam. Das gilt auch für das 

14. Jahrhundert, für die Schule Giotto's und für das 
15 F.rft das 16. Jahrhundert brach vollftändig mit 
den alten Traditionen unter Führung Raphaels und 
Miehelangelo's. So wurde hier bis in's 15. Jahrhundert 
hinein vieles gefchaffen, was mit einigen Modificationetl 
auch byzantinifch war. Solcher Kirchen wie S. Lorcnzo 
in Rom mit ähnlichen Fresco-Malereien gab es mehrere 
in Italien, und weil fic näher waren als Athos, konnten 
fic auch als Mufter den örtlichen Kirchen in den be- 
nachbarten Ländern dienen. Dies könnte aber in 
unferem Falle nur in dem Sinne gelten, dafs unfere 
Künftler zum Vorbild ältere Kirchen des Wcftcns 
nahmen, welche in derfelben byzantinifchen Weife be- 
malt wurden wie die Athos-Kirchen. Noch einige andere 
Momente bezeugen die Verwandtschaft unferer Dar- 
ftcllungen mit der italicnifchcn Rcnaiffance des 14. und 

15. Jahrhunderts, fo zum Beifpiel die Blumen, welche 
wir auf unferen Darftcllungen fehen, fagen wir, bei- 
fpielsweife der Annuuciatio oder der Assumptio. 
Zwifchcn dem Engel und der Maria wurde ein Blumen- 
topf gemalt, den wir auf den Bildern der italienischen 
Schulen ebenfalls fehen. Nur find unfere Darftellungen 
von dem Geifte der italienifchen Rcnaiffance des 

16. Jahrhunderts gar nicht berührt, und das ift der befte 
Beweis, dafs unfere Künftler, obwohl ZcitgenofTcn der 
Blute der italienifchen Renaiffance, mit ihr nicht vertraut 
waren, fondern im Orten ihre Bildung (alfo alte Schule) 
genoffen hatten. Die Darftellungen der Fefte, welche uns 
die Künftler bieten, entfernen fich nur wenig und nicht 
wefenttich von den älteren typifchen Darftellungen. 

Was die Darftcllungen der Pcrfoncn betrifft, 
fo finden wir in unferen Kalendern diefelben typifchen 
Gcftaltcn, denen wir überall in der byzantinifchen 
Kunft begegnen, und welche ich im Lemberger 
Kalender fyftematifch geordnet und bezeichnet hatte. 
Auch hier handelt es fich den Künftlcrn bloß um die 
Bezeichnung des Standes, nicht aber um Gefichtszügc, 
um Porträtirung, weshalb die Gewandung und Haltung 
der Perfonen allein von Bedeutung ift. Nur geringe Ab- 
weichungen laflcn fich in der Beziehung conftatiren, 
zum Beifpiel, dafs die Diakone, Typus 16, über dem 
weißen Stichar noch rothe Dalmatica tragen und 
andere unbedeutende Sachen. 

Nur was den Zweck der Arbeit betrifft, entfernen 
fich untere Kalender von dem Lemberger und anderen 
derlei Kunftprodutften fehr ftark. Die Kalender, die als 
Tafelbilder gemacht wurden, und zu diefen gehört auch 
der Lemberger Kalender, dienten für die Priefter als 
illuftrirte Ilandkalender und für das Volk zur Anbetung, 
unfere Fresco Kalender follten aber hauptfachlich zur 
Belehrung des Volkes dienen. Es hat fich daher unferen 



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43 - 



Künftlern nicht fo fehr um die Genauigkeit in jedem 
einzelnen Falle gehandelt, fondern mehr um Effect. 
Daraus lafst fich erklären, warum fo viele Enthaup- 
tungen dargcftcllt wurden, dafs viele Scenen Maffen- 
mord-Scenen find, wahrend der Lemberger Kalender 
und andere Tafelbild-Kalender beinahe keine Mord- 
fecnen bringen, fondern fich mit der Darfteilung der 
Perionen begnügen. 

Wo ift aber das Vorbild für die Pcrfoncndarftcl- 
lungen, denen wir in den Kalendern begegnen, zu 
fuchen"' Eine genaue Antwort läfst fich vorlaufig auf 
diefe Frage nicht geben. Aber wir werden kaum irre 
gehen, wenn wir auf das lO. Jahrhundert als die Zeit 
der Entftehung folchcr bildlichen Heiligenreihen zu 
Kalenderzwecken hinweifen. Damals lebte in Byzanz 
Symeon Mttaphrafles, dem wir die erfle große Samm- 
lung der Heiligenlegendcn, geordnet nach Tagen und 
Monaten, verdanken. Zu (liefen Monatsbüchern wurden 
nun Darftellungen der betreffenden Heiligen gebracht, 
welche alle auf einem Pergamentblatt der Reihe nach 
Platz fanden. In der k. k. Hofbibliothek zu Wien be- 
findet fich ein Codex, welcher die Heiligenlegendcn 
des Monates September enthalt und aus dem 10. oder 
1 1. Jahrhunderte, alfo aus der Zeit des Symon Mcta- 
phraftes flammt. In diefem Codex befindet fich nun 
am Anfang ein Blatt mit Darftellungen der Hciligcn- 
reihen, welche als Muster für alle derlei Produkte gelten 
können. Nicht um einzelne Typen handelt es fich dabei, 
denn diefe waren fchon lang früher fixirt, fondern um 
das Ganze, um die Kalendcr-Darftcllungen. Die Le- 
genden des Mctaphraftcs wurden ja überall verbreitet 
und mit ihnen die Darftellungen der Monatsheiligcn. 
Weil aber unfere Kalender wie gefagt einen andern 
Zweck hatten, fo liegt bei ihnen das Hauptgewicht 
nicht auf Perfoncndarftcllungen, fondern auf den Mar- 
tyriumsfeenen und Darftellungen der Kirchcnfcfle. 
Diefe werden auch vielfach Originalfcenen fein, natür- 
lich unter Beibehaltung der Tradition, die Perfonen- 
darftellungen aber find durchwegs alte byzantinifche 
Typen. Die Martyriumsfccncn und die Darilellungen 
der Fette find es auch, die allein für uns wichtig find. 
Wenn wir aber annehmen, dafs einige Darftellungen 
als Originaldarfletlungen gelten können, fo entfallt von 
diefen ein Tbcil auf die Kunft-Tradition des Lande*, 
welche fich von der byzantinilchen entfernte und ihre 
Eigenart ausbildete. In der Moldau wurde viel gemalt. 
Noch befitzen die alten moldauischen Kirchen fowohl 
in der Moldau fclbft, als auch in der Bukowina und 
Siebenbürgen einen großen Schatz von Gemälden. 
Aber das Urthcil über die Eigenart der moldauifchcn 
Malerei ist heute noch nicht fpnichreif. Und fo müßen 
wir uns damit begnügen, zu lagen, dafs obwohl unfere 
Darftellungen im Großen byzantinifch find, fic doch hie 
und da die Eigenart der moldauifchcn Kunft zeigen. 

V. 

Oft ifl fchon auf die große Bedeutung der illuftrir- 
ten Kalender hingewiefen worden. Auch ich habe dies 
in dem Auffatze über den nord rulTifchcn auf Holz ge- 
malten Kalender gethan. Nur habe ich dort dem Be 
dauern Ausdruck geben miißcn, dafs diefer Kalender 
wenig Darilellungen hat, dafs feine Heiligenbilder auf 
ca. 22 Typen fich reduciren laffen und dafs er fo wenig 



aus dem Lcgcndcnfchatze der gricchifchen Kirche 
gefchöpft hatte. Unfere beiden Frcscokalcnder dagegen 
füllen in erfreulicher Weife diefe Lücke aus. Als Kunft- 
werke flehen fie hinter dem Lemberger Kalender zu- 
rück, aber dafür bringen fie eine folche Fülle von neuen 
Darftellungen, fchöpfen fo reichlich aus dem Legendcn- 
fchatze der Kirche, dafs fic aus dem Grunde zu den 
wichtigsten Denkmälern gezählt werden müßen. Wenn 
ich einem der beiden Kiinfller den Vorwurf machen zu 
müßen glaubte, dafs er auch ficlive Darftellungen 
brachte, dafs er hie und da fchablonenartig arbeitete, 
fo ift er vielleicht nicht ganz fcluild daran, vielleicht 
fand er das fchon fo in feiner Vorlage. Wenn ich nach 
den mir zugänglichen Legenden nicht alles erklären 
konnte, fo brauchen wir die Schuld auch nicht immer 
ihm bcizumclTcn, denn wir kennen feine Vorlage nicht. 
Trotz aller Mangel haben diefe Kunflwcrke doch einen 
ungeheuren Werth für die Kunftgefchichte und für die 
Gefchichte. Man lernt aus ihnen am beften und am 
l'chncllften die Traditionen der Kirche kennen. Noch 
heute ftaunt das fromme Volk diefe Bilder an, be- 
wundert fic. lernt dabei gern und ift von ihnen nicht 
wegzubringen. Die Lebcnsvcrhältniffe und die Aufgabe 
der Menfchcn haben fich aber freilich gewaltig ver- 
ändert. Diefen Geift, der aus den dargestellten Legen- 
den weht, können die Gelehrten nur in der Theorie 
verftehen, das Volk verlieht ihn gar nicht. Es weiß 
zwar, dafs diefcs oder jene Bild einen Heiligen dar- 
ftellt, welcher wegen feiner Religion verfolgt, gemartert 
und enthauptet wurde, aber um welche Principien es 
fich da handelte, das weiß es nicht mehr. In der völli- 
gen Entfagung, in der Flucht aus der Welt fahen die 
alten Christen ihr erhabenstes Lebensziel. Heute ift an 
Stelle der Entfagung das Princip des Volkswohlftandes, 
an Stelle der Flucht aus der Welt das Princip der 
Arbeit, ja das Princip des Rechts auf die Arbeit, der 
Kampf ums Leben getreten. Wollte man heute das 
Volk mit Leycnden futtern und es zur Entfagung aller 
irdifchen Güter bewegen, fo hieße das einen Schwindel, 
einen Mord an dem eigenen Volke begehen. Auch 
heute pilgert das Volk, pilgert die gebildete Welt in 
die Klöfter; aber man thut es heute aus einem andern 
Grunde. Früher ging dorthin ein frommer Mann, um 
dort zu lernen, wie er gegen den Teufel kämpfen foll, 
um an den heiligen Märtyrern fich ein Bcifpicl zu 
nehmen. Dies war auch der Zweck der Kunft. Heute 
pilgern die Menfchcn zu diefen Kunftftättcn, dort die 
Gefchichte zu lernen, ihren Kunftfinn auszubilden, kurz 
der Bildung halber. Das Ideal, die Aufgabe der Men- 
fchcn haben fich geändert. Der Geift der Vergangen- 
heil übt keine Wirkung mehr, denn er ift für unfere 
Zeit unverftandlich geworden, die gefchaflenen Werke 
haben nur mehr einen hiftorifchen, einen culturcllen 
Werth. Aber aus diefcnLegendcn könnten die Menfchcn 
noch etwas anderes, etwas vielleicht noch wcrthvollcres 
lernen. Wenn auch der Zweck des Lebens ein änderet 
wurde, fo fpricht doch etwas ewig erhabenes aus 
diefen Bildern zu uns, und zwar die Tugend, die dort 
in fchönflcr Weife verherrlicht und verewigt wurde. 
Denn wenn es fich fchlicßlich nicht um einen concreten 
Grund eines Martyriums handelt, wenn für einen mo- 
dernen Culturmenfchcn das Fcflhaltcn an der chrifl- 
lichcn Lehre kein genügender Grund wäre, um den 
Tod zu erleiden, fo wird ihm doch wenigstens die 

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44 



Statthaftigkeit, der fefte Charakter, dieUeberzeugungs- 
trcuc, die Aufopferungsfähigkeit und die Herzensgute 
imponiren müßen, welche in den damaligen Zeiten die 
Menfchen zierten. Nur durch folclie Tugenden konnte 
das Chriftenthum zur Weltmacht werden, kann heute 
ein Volk was Großes leiden; denn das bleibt ewig 
fchon. Unfere Zeit mit ihren modernen Principien über 
Wohlftand und Arbeit wird wohl gewaltiges fchaffen. 
wird die Bequemlichkeit des Lebens auf die 11 >he 
bringen, aber eine erhabene Idee wird ilc nicht er- 
zeugen; denn der Sinn für die Nachftenliebe geht ihr 
abhanden und die Menfchen könnten trotz der hohen 
Cultur furchtbar verrohen. Nur der gewaltigen Idee 
der Wcltentfagung verdankt die Mcnfchheit ihre Ver- 
edelung, nur aus der Idee der Weltent lagung konnte 
der Satz entliehen: liebe den Nachften. Denn der Ver- 
band und die Herzensgüte find zwei verfchiedene 
Üingc. Von diefem Standpunkte müßen wir den Gcift, 
der aus den Legenden und ihren Darftellungen fpricht, 
vergehen. Was konnte ein roher halbwilder Mcnfch vor 
zweitaufend oder taufend Jahren schöneres und 
belferes thun, als in die Wüfle zu gehen und fich l'elbft 
zu bezähmen. Im Ascctismus liegt eine tiefe Idee. Aber 
alles hat feine Zeit, die Astetik kann nicht immer das 
einzige Ziel des Menfchen fein, denn auch feine Ziele 
verändern fich. Nach der Epoche des Ascctismus kam 
eine Epoche der Arbeit und des Kampfes ums Dafein, 
nach diefer kann wieder eine Zeit für Ascetik kommen, 
die Entfagung wird vielleicht wieder als Ideal aufgeftellt 
werden, ja aulgettellt werden mußen. 

Das wenige, was oben über das letzte Ideal der 
chriftlichen Kunft gel'agt wurde, muß uns genügen auch 
zur Bezeichnung des Wcrthcs, den unfere Kalender 
mit Rückficht darauf haben; es fei nur noch einmal 
kurz betont, dafs lie einen großen Werth vom Stand- 
punkte der Gefehichte wie auch der Kunll und der 
Cultur befitzen. Es liegt uns fem, hierüber mehr Worte 
zu verlieren. Wir wenden uns vielmehr wieder den 
praktifchen wilTenfchaftlicheu Aufgaben zu, die unfere 
Kalender zu erfüllen haben. Und einiges muß dazu ge- 
fagt werden. 

Der rcligiöfe Cultus dauert noch immer fori. 
Kirchen werden gebaut und mit Bildern gefebmückt. 
Werden die letzteren immer im Geilte der Tradition 
ausgeführt? Dies gefchieht leider nur in den allerfeltcn- 
ften Fallen. Wenn man im Lande herumgeht und 
Kirchen befichtigt, fo wird man oft empört über die 
jämmerlichen Schreckbildcr, die dort angehäuft find 
und die irgendwo am Markt vielleicht noch um fchweres 
Geld gekauft wurden. Aber auch reichere Kirchen 
haben feiten etwas gutes. Die dazu gerufenen Maler 
find wohl mehr oder weniger mit der Maler- Technik 
vertraut, waren auch vielleicht imfiatule. werthvolle 
Bilder zu IchafTcn. aber von der Kunftgcfchichte und 
Ikonographie wiflen fie wenig, und die Kirchenmalcrci 
hat wohl wie die Kirchcnmufik andere Aufgaben. Man 
muß vor allem die Traditionen der Kirche kennen, und 
fo hat wohl ein Kirchcnmaler eine fchwicrigcrc Auf 
gäbe als ein profaner. Alles muß ttudirt werden, alfo 
auch die Kirchenmalcrci. Wir haben alte gute Mutter 
genug, an denen ein Kirchcnmaler fich ausbilden 
konnte, und zu diefen Muttern gehören auch die beiden 
befproehenen Ktotterkirchen Woronctz und Sucza- 
witza. Zwar find fie auch nicht in jeder Beziehung 



muftcrgiltig, denn die Tradition der Kirche ging je fpäter 
je mehr in Vergeffenheit, die Männer, die fie verttan- 
den, wurden immer feltener, verfchiedene fremde Einfluße 
machten fich bemerkbar. So enthalten fchon die ge- 
nannten Kirchen einige Bilder und verfchiedene Motive, 
welche der gricchifchen Kunft fremd find, wie zum 
Beifpiel die gekrönte Maria, der gekrönte Jefus etc. 
Aber immerhin find die Darftellungen in den beiden 
genannten Kirchen im großen und ganzen im Geilte 
der griechischen Kirche gehalten, und wenn wir auch 
fpatere Motive berückfichtigen wollten, fo könnten wir 
wenigttcris fagen, dafs fie den gricchifchen Styl des 
16. Jahrhunderts zum Ausdrucke bringen. 

Dicfe Kalender könnte aber die Wiffcnfchaft noch 
zu anderen Zwecken brauchen. Ich meine zum Urkun- 
denwefen. Ich habe früher fchon betont, dafs die beiden 
Kalender, was das Datum einiger Tagesfefte betrifft, 
von einander abweichen. Zwar ift in den griechifchen 
und flavifchen Urkunden zumeift das Tagesdatum mit 
der Zahl genannt im Gegcnfatze zu den Urkunden des 
Weltens, in welchen die Datirung nach den Tagesfeftcn 
durchgeführt wurde, aber manchmal wurde auch hier 
das Tagesdatum durch das Tagesfeft angegeben. 
Wenn nun, wie es hier der Fall ift, in Woronctz oder 
in Suczawitza Urkunden ausgeftellt wurden, fo entftcht 
die berechtigte Frage, nach welchem Kalender die 
Urkunde datirt wurde. Ja wir dürfen vermuthen, dafs 
»liefe Kalender doch im Lande Geltung hatten, ver- 
breitet wurden und nicht rein locale Giltigkeit hatten. 
Noch mehr! Sie wurden doch nach Vorlagen gearbeitet, 
wurden alfo nach Woronctz und Suczawitza bloß ver- 
pflanzt. Es ift bekannt, dafs einige Fette auf andere 
Tage verlegt wurden. Aber ift dann dies überall ftreng 
durchgeführt worden, feierten vielmehr einzelne Kirchen 
nicht weiter noch nach dem alten Brauch? Das müßte 
im Intercffe des Urkundcuwefcns unterfucht werden. 
Und unfere Kalender bieten auch eine Handhabe da- 
zu. Wenn ich nun in einer moldauifchen Urkunde vom 
Jahre 155« finde, fie fei am Tage des heil. Bartholomäus 
ausgeftellt worden, fo entlieht erft die Frage, welcher 
Tag dort gemeint fei, der 24. Auguft oder der 25, wie 
es der Suczawitzer Kalender hat. 

Das Kalenderwefen, welches früher als ein Thcil 
der allgemeinen Bildung galt, wird in unferer Zeit immer 
mehr vernachlaffigt. Früher, und zwar noch im 16. Jahr- 
hundert, war diefc Disciplin unter der Gciftlichkeit 
ttark verbreitet. Ich habe bei einer andern Gelegenheit 
auf einen Fall hingewiefen, wo ein Abt im 16. Jahr- 
hundert dem andern einen ernften Vorwurf daraus ge- 
macht hatte, dafs diefer die Kalender zu machen nicht 
verftanden habe. Heute wird diefer Zweig des Wiffens 
vernachlaffigt. Es werden zwar zu Speculationszwecken 
verfchiedene und viele Kalender producirt, aber das ift 
eine minderwerthige Marktware, welche andere Ziele 
verfolgt. Nimmt man z. B, einen Bukowincr Kalender 
in die Hand und durchblättert man den kalendarifchen 
Thcil. fo muß man zum Bedauern conftatiren, wie von 
Jahr zu Jahr ilie Fehler fich mehren. Nicht nur wurden 
Heilige auf falfche Tage gefetzt, auch ihre Namen find 
manchmal bis zur Unkenntlichkeit verdreht. So findet 
man, naturlich nbgefchen von den fchr bekannten und 
verbreiteten Namen, andere weniger bekannte falfch 
angegeben, wie zum Beifpiel Sifon ftatt Sifoe. Proctus 



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I 



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- 45 - 



ftatt Proclus, Proculus, Codratius dialektifch ftatt Con- 
radus. l'oemen ftatt Pimen und andere. 

Wenn ich nun meine Arbeit fchlicßc, fo glaube 
ich, obwohl ich die beiden Kalender nicht erfchopfend 
bearbeitet habe, doch der Wiffenfchaft einen Üicnft 
erwiefen zu haben. In alle Kleinigkeiten einzugehen, 



habe ich nicht den Muth gehabt, um nicht das IntereiTe 
für wichtigere Sachen abzufchwächen. Das Gcfagte 
wird jedoch genügen, um die Aufntcrkfamkeit der ge- 
bildeten Welt auf zwei bedeutenden Kunftdenkmäler 
Bukowina* zu lenken. 



Neuefte Grabungs-Ergebniffe aus Aquileja. 

Vom k. k Confcrvmor Prof. UcimUk M*i<mua. 

(Mit tmrm CrusuUir», l T^ft] uod 4 Tel lllulin>u.,ii«-n ) 



S muß vor allem die erfreuliche Thatfache be- 
tont werden, dafs zum crftcnmal feit langer 
langer Zeit im Winter 1896,97 auf dem Ge- 
biete Aquileja's keine planlofcn Raubgräbercicn ftatt- 
gefunden haben, fondern nur fyftcmatifche Aus- 
grabungen. Diefc erfreuliche Wendung zum belferen 
dürfte vor allem in der fortwährcnden.Anwefenheit des 
Berichterftatters in feinem Amtsbezirke ihren Grund 
haben, ferner auch dem Umftandc zu verdanken fein, 
dafs die Grundbefitzer bei Beobachtung der Art und 
Weife, wie die fyftematifchen Ausgrabungen auf Staats- 
koften betrieben werden, allmählich zur F.rkenntnis 
gelangen, dafs ein folches Vorgehen ihnen größere 
Vortheile als jede Raubgraberet gewahrt. 

Die „Scofa" genannte Grundparccllc war feit 
einigen Jahren von der Cavatori Gefellfchaft des Valen- 
tius Fcrman zur Ausbeutung auserkoren, aber bereits im 
December 1895 konnte der Berichterftatter den Grund- 
befitzer, Herrn Fr. ColTar, dazu bewegen, die Cavatori 
zu entlalTen und ihm die Erlaubnis zu fyftematilchen 
Ausgrabungen zu crthcilcn. Wahrend des Winters 
1H95/96 mußte man mühfam die Spuren der von den 
Cavatori früher durchwühlten Grabftätten verfolgen, 
während die ErgebnifTe im Winter 1K96 97 als fchr 
zufriedcnftellend und befonders geeignet, um eine 
Reihe von topographifchen Fragen ihrer Löfung ent- 
gegenzubringen, bezeichnet werden können. 

Die Gegend pScofa^, welche in der Nähe der in 
den Jahren 1873 bis 1876 aufgedeckten nordwestlichen 
Ecke der alten Stadtmauern Aquileja's liegt, ift fammt 
anderen nahen Fundllcllen (Marignane, Murforat, Kavc- 
dolc, Sbroiavacca) als eine fchr wichtige Fundgrube 
von Grabmonumenten allgemein bekannt. Der noch 
heutzutage benützte Feldweg, welcher über die Brücke 
über den „Fiume di Terzo u (Naitsone) fuhrt, bewahrt 
noch theilweife die Richtung der alten Confularftraßc, 
der Via Annia* welche nach Concordia etc. führte. 

Wohl find an beiden Seiten der Straße im Ver- 
laufe der Zeit eine Reihe von Grabdenkmalen (vgl. 
Gregorutti und Maionica a. a. O.) gcfurulen worden, 
aber erft durch die fyftematifchcn Ausgrabungen der 
letzten Jahre kann man eine genauere Vorftcllung über 
diefe Anlagen gewinnen und diefe l'oll durch diefen 
vorlaufigen Bericht in den Hauptzügen veranschaulicht 
werden. 

Das Ausgrabungsfeld der beiden Ausgrabungs- 
perioden 1895/96 und 1896/97 betraft in der Lange 

' Uebvr J.e l'Tj Unid vjjl. .l/ur-nr'.a, Di< l'i.i in <ä«r, .\rcli- 

epigr. Millhtiluas;«» au< Orft*rrrt.l, VI, iija?, S Rfc tT Grtf»*niti L* Vi* 
Anuta im Arch. Trifft, XII, i^t' t»»b 15» *t<- — Rrbfi.;n( deü* R Li«pu 
tuiooe vtMta .Dall'Ajla »|U Zrlür... V.ntji» itf s 



etwa 200 M., in der Breite etwa 40 M., die Tiefe der 
Ausgrabung war durchfehnittlich 2 M. 

Die Anlage der unterfuchten antiken Grabftätten 
befindet fich rechts von der antiken Straße, von welcher 
ganz deutlich drei verfchiedene Bauperioden und drei 
verfchiedene Niveau-Schichten bemerkbar find. 

Die obcrltc Straße liegt durchfehnittlich etwa 
0 85 M. unter dem jetzigen Terrain und ift nach Art 
der römifchen Straßen mit polygonalen großen Stein- 
platten gepflastert, an einigen Stellen find fogar noch 
die Rillen und das Trottoir zu fchen, letzteres 0 81 M. 
breit und o 145 M. = 1 , röm. Fuß hoher als die an- 
Itoßcnden Pflaftcrftcinc der Straße, welche fehr folid 
gebaut und regelrecht gewölbt ift. Wegen des noch 
heutzutage benutzten Feldweges konnte diefe römifche 
Straße noch nicht der Breite nach bloßgelegt werden, 
fondern nur der Länge nach, und da zeigte es fich, dafs 
die Pflafterfteine an vielen Stellen bereits entfernt 
worden waren. Für die Zcitbeftimmung diefer fehr 
feft erbauten Straße (unter welcher an einer Stelle 
ein gewölbter Canal aus Zicgelijuadcrn entdeckt wurde) 
war der Fund einer Münze von großer Wichtigkeit. Dic- 
felbe lag noch in situ unter einem großen Pflaftcrfteinc, 
es ift daher jede Möglichkeit ausgefchloflen, dafs fie erft 
während der Ausgrabung in diefe Lage gcrathen fei. 
In fehr guter Erhaltung zeigt dicfelbe den Kopf des 
Kaifers Alexander Severus und » VICTORIA AV- 
GVSTI mit dem bekannten Bilde der Victoria, welche 
auf einen Schild „VOl'.X* Schreibt. Nach Cohen 
(IV, p. 459 n. 568) ward diefc Münze im Jahre 983 
d. St., 230 n. Chr. G. geprägt, folglich dürfte diefe 
Stelle der gepflafterten Straße erft nach diefem Jahre 
vollendet worden fein. Diefe Angabe ftimmt mit der- 
jenigen übeicin. welche das urfpriinglich in zwei Exem- 
plaren erhaltene fehr wichtige Steindenkmal Aquileja's 
l.C. v. 7992 und 7992 a\ enthielt, wonach „ein den 
Aquilejenfern fehr wohlwollender Kaifer unter den 
zahlreichen Zeichen feiner Gnade und Huld die Via 
Annia, welche derart vcmachläfftgt war, dafs fie bei- 
nahe durch das SumpfwalTer zerftort den Wanderern 
unzugänglich blieb, wieder hcrftcllen ließ. u Nun ver- 
herrlicht eine zweite recht wichtige Infchrift (ebenfalls 
urfpriinglich in zwei Exemplaren vorhanden) den Kaifer 
Maximinus i'hrax als Aquilentisium restitutor et eon- 
ditor, weil er auch die via gemina (viam quoque gemi- 
nam) hatte wiederherstellen latTen (C. V- 7989, 7990), 
und da hier der Umftand befonders hervorgehoben wird, 
dafs er auch die Via Gemina hergeftellt hat, liegt die 
Vermuthung nahe, dafs er früher einer andern Straße 
feine Furforge zugewendet haben muß, und zwar der 




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- 46 - 



Via Annia, von welcher, wie oben bemerkt, nur die 
beftimmte Nachricht der Wiedcrhcrftcllung noch er- 
halten ift. Maximinus hat bekanntlich als echter Soldaten- 
kaifer nicht nur eine rege kricgcrifchc Thätigkcit, 
fondern im Zufammenhange damit auch eine große 
Sorgfalt für die Erhaltung und Erweiterung der Straßen- 
züge entfaltet. 1 Bedenkt man, dafs die gefundene Münze 
dem Vorgänger Maximinus gilt, fo dürfte man an- 
nehmen, clafs die Via Annta erft in den Jahren 234 bis 
238 wieder hergeftellt wurde, und dafs die bloßgclegten 
gepflafterten Stellen erft aus diefer Zeit herrühren. 

Etwa [ 40 M. tief unten dem jetzigen Terrain, 
fomit etwa 0 65 M. tiefer als die gepflafterte römifchc 
Straße, liegt eine zweite Straßenfchichlc, welche mit 
vielen Bruchfteinen ordentlich gruiulirt und mit Schotter 
bedeckt ifl. Auf demfclbcn Niveau wie diefe Straßen- 
fchichlc befinden fich die Grabanlagen und diejenigen 
Stcindcnkmalc, welche noch in ihrer urfprünglichen 
Lage auf feilen Grundmauern flehen, demnach dürften 
beide Anlagen als gleichzeitig betrachtet werden. 

Nun gehört die überwiegende Anzahl der Gegen- 
ftände, welche in diefen Grabftättcn gefunden wurden, 
unzweifelhaft dem 1. Jahrhundert nach Chrifto an, 
wenige dem 2. Jahrhundert. So gelten zum Beifpiel 
unter den etwa 1 50 hier gefundenen Münzen (von wel- 
chen etwa 50 noch beftimmbar find): 

1 dem Germanicus {Cohen I, 225. 7); 

2 dem ürusus junior {Cohen I, 217, 2); 

7 dem Vefpafianus; 

12 dem Domitianus (zwei bei einer Leiche ge- 
funden); 

I dem Ncrva (bei einer Leiche gefunden); 

8 dem Traianus; 

6 dem Hadrianus; 

3 der Sabina; 

7 dem Antoninus Pius; 

5 den beiden Kauft in ae (3 + 2). 

Dagegen find alle Münzen, welche in den oberen 
Ausgrabungsfchichten gefunden wurden, aus der Zeit 
des Septimius Severus (193 bis 211) und der folget!' 
den Kaifer. Eine ebenfalls in den tieferen Schichten 
gefundene Bronze-Lampe entfpricht mit ihrcmGrifT, der 
in einen Pferdekopf ausläuft, ganz genau einer in Pom- 
peji ausgegrabenen (vgl. Overbeck, Pompeji, IV. Aufl., 
S. 432, Kig. 231 m ), dürfte fomit, da Pompeji be- 
kanntermaßen im Jahre 79 n. Chr. verfchüttet wurde, 
ungefähr aus cliefer Zeit herrühren. Auch fämmtliche 
Infchriften, welche noch in situ gefunden wurden, rühren 
aus dem 1. oder fpäteftens 2. Jahrhunderte n. Chr. her, 
und aus derfelbcn Zeit dürften die vielen eifernen 
Fingerringe mit Gemmen oder Glaspaften (etwa 
22 Stück), welche in verfchiedenen Graburnen gefunden 
wurden, herflammen. 

Da die älteftc hier gefundene Münze, die des 
Germanicus vor dem Jahre 19 n. Chr. G, (vgl. Cohen, 
1. I.) geprägt wurde, kann man die Behauptung auf- 
flellen, dafs diefe Grabftättcn bereits zur Zeit des 
Auguftus benützt wurden, und da gerade von Auguftus 
bekannt ifl, auf welche Weife er zur Erweiterung Aijui- 
leja's beigetragen habe (vgl. Maionica, Fundkart i\ 
S. 2; f., C. V. 852), darf man annehmen, dafs gerade diele 

• Vjl. H.S,killtr. Ofchitl.lc d*i eimikhen Kniff rxil I II AjiK. iS!j, 
S jSv A. * und Dr. Xexritnr. über *«ie« Iii Wt'i gefui>dtn<ti Me.IciilUm 
df> Ma.immu« Ihm in den M. C C. XXII. |S,S 3. l. ff. 



Straßenfchichte, welche von einem zur Stadterweite- 
rung gehörigen Stadtthor auslief, ebenfalls aus Auguftci- 
fcher Zeit herrühre. 

Für die genaue Zeitbeftimmung der unterften 
Straßenfchichte, welche I 90 M. unter dem jetzigen 
Terrain, fomit 0 50 M. tiefer liegt als die Straße aus 
der Zeit des Auguftus, und über ein Meter tiefer als 
die gepflafterte Straße aus der Zeit Kaifer Maximtnu« 
Thrax, fehlen bis jeUt fiebere Anhaltspunkte, da dic- 
felbe der VcrhältnüTc wegen nur an einer kleinen Stelle 
unterfucht werden konnte. Indefien kann man fchon 
jetzt behaupten, dafs auch diefe unterftc Straßenfchichte 
fehr reichlich befchottert war, dafs fie durch lange Zeit 
benützt wurde, da im Schotter fiebere Spuren der 
Rillen wahrnehmbar find, und dafs fie mit einem Scitcn- 
graben verfehen war. üb diefe Straße die urfprüngliche 
Anlage der Via Annia bilde oder nicht, diefe Frage 
bleibt vorläufig offen, jedenfalls fallt ihr Bau noch in 
die Zeit vor Auguftus zurück. 

Ebcnfo intcreflant als die oben erwähnten Ergcb- 
niffe in Bezug auf die verfchiedenen Bauperioden der 
Via Annia find diejenigen, welche fich aus der ge- 
naueren Betrachtung der an der rechten Seite diefer 
Straße aufgedeckten Grabftättcn herausftcllcn. 

Hier find im ganzen acht Grabkammern auf- 
gedeckt worden, und wenn auch an allen alle Ober- 
bauten bei den vielfachen früheren Zerftörungen bc- 
feitigt worden find, bieten doch die noch erhaltenen 
Details manche intcreffante Ergebnifle. Zunächft darf 
man annehmen, dafs diefe Grabftatten feit der Zeit des 
Auguftus bis etwa in das 2. Jahrhundert n. Chr. im 
Gebrauche (landen. 

Es läfst fich ferner bemerken, dafs bei jeder Grab- 
kammer die Grab- Ära einer jeden F amilie genau abge- 
fteckt und mit einem Mauerwerk umgeben war (die ge- 
wohnlichen Maßverhältnifte find 16 x 16 rom. Fuß oder 
16 X 24, oder 16x32 etc.), dafs ferner innerhalb einer 
jeden Grab-Ara ein befonderer Platz für das Hauptdenk- 
mal der Familie, deffen Subftruclionen meiftens noch er- 
halten find, beftimmt war. (Aehnliche Verhältnifle in 
Pompeji, vgl. Overbeck, a. a. O. S- 396, dafclbft die 
Anficht der Gräberftraße und den betreffenden Plan, 
Fig. 197.) 

Längs der UmfalTung der Grab Ära, meiftens an 
die Umfaftungswände angelehnt befinden fich die ver- 
fchiedenen Grab Monumente vieler zur Familie ge 
hörigen Pcrfonen, und zwar entweder in Form von 
Afchcnurncn aus Stein oder aus Thon oder Grab- 
Amphoren aus Thon, oder von Grüften, welche mit 
Quadcrzicgcln erbaut find, 

Bei Betrachtung der Art und Weife der Bcftattung 
ergibt fich, dafs zu gleicher Zeit fowohl die Verbren- 
nung als auch die Bcftattung in Gebrauch waren; da 
jedoch den etwa 1 20 Grabftellen mit verbrannten 
Uebcrreften (in 30 Urnen aus Stein, 30 Thonurnen, 
60 Grab- Amphoren) gegenüber nur 20 mit aufgedeckten 
Skeletten (Ichcn, ergibt fich das Verhältnis der Be- 
ftattung zur Verbrennung wie J : 6. 

Die meiden Gräber enthalten geringe Gcgenftändc 
und dies erklart fich aus dem Umftande, dafs die Grab 
urnen der Hauptdcnkmale bei Abtragung der Ober- 
bauten bereits entfernt worden find. Am häufigften 
finden fich bei den Gräbern die Thonlampcn (etwa 100 
gut erhaltene und viele Bruchftucke) und in den Grab- 



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— 47 - 



urnen eiferne Ringe (22 Stück). Vielleicht findet dicfc 
Erfcheinung ihre Erklärung darin, dafs in der erften 
Kaiferzeit die Anordnungen der zehnten Tafel der 
Dcecmviral-Gefetzc über tlie dem Todtcn in das Grab 
mitzugebenden Gcgenftändc (Ntve aurum addito, Cic. 
de leg. 2, 23, 60 und Marquardt, Privatleben, S. 345 
u. a.) noch befolgt wurde; anderfeits ift es bekannt, 
dafs alle Romer außer den kittern und Senatoren 
den anulus ferreus trugen [vgl. Marquardt a. a. O., 
S. 347, A. 6 und S. 689), welcher jedoch in Aquileja 
ftets entweder mit einem I lalbcdclftcin oder mit einer 
Glaspafta verfehen ift. Unter den 22 bei der Aus- 
grabung hervorgegangenen eifernen Ringen find Heben 
mit Halbedelfteinen, 1 5 mit Glaspaften verfehen. 

In einzelnen Fallen find einzelne Graburnen reich- 
licher mit Gcgenftänden ausgeftattet, und um eine Vor- 
ftellung über ihre Befchaffenheit zu geben, werden hier 
einige Gräberfunde befchrieben: 

In der Grabkammer Nr. I wurde bei der nordweft- 
lichen F.ckc der Umfaflungsmaucr unter vier Graburnen 
aus Stein eine folehe gefunden, welche noch mit zwei 
in Blei fcftgclöthctcn Eifcnklammern verfehen war. Bei 
Unterfuchung derfelben kamen folgende Gcgenftändc 
zum Vorfchein: 

1. Bronze-Spiegel, vielfach zerbrochen und ftark 
oxydirt. 

2. Fächcrgriff{?) aus zwei dünnen Bronzepläit- 
chen beftehend, welche mit kleinen Nageln zufammen- 
gehalten waren; von der zwifchen den Bronzeftäbchen 
urfprünglich liegenden Holzfüllung (r) hat fich keine Spur 
erhalten. 

3. Schloßplatte (?) aus Bronze-Blech von einerkleincn 
Kiftc? Entweder diefclbe oder der Spiegel waren ur- 
fprünglich vergoldet; denn bei derLchmfchichtc, welche 
fich innerhalb der Graburne vorfand, ergaben fich viel- 
fache Spuren der urfprünglichen Vergoldung der 
Bronze-Gegcnftimde. Bei der Matte find noch drei zier- 
liche Nägel aus Bronze vorhanden. 

4. Bronzemünze, auf beiden Seiten arg befchädigt 
und nicht näher zu beftimmen, der Grüße nach viel- 
leicht aus dem 1. Jahrhundert. 

5. Kleiner eiferner Ring, mit Spuren einer weiß- 
lichen Glaspafta, fehr zerftört. 

6 bis 23. 18 Gcgenftandc aus Bcmftein, alle bis auf 
ein Stück, welches aus einem gelblich-röthlichen Bcm- 
ftein verfertigt ift, von weinfarbiger fchön durchfichtiger 
Gattung, welche hie und da durch die Oxydation des 
Bronze-Spiegels etwas gelitten hat. Unter diefen Bern- 
fteinklcinodien kommen fünf zierliche Blatter vor und 
auf drei derfelben die Infchrift: AN • N • F • F. ferner 
drei Feigen, drei Datteln, ein niedliches Amazonen- 
fchild, zwei Knopfe und ein Luxusfpindclftab. 

Von den antiken Spindelflaben haben lieh einige 
erhalten (vgl. Hliimner, Technologie, etc., Leipzig, I, 
1S75, S 120). von antiken Spinn wirteln find eine 
koloffale Menge in allen antiken Culturländcrn aus den 
älteften Culturftufen erhalten. Der Spindelflab und der 
Spinnwirttl, diefe bilden paffende Symbole für das Grab 
einer Hausfrau, werden fammt den verfchiedenen 
Gattungen von Nadeln und kleinen Tafchenmeffcrn 
fehr häufig in Aquileja als Liebesgabe in den Frauen- 
gräbem gefunden. 

Dafs diefe Spindclftähe ifonft auch Perlen- und 
Räuchcrftäbc genannt) mit dem Specialgotte Aqui- 



leja's, mit dem Relenus 1 in keinem Zufammenhange 
rtchen, dies geht aus der bloßen Thatfache hervor, 
dafs derartige Stäbe aus Bernftein in Pola, in Dalmatien, 
in Pettau, in Ocdcnburg, in Übcr-Italicn etc. gefunden 
werden, in Gegenden, wo keine Spur eines Belenus- 
cultus fich vorfand. Dafs diefelhen nicht als Raucher- 
tläbe gedient haben können, dies läfst fich fchon aus 
ihrer Form beweifen, die folche verfchiedenartige Ver- 
zierungen unter den einzelnen Perlen aufweift, dafs diefe 
keinen Zweck hätten, falls die einzelnen Perlen hätten 
verbrannt w erden mußen; dazu kommt noch der Um- 
(Tand, dafs in einem Perlenftab die einzelnen Perlen 
durch BronzcKügcIchcn getrennt find und infolge dclfcn 
kaum aus dem Stifte entfernt werden könnten. 
Erwägt man ferner, dafs fehr oft folche Stäbe aus Bern- 
ftein derart unverfehrt vorkommen, dafs man ihre ur- 
fprünglichc Bcftimmung als Gcfammtgcgcnftändc und 
nicht als Bruchtheile zu wirken, deutlich erkennt; er- 
wägt man, dafs einmal ein folchcr Perlenftab mit Perlen 
aus Bein und fiebenmal ähnlich geformte Stäbe aus 
glattem oder gedrehtein Glas in Aquileja bis jetzt ge- 
funden wurden, fo darf man diefelban eher Spindel- als 
Käuchcr-Stäbe bezeichnen. 

In der II. Grabkammer, wo die Gerippe zahl- 
reich vertreten waren, hat man keinen befonders 
koftbaren Fund gemacht, ebenfowenig in der III. Grab- 
kammer. Diele war durch vier Infchriften, von welchen 
je eine an der urfprünglichen Ecke noch in situ ftand. 
als diejenige des M(areus) Papinius Rhetoricus be- 
zeichnet und hatte nach den infehriftlich enthaltenen 
Verhältniflen eine Grab Ära von 16 X $2 römifchc 
Fuß — 4736 X 94/2 M. In der IV. Grabkammer, 
bei welcher leider keine Infchrift vorhanden war, 
fand man neben einem kleinen aus Ziegelquadern 
gebildeten Grab seltu Schalen aretinifcher Art (fogc- 
nannte terra sigillata) von korallenrothem Thon. In 
diefer Grabkammer fand man ferner eine auffallend 
große Steinurne mit drei Eifenklammern, welche viele 
Gcgenftändc enthielt. Die Steinurne fclbft ift fammt 
Deckel 0.46 M. hoch (Urne 0-33 + Deckel 01 3), ihre 
Oeffnung hat einen DurchmclTcr von 042 M-, tlie 
Eifenklammern find 0 22 M. lang und durchfehnittlich 
0 02 M. breit, und waren ftark mit Blei gelöthet. Die 
in der Urne gefundenen Gegenftände find: 

1. Sechs Glas Balfamarien, darunter vier gleiche 
aus fehr zartem weißlichen Glafc, unten abgerundet, 
oben mit forgfaltig gearbeiteter Mündung, von den 
anderen zwei ift das eine aus ftarkem Glas fehr gut er- 
halten, das andere fehr fchön opalifirend, aber vielfach 
zerfpliltcrt, da es wahrfcheinlich auf dem Scheiter- 
haufen zugleich mit der Leiche verbrannt worden ift. 

2. Goldener Ring mit einem Nicolosftein mit Inta- 
glio, darauf ein Jüngling nach rechts fchrcitend, in der 
erhobenen Linken Trauben, in der gebotenen Rechten 
einen Mirtcnftab (pedum) haltend. Der King ilt nicht 
maffiv, fondern aus Goldbkeh. 

3. Eine Perlenfchnur aus 75 Perlen beftehend, ab- 
wechfelnd kleine echte Perlen (margaritae) und kleine 
fmaragdähnliche längliche Perlen aus Glasfluß (eilindri) . 
Vielleicht als Anhangfcl oder als Haft derfelben diente 
ein kleines I'äfschen aus Goldblech mit Oehr. 

• V K I / Air... Kitt,.- U, H«r, Mi«K J»r T C X. 1, XV | 5 ,8».,' 

s fj] ff.. 7»j « 



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- 4« - 



4- fl. Eifenmeffer mit Kette und Beingriff, zwei 
Bernftcinnadcln, zwei Bcrnftcinpcrlen, kleine Spatel, 
Nah- und Haarnadeln aus Bein. 

In demfelbcn Kaume an der nordwcftlichcn Kckc, 
nahe einem Eck Cippus des obenerwähnten M. Papinius 
Rhctoricus fand man eine kleine CafTette aus Bronze- 
blech in vier Fächer eingcthcilt und darin eine 
( iemme (Jntaglio aus Blutjaspis) mit einem jugendlichen 
Kopfe (Hermes?) mit leife angedeutetem Caducais (?). 
Die Caflctte aus Bronzeblech famrnt Deckel und 
Fächern ift aus fechs Stücken zufammengefetzt und 
zeigt an der einen Seitenfläche eine kleine jetzt oxy- 
dirlc Sperrvorrichtung. Der untere Thcil ift mit Linear- 
Verzierungen verfehen, der Deckel ifl ganz einlach. In- 
wendig liegen zur Lothung und Bcfeftigung der zwei 
länglicheren Seitenflächen zwei fchmale Plättchen aus 
Bron/.eblcch. 

2. Schale aus Bronzeblech, verziert nach außen 
mit conccntrifchcn Kreislinien, und ebenfo auf dem 
oberen Rande. 

In der V. Grabkammer fand man die oben- 
erwähnte Bronze-Lampe, deren Griff mit einem Pfcrdc- 
kopfc gefchmückt ift, eine Anzahl Graburnen aus Stein 
und Thon und viele Grab-Amphoren. Kine Steinurne 
enthielt folgende Gegenftände: 

I. EifenmclTer mit maffivem EifengrifT in einen 
Knauf auslaufend; 

2 ftark oxydirtc Bronzemünze, welche nicht genau 
bertimmt werden kann; 

3. Gegcnftand aus Bronze, deffen urfprungliche 
Beflimmung mir nicht bekannt ift. Dcrfelbe ift 0 19 M. 
lang, inwendig hohl und hat eine halbkreisförmige 
durchlöcherte Mündung. Die I.inearverzicrungen find 
nicht etwa cingravirt, fondern zugleich mit dem Gegen- 
ftände beim Gufie verfertigt. 

4. Zierliche kleine Urne aus Bein, aus vier zu- 
fammcnpalVcnden Stucken fehr forgfaltig ausgearbeitet 
Der Reiz der lieblichen Nippfache wird dadurch erhohl, 
dafs diefelbe durch die Metallgegenftände, bei welchen 
fic lag, eine fchönc Malachitpatina gewonnen hat. 

In der VI. Grabkammer, welche fowoh) wegen 
der aufgefchütteten ErdmafTen, als auch wegen der 
bereits vorgerückteren Jahreszeit (da das Ausgrabung^ 
feld zur Beftellung der Saaten dem Grundbcfitzcr zur 
Verfügung gcftellt werden mußte) diefcs Jahr nicht 
vollftandig durchforfcht werden konnte, kam ein fehr 
xvielttiges Denkmal zum Vorfchein. 

Es ift ein reichgefchmücktcrRund- Altar mit folgen- 
der fcltcncn Infchrift, mit 004 bis 0045 M. hohen 
Buchftaben aus der erften Kaiferzeit: 

DEVM'PARENTVM 

Unter den wenigen bekannten Denkmalen der dei 
pareiitts wird jedenfalls der Altar aus Aquilcja einen 
vornehmen Platz gewinnen. 

Die Grabkammer Nr VII war die relativ beft- 
ei haltcnc, aber weder in derfelbcn noch in der noch nicht 
völlig aufgedeckten Kammer Nr. VIII lind bedeutende 
Gegenftände gefunden worden. 

In der beigegebenen Tafel I hat der Mufealzeieh- 
11er Herr Gtacomo Porrar eine Zufammcnftcllung ilcr 
Ausgrabungen in der Gegend der Scofa wahrend der 
Jahre 1895/6 und 1896/7 entworfen. Zur Erläuterung 
derfelbcn mögen folgende Bemerkungen dienen. 



1. Die fchrägen Linien mit den Sternchen Gruppen 
bedeuten die Baumreihen des Ausgrabungsfeldcs. 

2. Alle rothen Stellen bedeuten die Ausgrabungen 
des Jahres 1895/96, welche nach Entfernung der Cava- 
tori-Gefellfchaft als Verfuchsgrabungen galten. 

3. Die fchwar/.cn Eintragungen betreffen die Stel- 
len, welche regelmäßig im Winter 1896/97 ausgegraben 
wurden. 

4. Die durchlaufend mit Parallellinicn bezeichnete 
Straße bedeutet den jetzigen Feldweg zum „ponte rosso". 

5. Die fyftcmatifch unterfuchten Grabkammern 
find in der Richtung von Werten nach Orten mit den 
römifchen Zahlen I, II, III, IV, V. VI, VII, Vlll be- 
zeichnet. 

Die aufgedeckten Grabkammern waren felbftvcr- 
ftändlieh nicht unverfehrt erhalten, fondern, wie früher 
erwähnt, waren alle Beftandtheile der Oberbauten 
(Grabdenkmäler etc.) bereits vernichtet und verfchleppt 
und fclbft viele Theile der Grundmauer zerftort. 

Trotzdem konnte man bei genauer Beobachtung 
aller wichtigen Einzelheiten zu den fieberen Ergebniffen 
gelangen, welche früher des Näheren begründet wurden 
und in diefem Nachtragsberichte vervollftandigt werden. 

Vor allem fei es hier erwähnt, dafs bei dem Um- 
llande, dafs die UmfafTungsmauern der verfchiedenen 
Grabkammern nicht überall vollftändig erhalten find, 
die Angaben der Diinenfionen der verfchiedenen Grab- 
Arttn nicht mit abfoluter Sicherheit, fondern mit einem 
gewiffen Grade von Wahrfeheinlichkeit wiedergegeben 
werden können, aber trotzdem in den meiften Fällen 
auch bei Umwandlung des Metermaßes in die römifchen 
Maßvcrhältniffc annehmbare Rcfultatc (ich ergeben. 

Als Frontfeite (Hauptfeite) der Grabkammern ift 
die Linie A B, rechts von der römifchen Straße C D 
angenommen worden, und zu der Annahme wird man 
durch die Thatfachc berechtigt, dafs von den vier Eck- 
Cippi, welche noch in situ gefunden wurden und die 
Grnrizcn der Grabkammer Nr. III. des AI. Papinius 
Rheloricus angeben, die zwei vorderen, a und b die 
ganze Infchrift enthalten: 



L • M 
MPAPINI 




INFR P XVI 
INAGPXXXIl 



während die anderen zwei c und d. welche an der 
llintcrfcite ftanden, diefelbe Infchrift, nur in verkürzter 
Form wiedergeben: 

L. M 

M . P . R M«.rh Ayw.w 

INF • P XVI 
INA • P XXXII 

Ehcnfo feheint die fchonc runde Ära der Deutn 
parentum, die in der Grabkammer Nr. VI gefunden 
wurde, noch in situ, gleich in der Mitte vor dem Grab- 
Maufoleum, unmittelbar beim Haupteingange geftanden 
zu haben. 

I. Die errte Grabkammer zeigt eine Frontfeite von 
etwa 10 M. — etwa 32 römifchc Fuß. Die Langenfeite 
ifl nicht vollftandig, vielleicht 10 M. ~- 32 romifche Fuß. 



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- 49 - 



Hier wurden neun Skelette gefunden, und zwar 
fünf ohne Sarg mit dorn Kopfe gegen Oftcn, zwei beim 
IMaftcr in der Mitte mit dem Kopfe gegen Süden, zwei 
in einem Ziegclgrabc an der rechten Ecke mit dem 
Kopfe gegen Süden. 

Von verbrannten Leichen w urden liier fieben Stein- 
urnen und eine Anzahl Grab-Amphoren und Urnen aus 
Thon gefunden. 

II. Da von der zweiten Grabkammer keine Um- 
fanTungsmauern gefunden worden find, darf man nur als 
wahrfcheinlich annehmen, dafs die Frontfeite derfclben 
von der Ecke der erften Kaminer bis zum Eck-Cippu* 
der dritten Kammer gereicht habe. Dicfc Entfernung 
betragt etwa 5 M. = 16 römifchc Fuß; die Längenfeite 
dürfte gleich jener der Grabkammer Nr. I etwa 10 M. — 
32 römifchc Fuß betragen haben. 

Hier lagen drei Skelette mit dem Kopfe nach 
Ölten, zwei mit dem Kopfe nach Süden. 

Nahe der römifchen Straße lagen die Subftruclionen 
des Hauptdenkmals, und bei diefen und bei der Sehci- 
dungsmauer der erften Grabkammer lagen eine Anzahl 
Grab-Amphoren und Urnen aus Thon. 

III. Die dritte Grabkammer zeigte keine Umfaffungs- 
mauern, wohl aber die vier Eck-Cippi in situ, welche die 
Dimenfioncn angaben. Frontfeitc 16 romifche Fuß =: 
5 M., Längenfeite 32 romifche Fuß — ic M. etwa. 

Die Subftructionen des Hauptdenkmals liegen 
nahe der römifchen Straße; nahe dcnfclben lag eine 
Steinurne, außerdem viele Thon-Amphoren und Urnen, 
und gegen die Ruckwand drei Skelette mit dem Kopfe 
gegen Often. 

IV. Von der vierten Grabkammer find keine Um- 
faffungsmauern vorhanden; die Entfernung von dem 
Eck-Cippus der dritten Kammer bis zur Mauer der 
fünften Kammer betragt in der Frontfeitc 10 M. = 
32 romifche Fuß, in der Längenfeite 10 M. = 32 romi- 
fche Fuß. 

Die maffiven Subftruclionen des Hauptdenkmals 
liegen an der rechten Seite nahe der Mauer der fünften 
Kammer, daneben links ein großes Grab aus Ziegel- 
quadern und vorn ein kleineres Grab aus Ziegeln. 

In diefer Ära find keine Skelette gefunden, 
dagegen heben Steinurnen und eine Anzahl Grab-Am- 
phoren und Thonurnen. 

V. Von der fünften Grabkammer ift die Frontfeite 
ficher 9 M. = 30 römifchc Fuß lang; die Langenfeite 
etwa to M. = 32 romifche Fuß. 

Die Subftruftioncn von dem I lauptdcnkmalc liegen 
in dem nordwefllichen Winkel. 

Hier wurden neun Steinurnen, mehrere Amphoren 
und Thonurnen und ein Skelett gefunden. 

VI. Die fechfte Grabkammer ift 9 M. lang. 9 M. 
breit — 30 romifche Fuß. Die Subflrutlion für das 
Hauptdcnkmal liegt beinahe in der Mitte und vor 
diefem die Ära der dt um parentum. 

Der innere Raum der Grabkammer ift wegen der 
darauf aufgefcliüttelen Erdmaffen diefes Jahr nicht 
vollkommen unterfucht worden. 

VII. Die ficbente Grabkammer, ausgegraben im 
Winter 1895/96, ift in der Frontfeite etwa 8 M. = 
25 romifche Fuß lang, in der Längenfeite etwa 12M. — 
40 romifche Fuß lang, und diefe Dimenfioncn ent- 
fprechen den hier als Baumaterial aufgedeckten vier 
Eck-Cippi: 

XXIV. N. F. 



T- C • M 
LAT P • XXV 
LONG P -XL- 

Auch hier wurden die fchönenStein-Subftruc'iionen 
für das Hauptdenkmal, rückwärts ein Zicgelft eingrab 
mit großer Steinplatte und längs der Wände viele 
Urnen aus Stein und Thon und Grab-Amphorcn ge- 
funden. 

VIII. Die achte unregelmäßige Grabkammer ift 
nicht vollftandig aufgedeckt, darin wurden je ein 
Skelett in der Richtung nach Often und Süden und 
einige Thonurnen etc. gefunden. 



Confcrvator I'rofelTor Maiottua hat unterm 13. März 
1S97 an die k. k. Ccntral-Commiffion über den fehr 
intcreffanten Fund eines antiken Kalkofcits berichtet. 
Diefe Anlage wurde anlafslich der Bc-ftelhmg der 
Felder behufs Anpflanzungen von Reben auf der außer- 
fti n Lamllpit/e des Gebietes Aquileja-Bclvcdere. j n ( l tr 
Nahe des fthönen I'iuienwaldcs, welcher die Gegend 




Fig. I. (Aquilej.., 




Ccntcnara belonders ziert, entdeckt. Die Centenara 
lammt Belvedrre ward am 2. Juli 1387 vom Patriar- 
chen Bertraiulo als Lehen ilem Federico Savorgnan 
verliehen und blieb als Eigenthum diefer Familie bis 
zum Jahre t8o6, in welcher Epoche am 14. Juli der 
Conte Antonio Savorgnan es dem Grafen Hieronymus 
Collorcdo Mels verkaufte; die Collorcdo verkauften 



es dann vor einigen Jahren dem Großgrundbefitzer 
I lerrn Pasquale Fior aus Udine. 

Im Januar d. 1. war der Befilzer von Belvedere- 
Centenara Herr Fior fo freundlich, perfönlich der 
Mufealleitung die Nachricht der Entdeckung diefer 
intereffanten Anlage zu überbringen und zu geflatten, 
dafs dieftlbe Anlage regelrecht unlerAuifieht derMufcal- 
organe ausgegraben, aufgenommen und photographirt 
werde. Herr Fior hatte auch das Entgegenkommen, zu 
geflatten. dafs diefe Anlage ohne jegliche Zerftörung 

7 



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- jo — 



nach der Planaufnahme wieder zugefchüttct werde, wes- 
wegen die Leitung des Mufeums dem betreffenden 
Herrn zu großem Danke verpflichtet ift. 

Unweit von der Stelle, wo die Kabelleitung Aqui- 
leja-Grado bei Centenara beginnt, auf einem Abhänge 
gegen die Lagune, welcher als Weingarten beftellt wird, 



5 

liegt die Stelle, an welcher der Kalkofen entdeckt 
wurde. 

Diefe Anlage befindet fich in einer Tiefe von 
0'87 M. unter der gegenwärtigen Tcrrainobcrfläche und 
befteht aus einem Eingange, der durch zwei aus Ziegel- 
quadern gebildeten Stützpfeilern begränzt wird, und aus 



dem eigentlichen Ofcnraume, deffen Oberbau leider in 
früheren Zeiten abgetragen worden war. (Fig. i.) 

Die beiden Stützpfeiler beim Kingange find nicht 
gleichmaßig gebaut, fondern eher keilförmig, derjenige 
rechts ift unten 0*52 M. breit, oben 062 M.; der links 
ftehende ift unten 064, oben 072 M. breit; cbenfo ift 
derjenige rechts unten 121, oben 
128 M. lang; derjenige links unten 
1*32, oben 1-20 M. lang; beide find 
etwa 135 M. hoch. Die Breite des- 
Einganges betragt 0 92, die Lange 
126 M. (Fig. 2 und 3.) 

Der eigentliche Ofenraum ift 
clliptifch gebaut und befteht aus 
dem unteren Fcucrungsraume und 
aus dem Kinfatzraume. 

Der Feuerungsraum ifl unten 
134, oben 142 M. lang, 101 oben, 
0 99 unten breit, C48 M. hoch. Die 
Ziegel, welche die Ten Kaum um- 
geben, find etwa O l 4 IC breit. 
Der Abftand vom Stützpfeiler zum 
Fcucrungsraume beträgt 0 37 M., 
vom Feuerungsraume zur fehiefen 
Wand des Einfatzraumcs 0-62 M. 
(Fig. 3-) 

Die Breite der Anlage bis zu 
der inneren Wand des Einfatz- 
raumes beträgt 4 04 M. und müßte 
um etwa 020 M. durchfchnittlich 
vergrößert werden, falls man auch 
die durchfchnittliche Breite der 
Ziegelftcine bis zur Humusfchichtc 
in Betracht zöge. Die Breite vom 
Pfeiler zur innern Wand des Einfatz- 
raumes beträgt 278 M. Der Incli- 
nations -Winkel der fehiefen Wände 
des Einfatzraumes beträgt 0 34 bis 
0 35 M.; die Höhe der Wände des 
Einfatzraumes 0'g6 bis 102 M. 
(Fig. 4, auf befonderer Beilage, und 
Fig- 5 ) 

Dafs diefe Anlage zu einem 
Kalkofcn gehörte, läfst fich aus dem 
Umftande vermuthen, dafs unten im 
Fcucrungsraume neben Kohlen und 
Afche recht viele Stücke von ver- 
branntem Kalke gefunden wurden 
Jedoch ift auch die Möglichkeit 
nicht ausgefchloften, dafs diefer 
Ofen zugleich als Brennofen für 
Thonwaren gedient habe. 

Schließlich fei bemerkt, dafs in 
der Nähe diefer Anlage etliche 
Bronze-Münzen gefunden wurden, darunter als alterte 
eine vom Kaifer Maximinus Thrax (235 bis 238 n. Chr. 
Geb.), welche Av. den Kopf des Kaifers nach rechts mit 
der AufTchrift MAXIMINVS PIVS AVG GERMAN, 
zeigt, R die Fides militum (vgl. Cohen, IV, 507, 14). 




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- 51 - 

Kunft-topographifches aus Süd-Tyrol. 

Vom k. k. Confcrrator Dr. Ham Scknihir. 
(Mit • Tafeln ) 

III. 



Indem wir nun unferc Wanderung fortfetzen, um 
die auf ftcilcr Berglehne gelegenen Dörfer Termenago 
und Caftelio zu befuchen, gelangen wir zunächft nach 

Cusiano. 

Des mit diefer Kirche verbundenen Beneficiums ge- 
fchieht bereits in einem Kataloge der Beneficicn der 
Diöccfe Trient vom Jahre 1368 Erwähnung. 1 Das 
jetzige Kirchlein des Ortes ift im fpät-gothifchen Style 
erbaut. Von der früheren Kirche dürften aber noch die 
zwei fchönen romanifchen Säulen herrühren, welche 
jetzt in die Wand einer Capelle hinter der Kirche ein- 
gemauert find. Capitälc und Bafen find aus rothem, 
der Stamm aus weißem Marmor*. Befonders fchon find 
die Capitäle. Auf dem Ablauf des Säulenfchaftes folgt 
zunächft ein ringförmiges Band, dann ein Wulft. Die 
Capitälkerne tragen vier fehr elaftifch gebildete und 
fcharf gearbeitete nach aufwärts eingerollte Akanthus- 
blatter und zwifchen ihnen als Granatapfel gebildete 
Knollen. Den Uebcrgang zum Abacus bildet wieder 
ein Wulft. Die Arbeit ift durchwegs von gediegener 
Tüchtigkeit und Scharfe. In der Kirche fleht dann ein 
Wcihwafferbecken, deffen Fuß ebenfalls eine romani- 
fche Bafis mit Eckblattern aufweist. Auch diefes dürfte 
noch der alten Kirche angehört haben. 

Auf die Altargcmaldte diefer Kirche haben wir 
fchon früher hinzuweifen Gelegenheit gehabt. Alle 
find mit der Signatur 

1 .6. AR. 0.9 

bezeichnet. Jenes am linken Seitcn-Altare Hellt die 
Gottesmutter mit dem Kinde von einer Gtoriole um- 
geben und auf Wolken fitzend dar und unter ihr die 
drei Pcftpatrone. Die Heiligen haben Goldnimben. Die 
Gewandung der Madonna ift unruhig bewegt und 
baufchig. Die Proportionen find fchlank, das Colorit 
fchwer und der Vortrag dickflußig. Auch das Bild am 
rechten Seiten-Altar ftellt die Madonna in Wolken von 
drei unter ihr flehenden Heiligen verehrt dar. Am 
Hoch-Altar find rechts und links vom Tabernakel, in 
den Altargrund eingefchlofien und von flachen Gold- 
lciften cingefafst, zwei Bilder von der Hand diefes 
Meiftcrs, jedes mit zwei Heiligen. Die Gewandung der- 
felben ift fehr knitterig, faft wie bei den altdeutfchcn 
Mciftcrn des 1 5. Jahrhunderts und manchmal in hohem 
Grade manierirt. Die Carnation ift bräunlich-grau. 
Die Köpfe find nicht ohne Charakter, haben aber 
manchmal etwas ascetifches im Ausdruck. Die Stellung 
der Figuren ift entweder manierirt lebhaft oder fteif 
hölzern. In der Gewandung liebt der Maler fehwere, 
auch bunte Stoffe. Merkwürdig find auch die nach ab- 

1 Zeitfchrtft dea Kcrdinaatleum«. js. Jahre. Innltruck iSßl, S. 177. 

* Diefe Vorliebe für bunt« Farbenwirkuag, eine EieenikUmlichkeit vor. 
ttifllea dtr abcr-tfalienif^en Kunft vnd auch an dea Rea*iffan<:e DenVroalera 
Säd-Tyrnl» ein« (aas ccwohnliche Erfcheiniuig, fiadct üch Ichou iu der bllcftea 
TtMnanifrhe» Epoche Sa finden firh auch in S Romadb im Noeiberfe roma- 
nifche Säulen wie weiJen Ctpiiaien uad lutaea SehAftea. 



warts gezogenen fpitzen Schnurrbarte feiner Heiligen- 
geftalten. Auch diefe Bilder erinnern wieder fehr an 
Polak. 

Ein anderes Bild in diefer Kirche, und zwar ein 
fehr gutes Bild, Magdalena wafcht Jcfu die Füße, 
verräth in Auffaffung und Mache die Schule der Unter- 
berger von Cavalefc und könnte recht wohl ein Werk 
Chrißoph Unter berger 's fein. 

Termenago. 

Die Curatie wurde in Termenago im Jahre 1602 
errichtet. Eine Kirche wird dafelbft aber fchon 1322 
erwähnt Diefelbe fleht noch, ift aber außer Gebrauch 
gefetzt und durch eine im „Kanzlciflyle" erbaute er- 
fetzt. Die alle Kirche fand ich gefperrt. Sie fcheint, fo 
weit ich mich durch ein Fenfter davon überzeugen 
konnte, nichts von Bedeutung mehr zu enthalten, und 
auch als Bauwerk bietet fic nichts intcreffantes dar. 
Der Glockenthurm fleht, wie jener in St. Agatha und 
in der alten Kirche zu Caldcs, ifolirt und zeigt zwei ge- 
kuppelte Schallöcher übereinander. Die Bogen werden 
von romanifchen Säulchcn mit Kämpfern getragen. In 
der neuen Kirche fand ich einen Taufftein aus rothem 
Marmor vor. Die Bafis dcsfclbcn ift aber aus Granit 
hergeftellt und zeigt noch romanifche Formen: über 
der quadratifchen Plinthe einen Wulft und, durch ein 
Bandchen davon gefchieden, einen fteilen Torus. Das 
Becken ift im Renaiffancc-Style ausgeführt mit Pfeifen- 
verzierung und der Umfchrift am Rande: 1606 die 
9 Sctebris hoc opus factum fuit. Die beiden Seiten- 
Altäre diefer Kirche find nicht unintereffanteLeiftungen 
im limpirc-Stylc. 

Auch die Kirche des nächften, noch höher an der 
Berglehne gelegenen Ortes, Caflelh, bot keine befon- 
dere Ausbeute. Das Portal derfelben ift von gerahmten 
Pilaftern mit Scheiben und Rofetten (fechsblatterig 
um einen Granatapfel) flankirt. Diefe fowie die in die 
Thürlichtung gcftelltcn Confolcn tragen den geraden 
gcbalkförmig behandelten Sturz. In der Mitte des 
Friefes desfelbcn ift aufrecht die lehrende oder feg- 
nendc Hand Gottes sculpirt, ein romanifches Motiv, 
das in der Gegend mehrfach auch an Renaiffance- 
Monumenten vorkommt. In der Portal -Luncttc find in 
Fresco die Halbfiguren: Chriftus zwifchen Maria und 
Johannes dargcftcllt. Alle Figuren find in Vorder- 
anficht geftellt. Die Gefichter find oval, das Incarnat 
bräunlich, die Haare derb gcftrichelt, die Färbung 
warm. Die Hand der Bascheni ifl an dem Bilde nicht 
zu verkennen. Ich bemerke noch, dafs dies I.unetten- 
Fresco und jenes in der Portal-Lunette in St. Agatha zu 
Commczzadura einander fehr nahe flehen. 

Steigt man von Fucine aus an der rechten Thal- 
feite des Pejo-Thales, den Thalweg nach ca. '/« Stunde 

7« 



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- 52 - 



verlaflend, empor, fo gelangt man nach kurzer und 
wegen des herrlichen Ausblickes genußreicher Wande- 
rung nach Comasine. Von dem Bergbau, der cinft hier 
blühte, war fchon die Rede. Die Kirche diefcs Dorfes 
wurde durch die Brüder Giovanni und Domenico q. 
Paolo von Comasine im Jahre 1462 gegründet' und 
ift dem Apoflel Matthäus geweiht. Ks war dies alfo 
gerade zur Zeit, als der Hcrgbau befonders blühte. 
Vielleicht hangt es damit auch zufammen, dafs diefe 
Kirche zwei Chore, einen Oft- und einen Weft-Chor hat, 
einer derfelbcn alfo als Knappen-Chor gedient haben 
mag, wie dies zumBeifpicl inSchwaz der Fall war. Beide 
Chöre find um eine Stufe erhöht, fUrk eingezogen und 
aus fünf Seiten des Achteckes conftruirt. Auf Anfangern 
aufruhende Rippen mit gothifchem Birnprofile bilden in 
beiden Chören vcrfchiedciic Netzgewölbe. Das Schiff 
fclbft ift im Grundriffe faft quadralifch und von einem 
fiktiven Netzgewölbe überdacht. Im Wcft-Chorefchcinen 
durch die Tünche des Gewölbes alte Malereien durch, 
geprefste Nimbcn mit Perlenkranz und allenthalben 
Spuren von Farben. Das Portal der Kirche ift jenem 
eben befprochenen in Castello fehr ähnlich, tragt auch 
die fculpirte Hand Chrifti im Fries und ift mit 16 19 
datirt. 

Zu Comasine gehört auch das '/, Stunde davon 
entfernte uralte Kirchlein 5. Lucia. Nach Perint 1 wurden 
an derfelbcn Stelle auch fchon romifchc Münzen und 
Waffen gefunden, und der Catalogus Cleri Dioecesis 
Trid. bezeichnet das Kirchlein als „ecetesia peranti- 
qua*. Dasfelbe ift aber im Laufe der Zeiten ficherlich 
mehrfach umgcftaltet worden und bietet in der gegen- 
wärtigen baulichen Anlage wenig des InterefTanten. 
Eine auf drei Seiten die Kirche umfchließendc und ge- 
wölbte Halle mit Bogen auf Pfeilern dürfte dem Aus- 
gange des 15. Jahrhunderts angehören. 

Dagegen erweckt unfere Aufmerksamkeit wieder 
einer der Altäre diefer Kirche durch feine einem äl- 
teren Flügelaltare entflammenden Schnitzfiguren Die 
Mittclnifchc umfchlicßt die Madonna mit dem Kinde 
zwifchen den Heiligen Rochus und Lucia, und zu beiden 
Seiten der Nifche lehen wir im Flach-Relief Anton Abt 
und Antonius von Padua (r). Die Stellung der Figuren 
ift ftark ausgebogen, die Gewander find im allgemeinen 
fchwungvoll behandelt, aber insbesondere am Boden 
ftark knitterig. Das Haar ift reich und lockig, die Ge- 
fichter find breit und voll und im Ausdrucke von 
fanftcr Gemütlichkeit. Ueber der Mittclnifchc ift fpät- 
gothifches Maßwerk, in Gold, Roth und Blau polychro- 
mii t, angebracht. Der Styl, in dem diefe Figuren aus- 
geführt find, weicht von jenem der Schnitzfiguren in 
St. Agatha und Offana, welche ftärkerc italicnifchc 
Einflußc verrathen, ab und nähert fich mehr den Fort- 
fetzern der Richtung Pachcr's, wie wir fic in der Bozner 
Schule vor uns haben. 

In der Vorhalle tollen fich ehemals Fresken be- 
funden haben, welche erft um das Jahr 1866 übertüncht 
wurden. Fin Grabmal in diefer Vorhalle, im Style an 
die Portale in Castello und Comasine erinnernd, ift 
von 1530 datirt, im übrigen eine flüchtige unbedeu- 
tende Arbeit. Der Thurm des Kirchleins ift noch der 
alte romanifchc mit viereckigem gemauerten Helm, in 

' Batiro, Hrini d. Stnnj Trrnlinj. paj )!(■. I>er Cjuawgn» CI«ri Ttiil. 
von iSk- t \\<% fitr .iic Km htuntt »ici Cutitic in Comai.ne J>Kr i;.y> »fc. 
1 rrnmt, stitiMi:» d-.'l J rcuiinn V..I. II. i< 



feinem untern Thcile ohne Gliederung in Gefchoße 
und an zwei Seiten mit gekuppelten Schallöchern. Ein 
granitenes Säulchen mit roh gearbeitetem Würfet- 
capitäle und Kämpfer trägt die Bogen. An einer Seite 
ift unter dem gekuppelten Fenfter noch ein einfaches 
im Rundbogen gefchloffencs angebracht. An der füd- 
lichcn Aiißcnfcite des Thurmcs war ehemals weithin 
fichtbar ein kololTaler Chriftoph gemalt, von welchem 
Gemälde jedoch faft nichts mehr vorhanden ift. Uebcr 
demfelben, aber ebenfalls fehr zerftört, ift eine thronende 
Madonna mit dem Kinde dargeftellt. Wohlerhalten ift 
nur der Kopf der Gottesmutter von holdcftcr Anmuth 
in den Zügen. Die Carnation ift rofig in den Schatten, 
weiß in den Lichtern Der Mund ift klein, die Stirn 
hoch und wohlgcformt, der Mantel, von welchem aller- 
dings nur mehr der obere Thcil erhalten ift, zeigt keine 
fcharfen Brüche. Die Malerei gehört wahrfcheinlich 
noch dem 15. Jahrhundert an und verräth entfehieden 
deutfehe Einflußc. vielleicht fogar einen deutfehen 
Mcifter. 

Von Comasine begeben wir uns nun nach 
Cogolo. 

Diefer wcltabgcfchiedene Winkel ift die Heimat 
des berühmten Cardinais und Erzbifchofs von Wien, 
Chrijhpli Migazzi (1715 bis 1803). Der Ort liegt an 
der Stelle, wo fich das Pcjo-Thal in die beiden Hoch- 
thaler Val dcl Monte und Val de! Mare theilt, 1173 M. 
über dem Meere, und wird von den becisten Abftürzen 
der Ortler-Gruppe iibcrragt. Das Stammhaus des 
jetzt magyarifirten Grafengcfchlcchtes Migazzi dient 
als Widum. In einem Zimmer desfelben find außer dem 
Famiiicnwappcn der Migazzi auch jene der Crivelli. 
Melchiori und das einer Popenheim (Pappenheim:) 
nebft mehreren anderen gemalt. Zur Zeit meiner An- 
wefenheit in Cogolo wurde dies Zimmer gerade neu 
getüncht, und die Wappen mit den unter dcnfelben be- 
findlichen Infchriftcn waren verhängt. 

Die Curatic wurde in Cogolo erft 1698 errichtet; 
ein Beneficium dafelbft wird aber fchon in dem mehr- 
fach erwähnten Catalogc derfelbcn vom Jahre 1368 
erwähnt und deflen Ertrag mit 2 Mark bewertet.' 
Uebcr die Erbauung der Kirche gibt uns eine Infchrift 
an der Außenfeite derfelbcn gerade über dem alten, 
nun vermauerten Eingange Auskunft. Diefelbc, auf 
eine kleine Marmortafel fculpirt, lautet: 

bffs- bomnvs- & 

GTV'-UULP*- 9- büM- S 

iRiboZinabtoo fiBjo 
aaiasun.- j*aaii jtiQt jrb.4 
P/?Öä ' patz®- tnoop 
/•<? 7yu.iPt Jia p&Jrt9 

0 fD?jl 0 d 0 . X KX- II- T 

<g. boi/Jn PHo 00. 

• V.lhlimi ... Je, /.r.lCMH Je. I'er.lin.cd.-U«!!, ... J.Krg. I.n.fcfuck 



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- 53 - 



Dominus Dolzanus di- 
etus Vulpus quondam s- 
er Marcii' de Cogulo 
Tridcntinac duoccsis lianc 
ecclesiam fecit fieri ad h- 
onorcm Beatorum Jacob- 
i et Philipp! ac Beatae 
Catltcrinac virginis sub a- 
nno Domini 1332 in- 
dictionis 15 et rogat- 
e Deum pro co. 

F.ine Pergament-Urkunde im Archiv des Widums 
bezeugt ferner, dafs der in der Infchrift genannte Dol- 
zanus fkh an viele Bifchdfe gewandt habe, um Ablaflfe 
fur die von ihm erbaute Kirche zu erlangen. Auch war 
er im lntcreffe dcrfelben eifrig beftrebt, Reliquien zu 
fammcln, welche in einem eigenen Grabmale beigefetzt 
wurden, unddiefes hoch interelTante Monument roinani- 
fchcr Bildhauerei ift noch vorhanden. Iis berindet lieh 
unmittelbar neben der genannten Infchrift an der 
Kirchenmauer und kann in feiner Art wohl als ein 
Unicum gelten infofern, als wir dem durch dasfelbe 
reprafentirten Grabmaltypus fowohl in der romani- 
feben als in der gothifchen Periode nur fehr feiten be- 
gegnen, wahrend er in der Rcnaiffancc weitaus der 
herrfchende wurde : das Nifchcngrab. Vorgebildet ift 
dcrfelbc durch zwei Grabmaler der Cosmatcn in Rom, 
welche aus der Zeit um 1 }oo Hammen, alfo nur wenig 
alter find* (f. Tafel I). 

Das Monument zeigt die Form einer portalartigen, 
nur wenig vertieften rundbogigen Nifche mit geradem, 
durch eine kräftige Hohlkehle mit Platte betonten 
oberen Abfchlußc. Der Halbnmdbogen ruht auf zwei 
ziemlich niedrigen Pilaflern auf, die fich auf einem ge- 
mauerten, ehemals wohl verkleideten Unterbau ohne 
Baus erheben. Letzterer macht ungefähr ein Viertel der 
Hohe des ganzen Grabmales aus. Kinc niedrige Stufe 
dient ihm als Bafis. Die Pilafter find doppelt gerahmt, 
und zwar ift die innere Umrahmung aus einem halb- 
runden Stabe gebildet. Diefe Pilafter zeigen Füllungen, 
einfache Kankcn mit Weinlaub, das fehr fcharf und 
beftimmt in den Formen herausgemcißelt ift. Die 
Ranken felbft find durch kraftige Stabe gebildet. Das 
Material der Pilafter wie das des ganzen Monumentes 
mit Ausnahme des gemauerten Sockels und der 
Nifchcnwand, die ebenfalls gemauert ift, ift rothlichcr 
Marmor, der aber gegenwartig ganz violettgrau aus- 
ficht. Eigentümlich ift die Form der Kampfer. Auf 
ein Halbrundftabchen, welches nur wenig vorkragt, 
folgt eine fteile Hohlkehle, auf welcher mit gleicher 
Ausladung ein halber Pfuhl auflagert. Dann kommt 
wieder ein Halbrundftab mit geringerer Ausladung, 
dann eine fteile Einziehung und endlich ein ganz ver- 
kümmertes ionifches Volutenpaar; ein Stäbchen bildet 
den Abfchluß. Die Archivolte des Bogens der Nifche 
zieren fich kreuzende Rundbogen. In den dadurch ent- 
standenen Dreiecken find Kleeblätter als Füllung an- 
gebracht. Die Dreicckzwickel zwifchen der Archivolte 
und dem krönenden Gefimfe find feitlich von Leiften 

' Niffeil Afarrttii, wie J.tpasai'. Ilm nyiii>nea VMrift« Tf eultnjie, V nl. JI, 
V*K' *37l in ilt-r HiMir.t^t; » ci«iC.i in Trieitt, t,etl. Jer i!:e In- 

fchrifl j.lloch vi'ht im Onjmjl» f.), 

» RmrrilutrJt i.eforu. I« «irr Krn»ifl»rv-. in InUcn. Sniilc.ri 

Ii 



eingefafst, und mit je einer zweihcnkeligen Kanne, aus 
der ein Zweig fprießt, gefchmückt. Das Abfchlußgc- 
fimfc befteht, wie gefagt, aus einer Hohlkehle mit 
darauf liegender Platte. In der Mitte ift dasfelbe jedoch 
abgefafst, und da erhebt fich darüber ein gleichfeitiges 
Dreieck, in welchem eine nach oben gerichtete feg- 
nende oder lehrende Hand fculpirt ift und darüber in 
einer kleinen runden Scheibe das Monogramm Chrifti. 
Rechts und links von der Hand ftehen die Worte 
SAL' A. . . . nos. Neben dem Dreiecke auf jeder Seite 
desfelben find zwei große Eichelfrüchte angebracht, 
welche, wie auch Ibnft einzelne Thcilc des Grabmales, 
Spuren von Polyrhromirung zeigen. 

Das Behältnis mit den Reliquien, welches in der 
Nifche auf dem Sockel aufruhte und wohl die Form 
eines Kärtchens hatte, fehlt jetzt. Die Nifchcn-Luncttc 
ift vom untern Theile durch ein Sims, beftehend aus 
Stabchen, Fries mit Diamantbuckcln und Platte, ge- 
trennt. Der Grund derfelben ift mit Malereien ge- 
fchmückt. w elche jedoch erft dem 15. Jahrhundert an- 
gehören. Dargeltellt ift die Gottesmutter in braunem 
Mantel, der auch über ihr etwas nach links geneigtes 
Haupt gezogen ift. Sie halt den Leichnam des Erlöfers 
im Schöße. Ihr zur Seite und, wie fie felbft, etwas mehr 
als HalbHguren find links Johannes in rothem Mantel 
mit grünem Unterkleid, rechts eine weibliche Heilige 
(Katharina?) dargefteltt, deren Farben aber faft ganz 
vcrblafst find. In der Laibung des Bogens ift links der 
Apoftel Philipp in grünem Mantel, biaumothcr Tunica 
und blauem Untcrklcide dargeftellt, rechts der Apoftel 
Jacobus mit Buch und Lanze in braunrothem Mantel 
und grünem Untcrklcide. Der W urf der Gewandung ift 
fließend, ohne Brüche, die Kopfe find von ernfter Würde 
im Ausdruck. Die Schatten find graugrün, die Lichter 
braunrot!) Auffallend lind die kurzen Nafcn. Um die 
Heiligen in der Bogcnlaibung l'chlingt fich eine gothifch 
ftylifirte gemalte Einrahmung. Kinc Infchrift, an der 
Mauer rechts von diefem Nifchcngrab und nur mehr zum 
kleinftenTheil erhalten, bezog fich auf die in dcmfelben 
enthaltenen Reliquien. Gegenwartig lind noch folgende 
Worte zu entziffern: 

Omnes infra Scripte Reliquie SS™ sunt recondite 
in ista Ecclesia: SS™ Apostolorum Philippi et Jacobi 
et Antoni et bcatiss, Virginis Catherine-Patron ■ istius 
Ecclie. . . Der Reft ift unleferlich. Diefe Infchrift wurde 
alfo wohl angebracht, als die Reliquien aus dem 
Nifchengrab entfernt und in die Kirche ubertragen 
wurden. 1 Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde 
dann diefe ganze Außenwand der Kirche mit Fresken 
bemalt. Diefelben find in zwei Reihen übereinander 
angeordnet und (teilen in der obern Reihe zunachft in 
der Mitte als Breitbild das letzte Abendmahl, dann 
rechts und links die Geißelung Chrifti und dieKreitzes- 
gruppe in quadratifcher Umrahmung dar. Die Gruppi- 
rung der Gcftaltcn in dem Hauptbilde gefchah in 
offenbarer Anlehnung an das Bild Leonardo da Vinci's; 
die Darfteilung ift aber keine bloße Copie des berühm- 
ten Vorbildes. In der untern Krihe feben wir, links 
beginnend, zunachft ein Bild, deffen Darftcllung beinahe 
gänzlich zerftort ift. Darauf folgt gerade über der auf 
die Reliquien bezüglichen Infchrift ein Engel mit aus- 
gebreiteten Flügeln, der mit beiden Händen auf die 

' Da .liefe InMmfl oiil <le„ rrr.ler, ... ,!« Mater t ler hrtili,- .,T fr:» 
frlieiul. fn il.irfl» di-lt U t Wrirj |[.,r. L - el.cr.falU um rlir Millr <I»J I" Jahr 
Ii lindert,* lyr II 



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genannte Infchrift hinweist. Leber dem Nifchcngrab 
felbft ift die Auferftehung dargeftellt. Es folgt nun ein 
Breitbild mit der Krcuztragung Clirifti und Simon von 
Cyrcnc als Hauptdarftellung. Links davon und auf dem- 
fclben Bilde ift die heil. Katharina und rechts eine 
heilige Nonne dargeftellt. In der Landfchaft hinter 
Katharina fehen wir das Martyrium der Heiligen in 
ganz kleinen Figuren. Im Mittelgründe ift außerdem 
ein Mann fichtbar, welcher eine Tafel mit halbvcrlofch- 
ter Infchrift trägt. Diefelbe nennt uns den Maler diefcs 
Freskcncyclus: Joannes 'Angelus Vatolsa Grosiensis 
Valis Telinac Pinxit anno löjj. Als Stifter diefer 
Malereien erfcheinen durch ihre Wappen auf diefem 
Hilde die Familien Migazzi 1 und Moar. Durch eine Thür, 
zu welcher man über eine Freitreppe gelangt, von 
diefem Bilde getrennt ift das letzte Bild diefer Reihe, 
welches die heil. Barbara mit dem Thurm darftcllt. 

Das Colorit aller diefer Fresken ift in tiefen war- 
men Tönen gehalten, in welchen Braun und Ockergelb 
vorherrfchen. Braunlich ift auch die Fleifchfarbe mit 
rofigen Lichtern. Bcfonders auffallend find die langen 
ganz lofe fließenden reichen Haupt- und Barthaare der 
männlichen Geftalten. Aeltere Refte von Malereien, 
die dem Ende des 15. oder dem Anfange des 16. Jahr- 
hunderts angehören dürften, find noch in halbzcrftörtcm 
Zuftande in einem Fries unterhalb diefer Fresken ficht- 
bar. Es find Köpfe von Heiligen in Vorderanficht oder 
Drcivicrtel-Profil zwifchcnRcnaitTance-Ornamenten.Die 
Modcllirung derfclben zeigt Rofafchattcn mit weißen 
Lichtern. 

Am freiftehenden Glockcnthurm ift ein großer 
Chriflophorus gemalt, und zwar, wie der Vergleich mit 
den Fresken ergibt, ebenfalls von Johann Angclus 
Valolsa. 

In der Kirche fehen wir am Hoch-Altarc wieder als 
Statuenfchmuck eines Renaiffance-Altarcs die Holz- 
fchnitzftatuen der Mittelnifchc eines alteren gothifchen 
Flugelaltarcs. Die heil. Katharina in fehr ausgebogener 
Haltung, mit vollem Geficht, hoher gerundeter Stirn, 
rundem vortretenden Kinne und reichem über 
die Schultern nach vorn fließenden Haare. Der heil. 
Philippus trägt einen goldenen blaugefiitterten Mantel 
mit fehr knitterigem Wurf. Unter demtunicaartigen blau- 
braun brockatenen Unterkleide werden rothe Beinlinge 
fichtbar. Der Ausdruck des Kopfes diefcs Heiligen, 
fowie auch jener der beiden andern Heiligen, des heil. 
Jacobus und eines Bifchofs (Vigilius?), und zweier Bruft- 
bilder an der Predella ift voll Charakter, doch fehlt 
die Energie und das Feuer Pacher's. Dicfe Figuren, 
wie auch jene in St. Lucia bei Comasine, ftehen der 
Ho/.ner Bildfchnitzcrfchulc des beginnenden 16. Jahr- 
hunderts nahe, welche nach Pacher und von diefem 
unmittelbar ausgehend eine ziemlich umfallende Thälig- 
keit entfaltet haben muß, den Styl Pacher's in das 
weichere umbildend.' An dem in Rede flehenden 
Altar ift, wie auch fchon an mehreren der früher er- 
wähnten, der gothifchc Baldachin des Schreines eben- 
falls zur Verwendung gekommen. An Stelle der bei 
Pacher und feinen ihm fich unmittelbar anfehtießenden 

1 Da» Wipj.ro der Mif.aj/i ift auf dem Bilde n>i-:ri dal alfe '.knr. ilrn 
Thurm, von Schwer» und Silber geviemt mit tmcei rechten S.liraijbalWr^ in 
S.lfcer cur.Th die fchwarren FrMrr; auf i!em Schilde ein flieh UjAi Kewrn- 
detei einkonlirer Adler l»rrvoTt»ai hf.n<l. 

1 lieber mehier« dirfrr S-hnl* jn^rM^cnile Alt krwerLr. insbefondere 
Über ilen ticVautiten. ist M-ri:*<ncr Na;i -<n #hn .ifeum l'-ioher .•n^eftht. ebenen. 
%.t>iri>hrmS. r, hu» Tianiiti a nntrnri^-t A'ctT, hamlHr nniertltno Srmftr in 
der /*,tf. |,T|f( ilc» Kcrdti^i . ]. Uli-. }, J .^rj Inn«!' II ~ >. Ii; H 



Nachfolgern noch vorherrfchenden architektonifchen 
Motive gelangt hier faft ausfchließiich und in fehr gc- 
fchmackvoller Weife leichtes fpielcndes Ranken- und 
Blattwerk zur Verwendung. 

Ein anderer Altar diefer Kirche, der rechte Seiten- 
altar. enthalt ein von 1608 datirtes und mit dem Namen 
des Künftlers: Murtino Teoffilo /«^bezeichnetes Bild. 
Das Wappen der Migazzi auf dem Bilde, diesmal mit 
dem Thurme, bezeugt, dafs das Gemälde im Auftrage 
diefer Familie von Polak gemalt wurde. Das Bild ift 
eine Santa Convcrsazione in der Art, wie Tizian und 
Paolo Veronese diefelbe ausgebildet haben. Die Gottes- 
mutter ützt mit dem lebhaft bewegten Kinde auf einem 
erhöhten Throne. Links und am Fuße desfelben fteht 
ein Apoftel, fehreibend und das Haupt zur Madonna 
emporwendend. Neben ihm zur Rechten fteht Bar- 
tholomäus und hinter diefem wieder ein anderer Heili- 
ger mit der Lanze als Attribut. Auf der andern Seite 
der Madonna fehen wir einen Heiligen mit einer 
Flamme in der Hand. Die Anordnung fowohl, als auch 
das Colorit gemahnen ftark an venezianifche Vorbilder. 
Der Ausdruck der Madonna ift ftark fußlich. Die 
Modellirung ift im Schatten tief bräunlich, übrigens ift 
der Firnis ziemlich ftark ausgewachfen. 

Auf der Kanzel find Spuren einer ehemaligen 
Ausmalung der Kirche mit Fresken zu entdecken. 

Geht man über Cogolo hinaus weiter gegen Val 
del Marc zu, fo gelangt man zu einem einfam im Thale 
ftchenden alten Kirchlcin, das fich gegenwärtig in 
einem völlig verwahrlosten Zuftande befindet. Es ift 
die Kirche S. Bartolomeo in Pegaja, welche 1 582 ge- 
weiht wurde.' Der quadratifchc Chor ift im Kreuz- 
gewölbe überdacht, das Schiff hat eine flache Decke. 
An der linken Chorwand find die drei Apoftclgcftaltcn 
Paulus, Thomas und Bartholomäus und der heil. Anton 
Abt dargeftellt; darunter befindet fich die Datirung 
Die 8 julij 1513, Paulus im Dreiviertelprofil mit bro- 
katenem Unterkleid und rotlicm faltenreichen Mantel 
ift eine ernfte Gcftalt. Die Unterlippe des klein geform- 
ten Mundes ift etwas vorhängend, die Stirn breit, das 
Haar derb gcftrichelt. Thomas trägt grünes Unterkleid 
und kirfchrothen Mantel, deffen Säume in fpitzen 
fcharf gebrochenen Ecken verlaufen. Diefelbe Behand- 
lung zeigt die Gewandung der beiden anderen genann 
ten Heiligen. An Bartholomaus find auch die auflallend 
kleinen und zarten Hände bemerkenswert!.. Die Nimben 
find geprefst, die Schattirung ift in braunen Schraft'en 
angegeben. Den Hintergrund der Geftalten bildet eine 
Mauer bis zur Schultcrhohe der Figuren, darüber neu- 
trales Blau. 

Ein anderes gutes Frcsco im Innern der Kirche, 
eine Madonna mit dem Kinde, anmuthig empfunden 
und flott gezeichnet, datirt von 1728. 

Auch an der Außenfeite der Apfis haben fich noch 
Freskenrefte erhalten, welche offenbar dcmfelbcn 
Künftler angehören, der auch jene im Innern von 1513 
datirten ausführte. Trotz der technifchen Unzuläng- 
lichkeit, die fich in ihnen ausfpricht, gemahnen lic 
doch in hohem Grade in ihrem Style an die Fresken in 
St. Agatita in Comtneszadura. So vor allem der heil, 
Auguftin als Bifchof in Mönchstracht auf einem Re- 
naiffance-Thronc fitzend, ganz in Vorderanficht und in 

' Catiloeu« Citri IHnecni« Tridemmae. Trento |S»». pa»;. 77. Porti 
l<_he 111 dann; eine Veum e i":.l,ii^ gemein! Je lein, d* die Kir.he aller ift, 



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Mitth, der k. k. C. C. f. K. u. h. Dm. iH.jS. S, 55. 



CoRolo-PcRaja. T ifel II. 




|'irl#*-»-|- ■ Will- n»i I. I » 1 1 II .1 IT». .11^;. tyh, \\ — 



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der einen Hand das Padoralc haltend, mit der andern 
fegnend (f. Taf. II). Dann eine Madonna mit dem Kinde. 
Der Kopf der Gottesmutter ift rund und anmuthig ge- 
zeichnet; der Mantel, über der Bruft gcfcliloffcn, fallt von 
den Knien abwärts in vielen gefchlängelten Falten zu 
den Füßen. Da« Kind ift dehend und ganz bekleidet 
dargeftellt. Die Hände find voll, klein und zart.' Des- 
gleichen gemahnt eine große Chridophorusfigur in der 
Form wie im Ausdruck des breit angelegten Kopfes 
mit den großen mandelförmigen Augen und der han- 
genden Unterlippe an die Gcftalt de? thronenden 
Heilandes im Chor zu Commczzadura. Sein rother mit 
braun-gelbem Brokatmufter verzierter Mantel läfst 
vorn einen grünen Leibrock und die gefchlitztcn 
Aermel desfelben fichtbar. Die Nimbcn der Heiligen 
find geprefst, cbenfo die Gürtclfchnalle des Chrifto- 
phorus, die ehemals ficher auch vergoldet war, was 
ebenfalls auf die Bilder in Commczzadura hinweist. 

Die Ortfchaft /V/V», hoch an den Abhängen des 
Monte Viös gelegen, befuchte ich nicht. Nachtraglich 
hörte ich, dafs am Thurme der dortigen Georgskirche 
eine Chridophorusfigur gemalt fei mitBrudbildern in der 
Umrahmung derfclbcn, und darüber ein Saturnus als 
Zeitgott nebft einer Sonnenuhr. Nach meiner durchaus 
verläfslichen Quelle würden diefe Malereien ebenfalls 
dem 16. Jahrhundert angehören. 

Den Rückweg von Cogolo nahm ich über die 
Bergdörfer Celledi2zo und Cclentino. Die Kirche von 
Celledisso (Curatie feit 1319) enthält zwei kleine fchöne 
RenailTance-Schnitzaltäre. Kirche und Thurm find 
neuere Bauten. Zu erwähnen wären die Stationsbilder, 
Werke des jung verdorbenen talentvollen Craffonarn. 

Auch die Kirche in Celentino id neu und enthalt 
nichts erwähnenswertes. Auf dem Friedhof diefcs Ortes 
Iah ich noch ein romanilches Capital mit vier korinthi- 
firenden Blättern und Knollen dazwifchen. 

Von Fucine aus befuchte ich endlich den letzten 
Ort des Sulzberges, das an der Tonale-Straßc am Ab- 
hänge des Berges Boai gelegene 

Vermiglio. 

Die Curatie diefes Ortes, welcher aus den drei 
Fractioncn: Fraviano, Pizzano und Cortina betteln, 
wurde noch vor 1 300 errichtet ; der Ort fclbd wird 
fchon 121 5 erwähnt, in welchem Jahre Bifchof Fried- 
rich von Wanga die Kinwohncr von Vermiglio auf- 
fordert, ihrer Verpflichtung, das Dach des Schlöffe* 
Offana indand zu halten, nachzukommen.* 

Die Kirche in Fraviano id ein Bau neuerer Zeit. 
Der über drei Stufen erhöhte und aus dem Achtecke 
gcfchloffene Chor zeigt am Gewölbe fchwächüche halb- 
runde Rippen. Das Schiff hat ein Tonnengewölbe mit 
Gurtbögen, welche auf Wandpfcilern aufruhen und in 
Füllungen marmorirt find. An das Schiff lehnen fich 
zwei Seiten-Capellen an. Es id der regelmäßig wieder- 
kehrende Typus von Kirchen diefer Art im Sulzbcrg. 
Hin fchoncr Schnitzaltar diefer Kirche id abweichend 
von der gewöhnlichen Polychroinirung derl'elben in 
Blau, Rothbraun und Gold nur in Weiß gehalten und 
dies dürfte auf einen jungem Urfprung desfelben hin- 
deuten, wahrfchcinlichcraber auf cincfpätcreNcufaffung 

' Mit ükfen Hitdcrn ftimml auch da.» rr*»co, «inen klonenden ViEili-i» 
darAcllrnd, in d«r StidrVito der Vniliu». Kirche in ftmirtd iot Style Ghtrein. 
■ IhHta, Burti die Stor,» Trcncn». pjg. tsj. 



desfelben. In den Formen dimmt er mit den beften Al- 
taren diefer Art ubercin. Die Mittelnifchemit halbrundem 
obern Abfchluße und Schlußdcin fowic lagernden En- 
geln in den Zwickeln id von zwei vortretenden korinthi- 
fchen Säulcnpaaren auf Bafamentcn flankirt, welche 
ihrerfeits je zwei Nifchen mit Statuen von Heiligen 
zwifchen fich einfchließen und das über ihnen verkröpfte 
Gebälk tragen. Ucbcr den Verkröpfungen, welche den 
beiden mittleren Säulen entfprechen, erheben fich zwei 
gefchwungene Gicbelfcgmente, während auf den äußeren 
Verkröpfungen die Statuen der beiden Apodelfurden 
dchen. Das Fries id mit fchönem Ornamente geziert. 
Uebcr der Mitte des Unterbaues erhebt fich ein von 
Karyatiden flankirtcr Auffatz mit der Statue des Er- 
löfers. Auf den Gicbctdückcn diefes Auffatzcs lagern 
Engel mit goldenen lichtblau 1 gefütterten Gewändern. 
In der linken Seiten-Capelle dcht ein fchoncr Marmor- 
altar, infehriftlich eine Stiftung des Presbyters Vigilio 
Vcscovi von 1666. Zu beiden Seiten diefes Altares 
flehen zwei fchöne polychromirte, anfeheinend moderne 
Holzdatucn, Franciscus und Antonius. Eine Stickerei: 
Petrus, Paulus, Laurentius und Stephanus dardellend 
und datirt, dient als Antcpindium. Die Kanzel 

der Kirche aus Holz id im allgemeinen den Kanzeln in 
Offana und Pelli/zano ähnlich, doch fchwerfälligcr in 
den Formen. Am Fuße derl'elben befindet fiel» in Holz 
gefchnitzt das Rclicfportrat eine-. Bifchofs und ein 
ebenfolchcs in einem Medaillon an der Kanzelwatul. 
Die Arbeil id matt. 

In Pizzano zeigt das kleine Katharinen-Kirchlein 
im Chore ein Kreuzgewölbe mit gothifchen Kippen. 
Ein korinthifches Renaiffance Capital dient als Stamm 
für ein Weihwafi'crbcckon. 

Auf dem Rückwege befuchte ich noch das Dorf 

- 

Dimaro. 

Die Kirche diefes Ortes id cinfehiffig und im fpät- 
gothifchen Style erbaut. Am Gewölbe fand ich die 
Jahrzahl 1516. Die Umfaffungsmaucr wird durch ganz 
ungegliederte quadratifche Strebepfeiler verflärkt. Der 
Thurm zeigt bis zu den Schallöchcrn keine Einthcilung 
in Gefchoße. Die Schallöcher, je zwei gekuppelt über- 
einander, haben romanifchc Säulchcn mit eleganten 
Würfelcapitälen, auf welchen der Kämpfer aufruht. Der 
Thurm trägt einen gothifchen Spitzhelm. Sehr intcr- 
clTant id das Portal diefer Kirche, eines von jenen fchon 
mehrfach erwähnten Portalen romanifchen Stylcs im 
Kons- und Sulzberge vom Ende des 1 5. und Anfange 
des 16. Jahrhunderts. Die rothmarmornen Drcivicrtcl- 
räulchen der Wandfchrägen, von denen zwei glatte, 
zwei aber gewundene Schäfte haben, fetzen fich über 
einem Kämpfer mit Akanthus im Rundbogen fort. Der 
gerade Sturz mit der aufrechten fegnenden I land in der 
Mitte und Rankenwerk, das ganz im Style der Früh- 
Renaiffance behandelt id, ruht auf Confolen mit WalTer- 
laub. Diefe Portal-Architektur dient aber mir als Unv 
rahmung eines ebenfalls im Rundbogen gefchloffenen 
Kenaiffance-Portalcs, deffen W andungen aus rothem 
Marmor mit Capitäk-n aus weißem Marmor und grani- 
tenen Bafen die Formen der clcfifchcn Epoche an fich 
tragen. DicErcsko-MalcrcicnimTympanou dcsPortales, 
eine Pietä, fowie die Dardellung der Verkündigung in 

1 Bekuiei» ilicfcr L'iult^.d Uffcl aui Neulil!un|j JcliljciJen. 



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den /.wickeln zwifchen dem Bogen des RcnaifTance- 
Portales und dem geraden Stur/ des romanif;heii find 
durch Ucbermalung leider ganz verdorben. 

Zum Schluße diefes Berichtes feien nur noch 
einige ergänzende Bemerkungen zu Ilg's Bericht über 
das Gotteshaus in 

Campiglio 

geftattet.' Zunachll einige gefchichtliche Angaben, 
welche (ich auf diefcs alte Hofpiz und feine Kirche be- 
ziehen, welche ich einein Schriftchen des Pfarrers t". 
Collini entnehme * In einem Briefe des Bifchofs Con- 
rad II. von Trient (1188 — 1205) wird ein gcwilTer 
Raimund genannt, weit her das Hofpiz gegründet habe 
„in loco, i|ui dicitur Ambe iuxta montem Campilium, 
qui locus desertus est et inhabitahilis et in eo transeun- 
tes despoliabantur et interficiebantur." 3 

Der Nachfolger Conrad s auf dem Stuhle des heil. 
Vigilius Friedrich von W'anga vergrößerte das Hofpiz. 
Um 1481 wurde die Kirche erweitert und wohl auch 
theiiweife umgebaut. Nach einer Notiz Marianfs} war 
zu feiner Zeit das Gewölbe des Schiffes gothifch und 
ftand an demfelben die Jahrzahl 1507. Aus der Zeit 
des Umbaues mögen auch die Granitpfciler flammen, 
von denen llg a. a. O- l'pricht und die noch erhalten 
lind. Auch der fchönc Flügclaltar gehört diefer Zeit 
an, da man an feiner Ruckfeite die Jahrzahl 1498 ein- 
gekratzt liest. Im Jahre 1514 wurde der Convent der 
Brüder und Schwertern von Campiglio als folcher, wie 
es heißt, wegen Mißbrauche aufgelost und das Hofpiz 
in ein Priorat verwandelt. Die reichen Hinkünfte des- 
felben flößen meift in die Tafchc von Domherren der 
Trientiner Cathcdrale, welche lieh in dem unwirtlichen 
Campiglio durch Vicare vertreten ließen. Im Jahre 
1706 endlich wurde auch dies Priorat, wie das ungefähr 
gleichalterige von S. Tomaso bei Riva (1194*. dem 
Domcapitcl von Trient einverleibt. 

Mariaai fagt von der alten Kirche, fie fei „soste- 
nuta de sei colonne' 1 di pietra bigia ... Si trovano in 
chiesa cinque altari, tra i quali il maggiore splende di 
pala dorata a intaglio con effigie bellissima a rilievo 
di nostra Dama" che opera mcraviglic. . . La sacrestia 
e ricca di paramenti all'antica con fondo d oro c pre- 
cioso ricamo. I" chiesa antichissima di fondazionc, se 
ben il volto maggiore che tende al gotico mustri solo 
lanno 1507, nun so sc allora fatto o ristorato ..Sul 
muro a destra in entrando per la grau porta vedesi 
dipinta un iniagine assai bella di M. V. colB.imbino in 
braccio". So weit Mariani. Collini fugt (S. 63, o. c.) 
hinzu, dafs unter letzterem Bilde die Jahrzahl I 5 1 8 ge- 
llanden habe. 

' Hc. Miillieüulifea der Crnl.il -C»ni«iiffia» lrS 5 . S- 7"\ f. 
1 ' Alfj»« rmll«> «I.V. i kr <!<l »amiinno cd <..tui> Ji S. Man» 

dl Cni..|.,;!,... Ircul. Iii*. 

• Ur, tJc!.e, k -»n c t.Krr ll.nurn >ir.d djl 1 hll de« Meledtii, na.r, l'.ll/^ü 
■ >r i, Mi,,:*, Wisd,,, , or / M j„ grc'en M„,klc »,el tieüi.mrr, 
al..-, i»»„ f,., ..irr. »in £,■.«» W.inJ,.>ri fel,> |rtl>jUch«. 

• ,V.ir,,,.i. Tteirt» cd II Iii,., «.»sml.». Trema itj ,,»£. 
- !lf ;.hi nur .leren »irr .1, 

• I» W.rfclkb.e.t «.<! 1*. s, S „.». rf» Frrißtmrtn d., «ttr„.lrn M»d«i..u. 
,»,f.->,rr. n.,ri,.,,i m,J K..:liiiu,j 



Diele alte und im Laufe der Zeiten baufällig ge- 
wordene Kirche' mußte nun leider einem gebicterifch 
fich aufdrängenden Bedürfniffe weichen, und Herr 
F. 7. OeflerrtUher, der Befitzer des Curhotels in Cam- 
piglio, erbaute, von Mitgliedern unferes Kaiferhaufcs 
in munificenter Weife unterflützt, eine neue Kirche im 
modernen gothifchen Style. Von der alten Kirche 
blieb nichts übrig als die achteckigen Granitpfciler, 
welche an einem Atrium der neuen Kirche noch Ver- 
wendung rinden follen, In die neue Kirche wurde als 
ihr Hauptfchmuck der alte Flügclaltar übertragen. Die 
eigentümlich in hohlkehlenartigcm Anlaufe gebildete 
Predella ift von der ehemaligen Verkleidung befreit 
worden. Gerade dieTe Predella aber mit ihren Malereien 
ift ganz befonders beachtenswerth. Ks find in Halb- 
figuren Chriflus und zu feinen beiden Seilen die zwölf 
Apoftel dargcflcllt, Chriflus ganz in Vorderanficht, die 
Apoflel in Dreiviertelprofil ihm zugewendet, jeder mit 
feinem Attribut. Ks ift nicht zu verkennen, dafs dem 
Maler die Idee eines letzten Abendmahles vorfchwebte, 
dafs er fich aber mit dem Gedanken in diefer originellen 
Weife abfand. Die breit und energifch angelegten aus- 
drucksvollen Köpfe mit den (lark ausgeprägten Backen- 
knochen, die verhältnismäßig großen und fcharf ge- 
formten N'afen, die kräftig gefchwtingcncn Brauen ver- 
rathen direcien Einflufs Bacher 's. Für ein ftärkeres Hin- 
neigen zu diefem letzteren als zu der von ihm abgelei- 
teten Bozner Schule l'pricht auch die mehr architckto 
nifchc Behandlung des Baldachins über dem Schreine. 
Dagegen ift die Gewandung der Apoftel einfacher und 
ruhiger behandelt, als es Pacher und feine unmittel- 
baren Nachfolger lieben. Das Colorit ift tief und warm. 
Die Nimbcn find in den Goldgrund eingeritzt. Die 
Statuen des Schreines: die Madonna, fitzend, mit dem 
Kinde, dem fie einen Apfel reicht, zwifchen Barbara 
und Katharina, flehen mit der verhältnismäßig ruhigen 
und fließenden Anordnung der Gewandung, den hohen 
Stirnen, den fchmalen N'afen und dem vorfpringenden 
vollen Kinn den Statuen in St. Agatha, in Commczza- 
dura und Offana nahe. Der Hintergrund des Schreines 
zeigt ein Teppichmufter in Gold. 

Das von llg in feinem Auffatze ebenfalls erwähnte 
Crucilix, welches der genannte Forl'cher aber als r im 
Typus des 1 5. Jahrhunderts gearbeitet, jedoch wohl 
etwas jünger" bezeichnet, muß ich als hoch romanifch 
bezeichnen, wenn es vielleicht auch erft im 14. Jahr- 
hundert entftanden fein könnte. Die Magerkeit der 
vollkommen fchematifch gebildeten Gliedmaßen, die 
fleife Haltung, das flache ausdruckslofc Geficht mit der 
niedrigen Stirn und dem überlangen Kinn und ins- 
befondere auch die Art, wie die Evangeliflenfymbole 
an den Kreuzesarmen behandelt find, feheinen mir 
für diefc Auffaffung zu fprechen. 

Von anderen Einrichlungsgegcnftändcrf diefer 
Kirche nenne ich noch eine fchr alte Casula, ein Vor 
tragskreuz romanifchen Styles und zwei intcreffante 
gothifchc Kelche, davon einer mit einem Wappen in 
Krnail am Fuße. 

' s. I, .„ ,„ der Z-,ien de. llif. hofi Albern (IC»-.*«») wird .(,«> ir 
bjulKhco Z^lti^d d'.r Kit. k< geklagt. 



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Notizen. 



I. Confcrvator l'rofcffor Puschi hat unterm 12. Juni 
1897 an die Central-Commiffion über einige alter - 
thümlichc Funde in Triejt berichtet. Romifchcs Mauer- 
werk wurde in der Realität, dem heute noch vom 
V r olkc genannten ,. Bosco l'ontini* zwifchen der V : ia 
San Giufto und der Via della Madonnina bloßgelegt. 
Man fand hinter dem Haufe Nr 1 der Via San Giufto 
zwei 75 Cm. dicke Mauern und vier Pilartcr und dabei 
mehrere menfchliche Knochen und ein ganzes Skelet, 
welches in einem thönernen Wcingcfäßc cingcfchloßcn 
war und deffen Schädel über den Rand hervorragte. 
Die Ruinen gehören wahrfcheinlich einem romifchen 
Wohnhaufe, und wurden, wie andere in der Nähe 
liegende und vor Jahren entdeckte Gebäude als Grab- 
ftatte verwendet, nachdem die alte Tcrgcftc durch die 
longobardifchen und flavifchen Einfalle um einen Theil 
ihrer Einwohner gekommen war und die übrigen fich 
innerhalb der Stadtmauern zurückgezogen hatten. Aus 
dem Schutte brachte man viele Scherben von Thon- 
gefaßen, aretinifchc Schalen. Glasgcgenftände und 
einige kupferne Münzen der Kaiferzeit heraus. In dem 
hoher gelegenen Thcilc dcrfclbcn Realität des Herrn 
Baseri waren Spuren von altem Mauerwerk und einem 
alten Canal römifcher Herkunft erkennbar, und fam- 
meltc man viele romifche Münzen, darunter zwei gut 
erhaltene Bronzcftückc von Flavius und Titus Vespa- 
ßinus. 

Romifche Graber fand mau zwifohen der Via de] 
molino a vento und der Via dell' Istria, in der ehe- 
maligen Villa Bousquet, wo die Stadt das Gebäude für 
die zweite Abtheilung der Volksfchule von Rena Nuova 
erbaute. Die Gräber waren wohl in älteren Zeiten, 
wenn auch nicht gänzlich ausgeplündert; aber vieles 
zerflörtc man jetzt wahrend der Nivellirungsarbeiten, 
da die Aufficht mangelhaft war. Ucbcr das Entdeckte 
zufälliger Weile unterrichtet, ließ der Confervator die 
Ausgrabung unter feiner Lcitnng und auf Korten des 
Mufeums fortfetzen. Man fand wenige Schritte vom 
Schulhaufc gegen die Stadt entfernt ein Grab, aus 
einer viereckigen, 15XU 5M. großen Ummatierung 
beliebend, innerhalb deren eine kleine aus Ziegeln 
gebaute Grabkammer war, und außerdem fünf Afchcn- 
urnen hier und dort eingegraben (Linden. Die Grab- 
kammer enthielt die verbrannten Reftc des Todten, 
eine Thonlampe mit der Fabriksmarke FORTIS, drei 
längliche Glas-Balfamaricn und eine mittelgroße kupferne 
Münze des Kaifers Claudius I mit LIBEKTAS AVGV- 
STA. Zwei von den Afchcnurncn find aus Kalkftcin, 
walzenförmig und mit Deckel verfehen. Die größere 
hatte keine Beigabe, die andere nur zwei gewöhnliche 
Glasfläfchchen. In den übrigen Urnen, die von Thon 
find, fand man eine irdene Lampe mit der Figur eines 
Eroten, welcher einen Delphin am Schweife hält und 
eine andere Lampe mit der Marke FRONTO, die 
Bruchftücke einer blauen Glasfchale, eine bronzene 
Gewandnadel, einige eiferne Nagel, ein I'lattchen von 
Bronze und ein ähnliches von Eifen mit kupfernen 
Nieten, endlich eine Broniemüme von Domitianus 
(8i bis 96} und viele andere ftark oxydirtc Kaifcr- 
münzen. 

XXIV. N. F. 



Zwifchcn der Grabkammer und der dem Eingange 
des Grabes entgegengefetzten Wand der UmfalTungs- 
mauer lagen die verbrannten Knochen in der bloßen 
Erde und daneben befand (ich ein Tmtenfafs, welches 
dem in Pompeji im Haufe M. Lucretius in einem 
Wandgemälde dargcftellten und dem von Avcllino in 
Bulletino napolctano befchriebenen Tintenfaße ähnlich 
i(l Dnsfelbc bertehtaus zwei 44 Mm. hohen aneinander- 
hängenden runden Vafen von Bronze mit zierlicher 
Sitbcrtaufchirung. Die Deckel, an denen Spuren von 




Fig I. (Trieft.) 

Goldverzierungen noch erkenntlich find, füllten mitteilt 
Kork feilgehalten werden, und haben ein gut ver- 
fchließbares Lüchlein, durch welches man die Feder 
eintunkte. (Vig. 1 u. 2.) Zufämmcn wurden zwei Federn 
aus Eifen, deren Halter mit Bronze verziert find, ein 
eherner Griffel, zwei kleine menfchliche Füße aus 
Bronze, drei große Glasfläfchchen, eine kupferne Münze 
Kaifers Flavius Vcfpafianus und andere kleine Gegen- 
ftande gefunden. 




Außerhalb der Ummauerung ringsumher entdeckte 
man fünf irdene Afchenurnen (1 bis 5), die Glas Balla- 
marien, Münzen (die jüngftc von Trajanus), kleine 
Thongefaße, Nagel etc. etc. enthielten und ein einziges 
unverbranntes Skelet. Unweit von den Gräbern, gegen 
üften, war der Raum, in welchem man die Leichen ver- 
brannte (Ustrinum) deutlich zu erkennen. 

Es ill außer Zweifel, dafs hier eine bedeutende 
Grabftatte fich befand, die rechts und links der For 
tular-Straße lag, welche beinahe der heutigen Via dtü' 
Irtria entfpricht. Aus diefer Grabrtätte flammt eine 
noch unedirte Infchrift her, die vor etwa 1 5 Jahren in 
der genannten Villa Bousquet gefunden und vor 
kurzem dem rtädtifchen MuTeum gelVhenkt ward. 



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- 5 8 - 



Cippus aus iftrianifchem Kalkftcin, 43 Cm. hoch, 
33 Cm. breit und 16 Cm. dick. 

Q , AB . SEC . ET 
W \ TITI , A A_ B 
IN , FR , I' , L 
IN. AGR.l*, XXX 

Zu gleicher Zeit wurde ein römifches Grab in 
Santa Maria Maddalena Superiore, in der Nahe der 
Villa Revoltella am Cacciatorc und neben dem Bauern- 
häufe Anton Schillan Nr. 172 bloßgelegt. Es beftand 
aus einem mit Ziegeln und Steinen zuiammcngcfctztcn 
Sarge und enthielt eine beftattete Leiche, eine kleine 
Thonvafe und neun mittelgroße Kupfermünzen Kaifers 
Maxentius (306 bis 312). 

2. (Münsfundt in der Riefe ngrottc von Briice bei 
Profecco.) 

Bei der letzten Befahrung der obgenannten Kiefen- 
grotte, deren tieffter Punkt fich ungefähr 1 50 M. unter 
der Oberfläche befindet, wurden in der machtigen und 
ausgebreiteten Afchenfchichte außer Gefäßreflen und 
Feuerftcinfplittern neuerdings zwei Münzen gefunden, 
ein Denar von Conftantius, Sohn Conftantin's, 337 bis 
361 n. Chr. und eine kufifche Münze, deren Schrift- 
zeichen kaum zu entrathfeln find. Diefe bereits wieder- 
holt gemachten Münzfunde in der fo mächtig ent- 
wickelten Afchenfchichte in fo bedeutender Tiefe 
unter der Karrtobcrflache 150 M., geben der Vcr- 
muthung Raum, dafs diefe Grotte einftmals in kriegeri- 
fchen Zeiten als Zuihiehtsftktte gedient haben mochte. 
Obfchon diefe Grotte drei Zugänge hat, von denen 
aber jeder über eine fehr befchwerliche t6 M. hohe 
fenkrechte Wand zum Boden der Grotte hcrabfuhrt, 
ift es nicht ausgefchloffen, dafs ein anderer noch 
unentdeckter bequemerer Zugang vorhanden war, der 
zum Ziele, dem Boden der Grotte führte. Die Münzen 
befinden fich in meiner Verwahrung. Mo/er. 

3. Es war im höchften Grade befremdend, dafs 
im Thalkeffel, den die uralten Wege von Waitfchach, 
Urtl nach Silbcrcgg cinerfeits und die Wege von Alt- 
hofen, unterer oder alter Markt - Speckbauerhöhe 
nach Guttaring und Dcinsbcrg und von Guttaring nach 
Schelmberg und Möfcl anderfeits durchkreuzen, keine 
römifchen Funde gemacht wurden. Dr. Kenner ver- 
muthete einen römifchen Verbindungsweg aus dem 
Funde von römifchen Mcilcnftcinen bei Kmmfcldcn 
und Silberegg von der Station Treibach (Matucajum) 
aus gegen Hüttenberg iCandalicc). Diefe Vcrmuthung 
hat fich vollftändig bewahrheitet durch die Funde, die 
feither gemacht wurden. Im Jahre 1884 wurden in 
Deinsberg vier römifche Infchriftfteine in der Sacra- 
mentsnifchc der Kirche eingemauert gefunden; fclbc 
gehören der erften Hälfte des 3. Jahrhunderts, einer 
fehr fpntcn Zeit an.' Im fclbcn Jahre (1884) machte 
man am Hüttenberger Erzberge zu Loiting einen 
RömcrfiinH. In einer verfchütteten Erzgrube fand man 
Skelettheile eines verunglückten Bergknappen nebft 
Scherben einer thönernen Lampe und vier Silbcr- 

' M.ltS N F X. |> CIV. »urh »r:l, . P i z .. \|;tlhml.m«c., XIII. 

Hell II 



münzen, wovon die beffer erhaltene fich als ein Silber- 
Denar des römifchen Kaifers C. Vibius Trebonianus 
Gallus erwies. Diefer und andere früher fchon ge- 
machte Funde beweifen hinlänglich, dafs die Eifen- 
gruben in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts im 
Betriebe ftanden. 

Im Juni 1891 wurden an der Straße von Möfel 
über dem Schelmberg bei der fogenannten Marein- 
keufche (in den Mitth. N. F. pag, 133 ficht falfchlich 
Marjenkeufche), jetzt beim Tripoli genannt, Spuren 
von römifchen Gebäudemauern, ein Thonkrug und 
Theile eines Votivaltares gefunden (Siehe Mitth. 1893, 
pag. 67). Der Fundort ift bcachtcnswcrth; denn von 
demfelben zweigt fich ein tief in den Bergesabhang 
hineingcfchnittcncr Hohlweg ab. der nach einigen 
kühnen Wendungen auf die Höhe des Deinsberges 
gelangt, wo er faft horizontal, fpätcr fanft anfteigend 
bis nach Waitfchach führt, wo auch ein Römerflein an 
der Kirche eingemauert ift und uralte Erzgruben fich 
befinden. 

Schon im Mai 1886 1 brachte der Zufall auch im 
Markte Guttaring römifche Funde an das Tageslicht. 
Beim Graben eines Kellers fand man nach 3'/» M. Tiefe 
(circa) fchwarze und gelbe Thonfcherbcn, vier Thon- 
gewichte, fogenannte Wcbfluhlgcwichtc, zwei Paare 
Handmühlfteine fehr kleiner und abgcniitztcr Art, 
endlich den ganzen Fund gleichfam datirend zwei 
Münzen und einen Münzcnreft. Die beffer erhaltene zeigt 
fich als eine Münze des Kaifers l'robus. Auch grub man 
dabei viele Eifenfchlackcn aus. 

Als man 1895 im Mai in Guttaring daran ging, die 
Fundamente für das neue Schulhaus auf der fogenannten 
Furftcnwicfc zu legen, fließ man in nicht allzugroßer 
Tiefe auf Schädelrefte, Scherben von rothen Thon- 
gefaßen und auf ein Brandgrab mit verkohlten Knochen- 
reflen, auch einzelnen Bronzetheilen. 

Als ich endlich in meinem Berichte vom 19 Januar 
1897 den Fund eines römifchen Schriftftcines in Gutta- 
ring meldete, habe ich auch der vielen Schlacken aus 
prahiflorifcher Zeit Erwähnung gemacht, welche hier 
gefunden werden. 

Solche Fundorte find folgende: 

1. Am Friedhofe um die Kirche, ja unter den 
Fundamenten der Fricdhofmaucr. 

2. Im neuen Friedhof, der fich nordlich von der 
Kirche an einem fanften Abhänge gegen den Urtl- 
graben hinzieht, befonders gegen die Mitte in dichter 
Lagerung, ohne dafs man lagen kann, wie tief fie noch 
hinunterrcichen. 

3. Am Wege nach Maria-Hilf. Hier zieht fich eine 
hügelartige Erhöhung vom Deinsberg herab bis zur 
fogenannten Waik-Kcufchc, die auf ihrem Scheitel- 
punkte gleich unter derHumusfchichte zahlreiche Eifen- 
fchlackcn zeigt. Auch hier wurde gleich wie am Fried- 
hofe noch keine MelTung in die Tiefe vorgenommen Der 
Hügel ift nur eine natürliche Erhöhung des Bodens; fein 
Rucken wurde nur benützt, um als den Winden mehr 
zugängliche Erzaufbcrcitungsflätte zu dienen. Die Erze 
inußen vom Waitfchacherberge herabbefordert worden 
fein, wie es ja noch bis vor 25 Jahren der Fall war, wo 
man noch in den Gruben Waitfchach's arbeitete. Die 
Stollen find noch erhalten. 

• M. th. x 1 XII ; , Jt LXXXIIJ. 



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- 59 - 



In früherer Zeit wurde das Erz in Urtl aufge- 
arbeitet, 1570 gegen 80 erbaute die Stadt St. Veit fich 
die erften Floßofen 

Wenn die weitere induftriclle Verarbeitung des in 
Hüttenberg und Waitfchach gewonnenen Eifens in 
Pulft-Hohcnftein vor fich ging, wie es viele dort ge- 
fundene Infchriftftcinc zu beweifen fcheinen, dann kann 
man für die Straßenverbindung wohl folgende Punkte, 
meiftcntheils Fundorte von Römerfteinen, annehmen: 
von Muttenberg nach Deinsbcrg, Guttaring, unterer 
oder alter Markt in Althofcn', von dort durch Unds- 
dorf nach dein geraden Feldweg zum Mofcr am Rain, 
nach Stobersdorf, dort mitteilt Brücke über die Gurk, 
nach Trcffling, Kraig, St. Veit, Pulft-Hohcnftein. 

Matthäus Großer. 

4. (Das römifeke Gräberfeld bei Svetje-LadijaJ. 
Im April I. J. gruben Eifcnbahnarbeiter nach 

Schotter beim erften Wachhaufc außerhalb Zwifchcn- 
wälTern gegen Bifchoflack zu auf der „Ladenska 
gmajna" genannten Hutvveide, knapp neben dem Eifen- 
bahngeleife. Dorlfclbft dürfte eine aitc Straße vorüber- 
gefuhrt haben. Man fließ auf ein ziemlich umfangreiches 
Gräberfeld, das durch die Spuren fehwarzer Erde ge- 
kennzeichnet wird. Es wurden von den Arbeitern 
etliche zehn Graber durchgraben, die mit Falzziegeln 
umgeben waren, von der Große 58X44 Cm. Neben 
den Brandgrabcrn fand man auch SkclettgTäber, die 
eingefunken erfcheinen und vvahrfcheinlich fchon einmal 
ausgeplündert, worden find- Die Arbeiter haben viele 
Urnen zerhauen. Gerettet wurde nur eine ganze Thon- 
lumpe von primitiver Arbeit ohne Marke und Scherben 
von einer Fortis-Lampe. Daneben lagen rohe Scherben 
aus grauem Thon, dann feine aus rothem Thon. Die 
Münzen find fchlecht erhalten, darunter eine von Ves- 
palian. Rutar. 

5. (Romifches Grabfeld bei Luflthal) 

Am 2. und 3. Juni 1. J. machte B . /Wrtii eine Ver- 
fuchsgrabung öftlich von Luftthal (Bezirkshauptinann- 
fchaft Stein), zwifchen dem Dorfe Senoietunddem Savc- 
Fluße, wobei er auf ein romifches Grabfeld Jaus dem Ende 
des 1. und aus dem 2. Jahrhundert) von beiläufig 400 
G/abern fließ. Diefc lind durchwegs Brandgräber. Die 
entfprechende Anfiedlung war bis jetzt noch nicht be- 
kannt. Im erften Grabe (0 5 M. tief) lag eine große 
Thonfchüffcl, eine Glasfchale und eine Bronze-Schale. 
Nr. 2 (l M. tief): eine fchönc kleine ganz erhaltene 
Glasurne, eine kleine Thonurne mit Köpfen und Ro- 
fetten (ftatt der üblichen Warzen) unter dem Hälfe, 
ein Thongefaß, ein Teller aus terra sigillata. eine 
Bronze-Schale und ein Balfamarium, alles gut erhalten. 
Nr. 3 (70 Cm): ein Glasgefäß, eine Glasfchale mit Ver- 
zierungen, eine Thonlampc und ein Hcnkelkrug. Nr. 4 
10 5 M. tief): ein Henkelkrug, eine Thon-, eine Glas- 
fchale und ein Balfamarium. Nr. 6 {70 Cm. tief): ein 
großes, aber ganz verroftetes Eifenmeffer, eine große 
rothe Thonurne (ganz zerfeh lagen , zwei Glasgcfaße, 
zwei Thonfchalen, eine verroftete Lanze. Rutar. 

6. Ich habe am 11. März 1897 über ein prä- 
hiftorifches Steinplattcngrah berichtet, welches in 
meiner Gegenwart in Zwinogrod (einem Dorfe im 

' Im lull itlt wu«tt 1= i,m »•elfei..bh»Bs. •.«Ii-:b vo~. *t|». in 
AJlhofca nu i:^Hirl« S .r,Lii,J«-i, cir. M,i„.«<,.i.<l pniihi, der ik. rcumfcb« 

tiroli Btr>Iif«mii»»H1 «nt>.lcH. .!.* Jet. l». P .t.lo,m Ve.j.jfl»!-. b-.i Lj.iiji V<rm 

»n e «lwr. n MSttb N. K XI v * s CXXXVI,. 



politifchen Bezirke Bobrka, 2 Meilen von Lemberg) 
geöffnet wurde, heute bringe ich die näheren Umftände 
zur Kenntniß. 

Das Grab lag am offenen Feld in der Nähe der 
Straße, welche von Zwinogrod nach Semenow, bezic- 
hungsweife nach Podhorodyszczc führt. Der Bauer, in 
delTen Feld das Grab theilweife fich befand, heißt 
Tymko Dyki, der übrige Theil des Grabes lag zum 
Straßengraben gehörig. Eine fein gearbeitete Urne 
barg die Afche des Verdorbenen, fic wurde leider von 
Hirtenknaben vor der Aufdeckung des Grabes heraus- 
gezogen und muthwillig zerfchlagcn, fieben Scherben 
konnten gefammclt werden. Außer diefen fand fich nur 
ein gebohrter Steinhammer, der faft in der Längenmitte 
unter der Steinplatte fleckte, und welcher aus fehr 
hartem, hier im Lande vorfindlichen Sandftcin gear- 
beitet ift. Die Steinplatte habe ich heben und bei der 
Pfarrkirche aufbewahren lallen. Da ich fchon bei 
Zwinogrod bin, fo erwähne ich eines zweiten aus weißem 
Feucrftcin glatt und fchon gefchliffenen undurchbohr- 
ten Steinhammers ebenfalls aus Zwinogrod und noch 
zweier datclblt gehobenen Fund-Objecte, und zwar ein 
fchön geformtes Oehllampchen (Lampenbcckcn) und 
einen gravirten Ohrring (wie es mich dünkt, aus Silber), 
möglicherweife beide römifch. Ich erinnere an die Iii- 
berne Münze des Antoninns Pius (138 bis 161), welche 
in der Nahe von Zwinogrod (bei llryniow) gefunden 
wurde. Es wurde vor mehreren Jahren in den Mit- 
theilungen der k. k. Central-Commiffion mein Bericht 
über prähiftorifchc und früh mittelalterliche Erdbauten 
in Galizien veröffentlicht, in welchem ich auf die in der 
Umgebung von Zwinogrod fich vorfindenden ^Tumuli" 
die Aufmerkfamkeit gelenkt habe. Im verfloffenen 
Sommer (wahrend der großen Ferien) habe ich diefc 
Gegend in einer Peripherie von wenigftens zwei Meilen 
perfönlich abermals befucht, wobei mir befonders ein 
Tumulus bei Äliko/öjirw (eine Meile von Zwinogrod) 
und zwei Tumuli bei Scholomyja (3 Km. von Zwino- 
grod) auffielen, welche Hufcifcitform haben. Auch der 
Tumulus innerhalb des Rayons des Dorfes Pecseitija, 
der auch denfelben Namen tragt, in der Entfernung von 
nahe an i 3 /\ Meilen von Zwinogrod gelegen, ift impo- 
fant. Er liegt an der Staats-Straße, die von Lemberg 
nach Z-ioczow fuhrt und mifst 78 Schritt Länge, 
23 Schritte Breite und ift zum wenigften 20 Schritte 
hoch. Von dort befuchte ich noch das Dorf Czernosco- 
tt'ice, eine halbe Meile von Peczenija entfernt, wo fich 
ebenfalls Tumuli (im Walde zwifchen Czernoszowice und 
Bitkowce) und ein altes Leichenfeld (bei Solyska, 
einem fogenannten Mahlhaufen) befinden. Die auf die 
ruthenifche Gelchichte Bezug habende topographifche 
Nomcnclatur von Zwinogrod übergehe ich und be- 
merke noch zum Schluße über die Funde von Zwino- 
grod, dafs ich von glaubwürdigen Per fönen vernommen 
habe, es wären in Bobrka von einem Bauer aus der 
Umgegend von Zwinogrod zwei goldene mit gricchi- 
fchen Infchriften verfehene Münzen im verfloffenen 
Jahre verkauft worden, die ich nicht mehr ausfindig 
machen konnte, obgleich lebende Zeugen diefes Kaufes 
mir genannt wurden. 

Ich komme jetzt über die Leichenfelder in Ltptca 
(zwifchen Brzezany und Kohatyn liegt diefes Dorf und 
ilt dem politifchen Bezirk Rohatyn zuftänJig'j zu 
fprechen. Darüber hat mir im Sommer de.-, verfloffenen 

8» 



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- 60 - 



Jahres der gricchifch-katholifchc Pfarrer aus Lipica. 
Dechant und Ehrendomherr Makohohski Jofeph fchril't- 
lich berichtet. Der Ort, beziehungsweife die gric- 
chifch-katholifche Pfarre Lipica zerfällt eigentlich in 
zwei Dorfgemeinden: Lipica gorna (Ober-Lipica) und 
Lipica dolna (Unter' Lipica). In der erften Woche des 
Monats Juni im Jahre 1896 wurde bei Krdbautcn für 
die Eifenbahn, die von Halicz über Lipica dolna gegen 
Brzciany fuhrt, auf dem Grunde des dortigen Groß- 
grundbefitzers Grafen Kussocki ein Leichenfeld auf- 
gedeckt, welches von großen und kleineren Urnen 
voll war. Dicfcs erftreckte fich bis auf einen unanfehn- 
lichen Hügel, welcher bereits durchgraben wurde; den 
Hügel verwendete man zum Unterbau für die Bahn. Die 
Arbeiter — es waren Italiener, Deutfche und insbefon- 
dere Tyroler — haben gleich nach der Durchgrabung 
die dort vorfindliclien Gegetiftände mitgenommen, 
einen Thcil der Urnen zcrfchlagcn und zerworfen und 
den andern Theil fammt den dort fich vorfindenden 
Menfchcnknochen in den Erdanwurf gefleckt. Zwei 
folche Scherben uberfchickte mir der Domherr Mako- 
honski. Nebenbei fei bemerkt, dafs der heute fchon gott- 
feclige Anthropolog aus Krakau Ifidor Kopernicki vor- 
dem durch zwei Ferien beim Domherrn Makohonski 
weilte und in Lipica dolna (Untcr-Lipica) ein vorhiftori- 
l'chcs Leichcnfcld aufgedeckt hat (Es war wahrend der 
Herrichtung einer Landftraße, welche nach Bursztyn 
über Lipica dolna führt). Auf diefem Lcichcnfclde hat 
Herr Kopernicki an 200 Urnen gehoben 1 in den Urnen 
ftaken bronzene BmifTölcn und Nadeln, Afche und 
halb verbrannte Menfchcnknochen). Ich habe über 
diefc Funde der k. k. (Jcntral-Commiffion berichtet 
und wurden diefe Funde in den Mittheilungen be- 
fprochcn. Kopernicki fand dort (in Lipica dolna = 
Unter-Lipica) einen 1 M. hohen und 1 M. breiten alten 
Ofen aus Lehm (crematorium), welchen er reinigen und 
photographiren ließ. Kopernicki rieth, den Platz, wo 
diefer Ofen lag, anzukaufen und darauf eine Capelle zu 
erbauen, er fchrieb darüber an den ehemaligen Confer- 
vator Potocki, das weitere über diefc Corrcfpondcnz 
ift mir nicht naher bekannt; nur foviel ift gewifs, dafs 
einige Tage nach der Aufdeckung des Ofens ein ftarker 
Gußregcn dielen Ofen mit Wärter überfüllte, worauf 
denfelbcn der Domherr Makohonski verfchütten ließ 
Auch in Lipica gorna (Ober-Lipica) fand Kopernicki 
drei vorhiftorifche Gräber, welche mit Steinplatten be- 
deckt waren und die er Untcrfteinplattcn-Gräber (Groby 
podfytowe; nannte. Uebcr den Skeletten lagen in der 
Erdtiefe von einer Elle Steinplatten, bei den Skeletten 
fanden fich keine anderweitigen Gegenftände. Die 
Gräber, fo auch die Steinplatten maßen 2 M. Länge, die 
Breite maß 1 M. Makohonski fügt hinzu, dafs vor kurzer 
Zeit in dem Dorfe Lipica gorna (Ober-Lipica) inmitten 
der Dorfgebäude, Garten und Obftgärteti, als man 
einen Steg zu einem neu aufgerichteten Baucrnwohn- 
häufe grub (d. i. durch Grabet) herrichtete!, fünf Urnen 
mit Afche und halb verbrannten Menfchcnknochen 
angetroffen wurden; es fanden fich auch in einem Garten 
1 '/, M. unter der Erdoberfläche beim Kai toffelpflanzcn 
Scherben und Menfchcnknochen, fo dafs man imith- 
maßt, dafs fich das Gräberfeld, welches Kopernicki in 
Lipica gorna lOber-Lipica) antraf, fich tief in das Dorf 
zieht, und dafs eine Ausbeute allhicr noch zu gewar- 
tigen wäre. 



Ich fchreitc fchließlich zu den Umftändcn. welche 
den mit der vermeintlichen Gclicim-Rune (HaJial) ver- 
fehenen Topf begleiten. Diefes irdene Gefäß lag auf dem 
prähiftorifchen Leichenfelde zu Wysocko 35 Cm. unter 
der Erdoberfläche in der unmittelbaren Nähe eines zer- 
druckten Menfchenfchädcls, deffen Lage mehr eine fud- 
öftlichc, denn örtliche war; unter dem Schädel fand fich 
eine bronzene Nadel. Diefc Nadel ift 124 Mm. lang, ihr 
Köpfchen bildet eine Krümmung von 4 Mm. Höhe der 
Oeffnung und 6 Mm. Durchschnitt. In der Entfernung 
von I 7 Cm. vom Schädel lag in der Richtung nach Orten 
(von diefem) ein zweites Gefäß mit einer an der Grund- 
fläche angebrachten Vertiefung. Gleich neben diefem 
Gefäß lagen Scherben einer großen Schale (oder einer 
großen Schuflcl). Neben dem mit der vermeintlichen 
Hahal-Rune verfchenen Gefäß lag ein bronzener Ring 
von t Mm. Dicke und 18 Mm. Durchfchnitt, fonft waren 
keine anderweitigen Gegenftände hier vorhanden. 

Phy fiologifch - anthropologifche Untcrfuchungcn, 
welche an fünf Skeletten aus Czcchy und Wysocko der 
hiefigc Univerfitats-Profeffor Dr. Dybcnvski angcftcllt 
hat, fprechen dafür, dafs felbc ausgefprochen Dolecho- 
kcphalen find. Dr. l/uior Ssaramnuicz. 

7. Den der Central-Commiffion zugekommenen 
Nachrichten zufolge dürfte das Gebäude des ehemaligen 
Paulanerkhflers in Prag der Demolirung verfallen. 
Dasfelbe, jetzt der Sitz einiger Staatsämter, hat an der 
dreiliockigen Fa<;ade eine Pilaflerthcilung, die durch 
alle drei Gclchoße reicht, die Capitale zieren frei- 
hängende Fruchtfeftons (Stucco-Arbcit). Ucber die 
Hauptgefimfe eine Attica mit Giebel und fechs Ba- 
rok- Heiligenfiguren aus Sandftcin. Während das 
Parterre in ftrengerem Style durchgeführt ift, zeigen 
die übrigen Gefchoße bereits baroke Motive. Das 
Innere ift einfach und fchmucklns, ein bloßer Be- 
dürfnisbau eines Ordens mit fehr ftrenger Regel, mit 
düftcren breiten Gangen und Treppen. 1501 wurde das 
Klofter geftiftet, 1625 begann der Kloftcr-Umbau nach 
den Ordensregeln, 1631 fiel er den Proteftanten zu, die 
den Bau 1632 zu Ende führten. 1689 brannte Kirche 
fammt Klofter ab. Die kunfthiftorifche Bedeutung des 
Gebäudes liegt nur in der kleinen Fagadc, die mit den 
Nachbarhaufcrn eine matcrifche Gruppe bildet. 

8. Die Central - Commiffion hat fich veranlafst 
gefehen, wegen Erhaltung der Schloßruine in Wygnanka 
bei Czortkfcv die behördliche Unterftützung anzurufen. 
Die dortige Congrcgation der barmherzigen Schwe- 
rtern — jetzt Bcfitzerin des halbverfallenen Sobie-ki • 
fehen Schloßes - als Verwalterin der Hieronymus 
Sadowski fchen Armenfttftung hat nämlich am Ge- 
bäude einige Veränderungen vorgenommen, die nicht 
gebilligt weiden können. Die Staatsverwaltung hin- 
gegen hat manches Heilfamc veranlafst, um den Ruinen 
den vollen Schutz angcdeiltcn zu laflen, fo die Abfpcr- 
rung der Ruine und Verfchlicßung der offenen Eingänge 
und Brcfchen, ilic Untermauerung ausgewafchener 
Mauerftcllen und Pfeiler etc. Dagegen mußte eine 
riefige gegen die längs der Schloßmaucr fuhrende 
Communicationsftraßc fich immermchr hinfenkende ein- 
fturzdrohende Partie des Schloßthurmes aus öffentlichen 
Sicherhcitsrückfichtcn demolirt werden. Die Abtragung 
des Kieuzgaiiges im verfloßenen Jahre hingegen wurde 



1 

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- r.i 



feitens des Rarmh. Nonncn-Convcnts eigenmächtig fo 
fchlcunig und coupirt in s Werk gefetzt, dafs das behörd- 
liche Einfchreitcn nicht mehr vorbeugen konnte und 
diefcs (ich blos auf die Einrtellung weiterer Demo- 
lirungsarbeiten bcfchriinkcn mußte. 

9 (Der Neubau des /lädti/chen Mufeums in Prag } 

Der Bau des neuen ftadtifchen Mufeums im Stadt- 
parke am Pofic naht feiner Vollendung. Im Monate 
November d. J. foll das neue Gebäude feiner Beilim- 
mung ühergeben werden und dürften bloß noch die 
Stuccateur und Maler-Arbeiten im Vestibül und in der 
Sticgenhalle den Winter in Anfpruch nehmen. Das 
alte Mufeums Gebäude bleibt vorderhand bis /um Auf- 
baue der beiden Flügeltheile als Adminiftrations Ge- 
bäude in Verwendung. 

Was den Bau felbfl betrifft, ift dcrfelbc nach dem 
Entwürfe des Mufcumsdirectors Herrn k. k. Confcrvator 
Jelinek vom Architecien Herrn Anton Baliänek arclii- 
tcktonifch ausgearbeitet und unter Auflicht des ftadti- 
fchen Bauamtcs vom Baumcifter Herrn Novotny durch- 
geführt worden. Der Bau ift zweiftockig, die Stirnleite 
des Hauptgebäudes ift nach dem Stadtparke, die Rück- 
feite dcsfclben in die FlorenzgalTe gewendet. 

Zu ebener Erde find die Räumlichkeiten für das 
Lapidarium und die Folterkammer, zu welch' letzterer 
ein originales gothifches Gewölbe verwendet wurde, 
beftimmt. Diele Räumlichkeiten haben eine Flache von 
ca. 600 Qu.-M. 

Das erftc Gefchoß enthält außer dem Vcftibul vier 
Sale je 22 5 M. lang und 7 M. breit, alfo ca. t 58 Qu.-M. 
groß. Die Höhe derfclben betragt 575 Ou.-M. 

Der erfte Saal ift für die vorgefchtchtlichen Altcr- 
thiimer, für die Keramik, Majolik, für Glasarbeiten und 
Luxus- und Kunftgcgenftändc beftimmt. Im zweiten 
Saale gelangen Träger Arbeiten aus Metall zur Aus- 
stellung; es find namentlich Guß-Objecte, getriebene 
Arbeiten und Schmied und Schloffcrarbeiten. Der 
dritte Saal ift für die Kirchenabtheilung beftimmt und 
im vierten Saale werden diverfe archäologifchc An- 
denken von Prag ausgeftellt, wie zum Beifpicl Haus- 
fchildcr, Haus- und hauswirthfchaftlichc Geräthe, Maße 
und Gewichte, Objekte von Wafferleitungen, Gegen- 
stände, die beim Graben gefunden wurden u. f. w. 

In der Apfide der Sticgcnhalle wird das Ricfcn- 
panorama von Prag von Saechi aus dem Jahre 18 18 
aufgestellt werden, zu dclTcn entfprechender Bcfich- 
tigung eine besondere Galerie errichtet wurde. 

Im zweiten Gefchoß befinden fich ebenfalls vier 
Säle, deren Ausmaße jenen im erften Stockwerke 
gleichen; in der Mitte derfelben liegt aber der fünfte, 
10 M. breite und 12 M. lange Saal von 7 M. Hohe. 

Im erften Saale gelangen ausschließlich Anlichten 
von l'rag, Präger Urkunden, Medaillen, Drucke 11. f. w. 
zur Ausstellung. Der zweite und dritte Saal ift für die 
hiltorifche Abtheilung beftimmt, zwifchen welchen im 
mittleren Saale Waffen, Rüftungen, Fahnen u. dgl. 
unterbracht werden. Der vierte Saal ift für die Ab- 
theilung der Zünfte und Innungen beftimmt. 

Alle Ausstellungsräume des neuen Mufeums, außer 
Vcftibul und Stiegenhalle, nehmen einen Flachcnraum 
von 1850 Qu.-M. ein. 



Auf der Stirnfeite der Fagadc, oberhalb des Tym- 
panons, auf welchem durch allegorifchc Gertalten 
Gefchichte, Archäologie, Wiffcnfchaft, Kunft und Ge- 
we'rbe dargcftcllt find, ift die Statue der das Mufeum 
fchützenden „Praga 1- aufgcftcllt und unterhalb des 
Tympanons das lleidenthum und das Chriftenthum 
verfinnbildlicht. Außerdem ift das ganze Gebäude von 
außen und theilweife auch im Innern mit Wappen der 
Präger Städte, Hüften jener Regenten, die fich um Prag 
verdient gemacht haben und fonft auch mit auf die 
Gefchichte Prags bezüglichen Figuren, Emblemen, 
Anflehten u. f. w. gefchmückt. welche von den Bild- 
hauern Salou, Wurzel, Trochäzka, Hergefcll, Schaff, 
Amort, Sucharda, Stransky u. A. und den Malern 
Karl Liebfchcr, Janfa u. A. verfertigt wurden. 

Durch den Bau des neuen Mufeums gewinnt Trag 
ein Schöne* Bauwerk und die Wiffcnfchaft eine Pflcge- 
ftätte, wofür jeder Altcrthumsfreund dem Stadtrathe, 
dem Stadtverordneten -Collcgium, dem Mufeums- 
Comite und dem allgemeinen Intereffe des Träger 
Tublicums zum beftem Dank verpflichtet ift. 

Ii felis law Jelinek. 

10. Corrcfpondcnt Profeffor Ottenthai hat die 
Central-Commiffton unterm 4. Juni 1897 auf die Pufter- 
thaler Thalfpcrrc aufmerkfam gemacht. Diefelbe, auch 
Ilaslaelter Klau je genannt, zwifchen Muhlbach a. R. 
und Niedcrwintl bildete von 1271 bis 1500 die Gränze 
der tyrolifchen und görzifchen Landesherren, die tra- 
ditionelle Scheide des Pufter- und Eifak Thaies. Die Be- 
festigung wird bereits 1269 erwähnt und auch in den 
Kriegszeiten 1809 und 1813 wurde dafelbft hitzig ge- 
kämpft. Die Franzofen deckten das Zollhaus in Brand 
und die bedachten Bauten herum begann man 
auch zu demoliren, allein die Fertigkeit des Mauer- 
werkes ließ die Arbeit als zu mühfain erfcheinen. Bei 
dem Baue der Puftcrthaler Bahn wurde der hoher ge- 
legene Thcil der Wcgl'pcrre trotz der vcrvollkommtcn 
Technik nur mit großer Anstrengung beSeitigt. Doch 
was die Technik nicht fchnell macht, das macht lang- 
fam der Zahn der Zeit, und fo find heute einzelne 
Partien in der Nahe der Hccrcsftraßc, die heute noch 
wie vor Alters durch die Klaufc gesperrt wird, be- 
denklich baufällig geworden. 

11. Confervator Subii hat unterm 15. Juni 1897 
an die Central-Commiffion iiber die Filialkirchc B. M. 
V. in Ehrengruben bei Altlack berichtet. Diefelbe 
gehört zu den alterten des Herzogthums, ein Bau, 
aus drei Bauzeiten flammend. Das dreitheilige breite, 
aber niedrige Schiff ift der älteftc Thcil, nach den 
Knofpen-Capitälen zu fchließcn, aus dem 13. Jahr- 
hundert. Das Schiff war mit Fresken geziert, die laut 
Infchrift aus 1 450 flammen, jetzt feit längerem über- 
tüncht, doch infolge Untersuchung noch vorhanden. 
Im nordlichen Seitenfchiffe hangt eine Kippe eines 
vorwcltlichcn Thicres. Das Trcsbytcrium entltand im 
16. Jahrhunderte wahrscheinlich von demfelben Meifter, 
der 1520 die gothifchc Pfarrkirche zu Bifchoflack 
erbaute; das Presbyterium ift ein hoher luftiger Bau 
mit fchlanken Pfeilern. Die Vorhalle ein Werk neuester 
Zeit, der Thurm ift mafliv, 1 1 M. im Quadrat, die 
unteren Partien aus romanischer Zeit. Durch das 
Erdbeben 1895 wurde die Kirche wenig befchadigt. 
Die Kirche foll nun einer Rcftaurirung unterzogen 



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I 

62 — 



werden, die dank der Intervention des Confcrvators 
Johann Graus in eine zufriedenfteltende Balm geleitet 
werden dürfte. 

12. Die Grabungen und Baggerungen im Gebiete 
des Rhein- Durchßiclts erbrachten in den letzten Mo- 
naten einige bemerkenswerthe Erinnerungen an die 
Schlacht bei llard am' 20. Februar 1499, meift Sporen 
und Steigbügel mit Ausfchluß von Waffen und Rüftungs- 
thcilen. Die nach dem unglücklichen Ausgang der 
Schlacht dem See zu fliehenden Reiter mußten nicht 
nur in den fumpfigen Ausmündiingcn der Flußlaufe 
fiebern Tod durch Ertrinken finden, fondern auch von 
ihren Verfolgern eingeholt werden, die Wehr und 
Waffen, foweit fie werthvoll waren, an fich nahmen, 
weniger begehrenswerthes zurückließen. 

Da von den Steigbügeln alle und unter den 
Sporen zwei Formen nur in je einem Exemplar ver- 
treten find, bin ich überzeugt, in größerer Tiefe die 
ergänzenden Stücke noch finden zu können; bisher 
verhinderte aber hoher Wafferftand jede Nachgrabung, 
und nachdem giinftige Verhaltniffc nicht vor Eintritt 
des Winters wiederkehren, will ich nicht hinger fäumen, 
die Fundftückc vorzulegen, über die ich bereits mit 
Herrn Direclor Böham vor kurzem kückfprache zu 
pflegen die Ehre hatte 

Von dem Sporenpaar eines Gehamifchten wurde 
der eine von dem Arbeiter, der ihn fand, unterfchlagen 
und nach Bregenz verkauft, um bald darauf in Mün- 
chener Antiquarhändc überzugehen. Weil ein folcher 
Vorgang, wenn er glückte, auf alle künftigen Fund- 
gelegcnhcitcn am Rheinbau fchlimm einzuwirken ge- 
droht hätte, brachte ich denfelben fofort der inter- 
nationalen Rhcinbaulcitung. diefe wieder den k. k. Be- 
hörden zur Anzeige, infolge deffen die Unterfuchung 
wegen Dicbftahls gegen den Dieb und den Hehler im 
Zuge ift. Ich hoffe fehr, es werde ein warnendes Bei' 
fpiel an dem Schuldigen ftatuirt werden, damit der volle 
Ernlt der Verpflichtung zur Ablieferung der Funde, 
die jedem Arbeiter im Dicnft-Rcglcmcnt Überbunden 
ift, zum Bewufstfein kommt. 

Wenn auch das große Sporenpaar erft auf der 
r Planie u entdeckt wurde, fo fleht doch feine Herkunft 
aus der I.uncttc des Rheins oder des Luftcnauer 
Entwäffurungs-Canales fefl, alle übrigen Gegcnftände 
wurden — nahe beifammen liegend — bei Profil 19 der 
Dornbirnerach-I.unette an der Einmündung des Bö- 
fehengrabens in den Lautcrachbach ausgegraben. Der 
ganze Fund fetzt lieh aus folgenden Stücken zulammen, 
deren Material ohne Ausnahme aus Eifcn befteht: 

1. Dreiarmiger Bohrer. Nur zwei der Arme fuhren 
Hohrgcuindc, ein größeres und ein kleineres, beide für 
Holz beftimmt, aber nebftdem geeignet, Löcher in 
Eifcn auszuweiten; wie fich das Inftrumcnt in die Hand 
einlegt, pafst es lieh dem Gebrauche trefflich an. Es 
dürfte zu mancherlei Nachhilfe an Rüftung, Sattel und 
Riemenzeug als nützliches Geräth fich erwiefen haben. 1 

2. Ring- Trenje zweifach gegliedert, alle Thcile 
vierkantig mit großen flachen Ringen, von denen der 
eine 6.. der andere 7 Cm. im äußeren Durchmeffcr 
mißt Diefe alte fchon der romanifchen Epoche ange 
hörende Form (Fig. 7 Tafel IX in ZjehtUe-Forrer „Die 

' Kihtim bemerkt n.'e.u Per dritte Arra die»! »I« KtUmt«, ,!»» 
laftr^iwnt «u für jeden üehjrnif. tuen Wtm .Anlesen" un»mrx-|itli. H 



Pferdetrcnfe" gibt fic identifeh wieder) mußte durch 
ihre Einfachheit fich überaus lang im Gebrauch er- 
halten, wenn auch in fpäter Zeit auf die Reitknechte 
befchränkt; ihr Vorkommen am Schluß des 15. Jahr- 
hunderts darf deshalb nicht überrafchen. 1 

3. Drei Steigbügel, die zwar, was fchmalc Tritte, 
leichte Bügclftangcn und gut ausgebildete viereckige 
Gchäufc zum Schutze des Riemenwerkes betrifft, ge- 
meinfchafllichc Merkmale bieten, fonft aber fehr aus- 
einander gehen. Die Grundform nähert fich bei zweien 
dem Dreieck mit abgerundeten Ecken \A und H\. 
beim dritten dem Kreife, ihre innere Höhe variirt von 
142 (A) zu 123 (B) und 94 \C) Mm., ihre größte Weite 
von 121 zu 107 Mm. Am größten Exemplar ziehen fich 
die Seitenlangen nach unten zufammen, wodurch fich 
die Trittftange, die fich ftark nach innen wölbt, auf 
87 Mm. reducirt (A); beim zweiten entfpricht die 
Bügelweite der Breite des Trittes, nämlich 122 Mm. 
{B) und beim dritten ficht man das Sohlenftück als 
dicken ovalen Ring behandelt, der, nach unten offen, 
feine gewölbte Seite nach oben kehrt.* 

4. Langhalfige Radfporen, zufammengehöriges 
Paar. Hals ftangenförmig, fchwach gewölbt, gegen das 
Rad hin ftark verjüngt, in wagrechter Lage, 16 Cm, 
lang, das Rad 6 Cm. im Durchmeffer, Stachelzahl 6 
Die knieförmigen Bügel verbreitern fich gegen die fpitz 
zugehende Fcrfe hin und trafen an ihren Enden in 
gerundeten Oefcn drei Ricmcnhalter und eine Schnalle.' 

Nachdem an der Wende des 15. Jahrhunderts die 
Rüftung ihre fpitze Form verliert und immer mehr 
rundliche annimmt, müßen diefe Sporen noch feiner 
erften Hälfte entflammen, wie auch aus allen übrigen 
Kennzeichen hervorgeht. Der in Vorlage gebrachte 
Sporn ift der nach München verfchleppte, vom anti- 
quarifchen Händler bereits zum Wiederverkauf präparirt 
und von Roft befreit. 

5. Kurshalfige Radfporen, zulammcngchöriges 
Paar. Ihre fchlechtc Erhaltung läßt nur kurze Befchrei- 
bung zu ; beide zählen zu der Form mit gefchweiften 
fchmächtigen Armen, die auf der einen Seite in runden, 
auf der andern in länglich viereckigen Oefcn endigen, 
gehobenem Hals und vielzahnigem Rad (an einem 
Exemplar lalTen fich zehn Spitzen conftruiren). deren 
man fich zum täglichen Gebrauche noch in der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts bediente.* 

6 liinsclner Sporn des/elben Typus wie die vorigen, 
aber in feiner Ausführung zierlicher und ftylvolt ge- 
halten; es gilt letzteres von der profilirten Ausladung 
unter dem Spornhals, fowic von der Verzierung in- 
mitten der Bügclarmc und an den Riemenhaken Der 
eine vollftändig erhaltene Hals endigt in einer runden 
Oei'e. Für berittene Schützen. 

". Kurchalßger Radfporn mit geradem wag- 
rechtem Hals und gerundetem Bügel, wie es die Ab- 
mndung der Beinfchiene gegen Ende des 15. Jahr- 
hunders mit fich brachte. An das Bügelende fetzt fich 

I 

■ HkAtim bcuicrliC; *nr Au<r£ftiinf tinf» leichte« R«jt*r. gehörig; 4* 
Itciß .[»gflrticclnr» iImLxti 1(1. «u Wrin*r rilterli' Ken Autniltung gehörend 

■ B.ürim ^merke Stwigbiiccl »u« d*m Ende d» 15> Jinutdcrts. .1 i ur- 
ulfiT ijlirrlirff rto Korm. ^ber bereiri mit üetuufe für die Stetgtliiac- t)Lc Inn 
ftr K r f.n<l f 11 r «ficlic Schiff be_'< r h ner. Jtem eitle RcilcrrtiAüiKg ; A> Fl:, liehe a 
i.niH iiT.garif-:h?T Vc-im mit Rironrii^elutifea für lenihfe Retter. ei** liefen 
frhmitn: i) kfcU-under riußtl mit uu K «nr<-brw F-nfliiO, in pbdW.ccm 
An(*tz hm TuuAcge und kiciHcagcUuic für rine» gcworfcrncn ft ine* 
Reite/. 

1 Fiii lelehie und mtgrhaniir<-htr Reiter, itnlimiich« Form. &*Mm. 
» I»;.« einst*« riiierii.-hr Au»r uflim K *ftO cV im g«oi«o Funde, für ge- 
K*rmr>:Kif Beine und r tiftr Kerc hnc.. ^4#/m. 



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- 63 - 



eine lange breite Platte fiir eine dreifache Riemen- 
Verbindung an; in den Schlitzen hangt noch eine 
Schnalle und drei Anhänger mit ein und zwei Haken 
für fchmälere und breitere Lcdcrftreifen, zwei der 
Schlitzen find leer. Für einen leichten halbgcharnifchten 
Reiter von der forgfältigeren Ausriiftung. 

Keinerlei Beziehung zur Härder Schlacht kommt 
dem noch zu erwähnenden Stachtlfporn aus Eifen zu, 
wenn auch feine Fundftcllc unweit der früheren liegt. 
Die Baggcrmafchine hob ihn aus dem Schlamm im 
alten Bett der Dornbirner Aehe bei Profil 44 heraus, 
durch welches in der Zukunft dem Uheinftrom fein 
neuer Weg gewiefen wird. Der vierkantige elegant gc 
fehweifte Stachel an kurzem Hals fenkt lieh unter die 
Bügelebene, die Bügclarme felbft find einfach gc- 
fehweift, mithin gehört der Sporn jener cbenfo früh- 
zeitig vorkommenden, als lang andauernden Form an, 
welche die Mitte halt zwifchen Figur 6 und 7, Tafel V 
in ZftkiUe und Forrtr „der Sporn"; diefe Autoreu 
bezeichnen fie mit Type A und fetzen ihr Entftehen in 
die Mitte des 12. Jahrhunderts; dafs unfer Fundftück 
fehr wohl in diefe Zeit hinaufreicht, dafür fprechen gc- 
wifs die kupfernen Nicthplattcn mit doppelter Vcr- 
niethung an den abgerundeten Bügclcndcn. 1 

S. Jenny, k. k. Coiifervator. 

>3- (Die llolzkirche su Niedtr-Trsanowits [oßer. 
reichijch Schießen, polilifcher Bezirk Tefchen].) 

Die dem heil. Apoftcl Bartholmaus geweihte 
Kirche, Filiale der Pfarre Hnojnik, liegt inmitten des 
Friedhofes und präfentirt fich als ein intcreffautes 
Denkmal der im 16. und 17. Jahrhundert in Schlclien 
geübten volksthumlichcn Bauweife. Ueber die Ent- 
ftehung des altehrwiirdigen Gotteshaufes gibt eine in 
der Pfarr-Chronik zu Hnojnik am 25. Juli 1814 einge- 
tragene Notiz einen Anhaltspunkt, nach welcher fich 
das Erbauungsjahr ziemlich genau beftimmen läßt. Es 
heißt dafclbft: r Der ganze Bauzuftand diefer Kirche ill 
von Holz und fehr baufällig;* er befteht aus einem 
Presbytcrium, flachem Schiffe, Seitenthürcn und Sa- 
kriftey. Wer aber diefe Kirche erbaut hat, ift unbekannt. 
Patrocinium diefer Kirche ift heil. Apoftcl Bartholo- 
mäus. Sie foll — atf:i anno 18 14 — 160 Jahre alt fein. 1 

Vor mehreren Jahren foll, wie der gegenwärtige 
Pfarrverwefer in Hnojnik beft.itigt, auf dem Thürfturzc 
der Sacriftcithür die Jahreszahl 166. fichtbar gewefen 
fein, welcher Umftand betätigen würde, dafs das Er- 
bauungsjahr in die Mitte des 17. Jahrhunderts fallt. 

Die Kirche ift ein mit Brettern vcrfehalter Block- 
bau mit einer durch die verfchicdcnartigc Anordnung 
der einzelnen Bautheile fehr malcrifch wirkenden Sil- 
houette. Das Schiff hat eine rechteckige Giundrifsform 
von circa 15 M. Lange und 7 M. Breite; oftwärts 
fchlicßt fich an dasfclbc das etwa 5 M. lange und 4 M. 
breite t'resbyterium an. Das Schiffhat eine (lache Decke 
und ift an feinen beiden Langfeiten und an der Stirn- 
feite mit einer fchmalen auf roh gezimmerten Pforten 

' Beifim Hcw»crlt Pe^ vorUriend? Fund Uilit die -i-rWriiicfiirche Am 
rtlftunc in ei«irf!H?n r.-irtt?n crirniien. l> ift «ine SelteuKeii vin-; FuiidjurHc 
von einisem Vmfanfe tu ti'fiutn. die ik*i , ii «ii.i $ er Si l.erXr.t iuf ri» h. 
Ainunee» hjftonfche* Krejgni» l.-tneltcu UUt. w.t» ebeu .Ich l .ird und- wenh 
voller macht. 

* l>ie OemerLuux mit w>M übertrieben, nr li.lem in derlei?.. -» noch Li, 
heutigen!»! k — ülfo na^ti 6j _J»hteii. und ober -UC« irrrnd pine be/'- tidrrn 
Reparatur vi>ri;enomtiic»i »unl-n »ir^ — retrtfr.idiij: jedrr, drii;n Sciminj *in 
Sp*tgotte»dicnft tir.d *»:h Hc£i"iliru^r :i>ii,-rltaUri' urrden. 

■ Pfmn».-li »j« di« Kir-h- t:s<r'*mve »1« JiSre f-iiij i'.re 

Futltchung in die MUt* des t: J.tl.r 1 iuud<rl» tu ^rtle^e». 



aufruhenden Empore, dem Männerftand verfehen. Die 
alte barocke Orgel befindet fich nicht, wie ufuell, auf 
dem Mufikchore, fondern ift auf der füdlichen Langfeitc 
des Schiffes zwifchen die vorerwähnie Empore ein- 
gezwängt. 

Das um eine Stufe erhöhte Presbytcrium hat eine 
gerade Schlußwand, in welcher ein kleines im Rund- 
bogen gcfchloßcncs Fcnftcr angebracht ift, und bc fitzt 
eine in Trapezform verfchalte Decke. Auf der F.piftcl- 
feitc ein ebenerdiges vor die fiidliche Wand des Prcs- 
byteriums ausfpringendes Oratorium, deffen fchräg ab- 
fallende Dckc jener des mit dem Presbytcrium gemein- 
famen (teilen Daches entfpringt. Das Eicht erhalt das 
Oratorium durch zwei in der Südwand angebrachte 
rechteckige Fenfler. Auf der Nordfeitc des Priefter- 
chorcs befindet fich die kleine Sacriftei, in welche eine 
kaum 1 M. hohe Thür führt. 

Mit Ausfchluß eines im Barockftyl gefchnitzten 
Rahmens hat die Kirche weder in ihrem Hochaltar, 
noch in der Kanzel und dem Taufflcin Objcftc aufzu- 
weifen, welche einen Kunflwerth repräfentiren würden. 

Von ciitfprechender Wirkung ift die füdliche 
Seitenanlicht der im freundlichen Thale gelegenen 
Kirche. Ueber dem Schiffe erhebt fich ein verhältnis- 
mäßig fehr hohes und fteil aufzeigendes Satteldach, 
auf welchem der ziemlich maffige Thurm in der Form 
eines Dachreiters aufgefetzt ift. Faft unmittelbar über 
dem Dachfirft befindet fich die ülockcnftubc, welche 
über die eigentlichen in das Dach des Schiffes ein- 
greifenden Thurmwändc mittels Zierbrettern vorkragt 
und mit einem verkehrt birnförmigen Helm abfchließt. 
Diefer ift offenbar eine viel fpätcre Arbeit, nachdem 
man bei dem fteilen Satteldache der Kirche annehmen 
muß, dafs der Thurm urfprünglich nur einen pyramidalen 
Helm haben konnte. Etwa in der Hohe der Fcnfterfohl- 
bänkc kragt ein Pultdach vor, welches heute, der fenk- 
rechten Stützen an den Langfeiten der Kirche entbeh- 
rend, fich nur als ein Fragment des feinerzeit gewifs vor- 
handen gewcfenen„ Umganges u darfteilt. An derHaupt- 
Fagade, fowie an der Schlußwand des niedrigeren und 
gleichfalls mit einem fteilen Satteldache verfehenen Pres- 
byteriums befindet fich je eine offene Halle. Die pult- 
artige Verdaehung des ehemaligen Umganges wird an 
der Südfeitc des Schiffes, und zwar nahe dem Priefter- 
chore durch einen in der Facade vorfpringenden Vorbau, 
die feitliche Eingangshalle unterbrochen, welche das 
Gefammtbild durch ihre fpitzgiebelige Verdachung wirk- 
fam belebt. Auch hier ift die Thüröffnung kaum l'/, M. 
hoch. Das Schiff befitzt an feiner füdlichen Langfeitc 
vier im Halbrund gefchloßenc Fcnftcr. Der Haupt- 
eingang ift — was Gefertigter noch bei keiner Holz- 
kirchc gefehen — durch eine zur Glockcnftubc fchräg 
anfteigende Stiege in unfehüner Weife verftcllt. 

Im Jahre 1852 wurde das Inncrc der Kirche in 
fehr gefchmacklofer Weife mit Farben angeftrichen. Das 
Acußcrc der Kirche ift durch die dem Holze im Ver- 
laufe der vielen Jahre etgenthümliche tiefbraune 
Färbung ungemein anfpreclicnd; nur am Thurme 
konnte fich wahrfcheinlich der Keflauralor des Innern 
eine Hörende Earbelung nicht entgehen laffen. 

Frans Kosma, l, k. k. Coiifervator. 

14. Das in Figur 3 abgebildete Siegel führte der 
Wiener Domdcchant Thomas Hadmar. Derfelbc he- 



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- 64 - 



kleidete von 1427 bis 1435 diefes hohe kirchliche Amt, 
dankte damals ab, wurde aber 1440 neuerlich Dechant 
und ftarb den 13. Marz 1450. Das Siegel ift kreisrund, 
mit einem Durchmeffer von 38 Mm , zeigt im Siegel die 
Halbfigur des heil. Achatius, deffen Oberleib mit 
Dornen befleckt ift, auf eine Confole geftellt. Kr trägt 
eine eigentümliche Krone. Die Legende, am Rande 
zwifchen zwei Lciften umlaufend, lautet: f S. thome 
hadmar . ilccani . eccl . Sti. Stephani 1 wienne. 

In der nebigen Abbildung (Fig. 4) bringen wir 
ferner das Siegel eines bekannten Würdenträgers des 




F'B- 3- Fig. 4. 



Wiener Domes, nämlich des Dompmpftcs Virgilius 
Kunzler, geftorben 1503, der in der St. Stephans- 
Kirche feine Ruheftatte fand (f. Mitth. XXI, S. 77). Das 
Siegel ift kreisrund, 4 o Mm. im Durchmeffer, fuhrt im 
Siegclfcldc die Darftellung wie die heil. Maria vor 
ihrem Kindlein betend kniet. Die den Rand umlaufende 
Legende lautet: Virgily .Cannczler . ppoöti . wiennensis. 
Unten in den Schriftrahmen hineinragend ein Wappen- 
I child, darin gleich wie am Grabmale, ein Fifch von 
einem Pfeile durchbohrt und nach Art eines Andreas 
Kreuzer gruppirr.. 

15. Der kreisrunde Sicgclftempcl, welcher zu 
Markt l'urnau in Mahren im Originale erhalten ift, 
dürfte dem Anfange des 17. Jahrhundertes entltammen, 
hat einen Durchmeffer von 37-5 Min. und zeigt inner- 




ng. 5 

halb des von Stufenlinicn eingefafsten Spruchbandes, 
welches nach außen hin von einem Lorbeerkränze 
umgeben ift, einen ausgefchweiiten fymmctrifclicn 
Schild im Style der Kenaiffancc. Im Schildfelde er- 
feheint eine crenellirte Stadtmauer mit einem mittels 
eines Gitters vcrfchloffencn Thorc und beiderfeits je 
ein Thurm mit rechteckigen Fenftem; auf der Thor- 
mauer im Mittelfelde, erhebt fich ein großer Wart- 
thurm mit vortretender Zinnengalerie. Die Tliurmc 



tragen Kuppeldächer mit Fahncnftangcn und Fähn- 
lein. Die freien Stellen im Bildfelde neben dem Schilde 
find mit Blumen beftreut. 

Die in Capitalfchrift ausgeführte Legende lauft am 
Sicgelrande herum und lautet: 

PECZIET MIES TECZKATIRNA WKI- 1 

Die Ausfuhrung des Siegels ift fauber und zeigt 
einen guten Gcfchmack. 

16. An der öftlichcn Friedhofsmauer, w elche nach 
der an ihr angebrachten Inl'chriftenplatte mit dem Stadt- 
wappen in den Jahren i6yo und 1691 r iimb und umb 
erbavet Worden - , befindet fich eine in diefelbe einge- 
laffcnc und befeftigte Grabplatte. Die aus feinkörnigem 
weißen Sandfteine gefertigte Platte ift 1 81 M. hoch 
und O 93 M. breit. Auf der über den Fond des Steinen 
etwas vorflehenden 14 5 Cm. breiten Randborte be- 
ginnt rechts oben die tief eingemeißelte Infchrift und 
lautet: 

Axo 1690 i>kk münIIoktk; Lorent/. Bon. / ScHÜF- 
RICHTER n Maris<h DRIBAV Hat Diesen Stein 

SEINEN <iO I T/SEI.IGKN VATTER VN) MVTTKR Vn>/SE>E 

Knuek Begrabe sen cott Wolle Iinen G.vdig Sein 

Im Bildfcldc zeigt fich ein fymmetrifeh gefchweifter 
Schild mit zwei gekreuzten geraden Schwertern, deren 
Parirftangen gegen den Ort gebogen find; zu beiden 
Seiten ihrer Kreuzungsftelle ift der Name „LORENT 
BOHL -4 eingegraben. Auf dem Schilde fitzt ein nach 
rechts gewendeter eifelirter Stechhelm mit aus einem 
Bunde entfpringender reich gefchnittenen Hclmdccke, 
welche fich mehr nach unten entwickelt. Als Zimicr 
erfcheint ein wachfender bärtiger Mann (die Nafe leider 
abgcfchlagen). deffen erhabene Schwerthand ein kurzes 
etwas gebogenes Schwert ober feinem I Iauptc fchwingt. 
wahrend die Linke die Schwertfeheide hält. Seine 
Kleidung ift einfach, der Rockkragen ziemlich breit, um 
den Kopf ift ein Band gefchlungen, deffen lange freie 
Enden nach links hin flattern |Fig, 6). Der Mciftcr diefes 
noch der Kenaiffancc angehurigen Steines, weichemein 
gewiffer Kunftwcrth nicht abgefprochen werden kann, 
ift uns leider unbekannt. Er ift der jungfte unter den 
25 an der Außenfeite der Fricdhofskirchc angebrachten 
Grabplatten und war ganz mit Flechten überzogen, davon 
fie erft vor kurzer Zeit über Anregung des Schreibers 
diefer Zeilen in entfprechender Weife gereinigt wurden. 
Die Todtcnmatrik, des Trübauer Pfarramtes, 1587 
beginnend, gibt uns über den Todestag der Eltern 
und Kinder des Scharfrichters Lorenz Bohl keinen 
Auffchluß. 

In Trttba.ll erfcheint urkundlich zum erftenmai ein 
Gericht im Jahre I 267 und wird uns Sidlinus als Ad- 
vocat und Meragnus als Schreiber genannt." Es ift mehr 
als wahrfcheinlich, dafs die Stadt um jene Zeit eben- 
falls die Hal.sgericht-barkcit befaß und nach Magde- 
burger Recht vorging — ein alter Sachfcnfpicgel wird 
noch im Stadt Archive aufbewahrt. — Wo aber die 
Schöffen damals ihren Oberhof hatten, um fich die 
n. ithigen Rcehtsbclehrungen einzuholen, ift uns un- 
bekannt. 

' Siegel det Städtchen« Tttnau. F.» ift aui Silber rnil einem am der 
Mute feakctLhl »tifielotheten au-ief. h.eift.r. 3 Ci» hone». 1% Mm d*le. 
Hjii.Ij.i«. in lettlerem ,lie M.rke CF cingeftjnit 

* Lud dtp Mor. III., p. Joe. 



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- 6 S - 



Johann, Bruder Karl IV., erwarb als Markgraf von 
Mahren (feit 1310) durch Kauf im Jahre 1365 das Gut 
Triibau. 1351 Brünn am 3. März crthciltc er der Stadt 
Olmüz das Magdeburger Recht und befhmmte gleich- 
zeitig den Ort als Oberhof für alle landcsfürfUichcn 
Städte, fo dafs fich von jenem Zeitpunkte an die 
Schöffen jede Rcchtsbelehrung nur in Olmüz einholen 
konnten. Jedoch erft fpäter erfcheint in einem alten 
Stadtbuchc 1 vor einer Eintragung aus dem Jahre 1406 
die von Olmüz entlehnte Scharfrichtertaxe verzeichnet. 

Der Scharfrichter, „Marter oder Henger", wie ihn 
die p Rendtraittungcn der Stadt Mahrifch-Tribau" mit 




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Fig. 6 (Trebau ) 

Angabe der Entlohnung fiir feine traurige Arbeit 
nennen, hatte feine Wohnung außerhalb der Stadt- 
mauer, etwas füdöAlich vom niedern (nördlichen) 
Stadtthorc, im jetzigen Garten hinter dem Gymnafium 
in der Nahe eines überbrückten Canales. Diefe kleine 
Brücke, jetzt durch Uebcrwölbung des Canales bc- 
feitigt, führte bis in unfere Tage noch den Namen 
„Hcnkerbrückl J . Beim Brande 1726 wurde die Be- 
haufung des Scharfrichters Obenrauch zumtheil ein 

1 Pergamencbnad In 4* ohne Pe-tVef Vitli Bliim h«rau»E«tV1miitiin, 
akefta Eintragung vom Jahre ijJJ. 

XXIV. N F. 



Opfer der Flammen. Im Jahre 1764 wurde die „Wafen- 
meifterei - von der Stadtgemeinde an der nordlichen 
Stadtgranzc, in der Nähe des Galgcnbcrgcs, wo das 
Hochgericht weithin fichtbar aufgeftellt war, neu er- 
baut und am 6. Juni »791 an den Hohcnftädter Scharf- 
richter Karl Lux um den Hetrag von 500 II. verkauft.' 

17. Der in Figur 7 abgebildete Grabftein be- 
findet fich in der Kirche zu Boskowitz und hat über 
denfelben Herr Karl Gerlick in Prerau am IL Mai 
1897 berichtet. Er fleht an der Innenwand auf der 
Epiftelfeite unterhalb des Oratoriums, gegenüber von 




zwei Monumenten größerer Dimenfionen. Er befteht 
aus einem 90 Cm. hohen Granitfockel von SS Cm. Breite; 
darauf eine 32 Cm. hohe Steintafel mit folgender 
Infchrift : 

Leta 1557 W pondieli Na Autery po s. Martina 
narodil sc tento mladcncc Pari Proeck Morkowskcy 
z Zastrzizl syn Vrozeneho a statecneho rytirze pana Ja- 
rosse Morkowskeho z Zastrizl a na Boskowiczych 
ktereyzto prostrzedkem smrti czasne w miestie Brnie 
leta 79 W pondieli na den s. Mataussc Koncc ziwota 
sveho na tomto swictie dokonal. Gehozto Dussi Pan 

< Creiulkuik Iii' K. -■ 309. 



C) 



- 66 - 



buoh rac milostiw byti A w poczet zwoleneych sweych 
Przigiti. 

Das heißt: Im Jahre 1557 von Montag auf den Diens- 
tag nach Sancl Martini wurde geboren diefer Jüngling 
Procek Morkowsky von Zastrizl, Sohn des hochge- 
bornen und tapferen Ritters Herrn Jaros Mor- 
kowsky von Zastrizl und auf Boskowitz, welcher infolge 
zeitlichen Todes in der Stadt Brünn im Jahre (15)79, 
Montag am Tage des hl. Matthäus das Ziel feines 
Lebens erreichte, deffen Seele der Herr Gott möge 
gnädig fein und fie in die Zahl feiner Auserwählten 
aufnehmen. — Die Relieffigur, in einer flachen rund- 
bogigen Nifchc aufgeftellt, flcllt einen im 22. Lebens- 
jahre ftehenden Jüngling dar, in aufrecht flehender 
Haltung mit gefalteten Händen, unbedeckten Hauptes, 
bekleidet mit Wams und Halskraufe und Aermelkraufen, 
darüber ein kurzer Mantelkragen, bis an die Knie 
reichende Hofe, die oben puffartig erweitert ift. Die 
fpärlichen ornamentalen Details unterhalb des Giebel- 
feldes zeigen einfache Renaiflance-Ornamcnte. An der 
unteren rechten Ecke das Zastrizl'fche Wappen mit 
der Doppellilie. Oben ein Giebel als Denkmalabfchluß, 
im Felde ein geflügelter Engclskopf als Füllung, am 
Giebel zwei liegende Kinderfiguren und ein Fragment 
einer Auferftehungsfigur. 

18. Die Römerfundc, welche Herr Nowalski de 
Lilia in Wien während des Monates Juli 1897 confta- 
tiren konnte, find an zwei Stellen von Bedeutung für 
topographifche Studien. Wie fchon früher in unferen 
kurzen Berichten erwähnt wurde, ftieß man bei den 
Erdaushebungen für den Neubau des Palais Herber- 
flein (Hcrrcngaffe 1 und Schauflergaflc 2) auf eine 
mächtige Scliuttdccke, die in einiger Tiefe mit Gefaß- 
fcherben und Bruchftücken von Legionsziegeln durch- 
fetzt war; ihre Mächtigkeit erklart fich aus dem Um- 
ftande, dafs hier eine Vertiefung des Erdbodens, wahr- 
scheinlich ein altes Rinnfal des Ottakringer Baches 
mit Schutt ausgefüllt worden ift; den Abhang hat man 
in der That gegen die Schauflergaffe hin gefunden. 
Am 14. Juli gerieth man im Innern des Bauplatzes, 
und zwar näher gegen die HerrengaflTc, noch in 10 M. 
Tiefe auf Gefäß- und Ziegelrefte, fowic auf einen 
bronzenen Sefterz des Kaifers Hadrian (3. Jahrhundert) 
und am 16. Juli auf einen Gelübdejlein in Geltalt 
einer Ära, welchen der Infchrift zufolge eine Gargi- 
nia Procula dem Silvanus Domefticus gewidmet hat. 
Aus Kalkftein gemeißelt ift die Ära 73 Cm. hoch und 
44 Cm. breit. Die Widmung an Silvanus Domefticus 
kommt in Carnuntum fehr häufig vor, in Wien ift fie 
bisher nicht beobachtet worden; wohl aber thcilt die 
neu gefundene Ära mit den meiften anderen, übrigens 
nicht zahlreichen Votiv-Dcnkmälern von Wien die 
Eigentümlichkeit, dafs fie in auffallend großer Tiefe 
zutage kamen. Unter der alten Schottenthorbrucke, 
alfo unter Sohle des etwa 9 M. tiefen Stadtgrabens, 
fand man im 16. Jahrhunderte einen Gelübdeftein an 
Jupiter Optimius Maximus, in der Annagaffc (Nr. 3) 
einen andern in 1 2 M. Tiefe. Der Nymphenftein von 
Mcidling wurde aus der Sohle des Wienflußbettes aus- 
gehoben. Jene aus der Schwcrtgaffc, der Maria 
Thercfien Straße, vor der Handels-Akademie und der 
Marokkanergaffe ftanden in der nhchften Nähe von 
Abhängen. Orfprünglich waren fie oben an den Stcil- 
randern von Rinnfalen aufgeftellt und find thcils noch 



an folchen zutage gekommen, meift aber infolge von 
Unterfpülung des Bodens durch Hochwäffcr in die 
Tiefe geftürzt. Nur daraus läfst fich auch die betracht- 
liche Tiefe, in der man die neuaufgefundene Ära im 
Palais Hcrberftein antraf, erklären ; diefes wieder be- 
ftätigt die fchon früher gehegte Vermuthung, dafs an 
jener Stelle in römifcher Zeit ein WalTerlauf beftanden 
habe. 

Eine andere Stelle, welche fchon früher die Auf- 
merksamkeit auf fich gelenkt hatte, ift die Roekhgaffe. 
Mächtige, theilweife auf Pfeilern ruhende Mauerzuge 
mit römifchen Ziegetncrftrecken fich, wie manbeim Baue 
der neuen Häufer im Umkreife des alten kaiferlichen 
Zeughaufes bemerkte, in der Richtung gegen das 
Telegraphenamt. Aus Anlafs der Erdarbeiten für die 
neue Gasleitung hat man vor dem Haufe Nr. 3 am 
20. Juli abermals eine kräftig gebaute Mauer, parallel 
zu den früher aufgedeckten laufend, bloßgelegt; da- 
neben zeigte fich Eflrichboden in der Ausdehnung 
von faft 4 6 M., der nach römifcher Art gelegt war. 
Mehrere Reihen untenfpitziger Geröllfteine waren hinter- 
einander in den gcwachfcncn Boden eingerammt, die 
Zwifchenräume durch Stücke römifcher Ziegel aus- 
gefüllt und mit Mörtel vcrgoflTcn, darüber eine von dem 
beigemengten Ziegelmehl rothlich gefärbte mit Kies 
untermifchte Mörtclfchichtc gelegt. An den Enden 
erhob fich der Belag muldenförmig gegen die Wände 
des Gemaches, dem der Eftrich angehörte; von dem 
rothbemalten Bewürfe fanden fich noch einzelne Rede. 
Der Boden lag nur 36 Cm. unter dem heutigen Straßen- 
pflafter. Nebenan fand man das Fragment eines Ziegels 
mit dem Rundftempel der XIV. Legion, Heiz- und 
Dachziegel, nebft Fragmenten von Terrasigillata- 
Gcfäßen, darunter eines mit Jagdfcenen, ein anderes 
mit dem Refte des Stempel» . . VIVS F 

Die Arbeiten für die neue Gasleitung, welche im 
allgemeinen nicht fehr tief gehen, haben allenthalben 
in den Schuttlagen, mit welchen die alten Glacien und 
Stadtgraben ausgefüllt wurden, vereinzelt römifche 
Ziegel zutage gefördert, welchen keinerlei topogra- 
phifche Bedeutung zukommt. Anders fteht es mit 
jenen Tcrratnftellen, an welchen fchon von früher her 
die Exiftenz römifcher Bauten erwiefen ift; an folchen 
Plätzen treten die Ziegelfunde in größerer Anzahl, 
manchmal fogar maffenhaft auf, fo in der Gold- 
fchmitdgaffe am Eisgrubl hin, wo man eine Menge 
gebrochener Leiftcn- und Hohlziegel der Bedachung 
antraf; ferner in der Hohenftaufengaffe entlang, nament- 
lich vor dem Haus Nr. 4 und vor der gegenüber lie- 
genden Länderbank, zwifchen dem Telegraphenamt 
und der Börfc, in der Heßgaffe, Ecke der Hclfcrstorfer- 
ftraße, in der Schottenbafteigaffe Nr. 4. Letztere Funde 
zeigen beiläufig die Richtung, welche die Hecrcsftraße 
an der Donau von der Ueberfetzung des Tiefen 
Grabens gegen die Votivkirchc cinfehlug. 

Erwähnt fei noch, dafs man in der Schauflergafle 
Nr. 2, 6 M. tief zwei Ziegel des 15. (?) Jahrhunderts 
aushob, leider nur in Bruchftücken. Sie zeigen die 
Hälfte eines Halbmondes in feichtem Relief, das ver- 
tiefte Feld hat bei dem einen die Form eines deutfehen 
Schildes, bei dem andern Kreisform. Es ift zu ver- 
muthen, dafs fie aus der Mondfchein'fchen Ziegelei 
nächft der heutigen Gußhausftraßc herrühren, deren 
Erinnerung das Haus zum „Mondfchein" und die alte 



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- 6; - 



eben dort über die Wien erbaute r Mondfcheinbriickc" 
bis in die neuere Zeit bewahrt haben. Fr. Kenner. 

19. Confervator Laube hat an die Central-Com- 
miffion berichtet, dafs man in der Teplitzer Quellen- 
fpalte Nachforfchungcn machte, um /Ich über den 
Stand der Quelle 2u informiren, da man in dem zer- 
klüfteten Porphir allerlei fand, wie Münzen, Armbander, 
Fibeln etc., Opfer an die Quellennymphc. Man fand 
wieder genannte Confervator unterm 18. Juli 1897 
berichtete: 1 gallifche Münze, dann eine Marc Anto- 
nius 83 v. Chr. I. Triumviral 58 v. Chr., 1 Germanius, 
1 Vefpafian, t Trajan, 1 Hadrian, 1 Fauftina 141, 

1 Antonius Pius, 2 Lucius Verus, 2 Fauftina 175, 

2 Marc Aurelius, 2 Comodus, 2 Spt. Severus, 2 Eloga 
balus, 2 Publius L.Gall., 1 Antonin, 2Maximinius, Prager 
Grofchen von Johann von Luxemburg, Ludwig I. von 
Böhmen, Stadt Görlitz, cinfeitige Znaimer Pfennige, 

3 böhmifche Denare, Funde von Brandenburg, 1 Kaifer 
Franz I. und Bronze- Gcgenftände. In der Folge gelang 
es dem Confervator und einigen Freunden noch eine 
ziemliche Anzahl aus jenem Quellenfpalt herrührende 
römifche und zwei keltifche Münzen zu erlangen. 
Durch lange Zeit lag der Sand und Schlamm der ab- 
getauften Urquelle gänzlich unbeachtet, bis die Be- 
rufenen, die erft nach Verfchleppung der erden Funde 
dem Gegenftande einige Aufmerkfamkeit zuwendeten, 
retteten was noch zu retten war. 

20. Zu wiederholtcnmalcn hat fich die Central- 
Commifflon für Kunft- und hiftorifchc Denkmale 
wegen einer cntfprcchcndcn Behandlung und Confer- 
virung der Kunftdenkmale am Dornt in Gurk an die 
karntner'fche Landesregierung gewendet, worauf Ver- 
handlungen mit dem furftbifchöflichen Gurker Ordina- 
riate, bezichungsweife mit dem Convente der Benedic- 
tiner-Klofterfrauen in Gurk und dem Gurker Dom- 
capitel eingeleitet wurden. 

Diefelben fanden am 10. Juni 1896 einen befrie- 
digenden Abfchluß in Verbindung mit einem commif- 
fionellen Local-Augenfchein, um die bereits vorgenom- 
menen Arbeiten einer Controle zu unterziehen und 
über die noch vorzunehmenden Hcrftcllungen fchlüßig 
zu werden. 

Bei diefer Erhebung wurden in Erörterung ge- 
zogen: Die Orgel und deren Gebläfe am fogenannten 
Nonnenchor (weftliche Empore); die Plumenthal'fchcn 
Wandgemälde in der Apfis der Stiftskirche; die Drei- 
faltigkeits-Capelle im Dotnfliftc; die in diefer Capelle 
befindlich gewefenen und dermalen von der Klofler- 
vorflehung verwahrten gothifchen Hciligenrelicfc ; die 
Donncr'fchc Pictä-Gruppc vor dem Hoch-Altare der 
Domkirche; die Feuchtigkeitsverhaltniflc der Krypta. 

Die Central-Commiffion war bei diefer Commiffion 
vertreten durch Herrn Profeffor Vißor Lunts, kaifer- 
liehen Rath Herrn Eduard Gtri/ch und Univerfitäts- 
profeffor Herrn Dr. Wilhelm Neumann, dann durch 
den zuftändigen Confervator Herrn Matthäus Großer; 
für das Gurker Domcapitcl den Dom-Capitular Herrn 
Dr. Anton Mutler; den k. k. Oberingenieur Herrn Paul 
Gruebtr; den akademifchen Maler Herrn Anguß Veiter 
aus Klagenfurt. 

Die Herren Vertreter derk. k. Central Commiffion 
gaben nachstehende Aeußerung ab: 



Die erfolgte Wegfchaffung des Orgelgebläfes aus 
der weltlichen Empore, fogenanntem Nonnenchor, 
wurde mit Befriedigung conflatirt, weil hiedurch fo- 
wohl der Gcfammtanblick der Wandbemalung ge- 
wonnen wird, als auch durch Wiedereröffnung der 
beiderfeitigen Arcaden, was mit Leichtigkeit durchzu- 
führen ift, der urfprüngliche Beftand wieder hergeftellt 
werden kann. 

Die Malerei ift an einzelnen Stellen herabgefallen 
und zum Theilc lofe, und es feheint geboten, den fehlen- 
den Bewurf zum Schutze des noch Vorhandenen zu 
ergänzen. Es wurde befonders darauf aufmerkfam ge- 
macht dafs die vorerwähnten Arbeiten nur unter fach- 
männifchcr Leitung vorgenommen werden, außerdem 
wird befonderer Werth darauf yelegt, dafs das alte 
Ziegelpßafter in feinem jetzigen Zuitandc intacl er- 
halten und der ganze Raum auch künftig ftets zugäng- 
lich bleibe. 

Bezüglich der Plumcnthal'fchen Fresken in der 
Apfis wurde conftatirt, dafs an den fcnkrcchtcn Wan- 
den derfelben eine weitgehende Durchfeuchtung vor- 
handen ift, wodurch die Bindung des Bewurfes mit dem 
Mauerwerke vollftändig aufgehoben wurde, folge deffen 
fchon bedeutende Theile der Malereien abgefallen find, 
außerdem aus obigem Grunde eine weitgehende 
Schimmelbildung und SaJpeterausfchwitzung entftanden 
ift, fomit von einer Rcftaurirung diefes Theiles der 
Apfis zunächft nicht die Rede fein kann. 

Der Zuftand der Fresken in der Halbkuppel der 
Apfis ift ein wefentlich heilerer und find fclbe noch 
reftaurirungsfahig. 

In Bezug auf die Dreifaltigkeits-Capelle im Dom- 
ftiftc kann die Commiffion nur bedauernd zur Kenntnis 
nehmen, dafs fämmtliche alte Bemalung entfernt und 
durch neuen Verputz erfetzt wurde. 

Die vergoldeten Heiligen-Reliefs in Holz ge- 
fchnitzt, welche fich früher an der Decke befanden, 
find dermalen in einer Kifte aufbewahrt und fcheinen 
beftimmt zu fein, wieder an ihren früheren Platz in den 
Gewölbskappen rückgeftellt zu werden, was fehr 
wünfehenswerth wäre. 

Leider zeigt fich, dafs in neuefter Zeit mit frevle- 
rifcher Hand kleine Stücke Blei von der Donncr'fchcn 
Pietä abgefchnitten werden, wogegen außer genauefler 
Uebcrwachung. welche die hochwürdige Kirchcnvor- 
ftehung verfpricht, keine Abhilfe möglich ift; übrigens 
find die Bcfchädigungen bis jetzt nicht wesentlicher 
Natur. 

Obgleich im gegenwartigen Momente fich der Ein- 
fluß der Feuchtigkeit in der Krypta nicht in erheblichem 
Maße bemerklich macht, was jedoch unter ungiinftigen 
Witterungsverhältniffen doch in größerem Umfange 
fich zeigen mag, wäre zur gründlichen Sicherung fowohl 
eine Umpflafterung längs der äußeren Mauern nebft 
Rigol eine Ableitung nach entfernterem tieferen 
Terrain vorzunehmen; diefes auch ringsum längs der 
Apfidcn. fowic durch einen Canal an der Nordfeite 
unter dem Stiftsgebäude zu ermöglichen und wunfeht 
die Commiffion. dafs die Controle über die Frcihaltung 
diefes Grabens jederzeit durch die berufenen Organe 
möglich fei. 

Zu diefem Zwecke, fowie um den Anblick der 
Apfidc jedermann zugänglich zu machen, fclilug die 
Commiffion als ihren dringenden Wunfch vor, dafs der 

9* 



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jetzige ungenügend kleine abgegränzte Begräbnisplatz 
der Nonnen aufgeladen und das gefammte Terrain des 
Gartens, angefangen von der Sudecke des Nonnen- 
traftes bis cxclufive an die runde Todtencapelle aus 
dem Gebiete des Nonncnklofters abgefchloffen und zu 
obigem Zwecke freigegeben werde. 

Endlich erfcheint es nicht wünfehenswerth, an 
den Wandmalereien des Einganges zum Dome und an 
denen in der Wcft-Emporc (Nonnenchor) malcrifchc 
Rcftaurirungen vorzunehmen, fondern fie in ihrem 
gegenwärtigen Zuftandc zu bclaflcn. 

21. Confervator Dr. von Benak hat unterm 10. Au- 
guft 1897 als vorläufigen Bericht/ mitgetheilt, dafs 
beim Baue des Gerichtsgebäudes zu Wels und bei den 
Erdarbeiten für die dasfelbe umgebenden neu anzu- 
legenden Straßen feit dem Frühjahre die gleichartigen 
Maucrrcftfunde gemacht werden, wie in der vor- 
jährigen Bauperiode; man fand auch ein Mofaikbodcn- 
pflaftcr und etliche Anticaglien. Die Mauerrefte be- 
ftehen aus groben Geröllftcincn in Erdfchlitzen von 

1 M. Tiefe und von 30 bis 40 Cm. Breite eingebettet 
und mit einer Mörtellage überdeckt. Die theilweife 
erhaltenen Fußböden beftehen aus fchwachem Beton, 
die Mofaiken aus weißgraucn Würfclftcincn, fehr lofe 
gelegt, eine aus vier Reihen gebildete Bordüre, fonft 
kein Muftcr oder Zeichnung. Sonftigc Gcgcnftändc 
find zwei eiferne Huffchuhe, ein folcher Fingerring mit 
blauer, ein anderer mit rother Gemme (darauf ein 
Delphin und ein auf einem Felfen fitzender Mann mit 
Helm\ Kaifcrmünzen von Claudius I. bis Crispus, 
Schlüffel, Lanzenfpitzen, Werkzeuge. Im Juni traf man 
bei der Canalifirung des Stadtplatzcs auch auf Mauer- 
fragmente und Bruchfteinmauerwerk in der Tiefe von 

2 bis 3 M. Eine Mauer fand fich mit einem Syftcmc 
prismatifcher Heizröhren aus Thon, die. untereinander 
durch feitlich cingefchnittene OcfTnungcn in Verbin- 
dung ftanden, dabei einige Stücke farbigen Wand- 
bewurfes (roth, gelb und grün), ein Zicgclgcwölbe, 
innen gefchwärzt.alfoein Heizofen; fehr wichtig erfcheint 
der Fund von zwei Ziegeln und eines Heizofen-Frag- 
mentes mit Legionsftempeln (II. italienifche Legion), 
ein Ziegel kam am Gerichtsbauplatzc, die beiden 
anderen Stücke beim Canalbaue zutage. Die Stempel 
lauten: LEG • II. — dann LEG II A und ebenfo auf 
den Heizrohren in Spiegelfchrift dargeftellt. Die Um- 
rahmung bildet die Contour eines bloßen brcitfohligcn 
Fußes (Fig. 8 bis 10, f. Beilage). 

Ende Juni fand man am Bahnhofe bei der Erd- 
aushebung für eine neue Drehfeheibe eine große Stein- 
kiftc, darin eine Afchenurnc aus Glas mit fehönem 
Deckel, enthaltend die Knochen eines Kindes. 

22. Confervator Generalabt Adalbert Dungcl\\iX auf 
Grund einer Bcfichtigung der laut Bericht des Gemeinde- 
vorftehers in Roffatz vom 2. April I. J. in einem Wein- 
garten ausgegrabenen mcnfchlichcn Gebeine und Gc> 
fäße der Central-Commiffion mitgetheilt, dafs der Wein- 
garten, in welchem die Funde gemacht wurden, auf dem 
erhöhten Uferrand knapp an der Donau vis ä vis Dum- 
ftein liegt, ein Punkt, an welchem gern Donaulcichcn 
angefchwemmt werden. In demfelben wurden bei den 
Frühjahrsarbeiten die vollftändigen Gebeine eines 
Mcnfchcn und dabei liegende Gefälle ausgegraben, was 



zur Vermuthung berechtigt, dafs es fich hier um eine 
alte Befiedlung handelt, was jedoch nicht der Fall ift. 
Für die Beftimmung des Alters find zunächft die aus- 
gegrabenen Gefäße maßgebend. Dicfclbcn beftehen 
aus einem erhaltenen kleinen Topfe, der äußerlich noch 
die Spuren an fich trägt, dafs er am offenen Feuer ge- 
ftanden und fo zur Erwärmung von Nahrungsmitteln 
gedienthat, dannausUcbciTcftcn von drei vcrfchicdencn 
anderen Gefäßen, unter welchen fich ein kleiner Krug, 
ein fogenanntes Feucrkrüglcin zum Zwecke des Mit- 
tragens der für einen Weingartenarbeiter beftimmten 
Ration Wein, conftatiren läfst. Diefe, fowie die paar 
kleinen Thcilc von anderen Gefäßen find ganz modern 
und gehören im äußerften Falle dem vorigen Jahr- 
hundert an. Weiters wurde nicht das gcringfte ge- 
funden, was einer älteren Zeit angehören würde. Dar- 
nach wird man nicht fehlgehen mit der Annahme, 
dafs vor längerer Zeit an diefer Uferftclle eine Leiche 
von der Donau angefchwemmt wurde, welche vom 
Bcfitzer des Grundstückes, um weiteren Formalitäten 
zu entgehen, in der Stille beerdigt wurde, und bei 
welcher Gelegenheit er auch die unbrauchbar gewor- 
denen Gefäße und Rcftc, damit fie ihm bei der Arbeit 
nicht hinderlich find, zugleich in die Tiefe verfenkte. 

Hingegen bin ich in der Lage, berichtet Gcneral- 
abt Dungel weiter, über zwei Gräberfunde aus prä- 
hiftorifchcr Zeit in der Nähe von Mautcrn berichten zu 
können. Das eine Grab befand fich in einem Weingarten 
in der Gemeinde Mauternback an der Gcmcindegränze 
von Mautern gegen die Donau zu gelegen und wurde 
bei den Weingartenarbeiten im Frühjahr entdeckt. 
Rechtzeitig davon verftändigt, konnte ich felbft die 
Ausgrabung leiten. Es war ein Bcftattungsgrab, 60 Cm. 
tief, und der Beftattete lag mit dem Kopfe gegen Süden. 
An Beigaben waren vorhanden eine Urne mit hohem 
weiten Hälfe und von der weiteren äußeren Mittel- 
bauchung rafch gegen den Boden einfallend, eine kleine 
Schale mit eingezogenem Rande, eine größere und 
eine kleinere Schttffcl, ein eiferner Armring gebrochen, 
zwei Bronze-Armringe und ein Meffer mit Eberzahngriff 
und eiferner Klinge. Die Gefäße find mit freier Hand 
gearbeitet und theilweife mit Graphit überzogen. Nach 
den Fundftiickcn, die fich cinfchlicßlich des Schädels 
in meinem Befitze befinden, dürfte das Grab dem 
1. Jahrhundertc vor Chrifti Geburt angehören. 

Das zweite Grab wurde entdeckt beim Graben 
eines Kellers an der Straße von Mautern nach Mautern- 
bach. Es fand fich in einer Tiefe von 2 , / t M. in einer 
Humusfchichtc, über welche eine Schotter- und die 
gegenwärtige oberflächliche Humusfchichte gelagert ift. 
Von den Fundftückcn kamen mir nur zu: eine größere 
Urne, ein kleiner Topf und eine Schale mit eingezo- 
genem Rande, die fich gegenüber den Gefäßen aus 
dem erften Grabe als etwas älter charakterifiren. 

23. Im Februar 1897 kam der Central-Commiffion 
im offiziellen Wege die Nachricht zu, dafs man in der 
Nähe des Hotels „de Lac" in Riva bei Hcrftellung 
einer Grube das Skelet eines Menfchcn in einer 
Art Gruft fand. Dabei lagen mehrere größere und 
kleinere Thon-Taffer» und alte Münzftücke, ein Beinring, 
ein Bracclet, ein Ohrring nebft acht Nägeln. Die 40 Cm. 
tiefe Gruft war mit zwei großen Steinen überdeckt. 
Referent Regicumgsrath Dr. Much hielt diefen Fund 



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Mittheilungen der k. k. CentralCommillion, Jahrgang 1S98, S. 68, Notiz. 21. 



Wels. 




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nicht für unwichtig, daher über denfclbcn nähere Er- 
hebungen angeftrebt wurden. 

24. Confervator Dr. Stanislaus von Tomkiewies 
berichtete unterm 26. Juli 1897 aus Krakau, betreffend 
die Reftaurirung des an die im Jahre 1896 ganz herge- 
flcHtc Domfchatzkammcr anftoßenden großen Glocken- 
turmes am U'awel, der eigentlich ein mittelalterlicher 
Fortificationsthurm ift und im beginnenden 16. Jahr- 
hundert zum Aufhängen der damals neu befchafften 
Sigmunds-Glocke, fowic noch einiger kleineren Glocken 
adaptirt wurde, die zunächft mit einer Unterfuchung 
feines Unterbaues begonnen hat. Bei der erwähnten 
Verwendung zur Unterbringung der Glocken wurden 
damals an Stelle der wahrfcheinlich beftandenen 
Schicßfcharten große mit Stein eingefafste Fcnftcr 
eröffnet, ebenfo der ganz aus Bauftcin aufgeführte 
Thurm von unten an bis zum erften Stockwerke mit 
einem dicken fchrag herabreichenden Quadcrftcinmantel 
verfehen. 

Wiederholt fanden fich Vcranlaffungen, diefen 
Thurm, der mitunter arge RilTc und Begnadigungen 
zeigte, einer Reparatur zu unterziehen. Die jüngften 
Untcrfuchungen ergaben, dafs die Südwand des fehr 
ftarken Thurmcs ganzlich eines Fundamentes ent- 
behre. Diefem Mangel wurde bereits grundlich abge- 
holfen. Auch der erwähnte Quadcrmantcl erwies fich 
als undauerhaft und feine Verbindung mit dem Mauer- 
körper als lofe. Er mußte aus befferem Matcriale ganz 
neu aufgeführt werden. Bei der Prüfung des Mauer- 
werkes in den oberen Stockwerken überzeugte man 
fich, dafs die im 16. Jahrhundert zur Uebermantelung 
des Backfteinbaucs unregelmäßig und lückenhaft ange- 
wendeten Quadern fchon vorher in anderer Weife ver- 
wendet gewefen waren; denn fic waren fämmtlich auf 
ihrer Innenfeite durch fchönc Steinmetzarbeit verziert. 
Es zeigte fich. dafs fie der frühem Dccorining des 
Thurmcs, als Fenftcreinfaffungcn. Sollbanke, Stürze, 
Maßwerke und Gcfimfe angehört haben, dafs deren 
Profile mit den noch erhaltenen Kcften übereinftimmen. 
Das Bild des Thurmcs in feiner frühern Gcftaltung 
läfst fich mit Hilfe diefer Funde genau reconftruiren, 
was auch für die Rcftaurirungsarbeiten maßgebend 
wurde. 

Gleichzeitig wurde die Reftaurirung des an den 
Uhrthurm des Domes angebauten Capitel- und Biblio- 
theks-Saales fowic der daran flößenden Befcftigungs- 
maucr begonnen. Außerdem begann mau mit der Re- 
ftaurirung der an die Wcftfront der Kirche links vom 
Haupteingange angebauten fogenannten Wafowicz- 
Potocki-Capellc, ein gothifcher Quaderbau aus dem 
IJ. Jahrhundertc, der fehr fchadhaft ift 

Was nun das Inncrc der Domkirchc betrifft, fo 
wurden die im vergangenen Jahre begonnenen Arbeiten 
fortgefetzt, fo dafs der reich gegliederte Chor als bei- 
nahe beendet reflaurirt betrachtet werden kann. Sein 
urfprüngliches Ausfchen als intereffanter gothifcher Bau 
aus dem Anfange des 14. Jahrhunderts ift wieder herge- 
ftellt, mit Ausnahme der Chorfcnfter, die im 18. Jahr- 
hundert ihre Originalität und Bedeutung eingebüßt hatten 
und in der Scheidewand zwifchen dem Chor undChorum- 
gange unverändert verbleiben müßen. Der Choreingang 
wurde auch reftaurirt, wobei die ftylwidrigen, aus den 
fünfziger Jahren dicfe.s Jahrhunderts flammenden 



Fcnftcrmaßwerkc entfernt wurden. Der vor 1 5 Jahren 
gewaltfam entfernte und durch keinen neuen mehr 
erfetzte aus dem 17. Jahrhundertc flammende Hoch- 
Altar foll wieder aufgeflellt werden. 

25. (Die St. Andreas-Capelle in Neukirchen bei 
Horn.) 

Dic.c Capelle mit karnerartigem Unterbaue (Kryp- 
ta) dürfte nach dem wenigen archivalifchen Matcriale, 
welches darüber zu finden ift, erbaut oder mindeflens 
befliftet worden fein von Ritter Hanns v. Matfchach, 
welcher aus älterem fteyrifchen Adel flammte, um 1497 
landesfürftlicher Pfleger der Herrfchaft von Carlspach 
war und auch die in der Nähe von Neukirchen befind- 
liche Burg .Grub" befaß; 1508 erfcheint fein Name 
unter den Rittern beim Landtage zu Krems und gleich- 
falls 15 18 unter den Kitterftandsvcrordnetcn. Seinem 
Gcfchlcchte verdankt der heute noch beftehende Mat- 
fchackerhoj 'in Wien feinen Namen. Er war der letzte 
feines Namens, und das mag der Grund gewefen 
fein, warum er vielleicht obige Capelle erbaute und 
dabei ein Bcncficium errichtete, welches jedoch fchon 
laut Vifitations-Befund vom Jahre 1544 eingezogen 
wurde. 1 Im Jahre 1786 follte laut §. 1 der Allerhochften 
Hof-Refolution vom 31. Oftober 1786 diefe Capelle ab- 
gebrochen und das Stein- und Holzmaterial licitando 
veräußert werden. Nur der Gcgcnvorftcllung des da- 
maligen Pfarrers Jacob Schießwald ift es bei dem Um- 
ftandc, als anbefohlen wurde, dafs bei jedem Fried- 
hofe eine Leichen-Capelle beftehen folle, zu verdanken, 
dafs die Allcrhochftc Entfchlicßung vom 17. April 1788 
das Todes-Urtheil vom 31. Oktober 1786 aufhob und 
beflimmte: „Sothanc Andreas-Capelle möge zur Auf- 
bewahrung der todten Körper vor ihrem Begrhbnißc 
und zur Unterbringung der kirchlichen Paramente 
verwendet werden." 

Die bei der Capelle befindlichen Grundftückc 
wurden doch gleich veräußert und der Ertrag fammt den 
Capitalien im Betrage von 6354 fl. 53 kr. an den nieder- 
öfterreichifchen Religionsfond abgeführt, während ein 
Betrag per 1500 fl. auf den Namen der Pfarrkirche in 
fundo publico angelegt wurde. Seit 1731 war die 
Andreas-Capelle das Andachtslocalc der Zwölf-Apoftel- 
bruderfchaft, errichtet vom Pfarrer Ferdinand Schaucrs- 
perger, welcher die Capelle innen reftauriren und 
mit Freskenbildern der zwölf Apoftel mit Chriflus 
und diverfen mit Sprüchen aus der heil. Schrift ver- 
fchenen Bändern fehmücken ließ. 

Was den Bau der Capelle betrifft, ift diefelbe ein 
oftogoner Steinbau mit Quadern an den Kanten.wclchcr 
über eine jetzt unzugängliche Krypta aufgeführt und 
an deffen Oftfeite eine Aplis als Altarraum angebaut 
ift. Die Bauformen: nämlich die im flachen Sturze 
gehaltene Thüre, zu welcher man auf Stcinftufcn 
emporkommt, die fchwachen Rippen des Capellcn- 
gcwölbes mit fchwächlichcn Confolcn und dem Schluß- 
fteine (mit einem Rade als Ornament), fowie die eben- 
fo geftalteten Rippen der Altarnifchc weifen auf das 
Ende der Gothik. während das kuppelformige Schindel- 
dach mit der mit Blech befchtagenen hübfehen Laterne 

1 Man« v M*rfi:H»i:h Harb ra Grub und wurde tn S'euVlrJieti itn der 
(Jiutt der C*pc|]c') Wprabrn Sein GrabAeij, beilade! Geb jeui in der Wand 
de* r'ttTdtiorc« lAbh'ld in den ..Studien aber rite Horr;rrK«B«n<l- 11 Urft. 
i« s ,,ai (.sn Verfjfler diefer NutuJ... 



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- 7 o - 



bereits der ReriahTance angehören, ein in der Horner- 
gegend wegen diefcs Gcmifches der beiden Bauformen 
feltener und interelTanter Bau, deflen Kxiftenz aber ge- 
fährdet wurde durch einen heftigen Sturm im Frühjahre 
1897, indem durch denfelbcu ein großer Thcil des 
Kuppeldaches befchädigt und eine Seite desfelben total 
herabgeworfen wurde. Da fich keine der mehr oder 
minder intereffirten Parteien, wie: Kirchenvorftehung, 
Gemeinde-Patron, Religionsfond herbeilafst, die Korten 
der Bedachung und Rcftaurirung der auch an der 
Altarnifche befchadigten Capelle zu übernehmen, 
fah fich die am 15. Juli 1887 nach Neukirchen von 
der k. k. Bezirkshauptmannfchaft einberufene Com- 
miffion gezwungen, obwohl der Vertreter der k. k. Cen- 
tral -Commiffion für Kunfl- und hiftorifchc Denkmale 
erklärte: es fei wünfehenswerth, dafs diefes Denkmal, 
wenn auch von keinem befondern Kunfhvcrthc, 
doch als originelles Wahrzeichen und als typifcher 
Bau der Hornergegend erhalten bliebe, die fofortige 
Abtragung des Daches wegen Gefahr im Verzuge zu 
beantragen und den weitern Antrag zu ftcllen, dafs 




Kig. II. (Neulcirchcn.) Fig. 12. .IMlach} 



nach Einholung der Gutachtcns-Gcnchmigung der 
k. k. Statthalterei auch der Steinbau der Capelle zu 
demoliren fei. weil niemand den Fortbcftand der Ca- 
pelle als nothwendig und zweckdienlich erachte. Somit 
verfchwindet abermals ein älteres Denkmal aus der 
Hornergegend, um nur mehr in vorliegender Abbildung 
(Fig. 11) fortzuleben, obfehon für dclTcn Bcftand durch 
eine Stiftung eigentlich vorgeforgt war. Allein diefe 
wurde eingezogen und 1 500 fl. erhielt die Pfarrkirche, 
ohne dafs davon für die Capelle etwas geopfert worden 
wäre. 1 Endl, Confervator. 

26. Die „Hütten Capelle* zu Pflach ift feitlich vom 
fudlichen Knde diefcs Dorfes unweit der von Rcutte 
nach Füßen führenden Landftraßc auf einer von grünen 
Matten und Fichtenbeftändcn umgebenen Terrain- 
erhohung am Fuße des Säuling und an der Kinmündung 
des Archbaches in den Lech fituirt. Nahe der Capelle 
befindet fich die fogenannte Hüttenmühle für die che 
mals hier beftandenen Schmelzwerke. Die Inwohner 

• U„4twn Reformauu» und GcfnrtfcrnunU«. II juti. Steh* .G« 
Cthiilile vor. Nei.kitchen-. HU,,«, j. Vnnnn I l..pde»k-... de. t«v,V 



des der Mühle zugehörigen Wohnhaufes, die Ge- 
fchwiftcr Schcnnich, find die gegenwartigen Bcfitzcr 
diefer Capelle, welche im Jahre 1790 an den damaligen 
Hüttenmüllcr Jofcph Anton Schennich verkauft wurde. 

Die Capelle, von welcher beiftehende Skizzen den 
Grundrifs (Fig. 12 u. 13) und die Fa^aden ihres gegen- 
wärtigen Beftandes zeigen, wurde im Jahre 151$ von 
den Brüdern Hochftatter aus Augsburg als Dank- 
gelübde für den reichen Bergfegen des nahen Säuling 
erbaut und zu den Heil. Ulrich und Afra (den Schutz- 
heiligen der Stadt, aus welcher die Stifter flammten) 
geweiht. 1 

Um 1 588 hat Erzherzog Ferdinand II. von Tyrol 
für die St. Ulrichs-Capelle oder Capelle am Steinberg, 
wie fie früher genannt wurde, eine WochenmefTe ge- 
ftiftet und fpätcr Erzherzog Maximilian der Dcutfch- 
meifter dem Pfarrer von Breitenwang hiefür Beträge 
aus den Erenbcrger Urbarsgcfallen angewiefen." Anno 
161 8, nach dem Tode des Erzherzogs, wurde der 
Pfarrer von Breitenwang von der Regierung beauftragt, 
jahrlich für den verdorbenen Erzherzog einen feier- 
lichen Jahrtag in diefer Capelle zu halten. 

Nach einer Urkunde im Markt-Archive zu Reuttc 
hat Burkard Leymann von und zu Liebenau, Ernhcim 
und Stainenberg, l'fleger und Hauptmann der Feftung 
und Hcrrfchaft Ercnbcrg. welcher anno 161 8 ftarb, 
diefe Capelle renoviren laffen, nachdem er durch Kauf 
Bcfitzer des Hüttenwerkes am Starnberg geworden 
war. Zu diefer Renovirung hat die Gemeinde Pflach 
100 IL beigetragen. 

Als um 1790 die. St.-Ulrichs-Capelle in den Belitz 
der Familie Schcnnich gelangte, wurden fowohl die 
WochenmelTe als auch der Maximilianifche Jahrtag an 
die Pfarre von Breitenwang übertragen.* Im Jahre 1801 
wurde die Capelle wieder geweiht, nachdem leider kurz 
vorher das Schiff dcrfclbcn ab Pulvermagazin für 
Zwecke des Bergwerkes verwendet wurde, wobei der 
Frohnbogen vermauert wurde und das Prcsbytcrium 
allein als Capelle diente. 

Um 1820 ließ der Eigcnthümcr Anton Schennich 
aus unaufgeklärten Gründen das Capellenfchifl in feinem 
gegenwärtigen ftylwidrigcn Zuftand herftellen, wobei 
die Langfeiten um 4 M. verkürzt und der Eingang feit- 
lich angebracht wurde. 

In diefer Zeit gelangte die landesfürfllichc Meflc- 
ftiftung wieder an diefe Capelle und verblieb dafelbft 
bis zum Jahre 1855, von welcher Zeit an bis zum heu- 
tigen Tage fie neuerlich an die Pfarrkirche in Breiten- 
wang übertragen wurde. 

Die St. Ulrichs-Hütten Capelle zu Pflach ift nach 
Südoften orientiert. Das Presbyterium und der Thurm 
find bisher in ihrer urfprünglichen Bauform erhalten 
geblieben. Erftcres ift 8 M. lang und 4-8 M. breit, von 
fehönem Hohcnverhältnis, befitzt drei durch je ein 
Stabwerk getheüte Spitzbogenfenfter mit einfachen 
vcrfchicdcnartig gcftaltcten Maßwerken und Gewölbe- 
rippen, welche (ich von achteckfeitigen Wand-Confolcn 

> /W.« .<V«W, „Da. (.and Tyrol-. pa, »1». 

NB l>i« -W.b, de, El.raUlh Sheanteb, da'. K.if.r Mai I, die*. 
r..-.it..haut tj.ftiftri hatte beruht »ffeitb.r »uf cner Ver«eck.luo|r mit der 
M-lT.fliftuos «bleib« .lur.h F...h„r„» Masimdian de. U«ut.th»eiller. 

■ An der Pfarrkirche »ti Br.il«».. ni l..fi.de. fich ««ei tt> .euerer Zeit 
erriet«, Gedenktafeln. »<,«» ein. diefer MeiT.ll.flur.» er.»hm. liie •»ei« 
Ged.nV.utV. ift iur Erinnerans an Kalter Lothar IL .nr.ebr.chl. .eUher «ul 
der lleinreife von Halten, nachdem er fcho« in Tri.nl feh.er .rW..ku »ar, 
am , IlttmUf 11,7 ir, einem IlauetDhaure de» Porte« Breit.n.ang ftarb 

• 7,„*W,r. V. ,.a 8 „y 



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— 7' - 



entwickeln. Die beiden Schlußfleine des Netzgewölbes 
find ohne plaftifchc Zier, feheinen jedoch ehemals be- 
malt gewefen zu fein. An den Wänden finden fich noch 
Spuren einer alten Fresco-Bcmatung in Roth, deren 
Zeichnung indes nicht mehr erkenntlich ift. 

Das Erdgefchoß des Thurmes, der an der Nord- 
oftfeite des Presbyteriums angelegt von letzterem aus 
zugänglich ift, hat quadratische Grundform mit einer 
Seitenlange von 3' 52 M. des Innenraumes, welcher als 
Sacriftci dient und mit einem Kreuzgewölbe überfpannt 
ift. Die Thurmtreppe ift in eine Scitcnwand vertieft. 
Uebcr dem Dachfaumc der Capelle entwickelt fich der 




Fig. 13. iPflach.) 

quadratifch angelegte Thurmkörper in die Achtecks- 
form und in der Hohe des Glockenhaufcs in einen quer 
darüber gefetzten achteckigen Mauerkörper mit kleinen 
Spitzbogcnfcnftem, welcher den achtfeitigen gleich der 
Capelle mit Schindeln eingedeckten hohen Spitzhelm 
mit Knauf und Windfahne trägt. 

An einer Außenwand des Thurmes findet fich die 
Jahrzahl 1515. 

Das gegenwärtig gleichfalls quadratifch angelegte 
CapellenfchifT ift über den Grundmauern des alten 
Schiffes errichtet, hat im Innern eine Seitenlänge von 



7 30 M. und ift mit einer flachen gegen die Wände hin 
hohlkehlenfürmig verlaufenden, nach innen verputzten 
Holzdccke verfehen. 

Das Schiff befitzt nur ein Fenfter, welches rund- 
bogig abgcfchloflcn ift und eine feitlich angebrachte 
Kingangsthüre mit geradem Sturz. 

Der Fußboden der ganzen Capelle ift mit Mauer- 
ziegeln gepflaftert und im guten Zuftande. 

An der Außenfeite find über den Spitzbogen 
zweier Chorfenfter Sonnenuhren in Gelb und Roth mit 
Maskenköpfen gemalt. Diefc Malerei fcheint anläfslich 
der um 1600 vorgenommenen Renovirung diefer 
Capelle entftanden zu fein und ift gut erhalten. 

Der Hauptaltar an der fcnfterlofen Rück- 
wand des Presbyteriums flammt in feiner 
dermaligen Geftalt aas dem Jahre 1820 und ift 
von dem damals zu Reutte anwefenden Prä- 
laten Acmilian Hafner, einem Verwandten des 
Befitzers der Capelle geftiftet worden. Er ift 
klein, aus dunkelbraunem Marmor in barocken 
Formen ausgeführt und ohne Kunftwerth. Da- 
gegen ift noch über der Altarnifche an der 
Rückwand ein werthvoller Thcil des alten, 
offenbar aus der Zeit der Erbauung diefer 
Capelle flammenden Flügelaltärchens aufge- 
hängt, welches wie die noch erhaltenen bild- 
lichen Darftellungen an demfelben erkennen 
laffcn, vordem den Hauptaltar bildete. 

Das Mittelbild (wie die Bilder an den 
beiden Flügeln) ift im Style deutfeher Früh- 
Rcnaiffance gemalt und ftellt die hlst. Drei- 
faltigkeit vor. Gott Vater mit vergoldetem 
Mantel auf dem Throne fitzend, hält mit 
beiden Händen den gekreuzigten Sohn und 
der heil. Geht in Taubengeftalt ruht mit aus- 
gebreiteten Flügeln auf dem rechten Kreuzes- 
arme. Auf dem an der Evangelienfeite befind- 
lichen Altarflügel ift St. Ulrich mit dem 
Hirtcnftabc in der Linken und Fifchen in der 
Rechten dargeftellt. Der zweite Flügel enthält 
das Bildnis der heil. Afra, welche mit den 
Händen an einen dürren Baum gebunden ift 
und auf einem brennenden Scheiterhaufen 
fleht. 

Die Ncbcnaltäre, welche im Capellen- 
Schiffe zu beiden Seiten des Frohnbogens auf- 
geftcllt find, (lammen aus der zweiten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts und find fo wohl hinfichtlich 
ihres einfachen aus Holz hcngcftellten archi- 
tektonifchen Aufbaues im Style deutfeher Re- 

1 naiffance als auch bezüglich ihres werthvollen 

Bildcrfchmuckes vollkommen intact geblieben. 
Die Gemälde zeigen an einzelnen Stellen fpätere 
Uebermalung und find mit Oclfarbe auf 1 iolz ausgeführt. 
DasMittclbilddcslinkcnScitcnaltares ftellt die Himmels- 
königin mit dem Jefukinde auf dem Schöße und das 
Sccptcr in der Hand auf Wolken thronend dar. Das 
Jefukind hält die rechte Hand fegnend ausgeftreckt und 
in der Linken die Weltkugel. In kleineren Figuren von 
fehr fchöner Zeichnung ift unter dem Mittelbilde an 
der Predella die Grablegung und in einem Felde der 
Altarbckrönung die Auferflehung Chrifti gemalt. Der 
rechtsfeitige Altar, welcher in Form und Größe mit 
dem zur Linken übercinftimmt, enthält im Mittelfelde 



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- 72 — 



das Bildnis des heil. Rochus, wetchem ein Enge! die 
Wunde am Oberfchcnkel heilt und des heil. Sebaftian. 
An der Predella ift hier ein Kcce homo mit Maria und 
Johannes dargeftellt. Joh. Dtininger. 

2" Bei dem Münzfundc, der fich zu SUtoivits in 
Mahren am i. Juli 1897 ergab, konnte man acht Stück 
6ogcr Kippermünzen Kaifcr Ferdinand I., ein Stuck 
lolcher 4»9ger und ein Stück 12er, ein Stuck '/» bayeri- 
fchc Maximilian Kippcrthaler ohne Jahreszahl, vier 
Stück Schillingftucke von Matthias II. ohne Jahr, zwölf 
Stück Präger Grofchcn etc., zufammen 96 Stück, fchr 
abgenützt, weder von numismatifchem noch hiftorifchem 
Werth und von geringhaltigem Silber conftatiren. 

28. Bartholomäus Pelnik aus Rudolphswerth hat 
unterm i.Auguft 1897 der Central-Commiflfion einen 
größeren Fundbericht vorgelegt, aus dem fich ergibt, 
dafs man dcmfclbcn bei feinem nicht in Abrede zu 
bellenden Eifer und bei feinem noch zweifelloferem 
Glücke die Auffindung einer neuen reichen prahiftori- 
fehen Fundflätte zu danken hat. Er ermittelte ein neues 
Grabhügclfcld bei Dobraiva und deckte fclbcs auf. In 
einzelnen kleineren Hügeln fanden fich beflattetc 
Leichen, deren Skelette allerdings zumeift vergangen 
waren, mit den der Hallftädter Periode zukömmlichen 
Beigaben. Sehr reich ausgeftattet war ein 20 M. langer, 
10 M. breiter und 3 M. hoher Hügel, der außer anderen 
Grabern auch eines einfehloß, das als Fürftengrab be- 
zeichnet werden darf, denn es enthielt ungewöhnlich 
zahlreiche und anfehnliche Beigaben, darunter zwei 
große Thongefäße, einen Bronzeblech-Gürtel, ein McfTer, 
eine Kifcnfpitzc, ein einem Spinnwirtel ahnliches Bronze- 
flück und einen Bronze-Helm mit einem zweifachen 
Kamme. Die Leiche war ausgeftreckt am Boden auf 
den Rücken gelegt, die Beigaben vcrtheilten fich zu 
beiden Seiten, der I leim ftand über den Füßen. Von 
großer Bedeutung ift, dafs eine Viertelftunde von der 
Grabcrftatte entfernt eine vorgcfchichtlichc Anfiedlung 
fich befindet, die durch deutlich erhaltene Zufahrten 
I linweife auf Eifcn-Induftric u. f. w. zeigt und wahr- 
fcheinlich mit der Grabftätte in Zufammcnhang zu 
bringen ift. 

29, (Kreuzßeine.) 

An der Windifchkamnitz-Rofendorfcr Straße, im 
Walde, ungefähr 300 Schritte vom Ncuohlifcher Kuß- 
fteige in der Richtung nach Windifchkamnitz (Nord- 
böhmen) fteht ein alter Krcuzftein. Das Kreuz, aus 
grobem Sandftein roh gehauen, hat eine Höhe von 
130 Cm., eine Breite von 58 und eine Dicke von 19 bis 
21 Cm.; der Kreuzesftamm ift unten 60, oben 40 Cm., 
der Krcuzbalkcn 36. Cm. breit. Am Kreuzesftamm ift 
ein Schwert (oder Säbel, daher der Name Säbelkrcuz), 
ferner die Zahl 1792 eingemeißelt, an den beiden 
Kreuzesarmen je ein kleines Kreuz. Schwert und Jahres- 
zahl find jedenfalls fpätcr eingemeißelt; der Form und 
der Bearbeitung nach ift das Kreuz unbedingt älter. 

Der Volksmund erzählt fich. dafs an dem Orte 
zwei Brüder eitlen Handelsmann wegen eines ganz 
geringen Betrages crfchlagen haben und knüpft daran 
eine Sage, die mit Schiller"* Kraniche des Ibieus große 
Aehnlichkeit hat: Die Mörder wurden von den Krähen, 
den Zeugen des Mordes, verrathen. 



An der Straße in Graupen liegt ein Kreuz aus 
grobkörnigem Sandftein, 92 Cm. hoch, 52 Cm. breit 
und 19 Cm. dick, oben ift der Kreuzesftamm 19. unten 
30 Cm. breit, ein Schwert ift eingemeißelt; ein zweites 
Kreuz fteht an einer Böfchungsmauer an der Straße, 
knapp ober der Stadt gegen Ober Graupen ohne In- 
fchrift und Zeichen und ein drittes, 5 M. davon entfernt, 
aus Sandftein, ähnliche Maße wie die früheren und 
darauf ein Schwert eingekragt. Die Tradition erzählt 
von an diefen Stellen gefallenen Schweden. 

An einem Waldwege am Quaderberg, unmittelbar 
beim Losdorfcr Steinbruche, nächft Tetfchen, fteht 
ein Kreuz aus Sandftein. Selbes ftand bis 1892 im 
Steinbruche felbft. Das Kreuz ift 92 Cm. hoch, 5 1 Cm. 
breit, 17 Cm. dick. Infchrift: t Anno 1701 1 den 18. No- 
vemb. | ift allhicro an dem Orte | des gcligen Todes 
geftorben | der edel Vefte Herr Frantz Langecker | gc- 
wefenener Hochgräflich Thunfcher | Forft Meifter in 
Tetfchen. | Gott wolle alfo | Seiner Sälen [ gnädig fein. 
Amen. | All die | Vorübergehet | feidt cingedenks | mit 
dem gebeth. | Renovirt 1892. 

Der Forftmeifter Langecker Coli dort meuchlings 
erfchoflen worden fein. 

An der Kaiferftraße, die von Losdorf nach Günters- 
dorf fuhrt (der Laufitzer Steig), in der Nähe des 
„Guntersdorfer Kreuzes", fteht im Straßengraben, bis 
an den Querbalken eingefunken, ein Saiidfteinkreuz. 
Höhe ober der Erde 50 Cm. (25 Cm. befinden fich 
unter der Erde), Breite 60 Cm., Dicke 20 Cm. Die In- 
fchrift, foweit lesbar lautet : 

ANNO 
1618 

Den 1. April IST ALLHIER 

G/ELEN TODES GESTORBEN DER. . . 



Das Kreuz foll gefetzt worden fein, weil „dort jemand 
geftorben ift". Ein Fuhrmann, nach Erzählung eines 
andern ein Bettler foll dort erfroren fein. 

An einem Waldrandc, nächft der Schönen Welt, 
einem einfehichtig gelegenen Einkehrhaufe bei Rofcn- 
dorf, befindet fich ein zur Seite geneigtes Sand- 
fteinkreuz, Höhe 70 Cm., Breite 44 Cm., Dicke 24 Cm. 
Der Kreuzarm ift 1 3 Cm. breit. Von der Infchrift ift nur 
der Anfang zu lefen: Anno 1737. . . 



Die Leute erzählen, es fei ein alter Gränzftcin. 

An der Umfriedungsmauer der Cyrills Capelle in 
Prerau eingelalTcn, befindet fich, wie Her Karl Lehner 
dafelbft berichtet, eine ftark verwitterte Steinplatte, 
die 1885 in der Nähe der Kirche ausgegraben und 
hierher verfetzt wurde. Sie ift quadratifch, 134 Cm. 
hoch, 42 Cm. breit und zeigt darauf eingehauen ein 
Schwert und eine lange Spitze, In der Nähe liegt ein 
zweiter Stein (135 Cm. hoch. 38 Cm. breit), darauf 
in Hautrclicf ein Becher, darunter ein Schwert und 
unter der Parirftange vertheilt zwei Kreuze.' 

30. (Aus dem Staatsvorait/chlage von 1898.) 
Sehr wichtige Pofitioncn enthält der Voranfchlag 
des Minifteriums für Cultus und Unterricht für das 

' Iii* mtiften d!tf« Njchrkliten find der Ccntul'ComnifflVm dur.h 
H«rrn llanruk .Utrrl mitkommen. 



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- 73 - 



Jahr 1898, betreffend die Ausgaben für Erhaltung 
und Herflellung von Kunft- und hiftorifchen Denkmalen. 

Zunächft das Inftitut der k. k. Central-Com- 
miffion felbft betreffend, beziffert fich das Gcfammt- 
erfordernis mit 25.270 fl-, das ift eine Steigerung von 
2105 fl.; auf Conto derfelben erfcheint auch die Bei- 
ftcllung einer coneeptiven Hilfskraft. 

Für Confervirungen und Reftaurirungcn werden, 
und zwar mit der Verwendungsdauer bis Ende De- 
cember 1899 beanfprucht: ohne fpecielle Zuwcifung 
12.000 fl., dann als befondere Crcditc theils im Ordi- 
narium, theils als Extra-Ordinarium 243.952 fl. Dicfcr 



Hetrag vcrthcilt fich: 

Als Subvention an den Wiener Dom- 
bau Verein 5.000 fl. 

Für die Reftaurirung der Glasgemälde 
in drei Fcnftern des Prcsbytcriums der St. 
Stephans-Kirche zu Wien (1. Rate) 1.500 „ 

Für die Reftaurirung der gothifchen 
Pfarrkirche in Deutfch-Altenburg in Nieder- 
Oefterreich [4. Rate)' 3.300 P 

Für die Reftaurirung der St. Lorenz- 
Kirche zu Lorch (Ober-Oeftcrreich) ( 1 . Rate) 1 .000 » 

Zur Reftaurirung der Franciscaner- 
kirche in Salzburg (1. Rate) 15.000 r 

Zur Reftaurirung der Fa;ade des 
Domes in Salzburg (3. Rate) 20.000 „ 

Zur Reftaurirung der Maria-Inviolata 
kirche in Riva, Tirol (i. Rate) 2.300 . 

Zur Reftaurirung der Pfarrkirche in 
Vclthurns, Tyrol 1.200 „ 

Zur Reftaurirung der Pfarrkirche zu 
Neuberg in Steyermark (2. Rate) 3 000 „ 

Zur Reftaurirung der St. Oswald-Kirche 
in Eifenetz, Steyermark 1.500 „ 

Zur Reftaurirung der Bafilica in Scckau, 
Steyermark (3. Rate) 2.000 „ 

Zur Reftaurirung des Kreuzganges im 
ehemaligen Stiftsgebäude zu Millftatt, 
Kärnten 1.400 r 

Zur Reftaurirung der Propftei-Kirche zu 
Friefach, Kärnten (2. Rate) 2.000 ,. 

Zur Reftaurirung der Kirche in Dvor in 
Krain {1. Rate) 3.000 „ 

Zur Vornahme der Reftaurirung der 
Mofaiken an der Haupt-Facade des Domes zu 
Parcnzo im Küftcnlandc 1.500 „ 

Zur Reftaurirung des Rectoren-Palaftes 
in Ragufa, Dalmatien (2. Ratcl 10000 „ 

Zur Reftaurirung des Glockenturmes 
in Spalato, Dalmatien (13. Rate) 30.000 „ 

Zur Reftaurirung der Facade des Rath- 
haufes in Prachatic 1.000 , 

Zur Reftaurirung der Pfarrkirche in 
Kunetic, Böhmen {1. Rate) 2 000 „ 

Für Vorarbeiten behufs der Reftau- 
rirung der St. GcorgsKirchc am Hradfchin 
zu Prag (2. Rate) 4.000 „ 

Zur Vollendung der Reftaurirung der 
Pfarrkirche zu den heil. Schutzengeln in 
Wien 3.000 , 



Furtrag. . 1 13.700 fl. 

• Leidef «urd« für Jic KortreKuug der Reftiimrunc; der Fr«ilc*n 
(fnuUt de» Jerui[e»kircKe m W«o nitKu in AluCiKi (tjiummen 

XXIV. X. I-, 



Uebertrag. . 1 13.700 fl. 



Zur Vollendung der Reftaurirung der 

Pfarrkirche zur heil. Dreifaltigkeit in Wien 3.000 „ 

Zur Reftaurirung der Dccanal-Kirche in 

Täbor (3. Rate) 1500 „ 

Zur Reftaurirung der Decanal-Kirehe in 

Eger (5. Rate) 5.000 „ 

Zur Reftaurirung der Pfarrkirche zu 

Scdlec, Böhmen 6.000 p 

Zum Ausbaue des Prager Domes' .... 20.000 „ 

Zur Reftaurirung der Kloftcrkirchc in 

Lezajsk. Galizicn (2. Rate) 5 000» 

Zur Reftaurirung der Domkirche am 

Wawcl in Krakau 20.000 „ 

Zur Reftaurirung der Pfarrkirche in 

Biccz, Galizien 3. OOO r 

Zur Reftaurirung des Kreuzganges im 

Dominicaner-Klofter zu Krakau 1.000 „ 

Zur Confcrvirungdes Mofaikfußbodens 

im Bereiche des Domes zu Parenzo (2. Rate) 600 „ 



178.800 fl. 

Außerdem erfcheinen fur Reftaurirungszweckc 



noch zur Verwendung beabfichtigt: 

Für die Reftaurirung der Maria-Stiegen- 
Kirche in Wien (11. Rate) 6.000 fl. 

Für den Wiederaufbau der Thürme an 
der Frauenkirche in Wiener • Neuftadt 
{9. Rate) 12.000 „ 

Für die Reftaurirung der Infchriften auf 
den Gruftplatten im Dome zu Salzburg 200 „ 

Für Bauherftellungen an der Studien- 
Kirche in Salzburg 300 „ 

Für weitere Rcftaurirungsarbcitcn am 
Dache des Domes zu Trient {3. Rate) IO.OOO „ 

Für Hciftcllungcn an der Pfarrkirche 
zu Kapfenberg in Steyermark 492 „ 

Zur Rcconftru&ion der Pfarrkirche zu 
Moräutfch in Krain .... 1.520 „ 

Für Reftaurirung der Domkirche zu 
Cattaro 4 000 , 

Für Reftaurirung an der Pfarrkirche zu 
Tremles in Böhmen 1 1.200 „ 

Für Reftaurirung an der St. Johannes- 
Kirche in Neuhaus 3-07° r 

Für Reftaurirung an der Kirche in 
Schoßl 1000 „ 

Für ReftaurirungderSt. Barbara-Kirche 
in Kuttenberg 6.870 „ 

Für Reftaurirung der Kirche zu Tocho- 
witz 1,2. Rate) 4.600 r 

Fur Reftaurirung der Ignatius-Kirche in 
Jicin (2. Rate) 3-3<x> „ 

65.152 fl. 



281.222 fl. 

Es ift äußerft erfreulich, conftatircn zu können, 
wie lebhaft fich die Unterrichts- Verwaltung um die 
Erhaltung mittelalterlicher Denkmale annimmt, und 
zwar in bedeutend fteigenden Ziffern namhafte Be- 
träge diefem Zwecke zuzuführen beftrebt ift, was mit 
befonderem Danke hervorzuheben ift. Ks ift faft kein 
Kronlaml, für deffen mittelalterliche Denkmale nicht 

• Bither .oMn Cur Z.t.k 4*0 fl. Si.jI» <*,r>v»r.'iori W»ill. t 1 



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- 74 - 



ein, wenn auch mäßiger Betrag gewidmet wurde. 
Freilich findet (ich noch fo manches Baudenkmal, 
deflfen Exiftciiz einer baldigen kräftigen Unterftützung 
bedürfen würde, wie zum Bcifpicl die Bartholomäus- 
Kirche in Kolin und andere; allein bei den dermalen 
noch immer beschränkten Mitteln muß wohl die nächfte 
Hilfe den am meiden bedürftigen gewährt werden. 

Außer diefen Ziffern find noch größere Ziffern für 
das neue öfterreichifche archäologifche Inftitut fammt 
den demfelbcn untcrftelltcn Mufeen, dann für Erwer- 
bung einer bedeutenden Privatfammlung von Münzen 
zu Gunftcn des Mufcums in Spalato, für Bauhcrftcl- 
lungen am archäologifchen Mufeum in Aquileja und 
für fonftige archäologifche Auslagen, zum Beifpicl 
Grabungen etc. verzeichnet. L. 

31. Correfpondent Dr. B. Matejka hat an die 
Central-Commiffion berichtet, dafs in der von ihm be- 
fuchten Pfarrkirche zu Rohosna fich von der alten aus 
dem 14. Jahrhundert dämmenden Kirche nur mehr 
ganz geringe Refte von Wandmalereien in der Laibung 
eines früh-gothifchen Fenflers im Chorfchluße erhalten 
haben. Es find blos zwei Heiligcngeftaltcn in Lebens- 
größe, die Köpfe find bereits verbleicht. Die eine 
Geftalt ift durch das Rad als die heil. Katharina charak 
teriftrt, während die andere einen nicht näher zu be- 
rtimmenden heil. Bifchof vorftcllt. Dicfc Fragmente 
werden als Erinnerung an die ehemalige reiche Wand- 
malerei erhalten bleiben. 

32. (Die St. Magdalenen Kirche in Fresslits.) 

Diefcs kirchliche Bauwerk erregt durch ihr alt- 
ehrwürdiges Aeußcre, den ftylvollen gothifchen Chor- 
fchluß mit den mit edlem Maßwerk gefchmückten fpitz- 
bogigen Fenftcm und dem eigentümlich geftalteten 
Thurmhelm das Interefle eines jeden Kunftfreundes. 

Der Römerftcin an der Kirchenmauer, einer der 
fpäteften des Landes, circa 340, erinnert wohl an die 
Bedeutung diefc* Platzes in römifchcr Zeit, wo etwa 
auf der Ruinenftelle Labek der Eingang in das Gört- 
fchitz-Thal feine Befeftigung haben mochte. Die Kirche, 
im weiten Umkreife die ältefte, ift einfehifiig. Das 
Schiff hat ein fpkt-gothifches Gratengewölbc auf Wand- 
vorlagen; der Chor ein reicheres Rippengewölbe. 
Wahrend Wände und Gewölbfelder weißlich erfcheinen. 
heben fich Confolcn, Rippen und Fenflergewände in 
einem naturgelben Tone ab und find mit braunrothen 
Thcilungsftrichen, die wieder von feineren weißen 
Linien begleitet werden, gefugt, wahrfcheinlich die ur- 
fprünglich Au.szicning, 

Leider ift das Bauwerk, das fchon feit längerer 
Zeit nicht mehr zum Gottcsdicnft verwendet wird, dem 
Verfalle fehr nahegerückt und bedarf, wie Confervator 
Dechant Matthäus Großer berichtet, dringend baldiger 
Hüfe. Bcfonders fchadhaft ift die Bedachung der Kirche 
und des Thurmes, die Wände find ftcllcnweifc ge 
borften, die Strebepfeiler abgebröckelt, kein Pflaller, 
keine Kirchengerathe. 



An Einrichtungsftückcn ift noch vorhanden der 
Rcft eines Flügelaltars wohl fpätefter Zeit. Im halb- 
kreisförmig gefchloflcncn Mittelfelde ift gemalt die Ent- 
hauptung des heil. Johannes und wie Magdalena dem 
Herrn die Füße wäfcht. Auf den Flügeln ficht man den 
Engel Gabriel und Maria. Rückwärts find blumige 
Arabesken gut ausgeführt. Das garn-.e athmet fchon die 
Luft Italiens. Ein Thürband trägt die Zahl 1 598 und 
die Buchftaben: Z. F. S. Links beim Altar fchaut ein 
großes Wappen unter der Tünche hervor. Ein Lein- 
wandbild zeigt Chriftus am Kreuze, darunter den heil. 
Marcus und die Zahl 1602. Auch kommen etliche Stcin- 
metzzeichen am Bauwerke vor: V V, 

Das Kirchtein verdient Be- -\\ -\J achtungund 
ift einer fehonenden und confervirenden Reftaurirung 
würdig, die nach der heutigen Sachlage auch erhofft 
werden darf. 

33 Confervator ProfelTor Hann hat der Central- 
Commiffion unterm 12. Oktober 1897 mitgetheilt, dafs 
man in der ehemaligen Klofter- und jetzt Pfarrkirche 
zu Viktring an verfchiedenen Stellen auf Wandmalerei- 
Refte fließ. In dem links vom Chorquadrate befindlichen 
mit Sterngewölben bedeckten oblongen Räume, der 
im 15. Jahrhundert durch die Zufammenlegung zweier 
ältefter Capellen in einen Raum mittelft Entfernung der 
Zwifchcnmaucr entftand, entdeckte man unter der 
Tünehefchichte Köpfe mit Nimbcn in zierlicher Aus- 
fuhrung, dann die Figurengruppe der vierzehn Noth- 
helfer und ein Marienhaupt, daneben eine Gruppe 
Madonna mit dem Kinde und eine kleine Geftalt (St. Jo- 
hannes?). Leider ift der Malgrund fo zerftört, dafs eine 
Wiedcrhcrftcllung des Bildes abfolut unmöglich ift. Im 
alten Kreuzgange nächft des füdlichen Seitenfchiffes, 
bezichungsweife ober dem romanifchen Portal zeigt 
fich ein großes gruppenreiches Gemälde, etwa aus dem 
Ausgange des 16. Jahrhunderts, vorftcllcnd die heil. 
Katharina. Man gewahrt unter einem Baldachin auf 
erhöhtem Sitze eine weibliche Geftalt, welche die 
Rechte heftig bewegt, ausftreckt. Am Boden liegen 
Bücher und Rollen. Rechts und links in trefflicher Com- 
pofition, welche die durch das Tympanon bewirkte 
Rundung mit Verftändnis berückfichtigt, erfcheinen 
fitzende und flehende Männer in Vollgeftalt, offenbar 
der Disputation aufmerkfam zuhorchend, fie haben 
thcils offene thcils gcfchloficne Bücher vor fich. Bc- 
fonders interefiant ift das weißbärtige Antlitz eines 
alten Philofophcn. Die Figuren verrathen italicnifchcn 
Einfluß, vielleicht des nahen Friaul. 

34. Confervator Direclor Rosmael hat über die 
Kirche zu Oberheinsendorf 'in Mähren berichtet, welche 
aus dem Jahre 1759 flammt, und bemerkt, dafs 
fich dafclbft eine Glocke mit folgender Infchrift be- 
findet: Ich Glocke verkündige niemals Eitles, fondern 
lobe nur Gott, rufe das Volk, verfainmlc den Clerus. 
1 599. Die Glocke ift heute noch ganz gut erhalten. 



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Die kirchliche Baukunft des romanifchen Styles in Siebenbürgen. Von 
F. Müller. (Mit 5 Tafeln, 23 Molzfchnitten und 2 Facfimiles) 

Studien Uber Steinmetz-Zeichen. Von Franz Ritter v. Rziha. (Mit 69 Tafeln 
und 46 Text-llluftrationen) 

Kunfldenkmale des Mittelalters im Kreife ob dem Wiener Walde in Nieder- 
"erreich. Von Dr. Eduard Freiherrn v. Sacken 

Die mittelalterlichen Siegel der Abteien und Regularklöfter im Erzherzog- 
thume Oefterreich ob und unter der Enns. Von Karl v. Sava. (Mit 26 Holzfchnitten) . 

Die Siegel der öfterreichifchen Regenten. Von Karl v. Sava 

Der romanifche Speifekelch des Stiftes Wilten in Tyrol nebft einer Ueber- 
ficht der Entwicklung des Kelches im Mittelalter. Von Karl Weiß. (Mit 6 Tafeln 
und 3 Holzfchnitten) 

Klofter Admont in Steiermark und feine Beziehungen zur Kunft. Von 
P. Jacob Wichner 

BruchfUicke aus der Gefchichte eines öfterreichifchen Stadt- Archives. Von 
Dr. Guftav Winter 

Die Kirche des ehemaligen Ciftercienfer - Nonnenklofters : Porta coeli zu 
TiSnovie. Von Johann Erasmus Wocel. (Mit 4 Tafeln und 28 Holzfchnitten) 

Bericht der k. k. Central-Commiffion für Kunft- und hiftorifchc Denkmale 
über ihre Thätigkeit im Jahre 1884, 1885, 1886, 1887, 1888, 1889, 1890, 1891, 1892, 1893, 
1894, 1895 und 1896, jeder 

Kunfthiftorifcher Atlas, herausgegeben von der k. k. Central-Commiffion. 

I. Abtheilung. Sammlungen von Abbildungen vorgeschichtlicher und früh- 
jefchichtlicher Funde aus den Landern der ofterr.-ungar. Monarchie, mit 100 Tafeln, 
redigirt von Dr. Much 

X. Abtheilung. Sammlung von Abbildungen mittelalterlicher Grabdenkmale 
aus den Ländern der ofterr.-ungar. Monarchie, vollftändig in 2 Heften mit 108 Tafeln, 
redigirt von Dr. Karl Lind 

Mittheilungen der dritten (Archiv ) Seclion der k. k. Central -CommifTion 
I. Band (8 Hefte), Preis 

Deren II. Band, Heft 1 zu 1 fl. 50 kr., Heft 2 und 3 zu je 

n »H- » » 'k's 9 zu j e 

Oefte-reiohifchc K~nfl-Topographie, I. Band, Herzogthum Kärnten, mit mehr 

als 500 1 ext-llluftrationen und Tafeln, redigirt von Dr. Lind 

Die Baulichkeiten des ehemaligen St. Agnes-Klofters in Prag, mit 12 Tafeln, 
befprochen und befchrieben von Tomek und Mocker 

Staatliches Archivwefen. Von Freih. v. Ihlfert 

Zum Gedächtniffe Friedrich Schmidt's, Urtheile und Gutachten aus der Zeit 
feiner Wirksamkeit als Mitglied der k. k. Central-Commiffion 

Die griechifch • orientalifchen Kirchen in der Bukowina von Confervator 
Direktor Romßorfer 

Poetovio. Von Confervator kaif. Rath Dr. S. Jenny 

Ein nord-ruffifcher auf Holz gemalter Kalender. Dr. Wl. Milkoivicz 

Denkmalpflege. Von Freih. v. Helfcrl 




INHALT. 



Zwei Fresco Kalender in den Bokowiner Klotterkirchen Woroneli und Suciawiti« »us dem lö. Jahrhundert. Von Dr. Wladimir 

Afiltewict. (Mit 5 Tafeln ) S. i. — Neuefte Ur«b on 6vKr E el.niiTe aus Aquilcja. Von k. k. Confervator ProfelTor Htmrich Mai.nif. Mit einen. 

Grandrifs, I Tafel und 5 Teit-IUuflrallonen.) S. 45. — Kunft topographifche» aus Süd Tyrol Vom k. k. Coafervator ProfelTor Dr. Haiti 
Sekmiilxrr. fSchluB.) ' Mit 1 Tafeln.) S. 51 — Notiien I— 34. (HH I Beilage und 13 Text lUuftrationen.j S. 57. 



Die k. k. Centraf-Commission für Kunst- und historische Denkmale hat beschlossen, mit diesem Jahr- 
gange der Mittheilungen eine Preiserhöhung auf 10 Dulden per Jahrgang eintreten zu lassen. 



Pränumerations-Bedingnifle für den XXIV. Jahrgang der Neuen Folge der Mittheilungen. 



Mit Versendung durob die Buchhandlungen, 



Der ganze Jahrgang. 



10 fl. — kr. 



Mit Versendung durch die k, k. Postämter. 



Der ganze Jahrgang 10 fl. 80 kr. 



Pränumerationen übernehmen fammtliche k. k. Poflämter der Monarchie, fowie auch alle Buchhandlungen 
des In- und Auslandes. Jene Herren Pränumeranten, welche bei den k. k. Poftamtcrn ihre Heftellungen machen, 
wollen die Geldbriefe an die k. k. Hof- und Univerfitäts-Buchhandlung Wilhelm Draumuller in Wien adreffiren. 



MITTHEILUNGEN 

DER 

K. K. CENTR AL-COMMISSION 

FÜR 

ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE. 



l N Q 



HE R A U SC E C E B E N U IM T 6 K DER 1_ £ I T U I 

SETT«^ EXCELLENZ DES PRÄSIDES] EN DIESEM COAHiSSION 

D R JOSEPH ALEXANDER FREIHERRN VON HELEERT. 



REDACTEUR KARL LIND. 



VIERUNDZWANZIGSTER BAND, ZWEITES HEFT. 



I 



NEUE FOLGE 

DER RITTHEILCNGFJt DER K It. CENTRAL-C0AXIS10N Ft'R ER FORSCH MW USD ERHALTUKG VOS BAUDEtf KM ALEX 

1898. 



(MIT :, TAFELN UND i* AUF BEILAGEN UND IN DEM 1 EXT VERTHL1LTRN H.LUb'i KATIONEN.) 



WIEN und LEIPZIG. 

IN COMM1SS10N BEI WILHELM BRAUMÜLLER, 

K. K HOF- UNI) UNIYKXSITATS BUCHHÄNDLER 



AUS I1KK KAIS KÜN IIOK UND STAATSDKUCKEKKl. 



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VERZEICHNIS 

der Kimel- und Separat -l'ublicationcn der k. k. Central-Commiflion. 



Admont, Klofler in Steiermark und feine Beziehungen zur Kunft. Von P. Jacob 

Wichner 2 fl. 50 kr. 

Aquileja, Kömifche Sonnenuhren aus. Von Dr. Friedrich Kenner. (Mit 13 Text- 

llluftrationen) — „ 80 ,, 

Böhmen, Charakteriftik der Baudenkmale in. Von Bernliard Grueber — „ 50 „ 

— Die Kunft des Mittelalters in. Nach den begehenden Denkmalen gefchildert. 

Von Bernhard Grueber. I. Iiis IV. Theil 16 „ — „ 

Brünn, Die Kirche der P.P. Auguftiner (Das Königsklofter in Alt-Brünn). Befchrieben 

von A. Effenwein, Zeichnungen von H. Petfchnigg. (Mit 1 Tafell — „ 50 „ 

Bukowina, Die griechifch - Orientalinnen Kirchen in der. Von Confervator Direclor 

Romßorfer 2 „ — „ 

Cividale in Friaul und feine Monumente. Von Prof. Rudolph Eilelberger von Edelberg — „ 50 „ 
Dacien (heutiges Siebenbürgen). Die Colonien und militärifchen Standlager der 

Romer. Von M. J. Ackncr. Preis per Exemplar — „ 60 „ 

Europa, Die Kupferzeit in, und ihr Verhältnis zur Cultur der Indogermancn. Von 

Dr. M. Much 2 „ 50 „ 

Gran in Ungarn, Der Schatz der Metropolitan-Kirche zu. Von F. Bock. (Mit 3 Tafeln 

und 8 Holzfchnitten) 1 „ 40 „ 

Heiligenkreuz, Ciftercienfer- Abtei, die Bildniffc der, und die alteften Glasgemälde 

des Chorherren-Stiftes Klofterneuburg (Mit 27 Tafeln und 22 Holzfchnitten) 3 „ — „ 
Kärntens ältefte kirchliche Denkmalbauten. Von Gotllieb Freiherrn v. Ankershofen . . 1 „ 60 „ 
Klofterneuburg's altefte Glasgemälde, liehe Heiligenkreuz. (Mit 27 Tafeln und 

22 Holzfchnitten) 3 „ — „ ' 

Leutfchau, Die mittelalterlichen Kunflwerke der St. Jakobs-Kirche in. Von Wenzel 

Merklas. (Mit 2 Tafeln und 2 Holzfchnitten) 2 „ — „ 

Millftatt in Kärnten, Archäologifche Blätter aus. Herausgegeben von der k. k. Central- 
Commiflion 2 „ — „ 

Mitterberg (Salzburg), Das vorgefchichtliche Kupferbergwerk. Von Dr. M. Much \ „ — ft 
Mühlhaufen (Milevsko) in Böhmen, Die Baudenkmale zu. Von Dr. Erasmus li'ocel. 

(Mit 1 Tafel und 15 Holzfchnitten) 1 „ 50 „ 

Parenzo, Der Dom zu. Gutachten des Obcrbaurathes Freiherrn v. Fer/lel, erftattet 

die k. k. Central-Commiffion — „ 30 „ 

Poetovio. Von Confervator Kailerl. Rath Dr. 5. Jenny 4 „ — „ 

Prag, St. Agnes-Klofter, Die Baulichkeiten des ehemaligen, in. Mit 12 Tafeln. 

Befprochen und befchrieben von Tomek und Mocker 2 „ — „ 

— Drei Stadtpläne und eine Stadtanficht vom alten. Von Jo/ef Alexander 
Freiherrn v. H eifert 2 „ — „ 

Salzburg, Mittelalterliche Kunfldcnkmale in. Von Dr. Gujiav Heider 1 „ 80 „ 

Salzburger Bibliotheken, Gefchichte der. Von Dr. Karl Fol/z 2 „ — „ 

Siebenbürgen, Die romifchen Alterthümer und deutfehen Burgen in. Mit einer 

Ueberfichtskarte. Von M. J. Adner — „ 50 „ 



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- 75 - 



Grabfunde aus Zellerndorf in Nieder-Oefterreich. 



V>„, l)r .1/ .\/„<k 



(Mb i TM Matmki 




r Kreuzungsllellc der öfter- 
und der von Lundenburg 



|.M Hcrblle des Jahres 1S06 machte Oberlehrer 
Georg Prius in Zellerndorf die Anzeige von 
dem Vorkommen prähiftorifcher Funde in 
diefem Orte mit dem Beifügen, dafs er jene, die in feine 
Hände gelangt fmd, dem Gymnafium in Obcr-Iiolta- 
brunn zugewendet habe. Bald darauf wurden diele 
Funde von der Direktion des Gymnafiums hicramts 
zur Anficht zugewiefen. Infolge Verhinderung durch 
andere unauffehiebbarc Arbeiten ift es mir erft im 
Sommer diefes Jahres möglich geworden, den Fundort 
felbll in Augenfchein zu nehmen, auf Grund deiTen ich 
nachfiehende Mittheilungen zu machen in der Lage bin. 

Zellerndorf liegt an < 
reichlichen Nordwertbahn 

nach Sigmundsherberg fuhrenden Verbindungsbahn in 
Nieder-Oefterreich, beiläufig 70 Km. nordweftlich von 
Wien. Smlweftlich am Orte find vor mehreren Jahren 
neue Ziegeleien errichtet worden, welche den Loß, der 
hier die allgemeine Bodendecke bildet, verarbeiten. 
Zufolge der Mittheilung des Herrn Oberlehrers Prinz 
find nun hier beim Abgraben des Löß zum Zwecke der 
Verarbeitung fchon vor ciniger_Zcit Funde an den Tag 
gekommen, ohne dafs es mir trotz Nachforfchens mög- 
lich geworden, uber deren Art und Verbleib etwas zu 
erfahren. Die Funde, von denen im Folgenden die 
Rede fein w ird, find die erften, welche erhalten wurden, 
was der Obforge des Genannten fowie des Herrn Jofiph 
llofßetttr in Zellerndorf, Eigentümers des Ziegel- 
Werkes, zu danken ift. 

Schon aus der Art und Gefcllfchaft der v orlie- 
genden Gegenftande ergab fich die Vcrmuthung, dafs 
fie einem Grabe entflammen, was durch einige menfeh- 
liehe Backenzähne, die allerdings ohne weitere Angabe 
ihnen beigelegt waren, bekräftigt wurde. Vollkommene 
Bcftätigung erhielt diefe Annahme erft durch die 
weitere Nachforfchung am Orte, durch die fich ergab, 
dafs es (Ich in der That um Dinge handelte, die einer 
Leiche beigegeben waren. Vom Rumpfe und von den 
Gliedmaßen fand fich allerdings nichts mehr vor, wohl 
aber der Schädel, der in viele Theile zerdrückt, noch 
in der fchwar/.en, vom Loß deutlich zu unterfchcideiidcn 
Erde enthalten war, mit der man feinerzeit das Grab 
über der Leiche ausgefüllt hatte. 

Aus dem Augenfchein ergab fich ferner, dafs durch 
die Ziegelwerksanlage ein ganzes Gräberfeld ange- 
fchnittefl worden ift, denen Gränzen allerdings erft im 
Verlauf des Fortfehreitens der Arbeiten feftzuftcllen 
fein werden. Bei der Befchaffenheit der Fundftellc ift 
eine planmäßige Ausbeutung mit Schwierigkeiten ver- 
bunden, doch ift V'orforge getroffen, dafs fernere Funde 
erhalten bleiben, was umfo ficherer zu erwarten ift, als 
tler oben genannte Kigenthiimer des Ziegelwerkes 
durch freiwillige Abtretung der Funde das frcundliehlie 
Kntgegenkommeii bezeugt hat. 

Was nun diefe felbll betrifft, fo find fie von einer 
folcluii Befchaffenheit. dafs he eine eingehende Auf- 

XXIV N F. 



merkfamkeit verdienen. Sie beliehen aus Thongefaßen 
und aus Metallgegenftanden. 

Unter erlleren fällt zunächft eine 7 0 Cm. hohe. 
17 0 bis 17 4 Cm. breite Schale aus dunkelbra unem 
gefchlcmmten, nicht fcharf gebrannten Thon auf, mit 
plattem beiderfeits nach innen vorgreifenden Rande 
und mit einem von diefem eben ausladenden Henkel, 




F'K- ■ (*/.-, J « **■ Cr.» 

der fo klein ift, dafs der Finger nicht hindurch kann. 
Was die Schale in hohem Matte auffällig macht, ift die 
eigentümliche Art der Verzierung, welche aus drei 
Reihen von 105 zackigen, 5 bis S Mm. weit aus- 
greifenden Vorfprungen befteht, mit denen die ganze 
Außenfeite in gleichmäßiger Vertheilung befetzt, gleich- 
fam befpickt ift. Die Innenfeite ift lauber geglättet. 




t-'ig ', 1 ;, "U-r n.»t Cr ) 

Figur I veranfehaulicht die Gerillt diefes abfonderlichen 
Gefäßes, das übrigens keine vereinzelte Krfchcimmg ift; 
denn es finden fich gleichartig ausgeftattete in Gräbern 
liegender I locker auch anderwärts in Nieder t lefterreich, 
zum Beifpiel in Ziersdorf. 1 

Ein anderes, 5 o bis J'3 Cm. hohes, in der llarkllen 
Ausbauchung 4 0 bis 42 Cm., am Mundfaume 4 8 Cm. 
breites gehenkeltes Töpfchen (Fig. 2) rfus feinerem 
Thon ill innen und außen geglättet, doch unver/iert, 
zeigt ein ftarkes Vorwalten des Halles, der von der 
Bauchkante bis zum Mundfaume zwei Drittel des 



' f. SfrlH K**tn\mt\ " N,,Je. Otltrrr u. Mahr. Mull, J Wien 
Antbn.|* 0*f.. XX, S. 7». Fit »7 

I I 



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_ 7 6 - 



Gefäßes einnimmt. Der Henkel fetzt in der Mitte des 
Halles, alfo kiemlich tief an und wölbt lieh zur Bauch- 
kante hinab, fo dafs er ungefähr <las mittlere Drittel lies 
Gefälles einnimmt. Die Form diefer Gefafie ill deshalb 
beachtenswert!», weil fie bezeichnend für die Gräber der 
liegenden Hocker find. -Sie kommen in unferen Ländern 
häufig vor, fo zum Heifpiel in Niedcr-Ueltcrrcicli in Gra- 
bern bei Hippersdorf, des l'lexen- Thaies bei Groß- 
Wölkersdorf und in Ziersdorf, 1 in den Grabfddcrn von 
Rofchitz, Roggendorf bei Fggenburg, Roggendorf bei 
Wullcrsdorf, 1 in Mahren in den Grabfeldern von Mönitz, 3 
Donawitz,* Oblas, 1 Urban," Kunewald,' in Höhnten von 
Un< tic,"m rVeußifch-Schlcfierj vonOttwttz,* in Ungarn 1 * 
und gewiß noch in vielen anderen Gräberfeldern liegen- 
der I locker. Sie entwickeln lieh an dielen Fundorten ZU 
ganz übertriebenen Formen, fo zwar, dafs der Hals noch 
höher anwachst, der Hauch nur mehr durch eine fcharfc 
Kante angedeutet, der Fuß fehr niedrig und ver- 
feinerndem! klein wird und das ganze Gefäß fall nur 
mehr aus dem Hälfe zu beliehen feheint. Heifpielc 
diefer Art finden lieh in den Hockergrabern zu Dona- 
witz" und Mönitz" in Mahren, Unctic» in Muhmen, 




<Jr) 



Fic. 3 (•"• j der nal Gr ) F%. 4 Gr) 



Ottwitz" in Schlelien. Auch in NicdcrOcftcrrcich 
kommen fie vor. 

Das dritte (iefali ilt ein kleines henkellofes unver- 
ziertes Töpfchen gewöhnlicher Form. 

Die Metallgegcnltande beliehen au-fchlicßlich aus 
Bronze. Sie find zeitlich durch einen kleinen dreieckigen 
Dolch, Figur 3, charakterifirt. Das Metall ilt Harle 
oxjrdirt, die drei Nietlöcher find ausgebrochen, die 
Spitze fehlt, fodafs man nur von einem derzeitigen 
Größenmaße fprechen kann, welches in der Lange 
7 0 Cm., in der größten Breite 2<j Cm. betragt. Der 
Dolch befitzt keine Mittelrippe, doch laßt lieh eine 

• 7 SfMI. .Wjrabuii«* in Ni»«l«rO«»«rr»icli Mitth .lrt Wiener 
Aml.r. p. ü.r. XX. S. ^ «. f., »■(. lt. I». 19 

1 Umhri A..r.,r. Km i;..bfeld n RoKe.dnif. Ebenda. XIV. .... 

t '" ' I V./. » ftirt.,t. Prabi« IbtgrabaitllalKll bei Muniu Kbcnda VIII. 
TM II. ii S <■ 

• ./aW»A Htm. Millb, dei Centr Comm. fur Kun« n hifl IlciiLmale, 
Jahrg. i$97. S. in. tl. 

» 7j»«/.r:- iUlliarJt. Vf/bimy pfedhiMnricl;- Und.» 1» iklCMlfM 
koHfatnt. Taf. II, »ig. t, s, 6 ■■, Taf. III. a. ■■ lt. 

• y*rvwtar HtliUr.tt Ebenda. I «f. VII, flg. It. II. 

' y. S**mktHj. Urabfanda von K«i»«»aIJ in MtlltMi Miuh der 
Wi««»r Antbmp. litt.. XIV. 1-.., fit. it. 

'II. Kühl,. Dir Hr..n'cicii in II ibrarn. Taf. MV. Fig. 1 , 

• // Srcrr. Ilbhtfl Vuirril. VII S. 13J, Fig. J. 7 
Archaeologiai Krteailu. Jabtg. 1E97. S. »5I. 

" 7 /'.irYiaW/. A a O S. 3«. 
» .1 KitlUk. A. >. O . Tat I. Fig. 3. a. 
<> H ti-Uj A. a. O Taf MV. I ii •>. 
*» H iVf»r A. . O , S • Fig. 1 4. I, 10. 



maßige Wölbung längs der Mitte wahrnehmen, die in 
der neben flehenden Zeichnung nicht ganz deutlich 
zum Ausdruck gebracht ift. Der Farbe nach ilt das 
Metall nicht befonders zinnreich; nach meiner aus 
Metall-Legierungen zulammengeftelltcn Farbenreihe 
mag der Gehalt an Zinn 4 vom Hundert betragen. 
Gleichartige kleine Dolche kommen in den Grabern 
liegender Hocker vor, zum Heifpiel in L'netic (Böhmen). 1 
in Obau (Mahren)*; fie finden fich aber einerfeit- auch 

fchon neben SteingerSth aus ungemifchtem Kupfer in 

den Pfahlbauten < )ber ( Vllerrcichs 3 und der Schweiz, 
anderfeits fpaterhin aus vollwerthiger Hronze. 

Auffallig ill eine mit rundem Kopfe verfehene, im 
übrigen ganz einfache Nadel, Figur 4, deshalb, weil der 
Kopf fall fenkrecht von oben nach unten durchbohrt 
ift. Der Zinngehalt mag nach der Farbenreihe 5 bis 6 
vom Hundert betragen. Auch diefc Nadel feheint den 
Gräbern liegender Hocker eigentümlich zu fein, denn 
fie findet lieh wieder in einem Grabe zu Oblas {Mahren * 
Von einer zweiten Nadel fehlen Kopf und Spitze. 

Fin weilerer Gegenstand ill ein offener Halsring 
mit eingerollten Oefen an demfelben, wie deren in 
unferen Landern fchon zu vielen Hunderten gefunden 
worden lind. Fr ift etwas dünner als gewöhnlich, das 
Metall ilt voll werthige Hronze. 1 

Weiters fanden (ich die bekannten Schleifenringc, 
von denen der größere mit mindeltcns vier Umgängen 
einen Durchmeffer von 3 5 Cm. hatte, der kleinere, der 
möglicherweife nicht geschloffen war, auf einen Durch- 
melier von I ; Cm fchließcn ließ. Maßen, die deshalb 
beaebtenswerth lind, weil fie beide Ringe al> Schmuck 
für den Arm, beziehungsweile für den Finger als unge- 
eignet erfcheinen lafTcn. Die im chcmifcheii Labora- 
torium der Kunftgcwerbefchulc des üeflerreichifchen 
Miifeums ausgeführte Analyfc ergab einen Zinngehalt 
von 10 70 vom Hundert, neben 79 05 vom Hundert 
Kupfer und Spuren von Kifen; <ler Kell entfiel auf die 
Beflandtheüe der aufgetriebenen l'atina.' 

Unter den der Ccntral-Commiffion vorgelegten 
Gegenllanden fanden lieh fchließlich 12 tonnenformige 
feilen | I'ij^. 5). Obwohl fic von annähernd gleicher 
Gruße lind (10 Mm. Länge bei 6 Mm. größter Dicke 
und einem Durchfchnitt^gewichtc von O 9 Gr.}, fcheinen 
lic doch nicht aus einer h >rm hervorgegangen zu fein 
Heachtcnswcrth erfchien bei allen einzelnen Stucken 
die Farbe der l'atina. die dort, wo fic nicht erdig aufge- 
trieben, fondern fefl und glatt ill, fehr ins Graue geht, 
was zu der Vcrmuthuitg veranlaßte, dafs die Legierung 
einen großen Betrag von Antimon enthalte. Die im 
oben bezeichneten Laboratorium vorgenommene Ana- 
lyfc ergab jedoch den ganz ungewöhnlichen und deshalb 
hoc hfl auffallenden Zufatz von 22'2i vom Hundert 
Zinn zu 75 \y vom Hundert Kupfer und eine Spur v on 
Kifen. 

Hei der nachträglichen Frcilegung des, wie fchon 
erwähnt, im Grabe noch vorgefundenen Schädels 
ergaben (ich noch fünf offene Ringe von 16 — 18 Mm. 
Durchmeffer, deren beiderfeits fpitz zulaufende Enden 

' // m.U,. A. >. O.. Taf. I.II. Fig. >• 

• ? jwMwtf a. ». o . s. •>. rig, t. 

' M. M». *. PtiMUr. Alla«. Taf. XVII, f,g. i— 6. 

• 7 ftduiJr. A a O . Taf. I. Klc 1 

> Mail rmti Zctbnun« fei auf // Ri.'Uy a a O . Taf XXIII. Fi; «. 
j. u. Tal XXXVII Ki| l , ,ti»Kf<n. 

• Miltb. der CmH Curam lur KmiA und InA. Itonkmalt. Jahig iSi>7. 
S. 6i. ja arigcn einen derailt|:«n S L bleifenring an* einem Mi>Lk«rgrabe 
in |l..na«ril,. Mahlen 



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— 77 — 



etwas übercinatuicrgrcifcn; ftc lagen in unmittelbarer 
Nahe des Schadeis und find zweifelsohne als Ohrringe 
zu deuten. Aelinlichc, doch größere Ringe (mit 30 Mm. 
Uurclmieffer) fanden lieh in Gr.ibcni liegender Hocker 
in Oblas (Mahren). 1 

Außerhalb des Grabes l.ifen wir noch einen Klopf- 
11 o in aus Feuchtem auf, den ich ohne B •denken, wenn 
gleich nicht dem Inhal tediefes oder eines anderen Grabes, 
fo docli derlelben Zeit und der /.uirehori^en Anfic-dluni: 
zufclireibc. Auch im Grabfelde von Münitz kam ein 
derartiger Klopfftcin vor, und zw.ir auf dem Boden 
eines gut charakterifirtcn Gefäßes diefer Zeit.* 

Was endlich den Schädel betrilTt, fo ift er an 
feiner Oberfläche fehr angegriffen, der Gefichtstheil fo 
zerfallen, dafs er keine Zuiammenfetzung ermöglichte; 
doch ilt die Hirnknpfcl votlftändig genug erhalten, um 
den Längen • Breiten - Index von 71 mit ziemlicher 
Sicherheit fcflflellen zu können. Diefer entfpricht den 
Maßen liegender Hocker in Nicder-Ocfterrcich und 
Mahren, welche fich, wenn man die extremen auücr 
Betracht laßt, zwifchen 67-56 und 7417 bewegen." 

Ucberblicken wir die Gefammtheit der im Vor- 
flehenden befproehenen Funde, fo unterliegt es keinem 
Zweifel, dafs fie dem Befitzltande jener „liegenden 
Hocker" angehören, deren Gräberfelder und Anficd- 
hingen wir im nordofllichen Theile von Niedcr-Oeflcr- 
reich*, in Mahren ', Böhmen*. Weft-Galizien\ Frcußifclv 
Schieden* treffen. Sie kennzeichnen fich durch die 
Gleichartigkeit der Technik und Formgebung der im 
allgemeinen fchmucklofen Thongefaßc, die an einzelnen 
Orten auch durch die cigcnthümlichc Bcfpickung mit 
zackigen Vorfprüngen zum Ausdrucke kommt, durch 
die Gleichartigkeit des Bcfitzltandcs an Gcgenftanclcn 
aus Bronze, beflehend aus kleinen «Ireieekigcn Dolchen, 
mehreren eigenartigen, nur diefer Zeit aiigehorigen 
Nadeln, darunter der Schlcifcnuadcl', aus Schleifen- 
ringen'* Spiralrohrcn", Spiralringen, Ocfenhalsringen 
utul dergleichen, ferner durch die im allgemeinen vor- 
waltende Ziimannuth der Bronze bei gänzlichem 
Fehlen des Fifcns, durch die Gleichartigkeit der Bc- 
ftattungsweife, endlich durch die Gleichartigkeit der 
Schadelfonn, Krfcheinungen, die in ihrer Gcfammthcit 
auf Einheit der Cultur und des Volkes verweifen. 

Fragen wir noch, welcher Zeit diefe Funde und 
ihre einftigeii Befitzcr angehören, fo fallt zunachft der 
Mangel an Kifen unter den Grabbeigaben und die 
Thatfache auf, dafs die Bronze, aus der Werkzeuge 
und Schmuck angefertigt find, fich als fehr arm an 
Zinn darltcllt. Während der Gehalt an Zinn in Gegen- 

1 7. r, ■ ii.tr jf \ » o . r.if 1. He ■] 

: /. A. 1 O . S ,1, ... |';,f II , y,g. 

» Vgl 5. I\t/<i,t,M \ a o.. 8. 4*. 

' R>liV«l>.l!Wl' t.«i r^Jenlm:« "ii.l ti. s«--:li:t">' »<«i Wn I I < rl . K'.l-Iil/ 

II |,|-ei vilolf. /,n .fcnl»:,-, V.l«he/|t. Zilt.J il, I Iriil.e,^ kitell*»:!; im W.ik'ir., 
K.lilii;. «uf ilciu ,M Ii hclslsrri; tic: K n ri: e ul-ii l([, a.1i Ku liulic: « dci Sr.tllticil ur.tl 

>.,el,re:en 0«iU.c!,l.c ; l« n ilrs l'lr.r.-,,)...!, . i.e. Omt! W< ik r, .,'„rf, 

» L'.tu.., Ol, .,,, |.„„.»,i,, s li.u-.,. M.,„.n. K»ftel. Ki.ii<-«-ld. Hi, t Hu. 

• Unit.:, Hilm,., Wem .lfm, Ii) Ui.y bei l; . Ii nii LS ll.,.,l, Zvuli neve 
O.Iik:i .v, SlantU H u. IMuluce. Nti.'AiilLe. Nypil'Mrs, l.oiwVv 11 Ruaeln::» 
K.4Ti.i ZI- « irr. Kkv.iov. I'iil..,„l. Sie im. Clin»«.-«, k.-uts. auf i'c-n lU-.tge 
l(i»ti»c 

7 Kr'»mirliH.i 

• Ott*jt». .Sihnciiaii 

Mit all dicfcR Naute a ilt lie,;f tifli .lie meile die ZaH iler /\jcl>:. i i^f n 

l.ialpcfeUler utij Ami = i!lniii;cti *c..1et in liemg aid'.lK i^trilonile A n.»bi l-i:--*!»;. 

III Ii 111 liv£j« 411I liie l)i< lillicit i!r» V ii- 1 ':ialllrll k itnirilijili ilclM'-'en itf hujill 

• .1/. M.i 4. Iii,: K..: r fvT<rn in Ke.:o|>. II Aull .V ri„- ... I. 
" M Mm-*. Hui<rit 11 m| K uje Math. Irr Wime, Anilin. || . I.<( IX 

S. ,1, Vi«. 5. 1. P.,lli*r.i;, a a O Iii I, Fi; ,, , y t, ,,. f $>.,-,, Milll. 
i:r- Cnitr 4'niniii JjK'l: i^i? > i ■ I 3.: 

" 7 ft,V«r.ri A » Ö. Xxi I. I"i- n 15 



(landen aus der voll entwickelten Bronzezeit <j bis 10 
vom Hundert beträgt, fclnvankt er bei Gegetilländcn 
aus Gräbern liegender Hocker meilt zwifchen i bis 5 
vi»m Hundert, ja man trifft in ihnen felbft auf (iegeti- 
flände aus reinem Kupfer. 1 Die Armuth an Zinn deutet 
daraufhin, dafs fich diefe Bronze-Gegenflimde an eine 
Zeit anfchlicßeii, in der Zinn gänzlich fehlte. Das hohe 
Alter wird dadurch noch mehr gefiebert, dafs manche 
Gräberfelder diefer Zeit in der Nahe utlcr felbft in- 
mitten von fleinzeitlichtn Anficdhingcn fich befnulen, ja 
dafs felbft in «len Grabern oder in ihrem Bereiche zu- 
weilen auch Steingerhthe vorkommen, wenn fie auch 
gewifs nicht immer abnehtlich dahin gelangt find, 
wie zum Betfpicl zu Urban in Mahren, zu Drinov, 
("ieuovire, l'femisleni, L'netic, Kisiity, Bylany bei 
B<>hmifch-Brod in Böhmen, am Buhubcrg bei Stillfried 
in Nieder-Oi (lerreich. 

Neben diefer Armuth an Zinn fallt auch die 
Armuth an Metallgegenlländeu überhaupt auf; die 
Graber lind mit ihnen im allgemeinen nur armlich aus- 
gestattet; ja wie wir zu Zellcrndorf und Monitz gefeheti 
haben, bediente man fich da noch immer der Klopf- 
fteinc, und in Silmcnau in l'mißifch-.Schlefien erfcheinen 
in den Gräbern neben typifchen Thongefaßcn diefer 
Zeit noch anderweitige Stcinwerkzeuge. Die Metall- 
gegcnllände felbft find meift fchmucklos, klein, dünn 
und lallen durch Art und Geftalt erkennen, dafs man 
mit dem Metalle noch recht fparfam umgehen mußte. 
Berückfichtigcn wir noch die Thatfache, dafs die Be- 
ftattungsweife diefelbe ift, wie in der jüngeren Stein- 
zeit, in der man den Verdorbenen mit angezogenen 
Gliedmaßen auf der Seite liegend, wie einen Schlafen- 
den der F.rde übergab, wahrend im Verlaufe der l'.nt - 
Wicklung der Bronze-Zeit der Leichenbraud üblich wird, 
fo bleibt kein Zweifel übrig, dafs der Cultiirperiodc, der 
die Zellerndorfer Funde angehören, die jüngere Stein- 
zeit vor verhältnismäßig kurzer Zeit vorangegangen 
fein muß. In Ungarn werden Gefäße des bcfciiriebenen 
Typus aus guten Gründen geradezu der Steinzeit zu- 
gefchrieben.* 

Bei den Zellerndorfer Funden fallt allerdings der 
Umltand auf, dafs einige der Bronze-Sachen einen 
höheren, ja zum Theil ganz außerordentlichen Gehalt 
an Zinn behtzen, fowie dafs 4-ine namhafte Zahl der- 
felbeii fich in einem Grabe vorfand. Allein es ift zu 
beachten, dafs docli auch Gcgenftande darunter vor- 
kommen, die kaum einen größeren Gehalt an Zinn 
haben, alz 4 bis 5 vom Hundert, und wenn daneben 
ein Gehalt von vom Hundert fich zeigt, fo beweist 

diefes abfonderlichc Auseinandergehen noch keines- 
wegs einen l'eberfluß an Zinn und an Bronze überhaupt, 
fondern nur eine gcwilTe Uneifahrenheit und Unbchilf- 
lichkeit in der Herftelhmg der Bronze-Legiruug. Hin 
ftetes I-'ortfchreiten hat übrigens ja auch in diefer Zeit 
flattgehabt, und fo kann man immerhin annehmen, 
dafs das Zellerndorfer Grab mit feinem Inhalte einem 
fchon mehr vorgefchritlenen Abfchuitte ilerfelben an- 
gehöre, wozu auch die etwas reichere Ausftattung 
berechtigt. 

• Dir int 1 de in ifi lietl l.il> if Al in 1 .1111 itet " ft e H e irhll' lie a K 'III ft i; i » • 1 1 -c 
f.iii.lc v T^e,ii:ni:iiciir Aiiil>f<- eiac* S |i ; i .1 1 A I tnl'.i mle . -i'.* k ■ .g £ C II ■ ' : I liei 
K,-4nSl;ii: lut V.iu Ztr.n rimiHrll, ij n. J j rli< t ir.i , >. ! ;lei Ic « i i n gc * .im k< fi;rii 
il. ,t T \>, i Wullr r-.l, rf ri Ä a>, nr lii- i ^ . ;ii, ta I|i:ti<Utt K U |i le t n . ; 1 i: in Huni-cr; 
Si'l.rr. r.,j v.n. MiinJ'H N|rk-1 I -.iL- >0"i IlMn.-Irct Atilnii.il nnl n:ic Sj.'it 
v .n Arl'n 

1 Arth. E <*<iv>, J.it'-t! > u f 

Ii* 



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- 7» - 

Bauliche Ueberrefte von Brigantium. 

Von <.' fcrvatu. kaif Rath Di .V Jmnr. 

,Va i T^el» unJ ; Tel IIU.ftr.ti .nrr, 



A. Grabdenkmal. 

Jahrgang 189.1 dir „Mitteilungen - wurde 
ein Grabdenkmal befchrieben, welches am Aus- 
Rang der romifchen Begrabnisftattc errichtet 
war. Wie die jiiny lleti Ausgrabungen dargethan, liegt 
unweit davon ein zweites von ähnlicher Bamvciie, nur in 
etwas größeren Dimeiifionen angelegt, welches im 
Gcgcnfatz zum erften in verhältnismäßig guter Erhal- 
tung auf uns gekommen ift. Inwiefern Cie voneinander 
abweichen, ergibt die Gegenüberftellung ihres Grund- 
rifl'es im beigegebenen I'lan (Taf. I), fowie die nach- 
folgende Bcfchrcibung. 

Als Grabmal im eigentlichen Sinn des Wortes 
haben wir uns auch das zweite Übjcdt derart vorzu- 
fallen, dafs ein rtattliches Monument über «lern inner- 
flen qu.ulratei Unterbau I lieh erhob (ca. 5'/, Q.-M 
außen gemeffen, 4 Q .M. am erfl entdecktem. Das 
58 C m. breite und bis in 90 Cm, Tiefe reichende 
Fundament fpringt mir nach innen vor, tragt fall 
überall noch die llochmauer, .Icllcnwcifc bis zur Hohe 
eines Viertelmeters; diefe mifst 45 Cm. in der Dicke, 
beliebt aus Diamicton-Maucrwcrk und ift zu beiden 
Seiten mit weißem Anwurf von 15 bis 20 Mm. Starke 
bekleidet; ein Eftrichbodcn bedeckt den Innenraum. 

Ueber die innere Einrichtung der Grabkammer 
lauen fich keine beflinimten Anflehten bilden: Stein- 
bänke, auf welche man die Urnen zu ftcllen pflegte, 
können nicht wohl den Mauern entlang gelaufen fein, 
weil diefelbcn durchgehends mit Verputz bekleidet 
aufgefunden wurden; Nifchen zur Aufnahme der Urnen 
anzunehmen, will wieder nicht recht zur geringen 
Mauerdickc llimmen, und an ein Maufoleum mit Be- 
gattungen, ähnlich dem zu Stolae in Bosnien, welches 
drei Grabftattcn in fich fchloß Außenmaß 5 9 X 4' ^ ' , M-, 
Innenmaß y<) X 2 m 6 M.) zu denken, erlaubt der Ellrich- 
boden nicht. Ebensowenig laßt fich entfeheideu, ob ein 
geineinfames Grabmal für alle Mitglieder einer Familie 
oder ein Einzeldcnkmal vorliegt; das Vorkommen 
eines kleinen prolilirten Allarfragmcntes aus Sterzinger 
Serpentin {Fußplatte nur 12 Cm. breit), leider da ab 
gebrochen, wo der Schrifttheil beginnen follte, fpricht 
eher für elftere Bcflimmung, weil feine VerhältnitTe 
mehr zur columbarienartigen Einrichtung paffen; 
gefunden wurde es allerdings im Raum 2 bei </, wohin 
es aber doch wohl nur durch Verfehleppung aus dem 
Innenraum 1 gelangen konnte. 

Kit» zweites, wieder nahezu quadrates Mauer- 
viereck, über detl'en Starke, Technik, Erhaltung das- 
felbc gilt, was über das erfle gefagt wurde, bildet die 
Umfaüung des Grabmals und umgibt da^fclbe mit 
einem angemeiTenen Vorraum 2 von 2 25 bis 2 30 M 
Breite, der nur an einer Seite auf 178 M. fich verengt, 
w ahrend im Gegenfatz hiezu, bei der erden Anlage die 
bedeutende Erweiterung der vierten Seite auffallt. 
Auch in 2 war ein Eft rieh im Niveau desjenigen im 
Mittelbau gelegt, aber zum großen Theile zeifloit. 



Farbiger Stuck fand (ich hauptlachlich an der Mauer 
bei (/, aber die Bcmahmg erltreckte fich fclbflvcr- 
Itandlich auf alle vier Wände. Auch an architektoni- 
fchem Schmuck hatte es nicht gefehlt, allerdings nur 
an diefer einen Schmalfeite nachweisbar; es find an 
derfelben — ungefähr ins erfle und dritte Viertel 
fallend — gegenüber den Ecken des Innenraumes rohe 
fluchtig erltellte 60 Cm. hohe Stufen b, b angemauert 



1 1 




( 124 X O j und 110 X 0 :4!, die entweder llalbfaulcn 
oder pilafterartige Vorfprunge gelragen haben mögen. 
Auch finden fich die vcrfchiedenflen Shulenrefte, bc- 
hauene, fogar profilirte Steine c, c an Stelle des ver- 
fehwundenen Eftrichhodcns vor und zwifchen jenen 
Stufen eingeftreut. Nur Vereinzeltes unter den arg 
verwitterten Ueberreftcn hatte noch erkennbare Form 
beibehalten, fo die Saulcnbafis. Figur l, mit einem 
DurchmelTcr von 32 Cm., eine halbe Säule von 13 M. 
Lange und 39 Cm. I lurchmefler, zwei fehwachcre 
S.mlenftiicke von 32 und 19 Cm. Lange, edleres von 
21 2 Cm. auf 20 S, letzteres von 1 7-4 Cm auf 17 Cm. 
I UirehmciTer fich verjungend. 

Die Analogie mit dem früher aufgedeckten Grab- 
mal ill bis auf die dritte Maucrlinie volKlandig, welche 
auch hier als Umfaflung zur Bezeichnung des Areals 3 
vorhanden. Der Starke diefer Mauer mit 60 und 72 Cm. 
muß fchon einer anfchnlich.cn Hohe entfprochen haben 

Da folche Grabmaler nach der Beifetzung be- 
kanntlich gefchloiien wurden, war von vornherein nicht 
/u erwarten, wirkliche Thüroffnungcn aufzufinden; daf- 
aber auch keine nachträglichen Vermauerungen wahr- 
zunehmen waren, muß wohl auf Rechnung der manchen 
orts ausgedehnten ZerlV>rung des Gemäuers gefetzt 
werden. 

Die i 40 M. breite Mauerlücke h bedeutet un 
zweifelhaft eine F.intrittsftcllc von dem mit Ellrich 
belegten Gangjj,' her; die beiden Sandfleinplatten e und 
/ von welchen erftcre 26 Cm. über der letzteren ge- 
legen, mochten Stufen einer Treppe anzeigen, welche 
dort an der itarken Abdachung des Terrains als not- 
wendig fich herausltellt. Mit dem vorbefchriebenen 
Grabmal bringe ich diefen Vorbau nicht in Beziehung, 
fondern vermuthe, dafs hier der Eingang zu einer 
weitem umfriedeten Bcgräbnisftattc vorliegt, der den 
oblongen Kaum 4 eingenommen hatte. 

Was an Münzen gefunden wurde, die, wie unten 
flehend zu erfehen, dem 1. und 2. Jahrhundert ange- 
hören, entflammt vorwiegend aus dem Vorraum 2 . 



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MiUheiluLgwn d. k. k. C.-Com. f. K. u. h. Denkmale 1898 



Bauliche Überreste von Brigantiura Taf. I. S. 78 




- 79 — 



einige kleinere Gcgcnftandc aus dem Hofe 3 zuifchen 
h und /; unter ihnen ift zu nennen ein mit Bronze-Kopf 
verzierter Eifennagcl, befonders aber der markant 
modellirte Delphinskopf, Figur 2 ; wurde nicht fchon 
die Behandlung des weit geöffneten Rachens ihn als 
Wafferfpeier erkennen laffen. fo fpricht der deutlich 
im Innern angefetzte Kalkftcin für die Art feines Ge- 
brauchs. Nach feiner Form konnte er nur an einem 





hölzernen Brunnenrohr befeftigt gewefen fein. Wer 
weiß aber, ob gerade in diefem Hofe ein munterer 
Strahl klaren Oucllwaffers hcrausfprudelte? Der ge- 
l'ammte Inhalt des Zwifchenraumcs k i macht den Kin- 
dnick ausgefüllten Materials, denn er ift gefchwarzt von 
Ruß, durchfetzt mit vielen Gefaßl'chcrben, Dachziegeln 
und fogar Hypocauft-Thonplattcn der kreisninden 
Form, die in Brigantium ausnehmend feiten. 

Mtinxfundt in . I. 

Auguftus und Agrippa Coli. 10 Imp. (Divi F.) 
Kopf des Auguftus und des Agrippa mit dem Rucken 
gegeneinder, elfterer mit der Rednerkrone, letzterer 
mit dem Lorbeer. 

R: Diefelben Kopfe, darunter Divi Aug., beide 
Seiten mit Gcgcnftcmpcl verfchen, die eine mit COL, 
Krokodil mit Palme, die andere mit NFM (ausus). 

M B. Kopf des Auguftus, all« übrig« un- 
kenntlich. 

M. B. Cohen 228. Oclavius Auguftus unter Ti- 
berius geprägt. 

l'artagirtes As (Hälfte einer Mittel-Bronze»; der 
Technik nach aus der erften Hälfte des I. nach-chrift- 
lichcn Jahrhunderts. 

M. B. Caes Imp. Aug. Cos VI. Ccnsor. Kopf des 
Nero mit Lorbeer rechtsum. 

R: S. C. Venus genitrix in der Rechten eine 
Victoria haltend der Titel Cenfor fchr auffallig, nicht 
bei Cohen). 

M. B. Cohen 500 Vefpafian. Kopf des V'efpafian 
im übrigen verdorben. 

M B. Caes. Domit. Aug. Germ. XV Cens. 
R: Zerftort. 

M. B. Kopf des Hadrianus. 

R: S. C. Stehentie Frau (wohl ein Salus) mit Krug 
in der Rechten und eine Patcra in der Linken. 

M. B Kopf der Sabina, Gemahlin des Hadrianus 
'nach der auffallenden Haartracht und dem langen 
Hals) 

R: Vefta fitzend, in der Linken ein Scepter 
C ohen 66. 



B. Pott- Stationshaus. 1?) 

Bis zur Römerftraßc vortretend, in 3'/, bis 4 M. 
Entfernung dem Vorrathshaus oder dem „Marktplatz - 
parallel laufend, wie der im Jahrgang 1891, S. 200 der 
Mittheilungen befchriebene Bau benannt wurde, liegt 
ein fcltfames Gebäude, das mit keinem zweiten in Bri- 
gantium fich vergleichen laßt (Taf. I Fi). 

Ks ift daran der viel altere Vor- 
derbau von dem in fpäterer Zeit hin- 
zugefügten Theil leicht zu unterfchei- 
den, weil die vier umfangreichen Stie- 
ben u, o. f> den Abfchluß einer 
Außenmauer gegen das in jener Rich- 
tung fanft abfallende Terrain hezeich 
nen; fic reichen in bedeutende Tiefe, 
find Hark angelegt und mehrere davon 
forgfaltig in Diamicloiiwerk erftellt. 
I licr endete alfo der vordere Bau, den 
drei lange Mauern a, c, e in zwei 
fchmale Hälften theilten (5-84 X 
X I9'6> M. zur rechten Seite und un- 
gefähr ebenfoviel zur linken); an der bergwärts und 
der Römerftraße zugekehrten Front war der Porticus 1 
vorgelegt, deffen Pfeiler, dank ihrem forgfaltigen Schicht- 
mauerwerke, lieh vorzüglich confervirt hatten, Tür hiefige 
VcrhältnilTc ausnahmsweife hoch, nämlich 70 Cm. über 
den fie umgebenden F.ftriehboden. Sie flehen in einem 
Abiland von 2 90 bis 310 M. vom Gebäude und trugen 
vermuthlich Säulen, deren Zahl auf 14 zu verani'chlagcn 
ift, indem man fich auf I und IV je fünf, auf II und III 
zufammen vier vcrtheilt denken kann; drei der Tfciler 
entfprechen den Abfchlüffen der Gebaudcmaucrn, nur 
dem kleinen mit quadrater Grundfläche fteht nichts 
gegenüber, weil fein Nachbar III genügend für die Auf- 
lage des Dachgebälkes forgte. 

An dem leer gefundenen Raum 2 kann nur die 
Bauart der Eingangspfeiler und fein Verfchluß inter- 
efliren; es verftärken fich da beide Seitenmauern zu 
viereckigen Pfeilern ,/ c (088 X 1-24 M.) und treten 
antenartig vor; die Mitte nimmt ebenfalls ein Pfeiler b 
10 92 X ! '22 M.) ein, und foweit diefe Anlage reicht, 
geht allenthalben das übliche Kiefelmauerwerk in 
Diamicron über. Beide Oeffnungen waren durch Thore 
ftärkfter Conftruction verfchließbar, jedes wieder aus 
zwei Flügeln beftchend. In den vier Zapfenlochern 
fanden fich die mit Blei in die Stcinfchwclle cinge- 
goffenen Fifenfchalcn intacl vor; die länglichen 4 bis 
7 Cm. tiefen Schlitze zeigen nicht nur an, dafs koloflale 
Riegel — je einer hinter der Thorleifte, die anderen 
ungefähr in der Mitte der Flügel — Sicherung gegen 
Einbruch oder Angriffe boten, fondern auch die Stärke 
des Thorcs felbft, das nicht unter 7 Cm. Holzdicke 
befeffen haben mußte. Nägel mit glatten Bronzc-Kopfcn, 
wie deren einer zwifchen den Pfeilern gefunden worden, 
hatten dasfelbc zufammcngchaltcn und gleichzeitig 
deffen Zierde gebildet. An dem Innern Rand der 
Sehwelle ift der 4 bi* 5 Cm. hohe und 17 bis 18 Cm 



breite Anfchlag i/ 1 



arbeitet; an diefen ftoßen die 



vier Steinplatten </, welche den Bodenbelag des Ein- 
ganges bilden (Fig. 31. Da fie 50 Cm. über dem Eftrieh 
der Anten und Pfeiler liegen, mülTcn noch zwei Stufen 
diefer Thoranlage vorgelegen fein, wie es auch in 



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So 



Uchcrcinftimmung mit diefer in allen Thcilen Halt- 
liehen Bauweife (ich befindet. 

Abweichend von der erften Hälfte des Vorder- 
baucs geftallet (ich die /.weite nebenan: die Lang- 
niaitcr verl.uift fo wenig parallel dcmfelben, dafs die 
Breite des von ihr eingefchlolTcnen Raumes lieh von 0 
auf 5'3«S M. verjungt; das Kopfende bildet flau Diumie- 
ton ein großer Sandfleinblock. Die Ouermauern ver- 
laufen unter fiel» wohl parallel, aber gegen die Längs- 
mauern insgefammt in fcliiefcr Richtung. Deutlich gibt 
fieh bei /eine Thüroffnung in den» mit Ellrich belegtet» 
Gemach 6 zu erkennen, dem ein zweites noch kleineres 
s folgte; eine weitere Thurc ift bei dem Maiieraiishruch 
/• zu vermuthen. womit auch die vorliegende Stein- 
platte flimmt. Noch bleibt die letzte und grollte nach 
vorn offene Abtheilung 4 zu erwähnen, deren Ellrich- 
boden im gleichen Niveau von dem die Pfeiler umge- 
benden Gußpflafter liegt, fte bildete ulfo wohl bis zu 
diefeti hin eine einzige gedeckte Halle, be.piem und 
geräumig genug zur Hinfahrt von Fuhrwerken und zur 
Unterbringung mehrerer folcher geeignet. Etwas 
hinderlich lieht dein allerdings die auf den F.flrich 
gefetzte Steinplatte / entgegen X u 67 M. und 



fr 



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I ii; i 

10 Cm. dick), wenn mal» nicht annehmen will, es fei 
ihr zur Erleichterung des Einfteigcns abficlitlicl» die 
Stelle am Ausgang zngewiefen worden. 

Auch in (liefern Gebäude kehren die roh und un- 
regelmäßig behaltenen Sandflcinblocke von 40— 65 Cm. 
Seitenlange, 30— 50 Cm. Dicke wieder, wie ich folehe 
in dem Säulcnbau />' (Mittheilungen 1S96, S 125 ange- 
troffen; wie dort fand ich fie auch hier hart an die 
Mauer geruckt, nicht untermauert, und wo fie zu 
mehreren erfehienen, immer ftufenartig übereinander. 
Der Mehrzahl nach erfebien ihre Oberilaehe im Niveau 
der Thorfehwelle i,g'i. doch überragte auch einer >h\ 
diefelbe um 13 Cm. und die übrigen (/) lagen alle 
darunter. 

Nach Art des Zufamnienhangs fowohl, als ihrer 
ganzen Bauwcifc der über die Strebe/» hinaus (ich 
fortfetzendeu Mauer mußte fie gleichzeitig mit üirem 
oben» Theilc cntflanden fein; fie verDuft eine lange 
Strecke, ohne Seitenmauern zu entfernten, und bricht 
erll 20 44 M. weiter in einem fchon gemauerten Eck 
;• ab, an dem eine gründliche Zerftbrung weitere 
Spuren vernichtete. Dagegen taucht in der I.ang-Iinie 
nochmals ein f» M. langes Gemäuer w auf, deffen fluch- 
tige Arbeit an Fundament und I loelunauer dasi'elbe 
als Zuthat einer fp.ttern Zeit lünftcltt. Die 2 05 M. 
breite I.ückc x zwifeheninnc findet lieh in gar eigen- 



thümlieher Weife bis ulu r den Fundamentabfatz aus 
gelullt, nämlich mit Schieliten von Dachziegeln mit den 
Lcillcn nach oben, in welche aii'lcre ohne Leiden 
reich in Mörtel gebettet wurden. Solcher Schichten 
folgten lieh fünf und darunter noch fechs folehe von 
Kiefelniauerwcrk in einer Mächtigkeit von 67 du; 
gleichen VerhaltniiTen begegnete ich unterhalb der 
beiden nach vorn liegenden Ziegeln. So überaus ft.fl 
diefe Fundamcntii ung augelegt ift. diente fie doch 
nur einem Steinplatten-Mode!) als Unterlage: aber man 
findet die Erklärung dafür, indem man annimmt, es fei 
an diefer Stelle eine Thoreinfahrt gewefen, durch 
welche fcliweres Fuhrwerk aus- und einging. 

Die Zubauten, welche das Gebäude mit der Zeit 
vergrößerten, lind bald helproehen, da lie nichts be- 
fouderes an fich tragen Dafs die Mauern, welche die 
beiden mit Ellrichbodcn ausgeftaltctcn Räume 7 und 8 
umfchlit ßen, wirklich nachtraglich hinzugekommen, geht 
aus der Art und Weife hervor, wie lic an die Streben 
thcils angeftoßen ibei «"1, theils über lie hinweggefuhrt 
lind ibei >n>. Da ein Eingang nirgends wahrzunehmen, 
feheinen fie nur durch die Thüle / mit dem Vorder- 
häufe in Verbindung gellanden zu fein. Seewärts lloßen 
die beiden Gemacher an einen mit Stein- 
platten, wie </ eine zeigt, bedeckten Eingang 9 
von 2 35 M. Breite, zu dem eine außerft bc- 
i)uem angelegte Kampe von außen hereinführt. 
Die 70 Cm. betragende Steigung des Terrains 
vertheiit (ich auf vier große Steinplatten s, 
welche an ihren Kanten lieh 3—4 Cm. über 
lagern. Leider erreicht mit der oberften Stufe 
auch die Mauer ein Ende, trotzdem weist die 
Anlage genügend daraufhin, dafs Corridor 9 
nur zu dem gedeckten Räume IO führte, der 
mit Ellrich belegt ift; er liegt $3 Cm. unter 
der Thorfchwelle g und 26 Cm. tiefer, als die 
Ertliche der Gemacher 3, 6 und 7. Was an 
dem Haufe noch weiter folgte, macht das 
gänzlich ausgehobene Mauerwerk unmöglich zu be- 
fliminen; es laßt (ich nur allenfalls vermuthen, dafs die 
dünnen Mauern (44 — 46 Cm.?, welche den Raum 1 I 
cinfchlicfjcn, einen Fachwerk- oder Holzbau getragen 
haben. Große Steinbocke /. />. mit denen diefe Mauern 
ablchh'eßcn. erfetzen die fehlende Ouermauer und die 
Verbindung mit dem alten Bau; in gleicher Weife 
endet die Mauer am Eingang t hinter dem I'orticus, 
wie überhaupt fo viele andere innerhalb Brignntium's. 

Nachweisbar litt diefer bauliche Compiex in 
ziemlich früher Zeit durch eine Fcuci sbrunft. vielleicht 
diefelbe, welche an mehreren Gebäuden in deffen Nabe 
Spuren ihrer zerftorenden Wirkung hinterließ. Im 
ganzen Umkreis des I'orticus bis in das Innere der 
Räume 2/4 und ; fetzen lieh die Brandfchichtcn fort, 
belotidi rs mächtig traten lie zwifchen 4 und 5 auf, wo 
lic gefehmolzenes Blei und ISronze, aber alles in kleinen 
Fragmenten fuhren, unter denen nur Theilc einer l'a- 
tera zu erkennen find. Alle bchaucnen Steinplatten 
der Thoranlage, die Ccmcnlboden der benachbarten 
Räume ruhen auf machtigen Schichten Brandfchutt, 
einen» fo lockeren leichten Material, dafs in der 
Mitte der Thore eine Senkung von 40 Cm. fich voll- 
ziehen konnte. Wie vorn wuthete das Element auch auf 
der Rückfeite im ganzen Umkreis des Ganges 9 bis 
zum Ziegelmaucrweik x, einige wenige Funde ohne 




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SHM Conjtcturalr „ 
rXTl Platten it Ouader von Sanittein 
Aufgedeckt» Eetriehb»den 

Ausgegraben» Flärhen u*.- ,. »v,, * 



Kitfi f-i i ff- 1 i i 



Si - 



Bedeutung lünlerlaffciid, darunter der Übertlicil einer 
Capfel für Toilcttcgcräthe oder chinn i^ifchc Inllru- 
mentc, ein gekrümmter Bronze-Nagel, Fragment einer 
l'atcra. 

Ii) fehr fpatcr Zeit, von der man überhaupt be- 
zweifeln muß, ob Tie noch zur römifchen zahlt, ent- 
llanden die Mauern, welche im Plan mit Parallel- 
llrichcn bezeichnet find; lie beliehen aus einem Mauer- 
winkel innerhalb 4 und 5 und einer einzelnen Mauer, 
«eiche über die Steinplatten s hinweggefuhrt wurde. 
Ungcköpftc Gcrölllleinc, mit lehr wenig Mörtel zu- 
faninicngehaltcn, in die (Ich eine Menge Humus hincin- 
fchlcmmtc. bilden ein Mauerwerk fchleehteller (Qualität. 

Uie Frage, welchem Zwecke der vorliegende Hau 
in feiner Gcfammthcit gedient habe, wird mir fehwer 
zu beantworten. Ivin Wohnhaus ill er enti'chieden nicht 
gewefen. Die ganze Kintheilung laßt es nicht ver- 
nuithen, <las Fehlen jeder Heizung noch weniger, und 
auch der auffallende Mangel an Scherben und folchcr 
Funde, die fuh auf häusliche Thätigkeit beziehen 
(Mühillcine, Spinnwirtcl. Kochgcfäßci, (limmt damit 
überein. Dagegen i(t aus der ungemein feilen Thor- 
anlage mit ihrem fichern Vcrfchluffe auf einen Aufbe- 
wahrungsort fiir Dinge von Werth zu fchließen, und die 
übrigen kauine wurden fiel) diefem Zwecke unter 



C. Vorrathshaus (horreum) oder Markthalle [Taf II) 

Finc auffallende Ucbcicinftimniung in den wefeut- 
lichllen Theilen mit dem im Jahrgang 1891, S. 200 der 
„Mittheilungen' 1 ' als Marktplatz bezeichneten Gebäude 
bietet ein zweites, welches auf derfelben Seite feine 
Front gegen die Römcrltraße kehrt, 176 M. von jenem 
entfernt liegt; zwifchen beiden füllt der großartig 
ausgedehnte Complcx der öffentlichen Thermen den 
übrigen Kaum. Das üemeinfame beider Hauten beruht 
erllens in dem mogliehft einfachen Grundriß, der nur 
ein längliches Viereck darfteilt, mitteilt einer Scheide- 
mauer in eine vordere große und eine rückwärtige 
kleine Abtheilung getrennt; zweitens in dem baulichen 
Anhang, den jedes an der hintern Schmalfeite, offenbar 
als Bchaufung der Aufüchts-Organc oder jener mit der 
Manipulation in diefen Gebäuden Bedicnfteten, bclitzl. 
Anschaulicher geftalten fich die Vcrhaltnilfe durch 
V ergleich der Dimenfionen, denen ich auch ilie eines 
dritten Baues — in den Canabae 1 gelegen — beifüge, 
welcher gleichfalls zur Kategorie foteher Magazine 
zählt, wenn er auch in Größe weit hinter jenen zurück- 
bleibt, wie dies mit der Bedeutung eines privaten 
Vorrathsraumes gegenüber llaatlichen zufammenhängt. 

Innerhalb der Hochmauer gerne fien: 



Hau von 1889 
„ ,. KSyö 
_ in den Canabae 



kirim- Ahtheilune. 
üititc Lun^c 

4 '37 X 13 0S 
6 45 x 1.V40 
2 48 X 6 33 



Krolle Alliuluiig 
= 9'4- >- '3 40 

23 10 x 13 52 
15-34 x 0 



Maucrdick«' 
■l<.-i Fundament* Oer Hrxtimauer 
92 — 95 60—80 
Ö2 — 6; 50 — 52 

67 — 72 60 — C2 



ordnen, indem fie die Unterkunft für die zur Bewachung 
oder Manipulation nöthigen Mannfchaft geboten 
hatten. Brigantiums belchcidcnc Verhaltuiffe verbieten, 
an ein llädtifchcs Schatzhaus (acrarium) zu denken, 
wenn auch Vitruv die Errichtung eitles folclien ans 
Forum anlloßend verlangt und den befprochenen Bau 
in der That nur ein Xwifclicnranm von 21 50 M., ausge- 
füllt durch ein kleines unbedeutendes Gebäude von 
unbekannter Bellimmung, vom Forum trennt, F.ine 
andere F.rklärung von größerer Wahrfcheinlicbkeit 
wäre die als St,iti,»isli<vis für die Reichspoll. Man weiß, 
wie fehr die Provin/.ialcn außer den druckenden 
Frohnden für die Armee auch jene für Beförderung von 
Perfoncn und Waaretl zu llaatlichen Zwecken durch 
eigenes l'"ulirwerk zu teilten hatten Damit wäre unfer 
Bau nicht übel in Einklang zu bringen; denn er bietet 
einen lichern Stapelplatz in der wohl vcrfchloffcncn 
Malle 2 und 3. eine offene Kemife 4 für den Wagen- 
park, in 5, 6, 7, 8 Schlafgemacher für Reifende und im 
I linterbau mit feinem weiten Hofe Stallungen und 
Scheimen, auch gewiß eine Tranke lur Reit und Fahr- 
t liiere. 

MUurJiindf in !!. 

M- B. I Iadriantis Aug. Jugendlicher Kopf, rrchtshin 
mit Strahlcnkronc. 

I*. S. C. Stehende Frau nach rechts, in der Linken 
eine Schale haltend. 

M. B Kopf des AtUoninus Pius, alles iibrigc 
unkenntlich. 

M. B. Vier Münzen aus derfelben Zeit — Mitte des 
2. Jahrhunderts — unkenntlich. 



Wie fich im letzt aufgeführten Bau die Verbindung 
zwifchen den beiden Abtheilungen durch eine in situ 
aufgefundene Thüre bewerkllelligte, fo muß das Gleiche 
auch in den großen Gebäuden der Fall gewefen fein. 

Der neu entdeckte Bau ift an feiner Vorderfeite 
noch weiter geöffnet als der bereits bekannte, indem 
die beiden I.augsmauern genau wie im vorbefchrie- 
benen Gebäude B als in Schichtmauerwerk abge- 
fchlo(Teiie Pfeiler <7. b enden, zu deren 1 lohe die vordere 
Qnermaucr niemals hinanreichte, auch nie die Vorder- 
leite verfchloß; 55 Cm. unter jener liegend, diente lie 
nur dazu, eine Steinfchwelle zu tragen, über welche 
der Verkehr frei in die Halle 1,'d. i. über eine Breiten- 
ausdehnung von 13 52 M. fich ergoß, alfo uneinge- 
febrankter als beim früheren Bau, an dem die beiden 
Maueruinkel fich auf 8*83 M. näherten. 

Schmale Mauerchen von 36 — 38 Cm. Starke, 
deren Fcken in Steinfockeln c, d ausgehen, fondein 
zwei ijuadrate Platze 1' und 1" vom übrigen großen 
Raum ab, zu dem der 270 M. breite Coriidor 1"' führte. 
Die Sockel muffen, w ie aus der weiten Sprengung von 
13-52 M. folgt, Säulen zur Unterllützung des Dach- 
Werkes getragen haben, die (ich in gleichen Abltandcn 
noch zweimal wiederholt haben mußten; vcrmuthlich 
beltanden lie eher aus I lolz, denn aus Stein, da fo 
gar keine Ucberrclle z.utüekbtieben. Auch die Unv 
maucrung von 1' und 1" tragt die Merkmale eine? 
Unterbaues für Pfollen oder Säulen. 

An diefer Halle wiederholt (ich abermals die 
Anbringung eines Portieus 2 — nun bereits der fünfte 
Fall. Seine vier Pfeiler, von denen die äußeren mit den 

1 _Mil;Krilnr.;.ii- j .,3. V Kium wt i:\ l'ljr,> 



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- S2 - 



Auüenmauem des Gebäudes eoi relpondu en, liehen 
2'<jü — 2 <>/ M. von «.lictcn ab, find unter fich nahezu 
gleichweit voneinander entfernt. 4 06 — 4 :0 M. Kaum 
/u'ifchcn fielt lallend. Ihre Bauart rtimmt mit jenen 
überein, die ich in den ^Mittheilungen- 4 iXr/j S. 125 u. f. 
bcfchricbcn, es lind nämlich wie dort behaltene vier- 
fcitiye Sandlleinfockel auf niaffiven Steinblocken, die 
lehr l'olid mit Geiollflcinen untermauert find. Hier die 
einzelnen Maße: 

Hohe in Ccntinutcr 




I II III IV 

56 53 52 50 

50 47 50 50 



Mittlere Seitenlange in Ccntimetcr 




!>'— 97 yö !>" — W <»- 100 
45 -4* 57 45—53 5« — 54 



Circa 3 Vi M. von der Außenfeite der Sockel, 
um 33 Cm. hoher als ihre l'iitcrlagen, zieht die 
alterte Ilcerflraßc. an ihrem Rande als 30 Cm. mach 
tige Schotterfcliichte mit Lagen großer Gerullfteine 
darunter. Dicfcn Straßcnkorpci bedeckt eine Brand- 
fchichte von 4 — 5 Cm. Dicke, worauf wieder 42 Cm. 
Schotter folgen, nämlich die zweite Straße aus fpätercr 
romifeber Zeit. Von dem Forum wie von den Thermen 
kennen wir bereits diele zwei übereinander liegenden 
Straßen; aber dafs das Aufheben der alten urfprüng 
liehen mit einem ausgebreiteten Brande in urlachlichcn 
Zusammenhang zu bringen ift, vermehrt unfer Wirten 
über die Schiekl'aie Brigantiums in einer neuen 
Richtung. 

Wo immer innerhalb der großen Abthcilung 1 ge- 
graben wird, floßt man bis tief hinunter auf Brandfchutt 
und verbrannte Erde. In dem innern Mauerwinkel 
hinter l> fand ich unter großen Kohleflucken ver- 
brannten Gehalkes mehrere Liter verkohlter Sau 
höhnen (Vicia laba L. celtica nana Heer, laut der von 
Herrn Dr. Moriz Hoent,s, Cullos des k. Hofmufeunis, 
gütigll geleiteten Unterfuchung: ; ich betrachte diele 
als bedeutsamen Fund, weil derlclbe es wahrfcheinlich 
macht, dafs fotehe und andere Fcldfiüchtc in dem 
offenen Schranken 1" entweder verkauft oder ein- 
magazinirt wurden. 

Zum Schlaffe erübrigt noch, dem kleinen Anbau 
4 als nicht unwichtigen Bauthcil einige Aufmcrkfam- 
keit zuzuwenden, welcher an die verlängerte rückfeitige 
Alifchliißmauer angefugt erfcheint; ausgegraben ward 
er fchon langfl (auch im Jahrgang 1S82 der -Mit 
thcilungeii- S. 102, mit <■ bezeichnet, erwähnt), Der 
viereckige, nach allen Seiten etwas fchiefe Bau enthalt 
ein einzige* räumlich fehr bel'chrarktcs Wohngemach 
3 23 X V57 M ', welches mit guter Heizcinrichlung 
verleben ifl; von diefer hatte fich noch das 37 Cm. 
weite l'rafurnium .<,', die zwei pilac 61 Cm. hoch un- 
mittclbar daliintcr und noch zwei fehwächeie Suspeii- 
furatrager in einer Kcke erhalten. Mit Rücklicht auf die 
il'olirte Stellung lind die Mauern außergewöhnlich iLtrk 
gehalten: 86 — 94 Cm. das Fundament, 05—73 Cm. die 
I lochmaucr. 

Dafs nach dem Brande eine Wicderaufrichtung 
des Dachwerks, alfo eine Wiedel benutzung des Ge- 
bäudes flaufand, kann aus den Steinplatten c und / 
gel'cliiol'ieu werden, welche lad au der Stelle der crflen 



nur um 39 Cm. hoher, gefetzt wurden. Aber welche 
Armleligkeit der Hcrllcllung 1 Schlecht behauene dunnc 
Platten ; 12— 16 Cm. gegen 20— 24 Cm. frühen ohne 
jegliches Fundament, nur auf Brandfchutt aufliegend; 
alfo diei'elbe elende verkommene Bauweifc, wie fic im 
Gebäude ß nach dem Brande in Erfcheinung tritt. 

In Bcrückfichtigung alles deffen, was die auf dem 
Grundeigenthum lallenden Xaturallciflungcn mit fielt 
brachten, welche an die Truppen, die oberflen l'ro- 
vinzial Beamten und an die Stationshaufcr von den 
Stadtmagiflraten abzuführen waren, muffen wir wohl auf 
das Vorhandenfein von Vnrrathshauftrn (horrca") zur 
Aufnahme und Verwahrung der Tribute fchließcn, und 
zwar an Magazine von großem FalTungsraum, wie es fo 
voluminufe Materialien, als Getreide, Heu und Stroh, 
daneben auch Lebensmittel, den Hauptartikeln der 
Abgaben erfordern. Ks laßt fielt nicht verkennen, wie 
fehr beide Bauten, fowohl der vorliegende, als der im 
Jahrgang iXrjt befchriebene, fielt lolthcr Verwendung 
aupaffen. Unter damaligen Verhaltniffcn konnte eine 
fladtiTche Verwaltung ihrer kaum entbehren, und man 
wüßte ihnen auch nicht leicht eine geeignetere Stelle 
anzuweifen, als in der gel'chloffenen Reihe öffentlicher 
Gebäude. 

Nicht alle Berechtigung wäre einer andern Er- 
klärung abzufprechen, die ich fruher bezüglich des crtl 
ausgegrabenen Bauwerkes aufgcflellt, nämlich fie als 
Markthalle zu betrachten, als welche fie ihre unmittel- 
bare Lage an der Hccrftraße, ihr weiter FalTungsraum 
und die zugehörige Dienstwohnung ebenfofehr geeignet 
erfcheinen ließen ; welcher Anficht der Vorzug einzu- 
räumen fei, wurde ich gern noch als offene Frage 
behandelt wiffen, bis Ausgrabungen an anderen Runter 
orten mehr Klarheit über die Bcflimmung derartiger 
Bauten verbreiten. 

KUinfunJt in C. 

Lanzette aus Bronze von der Form der h'i^ur 3 
und 4 (Jahrgang 1 806. S. 12X1, in Größe zwifchen 
beiden die Mitte haltend, gefunden unweit des Stein- 
rockels t. 

Bruche aus Weißmetall von 3 t Mm. Durehmelfer, 
in der Mitte ein l'echsflrahliger Stern, am Rande der 
laufende Hund cifelirt ; an der Kückfeite die Nadel 
zum Eindecken nach Art unferer Cravatennadcln 
angelnthet, 

Zwei Muhlllcine in der Abtheilung 3. oberer Titeil, 
der eine aus Granit, der andere aus Gneis 

Miiii'/uiui,- hl C 

M. B. Cohen 5 Germanicus. 
M B. Cohen 437 Domitianus. 

M B. Völlig unkenntlich, der Technik nach 
2. Jahrhundert n. Chr. 

G B. Völlig unkenntlich, dem Gewicht nach 
1. Jahrhundert n. Chr 

Silber-Denar des Commodus 

V. S L. B. . Bärtiger Kopf mit Lorbeer rechtshin 
B: \'ola Suseepta Dcg Kaifer verfchleiert links- 

hin liber einen Dreifuß opfernd. 1 Commodus führte 

feit 1S5 11. Chr. den Titel Brittanicus.) 



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- 83 - 



D. Vorbau der öffentlichen Thermen (Taf. II). 

Die bisher undurchforfchtc Flache, welche vor 
dem Säulcn-Porticus der Thermen und Heizhaus der 
Räder liegt«, wurde, als dem Gebäude C zunächft 
liegend (nur 7 M. liegen dazwifchen), auch noch in die 
Ausgrabung einbezogen. Dabei trat eine Ummauerung 
zutage, welche die gewaltige Thermen-Anlage abermals 
um einen Anbau vergrößert, mit welchem diefer Com- 
plcx nach allen Seiten hin abgcfchloficn erfcheint. Man 
kann diefem weiten Raum, der innen gemefien bei faft 
29 M. Tiefe fich bis 51-50 M. mittlere Länge ausdehnt, 
nur die eine Beftimmung beilegen, als Verfammlungsort 
und Unterhaltungsplats im Freien gedient zu haben. Des 
Kingangs-Portales zu den Bädern für Fußgänger war 
im obengenannten Bericht F.rwähnung gefchehen; der 
y 10 M. weite Kingang, welcher fich zwifchen den' 
Mauerpfeilern bei a öffnet, ift aber gewaltig genug, um 
den Kindruck hervorzurufen, die Befucher hätten auch 
zu Pferd und zu Wagen hier verkehrt; der Fund einer 
aus diefer Umgebung herrührenden Zierplatte vom 
Kopfgefchirr eines Pferdes (Jahrgang 1882, S. 102, 
Fig. I2| unterftützt das einigermaßen. Diefem Eingang 
gegenüber fchen wir die Mauer bei c wieder auf eine 
Länge von 570 M. durchbrochen und mit großen 
Steinplatten bedeckt: kein Zweifel, dafs an diefer 
Stelle ein vermutlich durch Säulenftellung ausge- 
zeichnetes Portal zu reconftruiren fein wird, durch 
welches die Volksmenge aus der Vorhalle 1 in den 
Porticus 2 über einige Stufen niederftieg; letztere find 
unbedingt vorauszufetzen, wenn auch nicht mehr nach- 
weisbar, da fie theils vcrfchlcppt, thcils zur Unkennt- 
lichkeit verwittert find. 

Vor d«yn Portale bei d breitete fich eine beträcht- 
liche Fläche eines Bodenbelages mit fchweren Stein- 
platten aus, die mit regelmäßiger Abwechslung der 
Stoßfugen und in geraden Reihen gelebt find, aber 
was lehr verfchieden, ifl Größe und Form der Platten 
untereinander; es wechfeln quadrate mit langen recht- 

■ .MillheJuiif«- 1B90. S. 1.;« 



eckigen, ihre Oberfläche fchwankt von 0 4—14 Q.-M., 
die Breite der Reihen von 73 bis 163 Cm. Bei b am 
vordem Eingang fand fich nur die Untcrmaucrung 
mit Geröllflcinen noch vor, die Platten felbft waren 
insgefammt verfchwunden. Wenn auch zwifchen den 
beiden Portalen eine durchgehende Plattenbedeckung 
von anfehnlicher Breite fichcr anzunehmen fein wird, 
wenn auch da und dort — bei g, h und / — verein- 
zelte Blöcke und Tlatten auftauchen, fo bezweifle ich 
defto entfehiedener die Uiberdeckung des Innenraumes 
in feiner ganzen Ausdehnung. 

Eine Vicrtcl-BaTis mit dem entfprechenden Wulft, 
die neben der Mauer bei / gelegene und einen ganzen 
Haufen von Säulentrümmcrn, darunter fotehe bis zu 
156 Cm. Länge und 60 Cm. Durchmefler, die nach f 
verfchlcppt wurden, betrachte ich als Uebcrrcfte der 
Säulenftellung am Portal c\ aus dem Porticus können 
fie nicht flammen, denn dort waren die Säulcnfchäftc 
gemauert und mit Stuck überzogen. 

Die gegen die Römerftraßc gekehrte Mauerfront 
erweist ihre Zufammengehorigkeit mit den Thermen- 
Bauten auch durch ihre Technik, indem fie auf mehrere 
Meter vom Eck und von den Mauerkopfen weg aus 
Schichtmauerwerk befteht, dem fich auf die übrige 
Länge opus reticulatum anfchließt. Die lange Mauer 
zwifchen Vorhalle und Porticus zeigt aber ausfchlicß- 
lich erfteres, und zwar bis auf 150 M. Tiefe hinunter, 
wovon zwei Drittel auf das Fundament entfallen; dem 
folgt erft noch ein 37 Cm. tiefer Fuß aus Geröllflcinen. 
Ihrer Länge wegen verftärken fich Fundament und 
Hochmauer bei k und im Eck e zu Pfeilern, die 12 Cm. 
vortreten, und mit gewilTen Rückfichtcn auf die Höhe 
des Porticus muß der ftarke Anzug (10—15 Procent) 
zufammenhangen, den die Hofmauer links von c zeigt, 
während die rechtsfeitige höchftens einen vierprocenti- 
gen, theilweife auch keinen mehr erkennen laßt. Sehr 
abweichend von vorgenannten Mauerzügen beftcht der 
dritte fie verbindende, vorztigsweife aus dem gewöhn- 
lichen Mauerwerk mit Gerolllteincn, wie es in Brigan- 
tium die Regel bildet. 



Die Decanalkirche in Außig a. d. Elbe. 



Von sliMf Air/ekiter, Mufeums C urtov 
. Mit 5 Teil IMuilr.lioiie* 1 



WM 



USS1G an der Elbe (Ust super Albea) ift mit Be- 
; JV - tracht auf die hier zur Verladung kommenden 
[ülEjM Güter fowohl zu Walter als auch zu Lande eine 
der erften Handclsftädtc Ocftcrrcichs. Nicht weniger 
als 50 Millionen Centner werden hier alljährlich ver- 
laden in Schotten. 

Die erfte urkundliche Erwähnung findet Außig in 
der Stiftsurkundc des Rcnediftincr-Kloftcrs Brewnow 
bei Prag, welches am I 5. Januar 993 von Boleslaw II. 
gegründet wurde. In diefer Urkunde wird Außig (na 
usty super Albiam) erwähnt In den älteflen Urkunden 
wird Außig nach Usti (Mündung eines Flußes oder 
Baches) genannt. Die chriftliche Lehre mag bald nach 
der Taufe des Fürftcn Bofiwoj und feiner edlen Ge- 
mahlin, der nachmaligen heiligen Landespatronin Lud- 
milla, in die landcsfürlllichc Burg Außig und den unter 
XXIV. N K 



dem Schirm und Schutz derfclben liegenden Zollnrt 
gedrungen fein und dafeibft warme Anhänger gefunden 
haben. Immerhin aber vergingen gewiß mehrere 
Menfchenalter, bevor auch nur eine kleine der Hillen 
Andacht der hiefigcn Chriften dienende Capelle in der 
Burg errichtet wurde. Und erft nachdem die irdifchen 
Ucberrcfte des heil. Adalbert durch den Fürftcn Brcti- 
slaw I. (1039) von Gnefen nach Böhmen uberführt 
wurden und der Cultus diefcs heimifchen heil. Mär- 
tyrers Verbreitung in Böhmen gefunden hat, wurde 
hier, vielleicht zu derfclben Zeit wie in Zäsada bei 
Lcitmcritz, eine Kirche zu Ehren diefcs Heiligen er 
richtet und mit ihr wohl zugleich eine Seelforge-Station. 
Allem Anfchcine nach gehörte die hiefige Kirchen- 
gemeinde fchon damals zum Bilincr Erz-Diaconate. 



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- 84 - 



In den erftcn Regierungsjahrcn des Königs 
Wenzel I., und zwar vor dem Jahre 1239. in welchem 
bereits ein Burggraf (Jaroslaus) in Königftcin amtirte, 
Icheint die Stadt lammt Mauern von deutlichen Anfied- 
lern erbaut worden zu fein. Die große Kirche der heil. 
Jungfrau Maria wurde mit Hilfe der Bewohnerfchaft, 
wenn nicht von diefer fclbft erbaut. 

Diefelbe wurde von den Deutfchen als eine Filiale 
ihrer Königftcincr Kirche betrachtet. Eine Einflußnahme 
der Deutfehherren könnte vielleicht fchon daraus ge- 
folgert werden, dafs die Kirche der heil, unbefleckten 
Jungfrau, deren befondere Verehrer die deutfchen 
Ritter waren, geweiht wurde. Die fpätcren Jahr- 
hunderte haben vieles verwifcht, was gute Auffchluffe 
gegeben hatte und hinterließen uns faft keine Nach- 
richten. 

Die große oder deutfehe Kirche, unfere Decanal- 
Kirchc, bewahrte uns allein in fich felbft einige Auf- 
fchlülTe Uber ihren Bau. Ks laffen fich nämlich bei ihr 
genau drei Bauperioden unterfcheiden, die zeitlich 
weit auseinander liegen. Der erftcn gehört der untere 
Thcil des Thurmes an, defTen Fenfter und Maßwerk 
Anklänge an das Romanifchc zeigen und deffen Grund- 
riß eine Trapezform hatte. Die von allen vier Seiten 
einft offene Laube im Krdgcfchoß des Thurmes läßt 
den Schluß zu, dafs der Thurm mit der Kirche urfprüng- 
lich nicht verbunden war. 

In das Ende des 1 3. Jahrhunderts fällt die Er- 
bauungszeit des I'resbyteriums, an das fich vielleicht 
einft ein kleiner Hallenbau anreihte, an dcflcn Stelle 
Ende des 15. und Anfangs des 16. Saeculums der jetzige 
Mittelbau von Mcifter Bmui von Laun aufgeführt 
wurde. 

Bei diefer Kirche ift bis heute die Lage von Weil 
nach Oft zu fehen, wie fie im Mittelalter gern gewählt 
wurde. Es ift nicht möglich, über die Errichtung der 
Kirche felbft irgend etwas zu erzählen. Der Kirch- 
fprengel, der fchon in diefer Vorzeit dcrfelbe gewefen 
fein mag. wie er heute ift, erlitt durch die Beftellung 
eines Plebanus bei der Kirche eine Thcilung 1 Im Jahre 
13S4 wird fie fchon Decanal-Kirchc genannt. Beider 
Erftürmung und Zerftörung der Stadt durch die Hufiten 
1426 wurde fie ftark befchadigt. 

Das Presbytcrium cinerfeits und der große Thurm 
anderfeits widerftanden der Gewalt des Feuers, das 
Langhaus aber wurde hier bis in den Grund zerftört, 
f<> dafs unbellimmt bleibt, ob fich die gegenwärtigen 
Umfaffungsgcbäudc in den ehemaligen Linien bewegen. 

Die Decanal-Kirchc ift ein Hallenbau mit drei gleich 
hohen und gleich weiten Schiffen, deffen Langhaus 
durch ein gleichfeitiges Quadrat von 21 M. Durch- 
meffer gebildet wird. Weder die Eintheilung des 
Schiffes, noch die Umfaffungsmauern und Strebepfeiler 
gehören dem urfprünglichen Baue an. doch ift wahr- 
fcheinlich, dafs die quadratifchc Grundform alt und bei 
dem Wiederaufbaue von Mcifter Benes eingehalten 
blieb. Das ganze Langhaus von den Strebepfeilern und 
Säulen bis zu den ktinftlcrifchcn Wölbungen ift docu 
mentirt als Werk des Benes von Laun, welcher (liefen 
Bau ziemlich gleichzeitig mit der Launer Kirche aus- 
geführt zu haben felieint. 

Zwei Reihen von je drei Säulen zerlegen das Schiff 
in neun gleiche fternformige Gcwolbhauben (Fig. 1), 

" Zam*,til. »ie kirchliche« Vcrlv.lu.lfrc Aufl.gi. 



deren Rippen fich kreuzen und abgekappt find (Fig. 2). 
Die Säulen fteigen zu einer Höhe von 14 M. bei einem 
Durchmeffer von 95 Cm an, find achteckig und cane- 
lirt. Mehrere Infchriften und ein rückwärts im Schiffe 
angebrachtes Bruftbild des baulud igen Böhmenkönigs 
Wladislaw II. als Neuerbauers der Decanal-Kirchc nach 
derZerftorung durch die Hufiten mit dem Spruchband: 
„tc deum laudamus", einen Schild mit dem Baupläne 
(und nicht wie irrig angenommen, ein Wappen; mit 




Fig. 1. (Aumg) 



beiden Händen vor die Bruft haltend, mit Scepter 
und Krone und auf die Andächtigen niederfchauend 
(Fig. 4), beftätigen, dafs der Bau erft nach 1 500 voll- 
endet wurde. Auch der alte Thurm wurde damals umge- 
arbeitet, der Chor aber blieb unberührt. Dafs das vorer- 
wähnte Bruftbild die Figur des genannten Königs dar- 
ftelle, ergibt fich, abgefchen von der Aehnlichkeit mit 
den anderweitigen beglaubigten Abbildungen, aus dem 
Umftande, dafs an dem gegenüberftehenden äußern 
Strebepfeiler der Namenszug Wladislaw's, ein gekröntes 




Fl« } 



W auf einem Wappeufchilde, ausgehauen ift. Das Bild- 
nis zeigt uns den König, welcher 1453 geboren wurde, 
als einen kräftigen Mann im Alter von etwa 36 Jahren, 
mithin die Sculptur annähernd zwifchen 1487 bis 1490 
ausgeführt worden fein dürfte. Augenbrauen zeigen die 
flavifchc Abkunft des Dargeftelltcn an; er tragt lange 
Haare und einen Vollbart, die Kleidung beliebt aus 
einem enganliegenden, an den Aermcln mit l'clz be- 
fetzten Rocke, deffen Einzelheiten wegen oftmaliger 
Ucbcrtünchungen nicht mehr zu erkennen find. 



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- «5 - 



Der Chor fallt fchon beim Eintritt in die Kirche 
durch feine große Räumlichkeit auf. Während die 
Schiffe von Achfc zu Achfc der Säulen nur 9 M. 
82 Cm. einhalten, zeigt das Presbyterium die lichte 
Breite von 9 M. 30 Cm. und hält fnmmt dem aus fünf 
Seiten des Achteckes befchriebenen Chor-Schluß eine 
Länge von 20. M. 46 Cm. ein (Fig. 5). In den Ecken des 
ChorSchluffcs und zwifchen den dreifeldrigen Wänden 
ziehen 30 Cm. ftarke Rundftäbe mit einfachen Kclch- 
Capitälen zum Gewölbe hinauf und entwickeln kräftige, 
mit tiefen Hohlkehlen profilirte Rippen, die drei mitt- 
leren Seiten des Chor-l'olygons find mit Füllungen 
umzogen, die einft zu Sitzen für die Geiftlichkeit ge- 
dient haben mögen.' 

Es folgten dann noch in den Jahren 1538, 1763, 
1833 und 1872 bauliche Aendcrungcn von größerem 




Fig. 4. 

Umfange. Der letzte Brand 1872 brach im Innern der 
Kirche aus und gab Veranlaffung, das ganze Gottes- 
haus ftylgerecht zu renoviren. 

Die eilf zumeift dem Rococoftyl angehörenden 
Altäre wurden entfernt und drei neue gothifchc nach 
den Plänen des Malers Wachsmann aufgeftellt. Auch 
erhielt der Hauptaltar an Stelle des frühern die 
Himmelfahrt Maria darfteilenden Altarblattes von 
Bendel einen zufammcnlcgbarcn gothifchen Altaraufl'atz 
aus der Materni-Kirche, ein wahres Juwel mittelalter- 
licher Kunft, worin fich Holz-Sculptur und Malerei ver- 
einigen. 

In Höhmcn trat fchon unter der Regierung des 
kunft liebenden Kaifers Karl IV. diefe Art der Sculptur 
und Malerei auf, und es finden fich allenthalben der 
gleichen Werke. Im Malerprotokolle vom Jahre 1 348 

• Gfmtttr. Die Rast de» Mi.l.Uter. in B°h»ei>. 



kommt nach Rieger's Statiftik von Böhmen, der Maler 
Duchek vor, welcher Name auf der Rückfeite des 
befagten Altarfchreines gezeichnet ift. 

ADAMUS DUCHEK 
VPI 

Es läßt fich jedoch fehwer beftimmen, ob der 
unter anno 1348 angeführte Duchek derfelbe fei. Diefer 
Name kommt auch in alten Außigcr Urkunden vor, 
unter andern auf einer in der flädtifchen Schützenlade 
befindlichen von 1548 datirten Pergament-Urkunde in 
bohmifcher Sprache Paul Duchek als Bürgermeifter. 

Das Innere jenes Altarfchrankcs ift polychromirt 
und ftellt in der großen Mitteltafel Maria mit dem 
Jefuskind auf dem Arm als Himmelskönigin, ihr zur 
Rechten den Apoftel Petrus, zur Linken Johannes den 
Täufer dar. In den kleineren in Angeln fich bewegenden 




Fig 5 



Flügeltafcln ftcht rechts Maria Magdalena mit dem 
Salbengefaße, links Johannes der Evangelift mit dem 
Kelche. Die Figuren heben fich von einem rcichgcmuftcr- 
ten Goldgrunde ab, deffen Deffin herrliche Zeichnung 
hat, und find fämmtlich mit zierlich gefchnitztem und 
vergoldetem Laubwerk umrahmt und baldachinartig 
von folchemüberfchirmt. Ift der Altarfchrein gcfchloffen, 
fo zeigen die Außenfeiten die Verkündigung des Engels 
Gabriel au die heilige Jungfrau. Dies find zwei herrliche 
Bilder, die Geftalten von anmuthiger Schlankheit, und 
wenn gleich noch conventionell, doch von freier Bewe- 
gung, die Kopfe von zarter ausdrucksvoller Innigkeit und 
reicher Behandlung. Ein fanfter Schmelz der lichten und 
doch gefattigten Färbung, eine kindliche Reinheit und 
lloldfeligkeit ergießt einen Zauber von Frömmigkeit 
Ober diefe beiden Geftalten. Die Gemälde find auf einer 
auf die Holzlafeln gefpannten und kreidegrundirten 
Leinwand in Tempera gemalt, und ift durch diefes 

it« 



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Verfahren dem Springen und Nachdunkeln der Bilder 
vorgebeugt, weshalb felbc noch fehr gut erhalten find. 

Der Altarfchrcin. 1 welcher vom Jahre 1659 bis 
Ende 1871 als Hochaltar in der hn Jahre 1896 abge- 
tragenen Matemi Kirche ftand, feit Ende 1872 aber die 
hiefige Decanal-Kirche ziert, führt folgende Auffchrift: 

„Matern! altare hoc urbs Austa locavit in aede; 
quid nisi maternum vult magis esse locumf 
proptera audiri materna quia petis aure ; 
En, Maternus adest. hic petc. matcr adest!* 
Anno MDCLVIII. RenovatQ vero anno MDCLX. 

Nach Grueber wird dcrfelbe als eine Arbeit der 
Nürnberger Schule anerkannt. Der Rahmen überwiegt 
den bildlichen Inhalt. Die Strebepfeiler, Filialen, Bal- 
dachine und Arabesken vereinigen ftch zu einem 
fchlanken fein gegliederten Aufbau, defTen farbige 
Ausftattung mit den Linien in vollem Einklang fteht. 
Die Figuren verrathen Wohlgemutlis Einfluß; man fieht 
geknitterte Falten, vortretende Backenknochen und 
eckige Schultern neben feharfer Charaktcriftik der 
Köpfe. 

Vermöge Forfchung des fächfifchen Alterthums- 
Vcrcines zierte diefer Altarfchrcin die von 1 502 bis 

1 546 erbaute Hauptkirche zu Pirna, wurde aber wegen 
der in den Jahren 161 1 und 16 12 erfolgten Errichtung 
eines fleinemen Hochaltares dafelbft ums Jahr 1659 
an Außig verkauft und in demfclbcn Jahre als Haupt- 
altar in der St. Materni-Kirche aufgeftellt. 1 

Die Kanzel, fünffeitig, gilt als Werk des Benedict 
von Latin und zeigt, dafs der vielbefchäftiyte Meiftcr 
fich auf dem Gebiete der Schnitzarbeit verfuchte. Die- 
felbe ift mit der fechsfeitigen in Laun, obwohl ver- 
fehiedene Polygone zugrunde liegen, fo ähnlich, dafs 
die Seiten fich decken und nur die Maßwerke einige 
abfichtlich eingeflochtcnc Verfchiedenheiten enthalten. 
Die Hohe der Kanzel in der Decanal-Kirche betragt 

2 M. 79 Cm., die grüßte Breite des Stuhles 1 M. 31 Cm. 
und die innere Hohe dcrfelben 1 M. 9 Cm., die Aus- 
führung ift zwar geglättet und das Maßwerk forgfaltig 
bearbeitet, doch fpricht fich in dem Werke befremd- 
liche Nüchternheit aus. Die Kanzel fteht am vorderften 
Tödlichen Pfeiler. Die Treppen, welche Meiftcr Benedia 
trefflich zu conftrutren verftand, find wohl erhalten, 
und mit dcnfclben Maßwerken verziert, die an der 
Kanzel felbft gefehen werden. Material ift der treff- 
liche Elbefandftcin, auswärts unter dem Namen 

' Pirnaer-Stein bekannt. 1 

Bei der Rcnovirung der Kirche im Jahre 1833 
wurde das Dach neu hergeftellt, und das Sanclus- 
Thüimchen aus der Mitte an das äußerltc Ende des 
Presbyteriums verlegt. Anftattdcs Chronographicums: 
Vrbs hacC fIDa.DcI. InnoVat. prac CLaras. ac Des 
(Dicfc Gott getreue Stadt erneuert diefes herrliche 
Gebäude 1763) und anftatt des ober diefem Chrono- 
graphicum befindlichen l'falms: Iniquos ndio habui et 
legem tuam dilexi (Ich habe deine Feinde gehaßt und 
dein Gcfctz geliebt), wurde die jetzt bcltchendc In- 
fchrift gefetzt, verfaßt von Friedrich Sonuewend, Re 
giftraturs-Bcamten in Außig. Dicfc Infchrift wurde vom 

' Im Jalu«- ißj5 muflie detfc:l.-t Jiirch einen .i.i*pel'r/>chenen liran.l h-e. 
I. «mer :iiirr m-il i|{eti 1 Ui AMIl-h .: .nlet def I.olIUii^ Je» Mjc, li.^Ai 



Magiftratsrath Ignaz ffefchel, der zugleich Maler in 
Außig war, gemalt, und lautet: Vota.parent VM. 
ClVItas . obsc C Vta . a Vstenls . reno Vat . hasCc . ac Des 
(die Gelübde der Vorfahren befolgend, erneuert diefes 
Gebäude die Außigcr Bürgcrfchaft 1833). Lin Meiftcr- 
werk mittelalterlicher Bildhauerkunft ift die St. Anna- 
Gruppc.dic vor dem Thurmbau 1885 in der beftandenen 
St. Anna-Capelle geftanden hat. 

Die ebenen Wandflächen in und außerhalb der 
Kirche mochten mit Fresco-Malereicn bedeckt gewefen 
fein. Davon hat fich freilich nur noch an der rüdlichen 
Außenfeite ein uralter hochft charakteriftifcher Ueber- 
reft, einen bärtigen Mannskopf darftellcnd, erhalten. 

Ein wahres Kleinod bewahrt die Außiger Kirche 
in der weltbekannten Madonna. Es ift auf eine Kupfer- 
platte gemalt, und wunderbare Harmonie der Farben- 
gebung, ausgezeichnete Technik und der Ausdruck 
der zarteften Weiblichkeit im Antlitz und im Wefen 
der Madonna vereinigen fich in diefem Bilde in voll- 
endetfter Weife. 

Die Crabmäler. 

Neben dem Scitcn-Altarc St. Jofcph, zur Kpiftcl- 
Seite desfelben, befinden fich zwei von einerlei Hand 
aus Kalkftcin gearbeitete Grabplatten, übereinander im 
Kirchenpflafter eingefügt, eine 2 M. 10 Cm. lauge und 
halb fo breite größere und eine etwas über 90 Cm. 
lange und 60 Cm. breite, beide mit flach erhabenen 
Emblemen und fcharf reliefirtcn Randumfchriften auf 
dem größeren Stein in lateinifchcr, auf dem kleineren 
in bühmifcher Sprache. 

Auf der größeren Grabplatte liegt in einer fünf- 
bogig umbuchteten Einfenkung ein Reliefbild mit der 
Figur eines Kelches. Die Legende lautet: 

„Anno doinini Millesimo quingentesimo trigesimo 
nono die dominica post Jacobi obiit vencrabilis 
dominus Urbanus Fugner, cujus aniina requicseat in 
pacc. - 

Der kleinere Grabftein ftellt auf einem Wappen- 
fchild ein fchlafendcs bärtiges Greifenhaupt mit einer 
flachen zu beiden Seiten thierohren-ähnlich gehörnten 
Mütze, die zwei Flügel hat, und über dem Schild einen 
gcfchloffenen I leim vor, worüber eine gleiche geflügelte 
und gehörnte Kopffigur erfcheint. Die am oberen 
Theile des Randes bis zur Unkenntlichkeit abgetretene 
böhmifche Randumfchrift lautet : 

„Od narozenj boiiho umrzcl 1542 Pan Bernard 
starssy Glacz starcho dworu." 

(Deutfch: Seit gottlicher Geburt ftarb 1542 Herr 
Bernard der ältere Glatz von Altcnhof.)' 

Unmittelbar an der größeren nächft der Tödlichen 
Eingangsthüre der Kirche liegt eine l M. 20 Cm. lange 
und halb fo breite kalkfteinerne Grabplatte mit dem 
Kelbelifchen Wappen und ausführlicher, jedoch halb 
abgetretener Lapidar Infchrift, aus deren unzufammen- 
hängenden Zeilenecken noch zu entnehmen ift, dafs 

„Anno Domini fclig in Gott entfchlafcn. . .Kelbel 

von Geusing, feines Alters in der 25. Wochen, denen 
Vater ift gewest der edle chrenvefte Herr Leopold 



1 tri„lrk)l S*nn*MM«J In feiner CrfchirMc 



• *-.(. ,/.!/* .>.. c. »i-ctv. ,rv.,a,! jj.j. 1'... A,,fi> ib m :. 

• G~,,',r. !>.. Ku„ft Je. >tiue!..,l„. i„ IM,»«*. 



Irr küniclichfn FrriflAtlt 
Killer von AUenhnf. 
ür*blleir.es ift. <Un» 



Aut.> s *r 



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- 87 - 



Kclbcl von Geufing, der Zeit zu Außig an der Elben, 
feine Mutter aber die edle chrentugendfamc Frau 
Katharina, geborene von Liebsdort, dem Gott am 
jungften Tag eine fröhliche Aufcrftchung und uns Allen 
durch feinen Sohn verleihen wolle. Amen." Vorname 
und Sterbezeit des entfchlafenen kleinen Kelbel find 
verfchwunden. 

Linker Hand, unmittelbar neben der in das Pres- 
byterium führenden inneren Sacrifleithürc, des be- 
fchränkten Raumes wegen etwas fchräg in dem durch 
den Vorbogen des Prcsbyteriums vyrurfachten Winkel, 
fleht ein 3 M. hohes und verhältnismäßig breites, aus 
einem hohen Sockel, einem Mittelthcile mit zwei 
Säulen und einem in Relief die Auferflehung Jefu dar- 
ftellcndcn Auffatzc, architektirtes und mit gelblichem 
Firniß angeftrichenes Grabmal, in deffen mit zierlich 
fagonirtcr Umrahmung vertieftem Mittelthcile das Hoch- 
reliefbild einer faft unförmlich feiften knienden Mannes- 
gcftalt in Ritterrüftung mit fteifgefaltctcr Halskraufe, 
mit abgewandtem knebelbärtigen Pausgcficht und unbe- 
holfen gefalteten Händen, vor einem Crucifixc erfcheint, 
vor welchem des Ritters Helm und Handfchuhe liegen, 
während von dem an feiner Linken befonders eingefügt 
gewefenen Schwerte nur die leere Fuge noch zu fehen 
ift An den übertheilcn der unterwärts mit Vafenfigurcn 
und Laubwerk verzierten beiden Säulen lind oben und 
unten zufammen vier behelmte Wappen angebracht. 
Da-s obere Wappen zur rechten Seite ift bezeichnet: 
DER GL ATZ. W . , das gegenüber mit: DER KELHEL 
.W. Von den zwei Wappen an der pudern Säule 
zeigt das obere einen Adler, das untere einen Manns- 
kopf, beide ohne Beifchrift. Jedes der vier Wappen ift 
mit einem Helme bedeckt, über welchem fich die Figur 
des Wappens wiederholt. 

Am Oberthcile des Sockels fteht die achtzeilig 
mit I^apidarlettcm eingegrabene, mit einem Zicrzwcig- 
lcin endende Grabfchrifi.: 

ANNO 1588. DEN MONTAGK NACH BARDOLO- 
ME FRV ZWISHEN ACHTEN VND NEVNEN 
VHR IST IN CHRISTO SEHI.ICKLICHEN ENT- 
SCHLAFFEN DER EDLE GESTRENGE VND 
EHRNVMESTE HER ADAM GL ATZ VON ALDEN 
HOFF AVFF KLEISCHAW SEINES ALTERS 
FVNF VND FIRCZIGK IHAR GOTT VORLEI IHM 
EINE FRÖHLICHE AVFFERSTEHVNG ER IST 
DER LETZTE SEINES GESCHLECHTES GE- 
WEST VND ALHIE MIT SCHILT VND HELMEN 
NEBEN SEINEN LIEBEN HERREN VATER HE- 
GRABEN. 

Vor dem Antritte des heil. Krcuzaltars liegt eine 
weißaderige graue Marmorplatte, 2 M. lang und halb 
fo breit mit den Umriffen eines Wappens, von deffen 
Emblemen nur noch der Helm mit zwei zufammen- 
gefchlagcncn Flügeln darüber bemerkbar ift, während 
fich von der Randumfchrift gar nichts mehr erkennen 
läßt. Uebrigens bekunden, ungeachtet ihrer Ver- 
lofchenheit, die Mcrkmalreftc diefes Grabftcincs, be- 
fonders die fchnabelige Form des Helmes, ihn als ein 
Erzeugnis der nämlichen gefchickten Steimnctzerhand, 
von welcher die Epitaphien des Urban Fugner ond 
Bernhard Glatz angefertigt find. 



Das jüngfle der in der Außiger Decanal-Kirche 
noch befindlichen fechs Grabmale ift gleich dem 
alterten ein geiltliches, und aus einer grau angeftri- 
chenen Sandftcinplattc beftchend, unmittelbar außen 
vor der Kanzelle des Hoch- Altares, zur Epiftel-Seite des- 
felben, in die Wand des Prcsbyteriums eingefügt. Auf 
dem Oberthcile diefer etwa t M. 80 Cm. hohen und halb 
fo breiten Platte ficht man das Rclicfbild eines Prieftcrs, 
welcher mit einem Rofenkranz in den Händen betend 
vor einem Crucifixc kniet, worunter auf einem Buch ein 
Kelch fteht; das Birretum liegt daneben. Die lateinifchc 
Grabfchrift thcilt uns mit, dafs dafelbft Heinrich Ignaz 
Kuntzc, Domherr und Dechant, geftorben 13. April 
1708 im $6. Jahre, ruht. 

Glocken. 

I Das Arwen/eelenglikkel. Auf dem obem Theile 
ringsum: „Anno 1662 gofs mich Nikolaus Low in 
Prag " In der Mitte ringsum: „ Johannes Hertwig, des 
heil. röm. Reichs Graf von Noftitz.» 

2. Das Todtenglöckel. Chronographicum oberhalb: 
„Te Mpore pestls refcCtlo . Istä . pro . DcfVnCtls, 
statVta est." (Zur Peftzeit ift diefe Wiederherftellung 
für die Verdorbenen verordnet worden. 1714.) Unten 
ringsum: „1714 Goffe mich Johann Balthasar Grommel 
in Außig." 

3. Das Schulgtockel. „Anno 1707 goß mich Bai- 
thafar Grommel in Außig." 

4. Die große Meßglocke. Oben: „Tento zwon od 

Matiege SSpice Icta panie MDXLII1I slit gest." 

(Diefe Glocke ift von Matthäus Schpilz .... im Jahre 
des Herrn 1544 gegoffen worden.) Unter diefem: 
r K Cty a Chwale panu bohu wssy rzissi nebeske w 
Raudniczi." (Zur Ehre und zum Lob aller himmlifchen 
Reiche, — in Raudnitz.) Die Nordfeite zeigt in der 
Mitte ein Bruftbild des Johann Hufs, mit der Umfchrift: 
r Johannes Hufs." 

5. Kleine Meßglocke. Oben: Zwon k cti a chwale 
panu bohu y wssy hrzissi nebesky — — Icta panie 
MDXLI° slit gest. (Die Glocke ift zur Ehre und zum 
Lobe Gottes des Herrn und aller himmlifchen Reiche 
im Jahre 1541 gegoffen worden.) Unter diefem: Zwon 
skrze Mistra Matiege SSpice slit gest. (Diefe Glocke 
ift durch den Mcifter Matthäus Schpitz gegoffen 
worden.) Die Südfeite zeigt in der Mitte eine Abbildung 
dreier männlicher Perfonen. 

6. Die Willeborte. Oberhalb: Willebort is mync 
namc myn gheluit fy Gode begname alfo were als 
men my hören Tai unß God bewaren oueral — peter 
waghevens goot my int jaer 1519. 

(Willebort ift mein Name, mein Geläut fei Gott 
angenehm, auf dafs, wenn man mich hören wird, uns 
Gott bewahren möge überall — Peter Waghevens goß 
mich im Jahre 1519.) 

7. Die Sufanne. Oben ringsum: Sufanna Pfal CL. 
Lauda Deum tinitibus lactis canori cymbali Anno 
Domini nostri:MDXCVI.(SufannaPfalm 150. LobcGott 
mit frommen Tönen, mit dem Klange der Cymbel. Im 
Jahre unferes Herrn 1 596.) Auf der Südfeite in einem 
länglichen Viereck: Me ruptum aes refigi curasti, sandte 
senatus austensis priinas, tu quando Herrmane teneres 
teque «icqucrcntur Mollcrus, Bibcrftciniusquc, Tichten- 
baum, Kippelt, Harlich.Koch atque Topincka scribaque 



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- 88 - 



Tattikus, Stubnero notarius alter et curatores tcmpli 
Windifchquc Sibcrque nie Hiligcrus patcr exslit ad- 
traxitque sub auras, 

(Mich geborftci.es Erz hart du wieder herftellcn 
laffen, ehrwürdiger Senat von Außig, du Herrmann, 
einft Primas, und die, welche dir willig gehorchten, 



Mollcrus, Bibcrftein, Tichtcnbaum, Kippelt, Harlich, 
Koch und Topincka und der Schreiber Tattik, Stubner, 
der zweite Notar, und die Vorfteher der Kirche 
Windifch und Siber, mich hat Hilligcr der Vater ver- 
fertigt und in die Lüfte hinaufgezogen.) 

X. Das Sanäusgldcklein. (Ohne Infchrift.) 



Die Wandbilder des heil. Chriftoph. 

Milcelhtfill von l'au! Gftubtt, k. k Confeivator. 



ON dem Riefen der chriftlichen Heiligen erzählt 
das im Jahre 1517 in Straßburg gedruckte 
Lcgcndenbuch nachfolgende Gefchichtc, die 
hier im Auszüge angeführt werden foll, um das Ver- 
ftandnis der Chiiftoph-Darftcllungen zu ermöglichen.' 

Her zu Canaan geborene Heide „Offero", welcher 
eine Größe von 12 Ellen erreichte, fühlte als Kraft- 
menfeh den Drang in fich, nur dem mächtigflen Herrn 
der Erde zu dienen. Den Hof eines Königs verließ er, 
als er bemerkte, dafs fiel» derfelbe bekreuze, fo oft der 
Teufel genannt wurde, mit den Worten: „Wenn du 
dich vor dem Teufel fürchtefl, habe ich dir lang genug 
gedient-, und fuchte Dicnftc bei dem fich als mächtiger 
erwiefenen Herrn, dem Teufel. 

Allein auch der Teufel zeigte eines Tages feine 
Schwäche, als er bei einem Kreuze nicht vorbei konnte; 
da erkannte Offero dafs in dem Kreuze ein noch 
mächtigerer Herr verborgen fei, verließ den Teufel 
und fuchte dielen noch Machtigeren zu finden. 

Nach langer Wanderung traf er einen Klausner, 
der fich der Muhe unterzog, ihn in dem chriftlichen 
Glauben zu unterrichten. Durch „Wotte", «.Faden", 
„Beten" und „Wachen" ließ fich jedoch der nun vor- 
fichtig gewordene Offero von der Macht des Chriften- 
gottes nicht uberzeugen und wollte fich auch nicht 
taufen [äffen. Als nun aber dem thatkriiftigen Riefen 
diefe Art, dem neuen Herrn zu dienen, durchaus nicht 
mehr taugte, fprach er zum Klausner: 

„Weis mir ein ander' Mittel an, ihm zu dienen". 
Hierauf ordnete der Klausner an, dafs Offero Chrifto 
zu Liebe die Menfchcn über ein ftromend WalTcr, Uber 
welches weder Brücke noch Steg führte, tragen möge. 
Offero leiftete dem Befehl Folge, baute fich an einem 
Ufer eine Wohnung und trug die Wallfahrer um Gottes 
Willen, das ift „ohne Dank und Lohn" über das Walter. 
Kines Nachts erfcholl die Stimme eines Kindes am jen- 
feitigen Ufer: „Mein lieber, mein langer, mein ftarker 
Offero hol mich über". Er ging hinüber, fand das 
Kind nicht, und erft als es zum drittenmale rief und er 
zum drittenmale durch das Waffer hinüberfchritt, 
entdeckte er das Kind, nahm es auf die Schulter, grifT 
nach feinem Stabe aus Birnenholz und wollte zunick 
zum andern Ufer. Nun aber erhob lieh ein Sturm, das 
Waffer fchwoll an und all das Gcthter desfelbcn 
trachtete feinen Gang zu hemmen. Das Kind wurde 
immer fchwerer und fehwerer und als er fürchtete, 
unter diefer Laft zufammenzubrechen, fprach er zum 

1 G Liß. MjlhcJoiif^t l.4a,!«:ki.iO.<»Mtr. 



Kinde : „Wie bift du doch fo fchwer, mir ift es als 
hätte ich die ganze Welt auf meinen Schultern". 

Das Kind erwiderte: „Du trägft nicht die Welt, 
aber den, der fie erfchaffen hat" und damit drückte es 
Offero unter das Walter und fagte: „Ich bin Jefus, dein 
König und dein Gott, und taufe dich im Namen 
meines Vaters, in meinem Namen und im Namen des 
heiligen Gciftes. Vorher hießeft du Offero (ich biete 
mich an) und nun follft du Chriftophoros (Chriftus- 
träger) heißen. Stecke deinen dürren Stab in die Erde, 
er wird morgen Fruchte tragen und du kannft daran 
meine Macht erkennen". Damit war das Kind ver- 
fchwunden, Chriftoph that wie ihm geheißen und am 
nachften Tage trug der zum Baum entwickelte Stab 
Blüthen und Fruchte. Darob freute fich Chriftophoros 
fehr und hing mit Treue und Liebe an feinem Herrn. 
Die weiteren Schickfale und das Martyrium des Heili- 
gen finden in den Wandgemälden keinerlei Andeutung 
und können deshalb übergangen werden. 

In diefer Legende, welche in ihrer urfprünglichen 
Form vielleicht noch anders ausfieht, fällt vor allem die 
Ricfengeflalt Offcro's auf, ferner defien Kraft und 
Wanderluft, dann fein Dienft, die Wallfahrer über das 
Waffer zu tragen, und endlich der Stab aus Birnenhok 
der, in die Erde gefteckt, grünt, blüht und Früchte 
trägt. Liß bezeichnet diefe Merkmale als folchc der 
heidnifchen Mythe und findet in dem Chriftoph den 
germanifchen Riefen Wate, der feinen mit dem Meer- 
weibc Wachildc gezeugten Sohn Wieland über das 
Meer trägt. Als mächtiger Wanderer wird Chrilto- 
phoros im Mittelalter von den fahrenden Schülern ver- 
ehrt und befungen, und gibt nachfolgendes Scholaren- 
Lied eine Probe derartiger I'ocfie: 

Ave magne Christophore! 
Qui portasti Jesum Christum 
Ter marc rubrum 
Nee tarnen franxisti cmrum. 
Scd hoc mm est mirum 
Quid tu eras magnum virum. 

Chriftoph befchützte die Wanderer, und der Ein- 
fluß feiner Kraft war ein fo mächtiger, dafs jeder, der 
ein Chriftophbild erfchaute, an diefem Tage vor jähem 
L>de gefeit war, wie dies aus den Verfen: 

Christophore sanfte, virtutes sunt tibi tantac, 
(Jui te mane vident, noclurno tempore rident. 




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Mittheilungen d. k. k. C.Com. 1898. St. Christophs-Bilder. (I.) 




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89 - 



Christ ophori sanfti specicm quicunque tuctur 
Iste nempe die non mortc mala morictur 

zu entnehmen ift. 

Am Kirchlein zu Werfchling bei Himmelberg in 
Kärnten' bekundet nachgehende Schrift in deutfeher 
Sprache dieKraft Wirkung des Anblickes eincsChriftoph- 
gcmäldcs: 

„Sunt kryftof heyliger man deyn tvgent ift fo wol 
getan . . Wer dich deß morgeß anfehavet deß nachteß 
er lieh lachend frawet 1516 Jar. 

In diefem frommen Glauben ift zweifeltos die Ur- 
fache zu fliehen, warum der heilige Chriftoph flcts auf 
den Außenfeiten der Kirchen dargeftellt wurde. 

Udter feinem Kraftbilde fammelten fich die Rci- 
figen und zur Zeit der Kreuzzüge war das Chriftoph- 
gemälde ein Wahrzeichen der llofpizc. 

Aber auch als großer Waffergcift wurde Chriftoph, 
namentlich zur Hebung der im WafTcr verborgenen 
Schatze, im „Chriftophelcs Gebet" gerufen, welches 
im Laufe der Zeit folch kraftige und wüftc Formen 
angenommen hat, dafs es fogar die Kirche als Zauber 
verfolgte. 

Endlich wird Chriftoph, und zwar bis in die neueftc 
Zeit als Patron des Brotes verehrt und lierrfcht bei- 
fpiclswcifc in Kärnten in den dem Chriftophberge nahe 
gelegenen Gegenden die Sitte, ein Quantum von dem 
erft' eingebrachten Roggen dort zu opfern, wofür ge- 
weihter Roggen verabfolgt wird, der dann unter das 
Samenkorn gemengt, gute Saat und lirnte für das 
kommende Jahr hoffen laßt. 

Nach diefen einleitenden Bemerkungen kann nun 
zur Befprcchung der in "der beigefchlolTencn Tafel ge- 
brachten Chriftoph -Darftcllungcn übergegangen wer- 
den, die den Anfang zur Sammlung der Chriftophbilder 
aus Kärnten bilden foll. 

Margarethen. Aus dem Jahre 1507 flammt das 
Chriftophgcmälde in St. Margarethen bei Gncsau, 
welches in Zeichnung und Farbe fchr gut erhalten ifl 
und nur in dem unteren Thcilc einem Fenfterdurch- 
bruche zum Opfer fiel. Wenig ift in diefer höchfl naiven 
Darflcliung zum Ausdrucke gebracht. Chriftoph fcheint 
fich feiner Aufgabe nicht bewußt zu werden, auch 
feheinen keinerlei Hindcrniffc feinen Weg zu hemmen 
und nur durch das Schriftband, mit den Worten: „Ego 
sum lux mundi i^O?*, hat der Maler es zu fagen ver- 
mocht, was Chriftoph zu thun im Begriffe ift. Chriftoph 
und das Chriftkind find mit Nimben verfehen, und 
letzteres trägt die mit einem Kreuze gcfchmücktc 
Weltkugel in der einen Hand, wahrend die andere eine 
Locke des Riefen erfaßt. Als Stütze hat Chriftoph eine 
Palme in der Hand. Die Gcftalt des Einfiedlers ift mit 
Stab und Laterne ausgeruftet, letztere in der Form der 
noch heute üblichen blechernen Vcrfch-Laternen. 

Altkofcn. An der Kirche im unteren Orte von 
Althofet» (Altenmarkt) befindet fich das aus dem Jahre 
1524 herrührende gut confervirte Chriftophbild Hier 
wird fich der Riefe der fchweren Aufgabe bewußt, die 
ihn getroffen hat. Die Lall drückt fo wuchtig, dafs er 
den dürren Stab mit beiden Händen erfaiTcn muß, um 
Stand zu halten, und den Kopf wendet er zu Chriftus, 
als wollte er fagen: „Kind wie bift du fo fehwer". Der 
Sturm ift weniger in der Bewegung der Gewandung 

' Millhrilungfii <ltr Onlr.il Commiffiiin, ia.y* 



Chriftoph's, als in dem flatternden Gewände des Jefu- 
kindes, welches vollkommen gekleidet ift und ein Kreuz 
in der Hand hält, zum Ausdrucke gebracht. Im Waffer 
befindet fich ein kleiner Krebs, drei Gänfe, ein fifch- 
ahnliches Thier und eine Sirene. Außerdem zwei 
nackte Weibsgeftalten, von welchen die eine einen 
Pilger zu transportiren fcheint. Auf der Fclsfpitzc, 
unter welcher der Klausner in kniender Stellung ange- 
bracht ift, fteht ein Hirfch. 

Die Umrahmung des Bildes wird durch gothifch 
profilirte Stäbe gebildet, die in den oberen gebogenen 
Theilen durch eingehängte Bctfchnüre gefchmückt find. 
Die Jahreszahl 1 524 ift in einer gefonderten Um- 
rahmung in Form eines Bildchens in einer untern F.ckc 
der Darftellung poftirt. 

Stcinbichl. Auf einem Gehänge des öden Wimitz- 
Grabens erhebt fich das Pfarrkirchlcin Stcinbichl mit 
dem aus dem Jahre 1 571?) flammenden Chriftophbildc. 
Auch hier ift in der Figur des Kiefen die Anflrcngung 
charaktcrifirt, welche ihm diefer Gang durchs WafTcr 
verurfacht. In einer Hand hält er den dürren Stab, mit 
der andern ftutzt er fich an der Hüfte. Das Chriftus- 
kind fcheint ihm den Kopf niederdrücken zu wollen. 
Der Sturm ift fo mächtig, dafs die Oberkleidcr beider 
Figuren zum Spie] der Lüfte wurden. Das Wams des 
Riefen kommt hiedurch mit feinen Zieraten, Stickerei, 
Knöpfen, Gürtel und Franfenbehänge zu voller Geltung. 
Auch die Tafche mit Brot, welche auch der Althofner 
Chriftoph trug, wird vollends bloßgelegt. Im Waffer 
befindet fich hier eine gekrönte Sirene und ein Polyp, 
ein Sccungeheuer und ein Krebs feheinen die Fuße 
Chriftoph's angreifen zu wollen. Der Klausner halt 
Stock und Laterne. Auf der Säiilcnumrahmimg find 
zwei Wappcnfchildcr und die Tafel mit der in den 
Einheiten nicht mehr lefcrlichcn Jahreszahl unter- 
gebracht. 

Trt/lhtg, in der Nahe von Treibach gelegen, hat 
an feinem Kirchlein eine ganz intereflante und gut 
erhaltene Chriftophsgellalt. In der Stellung ift dicfclbc 
ähnlich der vorbefprochenen, nur faßt das Chriftkind 
den Riefen mit der linken Hand am Kopfe, weil die 
Rechte in die Pofition des Segnens gebracht wurde. 
Der Sturm hat hier die ärgften Dimenfioncn ange- 
nommen, denn die Bewegung der Gewänder feheint 
das Maximum erreicht zu haben. Das Wams des Heili- 
gen ift ganz einfach, aber unter demfelben wird ein 
weiteres hemdartiges Kleidurigsftiuk fichtbar. Die 
Brottafche, aus welcher auch ein Fifch hervorguckt, ift 
mit Quallen geziert. Der am Fuße eines Hügels im 
Vordergrunde angebrachte Einfiedler hält die Blech- 
latcrne der frhon einmal erwähnten Form. Außer 
einem größeren Polyp, einem fchwinmiendcn Hirfch 
und einem finkenden Boot befindet fich hier auch eine 
Sirene im Waffer, welche mit größerer Aufmerkfamkeit 
detaillirt worden ift. Die Sirenen' bedeuten in der 
mittelalterlichen Kunft ftets die Vcrfucluing und Ver- 
lockung zum Hofen und find auf vielen Chriftoph- 
gcmkldcn zu finden, um fymbolifch eine weitere 
Schwierigkeit anzudeuten, die der Kiele bei diefem 
Gange zu beliehen hatte. 

Mi litrriiiorf im Gail-Thalc ift durch eine ganz 
befonders fchöne Chrillophsgeftalt, mit der das dortige 

Cirinttii» I lSu> 



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- oo 



Kirchlcin gefchmückt ift, bemerkenswert!.. Die Auf- 
faffung ift vollends künftlcrifch, nur wurde die Dar- 
fteilung fonclerlicher HindemilTe, die der Chriftusträger 
zu überwinden hatte, vermieden. Das Hauptgewicht 
wird nur auf eine in einer Schrift lefendc weibliche 
Geftalt gelegt, woraus hervorgeht, dafs diefcs Bild aus 
jener Zeit flammen dürfte, wo die Kirche den harten 
Kampf gegen das allgemeine Lcfcn der heiligen Schrift 
führte. Die reiche Kleidung des Riefen ilt ganz mit Pete 
verbrämt und aus der hübfehen Brottafchc fchaut 
Brot und der Griffeines MefTers hervor. Dem Klausner 
hat der Künftler eine kniende flehende Stellung zu- 
gedacht. 

Ober Vtllach. Zum Schluffe fei noch einer 
Chriftophs-Darftellung gedacht, die nicht das Acußcrc 
einer Kirche, fondern im Innern derfelbcn einen Flügel- 
altar ziert und welche von dem hervorragenden hollän- 



difchen Maler Jan Schorel 1 1515 herrührt. Es ift dies 
das Porträtbild des Grafen Chriftoph Frangipani in 
Ober-Vcllach. Wie folltc nun Schorcl diefen Mann 
anders darftellen, als mit jenem völlig brutalen Selbft- 
bcwußtfciit und jener eifernen Energie, mit welcher uns 
diefe feltenc Erfcheinung in Thode's herrlicher Dnr- 
ftcllung* entgegentritt. Seinen Kopf zum Jcfukinde 
erhoben, zeigt Miene und Stellung, dafs er feine fchwerc 
Aufgabe nicht fürchtet. Als Hindernis wird nur der 
Sturm veranfehaulicht, der die Gewandung des Kiefen 
und des Chriftkindcs in mächtiges Wallen bringt. 
Sirenen und Gethier hat der Künftler weggelaflcn, denn 
folchc Dinge waren nicht darnach angethan, einen 
Frangipani in Angft zu verfetzen. Auch der Einfiedler 
fitzt abgewendet und liest in einem Buche, denn diefer 
Riefe wußte feinen Weg auch ohne Laterne zu finden. 

*A.v. 7«*/. *.• Dm S^.«l fch« AU^.t.fd.uOU. V.IUtb C*ri«*>bl.1»9». 
» Her Kinn de» r»r4gi|iaiu. »w> Htnry n,Ht, »89t. 



Zur Baugefchichte der Stanislaus-Capelle im Dome zu Olmüz. 

Von Dr. K^rl Uchncr in Kremficr. 



AN liest bei Wotny, x Nowak 1 u. A., dafs diefe 
Capelle zwifchen 1580 bis 1590 erbaut worden 
FihrW i fei. Aus den nachftehenden Urkunden darf man 
wohl den Schluß ziehen, dafs mit deren Erbauung wohl 
erft fpater als 1580. vielleicht etwa circa 1585 bc 
gönnen wurde, die Vollendung jedoch vor Sommer 
1591 nicht erfolgt fein kann. Da das Innere derfelbcn im 
Jahre 1 740 durch den Olmüzcr Maler Johann Chrifloph 
Handke mit neuen Fresken verfetten wurde, welche die 
Begebenheiten aus dem Leben des heil. Bifchofs und 
Märtyrers Stanislaus zur Darfteilung bringen, fcheint es 
nach Urkunde Nr. 3 nicht ausgefchlofien, dafs er wenig- 
ftens tl\eilweifc eine bloße Reftauration vorgenommen 
haben dürfte. Wie aus der Urkunde Nr. 2 hervorgeht, 
war die Portal-Ornamentik wefentlich anders als heute, 
und dürfte nur das fürftliche Wappen noch von Dialdi 
herrühren. Die Umgeftaltung des Portals fällt wohl 
in die Zeit um 1740. Die Urkunden find entnommen 
einem vornehmlich in lateinifcher Sprache abgefaßten 
Copiar des Bifchofs Stanislaus Pawlowsky (im fürfterz- 
bifchöflichen Archive zu Krcmfier), deffen voller Titel 
lautet: Copiarum literarum patentium omnis gencris, 
quac ex Canccllaria Episcopali Olomucensi latina ema- 
narunt. Sub faelici ac fausto regiminc atque gubernio 
Revcrcridissimi et Illustrissimi in Christo Principis ac 
Doinini Domini Stanislai Pawlowsky Episcopi Olomu- 
censis, Regalis Cai>ellae Bohemiae Comitis, Sacrac Cae- 
sareac Maiestatis Consiliarii. Ab anno eleetionis ejus- 
dem in Episcopum Olomuccnsum MDLXXIX usque ad 
annum MDI.XXXXI. 

L 

Zelte! auff befoldung des Steinmetzen 
zu Olmüts. 

Pag. 370. Am Jahr Taufen t fünffliundert Acht vnnd 
Achtzig den 3. Tag Monathß Februari InOllinutz fcindt 

• Kircf-Jkhe Tnpc-^^ipSi^ v..n Mjtirrn, 1 i. iKrünn lÄ;; 
s kitLSUrhe KuniWcivkmile im OImiiI-. 0'n\-n, ti-?-*, r.^g. M.ic'i in 
baWclMr S|>wk» »«»»c S eSM»:. 



diefe beding Zedtel Zwifchcnn dem Hochwürdigen Er- 
lauchtenn Fürftcnn Vnd Herrn Herrn Staniflav Pawlow- 
fky, VonnGodtes genadenn Bifchoff ZuOllmütz, derKö- 
niglichenBehemifchen Cappellen GrafT, Rom. Khay Mayt. 
Stadt eines, vnnd dem Erbarcnn Kunftreichenn Meifter 
Jlannfen Jofß Steinmetzen in Olmütz annders thcilcs aus- 
gerichtet vnd befchrieben worden, dergeftallt:Sinlemalen 
der feelige Meifltr Jacob, welcher die Cappellen, fo 
hochgemclte Ihre F. G. bey der Thumb Kirchenn alhie 
Zu der Ehr Godtes bawen laficnn, ihn feinem leben 
nicht verbringen vnnd gentzlich Verfertigen mögenn, 
daß folchc noch außllendige arbeyt obci» ernenten 
Meifter Hannß Joß Verrichten vnnd beyneben vier ge- 
feilen außinachen folle, vnnd erftlich foll er die Quadrat 
oder Stein, fo viel der noch gebrechenn Zu dem Cor- 
pus der Capellen gantz vnnd gar arbeyten, nachmalen 
fetzenn, klammeren, Mit bley (doch eyfen vnnd bley, 
auch Koten follen ihme Vonn ihr F. G. Verordnet 
werden) Vergicfcn Vnnd alles diß, waß feines handt- 
wergs ift, alfo Vlcißig verrichtenn, ilaß ihme folches 
Zu ruemb Vnnd ihr F. G. Zu fonndenn gefallen gelan- 
gen n möge. Seine Inftrumenta oder eyfen foll er auf 
fein Vnkoftcnn fcherffenn vnnd wieder Zurichtenn 
laffenn oder diefelben felbft fpitzen ohn ihr F. G. Zue- 
thuen. Dcrowcgenn ihme dann ihre F. G, Vier Taler 
auf den Bloßbalgcn, anbuß vnnd anndere Zuegehor 
gnädigift Verehren Vniut mittheilen laßen. Sein befol- 
dung foll fein wochendtlichenn 3 Taler vnnd auf denn 
gefeilen 2 (1. Vnnd diefe foll ihn. alle woche oder Vier- 
tzentagc Vnuei/ucglich durch den H. Oflkiall oder 
wen ihre F. G. datzue gnadiglt Verordnen, außgezah- 
ledt Vnnd waß ihme gegeben wiit, auf diefen Zedtell 
vermerket werden. Im faal aber der gefcllen einer oder 
er felbft einen oder mehr wercktage feirete, fol im in 
der wochenndtlichen Zahlung für einen jeden Tag 8 gr. 
4 DL alb. abgebrochenn werdenn. 

Item Vber angezogene befoldung Haben ihme 
Ihre F. G. noch gnädigilt Zu geben angeordnet, 

IO Mctzcn Korn, 2 Mutzen Hrbfen, 




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- 9 I - 



2 Mct/.cn Gärftcnn. 

2 Seiten Speck. 
io Kaefc. 
io Maß Schmaltz. 

pag. 371. X'nnd folchc oben angeregte arbeyt fagt 
I lerkegcn herentgegen) mehr berürtcr Meifter Hannß 
joß Vonti der Zeit an, wen er diefclbige für die Hanndt 
nehmen wirt. in einem Halben Jahr gewiflich Zu Voll- 
bringen. Dei'fenn allen Zu mchrcr X'crgewiflerung feimlt 
diiTe aufgerichte Zedtel mit Fürft. Nifchoffl Seeiet bc- 
krcfYtigt worden, fo gegeben Ollmütz auß gemettcr Hi- 
Ichoff lieber Kantzclcy Anno ut supra.' 

Weil von geringem Belang mögen die folgenden 
zwei Vertrage bloß auszugsweife mitgetheilt weiden: 

Pag. 4*0. Brünn ddo'20. Marz 1 590 ill ein „Zettel 
auf Hefoldung eines Zimmermannes 1 * erlaflcn worden, 
Danach foll der vom Kifchofe auch fonft öfter verwen- 
dete Meifter Paul T/chant fehler ■iwi^ Troppa« da« »Dach 
und Thürmlin auf I. F. (j. Cappellen aufm Thumb Zu 
Oilmütz ausfchalcn und bedecken* gegen Zahlung von 
40 Thalern, und empfangt derfelbe als Anzahlung einen 
„Klepfler auf 10 fl. gel"ehatzt u . 

Tag. 482 ift verzeichnet ein Zettel auf Hefoldung 
eines Maurers ddo. Olmüz. 28. April 1590, nach wel- 
chem der ehrbare Meifter Peter, Maurer und Inwohner 
zu Ohntiz, tlie Capelle wölben, fchließen, pflaftern, 
einen Unterbau für den Altar darin machen, unter der 
Thur umf am Grabe, was noch inwendig und aufwen- 
dig zu machen ift. austünchen foll. Dafür foll er be- 
kommen 33 fl. an (leid, 1 Metzeil _Arbeiß\ 2 Metzen 
Koni und als Angabe 4 fl. 

II. 

I'ag. 534. Ann<> 1591 denn 19 Tag des Monats 
Apriliis Zue Ollmutz feindt diele Ding Zettel Zwifchen 
dem Frlauchteti Hochwiirdigftcn F'urllcn ete cine> — 
vnndt dem F.rbarcn vndt Kunftrcichciin Meifter Georg 
Dialdi*, Pildthauern vnndt mitwohnem alhie, annderß 
tlieilcs ausgerichtet vnndt alfo gefchlniTen worden. 
Demnach hochft gedachte I. F. G. vber der Cappellen 
Thier alhie in der Thumb Kirchen etzliche Figuren 
vnndt wappeiin, forderlich I. F. G. Wappen in der 
mitten, mit Kugeln, Neben demfelben auf der Rechten 
feitten S. Wentzeflaj Stalua. Fidejbildt, \'ndt 4 Wap- 
penn. Auf der Linken feitten S: Stanislai. (535) auch 
Spej Statuas Vnndt wiedeiumb 4 Wappen. Vber ge- 
dachtem I. F. G. Waj)]>en aber einen Pelikan X'nndt 
Charitati* mit Kindlein vndt Fnglein. Wie dann alles 
daß Vierter vndt abriß, fo er, Meifter Georg I. F. G. 
fürgelegt, Klarlicheim außweifet X'nndt fem Kunft weiter 
mit beb bringen wirdt, machen Zu Liften gefmnet. Alf» 
Habenn Hochft gedachte I. F G. ihnie Meifter Georg 
folches werckh für anndern gnadigft Vergunftiget. 
Welches er auch noch beriirter Klarlichen außweiftmg 

• W^iuni '-liefet Vertilg In tiir/vl i»-.ii<I< nuil ilir Au <fV:l:rt; n ; i'rti 
ul:rr «-11* Jabr vrtr.jgi rtc , i& Ii i-r Ii I c rti i litli ii Jtali. jnli.ch iic«n Hlkll&lc 
Stallau« l'at»l-iw«ky il-rm l«B. Cf-». : r iNcfcp MciftfT iljtf- ArltTit 4il*f-ihi<il 
/ii UlVcn. fcfM duram hervor, d.i i mit lirmltllieri v rftch<n-J«;r Vcrlrai; »'U 
lull akkliUulcTHl unt<j Ii-. Apr.l 1 5. S 0 |i r 41,-. «fr.eutrt *i:rJ< Mit Jet 

Aukiuhrunii dt* Auftr.ißtt tti.ifi -J er r.if h.'t ■uttlt^ei: gtnefcfi ftin «Jj fr J.U 
ilimb Verus^ >otib tK O'-'tu'jet : sy- 1 i.i'nil. S-'^'i Ailititeti ScM-XlIi utc .11 

Kteititirr »et^tbl tV lul i^ifeT": _\ '>ii WctVb Miu *cit Vitiijt r-mle^im^ e-r- 
l:.hrr M^rtiic'tttin tit fi Ii uicii >-t;.i::ii lull \ Zicrll.li Vnniit wir t!»N iiir- 
»elrjt« M'n!«ll auFVcifl' tcirrl. l.ri[lur. K Cti-ict. TilM-.r» Iii. ihn null cium 
ürfellvn. $,1 fl. u t ■ er :'i 7 Iii Ki-p»r*t>.r f<rirt 1 Jii\ t'im.-r. 1 1 ffti;r; ll^Mril 

S Et ift llllltM^ll Ol tlut ..r r. \..:i ;i>i>f l . (, |. j;j *\ » l^V.T^ L«.'/ 

dtäif-ei^rttn Bil<3ha.i«r i.irniiuh 

XXIV. N F. 



des \ iefiers Vonn einer Materien, Slucko genandt, 
Sauber. Vleifiig Vndt beftendig. damit alfo nit allain 
I. F. G. ein fondcrlicl.es wollgefallcn darob tragenn, 
fonndern auch anmlere erfame Vnndt Kunftreiche 
Meifter dal'felbc Zu Tadeln nit Vrfaeh habenn möchten, 
machenn Vndt Zu uerfertigen Zuegcfagt; für folcln- 
feine mühe Vnndt arbeit habenn I. F. G. Ihme Meifter 
Gcorgenn 2(>o fl, denn fl. Ter 30 gr. Vnndt den gro- 
fchen I'er 7 Dl. alb gerechnet, 1 Zu geben gnadigll 
Zuegcfagt. Mehr follen ihme die Kifenn, <lie er Zu den 
Figuren bedürfleun Vnndt brauchen wirdt, gegeben, 
Auch das gcruft Vonn Holtz, wie es gehört, ohne fein, 
Meifter Georgen Zuethueiin Zu machenn \ r ei'ordiiet 
werden. Wal» aber nachmalß Ihme auf die arbeitt gege- 
ben wirdt, foll in diefe Zettell N onn dem darzuc \'er- 
ordneten Haumeifter" onlendtlich Verzeichnet werden. 

DelTen Zu (536) Vhrkundt feindt diefe Zwen außge- 
febniettene Ding Zettell mitt I. I-'. G. Secrct Verfertiget, 
einer Ihme Meifter Georgen Dialdj X'nndt der annder 
gedachten Paumeifter gegeben worden. Actum ut 
supra. 

III. 

/.eitel nuff Arbt-ytt iiiits MuhLrs 

l'ag. 536. Anno ut supra (sc. 1591 1. Denn 21. Tag 
Aprillisln Ülmütz Seindt diele Ding Zettell Zwifchenu 
dem Erlauchten vt supra eine. — X'nndt denn Krbaren 
X'ndt Kunftreichen Meiftcrn Gerhartten Von \'<ihkcn- 
bürg vnndt Mattes* Makler, bejde .Malilern X'nndt 
mitwohnem alhie in ülmütz aufgerichtet X'ndt be- 
fehloften; Demnach hochft gedachte I. F. G. ilie Cap- 
pellen bey der Tbiimh Kirchen alhie Vollemlt auli- 
maleil Zulalten gefmnet, Haben he ihnen folehes für 
anndern gnadigft X'crgünftigett. 

Daß Mahlwerckh foll diß fein ICrftlich die g.int/e 

I liftoria Sancti Stanislai, wie diel'elbe ilmnen in einem 
eigenen Modell oder Mufter X'orgefchriebenn X'nndt 
angebenn worden. Auch bierueben Anna Cbriftj, fo 
woll I F. G. Frbwa[>pen. Vnndteii Hcrumb aber 
vnndter den l-'enftertl mit Zierliclur grunner Tappc- 
zerey, die Fenftcr aber mit lafurfarb anftreichen vnndt 
mit gülden Stern befetzt werden. Solches alle- follen 
obberiirtc Meifter aufs Zierlichfte X'nndt beftc fie zwei 
(„X'ndt" ift wohl falfchlich eingefehaltet 1 kannen, wirt'en, 
neben Kunftrcicher 1537) außtheilung Aller ftukh, mahlen 
X'nndt alfo Zu uerfertigen Zuegcfagt, Damit nicht allein 

I. F. G. ein kinderliebes gnadiges wollgefallenn darob 
tragenn, fonndern auch andere erfame Meifter foleli 
mahlwerckh V.w Tadeln X'rfach nit habenn mochten. 
Für folchc ihre Muhe X'ndt arbeit haben Ilmneu I F G 

• 1 Ter I it; 1 J»ri, ifi hm ftel. Act .lunS l.il.ili k.ik-i M.ui'iili 111 Ii 
il.!:i XViin, 1;. .Ujn M'( ».Cilirc.r.t.-^fiiStlc lli^lrf kiilrr \ er- h 11.111 J I. t± 

T" kt. * in VVc-ir.i.of. hell , Wc:II| f'lirije; , f. .'.Va-.l/./. I '.I > " »r 1 1 1 , . he 
Mlitl/*cfcil lilllCI i'.rr. Kl.ifrm M UMmi l,;t n U, Kll.'.aljill II llr.i M.lln..> Iii 
..S-Iini«in ill^i Ii* Z. iifclirift- 1Ö0V ij: 

: llrr . 1 rri.r.'ltfrfr l^l: meift t T" M-r lr!nrmc|;. «* i i ' f-hliet '. li.ltti. r'\v 

f.il'ri.-r Iii itlt-.nn ii' <1>- m Si-.ni: ü>f» ei it.i % ' ifri^ -.m.. r.:^^ Ai.»fn Kt h n-j -i: 

II b 1 1 u i' ll-Ml .1 r >i i iC A'b^itv'hTi* .1 .1*1 U/n M< n nn. : , t.;iii-ni l!rr-ii Iii .■ - - 
:cil ntii Ii. ill-;, *ic i.t frlil.er iln bif. h.ill ■ Ii: IMti- i.iV -irr, t um ü.'irr.irl t- 

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futi.it ::u» eutar(;ciiUiLL. 

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Kirtufirr Wim ]t-. ;u, Sut r|tUii-u \iuuti fiii I !r ■ rt >i .1 1 I !■: I f. M C U Im 
M.lTtil: ^rVflO. ölt unticKt-.^f r. l.i-ii.iti.^ Ii 11. ; .Uif - i.u K ul'ctiL-^iUKrll III 

1'r'itXT'i ,V,.|tiil 1 ini^rl'iffui-. \\m; un-i in M ^' a rr'i Ociii.« uicir j|in Iii 

II. hu 1I11.11W11 -i \ ni 1 O.. tii 11 , .->• tiic N;il\ <irm l u-itt-ue l.il 
lirf /virile .V.tf/.ii/ .l/j.i.'Vf ^tlieiluii iU <.UÜ "i'>'l '.Ii. A-tV'" ii a Ii" Iic ii 
I.uiiJc 

'3 



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Zu geben gnädigid bewilligt 1S0 fl., den fl. Ter 30 gr. 
Vndt den Grofchen per 7 Dl. alb. gerechnet. Auch daß 
Goldt, welches Zu folchen Mahlwerckh gebraucht 
werden wirdt, foll ihnen dar/ue gegeben werden. Wafl 
auf folche arbeit gczahlct wirdt, fol in diefe Ding Zcttell 



von dem darzuc Verordneten Baumeider ordeiidtlieh 
Verzeichnet werden Dcffcn Zu Vhrkundt feindt diefe 
Ding Zettcll mit I. F. G. Secret Verfertiget, Eine ihnen 
werckhmeidern vnndt der annderc dem Verordneten 
Baumeider Uebergeben. Actum ut supra. 



Grabdenkmäler in der Pfarrkirche zu Breitenwang (Tyrol). 



Von t>r. Karl t.tthtitt in Ktcmficr. 
(»Ii« a Teal IHuftralinneii ) 




ENN man die einzelnen Jahrgänge der „Mit- 
thcilungen u durchblättert, muß es auffallen, 
I dafs in denfelben das Gebiet von Außerfern, 
das heißt dicGegend umReuttc, fowic dasI.cch-Thal und 
leine Scitenthaler gar nicht vertreten find. Und doch 
gibt es auch da Einiges, was der Mittheilung werth er- 
scheint. Wir wollen für jetzt bloß über Grabdeine in der 
lYarrkirche und dem Friedhofe zu Breitenwang be- 
richten. 

Dafs diefe Gegend fchon feit alteder Zeit bcficdclt 
war, fleht außer Zweifel, ebenfo, dafs hier eine Romer- 
ftraße nach Augsburg führte, deren Feftftellung im Ein- 
zelncn freilich noch nicht verfucht worden id. Funde 
von romifchen Münzen find jedoch fchon oft gemacht 
worden.' 

Leute fchwabifch-bayrifchcn Stammes haben nach 
der Volkerwanderung diefe Gegend bcfiedclt, weshalb 
auch im ganzen Gebiete nur deutfehe Ortsnamen vor- 
kommen. Breitenwang tritt uns zuerd urkundlich 1094 
und dann wieder 1 l 37 entgegen, in welchem Jahre in 
einer elenden Bauernhütte Kaifer Lothar II. hier darb.* 
Wie alt die I'farre id. laßt fich nicht bedinunen, denn 
erd 1423 erfahren wir, dafs die Filialen Bichelbach und 
Heiterwang von der Mutterkirche Hrcitenwang abge- 
trennt wurden.* Ebensowenig läßt fich über das Alter 
der Kirche näheres angeben, da diefelbe in jetziger Ge- 
llalt in den Jahren 1685 bis 1691 von dem Baumeitter 
l'aul Torwertel erbaut wurde.' Der Thurm der alten 
Kirche fiel 1640 ein und wurde 1653 bis 1656 vom 
Baumeifter Hafclmayr mit golhifchem I lelmdach neuer- 
dings aufgeführt. Die ältefte Glocke in demfelben 
flammt aus dem Jahre 1597 und trägt die Auffchrift: 
WOLFGANG NEIDHART MICH GOSSEN HAT — 
ZV AVGSBVRG IN DER STADT.'' Auf der Evan- 
gelien-Seite ift die mit der Kirche verbundene Capelle 
Chriftus im Kerker 1730 angebaut worden und an diefe 
floßt die Todten-Capelle aus dem 17. Jahrhundert.« Zu 
beiden Seiten und hinter der Kirche dehnt fich der 
Friedhof aus. Derfelbe verdient Beachtung wegen einer 
Anzahl fchon gefchniiedeter Eifenkreuzc aus dem vori- 



Tyrol und W-iaill-er*. >>rdinandet.nifc ZeitlYhriil 



fltr. Vf rn khpu der Fundorte antiker Miinien in 
1K7B. ilnrl werden Itnfl. 

1 .»rieft«. strad, Ketuftein. lfithelbach. keime und RoIHrhlaip, angeführt. AN 
Cuiiofiiii» mag erwähnt fem, daft mh in Kernte eine Krau kenne. Jir *•>» 
iltrei Mutier «wen Ratenkrjia/ ließlft, XU wekaent etil dopuelt durchlöcherter 
Sillieriieaar d< » kajfen Anlnninin l'iu» Hangt; ilie Minier fand denfelben heim 
Oralien auf einem Acker in e'henbiihel umt fi Ulli; die bikfi tum KeliaAlite fl 
Zwevk« Hnr^h. »obei «in Stück herau»l>r*> H. Kr traijl die Lebende; DIVL'S 
ANTONINVS mit de (Ten Bild auf der Vorderteile, auf der Rii.kfeit. da. 1111,1 
d.i molei lladriani und die Inltbnft CON..ATIO 

'• 7 m/1 l^Jurntr. Vefle und lletrfchafl rrubere. eerdinandenmi Zeit 
fchrift, iE T u. 18; /r»»*j«ie> R*ff. Herckteit.un|j der 1 ii.n rfr llriern j j»8 
(l*>H. 

> //„t- Wrr A\-M ,, „.;». 

• a,,. 
- ,!,i.l „i 

• ibid. juj. 



gen und dem Anfange unferes Jahrhunderts. Ich hebe 
davon hervor die beiden Kreuze zur Seite der linken 
Friedhofs-Capelle, wovon das eine dem 1808 verdor- 
benen Gerichtsfchreiber Johannjofeph Baur, das andere 
nicht mehr lesbare wohl feiner Gattin gefetzt wurde, 
beide von derfelben 1 land gearbeitet. Ein anderes er 
innert an die 1891 verdorbene Johanna Pohltr, gehört 
aber der Zeit um 1 Soo an; ein viertes an dem Eingänge 
zur Capelle am untern Friedhofsende wurde dem 177S 
verdorbenen Gerichtsfchreiber L'hrißoph Kimtr er- 
richtet. Weitaus das fchöndc id das in prachtiger 
Schmiedearbeit ausgeführte Kreuz der beiden Handels- 
leute Aman, Es ruht auf einem dark ausgefchweiften 
und verzierten Kalkdeinfockcl und befindet fich auf der 
rechten Seite des Weges der Kirche gegenüber. Die 
dark ausgewitterte Infchrift auf der Vorderfeite des 
Steins lautet: HIC DORMIT D. IOANNES AMAN 
PATER IACOBI MAGNI. . . . R. I. S. 1». OBIIT 1731 
DIE 8. SEPT.; die rückfeitige: 

HIC DORMIT 
D. IACOBVS MAGNVS AMAN 
VIR 80 ANN: 

ORVM 

OBIIT 
DIE 23. NOV: Ao. 1777. 
R LS. P. 

Die Arbeit id derart ausgeführt, dafs fich für den 
Befchauer Vorder- und Rückfeite gleich repräfentirt. 
Das überaus reiche Schnorkelwerk mit rankenden 
Blumengewinden und Rofettcn id in jedem Detail fauber 
und zierlich ausgeführt und verdiente das Kreuz im 
Bilde erhalten zu bleiben. 

Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, dafs Pfleger, 
Kedungs-Cominandatitcn.ZoIIncretc. der Vede Ernberg, 
die, obwohl viel alter, 1293 zuerd urkundlich erwähnt 
wird, 1 in Breitenwang oder in der Kloderkirche zu 
Reutte begraben wurden. Wohl weil die Kirche in ihrer 
jetzigen Gedalt neuem Urfprungs id, hat fich in Breiten- 
wang nur ein einziges Grabmal diefer Art aus älterer 
Zeit erhalten. Es id dies der neben dein Seitcnaltar 
auf der Evangelien-Seite in die Mauer eingefetzte Grab 
dein einer Freiin von Roß. Derfelbe hat bei einer Hohe 
von 174 5 Cm. eine Breite von 95 Cm. und trägt in der 
obern Hälfte zwei die ganze Breite einnehmende in 
Farben ausgeführte Wappen mit fiebenzackigen Kronen. 
Da bei J. A. Tyroff, Wappenblich der üdcrrcichifchen 
Monarchie, Nr. 13, Tafel 37, das Kurz Tche fehlt und 
das Rod'fche nicht ganz richtig id, mögen beide 
befchriebeii werden Das letztere id in vier Felder 

' L.idnmtr l. c 15. 



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- 93 - 



getheilt mit ovalem Wappenfuß. Der Mittclfchikl ift 
durch einen Pfahl getheilt. halb fchwarz, halb gold, und 
von einer funfzackigeil Krone überragt. Im rechten 
untern und linken obern l'"eld des Hauptfchildes ragen 
aus breiter Bali» Dreiecke gegen den Mittelfchild vor. In 
den beiden andern Feldern fehen w ir Kopf, Hals und 
Vurdcrkorpcr je eine» Hundes einander zugekehrt. Das 
freiherrlich Kurz fchc Wappen tragt im Mittelfchild auf 
Goldgrund einen fchwarzen Doppeladler, der Schild 
die fieben/.ackige Krone, rechts oben und links unten 
im rot heu Felde ein vorfpringendes Rechteck, in der 
rechten untern und linken obern Kcke je einen gc- 
hörnten fpringenden Steinbock, und zwar recht» auf 
fchwarzem, links auf goldenein Grund. In der Mitte 
zwifchen beiden Wappen ift unten ein Todtenkopf mit 
gekreuzten Knochen, darauf die Huchftaben M F K, 
die Anfangsbuchftabcn des Madehennamens der Ver- 
dorbenen Der dunkelgraue Marmor ift für die Infehrift 
liiiirt. Diefelbe lautet: 

AI. IHK LIGT BEGRABEN WEIE'AND DIF 
WOLGEBORNE FRAV MARIA^LICICITAS 
GFHORNK KVRZIN FREIIN ZVM THVRN, 
DFS AVCH WOLGEBORNEN HERRN HERRN 
FRANZ CARLS FREI HERRN VON ROST 
ROM: KAY: MAY: etc. RATH OHR IST LEITEN 
AM »TS COMMANDANT VND PFLEGERS 
ZV ERNBERG etc GEWESTE FRAV EHE 
GEMALIN WELCHE DEN ; 1VL1» 
ANNO 1679 TODTS- VERl'I.ICHEN. 
GOT V KR LEI CHE IRER SEELEN DIE 
EWIG RVHE AMEN. 

Unterhalb der Wappen folgt nachgehende Infehrift : 
VND DAN HABEN AVCH VORHER IR RVCHE 
STA T ALDA GENOMEN OHWOLERNANTS 

HERRN 

BARON VON ROSTS BEY WOL GEDACHTER 
FREIIN KVRZIN EHELICH ERZEVGTE IMPLYE* 
KINDTLICHER 1VGF.NT VERABLEIBTE HIER 
VNTER BENAMSTE HOCH ADELICHE KINDER. 

Nun folgen zwei leere Zeilen und darunter vier 
Todtonköpfe und drei andere mit gekreuzten Knochen 
in I Inch-Relief, und auf jedem fteht Name und Jahreszahl: 

IK\SZ SKiMVNIl 
I4*v 

AMONI LEOPOLD 

1H.4 

IllHAN IIIOMS 

RAKKARA MAXIMII.I 
ANA Iii?" 
MAKIA ANNA 

I 7 s . 
MARIA ANNA 

1(.?C 

MAKIA SVSANNA 

lfi;3. 

Wenn fchon die erfte Familie der Gegend aus 
Mangel ärztlicher Hilfe (Kcutte erhielt einen Arzt erft 
zufolge der Stiftung von 5000 fl. durch den großen 

> nie iiaterlantheneii Burhftauen lind <« Steinmcti falfch jelden 
wordeu. 

> Nach dem Slerbobuibc der l'farie ftarl» (tn am t. Juli, uihI xt»«r ia 
Ketilte im Aitfill r>llKrim i>n <If-(T#o Stellr lieut«- da« i;el..indr .Irr k V. 
IWirlt.haiiiitmannfrh.ii't H^Iii), Art »1» Sin de« I'fles'r« t» Krähet* ditnlr 

' in .irt Muhe. 



Wohlthatcr Jakob Mang Aman vom Jahre 1*76)' fo 
zahlreiche Kinder verlor, wie mag es da mit der Sterb- 
lichkeit unter den armen Bauern ausgefchen haben! 

Frans Karl Freiherr von Roß zu Kehlburg. Auf- 
hoftn und Silirottenxvinkd war Pfleger und Coinman- 
dant von Frnberg von 1662 bis 1700. Die Roll hatten 
diefe Aemtcr fall erblich inne. Johann Gaudenz, zugleich 
Obcrftadthauptmann von Conftanz, von 1637 bis 1651, 
fein Bruder Anton von 1651 bis 1662, dann der ge- 
nannte Franz Karl, fein Sohn Johann Gaudenz 1700 bis 
1731, und da er Goneralkriegs-Diretftor zu Innsbruck 
und Geheimrath wurde, folgte ihm fein Sohn Franz 
Karl 1731 bis 1 738." Grab. leine finden lieh noch neben 
dem rechtsfeitigen Altare von diefer Familie: eine 
kleine quadratifche Platte mit breiter Randeinfaffung 
tragt ganz verfchtiffen das RotTfchc Wappen und 
einen Todtenkopf, zu beiden Seiten in der Einfaflung 
ein Kreuz und auf dem obern Rande die Huchftaben 
F. C. F. V. R., fie gibt alfo die Ruhcltatte des 1 700 
gi-ftorbenen Franz Karl von Roft an. 3 Neben diefer irt 

G H 

eint noch unanfehnlichcre mit den Buchftaben y ^ 

vielleicht auch ein von Roft.' 

An «lern Wolbungsbogcn des Presbyteriums ift 
rechts ein Grabftein aus grauem Marmor mit Wappen 
aus weißem in die Mauer eingeladen mit folgender In- 
fehrift: 

I.apidem <|uid niirarig Viator 4 
l'.n istc erit tibi in icstinionium . Je . J4 
Omni 

Vclut ruili Kctmua l'niichytia 
tlaudatur bot auli Tumulo 
lllinnt D. I> OKOKf.r UOKATI' L IV de Ron 
in Auflioven, cl Kehlburg et Uoiuin' in 
lingeo. vollmaringcn, < t Mühlhausen, ». t 
et C. M. l'amer. Aul. Ocniponti coniiliari" 
aclualis, 

qui vi In 

Uei s< rvitiji. Cacsahs coniilijs, patriae au\i: 
lij» coniecrnta 
Aaimam luam Oeniponti, 7. Marlij I 73K 
cteatori rrddidil. 
tvt non vencrat in toiispectiiin I>ni vacu *. Ex 73. 
Nato praeter Kccleiiae facta munrr», l'aupenlmt 
ultra inille oclingentot floreno» di: 
ilribui voluit. 
tScatu- igilur erit. 

Olli intellicil «tiper egi-num. et paapere 
in die mala lilx-rabil emn Das l'«al. 40 
Ktlfl't 

Wie die Infehrift befagt und das Sterbebuch aus- 
weist, liegt er auch hier begraben. 

Für die Pfarrkirche in Breitenwang ftiftetc er eine 
WochcnmelTe mit einem Capital von 2000 fl.* 

Merkwürdigerweife hat fteh nur ein einziger Grab- 
ftein eines Pfarrers aus älterer Zeit erhalten. Derfelbe 
ift rechts vom linken Seiten-Altar in den Fußboden ein- 
geladen und zum Theile vom Podium des Altars uber- 
deckt. Sonft recht gut erhalten, ift nur der Familien- 
name ftark lädirt. Der Stein aus rothem Marmor hat 
bei einer Breite von 90 Cm. eine Lange von 167 Cm. 
und am untern Ende in kreisförmiger Vertiefung ein 

1 /V*44.f»/>r 5, sBy JKt r'MUkilieiinanie Mite eigentlich Amtnann 

lauten 

' /.aJurtttr I. c. .M „,,, 

» llerMI.« ft.rt, uch .iem Slerbel'iKh» am Iii Juli; feine liatlm 
rprnUrlr au> dictem Aldaffe ftir einen Seiten Altar »~> B. 

' Hj*i G**Jrn: r.xi Rtß, aii de« mau /una.hn d»>ilceo V./nnm rulil 
iit det St Anna Kirche rn Reulte 

- KmUM/rr t. V' > 

■ 3* 



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halberhabenes Wappenfcbild mit dem eingemeißelten 

Kelche, die Infchrift in gothifcher Minuskel lautet: 
ale man talt nadj ctifti 
tHmtt l|B)l|0|iut|rkcn 
öriölen tag bre mottnl« 
ionuorii starb btt roirbig 
l|et l)n.ie.ioött,.pfartr iiu 
btaiffnroang}bcr|Ml.goit 
gnebig fcy. * 

Wie lang Pfarrer Johann Würz (fo kommt der 
Name in diefen Gegenden heute noch öfter vor) hier 
wirkte, ilt ans Pfarrfchriftcn nicht bekannt; auch link- 
Inutfir- Kapp. 5, 23 1, fagt nur, dafs er anfangs des 
16. Jahrhunderts hier wirkte. 

Der Zeit nach reiht ("ich diefem Grabfkinc der des 
Pfarrers A". J. Lnlz an ; dcrfelbc lehnt an der Fried- 
hofsmauer hinter der Kerker-Capelle, aus rOthem 
Marmor und hat bei einer Hrcite von 6o - 5 Cm. eine 
Höhe von <ji 5 Cm. und eine Dicke von ca. 30 Cm, 
wovon 7 Cm. tief der Rand glatt behauen ilt. Innerhalb 
der einfachen Kandlciften ilt folgende Infchrift ange- 
bracht mit längeren Zahlbuchftabcn: 

kaLknDIs APKlUS Pils • .\: 
rls oiiIIt CakoLVs lOSKI'llV'S 
I.Vrz eVanoeLICVs et oVIbVs 

aCCeI'TVs PASTOR IN BttElTE! 

Wanu. Is Com-ICebat LVstra 
sr-:X kt «jVatVok \nm>> i:t: 

ATlS sV.K.kK^VlKSC'AT lN PACK. 

Da-- Chronogramm ergibt als Todesjahr 1703, 
wahrend das Todtenbuch fein I'.nde infolge eines am 
Krankenbett geholten hitzigen Fiebers auf den 31. März 
1704 anfetzt. Im untern Thcile des Steines ilt der 
Todtenkopf mit gekreuzten Knochen und dem Kelche 
darüber, beiderfeils ein großes Doppelkreuz angebracht. 

Alle andern Grabflcine v on Pfarrern find jüngeren 
Datums. In der rechten Kirchenwand nebeil dem 
Seiten-Altäre lind die des Pfarrers Mang Wer/. (Würz;, 
f 25. April 1772, des Johann Jakob Zeller, f 6. Marz 
1707. des Dr. Franz Xaver Zobl. t ' -' April 1834. An 
den Wolbiingsbogen des Presbyteriums links find in 
die Wand cingefetzt die Denkfteinc des lfarrcrs Eugen 
Rauch, f am 15. Februar 1771 und darunter der des 
Pfarrers Gerhard Setele, f am 30. Oktober 1744. Neben 
dein rechten Seiten- Altare ilt in den Hoden eingefügt 
der Grabftein des Prieftera Chriftoph Amann, f 6. Fe- 
bruar 1735. 

In der Kirche ruht auch eine Gräfin FtfggtT. Hin 
kleiner Grabftein unterhalb dem des Pfarrers Johann 
Worz mit der neunzackigen Grafenkrone laßt noch in 
der obern Hälfte des durch einen Pfahl getheilten 

• Die WWMllWmiH Itlltrti« li»a nach t'i«tb,t*jer.R*tt HpUMt, 

■ «IJim Jim > tm AImmiiIm >fcn<n>i, Am H*mh Mt.ni »udict K. » in Kernte 

it\ nclien ,1er Thür« ein Stück einet l ir-ttiflniii-«, 43 Ctn. lioeK, 46 Cm. Iireil. 
eingemauert l,ttli:ir ifl n.*h: 

llic liit j btgca 

ac,»«« j an | I,: 
tr qcn.bton« (!). 

Mateti.il. Albcit un<l «ctitifl firnl mit der im eben MMNkttM Denk 
Heine ile> 1'f.ittet« Woti «»Iiis itlentif. h. Wi« tili Stuck hielier fcan>, iA ti.it 
I.t 



Wappens die Doppel-Lilien und die eine Bifchofsmütze 
haltende Fraucngeftalt erkennen. Ueber dem Wappen 
die Legende: 

MCVFGVKVW und die Jahreszahl 1 709(1] 
Nach dem Todtenbuch ilt am 20. Juni 1708 gc- 
ftorben: Illustrissima Domicclla Maria Caccilia Vrsula 
Fuggcrin Comitissa de Kirchberg et Weissenborn, fo 
dafs der Grabftein in deutfeher Sprache Namen und 
Pradicate enthält. 




Fig I. iHreitenw-ang J 



In die äußere Kirchenwand neben dem rechts- 
feitigen Ausgange aus der Kirche find noch zwei alte 
Grablteine eingefetzt Der erlle aus rothem Marmor 
Fig. I , ganz glatt, hat bei einer Breite von 88 Cm. eine 
Hohe von 155 Cm. und trägt in gothifcher Minuskel 
nachftehende Infchrift: 

h,ie . leib . bfiirnben . bic . rniotfl . fr fr 
am . mnrgorftrjn Jüninljrnein . molf 
gern* . neigte . ro . hai| . Ml . et kutanen 



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— 95 - 



didjf . Ijoroffroro . blf . gcllotbcn . i fl . 
nnt . nty . lag . tnay . anno .rem. 
i .0. rnij , btr trlrn . öcr . nllmrd)tig . 
galt . gnebig . unb . bnrinhfrqig . 
■ein . moUc . 

Die genannte Frau Margaretha nannte fich wohl 
Kleinhans, ein noch heute in (tiefen Gegenden weit ver- 
breiteter Name; Tic ftarb am 14. Mai 1593; die Buch- 
flaben i . p . rn" find wohl kaum fo richtig, obwohl de 
deutlich fo lauten. Ich halte dafür, dafs es heißen follte: 
La. rinn = ihres Alters 44 (sc Jahre). Da der Grab- 
ftein des Oswald Klcinhans gleich daneben ift, dürfte 
fie wohl deften Schwerter gewefen fein. Näheres laßt 
fich nicht fcftrtellen, weil das Sterbebuch erft mit dem 
Jahre 1679 beginnt. Beinahe die ganze untere Hälfte 
nimmt das außerordentlich hübfeh gearbeitete Wappen 
ein. In ungleichem Dreipaß eingefchnitten zeigt es zwei 
aneinander gelehnte Schilde, deren linker ein bartiges 
Männergeficht mit ftrahlenformig fliegenden Haar- 
bufcheln aufweist, wahrend der rechte ein Pferdegebiß 
tragt, das in der Hchnzier wiederkehrt. Ueber den 
Schilden liegt die Helmdecke und darüber ruhet ein 
gcfchlofTencr Stechhelm, von einer dreizackigen Blatt- 
kröne belegt mit dem l'fcrdegebiß überragt. Hclmzier. 
Ranken und Quallen lind fehr rein und fchoii gearbeitet. 

Gleich daneben ift der Grabftein des Osivald KU-in- 
hans in die Mauer eingefetzt. Da er aus grau-gelbem 
Sandltein gearbeitet ift, hat er gar fehr gelitten, 
befonders der untere Theit. Kr hat eine Breite von 
10G Cm. und eine Hohe von 181 Gm. Den größten 
Kaum nimmt das Wappen ein, die Infchrift in quer- 
oblonger Cartouchc darüber ift gut erhalten, jene unter 
den Fußleirten nur mehr fchvver zu entziffern. Die Re- 
na iflfancc Ornamentik ift von reicher Ausführung, /um 
Theile aber fchon ftark befchridigt. Die Infchrift lautet: 

anno Dm . 1 . 5 . 01 . btn 25 . log Jrb. Storb 

btr (Ereoüfic Snb Jimein Ikr ßfrlitoalt 

äkfnrjaufj gftixfler ßiirgrr jut Ktlte U'ti- 

ichet oll)ic Crgrabtn (igt btr Älmrdjlig (Poll btr 

Wtllt 3m (Ecncbig fein Ämtn.Änoboil .8.8.7 ben 10 

tag Äonntf -lani iilarb bie (Ernreid) önb Bilgfam Jrau Do< 

ralhra (Alainliaufin ain geborne Coniibtcin btr ÄJnw- 

tt]tig <Eiot Sole irr gmcblg Bub Cr.t.i;h-.;..i fei am 

Der Name tritt hier falfchlich als Klcinhans uns 
entgegen. Der Name Bonridcr ift in der Gegend nicht 
üblich, es rtammte alfo feine erlle Frau wohl aus 
Bayern. Die errte Zeile der unterhalb des untern Kaiul- 
Iciftens angebrachten Infchrift ill beinaheganz vei w ittert, 
die zweite noch lesbar bis auf das letzte Wort: 

. . .Juni rtarb| 
Die Dugctfam Fraw Vrfula V<fgelin fein andere 
(Conjeckur) hausfraw. 

Auch diefer Name ift in der Gegend nicht üblich 
und dürfte aus dem lumbale feine Trägerin gewefen 
fein. In dein Urbar der St. Anna-Kirche in Heulte vom 
Jahre 1556 tritt Oswald Kleinhans als ..Hciligenpflegcr" 
auf.' Es gehörte ihm der Kdclfitz Krnheim in keutte. 
den von feinen Krben tler Erenbergcr Pfleger und 



Hauptmann Burkart l.ayman von und zu Liebenau 1604 
kauflich an fich brachte; in der Folgezeit diente er als 
Wohnung des jeweiligen Commandanten von Frnberg. 1 
Der Name Kleinhans ift in der Gegend noch häufig 
und ein Franz Klcinhans (1G99 bis 1776) aus Unter- 
pinswang hat als Architekt und Baumeiftcr einen be- 
deutenden Ruf erlangt. 

Das Wappen ift reich ausgeführt; der rechte 
Schild zeigt das Antlitz der Sonne mit 16 geraden und 
geflammten Strahlen (Klcinhans f auch Fig. 1), der 



1 &laiiiM i^npt'ifrTüiijn^ß J&iM^M 
itjjrr ftibifMOinfci'ii fttjt bn$MM^8$ fci J 
Stoib Ittj^yrilf i>ia ; lnu lujruwo ^irH^^o 
15t \tü«i s «jthifi /uiibSMM^HirWMbü^irVnBiu- 
Vrithfü^lffliünn/td m jjrtatf ^tmtörria QtflWnj 



ml 



'•SM: 



•SS 



■V V. 



Fig. 2. tBreitenwiuig. j 

linke ift durch ein Dreieck nach unten und durch einen 
ilbergefehlagenen Querbalken nach der Breite getheilt. 
In den beiden untern Feldern ift je ein Stern, in der 
Balls des Dreiecks ein nach abwärts gekehrter Halb- 
mond, l'eber den Schilden ruhen die Helme mit auf- 
gefetzten Adlerflügeln in offenem Flug und von diefen 
zeigt der rechte das Sonncnantlitz, der linke weist einen 
Stern über einer Querbinde auf (Fig. 2). 

Von den meift neueren Grabfteinen in der Todtctv 
Capelle mag der Pfaundler fche hier Krw ahnung finden. 

1 J.aifmf»rt I. c. M4. 



C) 



- <,6 - 



Derfelbe, an der rechtsieitigen Wand, ift fehon flark 
abgebröckelt. Die doppelt getheilten Wappcnfchilde 
find durch eine Mufchel verbunden und haben Helm- 
zier. Das linke führt einen Stern mitten im Felde, das 
andere eine von Knndlciftcn eingefaßte Lilie (!) und 
oben beiderfeits einen Stern. Die Infchrift lautet: 

STA VIaTOR 

SV 11 Vkn.v ( Inkkf.s 

InsfICf. 
PaTER ulC natVs et Mater 
VInCVI.o stkInuVnt 

Allbier Ruehet der Wohl Edle Herr Frantz Ignati 
Pfaundler Der Rom. Kay. Kottigl: Cath May: (je- 

werter /oller zu Ehrnbcrg Gcftorben Febr 

2 Jahr Seines Allers. 

Dan 

Der Wohl Edle Herr Julian Jacob Pfaundler auch Ge- 
werter. . . Zoller allda, geftrb. den 2. Juli im 1754 Jahr 
f: Alt: 87, wie auch die Wohl Edle Frau Anna Maria 
Catharina Pfaundlcrin Gebohre Hoygin von Burgrtal 
Mündlberg geftrb. den 16. May im 1750 Jahr J: Alters. 
S4.Jahr. 

Aus dem Sterbebuch laßt (Ich des Franz Ignaz 
Todestag, Jahr und Alter beftimmen; er Harb am 
U.Februar 1748, 52 Jahre alt. In einem Inventar 
von 1743 wird er „junger", Johann Jacob „alter - 
Zollner genannt. Letzterer ließ 171K die Capelle am 
Planfee und 1708 die am Kniebis (befiehl nicht mehr) 
erbauen.' Sie führten kein Prädient, während der Pfarrer 
von Heiterwang Jofeph Anton Pfauudler (f 3.December 
1755) mit dem gleichen Wappen das Prädicat von 
Stedtfeld führte; er dürfte ein Bruder des jungem 
Pfaundler gewefen fein. Obwohl nicht zur Sache ge- 
hörig mögen noch folgende Infchriften Erwähnung 
finden. Am Aufgang zum Presbyterium der Kirche 
flehen zwei hiibfch gearbeitete Meflingleuchter in der 
ungefähren Große von 160 Cm. Der linksfeitige tragt 
die Infchrift: 

]>a ano 1O11 in der 
Pfair i:rciteaw.mg 
die IVft viele Mcnfchen 
wcgmOe, und alle andere 
Millcl fruchtlos al. liefen, fo icr- 
Lobtc ftllie, alle fahre einen 
KreilUgang nach Maria Klar 
Zu verneinen, wohey von der 
Itnrgcrfchaft dei Marti Keulle 
iliele i»ny Leichter aldvrtrn 
Geopfert wurden, und feiihcr 
t at unt <iotl durch die 
Vnrhiltc der Seeligflen Jungfrau 
Maria mit der l'eft vetfchutinel- 

Der rechtsfeitige Leuchter tragt die Infchrift: 

Anno t8o_t vrurde das 
Kloller in Ltal aufgclöOl, 

' r/a*4.f ■>/>•' *'.•//. s. »6«. »jt. 

> Wenn I nuliKr .Um»l« i;e«i.lmel .«n!r, ■ >. „h l.»,.r,n» In 
ft diu limKhuc. ila dl» l'«lt >rjs In c ,n/«» l'f.irt» nn-rrdilig* »iilV.rt« 

/in»....,',. it./A 5 »)? 



die llabfeligkeiten deiTelben 

veiäurterl, und In auch diele 

• Leichter fcilgebothcll /u 

Krhaltung de» andenken» 

jener wohlhat, fo untere 

Vnrüllern, oml wir durch die 

\ orbitte der SeliglU-n Jungfrau 

Maria genoßen haben, hat diefc 

2 Leichter Jofeph Anton N'auf» Rath*. 

hurgti im Markt Rcutte den i'"> 7'"' 180J 

in Kt.il gekauft, und von ihme in daa 

l.nh! l'farr* (iottes Hauff mit vorbehält dem 

Kigenthuni einaweik-n aufgcftclt norden 

Jeder Leuchter trägt die Gravirung M. R. {Markt 
Reutte) und darunter F : C : V : R :, fo dafs fte wohl crlt 
zur Zeit des Ernbcrger Commandantcn Franz Karl von 
Ruft gefpendet worden waren und die frühere Behaup- 
tung von der Vcrfchonung vor der Peft in diefem 
letzteren Falle richtig ift. Sie wiegen gegen 1 l 5 Pfund 
und wurden um 96 fl. zurückgekauft. 

In neuefter Zeit find an diefer Kirche zu beiden 
Seiten des Einganges Erztafeln eingefetzt worden, die 
auf alte EreigniiTc Bezug nehmen. Links vom Eingang 
lautet die Infchrift: 

llic 

in viliMima ca«a 
»I. altera expeditione Romana redux 

obiit 

D III M. Deeembri« MI XXXVII 
I.otharius 
t comitibu» de Supplinburg 
Koumnuruin Imperator 
Saxonias Dux 

>|ui Inipcrii Cermanici autlnritaiem gloriam >plend<irem 
reMituit ejiisqiie limiles lunge prottilit 
t'nnoirdiam cum l'ontitice Maximo pic «ervan«. 
In niemoriam racrltcntiuxiini l'rincipi« 
haue tabulam coniecravil 
I.eopoldii» Fridericua 
Anhaltinoiuni et Saxonias 1 lux 
A. MtKVt/LXYll. 

Die zur rechten Seite weist die Infchrift auf: 

Maximilian«» I. 
iKustrissimus Ucnnaniae Imperator 
banc regionem xaepc venalor ip-^c pervagatu* 
vias ilruvit, angualiax munivil, couimerciunt 
promovil, metalla in monle vicinu exercenda 
curnvit Ouoriiin beneficiorum etiam nunc K'Ata 
apud poMcro» viget memoria. 
Nun ohlilus proavi meritorum in hac ai de 
sinyiili« et hehdomadilm«. et annii iclehraoda 
in.lituil aacra 1 
l'enlinandua 
Archidux Austriac 
A. MDI.XXXVIII 
Ad Keinpiternam mcmoriain Imperatorts nobilitMmi, 
*ticmiisMmi, fortUsimi baue tabu!am posuit 
Frantitcu» Josephu* I. 
Anstriae Imperator 
A. MIM ( t l.XYtll 

' rinc-frm -sir.V .UKrlii un<l »'wkiuiüffc» für die foztn**-.* 
H Hilf n Cnptll» in l'fli li im<l »cr.tfti ilirfclbe* «r* feit neuerer Z'il in ■!*< 
I'r.t;r»ii .1« r^Iuii» n. 



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- 97 - 

Infchriften aus Alt-Olmüz. 

Von IVofcffor Adolf .V*wai. 
(Mil i Tafel > 



IT volldem Rechte werden die Infchriften zu 
den verlaßlichden Hilfsquellen der Gcfchichte, 
namentlich der Gcfchichte einzelner Familien 
gezahlt. Als Producle der vcrfchwnndcncn Jahrhun- 
derte geben fic aber auch als folchc Kunde und Bc- 
weife gleichzeitiger Kunft und Technik. Sie fcheinen 
deshalb insgefammt der Erhaltung und Schonung 
würdig und erheifchen alle Aufmerksamkeit. Leider 
find in den letzten Dccennien gerade in Olmüz 
durch Abtragen, Umbauten und Neubauten von Kir- 
chen und öffentlichen Denkmalen viele Infchriftftcine 
zugrunde gegangen. Im Nachfolgenden follen die noch 
erhaltenen Infchriften und von den nicht mehr vor- 
handenen einzelne nach den Urkundcnqucllen des 
reichen Archives der Stadt Olmüz und der Manu- 
fcriptcnfammlung des m.ihrifchcn Landes-Archives an- 
geführt werden. Der Zahl nach überwiegen auch hier 
die Grabinfchriften, die ihr Thema in allen Tonarten 
variiren. Bezüglich der Denkmale, von welchen die in 
Rede flehenden Infchriften herrühren, verweife ich zu- 
gleich auf das Werk: „Kirchliche KunflJcnkvtalc ans 
Olmuz. Text von A. Nmvak. Olmuz. Ed. Holzel 1890. - 

Der Dom. 

Der Bau der Metropolitan- und Pfarr-Kirthc zum 
heil. Wenzel, des bedeutendften Baudenkmales nicht 
bloß in Olmüz, fondern in ganz Mähren, id der Zeit 
nach ein fchr ausgedehnter; denn während er Theile 
enthalt, die über die gothifche Bauperiode weit zurück- 
reichen und aus dem 11. und dem Anfang des 
12. Jahrhunderts flammen, wurde ein bedeutender 
Thcil erft im 17. Jahrhundert gebaut. Seine gegen- 
wärtige Geilalt verdankt aber der Dom den in den letzt- 
verfloffcncn Jahren vorgenommenen gewaltigen Ver- 
änderungen. Kine vollige Umgeflaltung erfuhr die 
Wefl Facadc fchon unter Bifchof Stanislaus II. Paw- 
lenvsky {l 579 — 'S 8 '^- Diefer Kirchenfürd war es auch, 
der im Jahre 1 595 das ehemalige Renaiffancc-Thor der 
Facadc mit der linnvollen Infchrift verfehen ließ: 

Reddat aberrantes, ut Christo ecclesia natos 
Pandit conversis mater amaiula sinum. 
MDXCV. 

Sehr umfaffende Veränderungen erfuhr der Dom 
in den Jahren 1616— 1619 unter Cardinal Dietrich- 
ßein. Die weiteren Veränderungen der Domkirche im 
Verlaufe des 17. und 18. Jahrhunderts crftrcckcn lieh 
nur auf das Innere derfelben. Die meiden Infchriften 
der Kirche dämmen aus der vorgenannten Zeit her, 
doch find viele nach dem Jahre 1883 entfernt worden, 
als das großartige Werk des Umbaues des Domes 
unter dem Cardinal Furderzbifchof Landgrafen von 
lürflenberg begann, welches mit der Vollendung des 
großen Thurmes an der rechten Seite des Presbyte- 
riums im Jahre 1891 feinen Abfchhiß fand. 

Unmittelbar vor den Stufen des Hochchores id 
am Fußboden der Kirche eine weiße Marmortafel mit 
folgender Infchrift angebracht : 



D. O. M. 

Wenceslao Marchioni Moraviac, qui 
anno MCXXX Kai. Maii et 
Brzetislao ejus Filio, qui anno 
MCXXXXVIII, IV. Idus Jan. obiit 
Piis hujus templi Fundatoribus 
Franciscus Cardinalis a Dietrichstein 
posuit anno MDCUI. 
Episcopatus sui anno IV. 
1). M. Terraequc Parcnti. 
Qtiisquis aedes spectans vencrandae molis honorem, 
Ut busta noscas, quae tegit istc lapis 
llacc tibi si paulum cupias subsistere Lector 

Carminibus paucis Tabula picta dabit: 
Marchio uterque fuit Moraviac gloriae gentis 
Magnorum referens slemata clara dueum 
Qui siinul hoc statuunt ingenti fornice templum 
I lic paritcr fessa corpora uterque locant. 
Pro quibus offieiis Patris vox ir.clita summi 
Laurci Victorcs indigetesque Dei, 
Sedibus elysiis animas donatc, nec ipsas 
NoX cupiat Slygiae pallida tecta Ditis. 
Diefe Infchrifttafcl rührt von dem Denkmale her, 
welches Für/? Frans von Dietrich/hin, Cardinal und 
Bifchof von Olmuz den Stiftern der Kirche im Jahre 
1603 errichten ließ. Das Grabdenkmal, infoweit über- 
haupt diefes fo genannt werden kann, befindet lieh 
heute nicht mehr an der urfprünglichen Stelle; hin- 
gegen id die oblonge rechteckige Platte diefcs Denk- 
males, die wahrfcheinlich als Deckel des Sarkophages 
gedient hatte, an der rechten Seitenwand der Kirche 
neben der Stanislaus-Capelle eingeladen. Sie dürfte 
aller Währfcheinlichkeit nach unter Jacob lirnfl 
Grafen von Licchtenflein {1738— J7<f5), der fich um die 
Erweiterung und Verfchönerung der Kirche namhafte 
Verdiende erwarb, an den gegenwärtigen Standort 
gebracht worden fein. Dafür fpricht auch der ganze 
Charakter der das Denkmal umgebenden Rococo- 
Ornamente. Zugleich muß erwähnt werden, dafs nach 
der Gcfchichte der Domkirchc die oben angegebene 
Infchrift ilie erden Erbauer der Kirche nicht ganz 
richtig angibt, da der ehemalige romanifchc Dom in 
der Zeit Otto II., alfo anfangs des 12. Jahrhunderts, 
gebaut und 1 1 3 1 vollendet wurde. Die prachtvolle 
dunkelrothe Marmorplattc, auf welcher die beiden 
Herzoge in ganzer Figur dargelt eilt find, zeichnet fich 
durch die kundreiche Rcliefarbeit, durch die bedimmte 
Zeichnung und Charakterifirung der beiden mehr als 
lebensgroßen Harnifchfiguren aus. Sic id eines der 
fehönden Denkmale diefer Art und id aller Beachtung 
Werth. Die Didicha der oben angeführten Infchrift ath- 
men ganz heidnifche Diclion und laden die Entdehung 
derfelben in die Blüthczcit des Humanismus verlegen. 
Dies gilt befonders von den letzten Zeilen: „Befchenkct 
ihre Seelen, o Stimme des herrlichen mächtigen Vaters, 
ihr lorbeerbekränzten Siegcsgottcr und ihr einheimi- 
fchen Gotter für ihre Verdiende mit den elyfifchen 
Gefilden, noch trage Verlangen nach ihnen die Nacht 
und die findere dygifchc Wohnung des Dis* 




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- yS _ 



An der rechten Wand der Kirche neben dem 
Eingange zur Stanislaus-Capelle ift das Grabmal des 
Hifchofs Marcus Knen eingemauert. Die rechteckige 
Bronzeplatte mit der lebensgroßen herrlich ausge- 
führten Rclicffigur des Bifchofs ifl ein Mciftcrwerk der 
RcnailTanee. Den untern Theil des Denkmales nimmt, 
als Einfaffung der Infchrift. eine gefällig zufammen- 
gerteilte Cartouche ein (f. die heigegebene Tafeil. Die 
Cartouche beftcht aus Rollwerk, kraftig modellirten 
Blumen und zwei Masken. Die Infchrift lautet: 

Anno domim M.D.XV. deci.ma 
Mkn : Fkkryakii (Htm Rkvk 

KKNDISSIMVS IX CHRISTO I'klX 

fKPS ai !>omjnvs D. Marias 
Ei'isropvs Olomwknhs.Hol 

IN TVMVl.O SKI'VI.TVS. 

Auf dem zwifehen dem vierten und fünften Travee 
am Hoden des Mittelfcliiffes liegenden Grabftcmc 
befindet fich folgende Infchrift: Reverendissimus ac 
Serenissimus Dominus Dom. Dei gratia Carolus Epi- 
scopus Osnabrugensis Dux Lotharingiae et Sac. Rom. 
Imp. Princeps Magnus castcllanus Hohem : Comesque 
Episcopus Olomucensis et in ista hac pia Antecessorum 
vestigia apprimc premens hanece Cryptam pro in Do- 
mino obdormituris alias disperse jacentibus honorabili- 
bus Vicariis ac Capcllanis hujus almac Basilicac Archi- 
tectabatur, dum el decurem Domus Dei in pavimeiitis 
et aliis ampliasset. Acra reparatae vitac MDCCIX. 

Eine befondere Merkwürdigkeit der Domkirche 
ift die Doppclgruft, «leren obere unmittelbar das 
Grundgewolbe des Presbyteriums bildet und fclbft 
eine von acht Pfeilern geftützte Unterkirche ifl. Unter 
dem Chorraume diefer Gruft, deren Hau vielleicht mit 
Benützung der alten ebenfalls der Cardinal Franz von 
Dietrichfiein angeordnet, fein Erbe der Furft Max von 
Dictrichftcin begonnen und deflen Sohn Ferdinand er(l 
1661 vollendet hatte, i(\ die eigentliche Grabftatte der 
Bifchöfe und Erzbifchofe von Olmüz. Die Auffchrift 
uber den zwei Thürcn, mittelft deren man auf Stufen in 
die Gruft gelangt, lautete nach Cerronis Monument, et 
inscriplion. Morav. (Ms. im lindes- Archive zu Brünn) 
folgendermaßen: Franciscus S. R. I. Cardinalis et Prin- 
ceps a Dietrichstein Epus. Olom. chorum hunc testa- 
mento legavit : Maximiiianus S. R. I. Princeps a Die- 
trichllein inchoavit : Fcrdinandus S R I. Princ. a 
1 Xetrichftcin perfecit ao. 1661. 

Uebcr der erden Krypta ein Grabftcin mit folgen- 
der Infchrift: Franciscus Cardinalis et Princeps a 
Dietrichftcin Episcopus üloinuccnsis Donnitorium hoc 
pro se suisque Successoribus Episcopis Olomuccnsibus 
testameiUo ficri jussit, Pcrfecerunt liaeredes anno 
MDCI.XI. Obiit XIII Cal. Octob. A. MDCXXXVI 
postquam vixisset annos LXV1 dies XX cum circiter 
XXXVII. Cardinalis et Episcopus fuisset. 

l'cber der zweiten Krypta: Franciscus Cardinalis 
et Princeps a Dietrichstcin Episcopus Olomucensis 
J)ormitorium hoc pro Dnis Capitularibus hujus Ecck- 
siac Cathcdralis testamcnto fieri jussit. Perfecerunt 
liaeredes anno MDCLXI. Obiit XIII. Calcndas Octo- 
luis Anno MDCXXXVI postquam vixisset annos LXVI 
die- XX cum circiter XXXVII Cardmalis et Episcopus 
1'uisset. 



Wahrend die Olmuzcr Hifchofe in der oben be 
fchriebenen Gruft ihre Grabftatte fanden, wurde Erz- 
herzog Rudolph, Cardinal von 1819 bis 1831, in der Gruft 
bei den Capucinern in Wien, fein Herz aber in einer 
Nifche in der Rückwand der Olmüzer Gruftkirche bei- 
gefetzt und der Ort mit einer finnigen Auffchrift be- 
zeichnet. Die letztere lautet: Rudolphi Archiducis, 
Purpurati antistitis Olomucensis, Cor, quo vivus suos 
erat amplexus, hic servatur, Perpetuum caritatis sym- 
bolum. Obiit 24. Jul. 18 51 actat. 41. regim 15 anno.. 

Es fei nun noch der beiden Epitaphien gedacht, 
w elche fich bis zum Jahre 1883 an den beiden Wanden 
der KirchcnvorbaUc befanden. Die Infchrift der links- 
feitigen Marmorplatte hatte folgenden Wortlaut: 
D : O : M : Jo. Valorio Lucensi Etrusco Archidiacono 
Olom. et Canonico Hr. Doctrina ac Nobilitate viro 
clarissimo Fr. Card : a Dictrichst : Episcopus Olom : 
Consiliariü suo fideli po-uit, obiit anno Dom. 1612 die 
3' 1 Junij. 

Die Legende der rechtsfeitigen Grabfchrift:D:0:M: 
Francisco de Clereq N'obili Flandro Hi.spanici Equita- 
tus in Germ : supremo et stationum praefecto, qui multis 
in proeüis militiae virtutis aedilo speeimine Nciticzcinii 
fato cedens iniqui-simis rebcllium armis non inultus 
oeeubuit, Julius Caesar Ginnanus Archid. Olom : 
et amico optatissimo posuit. Obiit anno Domini 
CIjQICXXl {1G21) die 24." Julij. Bemerkt mag an 
diefer Stelle werden, dafs Archidiakon Jul. Cä/ar Giu- 
liani zur Zeit des Aufrufes der pruteftantifchen Stande 
gegen Ferdinand II. einer jener acht Domherren war. 
welche am 15. Augufl 1619 wegen ihrer Treue gegen 
Gott und den rechtmäßigen Herrfcher von dem da- 
maligen Commandanten Buchheim gefangen genom- 
men und dann längere Zeit in Verwahrung gehalten 
wurden. 

Die früher beftandenen Altare der Domkirche 
wurden theils im Jahre 1738 bei Erneuerung der Kirche 
auf Korten des damaligen Domdechants /•'raus Ferdi- 
nand Grafen v. Oedt und des Domdechants Wilhelm 
Ubßeinsky Grafen von Col/cnvrat, theils auf Korten des 
t"4"gertorbcnciiDom Dech&nXs, Georg Ri/ter :>. Mayers 
ivald meill aus Marmor von den gefchickten einheimi- 
fehen Bildhauern Zehner, Troger und Wintcrhalder er- 
richtet. Die diesbezüglichen Auffcliriften lauteten: Auf 
dem Altare der Mutter Gottes mit dem Kinde: Honorl 
Vlrglnel Del hoMInls JesV Christi. In terrls Versantls 
XVtrltll sanCtl loscphl. — HoC aLtarc GeorgIVs 
llei.rICVs CaroI.Vs a MalrsWaLt SChoI.astlC Vs 
posVcrat. - Auf dem Altare der heil. Dreifaltigkeit : 
GVIl.IcLMVs LIbstelnskV a CoLLoWrat. hVIVs 
cCCLcslac PracLatVs aC PracposhVs ereXIt. Geor- 
gIVs HenrICVs a MalrsWaLt taLIter eXornaVIt — 
Auf dem Altäre der Hh. Petrus und Paulus: GeorgIVs 
HenrICVs cqVes a MalrsWaLt eCCLesIae PraeLatVs 
SChoLastlCVs, FF. 

Ueber dem Haupt-Portal befand fich ebenfalls bis 
zum Jahre 1S83 eine fclion polychromirte Orgel, welche 
mit muficirenden Engeln und mit Mufikinftrumcntcn 
v erziert war. Diele ließ Karl I. Jofeph Hrahersog von 
Oe/fcrreith, Cardinal in Olmiiz von 1663 bis 1664. ein 
Bruder Kaifur Leopold I , errichten. Die Orgclinfchrilt 
lautete: Carolus. Laudate Dominum in tympano et 
ehoro, laudate cum in chordis et organo. 



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Mittheilungen der k. k. Ccntral-Comm. Jahrg 1X98, S. 98. 



Olmuz. 




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- 99 - 



Im füdlichen Scitenfchiffe der Domkirche befindet 
lieh die Stanislaus-Capelle, welche vom Fürftbifchofe 
Stanislaus II. Pawlmvsky v. Pawlowitz ( I 579 bis 1598) 
erbaut wurde. Auf einem Seitentifche diefer Capelle 
find drei Reliquiarien arfgeftcllt, von welchen das die 
Reliquien der heil. Paulina enthaltende und im Auftrage 
des Grafen Philipp Friedrich Brdner im Jahre 1640 
angefertigte Reliquiar befonders bemerkenswert)! ift. 
Die Gcfammtform diefcs Rcliquicnfchrankcs bildet 
einen Auffatz in Gcftalt eines kleinen palaftarligen 
Prachtbaues, reich gegliedert in Stockwerken durch 
verzierte Säulen und gefchmückte Poflamente; in den 
Friefcn in Silber getriebene Engclskopfchen und Laub- 
gehänge. Die Infchrift des Rcliquiais lautet: Kevercn- 
dissimus ac Illustrissimus Sacri Romani Imperii Prin- 
ceps DD: Philippus Fridcricus Breiner Fpiscopus 
Viencnsis Aö christi MDCXXXX. 

Zu den Anbauten des Domes gehören an der 
Nordfeite die St. Anna Capelle, die Capelle des heil. 
Johannes des Täufers und die beiden Sacriflcien. 1 )ic 
St. Anna-Capelle wurde im 14, Jahrhundert gebaut, 
der Dompropft Herbort v. Fullßein belüftete fic im 
Jahre 1366. Der Olmüzcr Dompropft Martin Wenzel 
v Greifenthal fftarb 13. Augufl 16171 ließ f'e, da fic 
fchr baufällig war, neu herftcllcn und ftiftete. nachdem 
iie von Cardinal Franz v. Dietrichftein confecrirt 
worden war, dazu und zum Dicnftc der Domkirche 
fünf Cleriker. Die Denkfchrift über dem Seiteneingange 
an der Epiftclfcite hat auf diefe Gründung Bezug. Sie 
lautet: D. V. F Martine Wcnceslao a Grcifenthal Cath: 
Ecclesiae Olomuc: Pracposito Can. Gen. Vic. et offic. 
<|ui hanc Ecclesiam Sctae Annae antiquitate collapsam 
de novo a fundam. exstruxit censu auxit ab olom: 
EpisopoPrincip. Franc. Card a Dietrichstein consecrari 
äö MDCXVII curavit, et ut quinque Clerici, qui huic et 
Cath. Ecclesiae minislrarent, alerentur, instituit templis 
omnibus Olom. annuos census legavit, eodem anno 
XVII die XM"" Augusti pie ob. amiciciac et mem. 
ergo Claudius S. R. 1. 1.. B. a Sorina Mantua Montisque 
Sereniss. quiuque Duciim ad quatuor Impcratores 
Augustos oblegat duor. Caes. Consil. duor. Episcop. 
Olom. generalis Vica. Offic. Cath. Decan. Can. Scn. 
hujus sacrae aedis quam renovari feeit A. MDt'LIV — 
Claudius Freiherr von Sorina, \(>(>\ zum Domdechant 
gewählt, ein I.eidcnsgenolTe des früher erw ähnten Dom- 
herrn Ginnani, erwarb fielt wefentliche Vcrdicnflc um 
die Rcftaurirung der St. Anna-Capelle. Bei diefer 
macht befonders das aus feinem Sandflein ausgeführte 
Portal mit feinen fchonen Proportionen und gefchmack- 
voll profilirten Formen einen guten Eindruck. Das mit 
Eierftab, Perlfchnur und Blattwelle decorirte Gebälk« 
enthalt die Votivtafel mit folgender Infchrift : Sanclae 
Annae Parcnti. Gcnitricis Dei sacruni. 

.Auf der Evangelium-Seite der Capelle befindet fich 
der Grabftein des Olmuzer Archidiakons Jul. Caes. 
Cinnano a Pisauro des fo oft gefeierten Vorkämpfers 
für Kirche und Kaiter, deffen wir fchon an früherer 
Stelle gedacht haben. Die Infchrift des Grabftcincs 
lautet: D. V. F. Cath: Eccles. olom. Arcliidiac. Juüo 
Caes. Ginnano a Pisauro olom. Episcopi: Princ. Franc. 
Card, a Dietrichstein Consiliario, qui ut ex Rebcllium 
liaercticorum vi captivum capitulum criperetur Exul 
Exercitui Caes. Ferdin. II. äö MDCIX praeibat hospi- 
talitati gratis exhibendae ortus oeeubuit XXX. Aug. 

XXIV N. Y 

1 



MDCXX1V Patruo Ncpos Alexander Ginnanus a Pi- 
sauro ord. Can. Reg. Sti. Augustini Sternberg et omn. 
Sctor. Pracpositus, nec non Patrui sui suoquc ami- 
cis-imo Hieronimo Piccnando a Crcmona Sdtolastico 
Eccl, Cath. Olom. et i]>si Card, a Modi: Concil. Mon 
hoc posuit. MDCL1V. 

Der Gruftdcckel der Capelle bekundet in folgender 
Weife, dafs hier der Grunder der Capelle begraben 
fei: Francisci Cardinalis et Piincipis a Dietrichftein 
Episcop: Olom: Ducis in Spiritualibus generalis Vi- 
carius et officialis Martinus Wenecslaus a Grettenthal 
Protonotariur* Apostoiicu* Pracpositus et Canonicus 
Cathcdralis Ecclesiae Olomucensis hujus acdi>, quam 
a fundamentis de novo crexit Rertor pcrpetmis et 
Comcs athoc loci quemadmoduni ibi mortis memor 
vivus pari et situs. pie in Christ, def. XIII"° Mensis 
Augusti Ao MDCXVII Praelato huic de hac aede 
reelorali optime merito requiem viator praccare aeter- 
nam. 

An der Sudfeite des Domes befindet fich weiters 
die Johannes-Capelle, die der gothifchen Bauperiode 
entfpricht. In der linken Wand diefer Capelle il't ein 
2 - 53 M. hohes, 105 M breites Denkmal uns Sandflein 
cingelaffen, darflellend im Hautrelief die mächtige 
Geftalt eines Ritlers in vollem Waffenfchmuckc. Die 
Umfchrift des Grabrtcines lafst keinen Zweifel übrig, 
wclTcn Grab es cinft deckte, Die den 014 M. breiten 
Außenrand der Platte bedeckende Infchrift lautet näm- 
lich: Anno MDXX1V. Stanislaus F.piscopus Olomuccn- 
sis Arncsto, Kuzel cognominc, Dignitate equitis aurati, 
Titulo de Zerawicz, extremo officio, nempe hoc lapidc, 
memoriam prorogavit. 

Zwei fchlichte Steinplatten in derfclbcn Capelle 
haben folgende Infchriftcn. Die in unmittelbarer Nach- 
barfchaft mit der zuletzt angerührten: Vcncrabilis Do 
mini Wenceslai de Mosscnitz Canonici hujus Ecclesiae 
ossa hic lapis tegit. Morl« obiit. Der Grabftein beim 
Eingänge: Aö MDXJI. Feria secunda post Festum 
Cathedrae S. Petri obiit honestus Vir Nicolaus Sar- 
torius Vitric: hujus almac Ecclesiae hic sepultus. Ora 
pro eo. 

Schließlich mögen hier noch die Infchriftcn der 
Domgiockcn Platz finden. Im Jahre 1803 w urden durch 
eine Fcucrsbninft vier von den alten fechs Glocken 
zerfiort. Die neuen Glocken wurden am 27. März 1827 
eingeweiht. Die größte diefer, die der heil. Dreifaltig- 
keit geweihte, 136 Centner fchwere Glocke wurde 
fchon in diefen Blättern befchrieben. iMitthcilungcn 
der k. k. Central CommitVion Bd. XX. N. F. S. 139). 
Die zweite Glocke, der heil. Mutter Gottes verehrt, 
wiegt 75 Centner, hat oben die Auffchrift: Regem cui 
omnia vivunt — Venitc adoremus. Auf dem Mantel 
der Glocke das Bild der heil. Maria mit dem verkün- 
denden Enge) und der Umfchrift: Ave Maria Gratia 
plena. Auf der entgegengefetzten Seite das Bild des 
heil, lofeph mit der Bitte darunter: S. Joseph. Vir 
Mariae ora p. n. Auf der dritten Seile der Vers: Et Ver- 
bum caro fn&tini c-t.Auf der vierten Seite das erzherzog- 
liche Wappen, unten die Aufl'chrift: Jussii Antistitis 
Rudolphi in hanc refudit formam Fridcricus Seltcn- 
hofer Viennae A. D. MDCCCXXVII destruclam igne 
A. MDCCCI1I. 

Die dritte 37 Centner fchwerc, den Apoftcln Peter 
und Paul gewidmete Glocke hat auf der Haube die 

U 



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— 100 — 



AufTchrift: Laudabunt Dominum qui rcquirunt cum. 
Auf der Vorderfeitc des Mantels das Bild der heil. Peter 
und Paul mit der Umfchrift: SS. Peter et Paule intcr- 
ceditc pro nobis, auf der entgegengefetzten Seite: Das 
Bild der hh. Cyrill und Methud mit den Worten 
darüber: SS. Cyrill, et Mcthudi, orate p. n. Auf der dritten 
Seite der Vers: Ipsi nos — doeucrunt — legem tuam — 
Domine, entgcgcngcfctzt das erzherzogliche Wappen. 
Auf dem Glockenkranze die Auffchrift; Quam ignis A. 
MDCCCIII destruxit Jubcntc Praesule Rudolphe 
ars Fridcrici Seltenhofer restituit. Vicnnac A. D. 
MDCCCXXVII. 

Die vierte Glocke, allen heil. Patronen der Mctro- 
politankirchc zugeeignet, ift 17 Centner fchwer, hat auf 
der Haube die Auffchrift: Omiiis Spiritus laudat Do- 
minum. Auf der Glockcnfchwcifung die Widmung: 
SS. Rcclesiac — Metrop. — Patronis clicata. Auf der 
Riickfeitc der Spruch: Sancla et Salutaris — est Cogi- 
tatio — pro defunetis exorare. Auf der clritfcn Seite 
der Vers: Congrcgatc — illi — Sanclos ejus. Auf der 
entgegengefetzten Seite das erzherzogliche Wappen. 
Die Infchrift, welche um den Kranz der Glocke lauft, 
lautet: A. MDCCCIII iueendio destruetam Antistcs 
Rudolphus per Fridcricum Seltenhofer refundi manda- 
vit A. D. MDCCCXXVII. 

Die alten Glocken haben folgende Bilder und In- 
fchriften. Die größere von den beiden ift der heil. Fa- 
milie verehrt, fie hat auf der Kronenbinde die Auf- 
fchrift: S: Maria Joachim et Anna — orate pro nobis. 
Auf der Vorderfeite des Mantels das Bild der hh. Anna, 
Joachim und Maria mit dein darüber fehwehenden 
heil. Geift. Auf der Kückfcitc das Bild des heil. Jofeph 
mit dem chronographifchen Spruche: SanCte loseph — 
ora pro DeVota pLebe — nc Mors acterna noCeat. 
Auf dem Glockcnkranze: Mich hat gegoffen Melchior 
Schwan in Olmütz 1756. 

Die kleinere Glocke endlich ift der heil. Anna 
gewidmet, hat oben die Auffchrift: Anno MDV fusa, 
MDCCXXVIII rupta et refusa. Auf der GJockcn- 
fchivcifung das Bild der heil. Anna, darunter der Name 
des Glockengießers Clemens Streicher in Brunn, rück- 
wärts das Bild des heil. Johannes von Ncpomnk. Auf 
dem Kranze das Chronofticon : CaMpana rerVpta 
ArChlepIsCopo ThaDaeo — noVItcr rcfVsa. Zu er- 
wähnen wäre noch, dafs von den neuen vier Glocken 
die größte das ^roßc Bafs F als Dominant, die zweite 
das große Bafs A als Terz major, die dritte das kleine 
Bafs c als Quint, und die vierte das kleine Bafs f etwas 
unterfchwebend als Octav intonirt. 

Die Stadtpfarrkirchc zum heil. Mauritz 

ift ein ganz bedeutendes Altcrthumsdcnkmal aus der 
großen Bauperiode des Mittelalters. Der Südthurm trägt 
in feinen unteren Gcfchuffen alle Merkmale des rnma- 
nifchen Styles. Genannt wird die Kirche fchon im 
Jahre 1257, fie wurde zu Ende dts 14 Jahrhunderts 
mit einem großen Theil der Stadt ein Raub der 
Flammen. Infolge diefcs Brandes wurde die Kirche 
von neuem aufgebaut. Auf dem nördlichen Thurm 
der Wcft-Facade befindet lieh eine in Stein gehauene 
Infchrift, welche dcnAnfang diefcs Baues in das Jahr 
I412 fetzt. Die in eckiger Mönchsfchrift forgfaltig aus- 
geführte Infchrift lautet: AnnoDom. MCCCCXUinchoa- 



tum est hoc opus. Außer dem Nordthurm der Weft- 
Facadc und der in derfelbcn befindlichen Dreifaltigkcits- 
fäulc rühren von dem Baue aus der erften Hälfte des 
1 5. Jahrhunderts nur noch die erften drei an der Wert- 
feite befindlichen Travecs der Kirche her. Die nachfle 
Periode 11453— 1492) begreift den Bau des örtlichen 
Thciles der Kirche. Kine entfeheidende Jahreszahl für 
die Vollendung diefes jüngeren Theiles der Kirche 
fanden wir auf dem erften der zehn Schlußfteine des 
Netzgewulbes der Kirche. Diefer enthalt in einem pro- 
filirtcn aus dem Drcipafs entftandenen Rahmen das 
reliefirte Bild eines Mannes, um delTen Hals ein mehr- 
fach gebrochenes Schriftband mit der Jahreszahl 1483 
gewunden ift. Im Jahre 1709 wurde die Kirche aber- 
mals von einem großen Brandunglückc heinifjefucht, 
fie wurde namentlich durch die Opferwilligkeit des 
Propftcs Frans Georg Grafen v. Gianini um 1735 voll- 
ftändig reftaurirt. 

In der I lalle des I laupteinganges der Kirche befindet 
fich der aufrechtftchcndc Grabftein der Gräfin Wallis 
geb.Lichtenßein mit folgender poetifchen, zum Schlußemit 
der Anfpielung auf ihr Wappen ausklingenden Infchrift: 
Jaeet — -Sub hoc lapide sepulta — Kxccllentissima 
Domina Domina Caecilia Comitissa — de Valis 
nata Comitissa — de Lichtcnftein. — Ad aram Chrifti 
crueifixi — Mortua jaect. — Quae ad pedes ejus saepc 
prostrata vivens jaeuit, — ut in Vallc losaphat judi — 
cem propitium haberet. — Ex hac lacrimarum vallc — 
meritis plena obiit. — Anno MDCCLVIII die XI""' 
Maji - Actatis sitae annorum LXX1V. - Viitutum 
splendore Monti — Julio pracluxit. — Juxta nomen et 
omen IS erat lucidissimtis — Dum viator legis mc- 
mento — animae ejus — Per misericordiam Dei — 
Lux perpetua luccat EI. 

In der fogenannten Todtcn-Capcllc ein anderer 
Grabftein aus rothem Marmor mit folgender Legende: 
„Anno 1653 den 2."" September ift in gotl lelig ent- 
fchlafen und lieget allhicr begraben der ehrenfefte und 
vornehme Herr Hans Adam Burger und Haudeismann 
in Olmütz, der Allmächtige verleihe ihm und den 
Seinigen eine fröhliche Auferftehung. Seines Alters 
69. Jahr 10. Wochen. Anno 1667. Den 20'" Mai ift in 
Gott feiig verfchieilen der edle und wohlgeborne Herr 
Johann Georg Adam, Bceder Rechte I.icenciat." 

Im rechten Seitcnfchiffe der Kirche ficht man da.s 
Grabdenkmal des k. k. Gencral-Fcldzeugmciftcrs Frei- 
herrn von Brellon, welcher wahrend der fechsunddreißig - 
tägigen Belagerung von Olmüz durch das preußifche 
Heer im Sommer des Jahres 1757 die heldenmüthige 
Veitheidigung der Stadt als Vice Commandant rühin- 
lichft leiten half. Das Monument, das gerade kein 
befonderes Kunftwcrk genannt werden kann, verdient 
deshalb erwähnt zu werden, weil es das einzige monu- 
mentale Zeugnis jener für Olmüz fo erinnerungsreichen 
Kriegsepoche ift. das innerhalb der Stadt fclbll vor- 
gefunden wird. Es beliebt aus einem altarförmigcn 
viereckigen Poftamente, auf welchem ein Sarkophag 
ruht. Zu beiden Seiten desfelben militarifche Embleme 
und an den Enden desfelben Engclfigurcn. Auf dem 
Poftamente ift folgende Grabfchrift zu lefen: „Hier 
lieget S' Excellcnz Gcneral-Fcldzcugmciftcr Freiherr 
von Bretton gew eller Commandant der Granizfeftung 
Olmütz, welcher im Alter 84 Jahr und 3 Monat das 
zeitliche mit dem ewigen den 24. Martii 1779 ver 



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lOI 



wechfelt. Die vorbeigehende wollen feiner armen Seele 
eingedenk fein." 

Im linken ScitenfchifTe befindet fich der der 
Schutzpatronin von Olmiiz. der heil. Paulina, gewid- 
mete ganz aus Marmor höchft gefchmackvoll gearbei- 
tete Altar. Eine Cartouche im Gebälke enthält folgende 
AufTchrift: Ex Munif: Scn: Ol: MDCC XVI. 

Gegen Norden fugt fich dem Hau der St. Mauriz- 
Kirche ein kleiner Zubau an. es ift dies die fowolil 
durch fchone architektonifchc Anlage, als auch durch 
die feine Gliederung ausgezeichnete Grab-Capellc der 
Familie Edelmann von BrozJorf, ein kortbares Werk 
der RcnailTancc, welches zu den kiinfthiftorifch wich- 
tigften Architekturen Oesterreichs gezählt werden 
kann. Ks ftcht in einer Reihe — wenn auch in befchei- 
denen Verhältnifl"en — ■ mit den» berühmten Präger 
Belvedcrc, den Hauten des Fcrrabosco, Aglio, Pozzo, 
Spazio, della Stella und anderen fruhetlen Italienern, 
die zu uns über die Alpen gekommen find. Das Princip 
ift das der füdlichen Loggia, Quaderbau, naiv antiki- 
firendc Capitälbilduitg und RclicfDecoration im padua- 
nifchen Stylcharakter. Dieter edle Hau, der im Jahre 1572 
errichtet wurde, enthält im oblongen Mittelfelde des 
Friefes in einer kreisrunden Umrahmung den tabellen- 
förmigen Wappenschild mit gefchweiften Seiten und 
Fußrand. Die zu beiden Seiten des Wappenfchildes 
befindliche Infchrift in römifcher Capital lautet: A. D. 
MDLXX1I. IN. X ATA LI- S. IOANMS. HAPT. D. 
VENCESLAVS. KDELMAXN . SENIOR . DE . HROZ- 
DORF. AD. DEI. IMMORTALIS. HONOREM. ET. 
GLORIAM. SVIO. AC. SVORVM. MEMORIAM. 
PERPETVM. HOC. MONIMENTVM. KIERI . CV- 
RAVIT. 

Die Garnifons- und ehemalige Jefuitcnkirche 

ift eine der fchonften Barock-Kirchen von Olmiiz. An 
ihrer Stelle Hand früher eine zu Ende des 14. Jahr- 
hunderts gebaute gothifche Kirche. Die neue Kirche 
wurde wahrend der Jahre 1 7 12 bis 1 7 1 5 fcrtiggcftellt. 
In der Capelle des Heidcn-Apoftels Franz Xaver be- 
findet fich das Grabdenkmal des Wohlthaters der 
Jefuitcn, des Olmüzer Dechants Johann Friedlich 
Breiner Freiherrn v. Stubing (gewählt 1614 zum Dom- 
dechant). Die l M. breite und 2 3 M. hohe bronzene 
Plalte ift in der dem Altar gcgcnübcrftehendcn Wand 
eingeladen; fie zeigt den aufrecht flehenden infulirten 
Priefter in vollem Ornate mit verfchränkten Armen. 
Die Modcllining des Kopfes und der Falten des Ge- 
wandes find mangelhaft. Das Denkmal befindet fich in 
fchön gemalter Umrahmung, über diefer das Wappen 
des Verdorbenen. Die Grabfchrift hebt die vielen Ver- 
dienftc Brcincr"s um den Jefuitenorden und fein mann- 
haftes Verhalten wahrend der Gcfangcnfchaft, die er 
im Jahre l6iy mit lieben anderen Domherren theilte, 
hervor. Sie lautet folgendermaßen: lo: Fridcricus Hreincr 
Dccanus Olom: natu 4 in Austria. Lib. H: nunquam 
tarnen liberior aut nobilior quam in vinculis, quae pro 
Deo et Caesarc passtts e>t in Moravia a perclucllibus. 
Acuti vir ingenii memoriae praestantis puritatis rarae 
Principum gratia virtute sua administrationibus honori- 
fitis clarus, in negotiis ag^rediendis prudens, in perfi- 
ciendis felix. Nunquam tarnen felicior, quam in morte. 
Haec illi non cruda non invida fuit, sed pia. dum epi- 



scopatum pracripuit, ut daret socictatem Jesu. Hinc 
maluit atratus, quam mitratus obirc et in vita noininatus 
episcopus Rosoncnsis voluit in morte nominari et esse 
Jesuita nimium alia viventiü. alia morieutiü sunt judicia: 
Tandem ut Dco gratam animä redderet. postquam 
creditoribus et pauperibus amicis et inimicis pie sancle- 
que satis fecisset ncquidem sc ipsü sibi retinuit, sed 
omnia tradidit collegio olomuc: ergo optime meritus 
confudator huius universitatis habet hoc perpetuü 
grati animi monumentu, quod ars fusoris in igne forma- 
vit aercü, sed ars amoris in corde feeit aiircum. Obiit 
XlV. ian: MDCXXXVII, Vixit an LIV. 

In der Capelle des heil. Ignatius von Loyola ift in 
gleicher Weife die oblonge Relief Grabplatte des Stif- 
ters des Jcfuitcncollcgiums Wilhelm Prusinowsky 
v. \\ 'ü'ktiw (l 565 bis 1572) angebracht. Das Monument 
ift kunftreich und fleißig in feinkörnigem Sandftcin ge- 
meißelt. Der Bifchof fteht im Pontifical-Anzuge. in der 
Linken hält er den Stab mit dem Schweißtuche. 
Beachtenswert ift die fchone Ausführung des charak- 
teriftifchen Kopfes. Von der am Rande des Steines 
linker Seite oben beginnenden Infchrift ift ein Theil 
unlcfcrlich. Der intaft gebliebene Theil dcrfclbcn 
lautet: Guilelmus Prussinovius sub marmore tedlus. 

Hic jacet. Olmutii I'racsul. Structorquc licci 

Obiit 1572. 15. Junii, Aete. 38. Epatus 7. 

Neben dem Grabdenkmale Prusinowsky's der Ein- 
gangzur Kanzelftiege mit folgender AufTchrift: Illustris- 
simus D. D. Ludovicus Georgius Fuchs L. H. de Kanten- 
berg. Urbis Olomuc. <|Uondam Commendans, et Saeelli 
Ignatiani munificus HencfacTior. Georg Ludwig Fuchs 
i>. Kantenberg war vom Jahre 1673 bis 1684 l-'eftungs- 
Commandant von Olmiiz. Sein Wappen ift in einer 
mit großem Reichthuhi ausgebildeten Cartouche im 
Tambour der Mittclkuppel der St. Michaels-Kirchc zu 
fehen, um deren Hau er fich ebenfalls große Verdienfte 
erworben hatte. 

Pfarrkirche zum heil. Michael. 

Die erftc Anlage der Kirche, die im Südoften der 
Stadt Olmüz in ihrer gegenwärtigen Geftalt ein impo- 
fant wirkungsvolles Bild gewährt, geht bis in das 
13. Jahrhundert. Welche Große und Form die im 
13. Jahrhundert gebaute Kirche gehabt hat, ift unbe- 
kannt; von der zu Ende des 15. Jahrhunderts an ihrer 
Stelle erbauten gothifchen Kirche beftcht gegenwärtig 
noch der Glockenthurm. Auf der Nordfeite diefes 
Thurmcs ift eine fteineme Tafel eingemauert, die in 
fchon ausgeführter Schrift, deren Charakter unzweifel- 
haft dem l <;. Jahrhundert angehört, folgende Infchrift 
tragt: Anno. dm. M.CCCC.LXXXII hoc. opus. e*t. 
ineeptü. Das alte Gotteshaus wurde 1673 gänzlich ab- 
getragen, der Bau der neuen aber erft im Jahre 1676 
in Angriff" genommen, und der fertige Hau am 7. Januar 
1707 benedicirt. Auf Korten des Erzhersogs und Car- 
dinais Rudolph wurde die Kirche im Jahre 1829 retio- 
virt. Im Mittelfelde der Facadc befindet fich über dem 
im Korbbogen gcfchloffcnen Portal eine darauf Bezug 
habende Inl'chriftstafcl mit folgender Infchrift: 

A BcncfaCtorlbus DeCenter parataM 
R eparat 
Acre proprio 
RVDoI.phVs Ioanncs arChlDVX et CarDInaLls 

«4» 



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— 102 — 



Die Zwickel der gegen Werten gelegenen Kuppel 
enthalten Frcsco-Malcreicn, und zwarDarftellungcn der 
vier Evangcliften mit ihren Attributen. Bei dem Evan- 
geliften Matthäus fand ich eine Infchrift, <lie moglichcr- 
weife auf den Maler der Fresken Bezug haben kannte; 
unter einem Kreuze mit zwei Qiicrarmcn, über welchem 
ein Ordcnshui abgebildet ift, die Schrift: Matthaeij . 
E.Pitzek 1706. Die Menfa des Hochaltars beftcht aus 
Stuckmarmor und zeigt in der Vorderanficht Mofaik- 
arbeiten in Kreisfeldern, Vafen mit Blumen, in fauberer 
Arbeit. Im Mittelfelde der Name des Künftiers mit fol- 
gender Infchrift: Joannes Dominicus Babant. Anno Dni. 
I/O". In der Mitte des KirchcnfchifTes find im Fuß- 
hodenpflafter drei < miftplattcn aus Marmor cingclaffcn; 
fie haben flache vertielte Umrahmungs-Ornamente und 
lnfchriftcii, von welchen aber nur die in der mittleren 
Platte lesbar ift Sie lautet: DOKMITOK1VM F. F. S. 
O. Pracdicatoruni — In vita est po>t mortem — Uabi- 
tantium in umim Quiescunt — Sub Stelliger" Patris 
sui — signo Filii. — Hic in Dom» Archangclt — Domi' 
nicani — Ut ie<|uicscant in Pacc — in unum — Felieiter 
resurgant — Ad jussum et vocem Archangeli - - No 
vissimae Tubae — Prccare et Fare — Aeternam Do- 
minae. — ConCkDe f.Is kk<jVIi:M. 

Von dem fpat-gothifchen Baue der St. Michaels- 
Kirche, und zwar aus der in das Ende des 15. Jahr- 
hunderts fallenden Bauperiode (lammt her die Alexius- 
Capelle, auch Marien- oder bohmifchc Capelle genannt 
Das im Werten der Capelle angebrachte in den Kreuz- 
gang der Kirche fuhrende Portal ift fpit/bogig. Die 
reichgefchnitzte Holzthür rtaninvt vom Jahre 1747 her. 
Eine fchone von zwei Kugeln gehaltene polychromirtc 
Cartouche hat folgendes Chronoftichon: DVM poboz- 
r)ostl a Ctl bozl a sWateho rVzenCe nlnl znoWa 
obnoV'eni. Auf der Kpiftelfeite des Thores diefer Ca- 
pelle befindet ("ich ein in feinkörnigem Sandilein gear- 
beitetes Epitaph. (Vergl. XXIV. H. des Notizenblattes 
der hift. Seition der in. feh. Gcfellfch. für Ackerbau 
u. f. w. und M.tth. d C. C XIX. Bd., S. 1 30.) Das 
Denkmal (1-2.X ;< 0-55 M.) zeigt die fchönften Ke 
naiiianccformen. Ks ftellt in einer reich orn.unentirten 
ft.trk vertieften Nilclie eine mannliche Figur in vorneh- 
mer Tracht dar, zwei Genien hatten hinten einen 
Wappenfehild mit einer monogrammartigen Verzierung 
1 wahrfchcinlich das Familien- oder Hauszeichen des 
Verdorbenen). Die Ausführung ift vortrefflich, Kopf 
und I laude individuell und fchon. die Haltung etwas 
geknickt. Die fchwer zu entziffernde Utnfchril't in gothi- 
iVh' ii, jedoch lehr frei behandelten Minuskeln dürfte 
folgendermaßen lauten: Ao.d.1524 7 am Tag Barbara 
ift geftorliein) Johannes de> Hans t von Kibenftock 
.sonn f von Salzburg. De (domine) no(stre) gnad allen 
seilen. Ameln . Auf dem Bogen über der Nifchc liest 
man in latcinifcher Lapidarfchrift die Worte: Pit Got 
vi.r mich Johannes Nach Profeffor Prokop (fiehe den 
oben citirten Band der Mittheilungenl foll diefes Epi- 
taph d<m Sohne eines Baumeifters zuzufchrcibcn fein, 
der fich i'owohl beim Bau der Alexius Capelle, als auch 
der Dominicaner-Kirche bethatigt hat. In der oben 
erwähnten Verzierung erblickt Prokop das Zeichen de> 
Steinmetzes. Ein Zufammenhang der letztgenannten 
Kirche mit der ebenfalls im fpat - gothifchen Style 
erbauten böhmifchen Capelle dürfte wohl fchwer 
zu erweifen fein, wenn man bedenkt, dafs die im Jahre 



1468 erbaute Dominicaner Kirche bis zum Jahre 1784 
den Franciscancm oder Bcrnardinern gehörte, die erft in 
diefem Jahre Kirche und Klofter den Dominicanern 
von St. Michael einräumen mußten. 

Dieneben dem jetzt befchriebenen Kpitaph befind- 
liche Grabftcinplattc des Georgius Valenlius PoJflatski 
hat außer dem in Relief gearbeiteten fehonen gräflichen 
Wappen keinen künrtlcrifchcn Werth Um den Rand 
des Steines lauft folgende Infchrift: Gcorgius Valentinus 
Podstazki L. B. D Prusinowitz Domin in Weselizko et 
Slawkow sac: cae. rcgiarci. mtis . consil . cam . iudior. 
provineiali . asscs-.or et pheudall judex. Unter dem 
gräflich Podftatzkifchen Wappen: Mirare Viator — 
ümne trinum perfectum hoc marmore tegi et -- legi — 
Studiosus aulicus et Mille-. Ferd. II. Ferd. III. et Leo- 
poldi Augustof — Dapifcr Consiliari et aclualis Camc 
rar. — Trium l.egiononum Locum tenens Colloncll. — 
Trium Antistitum Olomucensium- — I.copotdi Caroli 
Josephi. — Et Caroli de comitib , a Lichtcnrtcin — Con- 
siliary et Pheudorum Judex. — Natus vixi utmorercr -- 
Utinam grato Deo taut servissc. — Nunc Jaceo, — 
Licet Jactura carcat hic Jaclus, Abiet brevi secu- 
turus, beiie prccare — Quia licet sis cantus. nö vita 
bis has Cautcs Interim ego — Vniversalem expec- 
tans resureclion. 

Die Dominicaner-Kirche, 

ehemals Kirche der Franciscaner, bezeichnet nur einen 
unbedeutenden Nachlafs fpat-gothifchcr Bauthatigkeit 
und ift, was Anlage und Formen anbelangt, ein Werk ohne 
befondere Eigentümlichkeit. Im Innern ift diefelbe mit 
einem großen Freskenbilde gefchmückt, welches ein 
Ueberreft der Wandmalereien ift, von denen ein großer 
Theil der Kirche früher bedeckt war. Es befindet fich im 
Schildfelde auf der Stirnwand des fudtichen Seitenfchiffes. 
Auf dem Bilde, welches Märiens Verehrung darfteilt, ift 
die Jahreszahl I 500 angebracht, es zeigt auch den ganzen 
Kunftcharakter jener Zeit. Den Eingang zu der jetzt 
,.Der Königin des heil. Rofenkranzes", früher dein heil. 
Antonius von Padua geweihten Capelle an der Epiftel- 
Seite der Kirche vermittelt ein mit Fresken und Stuck- 
Ornamenten verziertes Portal, das mit einem kunftvoll 
gearbeiteten Gitter aus Schmiedeeifcn abgefchloffen 
ift. Die Capelle zeigt eine klare Gliederung, treffliche 
Verhaltniffe und lebendig bew egte Gliederung. Auf den 
Pcndenlifs der Vierung find Fresken angebracht, cbenfo 
ift die halbkugelförmige Kuppel mit einem großen 
Bilde r Die Aufnahme des heil. Antonius in den Himmel*' 
bedeckt. Die Wandmalereien bekunden den ganzen 
Charakter der Maltechnik' des Olmüzer Malers Joh. 
CA 1 [antike. In der Wand links vom Eingänge der 
Capelle ift ein Stein eingemauert mit folgender Infchrift: 
Zu großer glorij Gottes undt zu Ehren S. Antonij von 
Padua hat dien a. i;oi eingefallen gewefte Capellen 
(außer der zwey Seiten Altar) von Grundt neu auffbaucn 
und mitStuccatur aus/ihren laffcn Carl Matthias Michael 
Brzezowski der Zeit kay. Salz : Verfielber allhier. Sich 
anbey in aller andachtigen Selen Ilayl Gebet empheh 
lendt anno 1708. 

Die Wallfahrtskirche auf dem heil. Berge. 

Ein architcktonifches Prachtftück erften Ranges, 
eine der fchonrten Barock-Kirchen Oefteri eichs ill die 



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- io3 - 



fchüne Kirche der fcligftcn Mutter Gottes auf dem heil. 
Berge. Den Grundftetn legte Abt Friedrich Sedleeius 
im Jahre l6f>9, der Hau wurde unter den Aebten 
Alexius W'orßtus und Norbert Zielet zky Ritter von 
Pocseiiitz fortgeführt und am 11. September 1670 von 
tlem Fürflbil'chof Karl von Lichtculrcin eingeweiht. Die 
herrliche. Ausschmückung, die man jetzt noch mit 
großer Bewunderung betrachten muß, wurde der Kirche 
crlc von dem am 4. Juni 1722 erwählten Abte Robert 
Sancilis gegeben. Die diesbezügliche Infchrift über dem 
verkropften Geftmfe des decorativen Hauptpoitales 
lautet: Ad Landein et tiloriam ter üptiinam Maximam 
Beat.ic Mariae Virginis Elisabeth visiuntis honorem 
hanc sacram aedem a K«ismo ae amplnm Domino 
Alcxio L. Abbatc Gradiccnsi erectam sub Re^iminc 
sueeessoris ejus RdiTii Doinini Norberti Scletzky de 
Poczcnic consumatam Rvdnnis ac Celsissimus Princeps 
Dominus Dominus Carolus Dei Gratia Kpiscopus 
Ulomuc. Dux S. K. 1. Princeps Rcgiac Capcllae 
et de Lichteustein Comes ritu solcmni ronsecravit. i(>~<). 
Robcrtus Sancius Monasterii Grailiciisis Abbas integre 
exornavit. 

Klofter Hradifch nächft Olmüz, 

jetzt k. und k. Garnifonsfpital. Das ehemalige berühmte 
Präinonftratcnlcrftift Kloflcr Hradifch gehört zu den 
hervorragendften W erken der barocken Kunll und legt 
heute noch trotz der Unbilden vergangener Tage ein 
glänzendes Zeugnis ab von dem Kunftiinnc leiner Er- 
bauer. Das großartige Bauwerk, fowie es noch heute 
fleht, wurde von dein Abte Thomas Olfehansky und 
feinem Nachfolger Alexius W'orßius und Norbert Zie- 
letzky Ritter von Poczenitz gebaut. Das eigentliche 
Stiftsgebäude zeigt gegenwärtig noch den Grundfiein, 
welcher folgende AulTchrift tragt: Anno MDCLXXXVI 
Die 26. Junii Lapis fundamentalis — Pro noviler 
aedificando — Monasterio gradicensi — Ptjsftuscst — 
Sub regimine Rmi perillustris et amplmi Dni D~ni 
Norberti Zicletzky De Poczenitz — LI. Abbatis - 
Gradic. Ord Praem. Höchft flattliehe wohlthuende 
Vcrhältniffe zeigt der den ganzen Gcbaiidc-Complcx bc- 
herrfchende bis zum Hauptgefims 308 M. hohe Thurm. 
In denfelben fuhrt eine rechteckige Thür mit marmorner 
Umrahmung, die im gebrochenen Giebel das Wappen 
des Abtes Norbert Zieletzkv, unter diefem aber in einer 
Cartouche die Infchrift: „Anno MDCXCVII* enthält. 
Die fogenannte Prälatencapcllc zum heil. Ste|)han. jetzt 
Kirche der Localcuratic des Dorfes Hradifch. wurde 
gleichzeitig mit dem Prälat urgebäude 1730 von dem 
Olmüzcr Baumcifter IVol/gang Reich nach den Plauen 
Martineiiis gebaut. In de r fudlichen Mauer der Sacii- 
ftei diefer Capelle follcn ftch in einer zinnernen Urne 
eingefchlolTen die Werblichen Ueberrefle <ler (»runder 
der einfügen Hradifchcr Abtei befinden, nämlich des 
Olmüzcr Herzogs Otto [. und feiner Gemahlin Euphe- 
mia, dann Otto III. und feiner Gemahlin Duiantia, wie 
auch des Olmüzcr Bifchofs Johann III. (1 151 bis 1 157] 
und des Hradifchcr Abtes Robert (U43 bis 12691. 
Eine Mefüngplatte bezeichnet «liefe Stelle mit folgender 
Infchrift: Sex sonino Grandium aiiimorum loculus iste 
recondit exuvias IV'' ,r Marchio . .Morav . et Monstij 
Grad. Fundatorum Ottoiiis I" ', Euphcmiae conjugi-. 
Ottonis III ' et Durantiae eonjugis; Duorum Praesiilum 
loannis Episc.OIom et Robcrti Abbat Grad. 



QVeM gratVs ponl feCTt BcneDICtVs 
Abbas Gradlccnls LIII. 

Am 18. Auguft 1785 mußten die l'ramonflratenfcr 
das Stiftsgebuude verlaffen, und diefcs wurde in ein 
Gen« ralfcminar l'ür"ganz Mähren und Schienen umge- 
wandelt. Aus «liefer Zeit ftammt die jetzt noch belie- 
bende AulTchrift oberhalb des Hauptportals: Institution! 
Cleri — Religionis Fundamcnto — vovit Iosephus 
Augustus Anno 1785. 

Das ehemalige Convictsgebäude der Jefuiten, 
jetzt k. u. k. Militär-Caferne, hat eine wirkungsvolle Fa- 
cailc, die durch d;is von r«.:fticirtcn Säulen umrahmte 
Rundbogenthor unterbrochen ift. Im Schlußftcin des 
Thores ift die Jahreszahl 1667 eingemeißelt, in der 
Cartouche zwifchen den Voluten des Thorgiebels fol 
gen«!«: Infchrift: Iosephus II. Aug. - Aegro militi — 
MDCCLXXXV. 

Das Jefuitenfeminar, jetzt k. k. Staats-Gymnafium, 
ift ein in den Details einfacher, in den Maffen aber 
impofanter Bau aus dem Jahre 1718. In der über dem 
Thor angebrachten rechteckigen Cartouche ift folgende 
Infchrift eingemeißelt: OPTIMARVM ARTIVM — 
LVDIS - IOSEPHVS II. AVG. MDCCI.XXX11I. 

Das ehemalige Minoritenklofter, jetzt Landes- 
krankenhaus, wurde 1734 unter der Leitung des Ol 
müzer Baumeifter* Matthias Knicbamil gebaut. Ucbcr 
dem Korbbogen des großen Einfahrtsportals folgende 
Infchrift: Infant TVJ.ls rcLICtlsaegrls — graVIDIsqVc 
LeVaMInl JoscphVs II. 

Die fürfterzbifchöfliche Refidenz wurde 1669 vom 
Fürftbifchof Karl Grafen v.Uchtenßeind\ivvh\Ui\\\:n\fc\\c 
Künftlcr aufgebaut. Die Architektur der Haupt-Favade 
zeichnet fich bloß durch drei gewaltige Portale und 
durch die wirkungsvolle Plaflik der Fenftcruinrahmungen 
aus. Das mittlere Haupt-Portal bildet mit dem darüber 
befindlichen Doppclfcnfter und dem Balcon desfelben 
einen reichen pyramidalen Aufbau. Die runde Car- 
touche in der Fenfterbekronung enthält das Capitel- 
wappen mit dem Hauswappcn Karl II. Grafen v. I.ichtcn- 
ftein. oberhalb Stab, Infel, Herzogshut und Schwert; in 
der Cartouche folgende Infchrift: Cakoi.vs Dei Gra- 
tia — El'ISCOl'VS Oi.omvcensis Dvx S. R. I. Pkin- 
cei's Rkciak Caiki.i.ae Boemiae & — De Lutitkn- 
steix Comes. 1660. Die beiden Seiten- Portale werden 
von einfachen Rundbogen gebildet und find von tos- 
canifchen Pilaftcrn eingefafst. Die Infchrift des Wappen- 
auffatzes lautet: Carolus Com. De — Lichteustein 
Epus Olom.A FVNDAMENTO - Exstruxit Anno 
1 669. 

Im Lchcnfaale des Palais, in welchem fich das 
große Ereignis der Thronentfagung Kaifer Ferdinand I. 
zuGunftcn Seiner Apoßolifchen Majeßät Franz Jofeph I. 
(2. December 18481 abgefpielt hat, befindet fich «he 
aus Marmor verfertigte Votivtafcl, welche der Cardinal 
V\\x&fxA\\tc\\nWaximilianJaftphFreiherrv. Sommerau- 
Beckh zum Andenken an die Ercigniffe des Jahres 
1 848 anbringen ließ, und welche folgcntle Infchrift in 
goldenen Lettern enthält: In abdicationis «pia Ferdi- 
nandus Imperator ch-uientissimus turbinum politicorum 
abissum obstrueturus hisce in aedibus Austriaci impciii 
seeptra veneranda in nepotis augusti.ssiini Francisci 
Josephi I , vacillantia Austriae rcgnoium fundameuta 
Viribus Vnitis stabilituri manus immisit piam ac peren- 
nam memoriam poni feeit Maximiiianus Joscphus Trin 



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- IO» 



cc|>5 Archiepiscopus Olomucensis. IV. ante Nonas 
Decembris 1S48. 

Die Refidenz des Dom-Dechants rührt in ihrer 
gegenwärtigen Gefialt aus der Mitte des 17. Jahr- 
hunderts her, und es zeigt die gegen den Domplatz 
zugekehrte Gartenfront mit einer Reihe von kreisrunden 
Arcaden und der von Hennen getragenen zierlichen 
Loggia vollftändig italienifchc Formen. Eine in die 
Eckmaiier des rückwärtigen nördlichen Theites iler 
hiftorifch merkwürdigen Dom-Dechanteiauf einem offe- 
nen gegen Klofter llr.idifch gelegenen Gange ange- 
brachte Platte aus Schieferftein enthält nachftchende 
Infchrift: DIE. IV. A VGVSTI .MCCCVI . - VENCES 
LAVS.I1I. — BOHEMI/E.ET.POI.ONI/E.REX. — 
STIRPIS.PRZKMVSEE/E.VLTIMA . PROLES . — 
EXKRCITVM . POLONI AM . VERSVS. - OLOMV- 
TII . CÜNTR AI JENS . — A . CONR AI )0 . DE. MVEI.- 
HOVE. - HOC . IN . DEAMBVLATOKIO . OCCI 
SVS.KST.— 

Am 15. Auguft 1619 wurden acht Domherren, 
nachdem fie in der Decanatsrefidenz die Drohung der 
Proteftanten, die Bcfchliißc der mährifchen Stände 
zu tinterfchreibeii und die Kirchenfehlüffel auszufolgen, 
oder auf den Fcnfterfturz in den Wallgraben gefafst zu 
fein, mit dem feilen Entfchluße, nur Gott, feiner Kirche 
und dem rechtmäßigen Könige treu zu bleiben, beant- 
wortet hatten, in ein Haus der Bohmergaffe (das leider 
jetzt demolirte fogenannte Capitelhaus) durch den 
Commandanten Hartiiiann v. Puchheim abgeführt, wo 
fie bis zum 19. Januar 1620 eingcfchloficn blieben. Das 
Andenken an das Jahr 1619, welches fo verhängnisvoll 
für das Domcapitel gevvefen, und von welchem oben 
fchon mehrfach die Rede war, bewahrt folgende In- 
fchrift in dcmfelbcn Gebäude: Soli deo laus, honor et 
gloria. Caesareis locum Pragac tenentibus Catholieis ex 
arcis fenestris per haereticos rebellcs praeeipitatis, 
iilem ex hypocausti intra hunc parictem siti fenestris 
8 capitularibtis Canonicis Moraviae rebelies acatholici, 
ni elaves eeclesiae traderent et decretis hacrelicU sub- 
scriberent, die S. Procopii minitabantur; hi ad praeci- 
pitium potius, quam ad violandam Caesari, eeclesiae, 
Deo debitam fidclitatem prompti, bonis omnibus exuti 
carcere inclusi sunt, die festo Divae assumptae anno 
1619 sex mensibus ut milites custoditi, tractati ut 
hostes. Quare Caesar Ferdinandus II. anno 1623 Capi- 
tulum Cathcdral. eeclesiae Olomuc. honoris ergo titulo 
pfideli-s" nuneupavit et ab omnibus Cancellariis regiis 
clementissime jussit nuncupari „fidcle Capitulum". 

Die Domherrenhäufer ftammen aus der Regie- 
rungszeit Karls v. Lichtcnftein (1004 bis 1695). Be- 
zeichnend für die Auffaffung diefer Bauten ift es, dafs 
die Straßenanfichten bis auf den vornehmen Portalbau 
weniger bedeutend, die Hofanfichten und Gartenfacaden 
in reicherer Architektur gehalten find. In der Ver- 
dachung der monumentalen Portale ift das Wappen des 
obengenannten Kirchcnfiirftcn, das Capitelwappen und 
unter beiden zumeift das Wappen des erften Befitzers 
angebracht. Bei dem Domherrenhaufe, RcfiderugafTc 22, 
über dem Mittelfenfter eine Tafel mit folgender In^ 
fchrift: Rev. Ac .111 . DD Franc. Co. a Braida De Ron- 
seg.et Cornig.D.C.EI'VS Hippon, Suffrag. Olom. Has 
ipsas auxit. et altius struxit MDCCV. Das Domherren- 
haus, RefidenzgalTe 16, zeigt über der Portaloffnung 
das Wappen des Canonicus Schroff el von Schroffen- 



heim. Im gewölbten Hausflur diefer Refidenz befindet 
fich auf einer Steinplatte folgende Aufschrift: Anno 
1679 die 24. Aprilis Fundamentalem Neoaedificij Lapi- 
dem'Infra Locavit Ferdinandus SchröfTel De Schöffen- 
heim, Canonicus Protonotarius Apostolicus, Et i'ro 
Tempore Posscssor Residentialis Domus Huiu?. Ein 
fpiiterer Bau ift die Refidenz 24. Im gebrochenen Drei- 
ecksgiebel des mit einem Korbbogen gefchloffcnen 
Portales befindet fich das W : appen des ehemaligen 
Dnm\>m\t(i^ Ludwig Grafen v. Seren? (f 1 780) in einer 
reichen Roeoco Cartouche. Ueber dem Schlußftein des 
Bogens die Jahreszahl ANNO 1751. 

Sculpturwerke. 

Die Dreifaltigkeitsfattle auf dem Olmiizer Haupt - 
platze, wohl das fchönfte Monument diefer Art in der 
Monarchie, ift ein glänzendes Wahrzeichen des frommen 
und künftlerifchen Sinnes der Vorfahren und ein be- 
redtes Denkmal der heimifchen Sculpturthätigkeit des 
vorigen Jahrhunderts. Ihr Entliehen verdankt die Säule 
dem Olmiizer Wenzel Rentier, dem fchlichten Stein- 
metz, der diefelbe fo großartig aufzurichten itnftande 
war. Die Bildhauerarbeiten rühren fämmtlich von 
dem Olmiizer Bildhauer Andreas Znhtier, die Aus- 
führung der figuralen Arbeiten in getriebenem Kupfer 
aber von dem Olmiizer Goldfchmied Simon Forßner 
her. Das große Werk erforderte eine geraume Zeit zur 
Vollendung, es wurde im Jahre 1716 begonnen und 
1754 am 9. September durch den Fürftbifchof und 
Cardinal Ferdinand Grafen v. Troyer in Gegenwart ihrer 
Majeftätcn der Kaifcrin Maria Therefia und Franz I. 
eonfecrirt. Die Infchriftstafcln auf dem Denkmale haben 
folgenden Inhalt: Ueber der Eingangsthür in der Ca- 
pelle: tkIn'o Dko — aLto fortI saNkntI — aLtare 
— hkxk VoLf.n tIa I'VbLICa — renoVatVM. Im 
Poftamente der Pyramide auf der Frontfeite: gLokIa 
Deo patkI — Deo fILIo — Deo paraCLeto. Ueber 
der Eingangsthur der Capelle: TKIVm VEROf^Ve 
Deo — rR.ESENTluVs aVgVstIs -- kranCIsCo at- 
qVe turkesIa — CoLossVs Istk — a CakDInaI.e 
tkoIer — ConseCkatVs 9"* SEPT. An der Wert- 
feite: I\ kIDk rl.ENA — si'E i IkMa — CiiakItatk 
PERFECTA. An der Nordfeite: saCrata sInt — El 
soLI — CokDa oMnIa. 

Schließlich fei noch zweier Werke felbftändigcr 
Plaftik erwähnt, von welchen das eine vor dem Ein- 
gange des Klofters Hradifch, das andere in der Mitte 
des Domplatzes ficht Es find dies die Sandftcin- 
Statuen des heil. Johannes von Nepomuk. Die erft- 
genannte verfertigte Jofeph Winterhaider, fie wurde am 
16. Mai 1739 enthüllt und eingeweiht. Auf der Rtick- 
feite des Poftamcntes folgendes Chronoftichon: SanCtI 
loannls NepnMVCenl — FestIVo Die natVs et patrono 
gratVs posVIt NorbertVs — qVInqVagesIMVs qVln- 
tVs Abbas — Fuit Votls Canonlac GraDICensIs. 

Die zweite Johannes-Statue wurde auf Köllen des 
Domherrn Matthias Grafen v. Thum-Vallesassina im 
Jahre 1724 errichtet und trägt im Poftamente folgende 
Infehriften: SanCte Ioanncs NepoMVCcnc In aDVcr- 
sltatlbVs tVere nos Pro honoreet glorla tVa renoVarl 
feCIt CoMes De Serenl. - QV1 peDIbVs NcpoMVCe- 
ni sVblaCet. — St NepoMVCenVs pro nobls qVIs 



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- 105 - 



aVDcblt Contra nos — Ora pro popVLo, IntcrVenl 
pro CLcro tibi sVprcMe DeVoto. 

Das in der Mitte des Oberringes flehende alte 
Rathhaus, welches in feinem Urfprungc mit jenem 
Kaufhaufe identifch ifl, welches mit Privilegium Prcmysi 
Otakar's ddo. Iglau 3. Oftober 1261 (Urkunde im 
flädtifchen Archive) erbaut wurde, erfuhr im Laufe der 
Jahrhunderte die mannigfachften Veränderungen. Aus 
der gothifchen Bauperiodc rühren her die Hallen im 
Farterregefchoßc, der mit fchönem Kreuzgewölbe 
verzierte Kaum der ehemaligen Stadtwage, der zierliche 
Erker an der Südfeite, die berühmte Kunfluhr in der 
großen gothifchen Nifche an der Nordwand des Thür- 
nies, welch letzterer erft fpäter feinen prächtigen Helm 
erhalten hat. Die an der Ollfeite über der Freitreppe 
angebrachte Loggia i(l ein koftbares Erbe aus der 
Spat-Kenaiftance, wie dies auch die auf dein Sockel an- 
gebrachte Jahreszahl 15Ö4 bcflatigt Die aftronomifche 
Uhr, diefes Wahrzeichen der Stadt aus der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts, deren vollflandige media- 
nifche und decorative Reftaurirung bald beendet fein 
dürfte, zeigte vor der in Rede flehenden Wicdcrher- 
Ilellung mehrere Auffchriften, die aus dem Jahre 1746 
herrühren dürften, in welchem Jahre die Uhr zum 
drittenmale renovirt und mit mehreren neuen Kunfl- 
flückcn vermehrt wurde. Die Malereien beforgte damals 
der Olmüzer Maler Johann Chr. Handke. Ein Aquarell, 
gemalt von f. IV. Bifcfier'un Jahre 1805 nach den von 
Handke gemalten Bildern befindet lieh im flädtifchen 
Archive Im Sockel des ganzen Kunflwcrkes war zu 
lefen: RepartItIonIs. teMporIs . soLI.ICIta . antI- 
oVItas.Ist.iioC.opVs. kIekI.veCIt. — VetVsta- 
te . kVens . senatVs . popVL Vsrj Ve . 0L0M V( exsIs . 
ConsI' u VaV'It . ContInVaVIt . aC . restaVraVIt.— 
IstIs . Vero . i'ICt VkIs . et . orgaxo . DeCoreM . a V- 
XIt.et . eXornaVIt. eXoVIsIta . iiYTVsCe. VruIs. 
DIreCtorII.pkaesIDIsInDVstrIa. — F. GW— Zur 
rechten Seile des Sockels war das Bildnis des Vcrfcrtigcrs 
der Uhr, der Meifter Anton /W// gemalt, der fich auf eine 
große Infchrifttafel lehnt und in der 1 Iand Uhrbcfland- 
theile halt. Auf der Tafel war zu lefen; Meifter A. Pohl 
von der Oclft. Unter diefem Bilde der Spruch : Kunfl und 
Fleiß — Bringt Nutz und Preis — Wer.s verficht und 
weiß. Auf der andern Seite unter dem Bilde eines 
Mannes, derauf eine Tafel das Wort Aeternitas fchrtibt, 
die Verfe: Das Tadeln ifl gar leicht — In eines An- 
dern Sachen — Doch kanns gemeiniglich — Der Tadler 
nicht nachmachen. 

Das Innere des alten Kathaufes war mit Fresken 
reich gefchmeckt. Die Entwürfe für die Deckengemälde 
befinden fich im hiftorifchen Mufcum der Stadt; fic 
rühren von dem Olmüzer Maler Hawelka her, der Mitte 
des 18. Jahrhunderts in Olmüz gelebt hat. Ueber der 
Eingangsthür in die RathsfUibe auf der Rückfeite 
diefer Thür und auf der Decke des Publications-Saales 
befanden fich einem im flädtifchen Archive aufbewahr- 
ten Manufcripte zufolge folgende Auffchriften: DiTs 
milii adiutor! Non timebo. Ouid faciat mihi homo Ps. 
CXVII. Anno MDXXX. Kenovat: 1S15. - Age sie 
aliemim ut tuurn non obliviscaris negotium et qualis vis 
videris, talis eslo. Ilaec Socrales. Anno MDXXX. Rc- 
novatum 1G78. — Justa tmperia snnto, qsque cives 
modeste et sine recusatiom: parento. e\ I.: 1.: XII, 
Tab. 1722. Derfelben Handfchrift zufolge lautet die 



Infchrift auf der großen Uhrfchale des Thurmcs: Ego 
campana f iiö . pronuncito vana f nö iguem f non bcllü t 
nofunus f non teclü f fusa sum in honorem sanc . franeisci 
a. dm. m.ccccc. Joannes Meifler. Kandier Mefericz. Die 
kleinere Glockenfchale hat die Infchrift: Anno domini 
1603 ill diefe Urfchalcn aus befel Feit Stainheifel ge- 
goffen worden. In der bis 1830 beflandcnen Laurentius- 
Capelle des- alten Rathhaufes befand fich ein vom 
Conful \n\A%l*i\irichtcT Ludwig Beek 16. Februar 1734) 
errichteter Altar, defTen Bild den heil Laurentius dar- 
flellend von dem Olmüzer Maler Karl Jofcph Haringer 
gemalt wurde und das fich jetzt in der flädtifchen 
Bilderfammlung befindet. Der Altar trug folgende Auf- 
fchrift: D. O. M. A. Divo Laurcntio M. Ecclesiac milt- 
tantis thesaurario pro aris ardentissime intcr ignes dc- 
certanti aram hanc acre proprio crigi fecit. Ludovieus 
Beck eons: Olom. MDCCXXXI1I. 

Die Infchriften auf den Privathäufern der Stadt find 
beim Umbau zumeift verfch wunden; Nachrichten über 
diefe fanden wir in den Aufzeichnungen des flädtifchen 
Archivs. So lautete die Infchrift eines Steines, welcher 
im Hofe des Haufes Nr. I, jetzt Therefiengaffe 21, ein- 
gemauert war, folgendermaßen: Victrix gloriosissinia 
supra neo — elcctum Imperatorem elcctores ejus et 
confoederatum regem Galliae. VlVat Theresia Chrl- 
stlana Regina bcLI.I VIrtVte DVX Magna. Aö 1741. 
die 28. Deccmbris intrarunt per Capitulationem hanc 
Metropolini foedifragi et subdoli Borussi, post(|uam 
Cives adliqutdata Centum septuaginta duo milia exhau- 
sissent totam Moraviam devastassciit die 23 : '-' Apriliis 
anno 1742 advenienti et jain ad Olschan in Custris cum 
nostro exercitu slante Carolo Duce Lotharingiae noctu 
profugerunt Olomucio quindeeim millia Bonissnrum 
relietis septuaginta magnis et parvis tormentis hoc 
anno dicebatur: Gallus gallinis bis Septem sufficit unus. 
Sed mulier Septem sufficit una viris. REConDItorIVM 
Contra VnIVersas IgnIs serpentIs iiosiIsoVi: Ix- 
csrVentIs I.nIVrIas.QVoD sVb horVssis IxCoL- 
Lls HkIüERAT IosElilVs DV URVkIL. Das genannte 
Haus war vom Jahre 1730 bis 1779 im Besitze der Fa 
milieBrueil ; derStifter der Erinnerungstafel Jofcpii Bern- 
hard Brucil, k. k. Obereinnehmer, wurde wegen feines 
tapferen Verhaltens wahrend der preußifchen Bela- 
gerung von Maria Therel'a am 12. November 1758 in 
den Adcbftand erhoben mit dem Piädicate von Brucil 
und Madeion. 

Die Auffchrift über der Eingangsthür der Apotheke 
Haus Nr. 14, jetzt Niedemng 53. einhielt folgende 
Sprüche Altisshn creavit de terra medicafnta et vir 
prudens non abhorebit illa: anno in c cccclxxxv I : . — 
L'nguentarT facit pignienta svavitat'* et unetioncs 
coficiet sanitati, et no consummabtMur opera ejus. 
Ueber dem Eingang des Hanfes Nr. 333, jetzt Sporer- 
gaffe 22: Kaspar tuirh (Myrhci — melchior thus (Weih- 
rauch} — balthasar aur (Gold) — anno dm.m'.cccc* 
Ixvl I I 1*. niagister Komadiis braunstain nie. fecit. 

Aul den iitniinehr deniolirten Thoren des alten 
Ohiiiiz befanden fich ebenfalls Infchriften, und zwar auf 
dem Portal des Burgthores: MDC1. XXVIII Ltop.I: 
Rom Imp.s. avg . Han< purtam extrvi ex testa- 

MENTo U >s|j GE.D.Fl I.iX SlEROWSKY. Die Infchrift 
auf dem Portal des Kathai inenthorcs lautete: xisi l>o- 
MIN YS CVSTolilERlT ( "I V ITA'I EM, » R VST RA VHUI.AT 



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- I06 - 



OVI CVSTODIT EAV . V: 1 26 . V . 2 . - — H.\S HOSTIS POR- 

tae nkVaLVas occvpet VILLVS skMi kk ack kX 
CVbIas nie Catharina tV'as . kkhavkt i C<f*j . aber 

DVKCH l>EN ItlND KV INI KT VXD WIEDERVM KRI1AVET 



1758. Auf dem jetzt noch begehenden herrliehen 
Maria Thcrefien-Tlior befindet fich an der Außenfeite 
eine einzige Infclirift und diefc lautet: M . I I 1ERKSIA 
D.G.K. I G. H.R.K. Die Jahreszahl: MDCCL1II. 



Aus einem Berichte ddo. 7. October 1897 des Profeffors Dr. 
W. Neumann an die Central-Commifllon. 



1. 

^ASS der Endesgefertigte einen irgend lesbaren 
Reifebericht über feinen Ausflug nach Trieft und 
Dalmaticn (im Sommer des Jahres iSijj) bringe, 
ilt bei dcrBefchränktheit feiner Zeit nicht zu erwarten. Er 
kann nur aphoriftifche Satze hinwerfen, welche Gegen- 
ftändc behandeln, die der hohen Central Commilfion 
entweder jetzt (chon in den Acten begegnen oder in 
kürzerer oder längerer Zeit ihr unterkommen werden. 

Am 31. Juli befuchte ich die Kirche i". Maria 
magg. in Trieß. Dafs fall jede Kirche Iftriens und Dal- 
matiens irgend ein bedeutendes Kunftwerk befitze, ift 
eine bekannte Thatfaehe. Diefc Kirche belit/t ein aus- 
gezeichnetes Gemälde von Bcncdctto Carpaccio, den 
heil. Ignatius von Loyola darftellcnd (Altarblatt an der 
nördlichen Seitenwand). Die Leinwand ift voll Falten, an 
vielen Stellen blättern fich die Farben ab. Das Bild muß 
bald neu aufgefpannt und von gefchickter I [and ausge- 
bciTcrt werden, foll der Schaden nicht fich auf Theile des 
Bildes ausdehnen, die den Kcftaurator zum „Dichten 4 
zwingen, wenn er das Bild zu fp.it in die Hantle bekommt. 

Dafs der römifeke Bogen in Trieft fich bis in 
unfere Tage erhalten hat. ift eigentlich ein Wunder zu 
nennen. Aber er ift zwifchen Häuft-r derart eingedruckt 
und das Terrain ilt fo ungünftig, dafs er, da doch noch 
ziemlich viel von ihm erhalten ift, eine Kegulimng des 
Terrains gleichfatn dringend fordert. Denn nur fo 
konnte er zur Geltung kommen. Die Stadt Vertretung 
durfte vielleicht doch zu bewegen fein, ein Denkmal 
ans der alterten Zeit würdig zu reftauriren. 

II. 

Capo d Ißriu ift ein Ausflugsort der Trieftiner. Der 
I'odeftä felbft war fo freundlich, mich und den Ingenieur 
Tommail in der Stadt herumzuführen, welche allerdings 
an Sehenswürdigkeiten reich ift ; war fie doch die Hei- 
mat von Kunftlern, die unter den Vcnetianern eine 
angefehenc Stellung einnahmen 

Auf dem Wege zum Dome kamen wir am Haufe 
des Conti- Tacco vorüber, an deffen Thore der be- 
rühmte Thürklopfer, der dem Sansovino zugefchrieben 
wird, fich befindet. Sicher ift es das Werk eines Kuull 
lers elften kanges; Bronzeguß, fein eifelirt. Venus 
Atiadyomene mit zwei Genien (Puttir) links und recht-. 
Ms' ift zu beachten, dafs die Thürklopfer (ich an jenem 
Thorflugel befinden, der für gewohnlich gefchlofkn 
bleibt. Der andere fich öffnende Thorflugel hat mitten 
einen Kopf, an den derjenige fich halt, der das Thor 
eindrücken will. Ks exilliren noch zwei folchcr frei- 
gearbeiteten Thürklopfer in Capo d Iftria, aber jüngere 
Arbeit und weniger kimftlerifch durchgeführt. Der eine 
ftellt einen gewappneten Ritter vor, welchen (ftatt der 



1. 

PuttO zwei Löwen und Arabesken umgeben, welche 
mit den Kopien nach abwärts geftellt find. An diefem 
Thore ift der Griff des rechten Fluge!» ein meifterhaft 
modellirter Negerkopf. 

Ueberhaupt fielen mir die Haufer mit gemalten 
gothifehen Ornamenten auf. 

Der Dom im Innern, eigentlich ein anfpruchslofer 
Bau von Vasari 1714, an dem die uralte Ornamentiruiig 
der halb gothifehen halb Kcnaiffancc-Facadc eigentlich 
das merkwürdigfte ift, enthalt bekanntlich ausgezeich- 
nete Gemälde ; berühmt und oft abgebildet ift die herrliche 
Madonna in throno, den lautenfpielenden Engel zu 
Füßen, vier Heilige links und rechts, (ignirt un<l 
ftammt von Vitlori ( V/r/V/i ivc, der ja felbft in Capod Iftria 
geboren ift. Ein Bild von Beiudcito L arpaccio, einem 
Neffen des obigen, befindet fich auf der Orgelbühne. 

Ein ziemlich großes Gemälde, da* an der Weft- 
wand hangt und vielleicht auch von Benedctto Car- 
paccio gemalt ift. ift eigentlich aus zwei Bildern zu- 
fammengeftückelt, durfte alfo ehemals zu einem Karten 
(Orgelkaften) gehört haben; bei der Zulammcnfügting 
der zwei Gemälde hat der betreffende Maler kleine 
Partien ausgeglichen. Es ftellt das eine Bild die Präsen- 
tatio Chrifti in Templo, das andere den bethlemitifchcn 
Kindermord dar. 

Die hohe Central- Connniffton fordert ficherlich 
nicht die Aufzahlung der oft ziemlich unficher be- 
nannten Bilder im Dome und im St. AnnaKlofter von 
Capo d Iftria, fo wenig wie fonft in den vom Referenten 
liefuchten Oertlichkeiten. Er hat die Erfahrung gemacht, 
dafs von Bildern, welche feinem Gefühle nach recht 
mittelmäßige Erzeugnilic der Malerei lind, die Tradition 
ganz bedeutende Namen zu berichten weiß. Referent 
verfolgt in diefem Berichte praktifche Zwecke und 
nicht kimlUiiftonfchc Schilderung oder Sichtung. Es 
lind diele Berichte daher nur eine Direclive für künftige 
Amtshandlungen. 

Die Loggia ift mittels zwifchen die Säulen gezo- 
genen Wänden zu einem Kaficchaufe umgcftaltet 
worden. Ihr gegenüber das Stadthaus, welches der 
Regierung zu Amtszwecken unentgeltlich gegen die 
Verpflichtung überladen wurde, dafs lie den Bau felbcr 
in Stand halte. Dazu gehört nicht die Freitreppe, 
welche der Reftaurirtmg bedarf. Auch ein paar Wappen 
könnten in diefc Renovirung einbezogen werden. 

Ein Tag war dem Ausflüge nach Aquileja und 
Grado gewidmet, Auf dem Wege kamen wir durch 
I : iumuello, wo Baron l'tteani wohnt; er hat in feinem 
Garten ziemlich viel Antiken, welche fchr wahrfchein- 
lich aus Aquileja flammen durften. 

Aquileja ift ziemlich eingehend aus den Special- 
Bcfchrcibungcn bekannt. Ich bemerke nur hier, dafs im 
Haupt fchiffe gegraben worden ift und dafs man dort. 



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- io7 — 



I M. tief, die alten Mofaikcn gefunden hat. Die Aus- 
grabungen wurden mit einem leicht entfernbaren 
Bretterboden belegt, der uns geöffnet wurde. 

Im nahen Monafltro dürfte wohl ein fchr ergiebiger 
Punkt für Ausgrabungen fein, wie denn dafelbft im Hofe 
antike Säulcnrcftc zu fehen find. Infchriftcn finden fich 
allenthalben an den Häufern. 

Mine kerzengerade Straße führt in etwa einer 
halben Stunde zu dem Ueberfahrtsorte Belvedere, dem 
Bcfitze eines reichen Italicners. Eine Stunde dauerte 
die Ueberfahrt nach Grado Uber die Lagune; es war 
eben Flut, der Wind uns günftig. 

Der Dum, den wir zuerft hellichten, ift hinlänglich 
befchrieben; die Kanzel mit dem oricntalifircndcn 
Dache genugfam abgebildet. Erwähnt fei hier nur der 
Hochaltar mit feinem filbernen Auffatzc, der mit dem 
von Cattaro nahe verwandt ift; er ii\ fignirt 1342; das 
Infchriftfchildchen in Email translucid ausgeführt. Oben 
in derApfis über dem bekannten Hifchofsthrone ein altes 
aber gcfchlofiencs Fenfter mit intereffantcr Tranfennc. 
I);is war der alte Verfchluß, wie er jetzt wieder für 
I'arenzo projc6tirt worden ift. In der Apfis ift in Ercsco 



gemalt der Salvator mit den vier Evangcliftenfymbolen 
und vier Heiligen, fchlecht erhalten, wie das Ercsco 
im Dome (Apfis) von Aquileja. Auch fonft find im 
Dome die Spuren von Fresken zu erkennen, allein 
faft durchwegs übertüncht. Weiter ill es interclTant. 
dafs noch das Bodenmofaik erhalten ift, freilich in fchr 
ftark reftaurirtem Zuftande. Die alterten Theilc fehen 
fo aus, wie die von I'arenzo. Das Baptiflerium be- 
findet fich auf der Nordfeite des Domes. Dazwifchen 
im Hofraumc Sarkophage und viele Rcftc aus longo- 
bardifcher Zeit, im bekannten „ Volkerwanderungs- 
zopfrtylc". Intcrcfiant ift die Paramcntcn-Kammcr: da- 
felbft ein ziemlich großes kiftchenförmiges Rcliquiar aus 
dem 14. Jahrhundert. Ein Kcliquiar, in welchem unter 
Glas ein eubifches goldenes Kapfelchcn fich befindet, 
wie das von Dr. Swoboda bearbeitete, auch mit dem 
Kreuzchen und den Gruppen von Goldhügelchcn, 
aber auch ein zweites filbcrncs Kcliquiar von ellipti- 
fchem Durchfchnitte mit getriebenen Heiligenfiguren. 
Die Infchrift daran ift eingerahmt. Die zweite Kirche, 
-S. Maria, hat ebenfalls fehr beachtenswerthe noch in 
antike Zeit reichende Mofaikrefte. 



(Fortfetning folgt.) 



Die Kirchen zu Maria-Feicht und am Ulrichsberge in Kärnten. 



1. 



Von Confervator /hui Gtueber. 

Mit 15 lllo#lration«n njirh Aufnahmen »tm demfitititn 

die Mittheilung, dafs auch noch in einer Urkunde vom 




|IE Kirche Maria Feicht in Kärnten kommt ur- 
kundlich zuerft im Jahre 1 1 36 vor. In den 
Gurker Gcfchichtsquellen von A. v. Jakfeh, 
1 12, findet (ich darauf bezughabend: 
„1136" Bifchof Roman I. verkündet, dals Dicmot 
mit Zuftimmung ihres Gatten Gutebold von Ofterwitz 
die von ihr erbaute und vom Bifchofc mit Erlaubnis des 
Erzbifchofs Conrad I. geweihte Kirche in Tigring vor 
deren Weihe dem Capitel gefchenkt. worauf der Erz- 



22. Juli 1741 von der Kirche in Maria Feicht die Rede 
ift. in welcher für dicfelbc ein Caplan und Priefter mit 
drei WochenmefTcn gertiftet wird. 

Von dem Kirchenbaue, der im Jahre 1 136 genannt 
wird, find gegenwärtig nicht die minderten Spuren vor- 
handen, und dürfte fich wohl nur die gegenwartig noch 
beftchende gothifche Kirche an dem Standorte der 
älteren erheben. 

Die einfehiffige Kirche (Grundriß Fig. l) befleht 
aus einem dreijochigen Langhaufc von 7^45 M. Breite 




bifchof vorftchende Schenkung beftätigte, dafelbft eine 
Taufkirche errichtete, diefelbe mit dem Tauf- und Be- 
gräbnis-Rechte, Zchcnten und Granzcn begabte und der- 
ielbcn genannte Filialkirchen unterwarf: „Marie ad 
Fuhte, St. Gandolfi etc." Ferner verdanke ich noch der 
Liebenswürdigkeit des obenerwähnten Herrn Archivars 
XXIV. N. K. 



und 15 40 M. Länge und einem daran anfchlicßcnden 
nur um 45 Cm. fchmäleren 10 25 M. langen Chorraum. 
Beide werden durch einen mächtigen einfachen Triumph- 
boden voneinander getrennt, und find in ihren Wöl- 
bungen mit fteineniem Rippenfchmuck verfehen, der 
von bis zum Buden laufenden Dienften getragen wird, 



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Unter dem letzten Joche des Langlaufes befindet fiel) 
die gleichzeitig mit der Kirche zur Herftellung ge- 
kommene Mufik-Emporc mit einer prachtigen Stein 
bruftung und einer in der Mitte derfelben auf die ganze 
Parapcthöhc reichenden Brüfhings-Confolc. welche auf 
der vordem Seite in einem gemalten Hände die Jahres- 
zahl 1524 tragt (Fig. i u. 3). 

Geradezu uberrafchend "reich ift die Ausftattung 
der Wölbung, welche die Münk- Empore tragt. Kin 
complicirtes Stcrnmufter wird durch ein kräftiges 
Rippenwerk gebildet, wobei an den Kreuzungen 
Tartfchenfchilder (Fig. 3) angebracht find, von denen 
zwei die Jahreszahl 1521 enthalten. Das Steinmetz- 
zeichen erfcheint auf diefen Schildern fcchsmal, 
Das Emporengewölbe ruht auf vier Säulen 
und bei den currefpondirendeii Stellen der Mauer- 
anlaufe auf Confolen, die gleichzeitig auch die Kippen- 




trager lind. Eine zierliche Stiege mit fpitzbogiger 
Thüre fuhrt auf der linken Seite zum Mufikchor 
hinauf Die ungleich hohen Fenfter im Langhaufe find 
mit Maßwerk von Fifchblafcn und DreipalTen verfehen 
und alle, mit Ausnahme des Chorfenfters auf der fiid- 
öftlichcn Seite, welches drcitheilig ift, zweitheilig. 

/.um Thurme fuhrt bis zur Kirchenhohe eine eigene 
Treppe, welche in einem dicht an den Thurm anfchlie- 
ßenden Vorbau untergebracht ift. Es war dies vormals 
auch der Zugang zu einer kaltenartigen in die Kirche 
hineinragenden Holzempore, die aber jetzt nicht mehr 
exiftirt. 

Das llauptportal der Kirche hat einen geraden 
Sturz und ift mit reicher Steinmetzarbeit geziert (Fig. 5). 
Ferner ift im Innern noch eine nette gothifche Stein- 
kanzel zu erwähnen (Fig. 6). Die mit 1 bis 4 im Grund 



rille bezeichneten Strebepfeiler find reicher ausgelittet 
und ift bei denfelben das Bertreben, viele Vcrfchnei- 
düngen zu fchaffen, bemerkbar (Fig. 7). Vorkommende 
Steinmetz/eichen find : 

^ xF"F rt" » <v 

Mit vorrtehender Notiz wird beabfichtigt, einiges 
Intereffe für diefes hübfehe Denkmal aus der Spat- 
Gothik wachzurufen, welches durch einen Blitzfchlag am 
1 5. Juni 1 897 feiner Dachungen beraubt wurde, und nun 
kunftfinnigcr Spenden harrt, die eine Wicdcrinftand- 
fetzutig ermöglichen. 

II. 

Der Ulrichsberg wird urkundlich unter dem 
Namen „mons carentanus' fchon in einem Documentc 
vom 1. Juni 983 anlaßlich der Schenkung eines Waldes 
genannt. Bei ähnlichen Anläffen erfcheint er unter der 
Bez.eichnung „Carinthus mons" in Urkunden aus den 
Jahren 1143 und 1287. Ferner heißt er in einer Ur- 
kunde ddo. 2. Februar 1331 der „chernperch" und 
in einer vom 15. Oktober 1599 der pKernperg*. Am 
4. Juli 1485 wird der Kirche zu St. Ulrich ein Acker 
gefchenkt, von welchem Zeitpunkte an der Name 
Ulrichsberg auftritt, fo auch fchon urkundlich am 16. Juni 
1497 von einer Kirchfahrt auf den „Ulrichsberg" die 
Rede ift.' 

Der Grundriß des Kirchlcins ift in Figur 1 der bei- 
gegebenen Tafel abgebildet und geht aus demfelben 
hervor, dafs fowohl Schiff als Chorraum nahezu die 
gleiche Breite haben, und letzterer ift im Vergleiche zum 
Schiffe räumlich gut bedacht. Die Trennung beider 
Abfchnitte erfolgt durch einen mächtigen Triumph- 
bogen, der durch die Vereinigung mit einem halben Joch- 
pfeiler zu einem maffigen Trennungsgliede heranwachft. 

Der Chorfchluß erfolgt aus dem Achtecke. Runde 
fchlanke Dienfte (Fig. 2) tragen das zierliche Rippen- 
werk des Chorgewölbes, wahrend die Anläufe der 
Rippen des analog durchgeführten Schiflgewölbes auf 
übermächtigen Pfeilern ruhen. Die Kreuzungspunkte 
der Rippenläufe find in unregelmäßiger Weife mit 
Rippenfchildcrn verfehen, welche in Figur 3 zur Dar- 
ftcllung gebracht find. An zwei Kreu2ungsftellen 
wurde die Anbringung von Tartfchcnfchildcrn der 
fonft gewählten kreisrunden Form vorgezogen. Auf 
einer Tartfchc find die Rerte einer Wappcnmalcrci 
noch erhalten. Auch die Wandllachen in der Kirche 
dürften mit Malereien gefchmückt gewefen fein, foweit 
dies aus den theilweife noch vorhandenen Verputz- 
ftellcn entnommen werden kann. An der Nordfeite, 
theils an den Schiff-, theils an den Chorraum ange- 
lehnt, befindet fich der fall quadratifche Thurm, 
welcher in dem unterften Gei'choße als Sacriftei diente 
und dafelbft mit einem Kreuzgewölbe abgefchlotTcn ift. 
In den anderen Thurmetagen ift keine Unterteilung 
mehr vorhanden. 

Der Weft-Anficht der Kirche (Fig. 4) nach, welche 
nur kahle Flächen dem Anblicke darbietet, würde man 
nie jene Reize vermuthen, die diefer kleine Bau birgt, und 
aufweiche fchon aus dem Zufammcnhaltc der Oftanficht 
(Ruckleite; (Fig. 5) und des Grundriffes gefchloffen 
werden kann. Ein durchlaufender Sockclvorfprung aus 
rothemSandllein.mit profilirten Werkftücken abgeftuftc 

' ri.»rf> crrrhii.hil.chtn I>at«n YtrtUnk« d»m Hvrrn Archivar de« 



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Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. Jahrg. 1898, S. 107. Kirche zu Maria Feicht. 




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Mittheilungen der k. k. Centr.Comm. Jahrg. 1898, S. 109. Kirche am Ulrichsberge. 




Fi j. 7 Fig 2 Fi«. 8 



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- 109 — 



Strebepfeiler und ein rteinerncs, theilweife noch erhal- 
tenes Hauptgcfimfe legen Zeugnis davon ab, dafs die 
Mittel vorhanden waren, um der Bauausführung eine be- 
sondere Sorgfalt angedeihen zu lallen. Die vier Strebe- 
pfeiler des Chorraume.s find vollkommen aus Quadern 
hcrgcftellt und zeigen eine reichere Gliederung. Hei den 
Fenftern des Chorraume.s wurden pofilirte Gewände 
verfetzt und alle Fcnrtcr weifen Reite von Maßwerken 
auf. Im Vergleiche zur ebenerwähnten Ausllattung 
Icheint das Hauptportal ;Fig. 6) Stiefmütterlich bc 
tiacht und gewinnt nur an InterclTe durch den Umlland, 
dafs zu dem Tympanon desfelben ein verkehrt gc- 
llellter Römcrllcin (fiehc Mommfen, Corpus, III. I?., 
II. Th.. 4816) verwendet wurde. 

Kine an der nordwestlichen Thurmeckc einge- 
meißelte Infchrift (Fig 7) bezeichnet uns das Jahr 1786 



als den Zeitpunkt, von welchem an der Bau dem Ver- 
falle preisgegeben wurde. In den feither verfloffenen 
112 Jahren durfte das Kirchlein thcils bedacht, thcils 
dachlos gew^fen fein, und wird auch die auf der andern 
Seite des erwähnten Steines angebrachte Jahreszahl 
1837 muthmaßlirh auf eine diesbezügliche Erhaltungs- 
arbeit Bezug haben (Fig. 8). 

Am 15. Juni 1897 ift der Bau durch einen Blitz- 
fchlag, der das Dach in Flammen fetzte, neuerlich 
feines Schutzes beraubt worden. Sollte eine Erneuerung 
des Daches nicht mehr zuflande zu bringen zu lein, fo 
ill nun der vollständige Verfall des Baues befiegelt und 
gäbe diefe Darftellung das letzte Erinnerungszeichen 
an ein immerhin nennenswerthes kärntnerifches Bau- 
denkmal. 



Noti 

35. Confervator Buln' hat unterm 10. Mai 1897 
einen eingehenden Bericht Uber die Grabungsrefultate 
in Salona während des Jahres 1896 der Central Com 
miffion vorgelegt. Wir entnehmen die fem ebenfo wich- 
tigen als interelTanten Schriftllücke, dafs die weiteren 
Ausgrabungen in Marufinac (Cocmeterium S. Anastasü 
Com.) gegen Ende April 1896 aufgenommen wurden. 
Nach Entfernung eines mächtigen Steinhaufens ent- 
deckte man die Fortsetzung einer Mauer und einen 
Mnfaikbodcn. In der Folge traf man auf vier gewölbte 
Familiengräber, deren Wölbung durchbrochen und das 
Innere ausgeplündert, nur Erde und verftreute Gebeine 
enthaltend. Auf dem fehönen Mofaikbodcn traf man die 
Hafis einer Säule, welche mit den im Jahre 1895 ent- 
deckten Säulenbafen in einer geraden Linie und im 
nämlichen Abtlande von den letztgenannten und wie 
diefe untereinander fleht und an ihrem urfpriing- 
lichen Orte getroffen wurde Weiters fand man die 
Fundamente eines viereckigen Gebäudes. Dasfelbe 
fcheint in- und auswendig mit reicher Bekleidung aus 
diinncn Marmorplatten decorirt gewefen zu fein, da 
man fowohl in demfelben, als auch in der nächften Um- 
gebung viele Fragmente folcher verschiedenfarbigen 
(Matten gefunden hat. 

Dicfcs Gebäude ftand mit dem nördlichen Schiffe 
der Bafiliea major und mit dein Hofe der Gräber durch 
Thürcn in dirceler Verbindung. An der olllichen und 
Südlichen Seite desfelben fand man mehrere Säulen- 
fchäfte, darunter zwei aus Marmor mit Weinreben 
fculptur, dann Capitäle etc. 

In der Folge (ließ man auf zwei Sarkophage ohne 
Infchrift. davon der eine gebrochen und ausgeplündert, 
der andere aber beinahe unverfehrt war Man fand 
in einer l.ehmfchichte das Skelet mit dem Geliebte 
ge gen Ollen ohne Beigabe Zwei weitere Sarkophage 
w aren eingc-fchlagen, dabei traf man Fragmente einer 
Infchrift eines Anallafius. 

Im Monat Juli wurtlen weitere Mauerziige bloß- 
gelegt, auch fand man ein bedeutendes Infchriften- 
Fragment, das mit einem im Jahre 1.S95 gefundenen 
Fragmente zufammenpaßt und wahrfcheinlich auf den 
heil. Märtyrer Anallafius zu deuten ilt In denselben 
Sinne dürfte auch ein gricchifches Infchrift Fragment 



z e n. 

zu deuten fein. Schließlich wurde die ganze im Oflcn 
der jetzigen Gebäudeaufdeckungen liegende Grund- 
flache nach und nach bloßgelegt und die Apfis der 
Balilica major aufgedeckt. Der Fußboden derfelbcn war 
mit verschiedenen Marmorplatten belegt, und ill dem 
Zuftandc des Fundes nach zu vermuthen, dafs die 
Balilica major durch Feuer zerftort wurde. Im Ollen der- 
felben fand fich ein architektonifches Fragment mit 
einer Taube, ein architektonifches Pfcilerftück mit zwei 
Kreuzen, dann ein Mctallkreuz, wahrfcheinlich vom 
Hoch-Altare der Balilica major noch erübrigt. 

Die Ausgrabungen im Cocmeterium im Jahre 1896 
müßten als hochwichtig bezeichnet werden. Das Seiten- 
fchiff und die Apfis der Bafiliea major ift großenteils 
bloß gelegt, die verfebiedenfarbigen Marmorplatten 
laiTen Schließen, dafs die ganze noch unter der Ober- 
fläche liegende Bafilica prächtig ausgeftattet war. Aus 
den gewonnenen Infchrift -Fragmenten wird immer 
mehr klar, dafs die Schon im Jahre 1890 auf Grund der 
Infchrift des „Johannes Anaftalio servans reverenda li- 
mina santi" aufgeftellte Conjunctur, dafs man es hier mit 
dein Friedhofe des heil. Anallatiuscorricularus, Märtyrers 
von Salona, unter Kaifer Aurelian 274 zu tbun habe, 
die richtige fei. Auch einige Kelle von zur Feldwirth- 
fchaft notwendigen Baulichkeiten wurden conftatirt. 

Im Jahre 1896 wurden auch die Grabungen in 
Monaftirine: Cimiterum legis sanclac Christian, fortge- 
fetzt. Man fand einige Familiengräber, aber geplündert 
und zerflurl, Infchrift' Fragmente und einen Sarkophag 
deckel mit der Infchrift : Aur(clius) Sextilius aram ex 
d. . . lecto; (jiüriace n(ominc) mei- . . . per scribs .... 
in H, und ein Fragment, das mittheilt, dafs ein Sarko- 
phag vier solidi gekoftet hat, was für die Zeit des 
5. Jahrhunderts n. Chr. von Intcreffc ifl. Die in einer 
ulllichen Partie diefe» Territoriums geführten Grabungen 
ergaben, wie erwartet, Graber für arme Leute, Familien- 
gräber aus Stein, Hüttengräber aus Ziegeln. Tcrracotta- 
vafen für Kindesleichen. Auf einem gewölbten 
Familiengrabc fand man am Verfchlußftein eine größere 
heidnifche Grabinfchrift, die folgendermaßen lautet: 

q(uintus) Vettius Hospc-, miles cohortis Cam(pa 
nae! domo Stiessa annorum XLV. -tipein di -rum XXII 
test.imento ju~tt lieri. 



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— I IO — 



36. Correfpondent Profcflbr Dr. Mo/er berichtete 
unterm 14. Auguft 1897, dafs bei Belvedtrt, zwifchen 
Grad» und Aquileja am 5. Mai 1897 ein Salbenflafch- 
chen aus dunkelblauem fein irifirenden Gräfe, halb im 
Sande vergraben, und eine römifchc Münze links von 
der alten Römcrftraßc gefunden wurden. Nach der Mit- 
theilung des dortigen hochwürdigen Pfarrers Don 
Domenico Vcliscig werden in diefer Gegend mehrfach, 
namentlich zu beiden Seiten der Straße wiederholt 
Münzen, Glasgegcnftimdc, Terracotta- und Stein-Urnen 
und andere Grab-Fundc, auch Knochen, gemacht. Ueber 
die Fundftcllen und den roinifchen Straßenzug gibt das 
beigefügte Kartchen (Fig. 1) Auffchluß. Auf Volparuzza 




Kichrnii^ der Runittflraik. 

Kumluri di> ><a]L>e)iflafchchcn» (i8m5) und einer riimifthcn fclilcclit cfhalicucn Bronie- 
MUttf c, im Sjn'lo vergraben. 

Kleine zcnnimnicnf Sttlcke vnn Siemen, Terracolla. MofaikpHofter. 
Stelle de. alten Hafen» »011 Morfanu i.Marclano' 1, wo der heil. Marcu» E*. gelandet 
(ein Inll 



ift die alte Römcrftraßc am heften erhalten und aus Kies 
|Fluß„'efchicbe'! gebaut, während der Kbbe trocken, 
und fehr feft gemacht. Die Lange der Straße auf der 
lnfel erreicht 30 bis 50 M. Der Canal^i', der Volpa- 
ruzza von Volpara trennt, ift verfchlemmt, in ca. 1 M. 
befindet ("ich ein Steinpflaftei, wahrfcheinlich die Balis 
einer Brücke. 

Am Mutaron wurden häufig Stein-Urnen, auf Isola 
dcl Lovo eine Silbermün/.e romifcher Provenienz 
gefunden. 

37. (Der Stielet f und bei Streute in Böhmen.) 

In den Ferien des Jahres 1897 wurde mir ge- 
meldet, dafs in Streute bei Skalsko (Bezirk Jung- 
litinzl.i-.r beim Bau dcrHohmiichcn Nordbahn ein Skclet- 



grab mit Bronzen aufgedeckt wurde. Ich wandte mich 
vorerft an die Bahndirc&ion mit dem Anfuchen, mir die 
gefundenen Gegenftände, welche am Jungbunzlauer 
Bahnhofe aufbewahrt wurden, zur Anficht cinzufenden. 
Die Direktion willfahrte meinem Anfuchen fofort un<l 
fandte mir 1. ein durchbohrtes Steinbeil und 2. zwei 
Bronzeringe, die in der Kopfgegend des Skelcts ge- 
funden wurden, ein. 

Gleich auf den erften Blick fchien mir. dafs die 
beiden Artefadle wohl kaum zu einander gehören. Die 
Bronzcringc, die in der Gegend des Schädels gefunden 
wurden, find zwei Ringe vom bekannten flavifchcn 
Schläfenringentypus mit s formig eingebogenem Ende, 
welche felbft das Skclctgrab bc- 
ftimmt charaktcrifiren und höchft 
wahrfcheinlich dem 8. bis 11. Jahr- 
hundert n. Chr. zuweifen. Das Stein- 
beil würde zwar nicht hindern, es 
demfelben Funde zuzufchreiben, 
denn es liegen Bcweife vor, dafs 
fich diefe Art Steinartefaclc in 
Böhmen und fonft in Mittel- und 
Ofteuropa in fehr fpäte Zeiten er- 
halten hat.' Aber diefes Beil (von 
einer Länge von 9 Cm.) trägt deut- 
liche Brandfpurcn, an der Ober- 
fläche zerriffen und röthlich ver- 
färbt. 

In der That beftätigte mir der 
Herr Lehrer Fr. Hanus in Strenic, 
von dem ich mir nähere Auskunft 
Uber den Fundort erbat, dafs bei 
dem Skelette außer den Schläfen- 
ringen nichts weiter gefunden wurde 
und dafs das Beil augenscheinlich 
von einem anderen Funde flammt. 
Denn nach dem Bericht des Herrn 
Hanus befinden fich in der Um- 
gebung von Strenic mehrere Fund- 
orte: vorerft befindet fich im Nor- 
den der Ortfchaft hinter dem Wege 
nach dem Orte Male Horky eine 
Reihe von fogenannten Cultur- 
gruben, die zufallig aufgedeckt 
wurden. Fürs zweite breitet fich 
auf der Anhöhe, die fich gegen 
Süden vom Thal des Strcniccr 
Baches hinzieht und zu der man 
auf dem Fahrweg links vom Hofe 
„Velke Horky- gelangt, ein jedenfalls fehr ausge- 
dehntes Grabfeld aus, das die Bahn durchfehncidet 
Hier wurde auch der letzte Skelctfund gemacht. Diefes 
Grabfeld wurde bisher nicht durchforfcht. Dafs es fich 
aber um ein folches handelt, bezeugt außerdem letzten 
Skcletfunde auch das, dafs auf dem Felde fchon früher 
häufiger verfchiedene Beile, Hämmer, Steinmeißel. 
Muhlfteine und beim Bahnbau Urnen und Bronze- 
gegenftandc gefunden wurden. Auch Skelette liegen- 
der Hocker wurden aufgedeckt. Es ift klar, dafs diefer 
Fundort beim Hofe Vetke Horky eine Reihe Funde 
aus verfchiedenen Perioden und von verfchiedenen 
Ölkuren enthält, die von der vorchriftlichen Zeit bi< 
an das Ende des 1 . Jahrtaufends n. Chr. reichen, wie der 

• CI fr.ky l.,H. I P -f 



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— III 



letzte Skclctfiind mit den s-formig endenden Schlafen- 
ringen beweift. (Das Skelet lag horizontal und mit vier 
folchen Ringen gefchmückt) 

Es wäre fehr wünfehenswerth, den Hoden fyftc- 
matifch zu durchforschen, die einzelnen Funde richtig 
zu lichten und in ihrem wechfelfeitigen Verhältnis auf- 
zuklaren. Der größte Thcil der hiefigen Funde befindet 
lieh in den Händen des Herrn J. Herlort, Gutsverwalters 
in Velkc Horky. Die früheren Funde wurden fchon vor 
Jahren von W. Schmidt befchrieben in den Pamätky 
archaeologicke IX, p. 589. 

Confcrvator Dr, Niederle. 

38. (Das verfchanstt Lager bei OberndorJ '-Laufen 
in Salzburg) 

Nordöfllich ober dem Bahnhofe von überndorf in 
der Kittlwiefe befindet lieh eine mit einem mäßig hohen 
Wall umgebene, nahezu quadratifchc Wicfcnflächc. Die 
Ecken find abgerundet und durch kegelförmige Kr- 
hohungen bis zu ca. 2 5 M. im Maximum über dem 
äußeren Wiefen Niveau und ca. 12 M. über dem 
inneren, das ift der Lagerfläche, gekennzeichnet. An 
der Nordwcft- und Südoftfcite zeigen abgerundete 
feichte Vertiefungen außen längs der Wälle noch den 
alten Schanzengraben an. Auf der Nordoflfeite wurde 
ein Theil des Grabens neueftens bei der Anlage eines 
Teiches in nächftcr Nähe angefüllt. Südweftlich ift der 
Lagerraum felber fehr möferig und wurde außen längs 
des theilweife niedrigen Walles ein Abzugsgraben 
gemacht. In der letzten Septemberwoche 1897 ließ die 
k. k. Ccntral-Commiffion eine Untcrfuchung vornehmen. 
Die Oftecke der Umwallung mit ihrer kegelförmigen 
Erhöhung hatte der Eigcnthümcr der Wiefe zu diefem 
Zwecke überlaffcn. Der Kegel wurde nun abgeftutzt 
und durch dcnfclbcn fowic die anftoßenden Wälle 
Gräben bis über 2 M. Maximaltiefc gezogen. Dabei 
gab fich diefer Thcil als Erdwerk, größtenteils aus 
Lehm beftehend, zu erkennen. Von der Linie, welche 
den Scheitel der Umwallung bezeichnet, einwärts 
mehrten fich die Kohlenrefte und ungefähr einen halben 
Meter unter dem Kafcn der Lagerfläche erfebien der 
Lehm feft geftampft und mit viel weißem mehligen 
Sand gemifcht. Auch einige alte Gefchirrfcherben 
kamen beim Graben zum Vorfchein, auch eine mächtige 
Schichte einer Hrandftatte mit viel Kohlen, Afche, ge- 
branntem Thon und mürben Knochentheilcn, aber 
kein Maucrreft. Der Walldurchftich neben dem nord- 
lichen Eckkegel ergab wefentlich diefelben Vcrhältniffe, 
fparlichc Kohlenrefte, zerftreut auch abgeriebene, ganz 
kleine Gefchirrfcherben aus Siegelerde. 

P. Anfchn Ebner. 

39. Am 14. Auguft 189; erhielt die Central-Com- 
miffion im Wege der k. k Slatthalterei zu Trieft Nach- 
richt von einem prähiftorifchen Funde, der bei I.o-ja 
di Canale gemacht wurde. Beim Baue der linksuferigcu 
lfonzo-Straßc von Canale und Vogerskabach an der 
Tolmeiuer Gränze ift man nämlich bei einem Stein- 
bruche auf eine mächtige Kaftanicnwurzcl von circa 
190 Cm. im Durchmeffcr geftoßen, die den oberen 
Theil einer Felfenfpalte abfehloß. Nach Entfernung 
derfeiben fand man in der circa 1 M. tiefen und am 
oberen Rande So Cm. breiten FcUfpalte Lcichenbrand 



mit zahlreichen Bruchftücken einer Thonurne und 
fonftigen Beigaben, wie fünf verfchicdcnc Fibeln, 
Anhangfei aus Bronze, einen folchen Ring, gerippte 
Glasperlen, zwei eiferne Lanzcnfpitzen, ein eifernes 
Beil mit Lappen, mehrere Spitzhammer, zwei eiferne 
Sicheln, eine bronzene Fibula mit aufgefetzten Ver- 
zierungen (fehr fchadhaft) etc. Es dürfte diefer Fund 
auf eine Grabftätte deuten. Das Leichenfcld kann aber 
nur längs der Straße vermuthet werden, da bei der 
jetzigen Grabungsrichtung kein weiterer Fund mehr 
gemacht wurde. Immerhin wendet die Central-Com- 
miffion diefer Angelegenheit, deren hervorragende Be- 
deutung fie anerkennt, ihre Aufmerkfamkeit zu. 

40. Herr Karl Gerlich, Lehrer an der deutfehen 
Schule in Prtrau in Mähren, der fchon wiederholt Be- 
richte anher erftattet hat, und mit Aufmerkfamkeit alle 
Erfcheinuitgen in der Nähe von Prerau verfolgt, machte 
neuerdings Mittheilungen über verfchicdcnc Funde aus 
der Nähe diefes Ortes, die durch zufallige Grabungen 
von ihm beobachtet wurden. Ks find dies dermalen aus- 
fchließlieh Rcfte aus der flavifchen Zeit des 1 2. bis 
13. Jahrhunderts, und zwar Topffcherben aus un- 
glafirtem hart gebrannten Thon, von denen viele mit 
dem fogenannten Wellcn-Ornamcntc geziert find. Nebft- 
dem fanden fich Knochen von Hausthieren. Bei einer 
anderen Ausgrabung kamen nebft derartigen Scherben 
auch menfchlichc Gebeine, darunter ein zertrümmerter 
und leider nicht mehr zu ergänzender Schädel, dann 
zwei flavifche Schleifenringe zum Vorfchein; ohne 
Zweifel ift hier ein Grab bloßgelegt und vielleicht eine 
ganze Gräberftätte angefchnitten worden. 

41. Im Monate Februar 1S97 haben zwei Klein- 
häuslcr aus Eggathon — auf dem fogenannten „Thurm*, 
einem hervorragenden Fclfen im Gemeindegebiete 
Gutenbrunn im Viertel ob demManhartsberge — bei der 
Untergrabung eines Fetfens zum Zwecke der Sprengung 
10 bis 12 Stück, nach einer andern Quelle 15 Stück 
Bronze-Nadeln gefunden, von denen eine ganze und 
der obere Theil einer zw eiten gebrochenen der Central- 
Commiffion durch die gefallige Vermittlung des Con- 
fervators Sr. Hochwürden Abt Stephan Roßler von 
Zvvcttl zur Anficht vorgelegt wurden. Aus einem Be- 
richte des Dr. Augufl Heigel k. k. Waldamtsarzt in 
Gutenbrunn geht hervor, dafs an der Stelle Knochen 
oder anderweitige Reftc nicht gefunden worden find. 
Ks handelt fich alfo augenfeheinlich um den cinftigen 
Bcfitz eines Händlers oder Erzgießers, der feinen 
Schatz dort in einem Augenblicke der Gefahr oder aus 
anderer Urfache vergraben und nicht wieder gehoben 
hat. Ks ift dies um fo wahrfcheinlicher, als die vor- 
liegenden Stücke einander fo gleich lind, dafs lie aus 
einer Gußforin hervorgegangen und fonach auch noch 
in der Hand des Gießers oder Händlers gewefen zu 
fein feheinen 

Leider find nur eben die zwei erwähnten Stücke 
erhalten (Fig. 2 u. 3) und auch das eine derfeiben, die 
ganze Nadel, ift ihrer Patina beraubt und das andere 
abfichtlich gebrochen. Ein Thcil der anderen Nadeln 
wurde von den Kindern verfchleppt. ein Theil als 
Wandnägel benützt und in die Stubenmaucr- Wände 
gefchlagen. 



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— 112 — 



Was die zeitliche Herkunft des Fundes betrifft, fo 
dürfte es keinem Zweifel unterliegen, dafs er der reinen 
Bronze-Zeit angehört und jener Art von Nadeln cinzu- 
reihen ift, die einen „gefchwellten Hals" bezichungs- 
weife eine Schwellung unter dem Hälfe, die zuweilen 
durchbohrt ift, aufweifen. Die Schwellung an den vor- 
handenen Stücken ift faectirt, der Kopf eine platte 
Kugel. Ob die Krümmung der Nadeln erft fpater 
bewirkt wurde, oder fchon urfprünglich bcabfichtigt 
war, laßt fich an den Fundltücken fchwer entfeheiden; 
es ift jedoch wahrfcheinlich, dafs die gebogene Form 
die urfprüngliche ift und dafs fich diefe Nadeln den 
fogenannten Säbelnadcln an die Seite (teilen. 

Von Bedeutung ift der Fund weder durch die Art 
feiner Stücke, noch durch ihre Zahl, umfo mehr aber 
durch den Ort dcsfclbcn. Diefer liegt nämlich fall in 
der Mitte des Viertels ober dem Manhartsbcrge, alfo 
in einem Gebiete, das gleich dem angränzenden 
Muhlviertcl in Obcr-Ocftcrrcich, dem fudlich- 
ften Theile von Böhmen und dem füdwelt- 
lichften von Mähren fich bisher äußerft arm an 
prähiftorifchen Funden gezeigt hat, und nun 
fich doch nicht als ein pfadlofes Waldgebirge 
erweist. Konnte bereits früher nachgewiefen 
werden, dafs die Mcnfchcn fchon in der Renn- 
thierzeit in diefes Gebiet eingedrungen waren, 
fo laßt fich an dem vorliegenden Funde cr- 
fehen, dafs es auch in fpäteren prähiftorifchen 
Zeitaltern für Mcnfchcn nicht undurchdringlich 
gewefen, und wenn fchon An- 
fiedlungen örtlich vom Kampflußc 
noch nicht aufgefunden find, fo ift 
doch foviel zweifellos, dafs wenig- 
ftens Händler oder Erzgicßer ihren 
Weg durch jene ausgedehnten 
Wälder und moor-crfulltcn Hoch- 
flachen gefunden haben. 

42. (Gold f und in Michalköw.) 
Ich beehre mich mitzutheilcn, 
dafs ich am 23. Mai in Michalköw 
eintraf und conftatirtc, dafs drei 
dortige Infaflfen nach eingeholter 
Bewilligung vom Gemeindcvor- 
ftandc auf der Gemeindeweide, 
'■'K 2 .5 welche in fanfter Abdachung gegen 

den Niclawa-Bach fich fenkt, nach 
Schätzen zu fuchen, wirklich am 19. Mai auf einen 
anfehnlichen prähiftorifchen Goldfchat/. (ließen. 

Michalköw. eine kleine Ortfchaft im Bor^zczower 
Bezirke lenkte fchon im Jahre 187« die größte Atif- 
merkfamkeit der Prähiftorikcr auf fich durch den dort 
gefundenen fchr umfangreichen und unaufklärbaren 
Goldfehatz, welchen im großen Ganzen d.is graflich 
Dzicduszvcki'fchc Mufeum in Lemberg kaufte. 

Welche Gründe die drei Goldfuchcr heuer be- 
wogen, dafs fie, am Fundorte des Jahres 1878, auf 
derfclben Wiefc, nur um 29 6 M. niedriger in der 
Richtung NordnordOft 355°. ihre Forschungen wieder 
aufnahmen, ift ein nicht leicht zu erklärendes Rathfei. 
Kurz nach ein paarftundigem Graben auf einer 2 Q. M. 
übcrfläche in eitler Tiefe von iM. fanden fie den in Rede 
(teilenden Goldfchat* Selbftverltändlich machten fich 
die drei Leute, fowie die Hirten dt - Weide Vi( he-, 



die als neutrale Zufchauer dem Graben beiwohnten, 
über das glänzende Gold- Da aber diefe Anhohe fchr 
nahe dem Dorfe fich erftreckt, und der Fund fozu 
fagen im Angefichte aller Infaflen des Dorfes gemacht 
wurde, eilte alles, was lebte, jung und alt zur Goldgrube, 
um, wenn auch nur einen kleinen Theil, für fich zu er- 
hafchen; fo entftand eine Rauferei, die erft durch eine 
Gendarmerie-Patrouille aus dem fchr nahe gelegenen 
Städtchen Uscic biskupie befchwichtigt werden konnte. 
Dann trachtete jedermann, lein Gold fo gut wie mög- 
lich zu verbergen oder es an jüdifchc Zwifchcnhändlcr, 
welche fich allfogleich einfteltten, fchnell abzugeben. Die 
traurigften Folgen an diefer Raubgiäbcrei erlitt die 
Wiffenfchaft. Der fehr anfehnliche prahiftorifche Gold- 
fchatz wurde durch hundert Hände zcrl'plittert und ver- 
fchleppt, der Topf, in welchem das Gold gewefen fein 
foll, zertrümmert, Genau weiß niemand, wie groß diefer 
Goldfund war und aus was für Gegenständen er beftand. 
Allmählich nur nach Wochen, ja fogar nach Monaten 
tauchte in einzelnen Stucken das gefundene Gold auf. 

Auf die erfte Nachricht in Lemberg von dem 
neuen prähiftorifchen Funde in Michalköw fandte das 
gräflich Dzicduszycki'fchc Mufeum feinen Cuftos Herrn 
Ladislaus Sotttag ah'ogleich dorthin, um zu retten, was 
noch möglich, und es gelang dem Herrn Sontag, wie- 
der dortige Ortsvorftand verficherte, eine goldene 
Zicrfchcibe mit üchr und getriebener Ornamentirung. 
10 Cm. DurchmelTer, dann 72 Goldperlen und einige 
Bruchtbcilc von Goldblech zu kaufen. Dicfc Gegen- 
ftände konnte man nicht fehen, auch das Gewicht ift 
unbekannt; ich verzeichne diefelben dem Sagen nach- 
Während meines Aufenthaltes in Michalköw erwarb 
direel von den Bauern Graf Micczyslaus Dunin Bor- 
kowski, Gutsbefitzer auf Mietnica einige hochft inter- 
effantc Gcgcnftande, als 

1. Ein goldenes Armblech saus repousse orna 
mentirt, im Gewicht von 265 Gr ; 

2 eine aus Goldblech getriebene Schale, Gewicht 
140 Gr.; 

3. zwei Bruchtheile einer ahnlichen Schale, Ge- 
wicht 48 Gr. und zwei Goldpcrlen, von welchen eine 
eckig, die andere rund ift, per 7 Gr. Im ganzen belim 
Graf Borkowski 460 Gr. 

Die zwei angeführten Käufe kamen gleich dort an 
Ort und Stelle im Verlaufe der crften Tage zuftande. 
Vergebens waren meine Bemühungen, um mehr von 
dem gefundenen Golde von den Bauern und jüdifchen 
Zwifchcnhändlern heraus zu bekommen oder zu befich- 
tigen. Meine Forschungen durch ein wiederholtes 
Aufgraben des Fundortes ergaben zwei von unge- 
fchlcmmteii Thon in der Hand geformte Topffcherbcn. 
und wie die Finder des Goldfchatze» behaupteten, die- 
felben, in welchen Her Schatz fich befand, und das war 
alle-;, was ich an Gegenftänden von Michalköw weg- 
führte. Einige Wochen Später war mein Sohn Kazimir 
Kitter von Przybyslawski, in der Lage, dank einem 
Vermittler au* dem Goldfunde, 345 3 Gr. zu erftchen. 
nämlich: 

1. Acht Bruchtheile von Armblcchcn. davon eines 
in Fig. 4. 

J. Zwei Schalenthcile Zu diefer Vermuthung 
fuhrt der Vergleich diefer Bruchltückc mit den gut 
erhaltenen Gegenftänden im lkfitze des Grafen 
Borkow-ki. 



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i'3 - 



3- Hilf eckige und 27 runde Goldperlen, Fig. 5 
und 6. 

lindlich im Auguft fiel der anfehnlichfte und 
wichtigfte Thcil diefcs Fundes, auch durch Vermittlung, 
dem Herrn Alfred Dzikowski, Kaufmann und Waffen- 
händler in Lemberg, zu, beftchend aus: 

t. Einer Zierfcheibe mit Oehr, 10 Cm. Durch- 
meffer, verziert, mit in getriebener Arbeit punktirten 
Kreifcn, zwilchen welcher Arbeit vier kleine Kreife an- 
gebracht find. Gewicht 100 Gr. (Eine ganz ähnliche 
kaufte das gräflich Dzieduszycki'fehe Mufeum). 

2. Einem Armring aus maffivem runden Goldftab, 
ohne Ornamentik, im Gewichte 289 Gr. 

3. Einer aller Wahrfcheinlichkcit nach ritualmäßig 
beim Vergraben zufammcngc<|uetfchten Schale im Ge- 
wichte von 289 Gr. 

4. Drei eckigen und neun runden Goldperlen im 
Gewichte von 26 Gramm. 

5. Einem 1 50 Gr. wiegenden Goldklumpen, welcher 
wahrscheinlich aber als frifch gegoffen erachtet wurde. 
Ein Zwifchenhändler nämlich fchwindelte um etliche 




Fig. 5 Kig. o. 

Heller den Bauern kleine Bruchftücke heraus und 
fchmolz alles ein, im ganzen 719 Gr. Schließlich ergibt 
fich, dafs der in diefem Berichte befprochene Fund 
ungefähr 2000 Gr. Gold ausweift (der Thcil des gräf- 
lich Dzieduszycki'fchen Mufcums inbegriffen:, was 
meiner Anficht nach nicht alles ift; jedenfalls aber 
muß man l tarnen über den Keichthum an Metall bei fo 
bcfcheidcncn Formen. 

Ladislaus Ritter v. Prsybyslatvski, Confervator. 

43. Die Burg Hetfenflein liegt ortlich von Lcipnik 
(politifchcr Bezirk Mährifch- Wcißkirchcn) auf einem 
Bergrucken, welcher einen der letzten Ausläufer der 
mährifchen Karpathen bildet. Von der bei Freiberg 
gelegenen Burg Hochwald in <I<t Luftlinie etwa 40 Km. 
entfernt, zählt fie mit dieler zu den ausgedehntcfl.cn 
und feinerzeit wohl auch fchönften Burgen Mährens. 



Hinfichtlich ihrer fortificatorifchen Anlage, ihrer an 
Sagen und hiftorifchen ErcignilTen fo reichen Ver- 
gangenheit und nicht minder ob ihrer landschaftlich 
anmuthenden Situation ficht fic wohl jedweder andern 
mährifchen Burg ebenbürtig zur Seite. In ihrer unmittel- 
baren Nahe überrafcht wohl jedermann der Umfang 
der zwei, drei Stockwerke hohen Trümmer und zwar 
namentlich deshalb, weil fich dicfelben von der vorüber- 
ziehenden Nordbahnlinie aus gefchen ziemlich un- 
fcheinbar prafentiren.' 

Nur kurz fei erwähnt, dafs ihre Begründung, aller- 
dings nicht in dem Umfange ihrer heutigen Ucbcrrcfte, 
bis in das vorletzte Decennium des 13. Jahrhunderts 
verlegt wird; dafs fic unter mehreren andern auch dem 
reichen und vielverzweigten Gefchlechtc der Krawafc 
und fpater (1475 bis 1553} jenem der Pernfteinc ge- 
hörte. Wilhelm von Pernftein, welcher 1521 ftarb und 
in der Familiengruft zu Doubrawnik, unweit der 
Stammburg feiner Ahnen, begraben liegt, vcranlaßtc 
ihren Umbau von Grund aus und in der Ausdehnung 
ihrer heute vorhandenen Maucrübcrrcflc, die, thcil- 
weife gut erhalten, nach Art der Anlage und einzelner 
Gefims-Fragmente auf den Reichthum und die Pracht- 
liebe des genannten Ritters hinweifen. Eine über dem 
zweiten, fpäter noch näher zu erwähnenden Thore be- 
findliche Infchrift mit der Jahreszahl 1480 dürfte fich 
auf den Abfchluß diefes Um- und Zubaues beziehen. 
Aber nicht nur ihre Rcnaiffance, auch ihr goldenes 
Zeitalter fallt in jene Zeit, in welcher fic fich im Bcfitze 
diefes glänzendrten Kittergcfchlechtcs Mährens befand. 
Unter den anderen noch weiterhin folgenden Eigen- 
tümern fei nur noch die Familie Wrbna und der 
bekannte Cardinal Franz von Dietrichftcin genannt. 

Von den hiftorifch denkwürdigen EreignifTcn feien 
folgende erwähnt. Im dreißigjährigen Kriege (1621) 
wurde die Burg durch den Markgrafen Johann Georg 
von Jägerndorf erobert; 1626 belagerte fic Graf Manns- 
feld; ihm folgten 1643 die Schweden unter Torftens- 
fon, welche fic gleichfalls Wochen hindurch vergeblich 
belagerten; 1645 verfochten die Schweden ihr Glück 
abermals vor Helfenftein. Eine im Kirchthurmknopfe 
der Stadt Leipnik aufbewahrte Denkfchrift aus den 
Jahren 1596 bis 1670 berichtet hierüber: 

■Item in 1645 wird hier angemerkt, das Helfcn- 
fteiner Schlofs mit kaiferlichen Truppen befetzt war, 
all wohin fich viele Landcs-Ca\ allere und andere Leute 
retcriret, und welches Schloß der Schwed auch öfters 
berannt, jedenoch aber die voller Muth zu Helfenftein 
geftandene tapfere und luftige Garnifon ihm Feind 
durch den Ausfall großen Schaden gemacht hat, dafs 
alfo der fchwedifche Feind diefcs Schloß keineswegs 
bekommen können - (Siehe Ktthtig't Helfenftein, S. 88). 

Doch was der dreißigjährige Krieg mit feinen 
Stürmen nicht vermocht, das brachten auf Befehl des 
Hofkricgsrathes Soldaten und eine große Zahl von 
Robotleuten unter Befehl und Oberaufficht des Ober- 
ftuckhauptmanne;, mit Hacken, Krampen und der- 
gleichen im Jahre 1556, vom 8. bis 23. Auguft zuwege. 

1 Es ift nicht die Aufgabe de« vorliegenden, tapfer oder weniger nur 
den gegenwärtigen Havuuft^nd und die Ei hallungvwardigkeil der Ueberrefte 
diefer eioAmaU fo Hellen Ritterburg bettelTendeu Berichte«, alle die hl&ori 
fchett Begebenheiten im eitenio «.euer tu -rrahUn. welche 6:h an diefe 
M-tte knüpfen und jetit utnfowemger. alt erft vor kurten eise von Iftdor 
W% PMn de» Pbrnngettata in Olm«», mit auIrtrurdetitlKheui KleiOe and 
groler Sachkenntnis vetflfill au.führlicbe und prächtig iUullnrle Mono, 
gtaph,« .Die Burg Hellendem in Mahren- iea Buchhandel erfchiea, aul 
• eiche hier ganr befunden aufmerkfam iu "Aachen, geftatlel fein möge. 



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- 114 — 



Helfendem, einer der fechs Plätze Mährens, die die 
Schweden nicht einzunehmen vermochten, wurde zur 
Ruine! 

Im Jahre 1663 wurde Helfendem anläfslich der 
Türkcnkricye und 174 1 des oftcrrcichifchen Erbfolge- 
krieges zur Noth wieder wehrfähig gemacht. Von da 
ab — nachdem man noch aus Pictatlofigkeit, Furcht 
und unbegründeter Vorforge geyen einen Unglücksfall 
den alten Bergfpcd 1817 durch Artillerie demoliren 
läflen wollte — überließ man die fiolze Hurg dem 
Verfalle. 

Obwohl Ruine', ift Helfendem belTer erhalten, als 
das am Eingänge diefcs Berichtes in Vergleich ge- 
zogene Hochwald; doch foll damit keineswegs gefagt 
fein, dafs hier eine planmäßige Confcrvirung des Bc- 
flehenden gar nicht von Nöthen wäre. Im Gcgcnthcilc, 
fo wie man fich gegenwärtig in Hochwald zu bemühen 
fcheint, die vorhandenen Mauertrummeral*Zeugcn einer 
hidorifch denkwürdigen Vergangenheit der Nachwelt 
zu Erhalten, fo find es am Helfendem noch ganze Bau- 
thcilc der einftens fo ftolzcn Burg, welche die Sorge um 
ihre wenigdens gegenwärtige Intaclerhaltung förmlich 
herausfordern. So zum Bcifpicl find faft alle die mittel 
alterlichen fpitzbogig condruirten Thorc in ihrer 
urfprünglichcn Anlage erhalten, vor ihrem fucceffiven 
Verfalle aber keinesfalls irgendwie gefichert ; fie find es 
auch, welche unferc Beachtung vollauf in Anfpruch 
nehmen. Ueber dem zweiten in den eigentlichen Burg- 
hof führenden Thorc, das in einen mächtigen vier- 
eckigen Thurm eingebaut ift, befindet fich ein trefflich 
gearbeitetes Hautrclief, welches einen Mann, der 
einen wilden Stier an einem Nafenringe führt, darftellt. 
Ms ill das Wappen büd der Pcrndcinc, der Erbauer der 
Vorburg und des Hochfchloßes. Darunter die Aufl'chrift. 

„Anno HCOLXXX 
Wilem z I'cnistayna 
pan na Hclfenstaynyc"; 

deutfeh: „Im Jahre I480 Wilhelm von Pcrndcin, Herr 
auf Helfendem." Die fchuiie Slein-Sculptur id leider 
arg und allem Anfchcinc nach durch Flintcnkugcln 
befchädigt. Das ganze Wappen befindet (ich in einer 
im fpät-gothifchen Style gehaltenen Umrahmung; die 
zwei fenkrechten Rahmcnfchenkel laufen in einem 
Kiclbogen aus und vereinigen fich in der Achfe in eine 
Fiale mit Krabben. 

Im Hochfchloße finden fich heute noch in einzelnen 
Räumen Anfatzc von Kreu/.^ew olbe • Rippen auf 
Kampfern, in den ehemaligen Forträumen Fragmente 
von Renailfance-Gelimfen und Spuren von Sgraffiten. 
Die Umfaffungsmauern, Baftioncn, Zwinger u. f. w. 
find noch dermalen in mehr oder minder gutem Zu- 
Rande; doch ift ihre fortfchrcitcndc Zerltorung, wenn 
für die Erhaltung gar nicht vorgeforgt werden folltc, 
nur eine Frage der Zeit. 

Fr. Rosmart. Confervator. 

44. Corrcfpondent J. Mtrs in Vorchdorf hat an 
die Central-Commiffion über das Grabdenkmal des 
Johann Segffer von Meffenbach t '550 "nd feiner Ge- 
mahlin Sybilla Schallerin f 154t in der Pfarrkirche zu 

* 7* A.i4'h » Monographie der Burg Helfendem enthalt eine fo vt>r- 
*iif.l<i-hc und einsehende Schilderung ihrer gefamnilru Dauajilage. daft t.t 
wattl jedemtinrt der Muhe enthebt. M«u niuei hintultlgct, ru Multen. Oetn- 
nach fei auch betUgHch diefer auf da« genannte Wer*, eerwielen. 



Gmunden berichtet. Wie die nebige Abbildung (Fig. 7) 
zeigt, ift das Ganze altarahnlich behandelt. Die hier üi 
Figur 8 abgebildete Platte ruht noch 
auf einem fockelartigen Unterbaue, 
wo auch fich die Infchrift befindet. 
Auf der den Hatipttheil des Grab- 
mals bildenden Platte id in kraftigem 
Relief dargeftellt zu fehen eine auf- 
recht und fall ganz nach vorn gerich- 
Rittcrfigur, in DreiviertclLcbcns- 
größe mit Schwert und Dolch, 
offenen Antlitzes, da das Vifier 
emporgefchlaircn ift und mit der 
Lehensfahne inhalbkreisfurmigübcr- 
wülbter enger Nifchc; die Züge des 
mit reichem Barte gezierten Ge- 
fülltes zeigen einen älteren Mann 
von kräftigem Ausdruck. Ueber der 
Nifchc zwei behelmte Wappen: 
Mellenbach und Schaller, erftercs ein goldenes Schiff 
ohne Maft im blauen Felde, am Helme auch das Schiff, 




Fig. 7. 




FÜ 8. 

der Malt aber mit vullem Segel, das andere eine acht- 
blättrige Blume auf fehwarzem Grund, am Helm drei 
Straußenfedern und das Wappcnbild. Rechts und links 



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- '15 



der Figur je vier unbehclmte Schilde (Ahnen- Wappen), 
rechts: Medenbach. . . . links Schaller,. . . Gaimann. . 

Hans Segger zu Meflenbach kam aus Schwaben 
nach Oefterreich, erwarb den Anfitz Meflenbach und 
war mit Martha Schallerin von Prandlhof und Fnglftrin 
verehlicht. Rath K. Max L und Ferdinand I. Harb am 
18. September 1550, feine Frau am 8. Juni 1591. Mit 
feinem Enkel Hans Chriftoph, f 1617, flarb das Ge- 
fchlccht aus. Fr war auch Einnehmer der Maut Ii zu 
Gmunden. 1528 Hofkammer-Rath. 

45. Confcrvator Staftis/itut V, TamktwitB hat der 
Central-Commiflion einen ausführlichen und fehr wich- 
tigen Bericht über feine Thatigkcit erftattet, au» dem 
wir Nachfolgendes als kurzen Auszug mitthcilcn. Das 
Hauptereignis war die Reftaurirung der //<"//. Kreusksrchc 
in Krakau, einer der alteltcn Pfarrkirchen dortfelhfr; 
1244 wurde mit ihr das heil. Gcill-Spital verbunden 
und die Seelforge den Mönchen des Ordens S. Spiritus 
de Saxia übertragen, einem Orden, der damals bereits 
eine Niederlaflüng im heil. GcitVSpitale zu Wien hatte- 




angebaute Sacriftei lammt dem darüber befindlichen 
alten Ordens -Oratorium und ein gewölbter Dcpötraum 
mit Beibehaltung der im erften Stockwerke befindlichen 
alten Klorter-Carcer wurden grundlich reftaurirt (Fig. 10 
u. 11). Das Schiff ift bis auf den Sockel und die orna- 
mentalen Theile ein forgfaltig durchgeführter Backftcin- 
Rohbau, der Chor durchwegs ein Bruchfteinbau. Die 
langen fchmalen Fenfler wurden wieder in ihrer Ganze 
hergeftellt. In neuefter Zeit begann die Rcllaurirung des 
Innern und fand man unter der Tünche eine interelTantc 
l'olyehromirungatisderei ftcnl lalftcdesi 7. Jahrhunderts. 
Das Ordenszeichen, 
ein Patriarchenkreuz, 
hat fleh in der Kirche 
noch allenthalben er- 
halten, fo am Weih- 
wafferflcin, auf einem 
Schlußfteine etc. 

Die wichtigen 
im Jahre 1 H93 begon- 
nenen Reftaurirungs- 
arbeiten an der Dom- 
kirche wurden im 
Jahre 1K96 eifrig 
weitergeführt Ziicrft 



Fig. 9 <Kl.il.an 

Das jetzige Kirchengebaudc tragt 
den Charakter des polnifchen fpaten 
Gothicismus aus dem 1 5. Jahr- 
hundert (Fig. 9). Leider gerieth die 
Kirche im Laufe der Zeiten ftark 
in Verfall und wurde eine Keitau- 
rirung höchft dringend. Dem Be- 
mühen des genannten Confervalors 
gelang es, die für den Anfang fleh 
ungünfHg (teilende Rcflaurirungs- 
aflion für diele Kirche doch auf 
beütie Bahnen zu lenken und 
tüchtige Perfonlichkeiten für Projekt 
und Ausführung zu gewinnen und ihm aufdic Ausführung 
ftetc Einflußnahme zu erhalten. Sowohl die Kirche, als 
auch der Thurm bekamen eine neue Zicgclbcdcckung 
mit Verwendung von fogenannten Pfannenziegeln. Bei 
diefem Anlaffe wurden am Thurnihelm und in der 
Neigungslinie des Kirchendaches einige ganz berech- 
tigte und zum urfprünglichen Beftand zurückführende 
Aendcrungen vorgenommen, zum Bcifpicl Freilegung 
desaltenftcinernen bekrönenden Gelimfes. Auch wurden 
einige ftörende Zubauten an der Nordfeitc abgetragen, 
dagegen an derfclben fcnftcilofcn Seite die alten mittel- 
alterlichen Zubauten der Nordwand — wie eine ver- 
deckte Treppe zur Kanzel und eine Wendeltreppe zur 
Mufikgalcrie — frcigcflellt. E>ic an das Prc-by terium 

XXIV N. F. 




Kig ■ Kral. 

ging man an die Beendigung der an den äußeren Mauern 
der gothifchen Schatzkammer vorgenommenen Kcftaii- 
rirung, was auch glücklich zuftande gebracht wurde. Die 
verwitterten Qnaderfteinc wurden gegen neue ansgc- 
taufcht, wobei einige fpatere Zugaben und Aendcrungen 
aus dem Anfange unferes Jahrhunderts entfernt und dem 
Unterbaue die urfprüngliche Neigung wiedergegeben 
wurde. Die dabei verwendete Steingattung wurde genau 
der Oualitat und dem Ausfeilen der zu diefem Bau in 
alter Zeit gebrauchten Kalkfteinquadcrn angepaßt. Die 
doppelreihigen gothifchen Fenfler der Schatzkammer 
bekamen eine neue ftylgcrcchtc Vcrglalung mittclft 
Butzenfeheiben, um! an Stelle der alten fehr ordinalen 
und unfclninen Gitter kamen neue nach ctitfprcchcndcn 

10 



Mildem von Profcffor Odraywohki entworfene ver- 
zierte Gitter, die in einer Krakauer Kunrtfchlofferei 
hitbfeh ausgeführt worden find 

Gleichzeitig wurden die Rellaurirung-arbcitcn im 
Innern der Domkirchc begonnen; 

Da feügeftellt war, dafs keine Rcconftruclion, 
fondern nur eine (»rundliche Redauration des Vor- 
handenen vorgenommen werden Coli, ging man im 
Jahre 1S9Ö zunaehft an den Chor, welcher noch wahrend 
de- Winters mitteilt Verfchahing von den übrigen 
Thcücn der Kirche abgegranzt wurde. 

Das Innere de> Chores ergab fich, abgefehen von 
einigen jüngeren Zubauten und A eruier urt gen, als ein 
vollftandig aus dem Anfange des 14. Jahrhunderts 
herrtammender Kircheubau, welcher nach dein Brande 
von 130; gegen 1520 vom Bifchof Nanker aufgeführt 
wurde. Der Hau ift aus Quadern errichtet, bis auf 
einige Lücken, welche wohl an- Sparfamkeitsrückfichteii 
mit Ziegeln ausgefüllt waren. In Hackfleiu lind auch die 




Fitf 1 1. (Krakau.) 

Gcwölbfcldcr zwifchen denfteinernen Rippen ausgeführt. 
Einige diefer ( ie.v olbfcldcr waren in fo fchlechtem Zu- 
(lande, da- (ie neu conftruirt werden mußten. Nach 
Entfernung von fpateren Zugaben aus Holzfchnitzcrcicil 
ergaben (ich die Schlußftcinc der Gewolbrippen, deren 
es fechs gibt, als lehr intercflante gothifche Sculpturcn, 
welche den regnenden Heiland, zwei betende Engel, 
den heil. Stanislaus, einen Kurilen als Kitter (wahr- 
(c heinlich König Ladislaus Lokictek) und das Wappen 
des Hil'chofs Johann Grvt, naehrten Nachfolger- de- 
cr« ahnten Stifters des gothKchcn Baues, darftvllcn. An 
dielen theilweife befchttdlgten Keliels, fowk an den 
Gewolbrippen waren noch fichtbare Spuren mittel- 
alterlicher l'olyehromic erhalten, welche vor der 
Rcftaurlrung in farbigen Skizzen furglaltig nolirt 
uor den lind. 



Nach dem Gewölbe kam die Re hc an die Wände. 
Die Hauptfchwierigkeit in diefem Theile des 
Kirchengcbaudes bereitete die Frage der Behandlung 
der Fcnfter. Zehn an Zahl und im VerhältnilTe zu 
ihrer betrachtlichen Höhe ziemlich fchmal, waren fic 
urfprünglich mit Maßwerken verziert und befaßen fie 
in ihrem unteren Theile eine parapetartige Vermaucrung. 
die bis zur Dachhohe des niedrigen Chor-Umgange- 
reichte. Als im Anfange des 18. Jahrhunderts Bifchof 
■Lnbiefiski den Chorumgang umbaute und dcfTen Ge- 
wölbe bis zur gleichen Hohe mit dem Chore emporhob, 
wurde die Beleuchtung des Chores mangelhaft, da 
deffen fammtliche Fenfter nur mittelbares Licht .in- 
dem Chorumgangc erhielten Das war wohl der Grund, 
Weshalb ihre Verglafung fammt den Maßwerken ent- 
fernt wurde; an acht Fcnftcrn wurden auch die Para- 
pete entfernt, einige Fenfleroffnungen wurden fogar 
dadurch erweitert, dafs man deren Pforten und Rahmen 
abhaute. Nach den glucklicherweife noch übrig gc 
bliebenen Reffen und Spuren konnten nun alle diele 
Theile reconftruirt werden. Die Fenfler be- 
kamen ihre Pforten und Maßwerke wieder. Dem 
Lichtmangel aber die nothwendige Rechnung 
tragend, beließ man die Fcnrter ohne Ver- 
glafung; auch wurden die Parapete nur durch 
den obern Sturz fowic durch Fenftcrpfortcn 
angedeutet, zwifchen welchen das Licht durch 
den freien Raum eintritt. 

Ferner waren bei dem Lubienski'fchen 
Umbau die inneren Gefimfc und Dienfle, fowie 
k die mit blindem Maßwerk verzierten gothifchen 

^ Nifchen, deren je zwei jedem Fenfter beige- 

V geben find, gewaltfam abgefchafft ; alle diele 

Verzierungen konnten nach den noch vor- 
handenen Elementen genau reftaurirt werden 
Nur in drei Nifchen, wo ziemlich gut erhaltene 
Fresco-Malereicn aus dem 1 7. Jahrhundert vor- 
gefunden worden find, mußte um deren willen 
die Wiedereinführung der blinden Maßwerke 
aufgegeben werden. 

I >ie ganzen Wände wurden gereinigt, die 
fchlechten Quaderrteine mit neuen erfetzt, an 
Stelle der mit Ziegeln ausgefüllten Lücken 
wurde Stein eingefetzt. Das Ganze, fehr forg- 
faltig durchgeführt, bietet einen würdigen und 
erfreulichen Anblick. 

Die Chorftiihlc der Kathedrale Hammen 
aus dem Ende des tö Jahrhunderts und find 
ein fchones Beifpiel barocker Schnitzerei. Leider war 
nur der fechfte Theil dcrfclbcn fammt der a jour ver- 
zierten Rückwand und fünft noch die mit den Chor 
lluhlcn integrirt verbundene Kanzel erhalten. Nach 
dielen l'ebcrrcftcn mit Zuhulfenahine des ziemlich ana- 
logen Chorgeltuhts der Krakauer Corpus ChriUi-Kirche 
wurde die Ergänzung unternommen, die aber bis jetzt 
noch nicht durchgeführt ift. 

Endlieh trat man Im Jahre 1X96 heran an die Re- 
llaurirung des Sigismund -Glockenturmes und des an 
gränzenden Capitclfaal und Archiv Gebäudes 

Die Reftauration dtr Kathedrale wird vom Archi- 
Ickten ProfelTor Otirsvwotski gefuhrt; in allen wichti- 
geren und principieUen Fragen bildet die letzte Inftanz 
das aus den bcwahrtellcn Fachkräften tufammen ge- 
fetzte, unter dem Vorfitze des hochwürdigften Furft 



>ogIe 



Mittheilungen der k. k. C. K. Jahrgang 1898 Seite 117. 



Krakau, Marcuskirche 




"7 



bttchofe flehende Reftaurationscomite, deffcn Mitglied 
der Berichtcrftatter i(t. 

Eine geringere, aber nicht unwichtige Rcftauration 
wurde im Laufe des Sommers 189G in der Marcus- 
Kirche durchgeführt. Dafclbll befindet fich in der Nahe 
des Hochaltars ein fchr edel componirtes und gear- 
beitetes Grabmal des als heilig verehrten Mönches, 
Fürften Michael Gedroid. Es befleht aus einem Sarko- 
phag, auf welchem der Heilige beinahe in Lebensgröße 
aus Stein gemeißelt in der Ordenstracht liegt. Das 
Ganze fleht in einer Mauernil'chc, welche von Pilaftei n 
und einer Archivolte umrahmt ift. Die Bekrönung bildet 
ein bubfeh profilirte-s Gebalk und Gcfims. Das Grabmal 
ift aus feinkörnigem Kalkftein, mit eingelegten ver- 
fchiedenfarbigen Tafeln aus Marmor und Stucco ange- 
fertigt. Die Flächen find bedeckt mit Groteskfculpturen, 
auf welchen Spuren von Vergoldung zu fchen find. Das 
Datum 1484 der Infchrifttafct in der Nifche bezieht 
fich auf das Todesjahr des Mönches. Das Denkmal 
gehört in die belle Epoche der entwickelten Renaü- 
fance, welche in Galizien um die Jahre 1504 bis 1520 
fallt.' Bei Gelegenheit der im Jahre 1895 begonnenen 
Reftauration des Hochaltars bemerkte der Confervator, 
dafs das Gefims des Grabmales infolge fchlechtcr Ver- 
keilung des darauf drückenden Mauergewichts vielfach 
gefprungen ift, außerdem auch andere Theile äußerlich 
befchadigt find; die hintere Wand der Nifche feheint ent- 
weder nicht vollendet geblieben oder fpäter der Stein- 
platten beraubt worden zu fein, an deren Stelle eine un- 
fchöne hölzerne Infchrifttafel und eine fchr ordinäre 
Malerei auf Leinwand eingefugt wurde, die offenbar nicht 
dicfcBeflimmung gehabt halte. Außerdem war dasGanze 
infolge öfterer Ucbermalung mit einer dicken Schichte 
von Ocl und Wafferfarben bedeckt. Es gelang dem 
Confervator, die Köllen für eine gründliche unter feiner 
Leitung vom Architekten und k. k. Confervator, Baurath 
Stryjehski durchgeführten Kcftauration aufzubringen 

An der in der Vorftadt Kasintiers bei Krakau ge- 
legenen Pauliner-Klofterkirchc zum heil. Michael, .na 
Skafcc 4 genannt, befindet fich ein kleiner Teich, deffen 
Walter wunderthälige Kraft befitzen foll und in den 
nach der Ermordung des heil. Stanislaus im Jahre 1079 
der Tradition gemäß ein Körpcrthcil dcsfclbcn hinein- 
geworfen und durch ein Wunder wieder aufgefunden 
wurde. Der Teich, feit diefer Zeit in hohen Ehren ge- 
hatten, wurde im 17. Jahrhundert auf Korten des da- 
maligen Krakauer Bifchofs Zadzik cilternenartig in 
Stein cingefafst, von einer reich fculptirten Baluftradc 
umgeben; den Zugang zur tief gelegenen Wafferober- 
fläche bildet eine fleinerne Treppe, zu welcher ein 
reich verzierter Thorbogen fuhrt. Aus der Mitte des 
Teiches ragt ein hoher Sockel empor, auf dem eine 
ColofTal-Statuc des heil. Stanislaus aufgeftellt ift. Dicfcs 
fchöne und intereffante Denkmal des Barockflyls, in 
einer wenig dauerhaften Steingattung ausgeführt, war 
infolge der Witterungscinflüßc ftark befchadigt und 
nahe, gänzlichem Ruin anheimzufallen. Die Reftaurirung 
diefes Denkmals gefchah im Einvernehmen mit dem 
Confervator und dürfte als gelungen bezeichnet werden. 

Sehr gelungene Kefl.nirationen wurden am foge- 
nannten furftlich Jablonowski/chen Palais in Krakau 
durchgeführt. 

' SUK« t'.\r beigegebene Tibi n*:h einer phn<"RrjpliilVhf n Aufnarta e 
von H«mi Kritgtr. Phnt>:>j;rjiphcn i» Kr.,kati und mii >ieiT«n Zuftimaung für 
•lie Mi«lirilwna;»'n arvjef*rli(rt. f>le K«rUcti«n 



46. In diefem Bande, S. 88 findet fich eine größere 
Arbeit über St. l'hrifloph- Bilder aus der Feder des 
Confervators Paul Crucber. Eine größere Sammlung 
von Chriftopli-Bildern, mindeftens von folchen, die innen 
und außer den Kirchen als Schutz gegen den fchnellcn 
Tod angebracht find oder waren, wäre von fchr große, m 
Werthe, und der genannte Confervator hat nun glück- 
lichen Anfang hiefur mit folchen Bildern aus K; rnten 
gemacht. Wenn (kh nur auch Männer finden wurden, 
die nach diefer Richtung in anderen Rcichstheilcn 
fummeln wurden! Wer kennt nicht das große Chrifloph- 
bild an der Außenfeite der Apfis der Pfarrkirche in 
Hallfladt, das weithin über den See fichtbar ift und 
wohin der durch den hochgehenden See geängfligte 




Fig. 1: (St. Michael a. tj. Donau ,) 



Schiffer wahrend feiner Noth im inbrünftigen Gebet fich 
wendet. Ein höchfl intei effantes großes Chi iftoph-Bildnis 
findet fich in der Johannes-Capelle beim Dom zu Brixcn, 
In der St. Stephans Kirche zu Wien vorn an der linken 
Seiten wand der Apoftelchor- Apfis war ein große Bildnis 
des das Chrillkind tragenden Riefen angebracht; in 
der Frauenkirche zu Wiener- Neufladt findet fich auch 
ein großes Chriftophbild, aufgedeckt 1 858. 

Ein intcreffantes derartiges Bdd findet fich auf 
der Vorderfeite des hier in Fi;,'. 12 abgebildeten 
Karncrs neben der Kirche zu St. Michael a. d. Donau 
in Nieder Ocflerreich. ' Leider : ft das Bild in feiner 

1 F^n qmtlraiif-hfr Hu mit dreiteiligem Vuliail, pulyir<>nrii auf Kritr* 
fteinen mhemlvn Acincineri <»jcteltbrirnikh«n. 

Ii.» 



untern Partie ganz verfchwimden und nur mehr fo 
weit erhalten, als das nicht gelingend vorfpringende 
Schutzdach reicht. Man ficht nur mehr oben in ganz 
heller Farbenpracht den Kopf des Heiligen, mit dem 
ofterrcichifchcn Erzherzogshute bedeckt, dann die An- 
fange der Figur und des auf der linken Achfcl fitzenden 
Chriftkindcs. Auch der Stock des Riefen ift in feiner 
oberen Partie noch erkennbar. 

Beifpiclswcifc feien noch erwähnt das Chriftophbüd 
an der Außenfeite der Pfarrkirche zu Nul'sdorf a. d. 
Traifen, das Fragment eines ricligen gemalten 
Chriftoph an der Wefl-Faqade der Kirche zu Killitz, an 
der Kirche zu Schwallcnbnch [ij. Jahrhundert i ; ein 
fehr gutes Chriltophbild findet lieh an der Außen 
feite der Kirche zu Kirchfchlag, an der Aplis der 
Ruine der St. Pancratius Capelle in Sierning, ein 
folches Bild aus dem Anfang des ib. Jahrhunderts 
weiters an der Kirche zu St. Johann am Steinfeld, 
außen an der Kirche zu Lichtcnwörth, dann an der 
ohne Willen der Cuntral-C ommiflion zerftorten fchr 
intereffanten romanifchen Kirche fammt Thurm zu 
Moosbrunn (Gemälde aus dem 1 3. Jahrhundert). An 
der Außenfcitc der Kirche zu Friedersbach finden fich 
auch noch Spuren eines folchen Hildes. 

47. (Aus Brixcn j 

Hei dem Umltande, dafs das hochvvürdige Dom- 
Capitel den rettaurirten Kreuzgang durch Legung 
eines neuen ftylgerechten Steinplatten-Fußbodens 
zieren laßt, fowie überhaupt die betreffende Baulich- 
keit in forgfamer Weife im Auge behält und fonach 
unter feinen befondern Schutz ftcllt. fo ift anzu- 
nehmen, dafs auch die angellrebte Wafferabfluß-Regu- 
lirung zum Schutze der Wandmalereien cheftens vor 
genommen werden durfte. 

Was die Untcrfuchungdcr alt-romanifchcn Fresken 
im Schilfe der Johannes- oder Tauf-Capelle betrifft, fo 
wurde conftatht, dafs außer den bereits bekannten 
Fresken an den Seitenwanden keinerlei weitere alte 
Malereien vorfindbar waren, fowie auch die fpäter ein 
gefetzte gothifche Decke keine Malereien aufwcilt. 

Jedoch an den Wänden des Schiffes finden fich 
unterhalb der bereits aufgedeckten romanifchen 
Malerei noch unten Spuren von Fresco-Bildern, die 
der gothifchen Zeit angehören, welche aber zur Zeit 
noch übertüncht find. Es wird Sache der Reltaurirung 
fein, diefe Bilder wieder zutage zu bringen, fo dafs auch 
die unteren Theile der Wände poly chrom gefchmuckt 
erfcheinen werden. 

Nachdem die Apfis in ihrem Bifdcrfchmucke fowohl 
durch die Reftaurirung der alten Bilder, fowie 
durch die polychrome Ergänzung mit neuen ftyl- 
gerechten Bildern fich dem Befchauer als ein einheit- 
liches Werk erweift, fo dürfte auch die ergänzende 
Neii-Polychromirung der Decke und der zwei fehlenden 
Stichbugen eine nothwendig vorzunehmende Arbeit 
fein, damit die alten Fresken durch eine getonte Um- 
gebung zur Geltung und in Harmonie mit der ganzen 
einheitlichen Kirchenbcmalung gebracht werden. 

Was mm die Reltaurirung diefer alten bekannten 
großartigen, leider feinerzeit fehr fehkeht bloßgelcgtcn 
romanifchen Malereien betrifft, die am oberen Theil 
der SchitTswändc lieh befinden, fo muß vor allem con- 
ftati-t werden, dais die Bloßlegung derfelben infofern 



fchr ungünftig bewerkftelligl wurde, als man für die 
Entfernung der Tünche ftatt unfehädlicher Mittel den 
feharfgefchliffenen Maurerhammer verwendete, welcher 
immer Schaden dem Untergrund der Malerei bringt. 
Jede übertünchte Malerei, wenn fie noch fo verquarzte 
und verhärtete Uebcrtünchung aufweift, dafs weder 
chcmil'chc noch mechanifche Mittel mehr wirken, wird 
mit dem letzten Nothmittcl, mit fchabenden und feit- 
lich llcmmenden Eifcn behandelt; doch foll niemah 
derart vorgegangen werden, wie in der Johannes- 
Capelle bei den durch den Maurerhammer bloßgclcgten 
Bildern. Im erftem Falle können wohl viele oberfläch- 
liche Zerkratzungen der übertünchten Bilder eintreten, 
welche leicht zu retouchiren find, nie aber den Unter- 
grund der alten Malereien fo zcrftoi cn und angreifen, 
wie der Maurerhammer mit feinen kreuz und quer ge- 
führten Hieb-Schnitten, die dicPutzflächc (Malfläche) bis 
in ihr Innerftcs verletzen und in ihrer Haltbarkeit cr- 
fehuttein. Es wird daher die Reltaurirung eine äußerft 
forgfaltige und mühfame Arbeit werden. 

Die romanifchen Malereien find an den Seiten- 
wänden des Schiffes in fricsartigen Streifen mit fall 
lebensgroßen Standfiguren angebracht, während an 
der Triumphbogen- und Chorwand fclbe je in einer 
großen Darftellung den Halbkreis des ehemaligen 
Tonnengewölbes füllen. Ober und unter diefen Dar- 
ftellungen lauft je ein Ornament. Das Obere ift ca. 
50 Cm., während das untere 1 M. 60 Cm. breit ift. 

Durch ein fpäter eingefetztes gothifches Gewölbe 
wurden die Eckfigurcn obiger Malerei theilweife zer- 
ftört, und desgleichen find an der fiidlichen Seitenwand 
zwei bis drei Figuren obigen Fricfcs durch Ausbrechen 
eines großen Fenfters verloren gegangen. Ferner 
wurden durch die Einfetzung der Decke, befonders an 
den Seitenwänden, leere die Harmonie der Kirche 
ftörendc Spitzbogen-Flächen gefchaffen. Die einge- 
fetzte gothifche Decke war in den Gurten poly- 
chromirt, während fich in den Kappen keine Poly- 
chromirung einer fpateren Periode vorfindet. An den 
Wanden im untern Theile der befprochenen roma- 
nifchen Malereien befinden fich derzeit noch ver- 
tünclite der gothifchen Periode (Domkreuzgang-Schule) 
ungehörige Malereien. 

Durch eine forgfaltige Reltaurirung und Bloß- 
legung auch diefer Malereien und durch Hinzufügung 
eines cntfprcchcnd polychromirten Sockels durfte 
nach Vollendung obiger Arbeiten das Schiff cbenfo 
einheitlich polychrom gefchmuckt erfcheinen, wie der- 
zeit die im Jahre 1894 vollendete Apfis. 

4K. (Erinnerungen an Kai/er Jofepk II. aus den 
Zeiten </<v Türkenkriege.) 

Schon nach der erften Zufammenkunft Jofeph II. 
mit Katharina II. ließ der Brünner Feintuchfabricant 
Wilhelm Mundy die Faqade feines Gebäudes mit ftein- 
gehauoner Architektur ausftatten, und in diefer die Ge- 
Halten von vier Türken in gedemüthigten Stellungen 
anbringen, als llluftration des Zeitgedankens. Im An- 
fange September 1784 nahm Jofeph II. beim Befuch der 
Mundy fehen Fabrik diefe artige Schmeichelei in Augen- 
fehein. Diefe Statuen find feit den fechziger Jahren ver- 
fchullcn. 

Im Jahre 1789 feierte Brünn die Siege über die 
Türken, namentlich die Kinnahme Belgrads durch 



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119 



Schmückung und Beleuchtung der Stallt, ferner durch 
Aufhellung von fteinernen Erinnerungszeichen in 
Gärten und Anlagen. S<> wiffen wir, d;ifs General Major 
Anton F. v. Mitrowsky feinen Garten in der Fifcher- 
gaffe, den er 1770 von den Standen als Rechtsnach- 
folger des verstorbenen Kaiferrichters Martin Cipps 
erkauft hatte, dem gebildeten Publicum zu ungefcheutcr 
Benützung eröffnete, nachdem er ihn mit plaftifchcn 
Decorationen verfchen hatte. VVir wiffen wohl nur von 
einer Büfte Lascy's aus earrarifehem Marmor. Es ift 
aber zu vermuthen, dafs nach dem Kunllttyle diefer 
Epoche ein Cyclus von Bullen oder Hermen, darunter 
auch die Jofeph II., vorhanden war, als Garten- Entreeoder 
zur Decorirung einer TcrralTe, w obei die die Treppen- 
wangen und Baluftradenflankircndcn und fchmückenden 
Statuetten und Krateren aus minderem Material, alfo 
wohl dem herkömmlichen Sandftein hcrgcftcllt gewefen 
fein mögen. 

Zu diefer Vermuthung leitet uns da* Vorhandenfein 
zweier decorativen Stein-Objerjte im Pfarrgarten zu 
St. Jacob, welche fich als einzelne Thcile eines der- 
artigen Arrangements darllellcn und lieh fowohl durch 
den Habitus, als auch durch die Infchriften als Denk- 
male zu Ehren Kaifer Jofeph 's und feiner Siege darftellcn. 

Obwohl nicht ausgefchlofl'en ift, dafs eine barocke 
TerrafTe im Pfarrgarten felbll fituirt war, fo ilt es auch 
möglich, dafs diefe Dcnkmalsrcftc von außen her 
(vielleicht aus dem Mitrowsky fchen Garten) durch irgend 
eine Transaftion anher gekommen find. 

Das eine Objeft (210 Cm. hoch) Hellt einen Kinder- 
Genius vor, der durch Helm und Schild als Mars gekenn- 
zeichnet ift. Im Schilde fclbft ift eine Trophäe aus 
Fahnen und Waffen cn rclief gearbeitet zu l'ehcn. Der 
Sockel (vierfeitig) zeigt im untern Thcile die fpat- 
barocke Ausbauchung. Keine Infchrift. 

Das andere Object (170 Cm hoch] zeigt auf gleich 
geformtem Sockel eine breitmundige Vafe von wuch- 
tiger Form und kraftiger Decoration. 

Der Sockel tragt an drei Seiten Infchriften, und 
zwar: 

Links: 

GKDKONI 
A 

LOUDON 
ALBA.GR.-ECA 
CAPTA 
XüN.OCTOB 
MDCCLXXX1X 

Vorderfeite: 

IMP. 
IOSKPHO. II 
AUGUST« > 
VICTOR I 

Rechts: 

DICI 

SAXO. COBURG 
VEZIRIO 
T URCARUM 
VICTO 
DIE. 22. SEPTEM. 
17X9. 

Es find alfo die zwei entfeheidendfkn W.ifi'i nth.itcn 
infehriftlich verewigt, und zwar di r 22 September als 



Tag des Sieges, welchen Prinz Friedrich Jonas von 
Sachfen-Coburg-Saalfeld über den Groß-Vezier bei 
Martinittie errungen hatte, und die Einnahme von 
Belgrad mit dem Datum 9. October, alfo um einen Tag 
von der gewöhnlichen Annahme variirend. 

Da fchildhaltende Genien, wie das erftc Objcclt 
meift als Dioscuren Treppen flankirend vorkommen 
und auch die Vafe meift in wiederholter fymmetrifcher 
Anwendung in der Architektur auftritt, fo wäre wohl 
obige Andeutung, dafs diefe Refte einer nun nicht mehr 
volKländigenTcrratTen-AusItattungangehorten, gerecht- 
fertigt. 

In den Kreis der jofephinifchen Kriegserinnerungen 
gehört auch als drittes noch vorhandenes Object jene 
lebensgroße Statue des Moldaufürften Alexander Vpsi- 
lanti, welche zum Andenken an denen Internirung in 
Brunn (23. Juni 17S0 bis 18. October 1791) ober dem 
Gartenthor des Waffcnbcrgfchcn Befitzes in Alt-Brünt; 
nach feiner Abreife aufgeteilt worden war. In fitzender 
Stellung, vorgebeugter Gcftalt, der Sockel tragt die 
Infchrift: Ypsilant, Fürft von Moldau. 

Zum Schhiße fei erwähnt, dafs in nächfter Zeit zum 
Zwecke des Durchbruches einer Gaffe der Pfarrgarten 
verfchwinden wird. In diefem Garten befinden lieh als 
Decorationsftüeke mehrere barocke Sculpturcn, auch 
ein Grabftein aus dem tö. Saeculum. 

Adolf Raab. 

49. Die Central-Commiffion wurde von Seite ihres 
berufenen Confcrvators auf die ehemalige Minoriten- 
und jetzt unter der Bezeichnung Klofterkirchc noch bc- 
flehende Kirche in Muhrifch Neufladt mit dem Beifugen 
aufmerkfam gemacht, dafs fic als älteres Bauwerk einige 
Würdigung und Rückfichtnahinc verdienen würde. Sie 
(lammt nämlich aus zwei verfchiedenen Bauzeiten. Das 
Prcsbyteriuin mit fünffeitigem Abfchluße Ibnimt aus den 
letzten Dccennien vor der Mitte des 14. Jahrhunderts, 
demnach ein fpat-golhifcher Bau. Bei dem großen 
Brande 1595 wurde die Kirche arg befchadigt, verlor 
das Gewölbe und erhielt flatt deffen em niedriges 
flaches dreijochiges Gewölbe, delTcn Einfügung die 
großen fpitzbogigen Fenfter zum Opfer fielen. Heute 
vermauert, zeigen fie größtenteils doch noch ihr 
fchönes mit Steinen zugelegtes Maßwerk. Das ein- 
fchifiige Langhaus ift ein weit jüngerer Bau, ein Werk 
der Barocke, heute recht reftaurirungsbedürftig. 

Von befonderem Intcrcffe ift die an die Südfcitc 
des Presbyteriums angefugte Sacriftei wegen ihrer vor- 
trefflichen und gut erhaltenen Fresken. Im großen 
Deckengewolbe befinden fich die Fußwafchung, die 
beiden 1 lauptfiguren: Chriftus und Apoftcl find von 
vornehmer AuffalTung und feinfter Durchbildung und 
lalTen einen eminenten Künftlcr von großem tech- 
nifchen Gcfchick und verständnisvoller Auffaffung ver- 
muthen. Leider fehlt jede Andeutung über denfelbcn. 
Die kleinen Xebenbilder bezichen fich auf Chriftus bei 
Simeon, Chriftus nach Emaus wandernd, Chriftus und 
Magdalena, die Auferftehung uml das Schifflein Chrifti 
auf dem Meere. Diefe Bilder (tchen in künftlerifclier Be- 
deutung dem großen bedeutend nach. Das große Bild 
ilt mit einem breiten Stückrahmen eingefaßt, der jüngft 
blau! gefärbt wurde. Die kirchliche Einrichtung ift im 
Ganzen einfach, doch find die intarfirten Kirchenbanke, 
Chorltuhle und Kanzel vorzügliche Arbeiten 



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— 120 — 



50. Lehrer Karl Gcrlich in Prerau, dem wir viele 
intcrefiante Nachrichten über Denkmale aus feiner 
Umgebung zu verdanken haben, hat auf zwei altere 
Grabmale aufmerkfam gemacht, die fich zu W'elehrad 
befinden. Das eine befindet fich an der Innciifeitc der 
L'mfricdungsinaner der Cyrills Capelle, eine ftark ver- 
witterte Steinplatte von i - 4 Cm. Höhe und 42 Cm. 
Breite, ohne Infchrift, darauf die Darftcllung einer nach 
aufwärts gerichteten langen Lanzeufpitzc und eines 
breitklingigen Schwertes mit Kreuzgriff. Dicfer Stein 
wurde im Jahre 1885 in der Nahe der Kirche gehoben, 
darunter foliein SkcletPohnc Beigaben gefunden worden 
fein. In dem weitem Vorhof liegt unterhalb eines 
Fcnfters eine zweite Platte (135 Cm. — 38 Cm.), darauf 
in Hautrelief ein Rechen, darunter ein Schwert und 
unter der Parirftange zwei Kreuze ausgemeißelt. 

In der Friedhof-Capelle zu Roskotvits befindet fich 
ein äußerft feltencr Gegenftand, nämlich eine Kanzel aus 
Schmiedeeifcn. Sie ruht auf einem derartigen Träger 
und enthalt auf der Vorderfeite eine ovale Cartouchc, 




Fig. 13 (Poskowita). 

darin S. F., darunter ein Kreuz und darunter 1626. 
Mine fteinerne Stiege mit acht Stufen fuhrt längs der 
Wand zur felben hinan und ift diele an der linken 
Seite mit einem zierlichen ebenfalls alten Sicherung* 
gilter verfetlCtl. 

Bis "zum Jahre 1846 befand fich diefes fcltcnc 
Denkmal der Schmiedekunft in der im gothifchen 
Style erbauten Pfarrkirche zu Boskowitz, von wo fic in 
die bezeichnete Filial- und Friedhofs-Kirche zu Aller- 
heiligen übertragen wurde. Die Tradition nennt diefe 
Kanzel „Sarkandcr Kanzel" 4 nach dem Heiligen Sar- 
kander, der hier zwifchen 1613 bis 1616 als Pfarrer 
thatig war. Aus der am untern Rande des Kanzelleibes 
in altbuhmifcher Schrift angebrachten Legende ift zu 
entnehmen, dafs Sylvcfter Fiala, Bürger zu Klavena fie 
1626 auf feine Korten errichten ließ (Fig. 13I. Der 
einfache Schalldcckcl ift flach gewölbt, mit vier unter 
rechtem Winkel zufammenftoßenden Voluten und mit 
einem kleinen Kreuze geziert. 



5 1 . Mit lebhafter Befriedigung kann die Central 
Commiffion conflatiren, dafs einige wcrthvollc Refte 
der alten I : eßungsbauten von Olmüz, für die fich die* 
fclbe befonders intcreffirte, erhalten bleiben. Es ift 
dies in et ftcr Linie das Maria Therefien-Thor, das laut 
Hcfchluß des Stadt verordnctcn-Collegiums am 13. Sep- 
tember nicht nur verbleibt, fondern einer befcheidenen, 
aber entfprechenden Adaptirung unterzogen werden 
wird, wozu ein Betrag bereits von der Gemeinde 
votirt ift. Mit diefem hochherzigen Bcfchhiß gibt fich 
die Gemeinde ein hochchrendes Zeugnis edlen Bvirger- 
finncs und der Pietät, das von den Vätern Krerbte 
dauernd zu erhalten und zu fchützen. Um das Tl crcficn- 
Thor foll eine kleine Anlage gefchaffcn werden, wo- 
durch die aus Gemifchtmauerwerk beltchendcn Seiten- 
wände verblendet werden follcn. Das Thor felbft wird, 
infoweil es aus Quadern berteht, vollftändig abgeftockt 
und das Inncrc ohne jedwede weitere Aenderung, um 
eben den alten Beftand zu wahren, nur getüncht. Es 
foll hier nicht verfchwiegen bleiben, dafs diefer ganzen 
Anregung Regierungsrath Camilla Silte fchr nahe 
ftcht. 

Bezeichnend für die Werthfehätzung in Confcr- 
virung der baulichen Ucbcrrefte einer längft vergan- 
genen Zeit feitens der Olmüzer Gemcinde-Rcpräfentanz 
ift auch die Wicdcrhcrftcllung zweier an fich ganz be- 
deutungslofer Feftungsthore, bezichungsweife Aus- 
fallspfortcn: das Littauer Ausfallthor und das offene 
Thor nächft dem Stadtpark; erftercs ein ziemlich roher 
Quaderbau mit hoher Bckrönung, jetzt Eingangspforte 
zur Johann-Allee, letzteres aus zwei rufticirten an der 
Außcnfcitc mit äußerft plaftifch gemeißelten Trophäen 
gefchmückten Pfeilern beftehend, was mit Freuden 
zu begrüßen ift. 

52. Confervator Thaddäus von Stepnicki berichtete 
unterm I". Auguft 1897, dafs die Reftaurirung der 
Kirche zu Blees allmälig vorwärts fchreitet. Im Jahre 
1896 wurde das Prcsbyterium reftaurirt, nachdem diefe 
Arbeit am Haupt- und Neben fchiffc beendet war. Bei 
der Untcrfuchung des Gewölbes, diefes alterten 
Kirchentheiles, ergab fich, dafs es infolge conftatirter 
fehr bedenklicher Schaden ganz erneuert werden muß, 
was auch gefchah. Die Steinumrahmungen der vier 
Fcnftcr und dann der fieben im Capellenraumc oberhalb 
derSaciiftei und von zweien in dcrSacriftei felbft wurden 
reftaurirt, zwei vermauerte Presbyteriumfcnfter wurden 
wieder aufgemacht, das Gefammtmauerwerk fammt 
Strebepfeilern wurde ausgebefTert, das Zicgclgcfims 
durch Stein erfetzt. Die Wiederhcrftellung des 
Presbytcriums, welches den Charakter der Gothik des 
15. Jahrhunderts in feiner urfprünglichen Geftalt be- 
wahrt hat, cinfchlieflHch der Altäre und Stellen, die 
vorwiegend dem 17. Jahrhundert angehören, dürfte in 
nächfter Zeit abgcfchloffen werden. 

Confervator Riller von Dydy&skt "1 heilte mit, dafs 
er Kenntnis erhalten habe von einem prähiflorifclien 
Friedhofe bei S'cidnik im Limanowcr Diftricte, wofelbrt 
man allenthalben thonerne und kiefelfteinerne Objcde 
in größerer Menge findet, was fich vielleicht durch die 
Nähe der Handelsstraße, die in der prahiftorifchen Zeit 
das Dunajee-Thal unzweifelhaft bildete, erklären läfst. 

53. Confervator Profeffor Prtrii hat die Central- 
Commimon auf eine Capelle zu Ehren des heil 



0 



121 



Johannes bei dem Doife Swetgo auf der Infel Chcrfo 
aufmerkfam gemacht, wofclbft fich ein fchr bcachtens- 
werthes Stein-Relief als Altarbild mit der Bezeichnung 
1491 erhalten hat. Es ift als Antipcndium behandelt, 
potychromirt mit primitiven Rand-Ornamenten und 
unten mit einer verbleichten Infchrift verfetten. Es (teilt 
Madonna in thronn und die Heiligen Johann B. und 
Sebaftian vor, eine gute provinciellc Arbeit. Jede Figur 
befindet fich in einer niedrigen Nifche, davon die 
mittlere größer ift. Die Arbeit ift in befriedigendem 
Hcftande und verdient Schonung und Obforge, eine 
Verfetzung in ein Mufcum fehitne nur dann noth.vendig, 
wenn der Beftand des Reliefs etwa durch Kaufluftige 
gefährdet wäre 

54- Die neueften Untcrfuclumgen des Mauei Ver- 
putzes im Innern der St. Nielas Kirche zu /.naim haben 
e'gcben. dafs höchd wahrfcheinlich dasfelbc ehemals 
ganz mit Fresken gefchmückt gewefen war. Der alte 
Putz zeigt ftellenwcife unter der Tünche den glatten und 
polirten Charakter, den die mittelalterlichen Frcsco- 
maler mit Vorliebe anwendeten. Doch gibt es viele 
Stellen, wo durch bauliche Adaptirungen die Wand- 
flachen geändert worden find. Diefe Frescotechnik, wie 
der Berichterdatter Maler Theophil Melichet unterm 
10. Octobcr 1897 mittheilt, war keine lafirende auf 
den nalTen Putz, fondem gouacheartig, das heißt die 
Maler fetzten den Farben im allgemeinen Kalk zu und 
machten fo die Farbkörper paftöfer. Die Haltbarkeit 
dicl'cr Technik, die hauptfächlich wahrend der Barocke 
auf rauhen Mauergrund blühte, ill bei glatter Wand eine 
mindere. Da der Maler des Mittelalters in der Regel 
ohne vorbereitenden Carton arbeitete, die Zeichnung 
unmittelbar auf den nalTen Verputz machte, l'omit 
mehr Zeit brauchte und dann der Trocknungsproceß 
ein vorgcfchrittcjicr war, fo konnten paftos auf- 
getragene Farbkörper fich nie fo innig mit dem im 
Trockcnproccße vorgefchrittenen glatten Kalkgrunde 
vereinigen, wie es unter gleichen Umftändcn noch bei 
lafirend angewendeten Farben der F"all ilt. Bilder 
diefer Technik auf glattem Grund haben in der Regel 
eine auffallende Neigung zum Abfpringen und Ab- 
blättern der Farbkörper. Diefes Abfpringen dürfte auch 
eine Miturfachc der allgemeinen Uebertunchung des 
Niclaskirchen-Innern gewefeu fein. Man bat aus dicl'cm 
Grunde fofort und auf einmal alle Bilder übertüncht, 
weil man den Abfall der Malerei an allen Stellen bc 
fürchtete und einer ungleichen Krfcheinung des Inneren 
vorbeugen wollte. 

Wenn man auch von der gefammten Polychro 
mii ung nicht mehr viel vorzufinden vermag, insbefoudere 
von der ornamentalen, fo dürften fich an manchen 
Stellen doch noch fchone Funde machen laden 
Das um eine Stufe erhöhte gothifchc Prcsbytcrium der 
in die zweite Hälfte de- 13 bis Anfang des 14. Jahr- 
hunderts zu (teilenden Kirche befteht aus einem poly- 
gonen Abfehluße neblt einem Gewolbjoche, wofclbft 
Clmrftuhlc an den Wanden (tehen. Im Chorl'chlulie. 
wo der barocke Hochaltar liebt, findet man gut er- 
haltene Fresken Man erkennt ein grünes Teppich 
mufter vom Boden bis zum Gelimfe reichend und darauf 
einzelne größere Bilder, deren Zufammcnhang noch 
unklar ift. Die Schlubwa'Ml, wo der golhifche Hauptaltar 
Hand und wo der Fries feblt, durfte nicht bemalt 



gewefeu fein, dafelbft findet fich nur ein Namenszug 
handlchriftcnartig angebracht. 

Auf der rechten Presbyteriums-Wand befindet fich 
ein auffallend gut erhaltenes Bild, wofelbft man viele 
gepfählte, bloß mit einem Schamtuch bedeckte Heilige 
erkennt (heil. Achatius und feine Genoden, Patrone in 
Kriegsivthen). Daneben findet fich das vom Confervator 
Stets gefundene Bild des letzten Abcndmales, die ganze 
Wandfläche einnehmend. Die Darftellung ift echt 
mittelalterlich, eine lange Tafel mit ftarker Daraufficht, 
hinter welcher Chriftus in der Mitte mit Apofteln zur 
Seite fitzt, an der dem Bcfchauer zugekehrten Tafelfeite 
erfcheinen die übrigen Apoftel bedeutend kleiner 
und als Ruckenfiguren. Das Bild ift mit einem gemalten 
Rahmen, gleich wie das früher erwähnte, umgeben, 
wo herum der grüne Teppich gemalt ift. 

Auf der Wand gegenüber zeigen fich Spuren des 
Bildes des Schweißtuches Chrifti, wahrfcheinlich von 
einem Engel gehalten, und eine Donatorfigur in geld- 
licher Tracht. Nebenan Spuren eines Miscricordia- 
Bildcs (C hriftus im Grabe mit Geißel und Ruthe). Der 
heutigen Situation nach befinden fich die Bilder; Heil. 
Achatius und Chriftus im Grabe, beiderfeits des Hoch 
Altars, die beiden anderen hinter der Vcrfchalung 
dcsfelbcn. 

In jedem der vier Wandwinkel des Schlußes ift 
eine plaftifcbe Confole mit Ranken-Ornament ange- 
bracht; nur zwei find mit Köpfen geziert, die eine eine 
Thierfratze, die andere mit einem herausragenden 
Kopfe von flavifchcn Typus. 

Es finden fich noch allenthalben viele Stellen mit 
Malfpuren, doch find es eben nur Spuren Auch im 
Schiffe finden fich derartige Andeutungen, namentlich 
dürfte ein intcrelTantes Bild über der Scitenthür gegen 
den Pfarrhof vorhanden gewefen fein. 

Die Bilder find entfehieden deutfeher Schule und 
durften einem tüchtigen Meifter zu Beginn des 15. Jahr- 
hunderts zu verdanken fein, der die zweifellos 
fehwierige Technik feiner Zeit übte. Die Vortragsweife 
ilt typifch und erinnert an eine ftrenge Schule, wodurch 
die Bilder eben hochft beachtcnswxrth und erhaltungs- 
würdig erfcheinen. Sie durften aus der Hand eines und 
dcsfelbcn Meiders hervorgegangen fein. Der heutige 
Zuftand der vier Bilder des Presbyteriums ift kein 
fchlechter, felbft nach den Strapazen, die ein über- 
tünchtes Bild auszuhatten hat; fie find redaurirungs- 
fähig und wurden fogar, wenn fie gut gereinigt und 
forgfaltig in den abgesprungenen Stellen mit Farben 
ergänzt werden, febr fchone Kcfultatc geben. 

Die übrigen Wandinalereirefte erfcheinen nicht 
crhaltenswerth. 

55. Die geringen Reite der alten Glasmalereien in 
der Pfarrkirche zu Vtilaelt wurden zu Beginn des 
Jahres 1897 aus ihren bisherigen Aufltellungen entfeint, 
weil fie, in der dermaligen Verkleidung fehr febadhaft, 
dringend einer AusbcflVrung bedürfen. Man bcabfichtigt. 
diele Rede in der Verglalung eines größeren Feiiftcrs zu 
erneuern. Wir Corrcfpondent Rcgicrungsrath Deiitinget 
berichtete, ill diefes Fenller in der lnnsbrucker Glas- 
malerei Auftalt fertiggcftellt worden und wird damit 
die Confervirung der erwähnten Reltlt iekc älterer 
Vcrglafungen durch farbige Scheiben aus dem 16 Jalir- 
humler'.e beltrns erreicht 



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122 - 



j6. Die Kirche zu Fejlenburg in Ober-Stcyermark. 
nahe von Voran, ift mit einem herrlichen' Fresco- 
Gemnlde aus der Hand des J. C. Hainhof r geziert. 
Ks ift ein gewaltig großes Gemälde, das größte 
Werk diefes Meiftcrs Ks ftcllt in Fortsetzung des Hoch- 
altarblattcs die Aufnahme der heil Katharina in die 
Schaar der heiligen Jungfrauen und Kngel dar, in deren 
Mittelpunkt die heil. Cacilia die Orgel fpiclt. holdfclige 
Geftaltcn, welche das Fcft der Aufnahme diefer 1 Iciligcn 
mit himmlifchcr Luft und Freude begehen. Kiue ge- 
legentlich durchgeführte Unterfuchung des Heilandes 
des Bildes ergab aber, dafs ein Thcil der Decken 
bäume fchadhaft geworden ift. Schaden, die eine 
fofortige Sanirung verlangten und die auch gleich auf 
Koftcn des genannten Stiftes ausgeführt wurden. 
Durch diefe Intervention wurde ein fchr werthvolles 
Kunftdenkmal der Steyermark fernerer Zeit erhatten. 

5". Correfpondent Gardc-Rittmciftcr Ladislaus 
Edler von Benefch hat die CentralCommiffion auf die 
eine der Glocken aufmerkfam gemacht, die fich im 
Dachreiter der alten Friedhol kirche zu Neuberg be- 
findet. Sic ift 072 M. weit und O 67 M. hoch und tragt 




I-'iU i.| iNi-iitit-ru, 

in fchonen gothifchen Ziffern und Huchflabcn an den 
zwei diametralen (einander entgegengefetzten) Stellen 
des Mantels bereits hoch oben die Fridericianifchen 
Buchftabcn A. K. I. (). U. unter der Jahreszahl 
Außerdem ill nichts au der Glocke bemerkenswert!], 
Die Oberfläche weift viele kleine beim Glockenguße 
entrtandene Sprünge auf. Sehr hübfeh ift die Krone 
modellirt; die Spangen find fchoii geformt um! mit 
einem, einem geflochtenem Stück ahnlichen Ornamente 
verleben. Uebcr der Infchrift befindet fich ein herum 
laufendes Hand mit eingeftreuten fünf blättrigen Rofetten 
(Fig. 14). Confcrvator Direktor Uli heim bemerkt liiezu, 
dafs die Glocke, wie aus dem Winkelftriche unter der 
Jahreszahl zu erkennen ift, auf des Kaifers eigene 
Köllen gefpendet wurde. Sie durfte in Wiencr-Neulladt 
gegolten worden fein, vermuthlich von Johannes 
Glockengießer, der auch I. icentt.it der gcdtlichcn 
Rechte war. Die z-.veitc Gl- ><:kc ill Mein und fuhrt die 



In fehl ift: „Lorenz Seiner in Wien gos mich 1675." Maria 
mit dem Kinde und der gekreuzigte Heiland zieren als 
Relief den Mantel 

5S, Der Central Commiffion find unterm 1 1. Ofto- 
ber 1897 ganz eigenlhümliche Nachrichten zuge- 
kommen, die der Veröffentlichung nicht vorenthalten 
bleiben füllen. 

Im Lungern, das jetzt durch die Schiencnftraße in 
den großen Verkehr einbezogen ift, beginnt es fich zu 
Gunftcn manches alten Schloßes zu rühren, wie in 
Mosheim, Mauterndorf, etc. An allen Orten diefes 
Gaues finden fich Kirchen fchr alter Gründung, geziert 
mit Romerlleinen und Grabfteincn alter Gefchlechter. 
Die zwifchen Mauterndorf und St. Michael liegende 
gothifche Filial Kirche zu St. Martin ift auf der Innen- 
feite mit in Frcsco gemalten 1 leiligengeltaltcn geziert. 
Leider wurde diefe fehr alte Malerei durch Kalkverputz 
an einigen Stellen arg gefchadigt L'ntcr dem Chor der 
Kirche befindet lieh ein nun mit dem Kirchenpftaftcr 
überdecktes und verfchüttetes Gewölbe, deffen abwärts 
führende Stufen neben dem Hoch-Altare noch vor drei 
Jahren gefehen werden konnten. Die neben der Kirche 
beftehende achteckige Anna-Capelle, der ehemalige 
Karncr, beftand bis 1803 aus einem untern Thcilc, dem 
Heinhaufe, in welchem fich nach Kurfinger $ Lungau 
mehrere Römerfteincbcfandcn, die erfrculichcrwcifc nun 
dem Salzburgcr Mufeum einverleibt find uuddemobern 
Theile, der eigentlichen Capelle, darin ein gothifchcr 
Flügelaltar war, der vom früheren Pfarrer daraus ent- 
fernt und einem Bauer theilweife zu einem Frohn- 
leichnamsaltar überladen wurde, wozu er felbftver 
(ländlich noch jedesmal auch aufgeftatzt werden mußte. 
Das Gewölbe des Heinhaufes wurde durchgefchlagen. 
An Stelle des Flügclaltars kam ein höchft einfacher 
Altar aus der Capuzirier-Kirche in Tainsweg. Doch nun 
hat fich auch für den erwähnten Flugelaltar eine wohl- 
thuendc Hand in dein jetzigen hochiv. Herrn l*farrer 
von St. Michael gefunden, der den Altarfchrein mit 
der Holzflatuctte und das L'cbriggebliebene famincln 
und lammt den Flugelthüren rellaurircn und an der 
Stelle des Capuziner-Altars neu aufteilen ließ; die 
Central-Commifiion fagt hiefur Gott fei Dank. 

Die Kirche zu .S7. Miehael. eine der alterten im 
Lungau fic enthalt einen Römerftem (drei I'erfonen 
im Relief) ober dem Haupt Portale — foll von den 
vielen äußeren Heigaben befreit werden, die die Vorfahren 
des jetzigen Seelforgers dafelbft fammelten. Beachtung 
verdient der alte achteckige Karncr am Friedhofe. 

Ks heißt, dafs bei den Wildbachvcrbau Arbeiten 
im Lungau im Walde bei der Tu ferner -Alpe ein einem 
romilehen Meileiifteine ähnlicher Stein auf dem Wald- 
boden liege. 

■yj. (Xeuefle Tundcrgebniffe in Wien.) 

In den drei letzten Monaten haben die Krd 
arbeiten fur die neue Gasleitung in der Inneren Stadt 
Wien, ahnlich wie jene der Hochquellenlcitung vor 
nahezu 25 Jahren, zahlreiche Funde aus römifchcr Zeit 
zutage gefordert, deren Kenntnis dem Kifer und der 
Sorgfalt des Herrn Xowalsh de Lilia zu verdanken ift. 
Sic befthtigen theils altere Wahrnehmungen, theils ver- 
vollltanili^t n fic tlas Bild des reinlichen Wien durch 



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- 123 - 



Einzelheiten, welche fruherhin zwar vermuthet, aber 
durch Funde nicht belegt werden konnten. 

Von alten Matursugeu ift wohl der wichtige ein 
Reil der liuksfeitigen Umfaffungsuiautr des Stand- 
Ingers, den man vor dem Hanfe Nr. 3 der Bognergaffc, 
t|ucr über diefe flrcichcnd, 1-2 M. tief unter dem 
Pflafter antraf. Kr war 2 M. ftark, aus Bruchfteinen ge- 
baut, reicht noch viel tiefer in die Krdc und zeigte 
mannigfache Befchädigungcn. Vor dem Nachbarhaufc 
Nr. 5. alfo in nachftcr Nahe, lagen über l M. tief im 
Schutte große Baublöcke aus fehr hartem Gcftcinc 
wirr durcheinander, begleitet von einer großen Anzahl 
gebrochener römifchen Ziegel, von denen einige den 
Stempel der X. Legion trugen, üenau diefelben Kr- 
'fcheinungen hat man fchon feit Jahren in der Richtung 
der rcchtsfcitigcn Lagermauer, in der Kramer- und 
Goldfchmiedgajfe beobachtet. Sowie auf der rechten 
Seite das Erdreich der Bodenerhebung, auf welcher 
die Hauptmauer des Lagers ftand, durch eine äußere 
Stützmauer gefiebert war, cbenfo auf der linken Seite; 
hier iit die äußere Mauer fchon im Jahre 1874 vor 
Haus Nr. 7. ebenfalls quer über die Bognergaffe ftrei- 
chend, gefunden worden. Den weiteren Lauf der links- 
feitigen Lagermaucr deuten analoge Funde von zahl- 
reichen Baublöcken und Legionsziegcln im Schul/10/ 
und nhchft der Mündung der Currentgaffe in den Juden- 
platz an. 

Auch der nicht zum Standlager fclbft gehörende, 
eine fchiefe Ebene bildende Theil des Plateau. 1 ) zwifchen 
dem Tiefen Graben und dem Schulhof war mit einer 
Mauer umfchlofTen, die wohl erft in fpatcrer römifcher 
Zeit aufgeführt worden ift. Dies wurde fchon früher ver- 
muthet und jüngft beftätigt durch die Bloßlegung einer 
fehweren, fehr feft aus Bruchft einen aufgeführten Mauer 
von 2 M. Starke, welche von der Mündung drr Nagler- 
gaffe in die Frciung, nächft der Ecke des I faules Nr. 28 
der genannten Gaffe, <|ucr über den Hcidcnfchuß gegen 
das Gebäude der Creditanftalt verlief; iler Graben für 
die neue Gasleitung durchfehnitt fic in einem rechten 
Winkel. 

Der Htidcnfckuß lenkte diesmal die Aufmcrkfam- 
keit in hci-\'orragender Weife auf fich. Der Schutt wies 
hier eine fo große Anzahl von Bruchftückcn römifcher 
Ziegel auf, wie fie nicht bald an einer andern Stelle 
der Innern Stadt getroffen wurden, fic ziehen fich von 
der Frciung bis zum Haufe Nr. 5 Am Hof; erft von 
diefer Stelle an nehmen fic ab und zeigten fich bei 
Nr. 4 nur mehr fpärüch. Vor Nr. 5, an der Mündung 
des Heidenfchuß in den Platz Am Hof, gerieth man auf 
vier parallel zueinander in der Richtung des Heiden- 
fchuß ftreichende Mauern, der Mörtel mit Zicgcl- 
brocken gemilcht, über ihnen eine Schuttlage, die mit 
zahlreichen Ziegeln der Bedachung, aber auch mit 
Heizrohren aus Thon, Thierknochcn und Gcfaßreftcn 
durchfetzt war. Deuten diefe Ueberblcibfcl auf ein 
Wohngcbaudc hin, das fich bis in die Mitte der Fahr- 
bahn des Heidenfchuß irftreckte, fo verrathen die 
Funde in der Färber- und Ledererhofgaffe gleichfalls 
das Vorhandenfein bewohnter Gebäude. Quer über 
erftere ftrich zwifchen Nr. 4 und 1 eine Mauer aus 
Bruchfteinen, umgeben von reichlichem Zicgehnaterialc 
mit den Stempeln der X. und XIV. Legion. Die Schutt- 
decke ift hier nur fchwach ; in dem Humus unter ihr 
fand man die ganze Gaffe entlang bis zum Judenplatz 

XXIV N F 



Ziegel der X. Legion, Trummer von Amphoren und 
anderen Thongefaßen; wo die Farbergaffe in den 
Judenplatz mundet, gewahrte man Spuren eines 
Brandes: weiße Afchc, darunter Kohlen, unter diefer 
gelbliche Afchc, fowie Maucrreftc fpatcrer Zeit, für 
welche römifches Matcrialc verwendet worden war. 
Gleiches war in der Ledererhofgaffe wahrzunehmen. 

Andere Mauerzüge gehörten Gebäuden an, deren 
cinftiger Beftand fchon fridaer erwiefen war. So führte 
die Canalgrabung zwifchen Nr. 1 1 und 14 der Gold- 
fchmiedgafTc längs des Neubaues am liisgrubl auf die 
fudliche Mauer des römifchen Baues, von welchem beim 
Neubaue im letzten Jahre fchon einzelne Tlieile ge- 
funden worden waren; zahlreiche Ziegel, darunter 
fokhc der X. Legion, ferner Bruchftcine und Baublöcke 
fand man in 2 bis 4 M. Tiefe in der Mitte der jetzigen 
verbreiterten Goldfchmiedgaffc Der Nordfcitc diefes 
Römerbaues gehören die zahlreichen Ziegel und Bruch- 
ftcine an, die man vor Haus Nr. 9 der Freifingcrgaffc 
und diefe fclbft entlang bis zum Bauernmarkte hin an- 
getroffen hat. 

In der Gold/chmiedgaffe hatte man fchon bei der 
Hochquellenleitung (1 874) vor Nr. 6 und in der nächfteii 
Umgebung zahlreiche fchwere Blocke, Bruchftcine und 
Ziegel, Ueberrefte der dort durchlaufenden rechts- 
feitigen Umfangsmaucr des Standlagers gefunden. 
Neuerdings bot die Strecke von Nr. 2 bis Nr. 8 die 
felben Erfcheinungen; fie erinnern lebhaft an das in der 
Bogner-, Kramer- und Currentgaffe Gcfehcnc. 

Von großem Belange find auch die Slraßeurefle, 
welche man an verschiedenen Stellen wenigftens theil- 
weife bloßgelegt hat. Sie zeigen diefclbe Conftruction 
wie jene in Carnuntum: eingerammte Bruchftcine und 
Katzenköpfe, darüber eine feftgeftampfte Lage von mit 
Lehm vermifchtem Schotter. Ein größeres Stück kam 
vorden Haufern Nr. 5 und 3 der Heßgaffe zutage; es lag 
nur 50 bis 60 Cm. unter dem heutigen Straßenpflaftcr. 
Die Fortfetzung zwifchen Schottenbaftei- und I Ii lftr 
ftorferftraße war größtentheils zerftört; augenfcheinlich 
gehörte das Bruchft Uck der HeßgafTe der Hccresftraße 
am Donauufer an. Ein Fragment der von der Schotten- 
gaffe zum Rennweg führenden Straße kam auf der 
l-'reiung Nr. 4 (Palais Kinsky) zum Vorfchcin; auch hier 
nur einen halben Meter unter dem modernen Pflafter 
gefunden und in der gleichen Weife conftruirt, konnte 
es auf eine Lange von 4 M. verfolgt werden. In der 
Seizergajjfe zwifchen Nr. 2 und 4 wurde in gleicher Tiefe 
die Fahrbahn einer Straße, welche diefclbe aus Schotter 
und Lehm feftgeftampfte Obcrlagc zeigte, getroffen 
und 10 M. lang bloßgelegt; die Nahe der linksfeitigen 
Umfangsmaucr des Standlagers lafst kaum zweifeln, 
Jafs wir es hier mit einem Lagerwege zu thun haben. 
Endlich traf man in der SchuUrflrafie zwifchen Nr. 1 
und 2 die Unterlage einer Straße, zahlreiche Bruch- 
ftcine in fchwarzer Erde liegend, in der Richtung von 
der Ecke des Domhcrrnhofes gegen die Wollzeile. Zu 
beiden Seiten, namentlich vor dem Zwcttler Hofe und 
in der Schulerftraße Händen die Ziegelfunde fehr dicht, 
wahrend fie weiter von dem eben genannten Haufe 
gegen die Rothcnthurmllraßc, fowie von der Mündung 
der Domgaffc in die Schulerftraße abwärts rafeh ab- 
nahmen oder ganz aufhörten. In keinem der hier an- 
geführten Fälle konnte die urfprüngliclu- Breite der 
antiken Fahrbahn belbmmt werden, da die Canale für 

'7 



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124 - 



die Legung der Gasrohren zu fchmal find, um (ich über 
die ganze Breite der alten Straßenkörper zu crflrecken. 

Gräberfunde zeigten lieh auch bei den Arbeiten 
für die neue Gasleitung in der Linie der alten Straßen, 
Der Soldatenfriedhof auf dem Neuen Markte, der fchon 
zu Anfang diefes Jahres, beim Umbau des Hotel 
Munfch, berührt worden ift, ließ lieh nun bis zum 
Donnerbrunnen, bis zum Eingange in die Donncrgaffc. 
ferner in der Plankengaffc bis gegen die Spiegetgaffe 
hin verfolgen. Ueberall traten die gleichen Erfchci- 
Hungen zutage: größere und kleinere Bruchftucke von 
Ziegclplattcn, aus welchen die Sarge zufammengefetzt 
waren, Skelcttheilc, Fragmente gewöhnlicher Thon- 
gefäße und folcher aus Terra sigillata, alles durchfehnitt- 
lich einen Meter tief auf gewachfenem Boden liegend. 
Wahrend aber gegen das Hotel Munfch hin die Graber 
noch völlig erhalten waren, fand man fic an den ge- 
nannten Stellen zerdort und durcheinander geworfen. 
Andere Graber fand man vor dem Palais Hamich 
i Kreiling Nr. 3) in 12 M. Tiefe, nach den mitgefundenen 
Keßen von Bronze-Schmuck wohl ein Krauengrab, ferner 
an der Mundung der Bank- in die Merrcngaffe und in 
der Habsburgergaffe an der Ecke gegen die kaiferliehc 
Stallburg; alle zerftört und urfprunglich Ziegelgräber, 
mit Thongefäßen mehr oder weniger reich ausgeftattet. 

Eine der vorzüglichden Gräberflraßen fcheint jene 
gewefen zu fein, welche nächft der Augudinerrtraüe von 
der Linie Schottcngaffe-Kcnnweg abzweigte und in der 
Richtung der Seile rgaffe Uber den Stock im Eifenplat/. 
und durch die Rothciithurmdraße zur Donau lief. Ihr 
gehören auch die Graber an, welche man auf dem 
Stock-iui-Kifcnplatze nächft der Kärntnerßraße Nr. j 
(Hquitabtcj, in der Mitte der Straße, gegenüber der Ein- 
mündung der Singerftraße und in der Richtung der 
Axc der letztern aufgrub. Man fand hier 13 M. tief 
ein aus Steinplatten zufammengedelltcs Grab mit dem 
Skelete, dclTen Kopf gegen Suden gerichtet war und 
mit Reden der dem Todten beigegebenen Thongefaße. 
In der Nähe des Steinfarges, 15 bis 2 M. entfernt, 
kamen noch drei Skelete, jugendlich kräftiger Männer, 
auf den gewaehfenen Boden gelegt, in verfchiedenen 
Tiefen von 16. 19 und 21 M. zutage. Ein fünftes 
Skelet fand man in einem zerdorten Ziegelgrabe, 
welches nach dem Abdrucke der Ziegel in dem um- 
gebenden Erdreich die Eorm eines niedrigen Haufes 
mit hohem Dache hatte. Die Beigaben waren einfache 
Thongefäße; drei der Bcftattcten hatten den Kopf nach 
Nord, Nordoll und Nordweft. nur einer nach Süd ge- 
richtet; der letztere, frei in der Erde liegend, hatte eine 
Thonfchalc neben dem Kopfe. Ueber diefen Grabern 
wurden zwei alte ubereinandergclegte, allb in verfchie- 
denen Zeiten angelegte Straßenkorper gefunden. Unter 
dem heutigen Pfbdcr lag zunächd eine 70 Cm. Harke 
Schuttlage, unter diefer eine 30 Cm. mächtige Schichte 
von Kiefern, Sand und Lehm, die abfichtlich aufge- 
tragen und eingedampft waren, unter diefer endlich 
eine gleich ftarke Schichte, beliebend aus einem Guß 
von kleinen Kiefeln und Stucken von Eifen und Kupfer, 
alle zu einer Art von Beton zufammengegotien. Erll 
unter diefer Schichte lag der oben erwähnte Steinfarg. 
Auch in der Braunerßraße längs der Stillburg fand 
man Kelle von Gräbern, die aus Steinplatten zulämmen- 
gellellt waren, ferner in der Bankgaß'e. 



Allenthalben wurden an den fchon in romifchcr 
Zeit durch größere und kleinere Bauwerke oder durch 
Gräber ausgezeichneten Stellen Zicgelfunde gemacht, 
welche Stempel der X., XIII., XIV., XV. Legion, in 
neuerer Zeit auch der in I.auriacum Lorch bei Knns'i 
dationirten II. italifchen Legion aufwiefen. letztere mit 
dem Namen des Dux Ursicinus Fundftellcn von Ziegeln 
find: Stoß im Himmel, SalvatorgafTc (zahlreich». Tuch- 
lauben zwischen Steindl- und MilchgalTc (fehr zahlreich). 
Seitcnftettcngafle (zwifchen Nr. 2 und 3 zahlreich), 
Mölkerftcig. Heidenfchuß, Am Hof, Michaclerplatz. 
Hofburg (Rotunde), Bauernmarkt Nr. 7 und an der 
Mündung der Landskrongaffe, Singerftraße Nr. 5, Woll 
zeile Nr 3 bis 1 1, Fieil'chmarkt von Nr. 5 an. Dagegen 
haben lieh der Kohlmarkt, die Nordfeitc des Grabens? 
der Lichtenfteg, die Donnergaffe, Rothenthurmftraße 
längs des erzbifchof liehen Palais und die Strecke zwi- 
fchen jener Straße und dem Zwettlhofc. endlich der 
alte Fleifchmarkt bis Nr. 5 als fundlos erwiefen und 
fteht hier der gewachfene Boden nahezu bis zum heu- 
tigen Stcinpflaftcr an. Fr Kenner. 

60- Confervator Regierungsrath Dr. Much hat an 
die Central -Commifiion berichtet, dafs dixfclbc fich 
anläßlich eines im Spatherbde 1897 beim Canalbauc am 
Martahil fcr-Giirtel gemachten Fundes an Ort und Stelle 
zur Conftalirung desfelbcn begeben habe und darüber 
nach eigener Anfchauung berichtet. Thatfachlich 
wurden an der bezeichneten Stelle, rückfeits des Hanfes 
Nr. 53 in der W.illgalTe zwei Gräber vorgefunden, 
welche menfehliche (lebeine enthielten. Es laßt lieh 
wahrnehmen, dafs es fich hier nicht um ein fluchtiges 
Einfcharren von Leichen, fondern um eine regelrechte 
forgfältige Bcftattung handelt. Die Graber waren 
deutlich in die gelbe Grunderde eingefchnitten und mit 
von dem Löß deutlich ablochender dunklen Ackererde 
ausgefüllt. Von Sargen keine Spur, ob Gefäße oder 
Gefaßicherben dabei waren, konnte nicht ermittelt 
werden; vielleicht blieben fie der Aufmerkf unkeit der 
zuerft Nachforschenden entzogen. Von großer Bedeutung 
find dagegen die zwei überrafchend fehonen filbernen 
Gewandnadeln, eine Gürtelfchnalle und ein Spinnwirtel 
aus Bergkryllall Sie bezeugen, dafs die Leiche mit dem 
Gewände in die Erde gelegt wurde, dafs fie reiche Bei- 
gaben erhielt, die vermöge ihrer Beschaffenheit die 
Leiche einer vornehmen Frau vermittln!» laffcn. Alle 
diefc Beigaben geborten nur einer Leiche an, ob bei dem 
zweiten wenige Tage fpatcr aufgedeckten Skelete fich 
auch Beigaben befunden haben, id nicht ermittelt 
worden, doch fehr wahrscheinlich, entweder f'iul fie der 
Aufmerklämkeit der Kinder entgangen oder fofort ver- 
fclileppt worden. Die Funde gehören «lern 5. oder 
6. Jahrhundert an. alfo einer Zeit, aus der die Gcfchichte 
Wien's noch keine fieberen Nachrichten hat. Es i(\ wohl 
wahrfchcinlich, dafs die beiden Graber nicht ver- 
einzelt lind, obwohl bei der Fortfetzung des Canal 
baues nichts gefunden worden fein loll. 

61. Lensn'to bei Riva wurde eine römifche Be- 
grübnisdätte aufgedeckt, darin lieh einige Beigaben 
fanden. Die Fibula und ein Schmuckdück gehören 
ficher der fpätellcn römifchen oder romifch-fränkifchen 
Zeit an Eine dabei gefundene Münze von Gerbert III. 
Salis 1. d. in Neidendem (zwifchen 1722 und 1737 ge- 
prägt l kann nur zufällig in den Bereich des Grabes ge- 
langt fein. 



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Mittheilungen d. k. k. Centr.-Com. f. K. u. h. Denkmale, Jahrg. 1898, S. 125. Funde von Perau etc. 




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Frühgefchichtliche Funde aus den öfterreichifchen Alpen- 
ländern. 



Von Dr. M. M»<k. 



M.l . Taf.l ...,J jB T»flll.iArjtir,i»a ! 



I. 



Die Emailfibcln 




von Perau und verwandte Erfchei- 
nungen. 

JS wurde fchon im XX. Jahrgange diefer Zeit- 
fchrift, S. 95, kurz mitgetheilt, dafs bei dem 
Bau von Canalcn in Perau, einer Vbrftadt von 
Villaclt, Altcrthumsgegenftändc an den Tag gelangt 
find, welche die Aufmcrkfamkeit verftändiger Beobachter 
erregt haben, von diefeil dem Mufcum in Vitlach zuge 
wendet und dadurch glücklicher Weile vor Zerftörung 
und Verfchleppung gefichert wurden. Herr Correfpon- 
dent Emfi Pliwa, Direetor der dortigen gewerblichen 
Fachfchule, der ftets in ebenfo umfichtiger als bereit- 
williger Weife bemüht ift, die Aufgaben der Central- 
Commiffion zu fordern, hat über diefc Funde unter Bei 
(chluß von Lichtbildern erfte Mittheilung gemacht, der 
er fpäterhin vom Fachlehrer Slocker ausgeführte Aqua- 
relle folgen ließ, die einem Theile der beigefchtoßenen 
Abbildungen zugrunde gelegt find. 

Nicht alle Funde haben das gleiche Gepräge; 
fchon die Zufälligkeit ihres Frfchcinens laßt erkennen, 
dafs fie kein einheitliches Ganzes darfteilen; fie kamen 
bald da. bald dort zum Vorfchein, und deshalb ift es 
erklärlich, dafs einzelne aus verfchiedenen, um Jahr- 
hunderte auseinander liegenden Zeiten flammen, wie 
es im Boden einer feit langem bewohnten Stadt nicht 
anders zu erwarten ift. 

Zu den jüngeren Krfcheinungcn gehören ein 
Schlußel mit viereckigem Griffe, drei Sporne, von 
denen zwei mit Rädchen verfehen find, zwei Meffer, ein 
kleine* Beil, insgefammt Dinge, über welche wenig zu 
lagen ift; fie find fammtlich aus Eifen. Von ungleich 
größerer Bedeutung als diefe minderwerthigen Gcgcn- 
ftandc find einige Schmuckfachcn. Fibeln und Ohr- 
gehänge aus Bronze, oiler wahrfclieinlich richtiger aus 
Meffing, ausnahmsweife auch aus Kupfer. So einfach 
ihre Formen, fo unbeholfen und verwildert ihre kunft- 
mäßige Ausftattung auf den crft.cn Blick erfcheinen 
mögen, fo verdienen fie doch untere eingehende Auf- 
merkfamkeit, weil fie Zeugen find für die Ucbung und 
die Gefchichte eines eigenartigen Kunitz« eiges, nämlich 
der farbigen Ausfchmückung von Mctallgcgenftänden 
durch echtes Kmail (Feuer-Email), und zwar fowolil 
durch das Gruben-Email, als ganz in^befondere durch 
das Zellen Email. Für uns haben fie noch eine eigene 
Bedeutung, weil fie bis jetzt faft ausfchlicßlich in unferen 
Alpenländern gefunden worden find. 

Das erfte Stück ift eine gegoßenc Schcibcnnbcl 
von 58- -^o Mm DurchmelTcr (Taf I, Fig. 1). In dem 
kreisförmigen nur wenig über die äußere Zone er- 
hobenen Mittelfelde der Vurdcrfeite zeigt lieh ein vier- 
füßiges Thier mit zurück gewandtem Kopfe, wohl als 
Thier im allgemeinen erkennbar, doch von lehr roher 
Darftellung, den bekannten Thicrzcichnungcn aus 



fränkifch-merovingifcher Zeit nahe kömmend. Im 
Rumpfe und in den Gliedern find Linien punzirt, viel- 
leicht um die Muskelbildung anzudeuten. Die von der 
Geftalt des Thieres nicht eingenommenen Theile des 
Mittelfeldes find vertieft und die dadurch gebildeten 
Gruben, fowie die ebenfalls etwas vertieften Augen und 
die Nafc waren cinft mit grünlichgelber Patte ausge- 
füllt, die jetzt an den meiften Stellen theilweife auj-ge- 
bröfelt ift. Eine Grube jedoch, die in der bildlichen 
Wiedergabe dunkler gehalten ift, ift mit wirklichem 
glafigen und harten Email von dunkler blaugrüner 
Farbe ausgefüllt. 

Die innere Kreisfläche ift mit einer doppelten 
Zone umrandet. Die 10 Mm. breite innere Zone befiehl 
aus zweilappigen ! herzförmigen) Blättern, die mit 
rautenförmigen Figuren abwcchfeln. Rauten und Blätter 
find ebenfalls vertieft, fo zwar, dafs fie ein zellenartiges 
Au^fchcn gewinnen und mit der bcfchricbcncn fchmutzig 
gelbgrünen I'afte erfüllt, doch mit Ausnahme einer 
Raute, in der ebenfalls, fowie in einem Theile des 
Mittelfeldes echtes glafiges und hartes Email von blau- 
grüner Farbe haftet. 

Die I'afte hat ungefähr das äußere Ausfeilen des 
Schwefels, ift fehr bröfelig, nicht hart, brennt nicht an 
der Flamme, fchrnilzt nicht, fondern verkohlt mit wenig 
Rauchentwicklung und ohne Geruch zu einer krümeligen 
Maffe. 

Bekanntlich hat man fich zuweilen mit der Parte 
ftatt des Emails zur Auszier von Metallgegenftänden 
begnügt; das gleichzeitige Vorkommen von echtem 
Email und bloßer Parte auf einem und demfelben 
Schmuckrtückc muß befremden, läßt fich aber vicllei. ht 
dadurch erklären, dafs das Email durch den Gebrauch 
und etwa auch infolge unzureichender Hcrftcllungswcifc 
allmahlig ausgefallen ift, und von einem fpäteren 
Befitzer einmal, da er felbft das Email nicht herftcllen 
konnte, mit einer Palte erfetzt wurde. 

Die äußere 6 — 7 Mm. breite Umrandung trägt 
eine Trcmolirftich-Vcrzierung und ift nach außen hin 
fcliarf abgegränzt. 

Die nicht von Email oder Paftc bedeckten Stellen 
find fchwach und rauh patinirt, das Metall zumeift durch- 
feheinend. 

Die flache Ruckfeite hat ein Oehr zum Einhangen 
und einen Haken zum Einlegen einer Nadel, die jetzt 
fehlt, zufolge der Roftflecken aber aus Eifcn beftanden 
hat. Auf den Roftflecken zeigen lieh einige wenige, 
vom Koft durchfetzte Refte eines Gewebes. Die ganze 
Rückfeite ift blau und fchmutziggrün palinirt, am Rande 
haftet in formlofer Art eine ähnliche Maffe, wie in den 
Gruben der Vorderfeitc. 

Sodann fand fich eine gcgofl'cnc mittelgroße Sclici- 
benfibcl von 35 Mm. DurchmcfTcr (Taf. I, lug. 2). In dem, 
wie bei dem vorigen ebenfalls nur wenig erhobenen 
kreisförmigen Mittelfelde zeigt fich eine vollkommen 

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- 126 



verzerrte Figur, die wir allenfalls nach Maßgabe anderer 
Fibeln als eine Thicrgcftalt, vielleicht einen Vogel an- 
fprechen können. Die Gruben zvvifehcn den Gliedmaßen 
des Thieres bis an <!cn Rand des Keldes find mit Mais- 
gelbem echten (glafigen), doch fchon recht brufcligcm 
Email erfüllt. Die Umrandung, welche nach außen mit 
feharfer Linie abfchließt, enthalt eine einfache Ver- 
zierung in Tremolir-Stich ohne Email. 

Die flache Kiickfeite tragt eine eiferne Nadel, 
welche noch in Ochr und Häkchen liegt. Der vom 
Kifen der Nadel entwickelte Rofl hat auch hier, wie bei 
der vorigen Schcibcnfibel, und zwar in viel anfehn- 
licherem Maße zur Erhaltung eines Theiles des (Wollen-?) 
Gewebes, in welchem die Nadel gefleckt war, beige- 
tragen. 

Die ganze Vorderfeite, und zwar auch das Email, 
ift mit einem indigoblauen Ueberzuge bedeckt ; auch 
auf der Unterfeite zeigt er fich ftellenvvcife, fonft ift fie 
misfarbig und rauh. 

Es ill hier nothwendig, fofort über diefen blauen 
emailartigen Ueberzug eine Bemerkung einzuschalten. 
Es wurde vormals von Freiherr* H. v. Sacken 1 und 
von A. Ritter v. Francis* bei Befprechung der Gräber- 
funde von Kcitlach und auch auf anderen Seiten die 
Anficht ausgefprochen, dafs der blaue Ueberzug, der 
an diefen Gegenftanden wahrgenommen wurde, Email 
fei; erll Otto Tifehltr* äußerte fich dahin, dafs man es 
lediglich mit Patina zu thun habe, und fn feheint es in 
der That zu fein. Es ill allerdings richtig, dafs viele 
Eigenfchaften diefes Ueberzuges für Email fprechen, 
nämlich die Glatte und der Glanz, die in diefem Maße 
der Patina fonft nicht zukommen, die gleichmäßige 
blaue Farbe, die fich im Gcgcnfatzc zu der fchmutzig- 
grüneu rauhen Patina an den übrigen Stellen bemerk- 
bar macht, insbefondere aber die beinahe glasartige 
Harte, die dort, wo die Oberfläche glatt ift, fall dem 
Stahl Widerftand leidet. Dafs man es aber in Wirklich- 
keit mit einem nicht beabfichtigten Ueberzuge zu thun 
habe, beweift der Umftand, dafs er auch auf der Rück- 
feite, und zwar nur llcllenweife und unregelmäßig vor- 
kommt und ganz allmahlig in grüne Patina übergeht, 
fowie dafs er die ganze Vorderfeite, alfo auch das 
zweifellos echte Email bedeckt, welches dort, wo man 
ihn abhebt, zum Vorfchein kommt. Man hatte fich 
gewifs nicht die Muhe gegeben, die Vorderfeite mit 
einem Thierbilde und mit Verzierungen zu verfehen. 
die Gruben mit gelbem Email auszufüllen, um fchließlich 
alles, Thierbild, Verzierungen und Kinail, gleichmäßig 
abermals, und zwar mit einem undurchfeheinenden 
blauen Email zu bedecken und die ganze frühere 
Arbeit unnütz zu machen.* 

Ks handelt ficli hier offenbar um eine befondere 
Art von Patina, das Kupferindig oder Covellin, das Geh 
durch Verbindung des im Mcffing oder in der Bronze 
enthaltenen Kupfers mit Schwefel dort bildet, wo 
durch Verwefung und Zerfetzung thicrifchcr und 
pflanzlicher Stoffe SchwefelwalTerftoff entlieht. So 
feiten diefe Verbindung als Mineral ift, fo oft fcheint fie, 



' F f-ftiir-r r*« .Vr.+». l'rnei A nrii dluo** n unj Kunde au« htli 
»•••Ii« ZW, in Sied», iW*t,r KI l, S,»ur,oh««h«* Ott IL d.r 

W„ „«, AU.U„,i, d-, W.ircf, >..,i«„. lid. LXXIV >. <„;,. 

» .1 R.U., , lUmhl „Ur d» L«,.l»:,.l«ld .„,. KellUJ, in. 

A«. k. !"> Kmi.4.- ..»«,«,. (..!.. I«, l.rl .l,: L M^..„eilrli, Ikl. XII, >. s », 

1 ('*.■.. r , /_/*,W, i .r.-lii.v|,Jc,iiM..,I i!c, JcitTvIiet, An,K.r.>iKj|.<K if 
Oefcllklu.ll .1*1,, * s l|)t . 

> 1>,C K.i.rl .H u,i it. 'UM ,,r. Y.g <t «i„ |„ .ie.l«,«<-KtL.l.. n.t 

ri» Ovli If.n m.l .IrT, i;.I.r,;, s » , „„ k^r , , „• .t, ( < 



freilich nur in unbedeutender Menge auf alten Bronzen 
vorzukommen, worauf wenigftens die blaue Patina, die 
an vielen bemerkbar ift, zu deuten fcheint. Ein ausge- 
zeichnetes Beifpiel von Umfet/.ung des Kupfers an 
prahiftorifchen Kunden in Kupferindig wurde von 
Dr. Berwerth an einem bronzenen Palftabc und einem 
ungeformten Kupferftücke aus der Aufiedlung auf dem 
Salzbcrge in Hallftatt nachgevviefcn, die in einem ver- 
fchütteten, von Moder, Knochen und Schutt erfüllten 
Holzhaufc aus vorgeschichtlicher Zeit gefunden wurden.' 

Eine dritte Schcibcnfibel (Taf. I, Kig. 3) mit ly Mm. 
DurchmefTer zeigt im ziemlich erhöhten Mittelfelde ein 
vierfüßiges geflecktes pantherähnliches Thier mit 
zurückgewandtem Kopfe und erhobenem bufchigen 
Schweife. Die Darftcllung verräth eine gewandtere 
Hand. Die von ihr nicht eingenommenen Flächen find 
mit gelber Pafte ausgefüllt, was einft auch, wie die 
nußerft fpärlichen Rcftc erkennen laffen, bei den ver- 
tieften Flecken im Felle des Thieres der Fall war. Die 
UmfaiTung befiehl aus zwei erhöhten Keifen mit vier 
Reihen cingcfchlagener feinen Punkte, fo dafs fie für 
das freie Auge wie erhaben gekörnt ausfeilen. Die 
Rückfeitc ift misfarbig und rauh patinirt mit blauen 
glasartigen Flecken (Covellin) und mit Roftfleckcn, aus 
welch letzteren zu fchließcn ift, dafs auch diefe Fibel 
mit einer eifernen Nadel verfehen war. 

Eine vierte gegoffene Schcibenfibel (Taf. I, Fig. 4} 
flammt, obwohl fie nicht gleich den übrigen dem 
Mul'eum in Villach einverleibt wurde, von dcrfclbcn 
Fundflelle wie die übrigen. Der volle Durchmeffer 
betragt 53 Mm., das kreisförmige 25 — 26 Mm. haltende 
Mittelfeld ift mit einem in flachem Relief gearbeiteten 
Bilde erfüllt, welches eine gedrungene Gcftalt zeigt, 
die in jeder emporgehobenen Kauft ein vierfüßiges 
Thier mit kurzem dicken Schweife am langen Hälfe wie 
würgend hält. Die 11 — 12 Mm. breite Umfaffung enthalt 
vier nach der flehenden Geflalt orientirte Krcifc mit 
rothen vierblattrigcn vierpafsähnlichen Blumen im 
blauen Felde und mit einem runden weißen Mittel- 
punkte. Die Zwischenräume zwifchen den Kreifen find 
mit Arabesken im blauen Felde bedeckt. Die Blumen 
und ihr Fond, fowie der Fond der Arabesken find mit 
echtem glafigen Email ausgefüllt; bei den Blumen liegt 
das Email in Zellen, bei den Arabesken in Gruben, fo 
dafs hier Zellenfchmelz \cmail cloisonne) und Grubcn- 
fchmclz (cmail champleve) an einem Stücke erfichtlich 
find. Die äußerfte Umrahmung bildet ein feiner 
l'erlenftab. 

Die Rückfeitc ift flach, eben, hatte einft, wie 
deutlich lichtbar ift, Oehr und Häkchen für die Nadel, 
wahrfchcinlich nufgclothct. Zweifellofc Spuren von Roft 
weifen wie bei den anderen Fibeln auf eine Nadel aas 
Elfen. 

Das Material ift Kupfer, das einft vergoldet war, 
wovon die Spuren allerdings nur mehr im Mittelfelde 
ziemlich erhalten find. Die Rückfeitc ift misfarbig braun 
und grün und zeigt ebenfalls Spuren der Vcrgoldung- 
Die iiußerllc Unirandung ift in fpäterer Zeil abge- 
fchliffen, fowie auch ein feitliches Loch aus fpäterer 
Zeit flammen durfte. 

Endlich fanden (ich noch zwei Ohrgehänge (Taf. I, 
Fig. 51, je in einem Stücke gegoffen oder getrieben, mit 

< f f. H. kQ.tt,.. Cö»«lii» jW l'chiiuji PftudumorpKol« u. f. « . 
I.XXlSi IIJ d«, S>l.„„,.l,«„,hi« it, kj.f At:«l«», C d.r W.ffcnfth.fl,,, 



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- I2 7 - 



Halbmond oderfchild-formigcm Untcrthcilc, in welchem 
eine anfeheinend fymmetriiehe Linienverzierung einge- 
fchlagcn oder eingegraben, aber durch den Gebrauch 
theilweife abgefchliffen ift. An einzelnen Stellen ill das 
Metall crllchtlich, andere- haben eine misfarbige oder 
auch eine blaue harte Patina. 

Dicfc Ohrgehänge und die zuletzt befchriebene 
Schcibcnfibel (Fig 4) dürften zul'ammcngchörcn. 

Außerdem wurden noch zwei Fingerringe gefunden, 
wovon der eine kantig und glatt patinirt, der andere 
rund und nicht patinirt ift; beide tragen jedoch keine 
befonderen Merkmale an fich. 

Ueberblickt man die naher befchriebenen Funde 
in ihrer üefammtheit, fo zeigen lic unverkennbar ein 
gleichartiges Gepräge, fo dafs an ihrer zeitlichen Zu- 
f.unmengehorigkeil nicht zu zweifeln ilt. Die Fibeln gc 
hören insgefammt in die L'laflc der Schcibenfibeln, und 
wenn fie auch in ihrer Zierweife nicht ganz gleichartig 
find, fo deutet das liöchftcns auf vcrfchicderien Ge- 
fchmack oder Herkunft aus verschiedenen Wcrkftatten. 
nicht aus verfchiedenen Zeiten; was fie aber zweifellos 
miteinander verbindet, ift die Ausftattung mit echtem 
Email. Auch die Ohrgehänge gehören hicher; obwohl 
Tic ohne Kmail find, fo find fic doch einfachere Vertreter 
einer fonft ebenfalls mit Email verfchenen Claffc von 
Schmuckfachen. 

Es ift an fich fchon auffallend, dafs fich mehrere 
bis jetzt fo fcltene und doch fo gleichartige Dinge auf 
demftlbcn Räume, in derfelben Bodenfchichtc zu- 
fammengcfuiiden haben, was doch kaum dem Zufalle 
allein zugefchrieben werden kann, und man fragt nicht 
ohne Grund, was die Vcranlaffung hiezu gewefen fein 
kann. Nun zeigen fich, wie fchon bemerkt wurde, auf 
der Kückfcite zweier Fibeln (Fig. I und 2) deutliche 
Spuren von einem Gewebe in dem von der eifernen Nadel 
herrührenden Rolle. So lange die Fibel im Gebrauche 
ift, können fich folchc Gewebeeindrücke oder Gcwcbc- 
umhüllungcn, ja fclbft auch bloßer Roft nicht bilden, 
weil fie, abgefehen von abfichtlicher Reinhaltung, eben 
durch den Gebrauch ftets abgefcheuert werden. Diele 
Fibeln find alfo nicht zufallig verloren worden, fie 
mußten vielmehr mit dem Gewebe, in dem fic hafteten, 
das fic zufammenhiclten, alfo wahrfcheinlich mit dem 
ganzen Gewandflückc in die F.rdc gelangt fein, untl wir 
können ohne Bedenken annehmen, dafs dies auch bei 
der vierten Schcibcnfibel und bei den Ohrgehängen 
der Fall war. 

Dies führt uns zu der Vcrmuthung. dafs dicfc Funde 
wenngleich nicht als eigentliche Grabbeigaben gedient, 
fo doch wefentlichc Bcftandthcile der Kleidung ge- 
bildet haben, in der Verftorbcne an Ort und Stelle be- 
Hattet worden find, dafs fomit durch die Aushebung 
des Straßencanalc* in Pcrau eine Bcgräbnisftättc an- 
gefchnitten wurde. 

Dicfc Vcrmuthung wird zur Gcwifsheit durch die 
Zeuge nfchaft. des vermeintlichen indigoblaucn Kmails, 
in Wirklichkeit des Kupfcrindigs oder Covetlins, deilen 
Spuren auf allen Stucken zu beobachten find, und der, 
wie oben dargelegt wurde, nichts anderes ift. als eine 
Verbindung von Kupfer mit SchwefclwafferllorT, die 
fich hauptfachlich dort bildet, wo organifche Stoffe ver 
wefen, die fo oft zur blauen Färbung «1er gewohn- 
lichen Patina Vcranlaffung gibt, hier aber in ganz 



hefonderem Maße wirkfam gewefen ift. Dicfc Schmuck- 
ftucke find alfo nicht nur im Gewände deckend, fondern 
auch mit menfehlichen Leichen in die Erde gekommen, 
und es kann keinem Zweifel unterliegen, dafs es fich 
thatfachlich um Gräberfunde handelt. 

Auffallend ift es freilich, dafs in dem Fundberichte 
nichts von menfehlichen Gebeinen erwähnt wird, allein 
er beschränkte fich überhaupt auf die kurze Anfuhrung 
der befchriebenen Fundftucke, die, wie oben bemerkt 
wurde, nicht bei einer planmäßigen Ausgrabung, 
fondern bei Gelegenheit eines Straßenbaues zutage 
kamen. Man hielt die vielleicht vorgekommenen Knochen 
nicht für erwähnenswerth, oder fie find in dem ficher 
oftmals durchwühlten Straßengrunde längft durcheinan- 
der geworfen und vergangen, oder, was das wahrfchein- 
liehe ift und fall überall gefchicht, von den Arbeitern 
voreilig gefammelt und für die Spodiumfabrik beifeite 
gefchaflft worden. An eine Begrabnisftätte hat offenbar 
überhaupt niemand gedacht. 

Eine zweite Frage betrifft die Stellung, welche 
die Perauer Funde in der archäologifchen Hinterlaffen- 
fchafl einnehmen. Hicbei ift die Unterfuchung in dop- 
pelter Richtung zu pflegen, und zwar 1. im Hinblicke 
auf die Ausftattung durch die befondere Art des ver- 
wendeten Stoffes, 2. im Hinblicke auf die Form und 
und auf die Decoration durch die ornamentale Kunft. 
Zu diefem Zwecke ift es nöthig, verwandte Erfchci- 
nungen zum Vergleiche herbeizuziehen, wozu fich 
zunächft und in vorzüglicher Weife die bekannten 
Funde von Kettlack bei Gloggnitz in Nicdcr-Ocfterrcich 
eignen. Sie find an fich zahlreich und lehrreich genug, 
um in Betracht gezogen zu werden, umfomehr, als fie 
von zwei hervorragenden Forfchcrn, E. Freiktrrn 
v. Sacken und Otto Ti/chler, zum Gegenftandc ihrer 
Unterfuchung gemacht worden find. 1 

Schon der erftc Blick zeigt, dafs man in den 
Funden von Kettlach Gegenftände derfelben Art vor 
fich hat, an denen alle Einzelheiten der Perauer Funde 
wiederkehren. Zwar werden die feheibenförmigen 
Stücke von Freiherrn v. Sacken und Tifchltr nur als 
Zicrfchciben bezeichnet, und diefer bezweifelt aus- 
drücklich ihre Eigenfchaft als Fibeln; allein A. Ritter 
v. Franck, der erftc Bcrichtcrftatter über fic, berichtet 
ganz beftimmt, dafs bei ihnen die Rückfeite Spuren 
abgerofteter Thcilc, alfo der verloren gegangenen 
eifernen Nadel, aufweifc. welche keinen Zweifel lalTcn, 
dafs auch diele Fundftucke Fibeln find und vermöge 
ihrer Form zu den Schcibenfibeln gehören. 

Was den Stoff betrifft, aus dem fie hergeftcllt find, 
fo durften auch die Perauer Funde gleich jenen aus 
Kcttlach nicht aus eigentlicher Bronze, fondern aus 
Meffing beliehen; außerdem wurde auch reines Kupfer 
verwendet. In Perau wie in Kcttlach offenbart fich endlich 
auch die Kenntnis und Uebung der Vergoldung, die fich 
übrigens auch an Stucken aus anderen Fundorten feft- 
ftellcn läßt. Wie aus A. %'on Franck' s und de* Freiherrn 
<"'. Sticken Befchreibungen hervorgeht, find auf dem 
Mittelfelde der Scheiben fibcln in der Regel Thiere, fei 
es der natürlichen Erfcheinung mehr oder weniger 
entfprechend, fei es in verworrenen oder doch phan- 
taftifchen Zügen (Fig. »3 im Texte), theilweife auch mit 
zurückgewandtem Kopfe (wie beifpielsweife in Fig 6 
auf Taf. I) dargcftcllt oder breitendige oder Krücken- 

■ Sirlic rfiMf.il)> ,lte olictj s i7t. liefr;-:J,n<t«n SJ., !?'!<;*, 



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kreuze I Fig. 7, Taf, II. Einmal zeigen (ich auf einer 
Schcibenfibel vier in (ich gekehrte Doppelvoluten, die 
mit ihrer Kuckfeite aneinander geflellt find, fo dafs 
man darin - wenngleich ohne genügenden Grund — 
ein Kreuz mit lilienförmigen Enden vermuthen konnte 
(Taf. I, Fig. 81. Bei den größeren Scheibenfibcln ift das 
Mittelfeld gleich den Perauern von einer reicher deco- 
rirten Zone umgeben. Die mondfchildfonnigen Ohr- 
gehänge erfcheinen wohl in Kcttlach mehrfach in 




Hg. i.t iKtMtUcI, 1 



reicherer Ausltattung (Fig. 14 u. [5 im Texte), doch 
laßt Hefa mit Sicherheit vermuthen, dafs auch der Boden 
von l'crau, wo es lieh vorläufig nur um zufallige, nicht 
durch abfichtlichc Ausgrabung gewonnene Funde 
handelt, derartige Stücke birgt, weil fic fich auch noch 
an anderen Orten in Gcfcllfchaft von Scheibenfibeln 
finden. 

Was aber die Perauer Funde mit den Kettlachern 
und allen anderen, die noch zum Vergleiche herange- 
zogen werden, verbindet, ift die Verwendung von echtem 




Hg 14. [KatÜacfc.J Mg. 15 (Ktmlachi 



Schmelz, und zwar fowohl von Grubenfchmelz (email 
champleve) als von Zellenfchmclz (e-mail cloisonnc). 

Schon Otto Jtj eitler hat in feinem bei der gemein- 
famen Verfammlung der deutfehen und der Wiener 
anthropologifchen Gefelll'chaft im Jahre 1889 gehal- 
tenen Vortrage auf eine Reihe noch anderweitiger 
VorkommnilTe hingewiesen — die Perauer Funde waren 
damals noch nicht an den Tag gekommen — die er 
den Kettlacher Funden an die Seite Hellte. 1 Es find 
dies zuerft zwei aus einem Skeletgrabe in Fiafihbcrg 
< Kärnten) ftammende Stücke, eine Scheibe und ein 
Ohrgehänge mit halbmondförmigem Schilde. Die Mitte 
der Scheibe Taf. 1, Fig. gi) ift mit einer unentwirrbaren 
Zeichnung, doch jedenfalls einem vierfüßigen Thiere 
mit zurückgewandtem Kopfe erfüllt; im Fond find 

• O Ti/.Utr. XMMWu der WhMI A.,lklo(M,lü|if.hcB GeWIfrhafl. 
bJ XIX. g (l«4) 



Kcftc von Grubenfchmelz zu erkennen, die Randzone 
zeigt mit Schmelz ausgefüllte Zellen, die ein ähnliches 
geometrifehes Ornament mit hammerförmigen Figuren 
wie auf einer der Scheibenfibcln von Kcttlach (Fig. 1 3) 
bilden. Der halbmondförmige Schild des Ohrgehänges 
( Taf. I, Fig. 10) ift mit Grubenfchmelz und mit dem 
durch diefcs herausgehobenen Laubwerk bedeckt. 

Auf ein derzeit im Mufeum zu Salzburg befind- 
liches Ohrgehänge (Fig. 16 im Texte), deffen halb- 
mondförmiger Schild gleichfalls ein durch Schmelz hcr- 
gcftelltcs Ornament tragt, habe ich fchon vor längerer 
Zeit aufmerkfam gemacht. 1 Zufolge freundlicher Mit- 
theilung des Fräuleins M. Eysn befindet fich dort noch 
ein zweites ähnliches Fundftück. 

Ein gleichgeftaltetes Ohrgehänge, das zwar nicht 
mit Email verziert ift, jedoch feiner Art nach in diefe 
Claffe gehört und im befonderen den Perauer Stücken 
enlfpricht, wurde in Straßengel (Steiermark)* und ein 
andere- in Rrbesovie nachft Raigcrn (Mahren) 1 ge- 
funden. 

Hieher gehört auch eine Scheibe aus dem Reihen- 
gräbcrfcldc von Goifern bei Ifchl <Ober-Ocftcrrcich t , 
deflen Mittelfeld noch deutlich ein Thier mit zurück- 
gewandtem Kopfe erkennen lafst. Die Vertiefungen um 
das Thier waren cinft mit Email ausgefüllt, in der 
Randeiiifafluiig fehen wir, ähnlich der Perauer Scheiben- 




Hg 11.. (SaUborgl 



fibel, Fig. 2, einen zweimal neben einander laufenden 
Trcmoür-Stich.» 

Von großer Bedeutung ift ferner eine Scheibe aus 
dem Graberfelde von Thunau bei Gars im Kamp-Thalc 
1 Niedcr-Ocftcrrcich), aufweiche Cuftos Ssombathy auf- 
merkfam gemacht hat (Taf. I, Fig. 1 1). Im Mittelfelde ift 
deutlich eine Art von Krückenkreuz erkennbar, zwifchen 
deflen Armen der Fond mit Email ausgefüllt ift. Das 
Ganze umgibt zuuächft ein dunkelblauer Ring und 
außerhalb feiner eine Randzonc von Dreiecken au> 
verfchiedenfarbigem Schmelz. 4 Von den Bcglciterfchci- 
nungen aus diefem Graberfeldc find vor allem Schläfen- 
ringe und eine geflügelte Lanzcnfpitzc (Taf. I, Fig. 12' 
zu nennen, auf die ich noch zurückkommen werde. 

Eine fchr reiche Ausbeute an cmaillirteu Scheiben- 
fibcln und Mondfchild-Ohrgehängen ergab ein erft in 
neuefter Zeit geöffnetes Gräberfeld in Krungl bei 
AufTcc (Steiermark). Bedauerlicher Weife liegt über 

■ M. Mm. 4. KjnAhiftorifcher All». I. Tk.. Taf. XCVIII. Fi». IJ. 

* H'fimit/ü, Mitteilungen tief hiAorifchen Verein*» für Steiermark 
IUI. XII. S. Mf. 

■ // /'au/r*. Sitiungtbericbte ,1er Akadeuaie der WilTenfchaften in Wir: 
IUI XII, S. 4A7. iMele Orirgehauce find nickt emaillirt. Iltidik furukt »o»l 
tun »vergoldeten und verlllberten Stair-ilite« mden, Glas- und Horn-Korallen (mit* 
unter emailurO-, allein die icratelntllche Kfwuiturung wird kier in 6-cilith 
etwas unVUier Weife nur auf eiue Art der foeben genannten SchoaucVfachrn. 
die LiUk und lloru Korallen berufen, wenn hier überhaupt tun Fmaillirung die 
Rede fein kann, wa» i>.k beftreile. Ute OlirgetMnge gehöret nl.erdjngs in die 
UlulTe der S.hildohigebaugc ; da lind aus Silber und anfeheinend rait filigran 
verliert und uftVubai um ,ie:c» ;uugcr al» die FuiiJe. die um befcriaftigen 

• OU. li/tkUr MiltheUuilgeo der Wiener anlhioiwlojifthen GefelLAhaft. 
IIJ XX S im Fi, ,,. 

» iw, /■/.«/,,. a. a 0 . Bd.. XIX, « (iCjV 



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— 129 - 



«liefe wichtigen Funde unferer Heimat mir ein dürf- 
tiger, in fremder und fchr fehwer zugänglicher Sprache 
verfafstcr Bericht vor, der aus der Feder des vom 
ftcicrifchcn Landcs-Mufeum mit der Ausgrabung be- 
trauten Dr. Fifchbach herrührt. 1 

Bereitwillige Hilfe ermöglichte mir, daraus zu ent- 
nehmen, dafs bis zur Zeit der Berichterftattung in 
Krungl 102 Graber geöffnet wurden, von denen 59 mit 
Beigaben augeftattet waren Unter diefen befanden fich 
außer einer Eifcnfibcl, einer vogel- oder fifchförmigen 
Fibel un<l einer Fibel in Geflalt eines gleicharmigen 
fac,etirtcn Kreu7.es, ferner einer Anzahl von mit Perlen, 
Glas und fonftigen Anhängern befetzten Ohrringen, 
dann Schlafenringen, Fingerringen, einem Armring, 
einem MelTcr. Perlen u. f. w. noch acht Scheibennbein 
und neun Mondfcbild-Ohrgehänge. 

Eine diefer Scheibenfibeln fa. a. 0. Taf. III, Fig 4) 
zeigt einen unordentlich eingravirten oder cingefchla- 
genen aus Blättern hergeftcllttn Stein, der bei einer 
anderen aus Blei beflehenden Fibel (a. a. O. Taf. III, 
Fig. 7) forgfaltigcr gcftaltet ift; die übrigen fechs 
Fibeln find mit Email, und zwar wie es aus den auch 
nicht gelungenen Phototypien hervorzugehen fcheint, 
bloß mit Gruben-Kmail verlchen, doch geftattet die Un- 
klarheit des Bildes nicht, zu entfeheiden, ob nicht bei 
der einen oder der anderen auch Parte oder Zellen- 
Kmail zur Anwendung gekommen ift. 

Bei fünf Scheibenfibeln wird durch das Ornament 
ein Kreuz gebildet, doch in fehr verfchiedener Weife; 
auf der größten wird die ganze Vorderfeite durch ein 
Kreuz in Form des Maltcfcrkrcuzes mit einem runden 
Mittelfchilde, auf dem abermals ein Kreuz mit ftumpfen 
Armen erfcheint, eingenommen, fo dafs das Ganze 
gleich der Kcttlacher Scheibenfibel in Fig. 7 wie ein 
Ordenskreuz ausfieht. Aehnlich ift eine zweite 
Scheibenfibel ausgeftattet. Bei einer dritten fcheinen 
die Kreuzesarme lilienartig auszugehen, bei einer 
vierten ftumpf mit Neigung zu Kruckenenden; bei 
diefer letzteren zeigt fich auch je ein Punkt in den 
Winkeln. Uiefe mit einem Kreuze verzierten Scheiben- 
fibeln entfprechen den gleichartig ausgestatteten von 
Kcttlach; auf einer fechften Schcibenfibel (a. a. O. 
Taf. III, Fig. 3) erfcheint ein vierfüßiges Thier mit 
zurückgewandtem Kopfe im Mittelfelde, das von einer 
mit dem Tremolir Stich ausgefüllten Zone umgeben ift, 
fo dafs diefes Stück der Scheibenfibel, Fig. 3, von 
Perau faft aufs Haar gleicht. 

Auch die mondfchildformigcn Ohrgehänge von 
Krungl entfprechen jenen von Kettlaeh und I'erau in 
jeder Weife. Unter den neun dort gefundenen find vier 
(a. a O. Taf. V, Fig. 3 bis 6) imFonde mitGrubcn-Email 
verfehen, durch welches ähnliche arabeskenartige Zeich- 
nungen hervorgebracht werden, wie in Kettlach, drei 
M. a O. Taf. V, Fig. 7 bis 9) zeigen naehlaffig einge- 
fehlagene Ornamente von wenig beftimmter Eigen 
thümlichkeit gleich denen aus Perau. Auf zwei Ohr- 
gehängen endlich (a. a. O. Taf. V, Fig. 1, 2) erfcheinen 
auf dem halbmondförmigen Schilde gedeckte panther- 
artige Thier« mit zurückgewandtem Kopfe, erhobenem 
Schweif und Vorderfuß in einem Felde von lichter 
Ausfüllung, welche deutlieh an das pantherartig« Thier 
auf einer der Perauer .Scheibenfibeln |Fig. 3: ge- 
mahnen. 

• Oft' Fi/cAf.i Ar.hi.r,;n<ui t.tie»!.:. J«krir. >»',}. i. u.'. 



Von nicht zu überlebender Wichtigkeit ift die 
Thatfache, dafs in dem Grabcrfeldc von Krungl, alfo 
in Gefellfchaft der cmaillirtcn Scheibenfibeln und 
fchildförmigen Ohrgehänge auch eine Münze eines 
Kaifers aus dem 1 laufe Conflantins fich gefunden hat.' 

Ein ferneres hieher gehöriges Fundftück ift eine 
große mit Email reich ausgeftattet« Scheibe, die fich 
im ortcrrcichifchcn Mufcum für Kunft und Induftrie 
befindet, von einem Wiener Händler gekauft wurde und 
nach TifcliUrs Ueberzeugung wie die bisher besproche- 
nen ebenfalls aus Ocftcrreich flammt. ' Die Zeichnung 
auf dem inneren Felde diefer Scheibe ift fehr ver- 
worren; doch glaube ich der Annahme Tij'chUr's zu- 
ftimmen zu dürfen, der in ihr ein vierfüßiges Thier mit 
zurückgewandtem Kopfe zu erkennen meint. Die Rand- 
zone ift in vier Thcilc gctheilt und enthält viermal die- 
felbe Arabeske. 

Es ift vielleicht hier fchon am Orte, darauf auf 
merkfam zu machen, dafs die bisher besprochenen 
Scheibenfibeln und fchildförmigen Ohrgehänge aus- 
fchließlich aus Ocftcrreich und mit Ausnahme der 
Scheibenfibel aus Thunau und des viel jüngeren, alfo 
wenigftens zeitlieh nicht zugehörigen Ohrgehänges von 
Kybcsovic aus <len öfterrcichifchen Alpenländern 
flammen. Was von gleichartigen Erfcheinungen fonft 
noch bekannt ift, zeigte fich nahe an den Gränzcn 
diefes Gebietes. 

Eine fehr merkwürdige emaillirte Scheibenfibel 
bewahrt das Mufeum in der St. Ulrichs-Kirche zu 
Regensburg. Wie mir Profeffor Steinmetz, dein ich 
fchon fo manche werthvollc Anregung verdanke, mit- 
zutheilen die Güte hatte, fcheint das Bild diefer Fibel 
auf der Vorderfeite einen Greifen darzuftellcn, deffen 
Flügel allerdings nur durch mehrere vom Rücken 
fchräg auffteigende parallele Linien angedeutet find. 
Dagegen ift der gefleckte Körper, der Hals, die vier 
mit Krallen verfchenen Füße, der erhobene Schweif 
gut erkennbar, der Kopf aber mit den beiden durch 
rothe Emailfleckcu angedeuteten Augen wieder grau- 
fam ausbildet. Die zwifehen den UmrilTen des Thieres 
den Fond bildenden Gruben find mit opakem rothen 
und gelben, dann fchr durchscheinendem lichtgrünen 
und etwas weniger; durchläfiigem blauen Email erfüllt 
gewefen. wovon jetzt manches fpröde geworden oder 
ausgebrochen ift. Die nicht cmaillirtcn Flächen zeigen 
brauugoldige Bronzefarbe. Das Mittelfeld hebt (ich 
von dem in kleinen Bogcnlinien gekerbten Rande durch 
eine ringsum laufende Vertiefung ab, die ebenfalls hell- 
grün einaillirt gewefen zu fein fcheint- Die Riickfeite 
ift flach, kupferbraun und hat an zwei gegenüber liegen- 
den Stellen zwei feine Plättchen eines andern Melalles 
aufgefetzt, offenbar die Rcftc vom Nadclhaltcr und vom 
Häkchen zum Einlegen. Spuren von Roll fcheinen an- 
zudeuten, dafs auch hier die Nadel von Eifen war. Mit 

1 Dl!,. .'. it., i, Aicl^e.l»«:.. I ttr-llS, J..I|I|- lS.j 7 , S ■ , T.if VI 

Kit : . 

: ' ,-u- iijriirr, MiHb.il-..Hic« >Ur Witirer Amlin r" I"«"' '>"'< < -c;r: I 
fjl.n'i, Il.l XIX. S i>V. tht.c S.hcil.r oilien« h Ii. Ii. » i'/.KU,- 

ij. Sli^ tim.. rll, r S^.ir fir.rr rin^t vnrhj r.iie nrn N.vJel nl.rr \.„ K r« n c r 
lil'ftiicp V.ifTi.ilituni; mrr« A™'innKMi • ■•Jcr Hef^n laE^ri. »ie et*.. eit'" . «Mi ".l- t 
n.irli Tiilf r:n'i l.'irKr* mit A u fr. i : r .-Iii«! VhmiY >;.Jei «i^e- Kl.imimr t". r 
einen kiTncr-, aileJfl fehr vi* l« S.:S t ibe iit,fe.e!«i L<ft;inden An* / » c i S-:ieiVi, 
riiier ^ordern mit dfn On> viieine.-i urcl einet :u l*u::i^c. m t ,1er SrKlet, 
*(':>if dur-ih i{f meini.im*« Unil'un;* Ii n-.iitel. ein-;» ll!c-:liftte.|*io. wie i |:. 
Lei 'Irr t<f. hinten S-.l«.l.«..lil.«l n.ii KimenuiKluiti OllKn'en .'.i.Jn/.Ui. 
Alleithiinier, II, II, '-. i »I /tiLnriii enpehiWcn fc.u konnren 

ISei .J.efcs U'-i . ain hUKul.s |,|« tkk ilie M,.,li. I,U,I. iU(. = .lic.c 
^ilieil.r -ilic IlLcL /ekelet, le. M,,.li it.itii:, (ell^.i.Itcn l. nu> tue Ii T ul, j-::le 
.liniere \ t,ir.:lilun^ luj iten <>rlit juili £-'-ixlli Ii leile 



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- i 3 o - 



dicfcr cinaillirten Schcibcnfibel zugleich wurde ein 
eiferner Skramafax (cinfehneidiges fränkifchbajuvari- 
fches Kurzfehwert) gefunden, der lieh ebenfalls im 
Mufcum zu Re^ensburg befindet. 

Herrn Profcffor Steinmetz verdanke ich ferner die 
Mittheilung, dafs auch das Nationalmufeum in München 
eine folche Schcibcnfibcl befitze; näheres konnte ich 
von dort nicht in Erfahrung bringen. 

Es ift keineswegs ausgefchloffen, dafs int Gränz- 
gebietc jenfeits Sahach und Inn noch manches derartige 
Stiick zum Vorfchein kommen wird, weiter im Wellen 
hin fehlen fic aber gänzlich Denn fo überaus zahlreich 
in den füdlichen Landern des deutfehen Reiches 
Scheibenfibcln vorkommen, fo fehen wir an ihnen doch 
nur Einlcgung mit Steinen und Glas (Verrotcrie eloi- 
sonne) in Uebung; es ift aber dort noch kein Stiick 
gefunden worden, das wie die hierländifchen mit 
echtem auf dem Gcgcnftandc fclbft eingefchmolzenen 
Email ausgeftattet wäre. Ebenfo fcheinen wohl in den 
Kheingcgcndcn Ohrgehänge ziemlich häufig vorzu 
kommen, deren untere Hälfte halbmondförmig ausge- 
trieben ift, allein fic find ganz oder faft ganz fchmuck- 
los', und es bleibt fraglich, ob überhaupt zwifchen diefen 
und den unfrigen ein entwicklungsgemäßer Zufammcn- 
hang beftcht. 

Mehr Erfolg hat eine Umfchau in der Richtung 
nach Orten, wo wir in derThat diefelben Erfcheinungcn, 
doch im Verhältnis zur Häufigkeit unferer heimatlichen 
noch immer recht fparfam wiederfinden. Obgleich wir 
nämlich in Ungarn in der Zeit der Völkerwanderung 
und in den folgenden Jahrhunderten dem Email auf 
Gold zuweilen begegnen, fo find doch cmaillirtc 
Scheibenfibcln und Ohrgehänge bis jetzt fcltene Er- 
fcheinungen. 

Ohne allen Zweifel hierher gehörige Stucke, und 
zwar zwei Scheibenlibeln und ein Ohrgehänge wurden 
zu Dtlta im Tcmefcher Banatc gefunden. 1 Das Kmail 
bildet hier einen reich ausgeftatteten Fond, aus dem 
fich das Metall, bei der großem als arabeskenartige 
Vcrfchlingung heraushebt. Das Ohrgehänge ftimmt mit 
jenen aus Krungl und Kctllach vollkommen überein. 
Figürliche Dnrltellungen fehlen. 

Eine andere Schcibcnfibcl, auf der einphnntaftifches 
greifartiges Thier mit rückwärts gewandtem Kopfe 
und erhobenem Schweife ohne alle Umrahmung dar- 
geftcllt ift, wurde zugleich mit einer Spatha, mit Steig 
bügeln und anderen Dingen von Kefthelyer Art in 
einem Gräberfelde zu Salamon (Comitat Ungl* und 
eine vierte mit recht naturgetreuer Darflellung eine* 
Rehes, ebenfalls ohne alle Umrandung zu Ssass Mo- 
nostor ohne aufklärende Beigaben gefunden * Da 
nähere Hefchreibungen noch ausliehen, fo war ich 
nußer Stand, zu ermitteln, oh bei ihnen Email wirklich 
vorhanden ift; möglicher Weife hat es bei diefem fowic 
bei zwei mondfchildförmigen Ohrgehängen aus Gold 
gefehlt, deren Rand mit Goldkugeln befetzt ift und 
auf denen je ein Vogelpaar (Pfauen und Schnepfen) in 
durchbrochener Arbeit dargcftellt ift ' ilampel weilt (ic 
dem 6. bis 7. Jahrhunderte zu. Dagegen erfcheint 
zweifellos echtes Email auf einer ein längliches Vier 

1 !. Lmltm i^it. II« lT.u cli .Ift It.utM.cn Vllt.th ,ou».,.> le. S. l«r. 

im. xii, y>s 1 

' A'i-.ii- / , Arrh. Irl-ili |H / S, ajfi. »in i tu. ) 

1 .1 ,V;l>.i'J. Ar 1. I u. . - S 114 Iii: ; 

• Ar.V i:,l...,l,i, .5;. f. I, ( .„ 

' 7 l/..»';.!', At. Ii Kil-i l*. iB>( S a; t <£ 



eck bildenden I'ibel. Auf dem ftark heraustretenden 
gleichfalls vierfeitigen Mittelfelde find zwei vogel- 
ahnlichc Thicrc (wahrfchcinlich Hahne) dargeftcllt, die 
einander gegenüber ftchen und von einer Pflanze zu 
pflücken fcheinen. Das Email überragt die Flache der 
Zeichnung, ift alfo noch nicht abgefchliffen, das Ganze 
l'oiiäch unvollendet, was für die Ermittlung der Er- 
zcuguugsftättc nicht ganz bedeutungslos ift, da un- 
fertige Gcgenftändc nicht im Handel vorkommen oder 
fich doch nicht weit von der Erzeugungsftätte ver- 
lieren.' 

Auch jenfeits der füdlichen Gräme treffen wir, 
freilich noch feltener, auf verwandte Erfcheinungcn. 

Dort fand 'H fehler im Mufcum zu Udine ein 
Schildohrgeliänge mit grünem und weißem Email, 
welches aus Caporiaeo, alfo aus dem Gebiete des ein- 
fügen langobardifchen Herzogthums Forum Julii (Civi 
dalc), flammt. 1 

Mit dicfcr Aufzahlung der bis jetzt bekannten 
emaillirtcn Scheibenlibeln und Ohrgehänge find die 
Funde diefer Art offenbar keineswegs erfchopft; wahr- 
fchcinlich liegen noch manche, unfeheinbar wie fic find, 
in öffentlichen und perfoulichen Sammlungen, andere 
winl der Erdboden noch herausgeben, wie es vielleicht 
mittlerweile in Krungl noch weiter gefchchen ift. Schon 
aus ihrer Hefchreibung find viele ihrer gemeinfamen 
Züge hervorgetreten; was fic insgefammt verbindet, ift 
die Verwendung von echtem Schmelz oder Email, und 
zwar nicht nur von Grubcnfchmelz (Email champlcvef, 
fondern auch von Zellenfchmclz (Email cloisonne). was 
umfo bedeutungsvoller ift, als der Zellcnfchmelz im 
mittleren Europa, wenn vielleicht nicht zum erften- 
mal überhaupt, fo doch an Schmuckfachen der bc 
zeichneten Art und in größcrem Umfange der An- 
wendung erfcheint 

Für jene, denen urgefchiehtliche Schriftstücke 
fern liegen, feien die wiclitigften Stellen aus dem oben 
erwähnten Vortrage Ti/chlefs, der fich mit dem 
Studium der Technik und der Gefchichte des prähifto- 
rifchen Emails am cingehendften hefchaftigt hat, hier 
wiederholt. Er fagt bei Vorwcifung eines derartigen 
Fundftückcs, nämlich der Scheibcnfibel von Flafchbeig, 
Fig. 9: ,.Sic finden reichliche Relle von Email, ein 
opakes rothes Ziegel-Email und um das Thier - (im 
Mittelfelde) „Flecken von mccrblaucm transparentem 
Email, dies alles in der alten Technik des Gruben- 
fchmcl/.cs (Email champlevc). Befonders wichtig aber 
ift die Randzonc, in welcher hammerförmige abwech- 
felnd mit rothem und gelbem Schmelz ausgefüllte Zellen 
in einer vertieften mit dunkelkobaltblauem Email au»' 
gefüllten, dieZwifchenräumc füllenden Zone aufeinander 
folgen. Die Emailrelle find zwar mangelhaft, genugen 
aber, um die Zeichnung voUftändig deutlich erkennen 
zu laffen. Von befondercr Wichtigkeit ilt es nun, dafs 
die Hammcrfiguren durch dünne eingelothete Bronze 
Blechft reifen begränzt werden, dafs man in der ver- 
tieften Randzone eingelothete Zellen hat. Es tritt alfo 
hier echter Zellenfchmclz auf (Email cloisonne), wo das 
Email in aufgclöthete Zellen eingetragen ift. neben 
Grubcnfchmelz (t hanipleve). wo das Email in Gruben 
eingetragen ift, die durch den Guß oder durch Cifelirung 

1 'i H>-?rl<J< \r-.h Ktlr.it.". > tly t S 17 Vit- f- 

: /V'.AiV. Mil.l.f.lu^B". ilrr W^cnrr Aiilllf ,.|.ol.>K)K l.t .. l'.efV"- 

I. ■-.<■: l'.-i M\ 5 .• ,•„, 



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- 13' - 



hcrgeftellt find, und darin beficht unter anderem 
die ganz befondere Wichtigkeit diefer Zierftückc. Iis 
tritt eine ganz neue Technik im Gcgenfatz zum Email 
der Kaifcrzcit auf. Auch das Material ift ein ver- 
fchiedenes: das opake Roth bleibt wohl dasfclbe, 
Zicgelglas ; aber mccrblau. dunkelblau, gelb find viel 
transparenter, mit mehr Glasglanz, wie es fchon das 
bloße Auge ficht, wie es aber noch viel mehr unter 
dem Mikroskope beim Dünnfchliff hervortritt." Ferner 
fagt er ausdrücklich im Gegenfatze zur Meinung des 
i ; rciherrn von Sacken: „Und dann find die Glas- 
ftückchen nicht mittels eines braunen Kittes eingekittet, 
fondern wirklich cingcfchmolzen, alfo echtes Ismail, 
welche da, wo fic nicht ausgewittert, die Fugen voll- 
ftandig ausfüllen, wie man befonders bei fchwachcr 
Vergrößerung leicht erkennt." Kr fchlicßt fodann: „Es 
ift daher eine Thatfache von hervorragender Wichtig- 
keit, dafs nur hier im Often" (im Gegenfatze zu dem 
gcrmar.ifchcn Weiten, zu Gallien und Groß-Britannien) 
„zu diefer Zeit eine eigene Claffe von emaillirten Ob- 
jekten auftritt in Bronze, mit eigentümlichem Style und 
zuinTheil mit einer neuen Technik, dem Zcllcnfchmelz. u 
Ich habe nach diefen Bemerkungen noch auf- 
merkfam zu machen, dafs auch fchon eine nennens- 
werthe Reihe von Farben, nämlich roth, weiß, gelb, 
blaugnin und dunkelblau, fcdgcfleltt ift, die man dem 
Email zu geben vermochte; dafs aber neben diefer 
Vervollkommnung der Emailürkunft noch immer die 
Ausfüllung mit Parte, wenn auch vielleicht nur als 
Nothbehcir geübt wird. 

Es erübrigt hier nur noch einiges über die An- 
ordnung des Emails zu bemerken. Aus faft allen 
Stücken ergibt fich die Abficht der Künftler, wenn wir 
fie fo nennen dürfen, auf der Vorderfeite eine als fclb- 
ftandiges Bild gedachte figuralc Darftellung — zumeift 
eines Thicres — oder ein Kreuz zur Anfchauung zu 
bringen. Bei den kleineren Schcibenfibcln wird die 
ganze Flache dafür in Anfpruch genommen und es 
bleibt nur ein einfacher oder mehrfacher Perlcnkrcis 
oder eine fchmalc, etwa mit dem Trcmolir-Stich aus- 
gefüllte Randzone. Der freie Zwifchcnraum zwifchen 
den Gliedmaßen des dargcftelltcn Gcgenftandcs, bc- 
,.ichungswcife zwifchen den Kreuzesarmen (Feld oder 
Fond) ift in den meifteii Fallen mit Grubcnfchmclz, 
feltcncr mit l'afle ausgefüllt. Hei den größeren Schciben- 
fibcln dagegen wird das Mittelfeld von einer einfachen 
oder doppelten Zone umfchloflen, und diefe ift es. wo 
Zcllenfchmelz allein oder abwechfelnd mit Gruben- 
fchmclz zur Anwendung kommt. Den alten in Email 
arbeitenden Künftlcrn war es offenbar zu fchwicrig, 
mit der Einlöthung der Zellen den unregelmäßigen 
Umriffender verworrenen phantaftifchen Thicrgcftalten 
zu folgen, weshalb fic fich bcfchr.inkten, Zellen zur Auf- 
nahme von Email nur dort herzuflellen, wo es fich bloß 
um eine rein geometrifche oder eine zwar Pflanzcn- 
vorbfldern entnommene, aber einfache und der geo- 
mrtrifchen fich annähernde Decoration in regelmäßiger 
Wiederkehr handelte. 

Von den Ohrgehängen haben einige nur einfache 
mit wenig Sorgfalt eingeschlagene Verzierungen auf 
dem Schilde, bei anderen ift auch hier Email, doch aus- 
schließlich Grubcn-Kmail zur Ilerftcllung eines bunt- 
farbigen Grundes in Anwendung gebracht, aus dem 

XXIV v K. 



fich einfache Arabesken oder Thicrgcftaltcn in Metall 
herausheben. 

Dicfclbe nahe Verwandtfchaft in der tcchnifcheii 
Ilerftcllung und in der raumlichen decorativen Aus- 
ftattung zeigt fich endlich auch in den als fclbftändiges 
Bild fich gebenden figuralen Darftellungen auf ilem 
Mittelfelde der Scheibcnfib.cln und auf den Schildern 
der Ohrgehänge aus allen bisher angeführten Fund- 
orten. Wir fehen da adler- und hahn-artige Vogel und 
vierfüßige Thiere, theils in dem phantaftifchen Formen- 
ftyle der Völkcrwandertingszcit, theils in einer der 
naturlichen Erfchcinung fich annähernden Darftcllungs- 
weife. 

So fchr jede Beziehung unferer Schcibenfibcln 
und Schildohrgchangc zum W erten, foweit es fich um 
die Anwendung von echtem Email handelt, zu fehlen 
feheint, eine fo nahe Verwandtfchaft tritt uns dort in 
Bezug auf die künftlerilchc Ausführung — wenn bei 
der kindlichen und deshalb phantaftifchen Darftellungs- 
weife von einer folchen die Rede fein kann — ent- 
gegen, was fich felblt bis in bedeutungslos fcheinendc 
Einzelheiten erftreckt. 

So mußte es fchon bei der Hefchrcibung der 
einzelnen Fundftückc auffallen, dafs auf ihnen fehr viele 
Thiere mit rückwärts gewandtem Kopfe dargeftellt 
find. Der Vorliebe für diefe Geftaltung begegnen wir 
auch aufScheibcnfibeln aus füd-dcutfchcnGrabcrfeldcrn ; 
fo zeigt zum Beifpiel eine folche Fibel aus dem Keihcn- 
grabcrfclde von Beutclsbach (Württemberg) ein vier- 
fußiges Thier' oder einen Vogel (Adler) mit rückwärts 
gewandtem Kopfe* und einen ahnlichen Vogel eine 
Scheibenfibel aus dem Gräbcrfeldevon Wiesoppcnhcim 
(Muf. Worms) 3 . Es ift der Zeitbeftimmung wegen zu be- 
achten, „dafs zugleich bei diefer Art von Schcibenfibcln 
barbarifchc Copien romifchcr Darftellungen zutage 
kommen, wie die INVICTA ROMA auf den Scheiben 
von Dotzheim und Waiblingen, oder beinahe unver- 
kennbare Nachbildungen romifchcr Münzen, wie bei 
jenen der Friedhöfe von Andernach und Mainz", was 
darauf hinweift, dafs die Römcrhcrrfchaft nicht allzu- 
lang vorher ihren Abfchluß gefunden haben kann, 

Auch an anderen Orten begegnen wirThicrgefiallcn 
mit zurückgewandtem Kopfe, fchon in fchr früher Zeit; 
fo zum Beifpiel auf einem kelchartigen Becher, der in 
einem der Grabplatzc von Nordrup bei Ringfted (See- 
land) zugleich mit Gcgenftimden der dimifchen altern 
Eirenzeit, die der römifchen Kaifcrzcit entfpricht, ge- 
funden wurde* 

In Pannonien flößen wir auf die Vorliebe, Thiere 
mit rückwärts gewandtem Kopfe darzuftellen, gleich- 
falls fchon in einer Zeit, die der Römcrhcrrfchaft noch 
nahe gelegen fein muß, fo zum Beifpiel auf iminzen 
artigen Knöpfen aus dem Graberfeldc von Szirak 
(Nögrad M.). in deren Gcfellfchaft eine Münze aus dem 
Haufe der Conftantiner gefunden wurde. 1 Ferner auf 
einer Riemenzunge (oder Gürtclbcfchlag) im Graber- 
feldc von Csunyi (Mosony M.) 8 ; auf einer Schcibenfibcl 
bei einer cifernen Spatha und Steigbügeln in Sakinion 

• /-. UmJin/iltmit. Alimhüarfr, I. XII I. I. 

> /.. UtUtKhkiHtt. lUndbuik. Iii XXI Tis. J. 

• / /.inUrn/ctmil. Ii»itdt>u>-tl. 1*1 XXI. Vn. !-. 

• iirn'7 Pttmrn. U,»vj>Ud»eii tia Oes AeUlc J-ffl<-.l.L.f ^.,1 N"P-.li.. t - 
Mirlt. Knrdi.kt l-uM.l.-modcr I \UÜt Ullt l. UJlJ I »I Ii 

> An Ii - K.„<l«.c<.)cl. IM. XIX. S (*. so. »I. »i. )i 

• A^h Kuileawny.k. IM XIX. S 97 » >« 3. « 

IS 



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'32 



^Ung. M-)'; auf der Platte von Fingerringen' und auf 
Riemenzungen aus Nagymänyo, auf denen die Dar- 
ftellung fchon völlig in die bekannte Thicrverfchlingung 
übergegangen ift. 3 liin Thierbild mit zurückgewandtem 
Kopfe fehen wir auch auf einem Gold-Bra&catcn aus 
dem merowingifchen Gräberfelde von Sinsheim.* 

Derlei phantaftifchen Thicrcn mit rückwärts ge- 
wandtem Kopfe begegnen wir auch noch auf Arbeiten 
aus etwas fpäterer Zeit, unter anderen zweimal 
auf eifernen frankifchen Acxtcn, beidemal wahrhaft 




Fig. 17. 'Schauenburg. Ober Oeflerrelcb. >;'»■) 



prachtig aus aufgelothctem Silber und fo überein- 
Itimmcnd ausgeführt, als ob fie aus dcrfelben ge- 
wandten Hand hervorgegangen waren. Die eine diefer 
Aexte (Pig. 17) wurde in Schauenburg (Mühl viertel, 
Ober-Ocftcrrcich), 1 die andere am Ofterbcrge bei 
Guben (Laufitz) gefunden.* 

In dcrfelben tcchnifchcn Ausführung] mittels auf- 
gelötheten Silbers auf Kupfer erfcheinen derlei Thicrc 
mit rückwärts gewandtem Kopfe — die Gliedmaßen 
in verfchlungcne Theile und Ranken auseinander ge- 



1 



zogen — auch auf einem anderen Kleinode unfercs 
heimatlichen Alterthums, nämlich am Mundfaumc des 
beruhinten Kelches (Fig. 18), welchen der Bajuvaren- 
herzog Thaffilo feiner Stiftung Kremsmiinfter (777 
n. Chr.) fchenkte, 7 und noch unter den Steinbildwerken 
der zerftörten Bafilika von Knin (Dalmatien), deren 
Rede fo lebhaft an langobardifchc Stylrichtung ge- 
mahnen.* 

* A. SiJrAti, Arch. f.rt..lij, Jahrg i%fi, S. 1)4. Fig. 7. 

* Aren r-rletan. Jahrg. 1I90, S 6a. 

* M. IfnimtN, Are». Krtctil/i, Jahrg. liyn. 5. 431. 

* L. l.im<tin/.-kmit, Handbuch. Taf. XII. ttg. lt. 

* Friiktrr Sa ♦ «■«. Fuad« germanifrher Walfenfttliike, atitihci 
lungeu der Caairal-CiMniaiffion für KuntV und kiftortfebe L>euhtt»«'e, Neu« 
Folg«, Bd. V. S. XUX, fit 3 Freiben «•» Sick» v«r«eiH Ai la da« 6. b>« 
9 Jaftrhundaet. 

* L. UwdrnfckmU, All«rthuai«r, Bd. IV. Tat. 41. Llodeafchaul «er 
weift Ii« in daa j. bia I. jahf hundert. 

' Mittaailungeei dar Central Commilnjun für Ku«A und hlfturifrh« 
Pukauk. Jahrg. ilio. Taf. I und S. U, Fl«, 1«. 

* F. Bullt, Hnairti ap^mtnici u Knii,.U, »kollci, Taf. 11t, F.g ,j. 



Einer noch jungem das 8. bis zur zweiten Hälfte 
des 9. Jahrhunderts umfafTcndcn Zeitperiode gehören 
derartige Darftcllungen von Thicren auf münzenartigen 
Anhängern an, die aus Kurganen des Gouvernements 
St. Petersburg 1 und aus dem ehemaligen Gebiete des 
finnifchen Volksftammcs der Merier an der obern 
Wolga flammen.* Dicfc letzteren Schmuckgcgenftändc 
find offenbar Zeugen eines von Schweden aus geübten 
tiefgreifenden Einflußes der Nord-Germanen auf die da- 
mals rein finnifchen Bewohner jener Gegenden, der 
durch das gleichartige Vorkommen nordifcher Schalen- 
fibcln, Kleeblattfibeln, filberncr Armbänder und anderer 
eigenartigen Schmuckfachcn auch für diefe Funde 
zweifellos gemacht ift, zumal als auch dem fkandinavi- 
fchen Norden Darftcllungen von Thiercn mit zurück- 
gewandtem Kopfe, und zwar ebenfalls auf münzen- 
artigen Anhängern (Braclcaten) und aus dcrfelben Zeit- 
periode, wie zum Bcfpicl auf jentn aus Jädra (Upp- 
land) 9 nicht fremd find. 

Sclbftvcrftändlich ift mit den vorftehenden Ver- 
weifen keine erfchopfende Aufzahlung, fondern nur ein 
allgemeiner Ucbcrbick bcabfichtigt, und zwar zu dem 
Zwecke, um die Wahrfcheinlichkcit hervorzuheben, 
dafs unfere Scheibenfibcln, die mit folcher Vorliebe 
Thicrc mit zurückgewandtem Kopfe zur Darftellung 
bringen, jener Zeit angehören, die fich vorzugsweise 
diefer Vorliebe hingab. 

Bei der Betrachtung der Scheibenfibcln, insbefon- 
dere jener aus Krungl, ergibt fich noch ein zweites, 
allerdings rein geometrifches Bild, welches nach der 
klaren Abficht der Verfertiger nicht als bloße De- 
coration fondern gleichwie das Thierbild als etwas 
Selbftändiges aufgefafst werden folltc. nämlich das 
Kreuz. Bei einigen Fibcln hat es, wie fchon erwähnt 
wurde, die Gcftalt des Maltefcr-Krcuzcs und nimmt die 
ganze Fläche der Scheibe ein, in welchem Falle es einen 
kleinen runden die Winkel zwifchen den Armen 
deckenden Mittclfchild trägt, auf welchem abermals ein 



Kreuz, fei es mit dumpfen oder an den Enden mehr 
oder weniger feitwärts ausladenden Armen dargcftellt 
ift. Von einer andern Gcftalt des Kreuzes, das an den 
Enden nur wenig ausladet und in den Winkeln runde 
Punkte zeigt, ift ebenfalls fchon die Rede gewefen ; es 
ift deshalb beachtenswerth, weil an ihm zu erkennen ift, 
dafs es aus dem X des Monogramms Chrifti hervorge- 
gangen, denen Arme fich bei vielen Infchriftcn an den 
Enden deutlich fpalten und beiderseits ausgreifen. 

Ohne Zweifel liegt diefer recht oft crfchcincndcn 
Darfteilung des Kreuzes die Idee des Chriftcnthutns zu 
Grunde; es kann aber noch nicht gefchlofien werden, 
dafs die Träger der mit dem Kreuze ausgezeichneten 

A". /r4«nw*r, Kurgaae de* Cnuverneraeae« St. t'etertbu/g. In de« 

Malrrialia rar Archäologie Rudland«. Nr. «o, Taf. VI, Itjr, II. 

■ l.t ctmlt A Ur*rtjr, Elude «ur lei peuplei prirjtiuf« da la «beut«. 

Lei Meuena. Taf. IV, Fig. I. i. j. >, I. 

• O. Mtnttttmt. S««a«ka Fonuukar, Fig. je*. 




- 133 - 



Fibeln auch fchon ChriAcn gewefen find. Wohl aber 
dürfen diefe Fibeln als Vorläufer der Ausbreitung des 
Chriftcnthums betrachtet werden, die aber wesentlich 
deshalb von Bedeutung find, weil fie uns, wie wir fpater 
fchen werden, durch den Vergleich mit verwandten 
Erscheinungen Gelegenheit zur Altersbestimmung zu 
geben imAande find. 

So häufig Thicrbildcr auf unferen cmaillirtcn 
Scheibcnfibeln crfchcincn, fn feiten iA die DarAellung 
der menfehtichen GeAalt; wir begegneten ihr ein 
cinzigesmal auf der Pciauer Scheibcnfibcl in Taf. I, 




Kit 19 (Pcrau, ) 



Fig. 4 und in fehärferer Ausführung im Texte, Fig. 19. 
Hier zeigt fiel) das Bild eines gekleideten gedrungenen 
Mannes mit erhobenen Händen, an deffen Seiten je ein 
durch Magerheit auffallendes vierfußiges Thier fichtbar 
iA, das er mit der FauA frei in der Luft halt. Eine faft 
vollkommen übercinftimmende DarAellung finden wir 
auf einer Gürtelfchnalle aus dem burgundifchen Fried- 
hofe von Marncns in der Schweiz (Fig. 20); 1 auf dem 
feheibenformigen Mittelfelde der Schnallenplatte zeigt 
fich ebenfalls eine gedrungene ManncsgcAalt mit empor- 
gehobenen Händen, zu deren Seiten fich je eine S for- 




F'tg. 10 I iilrtclfchiialli- von Manien«, » , i 



mige Figur befindet. Wer mit der Entwicklungs- 
j;efchichte der Thier-Ornamentik in der Völkerwande- 
rungszeit und in den ihr folgenden Jahrhunderten ver- 
traut iA, für den iA es im vorhinein klar, dafs diefe 
S-Iormigcn Figuren — anfeheinend nichts anderes als 
eine unbehilfliche, bloß zur Austüllung des Kaumes 
dienende Decoration — die verkümmerten RcAc von 
ThiergeAaltcn find, die fich zu beiden Seiten des 
Mannes erheben. Noch weit unkenntlicher iA die Dar- 
ftcllung auf einer Schnallcnplatte au> dem burgun 

• FrMtrie Trfm. BncckM et Aarafc. Ihit MMm tm 
•tili.|u,riM>cn Ofellfcluft 1« Zürlth IM. II Taf. III Hj. 4. 



difchen Friedhofe von Tolochenaz (Schweiz), auf der 
die ThiergeAaltcn nur mehr als vom Ellenbogen herab 
hangende Bänder erfcheinen. 1 Dafs es fich in Wirklich 
keil um ThiergeAaltcn handelt, zeigen zwei andere 
Schnallcnplattcn aus den burgundifchen Gräben) von 
Montillier bei Pampigny (Schweiz) und Arnex (Schweiz), 
auf denen die Thiere, wenn auch recht wüA dargeAellt, 
doch deutlich genug, auf der letzteren insbefondere 
{Fig. 2 1 ), als geflügelte und gemahnte Greife erkennbar 
find. 1 




Fig 21. (»iürlrlfchiialle von Amci, 1 \ ) 

Bei dem, wenngleich oft nur recht lockeren Zu- 
fammenhange des künAIerifchen Bemühens der Völker- 
wanderungszeit mit claflifchcn Vorbildern möchte man 
bei diefen DarAellungen zunächA an eine Art Hercules 
denken, der Löwen würgt. Das auflebende ChriAcn 
thum aber wurde durch fic an die Gefchichte von 
Daniel in der Löwcngrubc erinnert. Dafs man bei 
der HcrAellung vieler diefer Gürtclfchnallenbildcr in 
der That diefe Frzählung im Sinne gehabt hat, be- 
weifen ihrer mehrere. Eine derfelben, Fig. 22, die in 




KiK 11. 'Curtclfihnallr von Ijivigny, •• 1 .) 



Lavigny (Schweiz, jetzt im Mufeum Bern) gefunden 
wurde, zeigt einen bartlofen Mann mit erhobenen 
Händen zwifchen zwei gemahnten mit dem Kopf ab- 
wärts gerichteten Thieren, welche feine Füße lecken 
und tragt die Infchrift; N'ASVALDVS NA NSA. 
VIVAT DEO VTERE FELEX DANINIL 1 Eine bei 
Daillens gefundene Gürtelfchnalle mit gleichartiger 
DarAellung fpricht den Bezug auf Daniel noch deut- 
licher aus mit der Umfchrift: VIR DANIEL DVO 
LEON ES FEDES EIVS LENGEBANT DAIDIVS.» 

' MaVm Tny*. a. a. O . Taf III. Fig. >. 

• AWrf/nV Tr,y*w. ». a. O.. Taf. II. Fig. 3 »»<• >■ 

■ f,,./t.w rr,;.m, Rrarrlft« t« Astafr« aatu|u«.. Mitlheiiiugis 

amiquarihlie-. <jf ftllfchart in Zürich. Bd. II. Taf. III. Flf. I. 

♦ C. <lt BfßllUn, Altai, biitfutida. Aui.igc, fät kh.«i.cr.fcl.» 
AU«.ih.,«,.k,.»d« Bd. II. S. 

18» 



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134 



Zwei andere Gurtclfchnallen zeigen ebenfalls fo über- 
einftimmende Bilder, dafs deren Bezug nicht verkannt 
werden kann, wenngleich die eine, die in dem burgun- 
difchen Friedhofe von Mongifi (Schweiz) gefunden 
wurde, eine wahrscheinlich unverftanden nachgeahmte 
und linnlofe, die andere aus Severy (Schweiz, Mufeum 
Laufanne) gar keine Infchrift tragt.' Diefc letztere ift 
auch deswegen beachtenswerth. weil in ihrer Gcfcll- 
l'chaft eine geflügelte Lanzenfpitze gefunden wurde, 
gleich jener in Thunau, Nicder-Ocftcrrcich, neben der 
eine emaillirtc Scheibenfibel fich beland, worauf ich 
noch zurückkommen werde. 

Ich bin weit entfernt anzunehmen, dafs diefc an 
die Gefchichte Daniels angepafsten Darftellungen ur- 
fprüngliche und felbftändigc feien; denn es kommen 
nahe verwandte Darftellungen vor, die nicht einmal 
gezwungener Weife auf Daniel gedeutet werden können. 
Wahrend fich die Löwen Daniels durch deflen bloße 
Krfcheinung zahm zu Fußen fchmiegen, bändigt der 
Mann auf der perauer Scheibenfibel die Thiere mit 
außergewöhnlicher Kraft, wogegen andere Darftel- 
lungen außer den lowen- oder greifen-ähnlichen noch 
andere Thiere zeigen, zum Bcifpiel auf einer Scheiben- 
fibel aus dem fränkifchen Gräbcrfeldc von Sprend 
lingen (Rhcinhcffcn), auf der ober einem der gegen 




l"'C- tj. ' ClunclfchoaUc von Echailans, 



einen Mann lieh aufrichtenden gemahnten Thiere (das 
einsprechende Stuck auf der andern Seite ift ausge- 
brochen) noch ein anderes erfichtlich ifl, das einer 
Rehgais oder Gazelle gleicht.* Die ähnliche Darftel- 
lung eines bartigen Männerkopfes zuifehen phantafti- 
fchen Thiercn zeigt das Hruchftück einer vergoldeten 
Erzfibel aus den Gräbern bei Orthofen im Mainzer 
Mufeum. 3 

Noch weiter entfernt fich die Darftcllung auf einer 
Gürtellchnallc aus den burgundifchen Gräbern bei 
Fchadans (Waadt). die genau dasfelbe Machwerk zeigt, 
vielleicht fogar aus dcrfclbcn Wcrkftatt hervor- 
gegangen ift wie die Gurtelfchnallen mit der Daniels- 
lage, allein ftatt des Mannes ein Ornament enthalt, 
deflen Vorbild einen Baum dargcftcllt zu haben feheint,' 
Fig. 2}. In recht naturgemäßer Weife erfcheinen die 
Lowcn auf dem Zicrbcfchlagc (Kingband) eines fränki- 
fchen Helmes (wahrfcheinlich aus den Rhcinlandcn, 
jetzt in Paris), fie fchreiten gegen eine menfehliche Ge 
Halt vor, die fie mit erhobenen Armen abwehrt/' Von 
der Geftalt des Menfchen hat der Künftler allerdings 

■ fr/ Mt Dm, •. >. O T.f III. i'c << Ml Vit U, Ii«, i 

• /. Ilm lm/rimll. Allr-nhilwcr II BH . XII ».. Fi« • >•»<• I 
1 L. Limienftkmtl, Ab«rthum<r. II. XII. 6, T«Bt. 

• / Iin4,*r.m-it. AlKflhura«,. III. III. t.. >. 

> L. U*j r *l kmll, Alitrihumer. III. X. s I« I« 



nichts als den unverhältnismäßig großen Kopf zur An- 
fchauung gebracht und die Arme lediglich angedeutet, 
die Löwen dagegen fo naturwahr dargertellt, dafs das 
claffifche, das ift heidnifchc Vorbild unverkennbar her- 
vorleuchtet. Denfclben Gedanken fehen wir auf einer 
filberncn vergoldeten Spange aus Galfted bei 1 laders- 
ieben (Schleswig) zum Ausdrucke gebracht. Auch hier 
bemerken wir einen bloßen Kopf zwifchen den auf- 
gefperrten Rachen zw eier fich erhebenden Ungcthümc. 1 
Allein das claffifche Vorbild ift hier nicht mehr erkenn- 
bar, die Darfteilung ift vielmehr fchon vollftandig von 
dem nordifch-germanifchen Ornamcntftylc erfafst, es 
handelt fich hier nicht mehr darum, das naturwahrc Bild 
eines Lebewefens zu geben, fondern nur darum, eine ge- 
gebene Flache decorativ auszufüllen. Dicfem Zuge folgt 
bcifpiclsweifc auch die Darftcllung auf einem Zierbc- 
felilage aus den Grabern von Dietersheim (Mufeum 
Mainz)* und auf einem durchbrochenen Gürtelgchängc 
aus Bayern (Mufeum Mainz),* auf denen nur mehr die 
Kopfe des Mannes und der Thiere erfichtlich find; die 
Leiber dagegen find rein geometrifche Decoration ge- 
worden. Zuletzt fchreitet die im germanifchen Orna- 
mcntftylc liegende Auflöfung aller figuralen Thcile 
unaufhaltfam vor, Rumpf und Gliedmaßen werden ge- 
reckt, verzerrt, fchlangenartig ausgedehnt, zerfchnitten, 
an ungehöriger Stelle wieder angefügt und verviel- 
fältigt, fo dafs fchließlich nur mehr ein rein decoratives 
geometrifches Flccht und Netzwerk erübrigt, in dem 
au einem da oder dort erhaltenen Fuße oder Auge die 
letzte Spur der urfprünglichen figuralen Darftcllung 
erkennbar ift. Wer diefen Vorgang verfolgt, für den 
wird es nicht fchwer fein, in der Decoration unzähliger 
Fibeln, Riemenzungen, Schnallenbcfchläge, Ortbänder 
u. f, w. die Sccne wieder zu erkennen, die einen Mann 
zeigt, an dclTcn Seiten fich Thiere erheben und in deren 
deutlicher erhaltenen Vorbildern chriftlichcr Sinn die 
Darftcllung der Daniclscrzählung herausfand. 

Es kann kein Zweifel beftehen, dafs die Geftalt 
eines Menfchen zwifchen zwei Löwen nicht im Formcn- 
kreife der cinheimifchen Kunftübung gelegen ift; 
manche Formenelemente haben thcils für fich, theils 
mit einem ganzen Culturfchatzc weite Wanderungen 
gemacht und es läfst fich nachweifen, dafs insbefondere 
aus dem Süden und weiterhin aus dem Oriente manche 
Formen zu uns gedrungen find und hier gewiffermaßen 
Burgerrecht erlangt haben,' aber faft alle figürlichen 
Darfteilungen haben im Verlaufe der Jahrhunderte 
durch die finnlofe Nachahmung des bereits mangelhaft 
Nachgeahmten diefelbe Schmälerung und Zerfetzung 
ihres Wefcns erfahren wie fpäterhin durch die All- 
gewalt der Stylrichtung. 

Ks fehlt auch nicht an figürlichen Darftellungen aus 
dem Süden, welche unferen Daniclsbildern und den ver- 
wandten in die allgemeine Claffe der Thier-Ornamentik 
gehörigen Darftellungen recht gut als Vorbilder gedient 
haben können, wenn fie auch im Original nicht allzu 
oft in die Länder nördlich der Alpen gelangt fein mögen. 
Kin lehr bekanntes Bcifpiel bietet die berühmte ctruskifche 

1 y. Mttltrf, Var»efchir!itbrlie AHarthiimrr au« Schlcfta i c H.llV.» . 

T.f XIII. Fl«. '■:> «mI S. •> 

« /.. /./».«V»/ .mit. AlKTtliimer, III. XI V « 
' L. Umltm/.kmil. Allrrtliii.»rr. I. XII. 7, 7 

• Miti lYrji: liieriilieT iinh«frttidrre ailch .V. Ilefrmrt. Zur prAhiftnrrfchcn 
► uimrnlcl.ic. Millhriliiogrt! dir prafcifK nf<ti«n Conmidii« der AUd.mir der 
WMknClklttH in Wir». Hd 1, Nr, 3 iin.1 ,. 11r.1l Dir ..ri.-im.nl jl. Vrrwrndun« 
der Thie.KrIUil in drr prahiAor.C h#n Kim» M.nli»ik-i.«.t. d»r Wim«r Anihn. 

pulojIMirr. li«,«HM..ft, Bd XXII. S 107 



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- '35 - 



Vafc von Grächwyl in der Schweiz, 1 auf der fich d&S 
Relief einer weiblichen Gottheit mit erhobenen Klugein 
befindet, der je zwei Löwen an die Seite, wohl aber ahn 
lieh der Scheibcnfibel von Sprendlingen auch andere 
Thiere als Sinnbilder beigegeben find. In näherer Ver- 
wandtfehaft fleht ein bronzener Gürtclhakcn, der in 
einem Grabhügel bei Weißkirchen an der Saar zu- 
gleich mit einer etmskifchen Erzkanne, einer emaiilirten 
Fibel und anderen Reftcn ausgegraben wurde.* Auf 
diefem zweifellos etmskifchen Gürtelhaken erfeheint 
geradefo wie auf der Spange von Galftcd lediglich ein 
Kopf zwifchen vier ruhenden Löwen, alles in phan- 
taftifcher Weife ftylifirt und in einer tödliche (elrus- 
kifche) Herkunft deutlich verrathenden Darftcllung. 

Sehr nahe mit dem Bilde auf unferer Perauer 
Scheibenfibet (Fig. 19) und auf der Gürtclfchnalle von 
Marnens (Fig. 20) berührt fich eine auf dem großen 
Silberkeffel von Gundestrup in Jütland enthaltene Dar- 
fteilung irgend einer Gottheit auf der Platte XII, 2 3 . 
Auf ihr zeigt fich das Bniftbild eines Gottes (Fig. 24), 
der zwei Fabelthiere (Greife, Seepfcrdc? 1 geradefo wie 
auf der l'eraucr Scheibenfibel in deutlicher, auf der 
Gürtclfchnalle von Marnens in verkümmerter Weife, am 




Fig. 14 (l i^wrcnplattc rom MlbcrkelM tun (.mi.!«!™.. ) 

Hälfe würgend in der Luft halt. Dieter Silberkeffel mit 
feinen zahlreichen figuralcn Darilellungcn ift angen- 
fchcinlich das Machwerk eines barbarifchen Künftlers, 
der für defifen Ausfchmückung die verfchiedenften Motive 
entlehnt und in ungeordneter Weife zufammcngcftcllt 
hat. F.incs der auf dem Keffel angebrachten Bildwerke 
zeigt, wie Voß nachgewiefen hat, eine vollftandige Dar- 
fteilung des ftiertodtenden Mithras mit allen Ncbcn- 
erfcheinungen, keine Copie, fondern eine allerdings un- 
geordnete und zufammenhanglofc, aber fclbltmuligc 
Aneinanderfugung der einzelnen Klementc, aus denen 
die Mithras-Dcnkmale beliehen, ein Beweis, dafs zur Zeit 
tier Verfertigung des KclTels noch eine nicht ganz ver- 
dunkelte Erinnerung an den Mithrascult vorhanden ge- 
wefen fein mußte, was auch für die Zcitfttllung der übrigen 
durchwegs aus einer Hand hervorgegangenen Bild- 
werke diefcs Keffels, im bcfondereii dann auch des Greife 
würgenden Gottes und der verwandten Darftellungen 
auf der Perauer Fibel und auf der Gürtclfchnalle von 

' A- 7-**. »•• Au.tT.lmnB«« m Gnithw,:. Milllic»lui> t e. <let Alili^ui 
,,frk,n r.rhfl&lisft in Zürich. IM. VII. 

> L. IJndti/rtmit. AlWrthüncr, II, IV. t, j. 

' $>/<•> Miilltr, 0«! »lor« S..M»r fra CamltMrop NuTdi.te FurtiiU 
mixitr 1*1)7 y.tfrlHi MMV>/. Um ilnre Mvl»J vd Ou«d»trup 
Vi,U».k ÜUL f. R«U«. MM Hn. AM III, |, und A IVA »Ml «t»«« 
SÜWrktfal «e» Guiidii.lrup IWrlin i»jA 



Marnens nicht ohnc4iclang ift. Die diefen Bildwerken 
zugrunde liegenden Vorftcllungcn find dagegen keine 
Schöpfungen jener Zeit, die den Silberkeftel von Gunde- 
strup, die Gürtelfchnallcn und die P'ibcl gefchaffen hat. 
fondern gehen, wie von Stetnßrup und Voß des weiteren 
ausgeführt worden ift, auf noch altere Vorbilder im 
Oriente zurück, denen offenbar fclbft die etmskifchen 
Kunftler gefolgt find. Dort zeigen fich hauptfachlich 
auf perfifchen, babylonifchen und afiyrifchen Siegel- 
cylindern, dann auch auf Skarabacn, Schalen, Schmuck - 
fachen und Sculpturen Darftellungen der befchriebenen 
Art, die fich in drei Gaffen eintheilcn laffcn, je nachdem 
Thiere (Löwen, Böcke, Jagdthierc und Fabelthiere) oder 
auch Menfchen zu Seiten eines Menfchen, eines Baumes 
oder eines Altarcs (beziehungsweife Tempels) erfcheinen. 
Das bekanntefte Beifpiel der letzten Art ift das be- 
rühmte Löwenthor von Mykcna, das unter anderem auch 
im vorgefchichtlichen Bologna eine getreue Nach- 
ahmung gefunden hat. Andere, naturlich durch viele 
Zwifchcngliedcr vermittelte Nachahmungen jener orien- 
talifchen Vorbilder, Thiere, die fich gegen einen Baum, 
den heiligen Baum (ficus religiosa) neigen, fehen wir 
auf dem Schnallcnbefchlägc aus einem burgundifchen 
Grabe in Echadans (Schweiz), Fig. 23, mit greifenartigen 




Rg 25 ((iilrtcIfchn.iUe von Kclml'.rn«, * 4 .) 



Thieren zu Seiten eines ftylifirten baumartigen Gebildes' 
und auf der emaiilirten Fibel von Szäsz-Monostor mit 
Hahnen zu Seiten einer Pflanze. In höchft merkwür- 
diger Weife haben fich jene orientalifchen Einflüßc auf 
dem Wege einer zur Zeit dunklen Vermittlung auch 
bei der figuralen Ausftattung von Gürtelfchnallcn aus 
burgundifchen Grabern geltend gemacht, auf welchen, 
wie zum Beifpiel auf denen von Bofflens (Schweiz), 
Marnens (Schweiz) und Echallcns (Schweiz) (Flg. 25) 
Menfchen und Greife in anbetender Stellung zu beiden 
Seiten eines Gebildes flehen, von dem fich nicht mehr 
fagen läßt, ob es urfprünglich einen Baum oder einen 
Altar vorgeftellt habe.' Diefe Darftellungen find aus 
dcnfclbcn Wcrkftatten hervorgegangen, aus denen auch 
die Gürtelfchnallcn mit der Darftcllung der Daniels- 
legende ftainmen und, fo wie bei diefen das urfprünglich 
oricntalifch-hcidnifchc Motiv chriftlichen Vorftcllungen 
angeglichen wurde, hat man es auch bei jenen gctltan, 
indem man den heiligen Baum oder Altar annähernd 
in ein Kreuz umgeftaltctc, ohne jedoch den unchrift- 
lichen Beftandtheil, die anbetenden Greife, zu befeitigen. 

Sehr zahlreich find die Darftellungen von Thieren 
zu Seiten einer menfchlichen Gertalt, meift aufgerichtet 

> L (tMM AUtrlhuBcr. III. Dd. III, «, t. 

« JW.M». />,,«(. ... ». O 1 »f II. Fij l und Tlf 1TI. H» t U.J }. 



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— 1 3 6 — 



gegen Tic vorfchreitcnd oder v*n diefer an einem 
Hinterfuße oder Sclbfl am Schweife mit abw ärts gerich- 
tetem Korper frei gehalten. Zuweilen geSellcn fich noch 
andere Thicrc dazu. 

Im Gebiete jener orientalifchen Funde erscheinen 
auch Darltellungen, die man geradezu als Vorläufer der 
Darftcllungcn auf der l'craucr .Scheibenfibel, auf den 
Giirtelfclinallen von Marnens und Tolochcnaz und auf 
«lern SilberkcITe] von Gundestrup betrachten muß. Auf 
einer Bronzcrclicfplattc aus Mama in Nord-Syrien 
zeigt fich außer anderem Symbolischen Bildwerk die 
halb thicrifchc Gcftalt des TodtenSchiffers Res, die 
beide Arme gleichmäßig erhebt und Schlangen in den 
Händen halt. Auch hier fehlen die anfpringenden 
Löwen nicht; abweichend ift, dafs die Gcftalt mit 
einem Fuße auf einem Pferde kniet und den andern 
auf denen Kopf fetzt, wahrend das l'lerd zufammeil- 
gekauert in einer Harke mit thierkopfigen Fnden liegt.' 
In diefer ZuSammcnftcllung berührt (ich diefes Bild- 
werk mit der oben bt-fchriebenen Geltalt auf dem 
SilberkelTe! von Gundestrup, auf deren Bruft ebenfalls 
eine Art Harke dargeflellt ift, die beiderfeits in Vorder- 
leiber von wolfsähnlichen Thieren auslauft, welche fich 
auf hingeftreckte Menfchen ftürzen. Wer den Sinn der- 
artiger Darftellungen zu erfaflen vermag, der begreift 
leicht, daSs die greiSenw ürgende Gertalt in der Barke, 
das ifl im Todtenfcbiffc flehend gedacht ift, die der 
Kiinftler in Ermanglung des Raumes oder überhaupt 
infolge kindlicher Einbildungskraft auf der Bruft des 
Gottes dargeflellt hat. I [alten wir dazu, dafs fich die 
Wölfe auf hingeftreckte Menfchen mit flehend erho- 
benen Armen ftür/en, fo ift es wahrscheinlich, dafs auch 
diefes Bildwerk den Todesgott darfteilt und mit dem 
fyrifchen in geiftigem Zufainmcnhange fteht. Voß er- 
klart die Gcftalt, ohne dafs er auf ihre Beziehungen im 
Oriente eingeht, als einen menfehenfeindlichen Dämon, 
was im wefentlichen mit der von mir gegebenen Deu- 
tung ftiinmt. 

Iis fehlt nicht an Erscheinungen, welche auch in 
diefer Beziehung den anfeheinend fo entlegenen Orient 
mit der Heimat verbinden. Oertlich naher nämlich liegt 
uns fchon ein Schmuckftiick aus dem aginetifcheu 
Goldfehatzc* mit der ägyptifirenden Darfttllung einer 
Gottheit, und zwar ebenfalls des Todtengottcs He-, der 
zwifchen Uräusfchlangen mit erhobenen Händen zwei 
Vogel (Gänfe oder Schwäne) am Hälfe halt und fo wie 
die vorherigen Gcllalteti in einer Harke fteht, die in 
lotosblumenartige Enden auslauft. Noch naher heran 
tritt ein Fund aus Spardan >lo bei Rimini in Italien, 
nämlich eine bronzene Handhabe, welche in durch- 
brochener Arbeit zweifellos diefelbe Darstellung bietet, 
aber in ebenfo verkümmerter Weife, wie die Thier- 
geftalten auf den Giirtelfclinallen von Manien- und 
Tolochcnaz..' 

Jedenfalls gehört in diefe Claft'e von Erfeheinungen 
auch die dem Orient entfproflene, von den Griechen in 
finniger Weife idealifirte Hcraklcsgcftalt, der ja auch 
Schlangcmvurgcr und Löwenbändiger ift. Wenngleich 
hei all' diefen Darllelliingcn verschiedene Mythen 
durcheinanderlaufen und fich gegenseitig beeinflußi-n. 
So feheint doch der Kiinftler immer die Macht einer 
Gottheit, fei e» in Geftalt des Menfchen, fei es durch 

' .V. //.■.-r».-,. A » o.. II. Thtil. >t|...« Ab.1t.KV. S ,.. Fit -. 
' .V. !!.■*'«„ A j. o , II Uicil S<-;..,-it AbJiu. V, s ... Ctg. 3:. 
' .1.' . -.. A . <> H 1 • S<|. V..I, .„ I S .-/..Vi; , 



einen Altar oder einen Baum verfinnlicht. über die 
Welt und ihre Erfeheinungen zum Ausdruck bringen 
zu wollen, eine Macht, die aus der Figurengruppe der 
Graehwyler Vafe ebenfo deutlich herauslcuchtct. wie 
aus der Danielslegende und aus der Erfcheinung des 
Todtenfchiffers oder Todtengottcs. 

Es ift keineswegs geboten, dabei Stets an eine dem 
Menfchen feindliche Macht zu denken, als welche der 
Todesgott immerhin betrachtet werden mag. Schon die 
AuffaiTung der Mythen, aus denen die Griechen ihren 
Herakles ableiteten, bezeugt es, dafs durch jene Dar- 
ftellungen auch den Menfchen wohlgefinntc Gottheiten 
zur AnSchauung gebracht werden Sollten. Recht deutlich 
geht das aus dem Bildwerke auf der Graehwyler Vafe 
hervor, das uns eine geflügelte Eraucngcftalt inmitten 
von durchaus in friedlicher Weife um Sie vereinten 
Thieren zeigt, in der wir alfo eine fchützende mütter- 
liche Gottheit, eine sritvtot fLi,rr^ r zu erkennen haben 
Auch das Bildwerk auf dem Gurtelhaken von Weiß- 
kirchen läßt eine ähnliche Deutung zu. Im Verlaufe der 
Zeit mag allerdings ein theilw eifes Abfehwachen vordem 
Streng abgegränzter Charaktere und deren gegenfeitige 
Heeiuflußung ftattgefunden haben, wozu manche Eigen- 
schaft einzelner Gottheiten fchon von Anbeginn Voran- 
lallung gegeben hat. So wiflen wir, dafs die allen Lebe 
wefen wohlwollende Demeter (Mutter Erde) auch als 
winterliche Gottheit erfcheint, ja durch ihre Tochter Her 
fephone mit dem i ladcs fclbrt in Beziehung rteht, das 
heißt, dafs die Schöpferin alles Lebenden auch alles 
Lebende dem Tode zuführt. Sowie die germanifche 
Holla, die Gottin der Ehe und der Fruchtbarkeit, zu- 
gleich Todesgöttin ift, der die in der Kindheit Vcr- 
ftorbenen gehören. 

Man konnte fich freilich darüber wundern, dafs 
eine zweitaufendjährige Ueberlieferung von derlei Vor- 
ftellungen und ihr Einfluß auf gewifle Kunftübungen, 
wie er (ich in der l'erauer Scheibenfibel und in den 
burgundifchen Gürtelschnallen zeigen Solle, erhalten 
habe. Allein wir dürfen nicht vergeflen, dafs religiofe 
Anfchauungcn und Gebrauche, die im Volke Sclbft 
wurzeln, zu den langlebiglten Erfeheinungen gehören. 
Wunden und Krankheiten heilt, Schädlinge bannt man 
im Volke noch heute mit den nämlichen Zauber- 
Sprüchen, die uns die CulturgcSchichtc Schon vor taufend 
Jahren nachweist, die aber damals wohl auch Schon 
feit mehr als taufend Jahren im Schwünge gcwcScn 
Sind, und die in l'erau und in den burgundifchen Grubern 
der Schweiz beftattet worden find, hielten fich, wenn 
Sie einen Schmuck mit den uberlieferten wenngleich 
unverstandenen Darftellungcn am Leibe trugen, des 
Schutzes vor Krankheit und Unfall ebenfo ficher, wie 
jene, die taufend Jahre vorher ein ähnliches Zaubcr- 
mittel beSaßen, oder tauScnd Jahre nachher etwa eine 
Münze oder Medaille mit ihren ganz unverftändlichen 
Darrtcllungen an den Hals hingen. 

Es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, daSs 
auch die Darftellung des Mannes auS einer der Peraucr 
Sehcibenfibeln, der zwei Thierc am HalSe würgend 
halt, die nämliche Vorftcllung erkennen laßt, wenn- 
gleich der Kiinftler in verltandnisloSer Nachahmung des 
Vorbildes fich deren nicht bewußt war und noch 
weniger den Zusammenhang mit einer mehr als tausend- 
jährigen Uebcrliclerung gekannt hat. 



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- '37 - 



Trotz, mannigfacher Ucberciuflimmung vieler 
eigcnthümlichcr Züge in unferen Funden mit jenen aus 
anderen Landern ift es bisher nicht möglich gewefen, 
Anhaltspunkte zur engeren Umgränzung der Zeit zu 
gewinnen, der fic angehören. Wir fließen hierbei immer 
nur auf Eigenfchaften und Erfchcinungen, welche (ich 
Jahrhunderte lang fall unverändert erhalten haben und 
im allgemeinen der Zeit der Völkerwanderung und 
den ihr folgenden Jahrhunderten zugerechnet werden 
Kaum belTcr geht es uns, wenn wir die an den Fund- 
orten felbft zutage getretenen Bcglcitcrfchcimtngcn zu 
Käthe ziehen. 

Leider feheinen die im Boden von l'erau cinlt un- 
zweifelhaft vorhandenen Beigaben durch die Ungunft 
der L'mflände fchon zerftort gewefen oder bei ihrem 
auch fonft fparfamen Vorkommen und ihrer Unfclicin- 
barkeit der Aufmerksamkeit entgangen zu fein. Andere 
Fundorte liefern allerdings reichere Ausbeute In den 
Gräbern von Kettlach. Krungl und Thunau fanden fich 
Schläfenringe, Ohrringe aus Draht mit konifch aufge- 
rolltem Knde oder mit aufgedeckten Glasperlen oder 
mit glöckchcnformigcn Auffleckftückcn. offene Arm 
bänder, Fingerringe, MelTer und l'feilfpitzen aus Kifen. 
Fcucrftähle, Gefäße. 

Was zunächft die Gefäße betrifft, fo find fie auf 
der Drehfcheibe verfertigt, unvollkommen gebrannt, 
hcnkcllos und zuweilen mit «lern Wellen-Ornamente ver- 
leben. Gefäße diefer Art pflegte man den Slaven und 
im allgemeinen der Zeit von etwa 600 bis 1200 n. Chr. 
zuzufchreiben, und da neben ihnen auch die logenannten 
Schläfenringe vorkommen, die ebenfalls für eine die 
flavifche Herkunft und die gleiche Zeit bezeichnende 
Beigabe Bcitattetcr gelten, fo könnte man die email 
lirten Scheibenfibeln und Ohrgehänge frühcllens in die 
Zeit der flavifchen Einwanderung fetzen, fic allenfalls 
auch als einen ihnen allein eigentümlichen Bcflandtheil 
des von ihnen mitgebrachten Schatzes an Schmuck- 
fachen betrachten. Neuere Forfchungen haben jedoch 
dargethan. dafs das Wellen Ornament in den cinft der 
Kömcrherrfchaft unterworfenen Landern, alfo gerade 
im Fundgebiete des Gegcnftandcs unferer Unterfuchung 
fchon während diefer Zeit zugleich mit der Töpfer- 
feheibe, alfo fchon vor der Einwanderung der Slaven 
Aufnahme gefunden hat. Wir begegnen dem Wellen- 
Ornamenie fchon im 4 Jahrhunderte n. Chr. an Gefäßen 
aus dem Graberfelde von Bürgelflein in Salzburg. 1 und 
aus romifchen Wohnflättcn zu Rcichenhall bei Salzburg 
1 Ober Bayern},* fowic auf grauen oder faft fchwarzen 
henkellofen, jenen von liurgelftein vollkommen gleichen 
Gefäßen aus romifchen Fundltättcn in Kärnten {Mufeum 
Klagenfurt} und auf Scheibenwirteln (ebenda), die aus 
Scherben von derlei Gefäßen hergeltcllt wurden. Die 
Wcllcnbändcr wurden dort wie anderwärts mit einem 
mehrzinkigen Gerathe, einer Art Kailrai gezogen, mit 
dem zuweilen auch fenkrechte und wagrechte Bänder 
in den noch nicht erhärteten Thon cingeftrichen w urden. 
Auf einem diefer Gefäße wurde der N'atne .\RIM einge- 
ritzt, cincUcbung.die fich auch anderwärts an romifchen 
Gefäßen findet. In Roje bciMöräutfch (Kram), St. Achaz 
bei Windifch-Feillritz (Krainj und lWcadino (Küflen- 
|and) erfcheint es, ähnlich wie in Kcttlach, an fchlccht 

> M. Mm*. K^nftlun-ifel..-» All.. I IK Tif. XCII1. r. e • .« 
« H. 7"'/.*. Fun-r. »u» ro„ ; |V>,cn W,.|,r.H;,|..„ Zc.lf.l-.,.'. („, F.hno 
-H7. S (i.e.. 



gebrannten henkellofen auf der Topfcrfchcibc ver- 
fertigten Gefäßen zugleich mit Beinkämmen, geraden 
MelTern und die Zeitftellnng fichernden Münzen fchon 
am Beginne des 4.. wenn nicht gar am Ende des 3. Jahr- 
hunderts,' und in Heipfau bei Uttetulorf (Ober-Öeller- 
rcich) fand es Strabergcr auf Gefäßfcherben bei einem 
romifchen Topferofen.* In Bosnien zeigt fich das 
Wellen-Ornament außer an den bereits von Nüticrle 
angeführten Fundorten* in den romifchen Ruinen von 
Damavia bei Srebrenica, jüngfte Münze dafelbft von 
Diocletian, 284 bis 305;' in Ilidze, Vojkovk'e, auf dem 
Debclo Brdo bei Sarajewo, in Kosovaca, Hodbina. 
Stolac, Gradac, Rogatica, auf «lern Gkisinac, in Dolnji 
Vrtocc, N'aklo bei Voikovici und im Pfahlbau von Ripac. 
und zwar an allen diefen Orten inmitten von zweifei- 
lofen romifchen Reiten verfchieilenfler Art. r ' In Ungarn 
finden wir es in dem in feinem Wefen und feiner 1 Icrkunft 
noch immer nicht fichergeftcllten Graberfcldc von 
Keszthciy zugleich mit Schlafenringen, Gcgenftändcn 
der Volkerwandcriingszcit und Bronze-Münzen de*- 
4. Jahrhunderts,* fovvie in den gleichartigen Gräber- 
feldern von Szentcrzsebet zugleich mit romifchen l'ro- 
vinzialfibcln.' von Csunyi iMosony M.), s und von Cziko 
(Tolna M.), hier zugleich mit romifchen Provinzialfibeln, 
Stylen, Spaten, fkramafax-ähnlichen Waffen und mit 
einer Münze von Carus (282 bis 284).* 

Das Wel!en-< )rnament erfcheint auch auf Gefäßen 
au> der romifchen Kaiferzeit in den Rheinlanden, in der 
Schweiz, in Frankreich, in England und felbft in Italien 
(auf henkellofen kugelförmigen Geläßen im Mufeum zu 
Bologna), endlich auf romifchen Dach- und Decken - 
ziejjdn in C'arnuntum (kunllhiflorifchcs Hof-Mufeum in 
Wien), in der Schweiz {Mufeum in Zürich-, im Elfaß 
(Mufeum in Strasburg', in Bosnien aus den romifchen 
Ruinen von Domavia'" und vom Gratlina in Mali 
Mosunj." 

Sind die erllenSpuren des Wellen-Ornament es fchon 
im 3. und 4. Jahrhunderte wahrzunehmen, fo reicht es 
anderfeits bis in unfer Jahrtaufend herein, ja in den 
kleinafiatifchen Kiillcnländern des fchwarzen Meeres 
wird es heute noch angewendet. So lange an den Ge- 
fäßen mit dem Wellen Ornamente nicht andere Eigen- 
tümlichkeiten fcfhuftcllen lind, find fic zur Zeitbeltun- 
mung in unferen Landern ungeeignet. 

Aber auch den fogenaniiten flavifchen Schläfen- 
ringen, das ift offenen Ringen aus Bronze, Silber oder 
filberplattirtem Kupfer von einer zsvifchen einem Finger- 
ringe und einem kleinen Armringe fchwankenden 

• .1/. //■•<■• "•. MiKhe.lur,,«.. .1«. Wi<n-r Aml.rer.. l l',gi.--.!.» (icfelircKail. 

XIX S 

•■ 7 Streun. einer römir. hti, Tc»f«rei Wi Hcl,,r JU M.iil,«-,. 

hingen der Centril « ...nin.liijii für Kurfl .m4 l..f|,-rik lic r>rnt-alr. J.lu». 
i*i3. S. 

• .'.»*jr Xit.irtir, !lem ci Glinge n ru einifen C h.i jlt'riflil. rrt drr .Ii 

lUviltli.;,, r M,iil,cil,iit x efi Jo Wicrit Aaila-f 1 ,eife+.r» i .<• Idll. Ii , ii 

X.XIV. Die WrleiiULc. S ji-] Niedt-rle i. .he'.-., Auftaue <l:r vi'n r.ie 

und Audeter- gelieferten N-,i-li.e-ie liuhen K(J>. Ii-: >r- ■ II» <le< WV.Vn On.j 
tnni'.e* /u/am -.crgefli-ni ,mil mit eigenen W *li u e h .O'l rtgrii l-<-re\l T rt. Iii 
wiederhole hi-;.- mir ,!ie a -t Hhaderi V ,'ckoiu mti tlfc j| VeiLin Lri£ inj ejiig.n 
:»:.d«ten, ,1 ic .Y/r-Zer.'.- im 1,1 cro.liiit lul 

« Ii: K,,,i:mily. l'rri.l.: die An • i ' .ii-u i,^e n s . -r, l>si-.j«ia in ilrn 

/.lltrrll if.yj i:n<! |Fii,, U ilT.nMii.^llltlie Vlitlli t i' llt,|J ( II .im. Il.^ll ,11 MP 'I dci 
Mr,.« K ,>,r..l 11:1 |V. S ».». fig 

' II K*iim,iy. » .• O V , S ' ,. l .-.t ni d l-'i«. -.ui.l I nf. 
XXXMI, r, s . v.J. }.-,,. Ii :. 3 .;'- . ».:r.i a-j-.il 1* l-i und tu «-••• reu. 

It-nwt S. teal 'inil >ij. | 7 KtUmrt, R'.hiIl'm HaiiIiU- ir. H..U. 

Ib:r.,!a. S i 5 a. Vit in. 114. 

< U-,:-itlit /.'>/. I>w «Wi.heKr-M.-r ••.» Ke.nkelv. S. =7 •-"'< :: r 

I Ar h l'.nr.iti.. J..Sr.- s =' I 

• Ar,-o K ..le-l-e-yek. MX >. nv I-« ... ». ■ . 7. *. •■■ 
•M IC...j»a^,. A..K K-.««n.<»ye«. \VU. s. ,,. 

- »' K,;,~,.r. . » U. Ilrl. t. S Fig. .-i. 

II H\ *a.'..„«t, ». .. O. Ild. V. S „ ? 



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- 13« - 



Große mit einem, feltener beiden, Sformig umgebo- 
genen Enden kommt diefe Eigenschaft nicht zu. Auch 
die. über fic bereits vorliegenden Nachrichten hat 
Niederle in dankeiiswerthcr Weife ergänzt,' und zwar 
insbefondere in der Richtung ihres Urfprunges, wobei 
er zu dem ErgebnilTe gelangte, dafs er nicht im Orten, 
fundern bei den weftlichen Slavcn zu fuchen fei. Otto 
Tiffhler hat dagegen die Meinung ausgebrochen, dafs 
die Schläfenringe erfl auf einer viel Späteren Formftufe 
für die flavifchc Zeit bestimmend feien. Hätten Lipp 
und Ti/chler Recht, wenn fie das Graberfeld von Kcszt- 
helv der begleitenden Münzen wegen dem 4. oder 
5. Jahrhunderte zuweifen, dann fielen die dort an den 
Tag gekommenen Schläfenringe und damit auch die 
Schlafenringe von Kettlach und Krungl noch in die 
Zeit vor der flavifchcn Einwanderung, was in Krungl 
auch durch eine Münze aus dem Haufe des Kaifers 
Conflantin, der einzigen dort gefundenen Münze, Be- 
stätigung fände. 

Sieht man ferner das Wesentliche der flavifchen 
Schlafenringc lediglich in einem S-furmig aufgebogenen 
Ende, dann finden fie fich in verfchiedener Große auch 
in germanifchen Gräberfeldern, fo zum Heifpiel im 
Friedhofe von Elisricd (Bern), in jenem am kofenbühl 
(bei Bern) und in Ermatingen (Schweiz:.* Im Mufcum zu 
Zürich fall ich dergleichen Ringe aus Efchenz, Medikon 
und Bifikon; Niederle fand einen ahnlichen King unter 
den Gegenfländen aus dem bajuvarifchen Friedhofe 
von Reichcnhall im Mufcum für Völkerkunde zu Berlin 
und einen andern im Mufeum zu St. Gennain cn L. 
bei Paris. 3 

Ebenfo wenig wie die bisherigen Begleitfundc aus 
den Gräberfeldern von Kettlach und Krungl vermögen 
Mcffer, Feuerftahl und l'feilfpitzc zur genaueren Feft- 
ftcllung der Zeit beizutragen. Wir finden die dort fich 
bietenden Formen diefer Gegenftandc in den Gräber- 
feldern von Kcszthely,' im Gräberfeldc von Roje (Krain) 1 
und zahlreich genug in den bajuvarifchen Friedhofen, 
zum Bcifpicl in jenem von Rcichenhall* und in dem vor 
kurzem unterfuchten bajuvarifchen Friedhofe von Berg- 
heim bei Salzburg (noch nicht veröffentlicht). 

Die befondere Art der Pfcilfpitzc des Kettlacher 
Graberfeldes mit langen abstehenden Widerhaken 
(Flg. 26) führt uns auf das Thunauer Gräberfeld, auf dem 
wir fie in Gefellfchaft einer emaillirten Scheibenfibcl 
und einer ganz eigentümlichen Art der Lanzen, der 
fogenannten ^geflügelten Lanzen u finden. Der in Fig. 6 
der Taf. I erfichtlichen Zeichnung diefer letzteren habe 
ich nur beizufügen, dafs fie durch die aus der Tülle 
heraustretenden Flügel, welche das allzutiefe Eindringen 
in die. Wunde und das Haften in ihr verhindern Sollen, 
gekennzeichnet wird. Die Gertalt der Flügel ift eine ver- 
fchiedene, aber immer fo befchafien, dafs ihr Zweck- 
deutlich erkennbar ift. Trotzdem diefe Lanzenform fich 
fcharf aus den anderen herau-hebt, bisher nicht allzuoft 
beobachtet worden und anfeheinend auch nicht im 

■ 

> Uhr WfrifrU, a a. O . Die Scblarenrinie S i ?( 
1 E. v*m ttlUmltrg. Du Gräberfeld bei Uitried. Miltli.'ilun*en der 
>»lt|«iiiftrW« UefrlltVtufi In Zftrick. Bd. XXI. S. >*■> und 197. Taf. III. 

'"<«• 7. Taf VIII, Fig , und (,'. .t/rrer PM A« ■■j», Alaman l>. nkmaler in 
der Sclncir Ebenda. Ild XIX TM. II', Fi« M, IJ. 
1 ZurVr AVrrtVr/r, a. a. O., Flu,. »;u und *7J 

• W. Liff. a. a. O.. Fi». 4. )» 

' /*/. <t«t.i«« und //« rr/Tr/IVr. Irtukftl.iiflen ,1er nialli. nalluw. CL der 
Akademie der WiirenMi.'leii in Wien Bd. XUI 

* »I. UM tlUagtrtfrt "■•l- "a. ( iraberlelrj vixi Reichen»,. U in Ober 

> irern 



häufigen Gebrauche gewefen ift, ift auch fie nicht ge- 
eignet, die Zeit der mit ihr vcrgcfellfchafteten emaillirten 
Scheibenfibel in engere Granzen einzufchließen. Den- 
noch ift fic wegen der nahen Berührung mit unferen 
Fibeln von folchcr Bedeutung, dafs fic nicht über- 
gangen werden darf. 

Die Bcfonderhcit ihrer Erfchcinung hat fchon auf 
mehreren Seiten Aufmerksamkeit erregt, 1 insbefondere 
hat die geflügelte I.anzenfpitze von Thunau Anlafs 
gegeben, weitere Umfchau zu halten;* zuletzt fand fich 
auch Dr. Köhler durch den Fund einer gleichartigen 
Lanzenfpitzc in der Warte bei Obcrnik (Provinz Pofen) 
zu eingehenden Studien über Verbreitung und Zeit- 
ftellung diefer Waffe angeregt, über deren Ergebnis er 
an die Anthropologifche Gefellfchaft in Berlin Bericht 
erftattete.» 

Ich habe diefen Nachweifungen nur beizufügen, 
dafs ich im Mufeum zu Sarajevo außer der fchon von 
Niederle namhaft gemachten I.anzenfpitze von Hatelj 
bei Bilek (nicht Bilecl' noch eine andere, welche in 
Golupk bei Ringe gefunden wurde, endlich eine dritte 
aus einem unbekannten Fundorte Dalmatieus im Mufeum 
zu Spalato gefehen habe. Außerdem befindet fich eine 




Fig all (Kcff hell i 



in den bezeichneten Nachweifungen nicht namhaft 
gemachte geflügelte Lanzcnfpitze im Mufcum zu Chur 
(Graubündten) aus ftrittigem Fundorte,* eine andere 
aus dem See von Bourget (Frankreich) flammende und 
mit Einlagen von Kupfer oder Bronze verfehene im 
Mufeum zu Chamberry s Eine dritte geflügelte Lanzen.- 
fpitze wurde bei Ponte de la Thiele in der Schweiz ge- 
funden." 

Die hiemit einigermaßen — felbftvcrftändlich nicht 
cndgiltig — vervoliftändigte Zahl der bisher namhaft 
gemachten geflügelten Lanzen erhöht fich damit auf 
4L hievon entfallen auf England 4, das nördliche 
Frankreich 12, die Schweiz 4, SudweftdeutSchland 11, 
Schleswig ! lolftein 3. Von diefen wurden die meiften in 
fränkifchen, burgundifchen und alemannifchen Gräber- 
feldern des 0. und 7. Jahrhunderts gefunden. Ihnen 

< /.. Uldrn/ttm/l, Allrrtbiimcr I. I. 6. ■< hat 17 und Hjn.lhuch S. 17« 
F.». 7. U. 7,. 

' /«.'.•. .ViV.frrrV IU mr .kuii^n »>■ rinigrn Charak lerifiikr » .Irr alr 
fUtifriirn r.iat>er. Mitthrüufi^rn 'Irr Wiene-r Antbropciotifcrten C.rftliü hjfi 
XXIV Ceüiiceli« l.artrenfpilren. S. a«*. 

1 Pf. A'iaVn, Geflügelte Lanrenipirren. Zeitfchrift fmt CUirologie, 
Jabr». Ii« Ve.ha.iil. S. |tl4]). 

« WuTrnfchafllkhe Millhellun» «n >ui Bovnien und der Herce»<ivina. 
M.l. III. S. 107. Fi» jt. 

• (, .V/ffr c.w AV Aleanaunifche Deakmaler der Shw.it Mii 

Ibeüunrren der Ainii|iiarifch«n Gefellfchaft in Zürich. Bd. XVIII, Taf III», 
Fils 4 und S J4. Xoae e. 

> Itttrri tbmn, The l.jke liwelling» u f Lumpa. S. 544, Fic 19« 

« A\pfW .»/..r.-, ebenda. 



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- 139 — 



flehen I aus Nicder-Oefterrcich, 3 aus Dalmatien, 
Bosnien und der Herzegovina, 1 aus Böhmen, I aus 
Pofcn und 1 von der Kurte des Schwarzen Meeres 
gegenüber. 

Aus diefer Vertheilung der Fundorte erfieht man. 
dafsdic geflügelte Lanze ihre Heimat im Gebiete der 
Franken, Burgunder und Alemannen hat, und dafs die 
in Xieder-Oefterreich, Böhmen, Pofen. Dalmatien, 
Bosnien und im Cherfonefos ganz vereinzelt gefundenen 
Stücke nur verfprengte Ausreißer aus diefem Gebiete 
find. 

Von Bedeutung wird die mit einer emaillirten 
Scheibenfibel vergcfcllfchaftete Lanzcnfpitzc von 
Thunau nun dadurch, dafs wir eine andere derartige 
Lanzcnfpitze in Gefellfchaft einer Daniels-Darftellutig 
in dem burgundifchen Friedhofe von Scvery (Waadt) 
wiederfinden.' Eine verwandte Darftellung fanden wir 
auch auf einer der emaillirten Scheibcnfibeln von Perau 
(f. Seite 133 und Fig. 19) und infolge diefes Zufammcn- 
trefTens konnte man fich verfucht fühlen, die emaillirten 
Scheibcnfibeln und Ohrgehänge uuferer Alpenlander 
derfelben Zeit zuzuweifen, welcher der Friedhof von 
Sevcry und die gleichzeitigen fränkifchen und ale- 
mannifchen Friedhofe angehören, das ift nach dem 
ubereinftimmenden Urtheile der meiften Forfchcr im 
wefentlichen dem 6. und 7. Jahrhunderte. Allein es muß 
zugeftanden werden, dafs diefe Zeit als eine keines- 
wegs fcharf umgränzte betrachtet werden darf, dafs 
insbefondere geflügelte Lanzenfpitzen in Schleswig- 
Holftcin noch im 8. bis 9. Jahrhundert feftgcftcllt find.* 

Läßt man gelten, dafs wir uns der Gefahr eines 
geringeren Fehlers ausfet2en, wenn wir die Zeit einer 
Erfchcinung nach der Mehrzahl gleichartiger und nicht 
nach offenbaren Spätlingen beftimmen, fo wird es uns 
geflattet fein, unfere Thunauer Lanze fo wie die ver- 
gcfcllfchaftete Schcibenfibcl jener Zeit zuzuweifen, der 
die meiften anderen angehören, das ift dem 6. bis 
7. Jahrhunderte. 

In Gefellfchaft einer andern gleichfalls eigen- 
artig germanifchen Waffe, eines Skramafax. befand 
fich, wie fchon erwähnt wurde, die emaillirte Scheiben- 
fibel des Regcnsburger Mufcums. Da der Skramafax 
derfelben Zeit angehört, wie die geflügelte Lanzen- 
fpitze, fo gewinnen wir auch durch diefen Fund einen 
Hinweis auf jene Zeit, auf die uns tlicfe letztere Waffe 
gewiefen hat. 

Otto Tifthler ift geneigt, unfere Funde fchon dem 
;. Jahrhunderte zuzufchreiben, und zwar mit Rückficht 
auf die Verwandtfchaft mit dem Bcigabenbcftande der 
Gräberfelder von Keszthely, welche Lipp auf Grundlage 
der Münzfundc (Conftantinus I., II., Conftantius II., 
III , Conftans, Julianus. Valcntinianus I. und Valens, 
jungfte Münze: Gratianus und Valonlinianus II.) in die 
zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts einreiht. Kino Be- 
ftätigung diefer Anfchauung fcheint fich aus der 
Thatfache zu ergeben, dafs auch im Gräberfelde 
von Krung], alfo in unmittelbarer Gefellfchaft einer 
großem Zahl von emaillirten Scheibcnfibeln und Ohr- 
gehängen fich die Münze eines Kaifers aus dem Haufe 
Conftantin's, und zwar als einzige Münze vorgefunden 
hat. Allein wir dürfen nicht überfehen, dafs der Geld- 

' 9tn r^nßttitm. Rnrnol ü *n;iq'jitci iirssci. T»f XIII. Fi* <. 
• 7 NnU-rJ, A'iswril.unjen bei lmmt nfUdt Mutheik.neert des Anthtc- 
P^Jo-ifche» Vereinet in Sctl>*wir Hilft-in Ithcg. ij*s. ». IS und »7 <■ 

XXIV V 1*. 



verkehr in diefen Ländern damals ein fehr geringer, 
Münzen überhaupt alfo feiten gewefen; wir müßen auch 
mit der Möglichkeit rechnen, dafs man mit einer ge 
wiffen Vorliebe Münzen aus ältefter Zeit aufbewahrt 
— was auch noch in unferer Zeit gcfchchcn ift — 
und dafs man vorzugsweise derlei ältere Münzen den 
Verdorbenen ins Grab mitgegeben habe. Endlich 
müßen wir bcrückfichtigcn, dafs feit dem Einfalle der 
Germanen und Sarmaten im Jahre 380 eine dauernde 
Unterbrechung des Verkehrs ftattgefunden hat; infolge 
deren Münzen überhaupt mehr und mehr aus dem Um- 
laufe verfchwunden find, fo zwar, dafs gerade die 
Münzen der fpäteften Kaifcrzcit feltene Erfcheinungcn. 
wogegen die Münzen der Familie Conftantin's faft über- 
all zu finden find. Beifpielsweife kamen in dem dem 5. 
und 6. Jahrhunderte angehörigen Grabcrfclde von 
Kaifer-Augft (Schweiz) Kaifermünzcn des 4. Jahr- 
hunderts (jüngfte von Gratian't in nicht geringer Anzahl 
vor, 1 im Grabcrfclde von Fridolfing reichen die Münzen 
bis Maximinianus Herculius. von Nordendorf bis 
Valens, in angelfachfifchen Gräbern bis Conftantin dem 
Großen u. f. w. Im bajuvarifchen Friedhofe in Reichen- 
hall — nicht vor 500 n. Chr. belegt — fanden fich Münzen 
von Valens, Marcus Aurelius oder Antoninus Pius und 
Conftantin.* Im allgemeinen zeigt fich die Vorliebe, 
gerade Münzen des zuletzt genannten Kaifers den Ver- 
dorbenen ins Grab mitzugeben, überall recht deutlich, 
ohne Zweifel, weil er bei Chriftcn als erftcr Kaifcr 
ihres Rcligionsbekenntniffes verehrt gewefen und auch 
bei Heiden als kräftiger Herrfchcr in Anfehen geftan 
den. feine Münzen demnach für einen funcralcn Ge- 
brauch befonders geeignet erfcheinen mochten. 

Dennoch ift das volldändigc Fehlen von jüngeren 
Münzen, und überhaupt von Gegenftänden aus jüngerer 
Zeit, nicht ganz ohne alle Bedeutung, da wir, wenn 
unfere emaillirten Schmuckfachcn wirklich Züge des 
fpäten romanifchen Styles (12. bis 13. Jahrhundert) 
an fiel» trügen, w ie von den Einen, oder des ficilianifch- 
maurifchen -Styles, wie von Anderen behauptet wurde, 
folche Zeugen einer vorgefchrittenen Zeit obzwar 
vereinzelt wenigftens dort gefunden haben müßten, wo 
diefe Schmuckfachcn in ungeftörter Schichte, wie in 
den Gräberfeldern von Kettlaeh, Krungl und Thunau 
geruht haben Uebrigens fpricht fchon der allgemeine 
heidnifche Gebrauch, den Vcrftorbcncn, bei denen die 
emaillirten Scheibenfibeln gefunden wurden, Gefäße, 
MelTer, Feuerftähle, Schmuckfachcn und insbefondere 
auch Waffen in das Grab mitzugeben, fo entfehieden 
gegen jene Behauptungen, dafs es nicht nöthig ift. 
darüber noch weiter ein Wort zu verlieren. 



Der Vollftandigkeit wegen fei kurz noch einiges 
über die mcnfchlichcn Rcfte bemerkt, die in Beglei- 
tung von emaillirten Scheibenfibeln getroffen wurden, 
Wie fchon eingangs mitgctheilt worden ift, fanden lieh 
in Gefellfchaft der emaillirten Scheibcnfibeln in l'crau 
keine metifchlich.cn Gebeine oder wurden nicht beachtet, 
obwohl es zweifellos ift, dafs diefe Schmuckftücke zu- 
gleich mit den Leichen in die Erde gelangt fein mußten. 
Dagegen haben wir Kunde von menlchlichcn Uchcr- 

' ,W*t<-r r.-* K*i>Kam, A rmaoiuf. H« l>riikm«le/ in der v:h»e , 
>ti (< h«.l,,n|,rr, ,1er Antiq-^nf. L,* l.JeCU&l.nft ,. Zu,.. Ii. BJ. XIX S. ■ ,. 
> .lf.tr rem CWi-xrwe. C. raberf*« tm» K.ichenli .ul, S 

t<> 



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- 1 4 0 - 



reiten aus den Gräberfeldern von Thuuau und Kettlach. 
Ucber die erlteren fpricht lieh ZuekerkanJl folgender- 
maßen aus: „In Thuuau. bei Gars (Nicdcr-Ocftcrrcich) 
wurden aus der Zeit zwifchen dem 6. und 8. Jahrhundert 
unferer Zeitrechnung acht Schade) ausgegraben, riehen 
welchen fich als Beigaben die charakteriltifchen flavi- 
fchen Schlafenringc fanden. Die Schädel, von welchen 
lechs mefocephal. zwei dolichocephal find, zeigen 
typifch germanifchc Formen, welche Virc/w.v im Jahre 
1887 befprochen hat." 1 

Uebcr die Schädel von Kctttach bemerkt Ii. v. 
Frank a, a O., r dafs das Schädeldach von den Stirn- 
hugeln an flach zui uckgebogen, das Hinterhaupt tief 
liegend und ftark ausgebildet fei, daher der Durch- 
melTer von den Stirnhugcln zum HintcrhauptsJtachel 
im Verhältnis zum vertiealen Durchmeffer des Kopfes 
groß erfcheint, dafs endlich die wie aus einem Model 
hervorgegangenen regelmäßigen Schädel unwillkürlich 
den Eindruck machen, dafs fic einem Volke von unver 1 - 
mil'chtcr Kacc angehören. - Diefe im Jahre 1854 (!) aus 
der Feder eines Laien hervorgegangene Bcfchreibung 
konnte in Worten nicht leicht bezeichnender gegeben 
werden; fie hebt die unierfcheidcndcn Merkmale richtig 
hervor und ftimmt zufolge der von mir gepflogenen 
Nachprüfung mit den Thatfachen Ks erübrigt kein 
Zweifel, dafs die Kettlacher Schädel denfclbcn Typus 
befitzcn, wie diejenigen von Thunau, alfo jenen, den wir 
den gennanifchen oder Reihengräbef-Typus zu nennen 
pflegen. Neuere Forfchungcn follcn ergeben haben, 
dafs auch die Schädel der Slaven, die jetzt falt aus- 
fchlietilich brachycephal find, in jener Zeit noch 
dolychoccphal waren. Die Schadelform allein gewahrt 
alfo keinen Anhalt zur ücurtheilung der Zeit, umfo 
weniger, als auch die Möglichkeit nicht ausgefcliloüen 
iit. dafs jene Gräberfelder auch nach der Einwanderung 
der Slaven den zweifellos in ihren Anfiedlungen zahl- 
reich fefshaft gebliebenen früheren Kinwohtiern ange- 
hört haben können 



Aus der bisherigen Darflcllung ergibt fich, dafs 
lieh den Peraucr Scheibcnfibcln und Schildohrgehnngen 
und den gleichartigen Funden aus Kettlach, Goifem, 
Thunau. i-'lafchbcrg, Krungl, Salzburg, Regensburg. 
Detta, Szasz-Monostor und Caporiaco in Bezug auf 
die Formeiiverwaiultfcliaft und auf den Kunftftyl in 
den weltlichen wie in den olHichen Nachbarländern 
viele Funde an die Seite ftcllcn lal'fcn; was aber die 
Verwendung von Email, und zwar von Gruben-Email, 
wie ganz in^befonderc von Zellen -Email betrifft, fo 
liehen de bisher einzig da, und die damit ausge- 
ftatteten Schmuckfachen beschränken fich. zur Zeit 
weiiigftens, allein auf die nftcrrcichifchcn Alpcnländcr 
und einige wenige unmittelbar im Welten, Ölten und 
Süden angränzende Fundorte. Es wird wohl nicht 
leiten von Schmuckfachen, namentlich aus fränkifchen, 
Imrgundifchen und aleniannifchen Friedhofen berichtet, 
welche mit „Email-, wofür manchmal auch die Be- 
zeichnungen r Glasfchmclz". „Glasfluß-, ,,1'urpurgla-- 
lluß'', „Sclimelz- oder Glasflußeiniagen", „Emäilbelcg" 
und andere gebraucht werde», verziert fein Collen. So 

I i.r,.,„ L'cU-r 1.1c »»•lil.'.e l-v -Ii- tlV,,-., i- ,v- w.r.,, rt ^ r r- 1 • h i- 
tiljen M ; .ri:l:cv,.!kcTuti:. t:u:;-l' t ..n_- <II «t, ; I -,n (..:■ -Ii ,\ r 1 1, r j, ;, { r;'|,. ; o 
■'■■-^M\f .l-.hr; , 



heißt es zum Bcifpiel von . einer Scheibenfibel aus 
Bölingen, fie zeige Spuren von Emaillirung, von einer 
Scheibenfibel aus dem fränkifch-mcrovingifchcn Fried- 
hofe von Tcltona iFicmont) fogar, fie fei mit Schmelz- 
einlagen in Cloisonne-Arbeit verleben.; allein fleht man 
naher zu, fo kommt man zur Ucbcizcugung, dafs es fich 
in allen diefen Fallen keineswegs um ein wirkliches auf 
dem Gegenltande felbll, fei es in Gruben fei es in 
Zellen eingefcliniolzenes Email, fondern um Stücke 
emailähnlichen Glafcs, oder fagen wir Glasflußcs 
handelt, die im feflen Zuilande wie wirkliches Glas, wie 
polirte Granaten, Almandinc oder fonftige Steine in 
erhöhte Zellen eingefügt und mit Kitt befeAigt worden 
find. Es fcheint, dafs der ganze Welten trotz feiner 
im 6. bis 8. Jahrhundert rafch fich entwickelnden Cultur 
das Email von der Art, wie wir es in unferen Funden 
befitzen, nicht gekannt hat. Dasfclbc gilt vom Norden, 
und auch aus Italien fehlen mit Ausnahme des nord- 
oltlichen Gränzgcbictcs. beglaubigte Nachrichten, dafs 
dort nach der Kaiferzeit echtes, insbesondere Zellen- 
Email zur Anwendung gekommen oder r.uch nur den 
unfrigen eritfprechende emaillirte Gegenltande gefunden 
feien. Wir find zur Zeit noch nicht berechtigt, anzu- 
nehmen, dafs emaillirte Scheibcnfibcln und Ohrgehänge 
in unferen Alpeiilandcrn lelbft erzeugt, oder gar, dals 
die Anwendung beider Arten des Emails zur üecorirung 
diefer Schmuckfachen zucrlt hier erfolgt fei. Es ift 
freilich eine auffallende Thatfachc, dafs von den bisher 
bekannten Gegenfländen unferer Unterfuchung weitaus 
die meiften in dem bezeichneten Gebiete gefunden find; 
allein wir dürfen nicht Uberl'ehen, dafs die Zuftände 
nach dem Zul'ammcnbruchc der römifchen Mcrrfchaft 
gerade hier fange Zeit hindurch äußcrlt uiigünfttge 
waren, und wenn auch die Einflüße der nie ertödteten 
Cultur lieh ununterbrochen geltend zu machen fliehten, 
fo brach doch immer wieder neues Verderben über 
das Land herein, welches eine geordnete Thätigkeit 
und ihre ungellorte Entwicklung verhinderte. 

Woher kamen nun unl'erc cmaillirten Schciben- 
fibeln und Ohrgehänge und die Art des Emaillirens. 
die wir an ihnen beobachten r 

Sclbftvcrfländlich bleibt nur noch eine Richtung 
übrig, in der wir die Herkunft zu fuchen haben, näm- 
lich der fernere Sudolten. 

Es hat fchon Otto Tifchler die Anficht ausgc- 
fprochen, dafs man zunächft an byzantinifche Herkunft 
werde denken müücn. Zwar find zwei der Fibeln des 
großen Goldfundes von Szilagy-Somlyö aus der Zeit 
der Volkci Wanderung, welche auf dem Kopfe aulgc- 
lothetc Zellen mit fchwarzlichem und grünem Email 
tragen, wenig geeignet, diefe Anficht zu unterstützen; 
unUomchr aber zwei goldene Keliquienkaitchen aus 
l'ola und Grado. auf «eiche fchon damals in diefer 
Hinficht Heinrich Su-oboda aufmerkfam gemacht hat. 
Beide Kältchen, von denen das eine in Grado, das 
andere in l'ola gefunden wurde, laffen trotz ihrer Klein- 
heit die Gcitalt eines Sa'rkophagcs erkennen, aul 
deffen Decke ein Itumpfendiges Kreuz in Zellenform 
aufgelothct und mit blauem Email ausgefüllt ift (.Fig. 2" 
und 2S). 

Seither hat S'^oMa diefe beiden Kleinode neblt 
anderen Funden zum Gegenltande eingehender Unter- 
fuchung und durch die Fülle der Beweife wahrschein- 
lich gemacht, dafs fie durch den Verkehr mit Byzanz 



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an die Fundftelle gelangt find, wenn fie auch vielleicht 
nicht gerade in Hyzanz, fondern weiter im Oftcn, mög- 
licherweife in Syrien ihren eigentlichen Urfprung 
hatten.' Auf diefer Grundlage kommt Swoborfa zur 
Anficht, dafs die beiden Reliquicnkallchen dem 6. Jahr- 
hunderte angehören. 

Wir haben nun gefehen, dafs bei vielen unferer 
Scheibenfibcln die Abficht deutlich hervortritt, als den 
Hauptbeftandtheil der Decoration ein Kreuz als felb- 
Ständiges Bild zur Anfchauung zu bringen, aufweichen 
es theils in Bronze auf emaillirtem Grunde, thcils auch 
felbft als emaillirte Zellen erfcheint. Dadurch treten 
diefe Fibeln zu den Rcliquienkäftchcn von Grado und 
Pola in doppelte Vcrwandtfchaft, einmal durch die 
Darflellung des Kreuzes als fclbftandiges Bild, dann 
durch das gewählte technifche Mittel, das Fmail. Bei 
einer der Fibeln aus Krungl zeigen lieh in den Winkeln 
der Kreuzarme runde Punkte, wodurch es ("ich dem 
Rcliquicnkaltchen von Grado noch mehr nähert, auf 
uelTen Decke wir in den Winkeln eine Gruppe von je 
drei Goldkornchen wahrnehmen, welche nach Anlicht 
Swobodas Trauben darftdlen, anderen Orts aber auch 




Kij[. 18. lRc!i<juienkäucricn au* r»U i 



durch runde Kofetten oder leere Scheiben erfetzt 
werden; der Erzeuger der Schcibcnfibcl hat fich eben- 
falls mit einem runden Punkte begnügt. 

Die doppelte Vcrwandtfchaft unferer Scheiben- 
fibeln mit den Reliquicnkaltchcn ift fonach unver- 
kennbar und durch fie gewinnen wir einen Hinweis 
nicht nur auf ihre Zeit, fondern auch auf ihre Herkunft. 
Freilich fehlen bis beute noch alle Nachrichten über 
das Vorkommen von cmaillirten Scheibenfibeln im 
Oriente; denn obwohl dort Schcibenfibdll auf bildlichen 
Darflellungen an den Gewandern nicht fehlen, möglicher 
Weife dort fogar ihren Urfprung haben, fo laßt fich 
doch nicht entnehmen, ob fte auch die wefentliche 
Eigenfchaft, die Kmailverzierung an lieh tragen. Immer- 
hin fcheint uns die Schcibenfibel aus Dctta im Banate 
einen Fingerzeig für die Richtung zu geben, in der wir 
ihre Herkunft zu fuchen haben. 

Ks wäre allerdings noch der Frage Raum zu geben, 
ob nicht Zwilchen Urfprung der Technik und Erzeih 
gungsftätte der vorhandenen Fundllücke zu unter- 
scheiden fei. In der erften Hinficht ift nach dem 
Dargelegten wohl kein Zweifel übrig, in der zweiten 
konnte aber doch noch zu erwägen fein, ob nicht an 

• Pf. Heimri.k AW.<.fr. Krüh ^r>l»lirh» Rrliqui™ ■).< k. k Mo»f 
und Antiken C*bin«t» Millhtilnrgtn d<r tcnttal-t ommifTion fur Knoft und 
hillorifch« Denkmul«. J«kr». l<.jo S l u. * 



Aquileja-Grado als Erzeugungsftattc zu denken fei. 
Viele Anzeichen weifen darauf hin. dafs Aquileja in 
der Kaiferzeit der Sitz einer blühenden Glas-Induflrie 
gewefen ift, die nach diefer Zeit zunachft Grado, dann 
Venedig als Krbe übernommen hat. Hier konnte die 
Kunft des Emaillirens umfo leichter Eingang und 
Boden gewinnen, als Aquileja einen großen Thcil des 
Verkehrs mit dem Oriente cinerfeits und mit dem 
Norden anderfeits vermittelt hatte. Erwägt man, dafs 
der Fundort eines der beiden Reliquienkallchen Grado, 
eigentlich Aquileja felbft ift, der andere im nahen 
Bereiche liegt, dafs lie nach dein Vorbilde von Sarko- 
phagen hergeftellt find, die fich mit dcnfelbcn Sinn- 
bildern und Verzierungen gerade in diclem geographi- 
fehen Gebiete \\n Zara, Venedig.-Millftatt) wiederfinden, 
dafs endlich um die Zeit der Berührung des 6. und 
7. Jahrhunderts die Emaillirkunft auch im Reiche der 
Langobarden Eingang findet, fo möchte es wohl der 
Unterfuchung werth fein, ob nicht jene Reliquien- 
kaftchen in Grado felbft hcrgcltcllt worden find und 
ob lieh nicht etwa in den Sammlungen jenes Gebietes 
(Aquileja, Görz, Trieft und andere) verwandte Reite 
ermitteln laffen, wie es ja in Udine thatfachlich der 
Fall gewefen ift. Würde fpatere Forfchung der vorerft 
nur gedachten Möglichkeit, dafs die Emaillirkunft, ins- 
befondere die Kunft, Email in Zellen einzufchmelzcn, 
hier heimifeh geworden, eine feftere Grundlage geben, 
dann ließe fich auch die Forderung nicht abweifen, 
hier oder im benachbarten Alpenlande die Erzcu- 
gungsftattc der emaillirten Scheibenfibcln zu fuchen, 
zu der fchon ihr eigentümlich befchranktes Verbrei- 
tungsgebiet und die unvollendete Emailfibel aus 
Ungarn Anlafs geben könnte. 

Etwas klarer als die .Scheibenfibeln geltatten uns 
die fchildformigen Ohrgehänge in die Richtung nach 
dem Oriente zu blicken. Dort fcheint derartiger 
Schmuck nicht nur in fehr früher Zeit vorzukommen, 
fondern auch fehr verbreitet gewefen zu fein. Komiakow 
verweift in feinein mit unerreichter Pracht ausge- 
ftatteten Werke über das byzantinifche Email auf das 
Vorkommen eines derartigen Ohrgehänges mit halb- 
mondförmigem Sehilde (I.unula) und perlenartigen 
Anfatzen an feinem Rande aus Curium auf Cypern. 1 
Gleiche Ohrgehänge wurden in koptifchen Gräbern 
gefunden * Von Byzanz aus verbreiteten fich diefe 
Ohrgehänge in fpäterer Zeit, wie es fcheint, nach allen 
Riehtungen; lie werden auf das reichfte verziert und 
entwickeln lieh fchließlich zu blafenartigen Säckchen, 
welche als Behälter fur ein mit Wohlgeruchen ge- 
tränktes Zeugftuck dienen/ 1 Derartig ausgeftattetc und 
zur Aufnahme von Riechftoffen eingerichtete Ohr- 
gehänge fcheinen im Ii, und 12. Jahrhunderte in Ruß- 
land, wo fie den Namen „Kolte-* erhielten, in häufigem 
Gebrauche gewefen zu fein. In diefer fpätcren Zeit 
lind fie auch reich mit Email- Verzierungen ausgestattet .* 

In der folgenden Ueberlicht foll der Zufammen- 
hang der emaillirten Scheibenfibcln und Ohrgehänge 
und ihrer vergcfellfchaltetcn Funde mit verwandten 
Erfchcinungcn erfichtlich gemacht werden; fiehe fol- 
gende Seite 142. 

< .V. A-.W.t*..«.. G.fchichle und DenknuLr d« by/.nl.niak.ii Kaull'. 
*. .13'. rtm. m. 

' X. A'- Wdj*,,it\ 3. a. O., S. |3». Fi;;. 93. 9». 
" JT. AV«/.i4W. a. a. O.. S. 341. Fi*. 101. 

• .v. Ktmfafm. a. «. o.. S. jjI i. ir. 



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- I 4 2 



Scheibentibidn 
KettUch 

Thicrbitiltr 

EtuiiilkicLStL- 



Schcibentibeln 
Perau 
Tliierbildcr 
Daniel» l>arft<.-Huiic< 



ReüquienknlUhcii 
Grado-Pola 

Emailkreutc 
0 JalirhutitJen 



(-fintelk'h Italien 
Sivery 
IJnnicl-=-I>3rftcllunj; ' 

Geflügelte 1-aiuc 
u. 1>U 7 Jahrhundert 



Scheibcniibclu 
Krungl 
Thierbildcr 
Eniailkrcuit 



Sche.belthbet 

Thanau 
Emailkrcui 
Geflügelte Laute 



Stheibcnfibcl 
Regensburg 

Thierbild 
Skr.iiTi.ifix 
o bis S. Jahrhundert 



Ueberblicken wir. was ich iiber die emaillirten 
Scheibcnfibcln und Ohrgehänge unferer Alpenländer 
beizubringen vermochte, fo zeigt fich, dafs ihr Vor- 
kommen wefentlich auf diefe Lander befchränkt ift und 
nur wenig über deren Grätuen hinausgreift. Am 
weiteften entfernen fie fich in füdoftlichcr Richtung, in 
der wir noch zu Detta im Hanatc ihre vollwertliigen 
Vertreter finden. Nach Often verweifen uns auch 
andere Erfchcinungen aus den Gräberfeldern mit den 
Merkmalen der Funde von Keszthcly, fo insbefondere 
die Schläfenringe, die Ohrringe mit kegelförmig aufge- 
rolltem Ende, das Wellen-Ornament auf den Gefäßen. 
Nach Weften hin iibcrfchrcitcn cmaillirte Scheiben- 
fibeln und Ohrgehänge die von Salzach und Inn ge- 
zogenen Gränzcn nur eine geringe Strecke. Die Mufecn 
in München und Regcnsburg feheinen die in diefer 
Richtung am wetterten ausgeftreutcii Stucke zu ver- 
wahren, fowte Thunau am Kamp ein äußerflcr der 
wahrfcheinlich ebenfalls fparfamen Fundorte diefer Art 
nordlich der Donau fein durfte. Wahrend nach Norden 
hin keine engeren Beziehungen erfichtlich find, zeigen 
(ich nach Werten hin manche verwandte Erfcheinungen 
in der Decorationsweife, fo vor allem die häufige Ver- 
wendung von Scheibcnfibeln überhaupt, nur dafs das 
hier übliche Email dort durch Einfatze von Glas und 
Edelfteincn erfetzt wird, die Darftellung von naturlich 
gehaltenen oder phantaftifch geftaUctcn Thicren, ins- 
befondere in der Stellung mit zurückgewandtem Kopfe, 
die im Werten zum Theile fchon in völlige Thicrvcr- 
fchlingungen übergehen, hier fich zuweilen in ver- 

' Her A-j«ilr,irk „lUmr'l l>»rKrll"=>l." ift 'i> K-:n»»i(liiHi! nr.ii »n.=rr.i 
>ufimm«i,f.iT«»,l,n ,\u»r!r..rk» » >v,r IltMkhnwi: Ar, l>^rllrtluii< ci«. Sliu=r, 
»»■iiVheo Tr.krrn jfbrauxhi 



worrene Linien auflofen, die das beabftchtigle Thierbild 
nicht mehr erkennen laffen. Vcrglcichung und Erklärung 
der menfehlichen Darftellung auf der Perauer Scheiben - 
fibcl, beziehungsweife der ganzen dafelbft dargeftellten 
Begebenheit bieten uns die Erfchcinungen auf den 
Gürtclfchnallcn aus burgundifchen Friedhofen. Dazu 
kommt die Vergefellfchaftung der Scheibenfibeln mit 
Funden, insbefonderc mit der geflügelten Lanzcnfpitze. 
der Pfeilfpitzc mit weit abftchenden Flügeln und mit 
dem Skramafax, die zweifellos dem Weften angehören. 

Nach Süden hin feheinen fich cmaillirte Scheiben 
fibcln und Ohrgehänge bis in die örtlichen Langobarden 
fitze zu verbreiten; fehr verwandte Erfcheinungen der 
Emailtechnik bilden hier die Reliquicnkäftchcn von 
Grado und Pola, die den Scheibcnfibcln fowohl in der 
Verwendung des Emails, als auch des Kreuzes als 
felbftändigcs Ornamentmotiv feltr nahe ftehen. Wenn 
fchon der geiftige Urfprung beider zweifellos im Oriente 
zu flachen ift, fo ift die Frage noch offen, ob jene 
Reliquicnkäftchcn als fertige Erzeugniffc eingeführt oder 
ob es fich im wcfentlichen nur um die aus dem Oriente 
ergangene Anregung handelt, in welchem Falle die 
Technik des Emails, insbefondere des Zellen-Emails im 
innerften Winkel der Adria fruchtbaren Boden gefunden 
hätte, von wo aus fie fich in die benachbarten Alpen- 
länder verbreitet, hier vielleicht felbft zur einheimifchen 
Herftcllung den Anftoß gegeben hat, allein infolge der 
Utigunft der Zeit auf diefe Länder befchränkt und 
ohne weitere Entwicklung geblieben, vielmehr auch hier 
wie ein auf untaugliche Unterlage gepfropftes Edelreis 
verdorrt ift. 



Wien. Weihnachten 189-. 



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Mittb. il- k. k Ccntr.Comm. für Kunft- u. hift Denkmal l-, 
Jahrg. 1898. (N'otiz 6) S 60. 




1 il; I. Au» ticin i'iahifWnUhcii l.euhenfrM in Wjrtuckn 11 Meilen 
VtM llfnily i-mfertH). Urgctul Zintauj. < . - ^ - .1 1 - ■ : 20 IX iSno 
J5 Cm unter d*r Bnt l>cilllchc 



Kunde in Wysoeko und Czcchy 
iHrodycr Bezirk in Ort Galizicn). 




K»tj. |, Aus dein |>iahiAoriftlicn LckhcnfcM m WjMctBi Gttapod 
/uMa«a, ausgegraben 30 IX 40 Cm untei dtf ErMmMMcIm 





Kijj <> Au» <lcm nitlriftarifcfccil LeichenlcMe in Wynickn (iegen.l 
/utfawa, aufgegraben .uti 7 XI 1S.1«.. 40«.™ untei ilcr Enlnldifl.^hc 



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Siebenbürgen, Die kirchliche Baukunft des romanifchen Styles in. Von F. Müller. 

(Mit 3 Tafeln, 23 Holzfchnitten und 2 Facfimücs) 

Steiermark, Die Kunftdenkmale des Mittelalters in. Von Karl Haas 

- Grab-Denkmale, ältere, in der. Von Leopold v. Beckh-Widmannßetter 

Tisnovic, Die Kirche des ehemaligen Ciftercienfer - Nonnenklofters Borta coeli 

zu. Von Johann Erasmus il'ocel. (Mit 4 Tafeln und 28 Holzfchnitten) 

Venedig, Die Darftellungen auf der BronzeThürc des Haupteinganges von S. Marco. 

Von Albert Camejina. (Mit 18 Tafeln) 

Wien, Neue rümifche Funde in. Von Dr. Friedrich Kenner. (Mit 7 Text-Illuftrationen) 

— Das Wappen der Stadt. Von Dr. Karl Und 

Wiener Wald in NiederOefterreich, Die Kunftdenkmale des Mittelalters im Kreife 

ob dem. Von Dr. Jiditard Freiherrn v. Sacken 

Wilten in Tyrol, Der romanifche Speifekelch des Stiftes, nebft einer Ueberficht 

der Entwicklung des Kelches im Mittelalter. Von Karl Weiß. (Mit 6 Tafeln 

und 3 Holzfchnitten) 

Woronetz und Suczawitza, Zwei Fresco-Kalender aus dem 16 Jahrhunderte in den 

Bukowiner Kloftcrkirchen zu 

Atlas kirchlicher Denkmäler des Mittelalters. 18 Lieferungen mit 100 Tafeln in 

Foliolormat 

— knnfthiftorifcher, herausgegeben von der k. k. Central • Commiffion: 

1. Abtheiiung. Sammlungen von Abbildungen vorgefchichtlicher und früh- 
gefchichtlieher Funde aus den Ländern der öfterr.-ungar. Monarchie, mit 

100 Tafeln, redigirt von Dr. Much 

X. Abtheilung. Sammlungen von Abbildungen mittelalterlicher Grabdenk- 
male aus den Ländern der öfterreichifch-ungarifchen Monarchie, vollftändig 
in 2 Heften mit 108 Tafeln, redigirt von Dr. Karl Lind 

Archivalifche Mittheilungen der k. k. Central -Commiffion (III. Seclion) 

I Band (8 Hefte) 

II. Band, Heft 1 zu 1 fl. 50 kr., Heft 2 und 3 zu je 

ill. „ „ 1 bis 9 zu je 

Archivwefen, ftaatliches. Von Freiherrn v. Helfert 

Aufnahme, ftenographifche, der III. und IV. Confervatoren- und Correfpomlenten- 
Conferenz in Wien und Krakau 

Bericht der k. k. Central-Commiffion für Kunft- und hiftorifche Denkmale über ihre 
Thätigkeit in den Jahren 1884 bis 1897, per Heft (einen Jahrgang umfalTend) 

Denkmalpflege. Von Freiherrn v. Helfert 

Donatello. Eine kunftgefchichtliche Studie. Von Dr. Hans Semper 

Fresken, neu entdeckte, aus dem Leben der heil. Apoftel Cyrill und Methud in 
Rom. Von Dr. II. Dudik. (Mit 3 Holzfchnitten und 1 Tafel) 

Füribrge, ftaatliche, für Denkmale der Kunft und des Alterthums. Von Jof. Alex. 
Freiherrn v. Helfert 

Gewänder, litnrgil'che, aus dem Stifte St. ßlafien im Schwarzwalde, dermalen .uif- 
bewahrt im Stifte St. Faul in Kärnten. Von Dr. Guflav Heider. (Mit 10 Tafeln 
und 6 1 lolzfchnitten) 

Jahrbücher der k. k. Central-Commifiion. Band I, III, IV und V 

Kalender, Ein nord-rulVil'cher auf Holz gemalter. Dr IVl. Milkowiez 

Kunfttopographie, öfterreichifche. Von Jof. Alex. Freiherrn v. Helfert 



Kunfttopographie, öfterreichifche, I. Band, Herzogthum Kärnten, mit mehr als 

500 Text-Illuftrationen und Tafeln, redigirt von Dr. Lind 16 H. — kr. 

Mittheilungen der k. k. Central-Commiffion: 

Jahrgang 1859 bis 1S65, 1867 bis 1874, Neue Folge, Jahrgang 1875 bis 18S6 ... 6 „ — „ 
Neue Folge, Jahrgang 1888 bis 1891 und 1893 bis 1897 8 „ — „ 

— kunft-topographifche, aus den fürftlich Schwarzenbergifchen liefitzungen in 
Süd-Bohmen. Von Dr. Albert Ilg 2 „ — „ 

Pfeiler- und Gewölbe-Syftem, die Entwicklung des, in der kirchlichen Baukunft 
vom Beginne des Mittelalters bis zum Schluffe des 13. Jahrhunderts. Von 
A. Effenwein. (Mit 79 I lolzfchnitten) 1 „ 60 ,. 

Schmidt Friedrich, Urtheilc und Gutachten aus der Zeit feiner Wirkfamkeit als 

Mitglied der k. k. Central-Commiffion, zum Gedächtniffe an 1 „ — „ 

Siegel, die, der älteren öfterreichifchen Regenten. Von Karl v. Suva 4 „ — „ 

— die mittelalterlichen, der Abteien und Regularkloftcr im Erzherzogthume 
Oeflerreich ob und unter der Enns. Von Karl v. Sava. (Mit 26 Holzfchnitten) 1 „ 40 „ 

Sphragiftik, Blätter für ältere. Von Dr. Karl Lind 2 „ 80 „ 

Stadt-Archiv, öfterreichifches, Bruchftücke aus der Gcfchichte eines. Von 

Dr. Guflav Winter — „ 50 „ 

Steinmetz-Zeichen, Studien über. Von Franz Ritter v. Rzilta (Mit 69 Tafeln und 

46 Text-Illuftrationen) 5 „ — „ 

Thoren, eine Gefchichte von. Von Jof. Alex. Freiherrn v. //eifert 3 „ — „ 

Trajans fteinerne Donaubrücke. Von Jof. A/chbach — „ 50 „ 

Wcltausftellung, Wiener, die öfterreichifche kunfthiftorifche Abtheilung der. Von 

Dr. Karl Lind 2 „ 80 „ 



INHALT. 

lirabfunde au« /dlcrndorf Von Dr M. Muck (Mit 5 Text-llluflr.nioncn ) S 75. — llaulkhv L'cberrcfte v>.n llrigamiuin. Von Cnnfrrvator 
Kaif Kalb Dr. S. Jenny. (Mi: 1 Tafeln und .5 TejH-llluflralionen ... S. 7X — I tic I 'ecanalkirche 711 Außig a '1 KU». Von Adelt Kirftknn , 
Mufeun»-CulW (Mit J Textllluftrationen.. S. Sj. Die Wandbilder de» heil Chfiftoph in Kärnten Von l\ut! Ünuker, k k. Confervator 
• Mit I Tafel) S SS — Zur Üau^efcbiclue der Stanistau*-Capel!e im Dome /u Olm« V..11 Dr K-t'l l.ukntr in Kremf.cr S 90 - (irab- 
dcnkinaäe in der rfarrkitehe zu Kneiienwani; <Tyruli- Von Dr Kurl Lttkmr in Kremfi« (Mit : Tcxt-Illuftiationrn . .. S 93 — Infchriften au* 
Alt-tXniiu Von IWeAW Adel/ Xtmmt. <Mil l Tafel-i !». 97. — Au» entern Uerichte dd«.. 7. Octol.tr 1S97 de» lY.deflor» »'. Xnmatm an 
die Cenlral-Commiflinn. 1 K 10« — Die Kirchen *:i Maria-Kcicht und am Ullrichsbergc in Kirnten V.m Confervator /W Grmtitr. , Mit 
1$ llliiftraiionen nach Aufnahmen von uenifelben) S 107 — Notiien j5 — Oo (Mit ■ Tafel und 14 Tekt-UIufliatiunei) S 109 — Früh- 
gefelwht liehe Kunde an» den ofterreirbifchen Alneniitiideni. Von Di .1/. Afmk. (Mit 1 Tafel und iS Text-llluflraiioncii.} S. 1:5 — IteiMatt zu 
Seite 59 . 



Pränumerations-Bedingniffe für den XXIV. Jahrgang der Neuen Folge der Mittheilungen. 

Mit Versendung durch die Buchhandlungen. Mit Versendung durch die k. k. Postämter. 
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Pränumerationen übernehmen fammtliehe k. k. Foßämltr der Monarchie, fowic auch alle Buchhatuilungen 
des In- und Auslandes. Jene Herren l'ranumcraiitcn. w elche bei den k. k. l'oltamtcrn ihre Bctlellungcn machen i 
wollen die Geldbriel'c an die k. k. Hof- und Univcrlltats-RuchhandUmg Wilhelm Braumulltr in Wien adrcffiren. 



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MITTHEILUNGEN 



UKR 



K. K. CENTR AL-COMMISSION 



V Ü K 



ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE. 



M E R A LI S C E O E B E N UNTER DER LÜTUNC 

SEINER EKRLENZ DES PRÄSIDENTEN D1ESEP. C0HMISS10K 

JOSEPH ALEXANDER FREI HERRN VON HELFERT 



REDACTEUft D* KARL LIND. 



VIERUNDZWANZIGSTER BAND, DRITTES HEFT. 



NEUE FOLGE 

m JlimF.ll.IlSf.EN HER K K. CEimU-COMlSMOK FCP. EKFORSOiUNG UND EftHJlTCNS 10t BAUDUKKALEH. 

1898. 



• Mll I TAFEL ÜNIl II AUF 1 BEILAGE VSU IN OEM 1 EXT VKR TIIKILTEN ILLUSTRATIONEN.) 



WIEN und LEIPZIG. 

IN COMMISSION BEI WILHELM BRAUMÜLLER, 

K. K. HOF- VSV UNlVERSlT.lTS BUClIlUNDLFR 



AUS DER KAIS KÖN HOF UND STAATSDRUCKEKEl. 



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VERZEICHNIS 

der Einzel- und Scparat-Publicationcn der k. k. Central-Commiffion 



Admont, Klofter in Steiermark und feine Beziehungen zur Kunft. Von P. Jacob 

Wichner 2 tt. 50 kr 

Aquileja, Römifehe Sonnenuhren aus. Von Dr. Friedrich Kenner. (Mit 13 Text- 

llluftrationen) — „ 80 „ 

Böhmen, Charakteriftik der Baudenkmale in. Von Bernhard Grueber — „ 50 „ 

— Die Kunft des Mittelalters in. Nach den beftehenden Denkmalen gefchildert. 

Von Bernhard Grueber. I. bis IV. Theil 16 „ — ,, 

Brünn, Die Kirche der P.P. Auguftiner (Das Königsklorter in Alt-Brünn). Befchrieben 

von A. Effenwein, Zeichnungen von H. Petfchnigg. (Mit 1 Tafeil — „ 50 „ 

Bukowina, Die griechifch - orientalifchen Kirchen in der. Von Confervator Direktor 

Romßorfer 2 „ — „ 

Cividale in Friaul und feine Monumente. Von Prof. Rudolph Eitelberger von Edelberg — „ 50 „ 
Dacien (heutiges Siebenbürgen). Die Colonien und militärifchen Standlager der 

Römer. Von M. J. Ackner. Preis per Exemplar — „ 60 „ 

Europa, Die Kupferzeit in, und ihr Verhältnis zur Cultur der Indogermanen. Von 

Dr. M. Much 2 „ 50 „ 

Gran in Ungarn, Der Schatz der Metropolitan-Kirche zu. Von F. Bock. (Mit 3 Tafeln 

und 8 Holzfchnitten) 1 „40 „ 

Gurk (Kärnten), Die beiden biblifchen Gemälde-Cyclen im Dome zu. Von Dr. Alfred 

Schncrich (1894) 2 „ — „ 

Heüigcnkreuz, Ciftercienfer-Abtei, die Bildniffe der," und die älteften Glasgemälde 

des Chorherren-Stiftes Klofterneuburg (Mit 27 Tafeln und 22 Holzfchnitten) 3 „ — „ 
Kärntens alterte kirchliche Denkmalbauten. Von Gottlieb Freiherrn v. Ankershofen . . 1 „ 60 „ 
Klofterneuburg's alterte Glasgemälde, fiehe Heiligenkreuz. (Mit 27 Tafeln und 

22 Holzfchnitten) 3 „ — „ 

Leutfchau, Die mittelalterlichen KunfUvcrkc der St. Jakobs-Kirche in. Von Wenzel 

Merklas. (Mit 2 Tafeln und 2 Holzfchnitten) 2 „ - ., 

Mülftatt in Kärnten, Archäologifche Blätter aus. Herausgegeben von der k. k. Central- 

Commifhon 2 „ — „ 

Mitterberg (Salzburg), Das vorgefchichtliche Kupferbergwerk Von Dr. M. Much 1 „ — „ 
MUhlhaufen (Milevsko) in Böhmen, Die Baudenkmale zu. Von Dr. Erasmus Wocel. 

(Mit 1 Tafel und 15 Holzfchnitten) 1 „ 50 „ 

Parenzo, Der Dom zu. Gutachten des Oberbaurathcs Freiherrn v. Ferftet, errtattet 

die k k. CeiUral-Commiffion — „ 30 „ 

Poetovio. Von Confervator Kaiferl. Rath Dr. S. Jenny 4 „ — „ 

Prag, St. Agnes-Klofter, Die Baulichkeiten des ehemaligen, in. Mit 12 Tafeln. 

Befprochen und befchrieben von Tomek und Mocker 2 „ — „ 

— Drei Stadtpläne und eine Stadtanficht vom alten. Von Jofef Alexander 

Frei her rn v. n eifert '. 2 „ — „ 

Ragufa, Die Er/Gießer der Republik Von Profeffor Jofeph Gekielt 1 (S91) 1 „ — „ 

Runkelftein, Die Bilderrelle des Wigalois-Cyclus zu. Von Ernfl Karl Graf Waldßcin 1 „ 20 „ 

Salzburg, Mittelalterliche Kunftdenkmale in. Von Dr. Guflav Heider 1 „ 80 „ 

Salzburger Bibliotheken, Gefchichte der. Von Dr. Karl ' Foltz 2 

Siebenbürgen, Die römifchen Alterthümiu- und deutfehen Burgen in. Mit einer 

Ueberfichtskartc. Von M J. Ackner — 



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- 143 - 



Archäologifche Funde aus den Bocche di Cattaro. 

Von Htmritk Kitkty. 



KSTLICH von Rom, der alten Hauptftadt weit- 
gebietender Roiner, von ihr nur durch das 
Fcftland Italiens und das adriatifche Meer 
gefchieden, von Griechenlands claffifchem Hoden nicht 
zu weit entfernt und auf fclmcllfegelnden Schiften auch 
dem altberiilimtcn Handels- und Fabriksvolkc der 
Fhönicier durch die Meerenge von Otranto leicht zu- 
trittlich, tief in das Fcftland cingcfdmitteti und von 
hochauiragenden Bergen eingefchloffen, befinden fich 
die Bocche di Cattaro. 

Sic beftchen aus drei an den Anblick von Land- 
feen gemahnenden Buchten, von denen die erfte, die 
llaja di Topla bei l'unta d Ostro unmittelbar in das 
Meer mündet, an der Oftfeite jedoch durch den 
Canal di Cumbur mit der Baja diTeodo in Verbindung 
tritt und durch die fchmalc Enge von Le Catene den 
Zutritt in die dritte und letzte Bucht, dem von Süden 
nach Norden lang erftreckten Golfo di Cattaro, auch 
den größten Schiffen gewahrt. 

Diefe ausgezeichnet gefchut/.te und verfteckte 
Lage der Bocche di Cattaro hat vorausfichtlich die 
Aufmerkfamkeit des Menfchen fchon frühzeitig erregt 
und ihn zum dauernden Aufenthalt oder vorüber- 
gehenden Befucli verfuhrt. 

Auch heute find die Bocche gewiilermaßen abge- 
fchloffcn' für die Außenwelt, und nur der rege Schiffs- 
verkehr fchafft lebhafte Verbindung mit aller Herren 
Landern. 

Wie fchon eingangs erwähnt, find die Bocche von 
hochaufrageriden, meilt fteil abfallenden Fellen um- 
geben, welche ihrer gcologifch.cn Bel'chaffcnhcit nach 
im allgemeinen als karftartiges Kalkgeftein bezeichnet 
werden dürften und deren Liegendes Thongcfchiebe 
bildet, welches auch dem wohl nie über 40 M. tiefen 
Meeresboden als Unterlage dient. 

Heute find die hochanftrcbcndcn, unter ftcilem 
Winkel gegen das Meer abfallenden Kalkftcinfelfcn 
zum großen oder größten Theile jeglicher auf die Be- 

1 Außer in iicr angedeuteten Riiln.irir, au£ tlcra Meere, tft det Zutritt 
in de-n tidKit 1I1 Cattan. a>(ina"'mti>" « nr.r i:brr fehr i.ijic Ifrrj-r tiiciflicti und 
demg-rmaß auraerR au llrmgrad itn . ] f.Kwirrig , 

Per vrTtialtnltrnailir* lorriteilr lle'.rrjr.ann; ift jrnrr am t'.rt /ujia iiiirr 
Triltit« i.'3' M.t * nt Vcrr... ;,S« M l A • a'^et* lieal,..«rlirl, ,„.,n 

jcdorli die PalTaifr n-irli d«n S.h^Mjen lterß«n u' <i M beidrifni« Jr* Kort 
St r.toyjiiri he r« : ,c1in«r wrriien; n;;ht atnicer m^!-f«I'C <Iii'*r« der Auiftire 
von l'tr«t. ur..f Rie> n ? n.v:r de r kri* oi j r rc/ek -inet »erden H«urr fti/uen in 
den »nc«'l«-li;et-n Kl-: hii; r,{ er, allenthalben b«<j>jerric 5« rp rnr nenweffe . »ebbe 
«r.twtder m.tleill Wijtn (Trinita, re [yt ctive t_'«liri;e, B.iiiitn. Teod-V' be fnhreti 
oder vor» Hettlhieieii betreten wer.lrli kuDnerv 

Glekri den Vürf\erieiiii-n, welche Jie Kiribeiniil.:-ier. der Kilr/c »euen 
■Jen Serpentinen - .-i eielie-i. we:Jcii aii..h iiuct, »icte andere Steide ak ein/ice 
Verbindung mir den li'.idi^ele neiieii NrnM-arinica L.eiteceu und alientri.^bcn 
benutrt Auf iruiee, *u.-ii- U-nli Me.i r.ltenliMti J i„ luiwcfUmt-ti Verteil, i.uil 
xuf nackten Kellet und i.ft aul ^t.wirni'.iurn Winden citei tu tiefen Kell 
fp.llten, IwK-hv:. liimh iiIick Winken i>der lie rybjjefturj Ic in (ien-lie, feilen 
fpAflichen fi/AtwuLbl Veiten, lej, 1-elir.cr. ;iu* h r.ti:ii-. ein HilidcilW» eillleilit 
nicht ein Fuß breit t'ecLuct; j|lc% lir L -t f.:. wie c» p,e »a. hfcii. (leUllrii. »der 
d.ife.-i dal W*(Tcr (L-rr .niterfc <I.ir -h l'.n: Tr-iii gewrilen ifl cer Strif tll den 
Teilila Afi^ejiarbl. U uwr^r^iti i_ikI ;ir».rtSli iil iV« Wurte« ^41,/ei lic^e -ilir.i^ ! 

Und, «in! .he fr,l jelie, , , uerl, »Itrnr . "ft ft^:l ....f»ir<« o,k, ir, liuiti, 
Krcu/> und ( t inrrr ii^en l^nn »inirr in l.itrj^^ftrriiilcr 1 >i:> i; ->n..le fuSrrinln 
Klcbtna-S ulri.h rir.r. raoilrrnrr. SrritL» r inge Ii liier, un-i n ir diefr i.etrrlec 

Aehiilic!,« Strir* lir.il r.r'-rn lirlrr. nmjrren r:im Hrif;. ,! friitr * .11 
Ootiruta n^i Ii liiur^vi l itli« M 1 uVer 5nn.:uli nnrV, Z.J. ,i nir \f ) r.^ch 
l.oLvn iji3 M.l -.ind viel* an Irre 

Uen Kinne iirin lien Tilieiin Fletreten diefrr liol- hrecl:rr <'■■ lirn Slrigr 
lte-nerl.'i neriner.5vi er-.hr Pr f.jh ar r- 1 r Mi ve riirfacl- en. d.t nt Oir .' Ii i:|;.n:r n 
M.irlti» B r in €.|t^tr. «,-t iVliwerrn 1 .rtci Arthclt. Hallt«. He* Ot- 

• ■KCl «Ir. — hebiirn. rri;el^.illi; beüi.hen. 

XXtV N 1 



Zeichnung Wald Anfpruch erhebenden Vegetation baar, 
und auch aus diefem Grunde den mannigfaltigften 
ungünfligcn klimatifchcn Einflüßcn fchutzlos preisge- 
geben. Befonders gilt dies von den im hiefigen fehnec- 
lofcn Winter eintretenden außerft ausgiebigen und 
lang atidauernden Regengüßen oder den plötzlich 
auftretenden verheerenden Wolkcnbrüchen. Die erfteren 
bringen fucccfllve, aber durch Jahrhunderte lange 
Wiederholung unausbleibliche — Gutta cavat lapidem 
non vi sed saepecadendo — Anfchwcminungcn hervor, 
welche fich auf dem bis an 80 M. anfteigenden fanften, 
oft mit tiefen fchlucht artigen WafTerlaufen oder hoch- 
aufgethürmten Felsblöcken unterbrochenen Gelände 
anfammeln. Die letzteren treten ganz unerwartet und 
in ihren Wirkungen verheerend auf und find in den 
frequenteften WalVerlaufen, gleich Strömen tobend, 
wüthend. oft aus einer Hohe von 1000 und mehr 
Metern kommend, im Stande, Hundertc von Centnern 
fehwere Steine zu ftürzen und gewaltige Blöcke gleich 
Sandkörnern in das tiefer liegende Gelände oder in 
das Meer zu fuhren; keine irclifche Macht vermag 
ihrem Anfturm zu trotzen; Felder, Häufer und ftarke 
Baume fallen ihnen zum Opfer. 

Es bedarf aber nicht folcher — zum Glück — 
ziemlich leltenen gewaltfamcn Eingriffe überirdifcher 
Facloren um dem an das Mecresufcr anfchließenden 
und hier nur etwas über einen Meter erhöhten und 
fucceffive anfteigenden Gelände — und nur diefcs hat 
für untere Zwecke eigentliche Bedeutung — immer- 
während andere Geflalt zu geben, nämlich bald aufzu- 
tragen, bald wieder abzufchwemmen; dazu genügen die 
fchon erwähnten äußerft ausgiebigen, Wochen und 
Monate andauernden Regengiiße. die mehrmals auf- 
treten und unferen kalten Winterfchnce erfetzen. Dann 
erscheinen die Kalkfelfcn fiebartig durchlöchert; überall 
tropfendes, fließendes oder in Strömen dahintobendes 
Waifcr; der Gordicchio und die Fiumcra — letztere 
ineift trocken — verwandeln fich in Ströme; das 
Flußbett der letzteren vermag die großen WaffennalTcn 
nicht zu faffen und fie ergießen fich auch noch durch 
Cattaros Gaffen; von Skaljari kommen breitgedehnte 
Stein und Erde fuhrende fchlamtuige Bache; bei Ora- 
hovac vermag die frequentc Steinbrtickc den aus einer 
untciirdifchcn Hohle kommenden Gewaffern kaum 
Durchgang zu verfchaffen und das Meer fclbft ift an 
den Ufern in wirbelföiniiger Bewegung durch die aus 
dem Grunde aufdrehenden unzähligen Quellen; die 
Knge le Catene \sird zum Strome -un<l \ on Teodo 
kommende Barken vermögen den Andrang des Wafi'er.s 
nur fehwer zu uberwinden. Endlich tritt das Meer — 
namentlich bei hinzukommendem Winde - fclbft aus 
den Ufern und erreicht zum Beifpicl nicht feiten das 
30 M. entfernte Seethor in Cattaro. 

Ich habe es für nothwendig gehalten, auf diefe 
für die Bocche di Cattaro mehr oder weniger 
giltigen alljährlich wiederkehrenden, durch Wolkcn- 
bruchc oder andauernde Rcgcngüßc hervorgebrachten 

20 




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— "44 — 



Wirkungen, fpeciell mit Rückficht auf das cultivirtc 
Terrain etwas näher einzugehen, da fic für archäolo- 
gische Erforfcbung der in Rede flehenden Gegend 
von ganz eminenter Bedeutung erfcheinen. Solcher 
Agenticn Jahrhunderte lange Wirkungen find auf das 
ganze Terrain leicht begreiflich und laflen fich mit 
wenigen Worten wiedergeben: das Obcrftc kam zu 
unterft und umgekehrt; was nicht verfchuttet wurde, 
gelangte in das Meer; und was das Walter nicht ver- 
mochte dem forfchenden Auge vollkommen zu ver- 
wifchen, das that der Menfeh 1 durch Anlage von 
Terraffirungcn, welche überall vom Mccrc«ufcr bis an 
die Kalkfelfen reichen, und in einander folgenden fuc- 
ceflive aufzeigenden mauerartigen Anlagen oft die Zahl 
von zwanzig erreichen und bis an den ftein und geröll 
bcdccktcn Fußpunkt der wildzerklufteten Kalkfelfen 
herantreten. 

So wird es auch erklärlich, weshalb prahiltorifche 
Funde in den Hocche unter die allergrößten Selten- 
heiten gehören und nur in EmzclSundcn beftchen. 

Da die Hocche di Cattaro, fo viel mir bekannt, 
noch von niemand in.archäologifcher Richtung durch- 
forfcht wurden, dürften die nachfolgenden Erftlings- 
berichte über urgcfchichtliche Verhaltniffe und archäo- 
logische Funde dafclbft nicht ohne Intcrcfic fein. 

Ich unterlatTc es, alle vcrgcb'ichcn Wege und Irr- 
fahrten — die alle zu Fuß gefchahen -- in dem hictigen 
durchaus unwegfamen Terrain, die oft gefährlichen 
Auf- und Abfliege auf niebetretenen Pfaden, dicrcfultat- 
lofcn Forfchungen in mehr als zehn Höhlen, von denen 
mehrere 5 — 600 M. hoch liegen, die Unterteilung des 
Felfenthores am Pestin grad (900 M.}, die wiederholte 
Durchforschung der verfumpften und grabendurch- 
fet/.ten Zupa, die crfolglofc Suche auf Gomilicc, dort- 
felbft, eine Fußpartie nach Krtole, dem 400 M. 
hohen Vcrmac, der I.c Catene, Oratio vac Perafto etc. 
eingehend zu fchildcrn, und will lieber zu den prahiflo- 
rifchen F.inzelfunden und derartigen Fundüatten fetbft 
übergehen. 

Ks fei hier im Vorhinein bemerkt, dafs der Menfch, 
gleichwie jetzt, auch früher und in prähiflorifcher Zeit, 
die Nahe des Meeres aufiuehte, alfo unmittelbar in 
feiner Nachbarfchaft oder doch innerhalb des eingangs 
befprochenen Geländes gewohnt hat, oder — wohl erft in 
Spaterer Zeit — die gewiSs weniger verlockenden Höhen 
aufgefucht habe. Die (teilen hoch aufgethürmten — 
Lovccn-Gruppc 1759 M, Oricn 1895 M. — Lehnen 
der heute nur zur Schaf- und Ziegenweide dienenden 
Kalkfelfen, welche doch oft für Niederlassungen und 
beSeftigtc Plätze genügenden kaum geboten hatten, 
Scheint derfelbc jedoch nie bewohnt und nur im Bedarfs- 
falle (Steig, Jagd, feindliche Invafion) betreten zu haben. 

Ich Sand in diefer Richtung auch nur auS wenigen 
Stellen Bruchflückc von Frcihandgclaßen in dunkler 
Erde und vereinzelte Eifen-Fragmentc. 

Der Golfo di Cattaro. 

Behufs beficrer Orientirung Schicke ich voraus, 
dafs die Stadt Cattaro, das alte Ascvivium. eine Co 

' l':ri'nl. »i.-.li f- lim ftuScr inj in ;uulrirr \Veil> Su w.ir rtm He.fjiicl 

IIa Ii Kr/> liiLl.-ÜiiJ.-rti I'^ra I « m Atirr. im •,. ) .Ii : Ir.m :1c r Ir jutli-, Sli.-litn m,ii: 

Ltltlli-ilt.l Otleu r»lt m. nf:l.c..!i er ,,; = .tttli.iiil^ il« mriiUr 
t. .hui hm A-'-.oJl,.„ ; -i, Mim IL, In, 



lonie der Römer, der heutige Ccntralpunkt der ganzen 
Bocche di Cattaro, am Sidlichften Punkte <.'es gleich- 
namigen Golfo anfchließend, an das auf einem Fels- 
kegel erbaute Fort St. Giovanni 1 , welches feine Ent- 
stehung dem römifchen Kaifer Ju'linian verdanken Soll, 
gelegen ift 1 Eng an diefelbc, nur durch das Flußbett 
der Fiumera getrennt, folgt, Saft die ganze Oftfeite 
längs ck-s Meeres einnehmend, der Ort Dobrota, 
welcher bloß durch zwei maßig aufdrehende Terrain- 
wellen bei Tamic und hinter Marovic unterbrochen, in 
fortgesetzter I laufcrrcihe bis beinahe an das nördliche 
Ende des Golfo [die Mühle bei Stapi) reicht, alfo eine 
l.ängsausdehnung von annähernd 6 Km. beSitzt. Ihm 
folgt nach kurzer Unterbrechung in der nordöstlichen 
Bucht Ljuta, der feit jeher unbedeutende Ort Orahovac 
und dieiein auf dem nördlichen fall Senkrecht in das 
Meer abfallenden Ufer, in einer Thalmuldc, der Weiler 
Drazin Vrt, dann nach einhalbftündiger Fußtour 
auf dem knapp am Mecrcsufcr fuhrenden, von Steilen 
FelSen begran/.tcn, durchaus vorzüglichen Wege, das 
a'.terthümlichc Pera.sto, von wo man nach abermals 
einer halben Wcgftundc in das altbciühmte Risano 
und von hier über Morinje zur Le Catene, der Kette, 
(wo in früherer Zeit die Zufahrt in den Golfo di Cattaro 
mit einer eiferneu Kette abgeSchlol'Sen wurde) gelangt. 
Indem wir abermals Cattaro als Ausgangspunkt 
nehmen und uns der Wcftfcitc des GolSo di Cattaro zu- 
wenden, gelangen wir, den Ort Skaljari links lalTend, 
nach Mulla, I'erzagno, Stoliv donji und von hier auf 
der neuerbauten Straße abermals an Lc Catene. Im 
allgemeinen darf getagt werden, dafs der ganze GolSo 
di Cattaro mit geringen Ausnahmen überall dort von 
Häufet reihen in fall ununterbrochener oder durch 
maucrumgebene Garten verbundener Reihellfolge um- 
fthlofScn ift, wo c< überhaupt möglich war, ein Haus 
anzubringen; wo keine Haufer Stehen, war es unmöglich 
Sie zu bauen, fei es wegen Ungunft des Terrains oder 
drohender WalTci gefahr. 

In früheren Zeiten hat in maßiger Entfernung 
hinter den angeführten, außer Stoliv gornji ausnahms- 
los an das Meeresufer angebauten und nur durch einen 
fchmalen vorzüglich erhaltenen Weg gefchiedenen 
Ortfrhaftcn gewifs noch eine zweite Reihe von Käufern 
in nicht unbeträchtlichen Entfernungen untereinander 
beflanden; heute finden Sich nur noch Skelette diefer 
aus behaltenen Steinen auf Mörtel hcrgcftclitcn, mit 
Sleinfuttern verfehenen Bauten, oder es ilt auch nur 
noch die kreisrunde maucrumfchloffenc gepflaSterte 
Tenne geblichen, und weift gleich den zahlreichen am 
Meeresufer befindlichen verlaffenen, oft monumentalen 
Palaft- und Haufcrbauten, den unbcnüztcn unbedachten 
oder unaiisgebauten Kirchen auf vergangene beftcre 
Zeiteit und ein betriebfatnes arbeitstüchtiges Volk, 
welches feine Heimat und feine Aeckcr liebte und beide 
hoch hielt. 

Ich übergehe nunmehr zu den von mir gemachten 
archaologifclicn Funden, nach den Fundplatzen ge- 
ordnet: 

■ Per /„Inn nm,:\ ,1cm reift,, tml .lern I „t Sl. <;i„.«r>..i woijc mir 

Ti|. l:< f.Älfrt 

- f. i.« Iirtiiirkl ii: n:ji«m Iii hc ..Mettmie Sli.tii l.f etc : _ 1 J. . j, 

;;i i .. !ntA ilr! t^t:-. lllyric ., |;'i »'.' r,.: f-.ti.-ii r«niin <i' t-|| aliri CilU lii Riju 
ru;: ■ :■:..".. !<■ r-r, I l;i .;<■ i ni.vcni <M*c i:|i.uil.i t iviim. H&i. Jtli:r..-n' eil c >' » ij . 
jurliiMti .Vr.ivinin n A i .; t ivi. .in, i lie ir, 11,1:1 rti,.:, Ititilt.: f .lumi, ].r*>r .1 
r.»IK «« t.t««-| .!» in «»»!»«.. faltr.1« «-.: if,c»Te il«ll in.r" «1= '» («..<lir.ii.-. 



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— 145 — 



In Dobrota bei Tamn, nahe am Meeresufer c'nc 
kleine [2 Cm. lang, I Cm, breit) zugefchlagcnc Sage 
aus Feuerftein. 

In derfclbcn Ortslaye, etwas weiter vom Meer 
entfernt, auf einem terraffemimfchlolYcjien Felde, ein 
kleines MeiTer aus Jaspis, 2'5 Cm. lang, 13 Cm. breit. 
Heide Objecle find bis jetzt Urtica und für die jüngere 
Steinzeit charakteriftifch. Auf dem Felde lagen auch 
einige Scherben von Freihandgefäßen, darunter ein 
Bruchftück mit Parallcllinien und anfchlicßendem 
l'chrafiirten Dreieck ornamentirt. 

Unterhalb Skaljari und unter der erlleri nach 
Montenegro führenden Serpentine, in den von einem 
Wolkenbruch durchwühlten Feldern, das Fragment 
einer tnafliven Bronzefibcl römifcher Provenienz. 

Eine von mir langbefuchtc Fundllätte befindet 
fich fudlich vom Fort St. Gwvtinni, über dem gleich- 
namigen WaiYerlauf, in den ftcilcn Kalkfelfen, etwa 
50 M. über dem Meeresniveau. Das ganze Fund^cbict 
ift von lofem Gellein mehr als meterhoch bedeckt, von 
Rcgcngiißcn mannigfach durchfurcht, jeglicher Vege 
tation entblößt; die Ortsein wohner des in einem fchlucht- 
artigen GcbirgskefTcl hinter dem Fort St. Giovanni 
gelegenen Orte Sptljari pflegen hier ihren Weg nach 
Cattaro zu nehmen, und darf angenommen werden, 
dals in diefer Richtung fchon in prahiftorifcher Zeit 
ein Steig nach den Schwarzen Bergen geführt habe; 
anderfeits ift die Möglichkeit nicht ausgefchloiTcn, 
dafs hier eine kleinere Niederlaffung in votgefchtcht- 
lieber Zeit bertanden habe. Gewifs aber hat der Menfch 
die in Rede Hellende Fcllcnlchne, w : o früher fchüt/endc 
Felswände oder Hohlen gewefen fein dürften, oft und 
in räumlich weit gefchiedeuen Perioden betreten. Dafür 
fprechen ganz unzweifelhaft die von mir gemachten 
nachgehenden Funde: 

Zwei Fragmente von zugcfchlagcncn SteinArte- 
facten (Lanzen- oder Pfeilfpitzen} von dunklem, lehr 
hartem ortsfremden Geltein. 

Bruchftück von einem geglätteten Meißel, ebenfalls 
fehr hart, ferpentingrün; nur ein Theil der fcliarfcn 
Sehneide und der cinfeitigen Bahn ilt vorhanden; 3 Cm. 
lang, 9 Mm. dick. 

BronzcblechFragmcnt, grün patinirt, fehr dünn, 
mit conccntrifchcn Doppclkrcifen und Wiirfelaugen ge- 
ziert; dürfte einem Gürtel angehört haben. 

Bruchftück eines maffiven Bronze-Cdtes, beliebend 
in der Hälfte des Mittclköi pers mit aufgeftauten 
Randleiften; gewaltfam zerbrochen. 

Vier kleine Bronzcblcch-Fragmcnte 

Zwei maffive Bronzenägel mit viereckigem Kurper, 
oben mit abgerundetem oder abgeftutzt kegelförmigem 
Kopf; die Spitzen fehlen; ich habe Grund, d-efe beiden 
Objetle als römifcher Provenienz zu bezeichnen; Frag- 
ment eines ähnlichen Nabels ohne Kopf. 

Zahlreiche Bruchllürke von Freihandgcfaßen, 
darunter eines aus rothlich braunem Thon mit band- 
artig gewundenem Strcifcn-Ornamcnt- 

Römifi he Kaifer Medaille. Maffiv, thalergroß, pa- 
tinirt. Avers: Bruftbild, Lebende mideu'ltch. Ii: Sieges- 
göttin Kranz und Stab haitend; Slenatus) C'onsultos, 
Bafis verwifcht. 

Römilche Kaifer-Medaille. Zehnhellerflüekgroß 
patinirt; Avers: Brüll bild verwifcht, aber durch Vcr- 
glcichung mit einer analogen vollkommen erhaltcr.cn 



Münze, befonders nach der auch hier kenntlichen Rc- 
versfeite ;Constantii>as Aug.) Ri: Caftellthor mit Le- 
gende: Providentiae aug. 

Aehnlichc Münze; Av: Bruflbitd; B: Figur; Le- 
gende unlelcrlich. 

Patinirte utibeflimmbare Münze. 

Kifcrnc Pfcilfpitzc mit Dulle, 6 Cm. lang, Blatt 
8 Mm. breit. 

Dicfe find die Refultate meiner wohl hundertmal 
wiederholten Nachforfchungcn auf der Fundftelle bei 
Si. Giovanni, deren Ausdehnung nur mit etwa 500Q.-M. 
Flachenraum zu veranfchlagen wäre. Weiter hinauf, wohl 
bis an 300 M. Seeböhe, habe ich außer zwei Münzen 
des heil. Triphon (Patron der Stadt Cattaro) nie etwas 
gefunden. 

Risano.' 

Der Ort Risano liegt am nordlichften Punkte des 
G0K0 di Cattaro in dem Vallonc di Risano, in einer 
keffelformigcn gegen das Meer zu offenen und ebenen 
Tbalmulde. Das gegen Norden und Oftcn allmählich 
aufzeigende, nur von zwei unbedeutenden Hügeln 
unterbrochene Terrain wird bald unwegfam und von 
fchroffen Wänden und tiefen Schluchten durchfetzt und 
von dominirenden I loheiipunkteu in der Krivofije, der 
Vela Bukva (1224 M.j, im Norden von dem Vcli vrh 
(1277 M.) und im Ollen vom Goli vrh (131 1 M.) in 
weitem Krcilc umfchloflen. 

Nach den Hohen der Krivosijc führen jetzt zwei 
in Serpentinen angelegte Wege, der eine gegen Crk- 
vice, der andere nach Grkovac. 

Die Stadt Rüano erftreckt fich heute meift an der 
Oftfcitc des Vallone di Risano mitunter bis hoch in das 
Gebirge und wird durch einen breiten geftcincrfullten 
temporären WaiYerlauf in zwei Thcile gefchieden, im 
Welten aber durch einen beiderfeits terraflirten mit 
einer iteinernen Brücke verfehenen offenen, meift 
trocken liegenden, durch die aus der großen Höhle 
.Spila- kommenden WäfTer aber zum breiten Fluß an- 
fchwellendcn Canal begränzt. Hinter diefem WalTcr- 
lauf und auch an zwei eng anfchließcnden Feldern vor 
deml'elben ift das aus grobem Kalkgeftcin und kleineren 
Schotter-Fragmenten bertehende, heute der Cultur cr- 
fchlolVetie Terrain zum großen Thcile fall vollkommen 
eben; doch find neben dem die ganze Fläche durch- 
fehncidenden Wege zwei Stufen bemerkbar, indem 
nämlich die linksi'eitig gegen das Meer zu (fudlich) ge- 
legenen vier und auch die beiden der Stadt zuge- 
kehrten (örtlich; vergl. Situationsplan Nr. I, II. III, IV, 
VII und Villi durch Tcrraffcn oder lofe Steinmauern 
eingefchlofl'cnen und von einander getrennten Felder 
das Meeres Niveau kaum um 30 — 50 Cm. überragen, 
wogegen die rechtsfeits nördlich fituirteu drei Felder 
(Plan Nr. V, VI und IX; um fall einen Meter höher ge- 
legen erfcheinen. Uebcr ihnen folgen allmählich auf- 
fleigende TerralTen und diefen abermals wild zerklüf- 
tete, (teil abftürzende und kahle Kalkfelfen bis zu einer 
Hohe von annähernd 200—300 M. Hier befindet fich 
eine ebene oder kimltlich planirle, ailleitig von durch- 
kluftetcn Stciuwarulen und fcharfkantigen Fel-lchi offen 
begranzte, mit einer machtigen Doppelttiaucr cinge- 

' !>.,. rrßc.-nal »itil ki»^.,., ^(..hutullth i:., ]„-.!'. v, CI.t i>5 

'!->,. t.nt, IT, J;i'it« <■-,■> «v"» e« jLi.ti die Av-iicu <L ( luod« Ulli »gr-J» "n 
>> J.i-.iYiLndenc ilitt— »l* »tirtutt. 

20* 



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I4Ö — 



friedete Flache, die Bergfeflc „Gradina -1 . Indem wir 
dielet; intereffanten Platz vorläufig vcrlalTen, um gele- 
gentlich ;iuch über ihn einteilend zu berichten, kehren 
wir in die unferc Aufmcrkfamkeit in den folgenden 
Zeilen ausfchließlich in Anfpruch nehmende früher 
angedeutete Ebene zurück. Gegen Werten drangen die 
ftetlen Felslchnen, an einer Stelle von einer tiefen, der 
Tradition nach durch ein Erdbeben cntliandcncn 
Schlucht durchritten, immer naher an die Ufer des 
Meeres, bis fie dasfelbc erreichet» und dcrgeftalt die 
fich allmählich verengende und hier fpitz zulaufende 
Ebene umfangen und jah abfchließen. 

Die vorgehend befchriebenc Ebene il\ außer den 
beiden tief ciugefchnittcnen Wafferlau fen faft voll- 
kommen horizontal; bloß ein Haufen bchauener Steine, 
ein Iblchcr von großen Steinplatten, eine unbedeutende 
Vertiefung, ein mit fcharf gei'pitzten Binfen dicht be- 
wachfener faft kreisrunder Tümpel, ein faft nur aus 
größeren Steinen beftehendes Feld, nebft einem Berg 
von Klaubfteinen find dem aufmerkfam fuchenden 
Auge wahrnehmbar. 

Diele ganze einen Flachenraum von annähernd 
6 Hektaren umfaffende Ebene heißt im Volksmunde 
und bei den Einwohnern vonRisano überhaupt „Carina u . 

Nachdem wir das unferc Aufmcrkfamkeit befchaf- 
tigende Terrain im allgemeinen kennen gelernt haben, 
wenden wir uns den Details zu. 

Auf dem beiliegenden Situationsplane, welchen 
ich an Ort und Stelle ä la vue aufgenommen, der alfo 
auf Genauigkeit keinen Anfpruch machen darf, ge- 
langen wir, von Risano kommend, die Felder Xr. VIII 
und Nr. VII hinter uns laffend, zum Wafferlaufe // über 
die Steinbrücke m zu dem Felde /; dasfelbc ifl derzeit 
mit Klee beftanden, alfo der Forfchung unzutrittlich, 
wurde aber vor mehreren Jahren rigolt (tief unige- 
graben) und bei diefer Arbeit zahlreiche Altcrthums- 
objeete, darunter eine vollkommen erhaltene Ampel, 
dann zwei Goldmünzen bei g gefundan ; das unbrauch- 
bare Material, beftchend aus größeren und kleineren 
Steinen, Topffcherben etc. wurde als der Cultur hin- 
derlich entfernt und längs des Meeresufers bei b in 
einer langen, hohen und breiten wallartigen Auf- 
fchuttung deponirt. 

Das Feld Nr. II ift dermalen noch unbebaut und 
jedermann zutrittlich ; vom Wege aus gelangt man, 
etwa einen Meter herabfteigend, auf dasfelbc. Schon 
bei oberflächlichem Abgehen findet man feine 
Oberflache mit Bruchfluckcn von zahllofen Thon- 
gef.ißcn der vcrfchicdcnftcn Dimcnfionen, meift jedoch 
von ziegelrother oder fchmutzigweißer Farbe, klingend 
gebrannt und auf der Topferfchcibe hergeftellt, formlich 
bedeckt. Randftuckc, Henkel. Böden und Deckel 
(Sturzen) liegen da überall herum; daneben finden fich 
ab und zu Fragmente von polirtcn Marmorplattcn, 
kleine Pflaflerziegel, Knochen, Bronzcnägcl und der- 
artige Schmelzlluckc Glas-Fragmente, meift von licht - 
gnincr Farbe und zahlreiche Münzen. Auch Bronzc- 
platlchen, GcfaJiftückc mit feil anhaftenden Sand- 
körnern, Kohlcnftückchen, Knochen und Alche finden 
fich nicht eben feiten. Am Ende diele- Fehles bei a 
befindet ilcli eine beträchtliche Anzahl auf einem 
Haufen umherliegender größerer und kleinerer Marmor- 
platten; alle find behauen und an der Oberfläche ge- 
glättet. 



Das folgende Feld Nr. III ift ebenfalls mit Klee 
angebaut und darf nicht betreten werden. Doch er- 
blicken wir bei c einen großen Haufen behaltener 
Werk- und Bauftcinc und bei d eine muldenförmige 
Vertiefung in dem fonft vollkommen ebenen Grund- 
flück. Hier hat nach Angabc des Bcfitzers vor nicht 
zu langer Zeit ein Wafferbaffin neben einer türkifchen 
Mofchee gcflantien, und der bei der Dcmolitung ge- 
wonnene Stein wurde an der fchon bezeichneten Stelle 
aufgcfchlichtet. Ich will gleich hier bemerken, da wir 
auf diefcs Feld vorlaufig nicht mehr zu fprechen 
kommen, da*~s ich die bezeichneten behauenen Bau- 
fleinc, foviei eben möglich, genau befichtigt und con- 
ftatirt habe, dafs fic außer einigen belanglol'en Gefims- 
ftucken keinerlei Schriftzeichen oder Sculpturcn auf- 
weifen. Doch habe ich in und neben dem oft in maffiven 
Lagen anhaftenden Mörtel auch nicht feiten größere 
Stücke roth gebrannter Gefaßfragmente bemerkt und 
mich uberzeugt, dafs fic mit den auf dem Felde Nr. II 
gefundenen derartigen Fragmenten übercinftimmen, 
und aus diefem Umftandc gcfchloffen, dafs das bezeich- 
nete Baflin jedenfalls viel jungem Datums fein müße, 
als die befprochenen Fundltückc dortfclbft. 

Das vierte und letzte Feld in diefer Reihenfolge, 
Nr. IV, bietet nicht viel Bemerkenswcrthcs; doch find 
auch hier, wenngleich in geringerer Anzahl, dem auf 
dem Felde II angcführtenFundllückcn gleichkommende 
Objeclc nebft Münzen und Mronzenagcln nachgewiefen 
worden. An der dem Meere nächftgelegenen Seite be- 
findet fich bei « eine fchon erwähnte, verfumpfte, mit 
Binfen bewachfenc, faft kreisrunde 40X45 Schritte 
Durchmeffcr haltende Vertiefung und bei o verfchiedene 
Steinhaufen. 

Zum Schloße fei wiederholt bemerkt, dafs die eben 
befprochenen vier, von der Brücke und dem Wege 
links abliegenden, dem Meere zunachft befindlichen 
Felder nur etwa 30 — jo Cm. über das Meeresniveau 
hervortreten und bei Scirroco und Mestralwind von 
den anftürmenden Wogen nicht verfchont bleiben. 
Gegenwärtig bieten die auch nach der Meeresfeite 
überall aufgebauten Mauern und Terraffen, fpeciell auch 
der bereits erwähnte wallartigc Steinhaufen b ge- 
nügenden Schutz. Aus früheren Zeiten find ähnliche 
oder anders befchaffene Schutzwehren auf diefer Seite 
nirgends bemerkbar; der Meeresboden verfchwindet, 
kaum einen Meter vom trockenen Uferrande entfernt, 
in lo bis 15 M. betragenden Tiefen. An einer Stelle, 
dem Stcimvall gerade gegenüber, ift eine etwa meter- 
breite und einmal fo lange, jedenfalls fehr feil gebaute, 
weil noch beftchende Mauer etwa 50 Cm. unter dem 
Meeresfpiegel deutlich wahrnehmbar (Plan X). 

Nach diefer oberflächlichen Berichtigung der zur 
linken Seite des Weges gelegenen Fcldflurcn wenden 
w ir uns jenen auf der entgegengefelzten rechten Seite 
zu. Dicfelben find, wie fchon eingangs erwähnt, um etwa 
1 M. hoher gelegen als die vorhergehenden, alfo etwa 
130— 150 M. über dem Meeresfpiegel erhoben. Schon 
von der äußerft folid erbauten auf zwei Steinpfeilern 
ruhenden Brücke m au> erblicken wir zur rechten 
1 land in dem kanalartigen WalTerlauf // bei / einen 
maffiven Steinbau, welcher das Feld Nr. V nach diefer 
Seite hin mauerartig einfchlicßt und offenbar eine 
Schutzwehr aus lattgft vergangenen Zeiten gegen die 
aus der Hohle r Spila u zeit weife anftürmenden Waffcr- 



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- 147 - 



maflcn vorftellt. Dicfcr monumentale maffive Stcinbnu, 
wohl die Ucberrcflc einer nach altgriechifchem Müller 
erbauten cyklopifchen Mauer, find heute nur noch in 
einer Länge von etwa 12 M. vollkommen erhalten und 
ohne Mörtelvcrbinduug aus riefigen an den Berührungs- 
flächen geradlinig behaucnen, an der Außenfeite rauhen 
StcinkoJciflcn zufamtnengefugt; fie fchließen mit geringen 
Ausnahmen mcifl fo dicht aneinander, dafs ihre Anltoß- 
feiten nur durch dunkle Striche erfichtlich werden. Der 
erhaltene Mauerrcfl reicht bis tief in das (leincrfülltc Fluß- 
bett und ift rS M. hoch; die beiden untcillen Lagen, je 
75 Cm. hoch, beliehen insgefammt aus gewaltigen 
Steinen, darunter einer 100 Cm. lang und 80 Cm hoch, 
und find bald im rechten, bald im dumpfen oder fpitzigen 
Winkel behauen und zufammengefügt. Picfcn beiden 
Grundlagen ifl eine dritte Schichte aus in gleicher 



öfter betont, um I M. erhöht. Vor einigen Jahren foll 
hier ein englifcher Reporter gegraben und in einem von 
ähnlichen großen behaucnen Steinen umfchloflfcnen und 
mit einer Steinplatte gedeckten Steinkillcngrabe ein 
Skclet mit Armringen gefunden und darüber an eine 
englifche Zeitung berichtet haben. Auch auf der Ober- 
flache diefes Feldes finden lieh die bei II abgeführten 
keramifchen ProduCtc, wenn auch in geringerer Anzahl, 
und ab und zu Münzen. Es darf angenommen werden, 
dafs die befchriebene cyklopifche Mauer in erfter Linie 
dem Wafferandrange aus der Spila fchiitzend ent- 
gegentreten füllte und dann möglicherweife auch einen 
Bcgräbnisplatz cinfehloß. 

Das anfchließende, gleich dem vorhergehenden 
erhöhte, alfu mit dcmfclben in einer Kbcnc liegende 
Feld Nr. VI ill maucrumfchloflcn und dornbekränzt 




Weife behaucnen, aber nur 30 Cm. hohen Steinen auf- 
gelegt. In früheren Zeiten hatte diefe cyklopifche 
Mauer eine viel bedeutendere, wohl an I 50 Schritte 
betragende Länge und reichte, 24 M. vom Beginne 
unter rechtem Winkel um 2 M. vortretend, bis /, aifo 
faft in gleicher Höhe mit dem gegenüberliegenden 
Felde VII. Ab und zu auftretende, entweder noch an Ort 
und Stelle fitzende, oder aber in den WafTcrlauf herab- 
gerolltc, weil durch dai Waffer unterwühlte cyklopifch 
behauene Steine weifen Richtung und Länge diefes 
hochintcrcflantcn Baues. An der Nordottfcitc ifl ein 
Abfchluß desfelben nicht bemerkbar, wohl aber an der 
Sudweflfeite unmittelbar hinter der Brücke bei ff, wo 
ein Stück cyklopifchcr Mauer unter rechtem Winkel 
längs des Weges in der Sudwellrichtung abbiegt. Das 
ganze hinter der Mauer befindliche Feld V ill gegen 
den Wafferlauf um 15, gegen das Feld I, wie bereits 



und der Zutritt nicht geftattet. 
Doch hat der Kigcnthümer des- 
felben verfichert, dafs er felbft aus 
größerer Tiefe eine behauene 
etwa 40 Cm. dicke Steinplatte 
ohne jegliche Auffchrift oder Sculp- 
tur ausgegraben habe; auch Mün- 
zen, mit Patina bedeckt und unlcfcr- 
lieh, flammen von diefer Feldflur. 

Das nachfolgende Feld Nr. IX, 
eigentlich ein Steinmeer, wird von 
dem vorhergehenden durch einen 
hohen Wall von Steinen (Klaub- 
(leinen) gefchieden, ifl an der Sudweflfeite von einer 
Tcrrafle umgeben und durch das (leinige, den aus der 
eingangs angedeuteten Schlucht oft verheerend hcrab- 
kommenden Rcgcnwäffern zum Abfluß dienende Rinn- 
fal begränzt. 

Unmittelbar hinter demfelbcn und in mäßigem 
Bogen gegen das Meer gerichtet, das Feld IV in fort- 
gefetzt ebener, mit Lorbeer-, Granat- und anderen 
Sträuchern und Bäumen beflandencr Lage cin- 
fchließend, folgen fchroffe unwegfame hoch und Heil 
aufragende Kalkfelfen und hegränzen auch nach diefer 
Richtung (dem Südweften'i die ,,Carina*, welche, wie 
bereits gefagt, im Süden vom Meere umfpielt und im 
Nordwcflen von kiinfllicb erbauten hoch auflleigcndcn 
TerralTcn cingefchloffcn wird und fich über den Waffer- 
lauf/noch auf die Felder VII und VIII in ebener Lage 
fortfetzt. Auch auf den, gleich I, II, III und IV nur etwa 



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148 — 



30 — 50 Cm. über «lern Mccrcsfpiegcl erhobenen Fel- 
dern V II und VI II finden lieh keramifchc l'roducte der 
eingangs erörterten BefdiatTcnltcit, und wird namentlich 
VIII als Fundftättc elften Ranges bezeichnet. Nach 
Auslage des Befitzers foll hier eine güldene kleine 
W iege (?) mit Kind gefunden worden fein. Ich habe auf 
diefen beiden zuletzt genannten Feldern außer einigen 
Bronze-Nägeln nie etwas von Bedeutung aufgegriffen. 
Hieinit wäre die Ortslage von Carina in allgemein 
uberfichtlielien Details, wie fie Ach dem aufmerkfamen 
Beobachter auf der Oberfläche bieten, genügend gc- 
fchildert. 

Ich fchreite nun zur eingehenden Würdigung der 
von mir bei mehr als zehnmal wiederholten Bcfuchc 
diefer hochwichtigen Fundftätte langft vergangener 
Zeiten gefundenen Alterthumsobjectc. Um das ganze 
ziemlich umfangreiche, wenngleich außer den Münzen 
zum größten I heile nur aus Fragmenten um! Bruch- 
ftücken keramifcher l'roducle beftchendc Fundmaterial 
belTer überlichtlich darzullellen, will ich dasfclbe in 
fortlaufender Ordnung aneinanderreihen. 

Der ehrwürdigen baulichen Ueberrefle von Ca- 
rina in Gel\alt einer cyklopifchen Mauer wurde bereits 
gedacht und bemerke ich ausdrücklich, dafs ich außer 
ihr in der hier in Rede ftehenden Ebene keine anderen 
Gebäude oder Maucrreftc älterer Provenienz vor- 
gefunden habe. 

Keramifdie Producte. 

Die profeftionsmüßig. oft fehr elegant und ge- 
fchmackvoll hcrgcftcllten Topfwaren find insgefammt 
auf der Drehfcheibe hcrgeftcllt und vorzuglich gebrannt. 
Das Fundmaterial beliebt aus Bruchllückcn, welche 
jedoch bei einiger Routine gertatten, fich einen ziem- 
lich zutreffenden, oder doch der Wahrheit nahe kom- 
menden Begriff von der einftigen Geftalt der verfchie- 
denartigen Gefäße zu entwerfen. Es ill gewifs, dafs 
die Großen verhaltnilTe außerordentlich variirten 1 ; fo 
zum Beifpiel zeigt ein Fragment an der Bauchfeite 
einen Durchmefl'er des intaclen Gefäßes von 42 Cm., 
ein anderes kleineres einen fdchen von blos 13 Cm. 
u. f. w. Das Material ill durchaus mehr oder weniger 
lein geichlemmter Thon, ab und zu auch kleine weiße 
Sandkorner, Stückchen Röthcl, in einem Falle auch einen 
Glasfplittcr enthaltend. Der Farbe nach ill ziegelrot!» 
und fchmutzigweiß mit den entfprechenden Nuan- 
cirungen bei weitem vorhergehend, doch erfcheinen 
auch dunkelbraune Bruchftucke und faft fchwarze 
Henkel vertreten; auch kleine, vorausfichtlich fehr 
zierlich geformte, weit ausgebauchte Gefaßrefte kommen 
in Fragmenten vor und find oft an den Außen- und 
Innenwanden mit einem dunkeln Anftrich touchirt 
Ziemlich feiten find dagegen keramifdie Produkte aus 
Terra-sigiliata. Nur kleinere Bruchftucke liegen zutage 
oder haben fich überhaupt erhalten; meift ruhen fie 
auf einem wulftartigen kreisrunden Unterfatz und 
variiren nach den vorhandenen Fundftückcn im Durch- 
m-.ffcr von 3 — 6 Cm. Sehr mannigfaltig lind die fehr 
häufig vorkommenden Gefäßhenkcl; auch fic find in 
den Dimcnfionen fehr verfeinden, und begegnen wir 
ihnen vom m il'rtven fall geradlinigen Amphora Henkel 
bis zu jenem von ganz kleinen Näpfen, von Schalen 
oder Ampeln, deren Ooffnung in einem Falle kaum 

1 [<ic iirf[.ri:ii£lL. Im l.rallc »i.rdc cuh Kr^jaic:.!«!! nitUlK Z.rk.l !«• 



Federkieldicke erreicht. Hin anderes etwas größeres 
Exemplar wurde für fich allein geformt und an das zu- 
gehörige Gefäß nur angeklebt. Die äußere Form ili 
häufig llielrund oder quadratifch zufammenprefst und 
mit einer mehr oder weniger tiefen Rille verfehen, oder 
auch plattgedrückt oder oben zufammcngcquctfcht, 
dafs es faft fpitzwinklig eifcheint, mitunter auch auf 
allen Seiten tief ehigefurcht. Die Randftücke find mit- 
unter fenkrecht aufftchend oder aber unter faft 
rechtem Winkel abgebogen, dann zwifchen Randwulft 
und Hals oder der Bauchfeite tief cingefchnürt »der 
der Rand fleht bis 3 Cm. in Form einer flachen Leifle 
ab und ift umgebogen u. dgl. m. 

Viele Thongefäße hatten auch vorausfichtlich 
maflive cylindrifche oder konifch endigende, hier oft 
mit einem ringsum laufenden Wulft umgebene Füße; 
mitunter find fie aber auch hohl und waren dann gewifs 
die Handhabe einer fehr großen Stürze (Deckel). Ein 
derartiges Stück ift 10 Cm. hoch und unterhalb der 
thurmförmig aufragenden Spitze mit einem dachförmi- 
gen Wulft umgeben. Fünf maffive kuchenförmige glatte 
Stürzen von recht roher Arbeit und einem für Carina 
nicht ungewöhnlichen Typus find entweder mit einer 
halbkugclförmigcn Man Jhabc oder mit einem unregel- 
mäßigen, durch das ZufammenpreiTen des noch rohen 
Materials mit den Fingern cntflandencn Zapfen ver- 
fehen. Ihr DurchmciVcr beträgt 8— 12 Cm. Eine fechfte 
Sturze ift den noch jetzt gebräuchlichen ähnlich, doch 
wurde die knopfformige I landhabe im rohen Thon da- 
durch hervorgebracht, dafs das feuchte Material mit 
einem Finger nach oben herausgedrückt wurde; der 
Fingerabdruck ift deutlich erkenntlich. Die meinen 
Gefäße waren dünnwandig, doch kommen auch folchc 
von I Cm. Wandftärkc vor. Ornamente find fehr feiten, 
vorhergehend find parallele Rillen oder fenkrecht ge- 
führte Striche, die mitunter auch auf der Innenfeite 
erfcheinen, Auf einem Bruchftück von Terra sigillata 
kommen Reliefverzierungen vor. Der Geftalt nach darf 
auf weitbauchige, dann vafen- und amphoraartige Ge- 
fäße neben den ToptTormen und Urnentypen gcfchlolTcn 
werden. Hierher gehören auch größere und kleinere 
Pflafterzicgcln, von denen einige bei einer Länge von 
7— 12 Cm. 6 5—7 5 Cm. Breite befitzen und 2 Cm. 
dick find. Endlich wären noch mehrere maffive Phalhile 
zu nennen, von denen einige den DurchmcITcr von 
3 — 4-5 Cm. belitzen und bei intaclen Exemplaren eine 
Länge von S— 10 Cm. aufweifen. Sie lind ebenfalls aus 
lichtrothem oder fchmutzigweißem Thon hcrgeftcllt und 
fehr gut gebrannt. Da fie nur an einem Ende als felb- 
ftändiges Ganze abgcfchloffen erfcheinen, das andere 
aber abgebrochen ift, kann ich mir ihren eigentlichen 
Zweck nicht ganz erklären, doch dürften fie als Hand- 
haben oder Fuße größeren Gefäßen gedient haben; dafs 
fie ablichtslos oder zufallig die Geftalt eines Phallus er- 
halten hatten, feheint mir unwahrscheinlich. Aus Terra 
sigillata feheinen vorhergehend niedrige Schalen, oder 
(lache Deckel, in beiden Fallen mit ringsum laufendem 
ringförmigen Wulft als Unterfatz dienend, hcrgeflellt 
worden zu fein. Ich befitzc nämlich mehrere derartige 
Fragmente, aber nur ein Gefaßbodenftück von 3 5 Cm. 
Durchmefl'er, welches fchon unmittelbar über dein 
Boden weit ausbaucht. Die vorhandenen Bruchftückc 
weifen auf forgfaltigc fehr elegante Arbeit erfahrener 
Töpfer oder Fabrikanten, ihre Wände find meift nur 



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- «49 - 



4— S Mm. ftark und fehr gleichmäßig auf der Dreh- 
fchcibc hcrgeftellt. 

Ich übergehe nunmehr zu den Stempeln und 
Fabriksmarken. 

Größeres Fragment einer urfprünglich wahrfchein- 
lich viereckigen TerrasigillataScheibe, vorzüglich ge- 
brannt, an beiden Seiten dach. An der Ur.terfcite 
i(\ ein ftumpfkantiger, an der Peripherie 7, an der 
Inncnfcitc 10 Mm. hoher, 15 Cm. breiter wulftformiger 
Ring erfichtlich. An der glänzend rothen Oberfläche 
belinden fieh zwei fcharf eingeritzte Kreifc von 145 
und 17 Cm. DurchmclTcr mit doppelter Tunkt-, drei- 
facher Strich- undanfchlicßenderStrahlenver/icung; die- 
felbe beginnt an der Peripherie des kleineren concen- 
trifchen und endet in der angeführten Reihenfolge vor 
der Peripherie des großem Kreifes. In der Mitte 
bemerkt man eine durch die ganze Scheibe reichende 
clliptifche OefTnung mit dem Durchmeiler von 13 und 
7 5 Cm. Zwilchen dem erden Kreifc und der angeführten 
clliptifchen Oeffnung befinden fich beiderfeits zwei 
gleiche fcharf eingeprägte Fabriksmarken mit den 
folgenden Huchllabcn: 

UVW 0 ! 
IFICVMJ 

Maffiver Henkel, 4 und 5 Cm. dick, an der Außen- 
feite die Auflchrift: 

ÜIAS( 

Achnlicher Henkel mit der Auffchrift (Ornament ; ). 




. Ungewöhnlich maffiver Henkel mit der Fabrik- 
marke: 




Randfluck mit tief eingeprägtem Stempel: 
K.-"'V - 

Die verfchiedenen Henkel und das KandlKick find 
aus lichtrothcm Thon hcrgeftellt und entfprechen in 
jeder Reziebung vollkommen anfelinlichcn Fundfliickcn 
von Carina. 

Randftück von fehmutzigweißem Thon, 2 5 Cm. 
dick. Gefäß urfprünglich 17 Cm. Durcbmeffer. mit der 
Marke, refpective Auffchrift: 




(An der Inncnfcitc, fowic neben den Buchilaben und 
über ihnen Sandkörner und aichgrauer Uefchlag.) 

Endlich eine Stürze von der früher befchriebenen 
kuchenförmigen Gcftalt, mit zwifchen Handhabe und 
Peripherie in gleicher Fiilfernung viermal wiederholten: 

\\ ,9 

\\y/ > l 



Stein. 

Aus Stein find zwei Bruchftückc von gegliederten 
Gefimfen aus weißem Marmor zu nennen, von denen 
das eine 12 Cm., das andere 7 Cm. hoch ift. Eines 
davon ilt noch mit Basrelief geziert. 

Ein halbkugelformiger grauer Kalkftcin, welcher 
an der abgeplatteten unteren Seite zwei in das Ge- 
rtein eingefügte Zapfen aus Eifen belitzt und y Cm. 
breit und 5 Cm. hoch i(r. 

Hierher gehört auch eine ganze Reihe kleiner 
polirter Bruchllückc aus dunkelgrünem roth gefpreng- 
tem Marmor und einige anfehnlichc Sycnitfragmcnte; 
lie variiren im Durchmeiler von 1 — 12 Mm., an manchen 
find Sägefchnittc bemerkbar. Da fie vollkommen glatt 
find und auch ähnliche Mofaikfußbödcn noch heute 
Verwendung finden, gedenke ich in eine genauere Be- 
fehreibung erft e inzugehen, wenn ich mich überzeugt 
haben werde, dafs lie mit den hier befproebenen 
Funden fynchroniftifch find. 

Glas. 

Bruchllücke aus Glas find nicht feiten und da ich 
ficher bin, dafs fic nicht nur der Fundilättc angehören, 
fondern auch mit den übrigen Fund Objeeten gleich- 
zeitig in Verwendung traten, nehme ich keinen An- 
ftand, fic hier in Kürze anzuführen. Grünes Glas ift 
vorhergehend, doch kommt auch violettes und blaues 
vor. Ich verzeichne die Fragmente eines durch große 
Hitze in fich l'elbft zufammengefchmolzencn lehr 
kleinen und überaus zarten Gefäßes, defl'en runder 
Henkel mehrfach gebogen, feil aufliegt und den 
mäßig nach außen abllehenden Kand anfchlielit. Thcile 
einer maffiven. nur 1 ■; Cm. hohen, am Boden mit 
einem dickleibigen y Mm. breiten, als Untcrfatz 
dienenden Wulft verfehenen Scha'.e von 11 — 12 Cm. 
DurchmclTcr aus violettem Glas. Biuchftuckc ähnlicher 
Schalen aus verfchiedenfarbigem Glas; ihre Form ilt 
analog den Typen mancher der Fundftätte angehorigen 
Thon- und TeirasigillataObjeäe Divcrfc andere 
Glasfragmente, die entweder die Spuren heftigen 
Feuers oder laug andauernder Oxydation an lieh 
tragen. Endlich das kleine Bruchrtuck einer Glasmofaik, 
beftchend in lichtgi inicn fech-bllittrigcn Blumeilkroi.cn 
mit zicgclrothcm Kelch in violettem Grund. 

Kupfer-, Hroii'i-, JiL'i- und Hifcnfadun. 

Alle kommen als Metalle oder Legierungen — 
nur eine genaue chemifchc Analyl'e winde die Qualität 



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- i 5 o - 



■ 



jedes einzelnen Objcctes erweifen — gemeinschaftlich 
und auf dcmfelbcn Fundplatze vor; entweder ift es das 
Material oder die typifchc Form, welche ihre Zusammen- 
gehörigkeit außer jeglichen Zweifel Stellt. Vor allem 
gedenke ich einer beträchtlichen Anzahl von Bronze- 
fehmelzftücken, von denen angenommen werden darf, 
dafs fic da-- Produdl durch große Hitze unkenntlich 
gewordener, meift kleiner GebrauehsSaehen, Zierftücke 
und dergleichen find. Heute find es nur noch unförm- 
liche Klumpen, von denen der größte etwa 250 Gr. 
Schwer ill. Kleine Boden- und Wandftacke von ver- 
schiedenen Bronze tiefaßen, von 1—4 Mm. Dicke. 

Zahlreiche Bronze Nägel; fie find die meift vor- 
kommenden und lieft erhaltenen Metallfachen auf Ca- 
rina. Der Kopf ift mäßig erbreitet, 10 — 20 Mm. im 
DurchmeSTer und entweder flach oder konifch auf- 
ragend. Der Korper vierkantig. 4 — 7 Mm. dick, in 
einem Falle mit feharfen Einkerbungen verfehen. Oft 
find Solche Nägel von Sandkörnern und auch Kohlcn- 
ftiickchcn formlich incruftirt; manchen haften auch 
kleine Khimpchen rothgebrannten Thones und Eifen 
oxydfpuren an. Kin maffiver Nagel ift Saft S Cm. lang. 
Kleine vollkommen erhaltene Bronzeplättchen, 15 
bis 2 Cm. lang, ö — 8 Mm. breit. 

Der maffive Kopf nebft fragmentarifchem Körper, 
dann mehrere ftielrunde Spitzen von Nadeln. 

DreiBruchfi iicke von mafi'iven vierkantigen Ringen 
reconftruirt, 14, 21 vind 24 Mm. im Durchmeffer. 

Maffiver, u Mm. hoher. 10 Mm. dicker Bronze- 
cylinder mit King Ornament; ähnliches, gleich orna- 
mentirtes Fragment. 

Vollkommen erhaltene Kifchaiigel aus dünnem 
Bronzedraht nebft zwei derartigen Brucliftuckcn. 

Fragment einer mit eoncentrifchen Kreifen ge- 
zierten Bronze-platte von 6 Cm. Durchmeffer; eine 
ähnliche glatte Scheibe von faft 8 Cm. Durchmeffer. 

Drei kleine glänzend glatt polirte Bronzeplättchen; 
wahrscheinlich von einem Mctallfpiegel; 

Kin kleiner ganz erhaltener gerader und ein ge- 
bogener, ferner ein kleiner Flachmcißcl, 37 und 4 Cm., 
dann 3'2 Cm. lang. 

Bruchftuck eines fchnurformig gewundenen Rin- 
ges (r). 

Zwei Fragmente von Fingerringen, eines mit 
fehlendem .Stein, das andere mit fechsfeitigem Schild, 
darauf zwei aufrecht flehende, durch den Guß vertieft 
hergestellte menfchlirhc Geftalten (Figuren). 

Kleines Zicrftück. 

Die Hälfte (Geficht) eines durch den Guß herge- 
stellten innen hohlen, 3 Cm. hohen, 2 Cm. breiten, 
menfchlichcn Kopfes mit kurzgeSchciUlten Haaren, 
herabwallendem Vollbart in Form einer Maske. Voll- 
kommen erhalten. 

Randftück eines dünnwandigen Bronze-Gefäßes 
von 8 Cin. DurchmelTer. 

Brotueftift, auf drei Seiten in Ktfen gefafst. 

Bruchftuck; Zweck unbekannt. 

Bronzenagel mit anhaftenden EiienSraginentcii. 

Fifcngußftiick mit Bronze-Einlage. 

GM. 

Als maffive Plattiriuig an vier Bronzeftückchen, 
wahrfcheinlich den Bruchftückcn von Gefäßen. Darunter 
eines von ; Mm. Wandstärke. 



Silber. 

Ebenfalls als beiderfeitige Plattining einer Bronze- 

feheibe <?). 
Blei. 

Ein maffives Stück Blei in Form einer Platte; cin 
anderes kleineres fpiralig zufammengewunden, ein 
drittes ftielrund. zur Ellipfc z.uSammengebogen; letzteres 
vielleicht mit der Beftimmung, auf einen Lederriemen 
befeftigt, um den Arm oder die Hand gewickelt, einem 
Fauftkämpfcr zu dienen (?:. 

Das wichtigfte ausschlaggebende, weil zejtbe- 
ftimmende Fundmaterial find Münzen. 

Die vorliegenden find entweder aus Kupfer' oder 
aus Bronze. Obzwar auch Gold- und Silbermünzen ge- 
funden wurden, fo find mir doch beide nicht zur Hand, 
fondern in fremdem Befitz und können derzeit, nicht 
mit in Rechnung gezogen werden. 

Dem Aeußeren nach find die in Rede kommenden 
Münzen faft durchgehend mit einer dicken Patina- 
fchichte bedeckt und auch aus diefem Grunde einige 
dcrl'elbcn ohne vorherige, oft fchr nachthcilige Ent- 
fernung diefcs Iauch-, licht-, bläulichgrünen, mitunter 
faft Schwarzen oder ocherrothen Uebcrzugcs noch nicht 
zu bestimmen. Die meiden find jedoch durch häufigen 
Gebrauch Schon zur Zeit ihrer Verwendung oder durch 
Einwirkung viclhundertjahrigcr athmofphäriSchcr und 
mechanischer Einflüßc derart abgenützt, dafs auch 
Exemplare, welche vollkommen erhalten oder nach 
vorhergehender Reinigung ganz blank erScheinen, mit- 
unter kaum einen Kopf oder eine Figur, gefchweige 
denn eine UmSchriSt oder Legende weifen, alfo für 
numismatiSchc Zwecke, Spccicll Zeitbestimmung und 
Provenienz als werthlos bezeichnet werden müßen. 
Andere Stücke find mitunter in einer Krufte von Sand- 
körnern, Erdpartikein, vielleicht auch Afchc derart 
dicht eingehüllt, daSs ohne gcwaltfamc Entfernung 
diefer patma-durchfetzten Verkleidung 0S1 kaum das 
Vorhandenfein einer Münze überhaupt zu erkennen ilt. 
Im Gcgcntheil find wieder andere Münzen, ob/.war 
durchaus mit einer grünen Patina-Schichte bedeckt, 
doch So vollkommen erhalten, Avers- und Revers-Seite, 
Bruftbild, Figuren und Legende fo deutlich erfichtüch, 
die Riinder derart unbefchadigt, dafs es geradezu 
Wunder nehmen muß, wie fich cin derartiges Alter- 
thumsobjeet in der umgebenden chaotifchen Unordnung 
und von nicchanifchcn Einwirkungen unberührt, durch 
beinahe zwei Jahrtaufende fo vollkommen conferviren 
konnte, und wird nur begreiflich, wenn der Wahrheit 
gemäß angenommen wird, dafs es der Außenwelt und 
ihren widrigen Einflüßen entzogen, in den Schützenden 
Wanden eines Gefäße* lag und erft in neuefter Zeit 
durch Pflug oder Haue zutage gel'ordert wurde. Aber- 
mals andere Münzen find an der Oberfläche faft Schwarz, 
ganz rauh und gewilTcrmaßcn incruftirt, in einem Falle 
wie durch die Einwirkung heftigen Feuers ange- 
Schmolzen. 

Bei öfter wiederholtem Bcfuchc des Fundterrains 
hatte ich die Befriedigung und das Gluck, durch Auf- 
findung der vorstehend beschriebenen analogen Exem- 
plare mich von der Richtigkeit der Provenienz zahl- 
reicher erkauften Münzen unzweifelhaft zu vergewiSfern. 

' Hrir.n-Hli.l, .-„.)«„ trR um «.„, « Cl,r. I.tt.rt Vbetdcraiimcn aal 



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- ist - 



Im Ganzen befitze ich von der Fundftälte Carina 
bei Risano etwa dreihundert Münzen, die hirtoriiehen 
ungerechnet, welche, in drei Unterabteilungen gc- 
fchieden, als fyrifchcr. illyrifcher und römifcher Prove- 
nienz bezeichnet werden müßen. 

In Nachfolgendem werde ich nur jene Münzen 
anfuhren, welche entweder leferlich, beftimmbar, oder 
in anderer Weife bezeichnend und hervorragend er- 
feheinen; 

Mafliver Schrötling mit Quadratum ineusum (ohne 
bildliche Darftcllung oder Schriftzeichen). 
Syrien. 

I. Av. : Apollokopf. 

tt: Dreifuß mit Umfchrift: BAIIAEQI ANT(l)OXOY 
(Siehe Cataloguc Wetzl de Wrflcnheim, Vol. I, Nr, 6847, 
unter unbeftiinmbaren Münzen Antiochus II ). Derfeibe 
führte den Heinamen Theos (Gott), weil er die Milcfier 
vom Tyrannen Timarchiis befreit hatte. Von feiner Ge- 
mahlin Laodike vergiftet. 261 bis 247 v. dir 

Illyrien. 

1. Dyrrhachium (Durazzo italienifch und Dratfch 
türkifch; befefligte Seeftadt im türkifchen Vilajet Sku- 
tari am Adriatifchen Meer. 626 v. Chr. führte es den 
Namen Epidamnus; vor den Römern wurde dasfclbc 
Dyrrhachium benannt; hier pflegten (Ich diefelben ge- 
wöhnlich nach Italien einzufchiffen). 

Av.: Kuh, den Kopf nach links gewendet, mit 
Taugendem Kalb. H: Alcions Gärten fgricchiieh Alki- 
noos; in der OdyfTec Ktmig der Phaaken, nahm den 
von Troja heimkehrenden Odyffcus gaftfrei auf und ließ 
ihn nach Ithaka bringen). Quadratum ineusum mit Um- 
fchrift: AYP (Siehe XUrllenheim, 1. c, eine ähn- 
liche Münze Kr. 3105). 

2. Av. : Kopf, nach rechts gewendet. 

ft: Aufrecht ftchende nach rechts fehreitende Gc- 
ftult (Diana:) mit Fackel und zwei Lanzen. Umfchrift: 
BAIYAEQY0IAAAA8(Ballai<}n)(I»>-//c»/r«/«, 1 c. 3255). 

3. Faft gleiche Miinze mit der Umfchrift: 
BAAAAIOY.' 

Viele andere hierher gehörige, den \ erflehenden 
ähnliche Münzen wurden entweder noch nicht beftimnit 
oder find überhaupt in den Details unbeftimmbar. 

Kötni/c/ic Kaifermünseu* 
welche ich nunmehr folgen lalTe und die bekanntlieh 
von Julius Cacfar, 48 v. Chr. Geb., bis Romulus Augu- 
llu.s, 476 n. Chr. Geb. reichen, find fowolil Kaifer- 
Mcdaillen als Verkehrsmunzen. 

1. Av: Bruftbild, Caligula? I*: Undeutlich. Bafis: 
S(enatus) C(onsulto). Thalergroße. 

2. Av.: Bruftbild. Imp: Octananus Augustus 
27 v. Chr. Geb. „Augustus^. H: Undeutlich. Bafis: 
Armis (?) 44 v. bis 14 n. Chr. Geb. 

3. Av.: Bruftbild mit Zackcnkrone. Umfchrift: 
Galha. #: Undeutlich. 68 bis 69 n. Chr. Geb 

4. Av.: Bruftbild mit Zackenkrone. Umfchrift: 
Imp: Claudius. Pf. Aug. B\ Figur. Umfchrift: Victoriac 
Gothic (268 bis 270). 

5. Av.: Bruftbild mit Lorbeerkranz. Umfchrift: 
Imp. Dioclctianus. Pf Aug. IJ: Figur mit Füllhorn und 

• Dl> vcrflehrp<!o^ Mimfrn, Hrfrii <.'.r->C« einem Zf hn hcllerftilck nl'i.h 
leoojrrt, rn hpfliir.mf n. h»tlr it'.r in * iit>,oi mifcS^rt Kr-ilcit rühmlich^ lifV.irmt* 
Nuaii»mui*ef Pfof. ?,:fff* Smm* in Pr»j iit «riß« Cm, vral'ut ich an 
dlffcr Ste;U J-n vfr.inHli--.Hjr. I>:,r.k »i- .|«rh nlt . 

1 !>,„ jtollc »,,r.m .Dn ZthnSdlsr bu ijm Kuneaftuck. 

XXIV X V 



Kranz. Umfchrift: Gcnio Populi Romani. Bafis: A. Q. P. 
(284 bis 313); 

6. Av.: Bruftbild lorbcerbekränzt. Umfchrift: Con- 
stantinus. Ijr: Zwei Krieger, Feldzeichen haltend (306 
bis 337). 

7. Av.: Bruftbild, lorbcerbekränzt. Umfchrift: 
Crispus Caes. lf: Umfchrift: Caesar nostrorum. In der 
Mitte: Kranz, darin Vot Y. Bafis: H. O. S. (317 bis 326). 

8. Av.: Bruftbild (Münzen mit dem Geficht nach 
rechts und auch nach links gewendet): Constantinus 
Pf. Aug. 

Die Münzen von Conftantinus find am häufigflen 
vertreten, refpeeiive zu entziffern. 

Als am jüngften, weil dem Ende des Kaifcrrcichcs 
am nächften, dürften drei kleine Münzen bezeichnet 
werden: 

Av.: Bruftbild. Umfchrift: D.(ominus) N. (oster) 
Constantinus. Eine filberplattirte Kupfermünze. 

Hiermit waren auch die zur Beurtheilung derzeit 
vorliegenden FundObjefte von Carina im großen Gan- 
zen erfchopft. Frei auf der Oberflache des Fundterrains 
umherliegend wurden fie gefammclt, aufbewahrt, ge- 
ordnet und in den vorliegenden Zeilen uberfichtlich 
zufammengeftellt. Diefe mühevollen und ohne materielle 
Korten nicht zu erzielenden Refultatc find für den 
Forfcher gewifs von fehr befriedigenden Erfolgen be- 
gleitet; fie geftatten eine zwar unterbrochene, aber in 
weiteren Gränzen ganz zueerläßige Beftimmung des 
Bcftandes von Carina bei Risano; fie geftatten auch 
ganz berechtigte Schlüße auf Land und Leute, 
welche hier verkehrt haben; allein es bleibt, ungeachtet 
der zahlreichen überaus typifchen Fund-Objcfte noch 
unentfehieden, ob diefelben einer Nicdcrlaffung (Wohn- 
ftätten) oder einem Begrabnisplatze — Urncnfeld — 
angehören. 

Um in diefer Richtung zu entfeheiden, ift es uner- 
läßlich, dafs wir unfere Aufmerkfamkeit nochmals der 
Fundftattcfclbft, und zwar der am fudlichften, am Ende 
des Feldes (Plan Nr. III) bei b gelegenen Stelle zuwenden. 
Es wurde bereits voraus gefchickt, dafs fich hier eine 
mächtige, über 70 Schritte lange, etwa 3 M. hohe und 
cnlfprechend breite wallartige Auffchüttung befindet, 
welche von dem Felde (Plan Nr. I) gelegentlich der 
Rigolung dcsfelben als der Cultur hinderliches Ma- 
terial hierher gefchafft und hier deponirt worden ift. 
Die Fund-Objccle — und nur diefen wollen wir Auf- 
merkfamkeit fchenken — welchen wir hier begegnen, 
find aber analog denjenigen, welche wir auf der Fund- 
ftätte (Feld Nr. II) angetroffen und in den vorftehenden 
Zeilen befchriebeit haben; es darf alfo von den einen 
auf die anderen mit größter Wahrfcheinlichkcit gc- 
fchloffen werden. Es ift nämlich auch vorauszusetzen, 
dafs die beiden, fowie die anfchließendcn (Plan Nr. III 
und IV) Felder, welche in einer geraden Ebene liegen 
und früher durch keine Steinmauern gefchieden waren, 
in der hier in Rede kommenden Zeit vorausfichtlieh 
gleichen Zwecken gedient haben. 

Indem wir uns der mehrfach erwähnten wallartigen 
Auffchüttung zuwenden, finden wir vorerft, dafs fie zum 
größten Thcile aus mittelgroßen Klaubftcincn 2U- 
lammengefelzt ift, welche durch atmofpharifche Ein- 
flüßc, in erftcr Linie durch Einwirkung des fließenden 
und bewegenden Waffers, mein oder weniger abge- 
rundet erfcheinen. Zwifchen und über diefen Steinen 



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- ! 5 2 - 



fcflcln unfere Aufmerkfamkeit unzählige Bruchftücke 
der mannigfachftcn keramifchcn Produkte. Hoden, 
Rand, cylindrifch geformte Thonflückc, Stürze (Deckel), 
große und kleine Pflafterziegel, Phallui'e der befchric- 
benen Gattung und dergleichen mehr liegen hier in 
Unordnung, mitunter mit humofer Erde durchfetzt 
neben und über einander. Iis ift hier, kurz gefagt, maffive 
in Bruchftücken alles vorhanden, was einem Afchcn- 
krug, einer Amphora, Urne oder Schale und hierher 
einzureihenden Thongefaßcn angehört. Auch die 
Größcnverhältniffe find fehr mannigfaltig und wechfcln 
vom maffiven Itarkwandigen Krug oder einer ähnlichen 
Urne bis zur kleinen filigran gearbeiteten Schale. Die 
zitgelrothe und fchmutzigweiße Farbe ift auch hier bei 
weitem vorhergehend. Neben diefen überwältigenden, 
in Gcflalt und Größe fortwahrend wechfelndcn Pro- 
duflen topferifcher Kunftfertigkeit fcffcln unfere Auf- 
merkfamkeit auch noch zahlreiche fauft- und kopfgroße 
durch intenfive (Feuer-) Hitze feft zufammengebackenc 
Klumpen von afchgrauer oder fehwarzlicher Farbe. Bei 
genauerer Befichtigung <odcr beim Zcrfchlagcn der- 
felben mit und auf einem Steine gelangen wir zur 
Uebcrzeugung, dafs fie aus größeren und kleineren 
Sandkörnern, Gcfaß-Fragmcntcn, Kohlcnftückchcn und 
Afche beliehen. Bei fortgefetzter Bemühung ihre 
/.ufammenfetzung kennen zu lernen, finden wir auch 
größere Knochenftückc, mitunter griin patinirt, Glas- 
fcherben und fogar kleine Bronzefragmentc, alfo alles, 
was dem Inhalt einer Afchcnurne oder eines derartigen 
Kruges zukommt. Schließlich gelingt es, Bauchfeiten, 
dann ein Randftuck fammt Henkel, beide von größeren 
maffiven Gefäßen, aus rothlichem Thon beftehend und 
analog den bekannten derartigen Fundftückcn vom 
Felde Nr. II zu acquiriren. Bauch und Randfeiten 
beider Objectc find mit einer dicken K rufte von Sand, 
Kohlcnftückchcn, Afche etc. bedeckt, und wir gelangen 
zur vollen Gewifsheit. dafs auch die früher unterteilten 
gleichartigen Klumpen, wie fchon die in ihnen vor- 
kommenden Gefaßfragmente und übrigen Fundgegen- 
ftände unzweifelhaft angedeutet haben, früher in einer 
Urne geborgen gewefen waren und einem Brand- oder 
Urnengrabe zugehörig erkannt werden müßen. Orts- 
cinwohner verfichern, dafs in den besprochenen afch- 
graucn Klumpen auch Mün7.cn gefunden werden und 
find bemüht, diefelben eifrig zu zerfchtagen. Die früher 
angeführten mitSandkörnernumhülltenMünzcn fprechen 
für die Richtigkeit obiger Ausfage; auch wird der 
exaifle L'rhaltungszurtand anderer derartigen Stücke in 
ahnlicher Weife erklärlich. 

Aus allem fcheint hervorzugehen, dafs die Felder I 
und II als Urnen- oder Brandgrab-Statten zu bezeichnen 
find und dafs auch die Felder III und IV auf Carina 
wahrfcheinlich gleichen Zwecken gedient haben. 

Schon eingangs wurde öfters darauf hingewiefen, 
dafs die Felder I bis IV nur etwa 30 bis 50 Cm. über 
dem Meeresfpiegel fituirt erfcheineu und dafs fie bei 
widrigem Wind — Steinhaufen und Steinmauern hin- 



weggedacht — der Ueberfchwemmung unterliegen und 
auf dem Felde IV fogar ein verfumpfter mit dem nahen 
Meere communicircndcr Tümpel fich befindet. Nun ill 
es fattfam bekannt, dafs in prähiftorifcher Zeit und 
fpeciell in der claffifchen romifchen Periode mit größter 
Pietät beftattet wurde, und dafs zu Grabftellen vor 
allem trockene, den Einwirkungen verderbenbringen- 
der athmofphärifchcr KinflvilJc, möglichft wenig unter- 
worfene Terrainlagen mit Umficht und Gefdiick er- 
wählt wurden. 

Und da finden wir auf den Fcldflurcn von Carina, 
allen Erfahrungen förmlich zum Trotze, eine weit cr- 
ftreckte und lang benützte Grabftelle faft an der Ober 
fläche des mit primitiven Ackergcräthen nur feicht auf- 
gewühlten Erdbodens (Feld Nr. II), und bei einer Rigo- 
lung, welche höchftens 30 Cm. betragen konnte, da in 
diefer Tiefe nach Ausfage des Befitzers und dem Vor- 
hergefagten folgerichtig bereits Waffcr auftritt, auf 
dem Felde Nr. I den ganzen Grabcsinhalt aus dem 
Boden gehoben und bei Seite gefchafft. 

Ks ift einleuchtend, dafs der Status quo ante auf 
den Fcldfkiren von Carina feit der Zeit feiner Be- 
nützung als Grabftelle fich ganz gewaltig geändert 
haben muß! Und es ift anzunehmen, dafs elementare 
erderfchütternde Einwirkungen in Geftalt von Erd 
beben, von denen die Bocchc bekanntlich öfter heim- 
gefucht wurde, den Boden zerrifien und gefenkt, die 
aus der Spila-Huhle und der jenfeits gelegenen Schlucht 
zeitweife kommenden Waffcr die Grabftelle auf Carina 
der bergenden Erd- und Steindecke entblößt und die 
Gräber felbft an das Licht des Tages gefördert haben. 

Ob ein Erdbeben, 1 wie die Tradition verfichert, 
die alte Stadt Rhizon wirklich in das Meer begraben 
und ob der jetzt nur temporäre WafTcrlauf der Spita 
früher vielleicht ein anhaltend ftromender Fluß, der 
rhizonifche nämlich, gewefen fei, kann heute nicht ge- 
nügend begründet und alfo auch nicht apodiktifch 
erwiefen werden. 

Das gänzliche Fehlen von Walter auf dem Grab- 
felde von Carina fcheint jedenfalls auf eine friedliebende, 
Fifchcrei treibende Bevölkerung, welche hier ihre 
Todten bellattetc, zu deuten. 

Zum Schlußc ift noch hinzuzufügen, dafs der vor- 
ftchende Bericht — wie begreiflich — über die in Risano 
gemachten Funde auf Vnllftändigkeit oder erfchopfende 
Darllcllung langft vergangener VerhältniiTe durchaus 
keine Anfprüche erheben darf, da ja das angefainmelte 
in den vorfallenden Zeilen deponirte Material aus- 
nahmslos nur an der Oberfläche der Fundllellen gefam 
nielt wurde. Syftematifch geleitete Grabungen durften 
umfaiTendcrc und ausgiebigere Rclultate herbeiführen. 

1 l>i« AiiTn ht, dal» c!:c alte. Stadt Khifm rfurrli ein F.rdWlien >eiffr>tt 
wul iii t\itt Meer veifenll wonlor. fei. ift in i!rn IWii i:ke <li Cattoro allc«-ein 
varhieilet nr-<l Eenliiiili<. 1-r Ii harr hei vulU omnieti ri;hi|rer See